DIARY

Bremen, Garage – 17.11.2018

23.12.2018 von Philipp

Four guys in a really hot garage

Morgens treffen sich alle Fraktionen wieder in der T-Stube, wo die Konzertgruppe ein opulentes Frühstück aufgefahren hat. Da gibbet alles, was das Herz begeht und Czarna saugt alles auf, was wir vom Tisch fallen lassen. Respekt und Liebe noch mal an Tim und die Konzertgruppe (OI FORCE, ne?), tolle Organisation!



ONDT BLOT


Nach Bremen sind wir dann schnell hingebeamt. Dort tobt bereits die Party von Punkerin Judith, die heute 50 Jahre alt wird. Bestes Alter, hab ich gehört! Happy birthday! Die Garage ist mal… klein. Irgendwie schaffen ONDT BLOD und wir es, alles reinzuwämsen, was nötig ist. Geilerweise zockt heute sogar noch ‘ne dritte Band – C.I.P. aus Bremen, die ich im April im Kieler Medusa gesehen habe. Eigentlich war geplant, dass C.I.P. anfangen, dann wir und dann ONDT BLOD. Aber Planungen können auch gern mal in die Mülltonne gekickt werden, und so entscheidet das Universum die Reihenfolge um auf ONDT BLOD – VLADIMIR HARKONNEN und C.I.P.. Ist ja auch wumpe.

 

Nachdem wir alles eingestellt haben, genießen wir leckerstes Essen, Bier, Sekt und erbauliche Gespräche. Es sind viele Bekannte da, total gelungene Überraschung zum Beispiel das Auftauchen von SODIUM-Henrik, der seit kurzem in Hannover wohnt!

 

Vladi

 

Aber irgendwann heißt es raus aus der warmen Bude und rein in die kalte Garage. Die bleibt aber nur Sekunden lang kalt, denn ONDT BLOD heizen heute richtig ein! Ein Tourabschnitt geht für die Norweger zu Ende, was der Grund sein mag, dass sie mir besonders gelöst erscheinen. Der Sound klingt heute kompakter, die Chose drückt total und auch der Gesang kommt heute besser rüber. Jetzt erschließt sich mir deren Musik erst so richtig, ich erfreue mich an so manchem Riff und ernte danach die „Natur“-Scheibe ab.

 

VRHN

 

Ein Wermutstropfen ist heute zu beklagen: Eigentlich sollte an der ursprünglich anvisierten Friese ein Infozettel hängen, was aber wohl doch nicht passiert ist, sodass wir danach von einigen enttäuschten Leuten Mails bekommen, die halt sinnlos vor der Friese standen und verschlossene Türen vorfanden. Sorry! Die verpassen einen spaßigen Mini-Auftritt, der zum Ende hin schön eskaliert. Als nach einigen Songs kurz der Strom weg ist, befürchte ich schon, dass die Luft raus sein könnte, aber bei dem erfolgreichen Neustart rastet Aslak völlig aus, pogt wie ein Berserker und reißt mich in die Lüfte! Das spornt offenbar den restlichen Mob an und es passieren mehrere Dinge ungefähr gleichzeitig: In der Mitte der Garage befindet sich eine Grube, die mit Holzplanken zugedeckt ist. Ein Besucher springt so wuchtig darauf, dass eine Planke zerbricht und sich eine klaffende Lücke über der Grube auftut! Währenddessen löst sich im hinten Teil der Garage ein Tuch von der Decke, welches als Lampendimmer fungieren sollte und nun wie ein Vorhang Eric verdeckt. Und ich kloppe aus Versehen bei einem Faustrecker, der eigentlich nur in die Luft hauen sollte, eine Lampenverschalung aus der Decke. Yeah, Chaos! Die Grube wird notdürftig zugedeckt, während unbekümmert weitergepogt wird. Super!  


OBJudith


C.I.P. grinden dann alles zu klump. Besonders geil ist das atemlose Gekotze des Sängers, der zum Snaregekloppe im Stakkato brüllt. Und Goldi spielt die Gitarre so, wie ich immer Luftgitarre spiele! Endlich habe ich den Beweis, dass man so eben doch Gitarre spielen kann, geil!


Die Party lässt uns noch lange bei Judith verharren, bis wir zu Ballo aufbrechen, der uns seine Bude überlässt, obwohl er selbst mit KILLBITE irgendwo anders zockt. Wir verwüsten dort alles und fressen seinen Kühlschrank leer. Gerne wieder!

Rendsburg, T-Stube - 16.11.2018

19.12.2018 von Philipp

Bong-Iggy vs. Bock-Ock

Was für ein rundum herrliches Wochenende! Als sich die Möglichkeit ergibt, mit den Norwegern von ONDT BLOD zwei Konzerte zu spielen, bzw. diese auch mitzuorganisieren, spüren wir na klar von Anfang an Bock drauf. Tim und seine T-Stubencrew haben dann auch am passenden Termin Kapazitäten für uns, für Bremen sprechen wir mit unserer Freundin Tati. Andi erstellt Plakate mit dem Motiv der neuen ONDT-BLOD-Scheibe „Natur“, die wir feudal drucken lassen. Beim Brementermin gibt es dann einen Abfukker – Punkerin Judith feiert an genau dem anvisierten Tag Geburtstag und dorthin gehe Tati zufolge auch 90 Prozent des „Zielpublikums“. Joah, Pech. Aber Tati und Judith kommen auf die geniale Idee, das Konzert einfach auf der Party stattfinden zu lassen und dort in einer Garage zu spielen. Scheiß auf die Berg-Propheten-Nummer! Aber dazu mehr im Tagebuch zu Bremen.

 

T-Stube

 

In der T-Stube wird es dann ganz schön eng, als ONDT BLOD ihr Equipment dort reinschleppen. Holy shit, die Freaks haben tatsächlich ein eigenes Soundsystem samt Extra-Mischpult dabei, sodass später Mischpult neben Mischpult steht. Ob das nicht für einen lütten Laden wie die T-Stube etwas übertrieben ist? Auch fragen wir uns, ob die Norweger diesen Aufwand auch morgen in einer kleinen Garage durchziehen? Aber schnell zeigt sich, dass die Bandmitglieder sowie auch ihr Soundmensch und der Tourmanager sehr entspannt drauf sind. Ich darf hier schon mal verraten, dass ONDT BLOD auch am nächsten Tag kein Problem mit ‘ner Floorshow haben, diese sogar mit Inbrunst durchziehen.

 

T-Stube

 

Es füllt sich früh, wird später amtlich warm und schnell entspinnt sich eine herrliche Stimmung. Ich hatte ONDT BLOD bereits auffem Wilwarin gesehen, wo ich sie sehr geil fand. Heute kommt der Sound nicht so kompakt rüber, was übrigens am Folgetag viel geiler sein wird. Aber Spaß macht es natürlich dennoch. Die Musik ist mitreißend komponiert, eine Mischung aus Hardcore, Metal und z.T. poppigen Melodien. Sänger Aslak pendelt dazu passend zwischen Screams und klarer Melodiestimme. Was mich sehr anspricht, ist die Art der Melodieführung, die etwas sehr Eigenes hat. Dazu drücken die Riffs echt mächtig, was aber wie gesagt am nächsten Tag noch geiler kommt. Kurios ist ein Besucher, der plötzlich auf die Bühne springt, sich mitten im Song vor den Drummer stellt und begeistert Sachen wie „I LOVE LIVEDRUMMING!“ brüllt. Als er anfängt, den Bassisten zu begrabbeln (beim Spielen), holt Tim ihn resolut von der Bühne.

 

T-Stube

 

Immer wieder eine große Freude, in der T-Stube zu spielen. Wir zocken eine Setlist, die mir im Vorfeld als recht lang erscheint. Aber es funktioniert! Tatsächlich haben wir irgendwie eine gute Spannungskurve drin, was sich auch in Bremen bestätigt. Am Anfang könnten wir noch etwas dran schrauben, denn hier dauert es etwas, bis der Mob in der Wallung kommt. Das geht uns allerdings selbst so, denn die beim Soundcheck noch super eingestellten Monitore sind plötzlich so gut wie gar nicht mehr zu hören. Aber das ist dann auch irgendwann wumpe, volle Rotze geben heißt die Devise. Alle Dämme brechen bei „Schweineherbst“, zu dem die Leute gut steilgehen. Und es bleibt dann ausgelassen bei „Frontex Fuckers“, „Stagnation Is Death“, „The Chips Are Down“ und “Death For Profit”, am Ende ziehen die ersten Reihen bei “Reign In Vlad” und “Roadkill BBQ” gar noch gut an, springen auffe Bühne, reißen mir das Mikro aus der Hand und sauen alles mit Bier ein. Geht!

 

Da man ja doch immer ganz schön lange rumhängt, bis man den Konzertort verlässt, wird es letztlich 04:00 Uhr, bis wir bei Eric Harkonnen eintrudeln. Dort sabbeln wir in spontan erweiterter Runde noch länger weiter, sodass einige Anwesende bald die 24-Stunden-Wachgrenze überschreiten. Passiert. TBC!

 

Bock-Ock

Gießen, AK44 – 06.10.2018

09.11.2018 von Philipp

UNLEASHED IN GIESSEN

Von Göttingen nach Gießen ist es nicht so weit, sodass selbst nach einem Vladi-Wellness-Schläfchen noch Luft und die Frage bleiben, was wir vorher unternehmen wollen. Plattenladenbummel? Museum? Am Kopf kratzen? KRATZER wollen baden gehen, was auch sehr verlockend erscheint. Doch wir entscheiden uns für ein wenig Sightseeing: Ab nach Kassel und mal rauf auf die olle Wilhelmshöhe! Das Biest ist immerhin vor ein paar Jahren als Weltkulturerbe anerkannt worden. Von Bekannten wissen wir, dass der Aufstieg recht schweißtreibend sein solle. Das stimmt in der Tat! Als wir schließlich vor der Herkules-Statue stehen, geht allen die Pumpe, zumal es heute recht warm ist. Aber es hat sich gelohnt, herrlicher Anblick, schicke Ruinen und immer wieder die Chance auf ein albernes Bandfoto.

 

 

WilhelmshöheWilhelmshöhe

 

 

Yeah, im AK44 haben BONEHOUSE auch mal mit RAWSIDE gespielt, 2003 war das. Witzigerweise hatte Dennis, der das heutige Konzert veranstaltet, auch vor 15 Jahren die Finger mit im Spiel. Die heutige Veranstaltung findet im Rahmen der „Merciless Metal Massacre“-Reihe statt, es ist die neunte Edition. Leider kommen nur so 20 zahlende Gäste. Aber ich bin sicher, dass von denen alle Spaß haben. Mindestens der Typ, der schon nach der ersten Band (heute KRATZER) auf einer Bank liegt und pennt!

 

 

In der Küche wird geschnippelt und kleingehackt – es gibt Wraps zum Selberbelegen. Auch geil: Pennplätze befinden sich direkt im AK44, also kein endloses Stolpern durch die Innenstadt, beladen mit Schlafsack, Isomatte, Wegbier, Tasche etc., zu einer Punker-WG, die „nur 20 Minuten entfernt“ sei. Allerdings haben wir lediglich einen Raum zur Verfügung, der später bis auf den letzten Zentimeter belegt wird.



Kratzer

 

 

KRATZER demolieren wieder alles und knüppeln jede Visage ein. Henning scheint heute noch einen draufzusetzen und malträtiert sein Kit mit Vehemenz. Die wenigen Besucher drehen durch und schnappen sich mehrfach Schreigräte Marco, um ihn in die Luft zu werfen und crowdsurfen zu lassen. Dengel!

 

 

Mittlerweile verstehe ich immer mehr Texte bei SARKAST, zumal Dan stets interessante Ansagen dazu macht. Bei einigen Songs fällt Andi und mir auf, dass er wie ein ganzer Schweinestall klingt: Grunzen, Quieken, Oinken – alles da!




Wilhelmshöhe

 

 

Wir versichern allerdings danach während unseres Auftritt, dass dies ein ausdrückliches Lob darstelle. Außerdem präzisiere ich: Es handele sich natürlich um glückliche, gerade frisch in die Freiheit entlassene Schweine. Auf der SARKAST/KRATZER/VLADI-Tour ist dies heute der beste Auftritt, finde ich persönlich. Alles läuft wie geschmiert und der Wohlfühlfaktor ist extrem hoch. Außerdem entspinnen sich heute die besten Dialoge zwischen Publikum, Andi und mir. So beschwert sich Andi, dass ich heute mehrfach erst NACH einem Stück etwas zu dessen Inhalt sage. Ja, aber warum nicht? Scheiß auf Regeln! Mir fällt allerdings selbst auf, dass der Abstand von Song und nachträglicher Ansage im Verlauf des Gigs immer größer wird. Und nach dem Ende fällt mir ein, dass ich ja gebeten wurde, anzusagen, dass man bitte draußen rauchen möge wegen rauchempfindlicher Person. Das sage ich dann pflichtbewusst auch nach dem letzten Song an, als eigentlich schon alle weg sind: „Ach ja, vergessen: Heute bitte nicht drinnen rauchen, ey!“ Aber auch zwischendrin spielen sich erinnerungsträchtige Szenen ab: ein KRATZER-SARKAST-VLADI-Grouphug; der Inhalt eines verschütteten Bieres wird von der Bühne aufgeschleckt (weil wegen Verschwendung) und … am Mischpult wird die ganze Scheiße aufgenommen. Wir beschließen: Das Ding wird als Kassette veröffentlicht! Arbeitstitel: UNLEASHED IN GIESSEN!

 

 

Danach herrlich Aftershowparty, deren Geräusche bei jedem Öffnen der Schlafgemachtür infernalisch hereinschallen. Und morgens gilt es, voneinander Abschied zu nehmen, schnüff. Aber nach dem Konzi ist vor dem Konzi, wir sehen uns wieder, keine Frage. Danke an alle!  

Göttingen, Juzi-Keller – 05.10.2018

06.11.2018 von Philipp

bei PETER KRUSTIG

Das Juzi in Göttingen ist mir noch in bester Erinnerung von einem Konzert mit BONEHOUSE, RAWSIDE, RED WITH ANGER und ANTI-CONTROL. Und das ist immerhin ziemlich genau 14 Jahre her, hö.


Bei bestem Wetter cruisen wir gen Göttingen und finden top Zustände vor. Vorm Laden hängen Metalpunks ab, die Streetboozing betreiben und dazu über einen Ghettoblaster MERCYFUL FATE hören. Hier sind wir definitiv richtig! Einige der Freaks spielen in der Band NYTE LIGHT, wie sich im Laufe des Abends noch herausstellen soll. Sie überreichen uns später ihr Demotape mit geil selbst gezeichnetem Cover, Titeln wie „United Metal Punks“, „No Brain No Pain“, ‘ner GIRLSCHOOL-Coverversion von „Yeah Right“ und der herrlichen Widmung „NYTE LIGHT is the Irön Fist into the shitface of the digital „Metal“ Scene! Fuck Off!“

 

Der Juzi-Keller ist ein ranziges, kleines Loch. Geil, mag ich. Irgendwie kommt der Sound auch cremig, obwohl wir hier logisch fast nur über Backline spielen. Aber erst mal heißt es eh essen fassen. Die Konzertgruppe PETER KRUSTIG (bester Name!) hat hart lecker gekocht und super Flyer kreiert. Ich sach ja: Hier stimmt alles.

 

Juzi-Keller

 

Heute lautet die Reihenfolge VLADIMIR HARKONNEN, SARKAST und KRATZER, also genau umgekehrt wie in Schwerin. Ist ja eigentlich auch wumpe. Die ca. 40 Besucher*innen (oder so) passen gar nicht alle in den Keller und stehen daher zum Teil im Gang davor, weswegen alle Bands auch mal in den Gang bölken und winkewinke machen. Ein Besucher möchte gern mitzocken, er könne Gitarre spielen. Außerdem habe er Bock auf ein SODOM-Cover. Ersteres findet Zarc nicht so geil, ballert aber spontan das „Bombenhagel“-Riff (oder war es das von „Ausgebombt“? Gibt es da einen Unterschied?), in das wir alle einsteigen. Ich glaub, der Typ ist trotzdem traurig, dass er nicht mitspielen darf, aber Marco nimmt ihn den Arm. Besonders freu ich mich ja, dass RED WITH ANGER/DUNKLE TAGE-Drummer Schmied („Philipp, ich mag ja keine langen Haare, aber deine sind immer schön unordentlich!“) im Mob ist und strahlt wie ein Honigkuchenpunker. Joah, war noch was? Falls ja, verschwindet es im Rausch des Momentes. Geiler Gig!

 

SARKAST und KRATZER packen dann die Krustenkeule aus, bis die Punkerleiber nur noch so den Raum fliegen. Barbarisch!

 

Crewlove

 

Wir werden später auf verschiedene Wohnungen verteilt. Die Vladis landen bei Joshi, der in gleich drei Göttinger Bands spielt – ABRUPT, DISHONOURED und POSTMORTAL ERECTION, mal mit Schlagzeuggeballer, mal mit Geschrei. Und alle drei sind geil, wie die Split-LP „Distorted – Göttingen meets Prague“ (aus Prag: KRÜGER, JUST WÄR und ANGRY BRIGADE, https://abrupt-punx.bandcamp.com/album/distorted-g-ttingen-meets-prague-sampler) zeigt. Die ganzen Aktivitäten mit x Bands und Konzertgruppe erklären dann auch, wieso der Kollege „etwas“ länger nicht aufgeräumt hat, haha. Aber wir quetschen uns in die Hütte und freuen uns auf Gießen.

 

Next: UNLEASHED IN GIESSEN!

 

Drive

Schwerin, Komplex – 02.10.2018

30.10.2018 von Philipp

Plastiniert in Schwerin.

Ich sage es gleich – ich bin lediglich das Medium!

Und aus mir spricht …äh… Dionysus. So hieß doch dieser Gott des Biers, oder? Zumindest stoße ich gelegentlich mal auf. Vor allem wenn ich Bier trinke. Das kommt auf Tour ab und zu mal vor. Und wenn die ollen Griechen sich in Delphi haben hart einen orakeln lassen, so hören meine Mitvladis aus meinen Eruktationen …Wörter! Oder besser Namen. Auf dieser Fahrt erreichen wir allerdings ein ganz neues Level: Es entsteht die Figurenkonstellation für einen amtlichen Fantasy-Roman! Naja, vielleicht nicht für einen „Herr der Ringe“. Aber das erste Kapitel vom „Hobbit“ könnte man schon bevölkern mit folgenden Wesen (Andi verleiht den von ihm verstandenen Namen zum Teil gleich Charakterzüge):

Dolp – Bergtroll, mag Schmetterlinge
Stoke – Krieger, menschlicher Dieb
Ztl-Unkh – Ork
Ghordo – finsterer Zauberer
Sir Göttingen – strahlender Ritter
Luul – fliegende, honigsammelnde Fisch-Fee
Buul, Ehllup, Ugidor, Wäoeble, Bulgurrh, Ögaah, Deedl – alle noch ohne Charakter, aber schon mal ins (fiktive) Leben gerülpst.

 

Irgendwann sind wir aber in Schwerin und verwerfen die sich bereits abzeichnende Handlung, schließlich hat die Realität des Ausladens uns schnell eingeholt. Wir treffen auf nette Menschen, zum Teil alte Bekannte wie den JESUS KOMMT AUS BÜTZOW-Sänger, der ein MOORLOCH-Shirt trägt, und natürlich die Kollegen von KRATZER und SARKAST. Verrückterweise war ich nach einem unserer früheren Schwerin-Auftritte schon mal im Komplex, habe den Schuppen aber vollständig anders in Erinnerung. Woran das wohl liegt? Genial jedenfalls der Hintergrund, dass dieses mehrgeschossige Haus Veranstaltungsort und Wohnprojekt in einem ist (von der Komplex-Homepage: „Das Komplex ist alles andere als „nur“ ein Club. Es ist ein alternatives Hausprojekt, das komplett von Freiwilligen getragen und genutzt wird. Unser Ziel ist es, in Schwerin ein alternatives/linkes Kulturprogramm anzubieten.“). Sowas müsste es viel häufiger geben und ist hier aus mehreren günstigen Umständen heraus entstanden, zum Beispiel standen die (ursprünglichen) Besitzer dem ganzen Projekt positiv gegenüber.

 

Kratzer

 

Soundcheck, Futtern (lecker) und Gespräche lassen die Zeit wie im Fluge vergehen, sodass es fast schon irritierend wirkt, als KRATZER loslegen. Die Hamburger überzeugen mal wieder mit ihrem eisenharten D-Beat/Crust. Besonders geil finde ich das Drumming, welches wirklich unbarmherzig ausfällt. Henning spielt wie ein Uhrwerk (allerdings geht keine Uhr derart schnell…), dabei mit Wucht und fieser Tightness. Wenn du denkst, dass dir gleich der Schädel platzt, dann zockt er noch ein rabiates Fill. Heftig aber auch Marcos Gekeife, welches Stücke wie „Error“ oder „Tunnelblick“ die angemessene Angewidertheit verleiht.

 

Immer wieder großartig: SARKAST! Hier gibt es mehr Metaleinflüsse, diese aber sehr roh und ruppig eingebracht und mit Crust, D-Beat und Hardcore/Punk vermengt werden. Man versteht natürlich so während des Zockens nicht viel, aber ich studiere noch an diesem Abend die Texte der neuen LP „De-Generation“ und entdecke viele interessante Aussagen! Zum Beispiel „Plastination“: „Nachbildung von Leben und Zivilisation / aus toten Geweben in der Isolation / Plasti-Nation / Verformtes Wesen in der Verpackungswelt / Optimiert und konserviert bis es auseinander fällt / Plasti-Nation / Ein Verhaltens-Regelwerk gebrüllt vom Abfallberg / Ästhetik konstruiert, Gefühle manipuliert / Streben nach polymer-geformter Schein-Vielfalt / Sterben in einem Meer aus Nicht-Nachhaltigkeit.“ Das peitscht rein!

 

Dolp

 

Ein schönes Paket ist das mit SARKAST und KRATZER. Musikalisch durchaus unterschiedliche Bands, die aber viele Inhalte und Ansichten teilen. Diverse Bekannte aus verschiedenen Städten tummeln sich im Mob. Auch schön: die Katzenvideos, die per Beamer an die Wand geworfen werden, natürlich auch während der Konzerte! Das motiviert. Zu Bodenrollern, neuen Songs, spackigem Tanzen und sich selbst das Mikro vorn Kopp hauen. Unser bisher schönstes Konzert in Schwerin? Auf jeden Fall herrlich.

 

Auch alle anderen Umstände vom Essen über die After-Dingens-Party bis hin zu den Schlafplätzen können unter „herrlich“ zusammengefasst werden – bis auf den Abfukker am nächsten Morgen: Reifen platt! Das Streckermobil besitzt zwar einen Ersatzreifen, dieser ist jedoch nur nach einer stundenlangen D.I.Y.-Schraubung aus seiner Verankerung zu befreien, da sich irgendwie wat verklemmt hat oder so. Zwischendurch sind wir schon nah daran, einfach den alten Reifen – mittlerweile neu aufgepumpt – dranzumachen, aber mittels etwas brachialerer Eingriffe und dem Einsatz der halben Komplex-Werkstatt gelingt es schließlich, das Ersatzbiest zu lösen. Rock on!

 

Argh

MELTDOWN, Schuby, Nordring – 07. & 08.09.2018

20.09.2018 von Admin

Hirnschmelze in Schuby

Zum zweiten Mal aufs Meltdown eingeladen, hurra! Ich schieße gleich mal ein Fazit vorweg: Die diesjährige Edition wartet mit einem sehr starken Billing auf, welches immer wieder gerade mit Bands überrascht, von denen ich noch nichts gehört hatte. Das Publikum erscheint mir rege und an den Bands interessiert, also weniger ein Mir-egal-was-spielt-ich-will-nur-saufen-Mob, sondern Musikliebhaber, die genießen wollen. Da sind Vladi natürlich goldrichtig aufgehoben…

 

Meltdown

 

Wir reisen fast alle bereits am Freitag an und gönnen uns immerhin noch PSILOCYBE LARVAE sowie ENDSEEKER. Für mich war es früher nicht zu schaffen, da ich noch einen alten Kumpel in seinem Bauwagen besucht hatte. Aber is ja auch schön. Die Russen von PSILOCYBE LARVAE (bei diesem Namen muss man sich beim Schreiben konzentrieren…) stellen gleich eine der erwähnten Überraschungen dar! Ich fühle mich an ganz frühe TIAMAT erinnert, wobei das nur ein grober Anhaltspunkt sein kann. Der Sound ist herrlich roh, gleichzeitig schälen sich wunderschöne Gitarrenmelodien heraus. Des Sängers Growlvermögen sagt mir ebenso zu wie sein Klargesang. Vier Scheiben haben PL dabei, drei davon ernte ich flugs ab, weil das letzte Exemplar der vierten vor meinen Augen verkauft wird.

ENDSEEKER sind ja regelrechte Senkrechtstarter und rechtfertigen den regen Zuspruch durch eine feine Death-Metal-Sause. HM 2-Sound der alten Schule, aber nicht so generisch wie bei manch anderen Bands dieses Stils, sondern mit schmissigen Songs, die Laune auf Biertrinken und Rübeschütteln machen. EP und LP sind zu empfehlen, das nächste Langeisen wird dann über Metal Blade kommen.

 

Meltdown

 

Am Freitagabend wurde es doch ganz schön kalt und nass, wie man es nach gut viereinhalb Monaten Sommer gar nicht mehr gewöhnt war. Da freuen wir uns über das deutlich freundlichere Wetter am Samstag! POWERHEAD eröffnen mit Heavy Metal und vermögen es, viele Freaks von den Bierpilzen wegzulocken. Ein Humpen kostet übrigens lediglich 1,50 Euro – Daumen hoch! Das KYUSS-Cover „Green Machine“ klebt mir noch Tage später im linken Ohr.

Von INSULTER, die wegen der Absage von EXTINCT nach hinten rutschen, bekomme ich nur ein paar Songs mit, da wir selbst ja aufbauen müssen. Immerhin kann ich mich fast unbemerkt davonstehlen und mir doch ein Viertelstündchen INSULTER gönnen. Geil kickende Mischung aus VENOM  und early SLAYER!

Wir sind irgendwie besonders gut drauf heute, habe ich das Gefühl. Die Rahmenbedingungen sind perfekt: So hat mir die Meltdowncrew das Bühnenbier in so einer tiefen Metallbratform gereicht, was sehr praktisch ist: Fiele mir das Bühnenbier um, was in der Regel ja immer geschieht, würde nichts verschwendet und ich könnte das edle Gebräu direkt aus dem Teil trinken. Wir würdigen auch die Bierzeltdichte pro Quadratmeter und die Anzahl der Dixies. Hier muss keiner an den FOH pissen, wie etwa früher beim Force Attack. Wir sind ja keine Band, die ihre Bühnenmoves plant. Insofern gefällt es mir, wie Andi plötzlich im Kreis vor sich hin rennt. Ich schließe mich gleich an und wir liefern uns einen halben Song lang eine wilde Verfolgungsjagd. Also, alles geil aus unserer Sicht, wir würden wiederkommen!

 

Meltdown

 

Danach versuche ich noch so viel wie möglich von den weiteren Bands mitzubekommen: OBSKURA metern mit wüstem Death Metal los, der mir wie immer gut gefällt. Eine weitere Überraschung stellen TORIAN dar, die wie INSULTER oder PSILOCYBE LARVAE vorher niemand auf dem Zettel hatte: Hochklassiker Power/Heavy Metal mit grandiosem Sänger und tollen Melodien. INCARCERATION sind zum Duo geschrumpft und Daniel macht es wie die jeweiligen Kollegen bei MANTAR oder SUN WORSHIP, indem er über zwei Amps, je einen Gitarren- und einen Bass-Amp, spielt. Der hysterische Vortrag und Smasher wie „Forsaken And Forgotten“, „Evoking The Possession“, „Obsessed By Death“ oder „Infernal Suffering“ lassen den Mob gut am Rad drehen. VERHEERER hatten mich schon im April in der Meierei begeistert, heute gefallen sie mir sogar noch besser. „Das ist die beste deutsche Black-Metal-Band! Schreib das!“, brüllt mir Kollege Thomas ins Ohr. Wohin eigentlich? Hinters Ohr? Hier ist bestimmt auch gut: VERHEERER sind die beste deutsche Black-Metal-Band! Die Darbietung strahlt fast schon Besessenheit aus, ohne dass antikosmischer Klimbim nötig wäre. Die eiskalten Gitarrenmelodien kriechen tief ins Mark. Zu METAL WITCH sind viele geblieben, was sich bei einer derartigen Institution auch gehört. Bester ACCEPT-Metal mit verdammt guten Riffs. Heute scheint mir Sänger Kay Rogowski noch besser in Form als sonst, seine Stimme schneidet sich durch das schon leicht betäubte Gehör mühelos durch.

 

Meltdown

 

Das war ein Festival zum Wegschmelzen. Großes Lob an die Meltdown-Crew!  

FREEVIVAL, Kiel / Aubrook – 18.08.2018

29.08.2018 von Philipp

Live free or die!

Erstaunlich: Obwohl es keine offizielle Werbung für das FREEVIVAL gab (die Bewohner*innen hatten verständlicherweise keinen Bock auf Arschlöcher, die blöde Stimmung verbreiten), füllt sich der Aubrook früh mit vielen tollen Menschen. Schön, dass dieses Weiterzählen-Ding immer noch so gut funktioniert.


Freevival


Der Aubrook ist super gemütlich geschmückt, alles bunt und grün, überall Sitzflächen zum Abhängen, Getränkestände, veganes/vegetarisches Essen – das Gelände ist ja eh herrlich und kann als grüne Oase bezeichnet werden. Auch genial: der terrassenartige Aufbau des Bühnengeländes und die selbstgezimmerte Bühne. Ich habe hier schon so manches Freevival genießen dürfen, andere Besucher*innen sind zum ersten Mal hier und staunen Bauklötze, wie schön es hier ist.

 

Freevival

 

Aber erst mal muss alles vorbereitet werden. Der Aubrook ist schließlich kein Proficlub, in dem alle technischen Geräte verfügbar sind. Schnell wird festgestellt, dass es u.a. an Mikros mangelt. Zum Glück kann Brooker*in Luna, die uns auch eingeladen hat (Danke!), welche aus der Meierei besorgen. Mit vereinten Kräften gelingt es Brooker*innen, Freevival-Crew, unserem Soundmenschen und Musiker*innen, nach stundenlangen Gefrickels und Gecheckes einen zufriedenstellenden Klang herzurichten. Ein Punk lümmelt sich bereits bei unserem Soundcheck ins Gras und pöbelt „Wann geht die Scheiße endlich los?“ Recht hat er zwar, aber: Geduld, junger Padawan!

Erst mal genießen wir kühles, frisch gezapftes Bier, dat leckere Chili und treffen unzählige Bekannte. Ein schöner Tag, selbst wenn wir gar nicht gespielt hätten.

Irgendwann fangen BODO UND DIE RAUMVERBRAUCHER an, also Liedermacher Bodo jetzt nicht mehr solo, sondern mit Verstärkung in Form von Nils und Rainer an Gitarre und Cajón. Gefällt mir in dieser Form auch sehr gut. Natürlich sind „Putze“ und „vertrockneter Frosch“ mit am Start, aber auch geile neue Scheiße.

 

BUSRVBAPPENDIXX

 

Die Hamburger TEDIUM 190 sind mit dem Zug angereist und haben die Zeit so gut genutzt, dass einer von ihnen mehr als nur „gut drauf“ ist, haha. Wusste übrigens gar nicht, dass Reino dort am Schlagzeug sitzt. Das Trio spielt herrlich aneinander vorbei, der Bassist purzelt über die Bühne, aber die inhaltliche Richtung wird mehr als deutlich: fetter Stinkefinger gegen Faschos.

Bei perfektem Wetter folgen APPENDIXX, die sehr in Richtung NIRVANA und leicht punkigen Grunge gehen. Junge Band aus Rendsburg, ich sehe sie zum ersten Mal, versabbele aber eh die meiste Zeit. 


MAGIC HUMVRHN


MAGIC HUM haben sich dem Stoner verschrieben und die Bandmitglieder sind mindestens vom Sehen alte Bekannte. Harry, Ex-GRIZZLY RIDER, am Schlagzeug und Maddin am Bass versetzen dem gut gefüllten Gelände ‘nen hosenflatternden Wums, Gesang und Gitarre klingen gut abgehangen und röhrig. Hab Harry noch nie so gut spielen hören, dat macht Laune!

Schön dunkel isses, als wir loslegen, keine Ahnung, ob zur anvisierten Uhrzeit von 23:00 Uhr oder ob es schon später sein mag. Wer guckt an so ‘nem schönen Tag auch auffe Uhr? Immer noch scheinen Leute zu kommen, z.T. offenbar auch neugierige Anwohner*innen. Es trauen sich schön viele direkt vor die Bühne und schmettern mit. Ein reines Vergnügen, hier zu zocken! Nur der grüne Teppich liegt nicht so wirklich plan auffem Bühneboden und so schaffe ich es, beim Zurückgehen vom Bühnenrand zweimal über den Saum zu stolpern und auf dem Arsch zu landen. Wo sind diese Roadies, wenn man sie braucht? So ein Bühnenteppichglätter kann doch nicht zuviel verlangt sein! Schön auch, dass unser Soundmensch das gesamte Soundboard runterfährt, als unser Outro läuft – wir uns aber noch spontan für eine Extranummer entscheiden. Nun muss besagter Soundmensch während des Songs schnell einen neuen Mix kreieren – was gut gelingt, wie ich finde: Applaus!

 

VRHNVRHN

 

Hach ja, danach wird noch so viel wie möglich vom ureigenen Freevival-Gefühl getankt. Danke, Liebe und Vladiismus an alle!   


Feuer

ILLUSION OF PROGRESS Fest V, Osnabrück, SubstAnZ – 14.07.2018

19.07.2018 von Philipp

Clap like Ozzy!

Manchmal ist es verrückt, da macht man seit Jahrzehnten Musik und entdeckt eines der zwingendsten autonomen Zentren erst jetzt. Dabei waren wir mit Vladi 2010 sogar schon auf einem geilen Sampler namens „SubstAnZ Solidarität – Musik fürs AZ Osnabrück“ (sehr schön aufgemacht in pinkem Pizzakarton mit Aufkleber, Patch, Button und Beiheft und außer uns mit u.a. INNER CONFLICT, PROFIT AND MURDER, FUßPILZ, AUTONOMADS, PARADOX, IN IRATUS, SEXTO SOL oder MURUROA ÄTTÄCK). Den dort vertretenen Song „Rink o‘ Fear“ bauen wir dann auch mal spontan und ungeprobt in de Setlist ein, befinden wir auf der Hinfahrt. Geil, dass es endlich mit einem Auftritt im SubstAnZ klappt, freuen wir uns und öffnen die ersten Kannen, während draußen die Sonne brüllt. Zarc und Ass fahren auf der Hinfahrt nicht im Streckermobil mit, dafür ist die neue MÖRDER-Gitarristin Feli mit an Bord. Diese erzählt uns, dass sie in der kurzen Zeit, in der sie bei MÖRDER zocke, bereits zugenommen habe, weil Andi ihr pausenlos Bier in die Pranken drücke.

 

VRHN on the road

 

Ist das schön hier! Das SubsTanZ ist ein Bilderbuch-AZ, da stinkt selbst Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt ab. Es gibt einen sonnenbeschienen Innenhof, in welchem sich bereits biertrinkende Punkerhorden und ein Hund lümmeln. Komplett mit Bierwagen und Snackhütte, aus der heraus später vegane Burger, Pommes mit veganer Majo und veganes Gyros gereicht werden. Das Gebäude selbst beherbergt einen Zockraum in idealer Größe und erstreckt sich über mehrere Etagen, oben kann man chillen und es existieren mehrere hammergemütliche Schlafräume. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! Im SubsTanZ sind Awareness-Teams eingerichtet worden, die mensch ansprechen kann, wenn es zu blöder Anmache o.ä. kommt. Das sind auch nicht nur Lippenbekenntnisse – ein Typ wird später am Abend tatsächlich rausfliegen.

 

Wir freuen uns, bekannte Gesichter wiederzutreffen, z.B. Kevin & MORIBUND SCUM und die Vögel von ORÄNGÄTTÄNG, andere kennenzulernen, vor allem die nette Veranstaltercrew um Olli und die verrückten Hunde von GLOOMSTER. Kevin tauscht gleich Platten mit uns und sorgt dabei so gut vor, dass er dieselbe Scheibe nun gleich zwei Mal in seinem Besitz hat. Es kommt ja auch immer mal was weg, insofern schlauer Move.

 

Mit PERKIE gibt’s ‘ne One-Woman-Show von einem AUTONOMADS-Mitglied. Keyboard, Gesang, Rülpser und „uärg, fuck!“Verspiel-Ausrufer von einer Person, cool. Danach brennen ORÄNGÄTTÄNG ein manisches Feuerwerk ab, das mich mal wieder nachhaltig flasht. Der Hamburgdreier hat es einfach drauf, Victor zertrümmert sein Set, Krischan Stinkel und Dirty Harry brüllkreischen im Wechsel und schreddern sich ins Nirwana. Voll geil, und eine neue Platte gibt’s auch noch (totaler Killer!), da brechen so einige Besucher*innen in hemmungslose Ausdruckstänze aus.

 

Ich habe einen schweren Fehler gemacht: Das Essen ist viel zu lecker und ich habe über meinen Hunger hinaus gefuttert und merke jetzt erst, dass vor uns nur noch eine Band spielt. Die Hitze und der volle Magen setzen mir hart zu und mir ist so kurz vor’m Auftritt eher nach einem Schläfchen als nach Rumgehüpfe auf der Bühne zumute. Zu den INSOLVENT INSOMNIACS versuche ich ein wenig Verdauungsgeskanke.

 

Zehn Minuten vor Vlad fühle ich eine Hulk-ähnliche Energie in mir aufsteigen. Ist es das Adrenalin oder das Bier? Oder das Pfeffi-Spray, welches mir jemand ins Maul sprüht? Jedenfalls kann es losgehen und ein herrlicher Auftritt entspinnt seine Flügel, so wie aus einer Larve ein wunderschöner Schmetterling wird. Ass hat die Knöppe im Griff, der Bühnensound ist super. Der Mob genießt es offenbar ebenfalls, was rotierende Körper und textsichere Erste-Reihe-Mitgröler verifizieren. Das „Fotos verboten“-Schild an der PA hätten natürlich WIR aufgehängt und versprechen, dass die von einem SubsTanZ-Mitglied geschossenen Fotos einer strengen Zensur unterzogen würden: Natürlich würden ausschließlich Fotos veröffentlicht, auf denen unsere Frisuren sitzen und keiner doof guckt. Blacky-Lawles-Style. Ja, nee, geil! Während des Auftritts bekommen wir (wie auch alle anderen auftretenden Bands) ein Tablett mit Schnäpsen gereicht. Und danach wird uns sogar „Schlacke“ kredenzt, eine regionale Erfindung, deren Zusammensetzung wir natürlich hier nicht preisgeben.

 

VRHN mit Gesicht

 

Das Programm ist wirklich abwechslungsreich, denn es folgen LENA STÖRFAKTOR mit Hip Hop, GLOOMSTER mit einer brutalen Hardcore/Punk-Attacke (zwei Sänger, deutsche Texte, volle Dröhnung) und THE AUTONOMADS mit einer Dub/Reggae/Ska/Punk/Folk-Packung. Das unermüdliche Publikum tanzt eigentlich bei allen Bands, die Stimmung ist herrlich entspannt und positiv.

 

Danach Party auf allen Ebenen. Als Eric uns nach kurzer Nacht weckt, finden wir folgende Situation vor: Drei Gestalten bevölkern noch das SubsTanZ – eine spielt laut YouTube-Mucke, eine trinkt Bier und eine schläft mit der Birne auffem Tresen. Dennoch steht die Crew mit den AUTONOMADS und uns auf und es wird ein ergiebiges Frühstück im Innenhof serviert, auf den schon wieder die Sonne lacht.

 

VLADI SACHT DANKE! PUNK IS LOVE! SubsTanZ – you give Gastfreundschaft a good name!

I ♥ THRASH! Münster, Baracke – 23.06.2018

17.07.2018 von Philipp

Slam like a beast!

Zum sechsten Mal veranstalten UNTERSCHICHTEN RECORDS das I ♥ THRASH-Fest und bei diesem Motto können wir natürlich nichts als zusagen.

Flutschig geht es nach Münster (naja, zumindest nachdem der Elbtunnel hinter uns liegt… Und irgendwo ist auch noch ein Stau…), die Konstellation ist neu: Strecker ist verhindert, erstmals mit an Bord ist Ass, die uns von nun an immer mal begleiten will, wenn es ihr Zeitplan zulässt. Wir wären hocherfreut, wenn das häufig der Fall ist, denn Ass ist eine der kompetentesten Soundreglerinnen vonne Welt. Geht mal zu den meisten INFERNAL CRUST BRIGADE-Veranstaltungen in der Alten Meierei, falls ihr uns nicht glaubt. Und sie ist ein super Mensch, der das Vladi-Team bereichert!

Baracke

 

Ein anderes Team bzw. gleich zwei könnten heute durchaus für Konkurrenz sorgen. Es ist mal wieder WM und natürlich spielt ausgerechnet heute Schland. Das dynamische Veranstalterduo Sascha und Tina hat einen Beamer organisiert, der die Scheiße parallel zum Konzi übertragen wird. Münster erweist sich als Fahrradstadt, jedenfalls trudeln die Thrasher fast alle mit dem Rad ein. Vorm Eingang der malerisch gelegenen Baracke (alles grün, bis auf die gegenüberliegende Uni) hängt ein Transpi mit der Aufschrift „Vorrundenaus“. Das klappt zwar heute noch nicht, soll sich bekanntlich aber wenig später bewahrheiten.

 

ERASEMENT und TOXIC SHOCK erweisen sich als entspannte Maniacs, die Bock aufs Zocken haben. ERASEMENT beginnen den Reigen mit lecker Thrash im Old School Stil a la ANNIHILATOR, TESTAMENT oder OVERKILL. Alles schön flott und eingängig. Parallel läuft tatsächlich das Fußballspiel, aber nur jeweils drei, vier Leute recken die Hälse, um da mal hinzugucken.

Baracke

 

Wir haben Slot Nr. Zwo. I ♥ THRASH! Leider ist das Spiel mittlerweile vorüber. Schade, ich hätte es zwischen den Songs auf jeden Fall zu kommentieren versucht. Als absoluter Experte hätte ich bestimmt alle Fragen zu klären vermocht: „Jetzt schießt ein Spieler in blauen Klamotten den Ball zu einem anderen Spieler in roten Klamotten! Die roten Klamotten fallen weniger ins Auge, der Schnitt ist auch weniger attraktiv. Was für eine Aufregung!“ Naja, ohne geht’s auch. Sogar sehr gut, denn Ass zaubert einen hervorragenden Bühnensound. Andi meint, ich hätte in der letzten Strophe von „Schweineherbst“ heute einen anderen Text gesungen, ich hab das nicht gemerkt – Eric urteilt, die Texte seien zu „fast 100% korrekt“ gewesen. Und der trägt heute In-Ear! Damit ist es endlich bewiesen – ich singe wirklich die offiziellen Texte. Im Mob befinden sich einige bekannte Gesichter, Dank des Besitzes der Black Mamba (Bahncard 100) ist Michelle angereist und mischt den Pit auf. Wir freuen uns über Hansa Edel Pils, vermissen aber die alten Karlsquell-Zeiten und erinnern an die Dosenaufschrift, die jeder echte Deutschpunker und Thrasher im Schlaf zitieren kann: „Schnell gekühlt! Gut haltbar! Ideal für Haus und Reise!“

 

Baracke

 

Yeah, TOXIC SHOCK rasieren danach nachhaltig. Die Belgier (Antwerpen) haben eine geile Scheibe auf THIS CHARMING MAN draußen. Ihr Thrash ist rasend schnell, hyperaktiv und besitzt eine deutliche Hardcore/Punk-Schlagseite, was sich in diversen Shirts der Bandmitglieder und im energischen Stageacting manifestiert. Da stecken durchaus BAD BRAINS, CRO-MAGS („Don’t Tread On Me“-Cover) oder SUICIDAL TENDENCIES drinne. Geil ist das Outfit des Sängers, der in knappen Ledershorts und nacktem Oberkörper mit Lederjacke drüber aufritt. Rob Halford approved! Als der Typ nach x Songs und manischem Abgehen die Jacke total durchgeschwitzt ablegt, sieht man auf seinem Rücken die Narben so manchen Peitschenhiebs. Rock on, Kollege!

 

Danach gibt es Party, Disco und eine Grundreinigung der Baracke, denn die muss am nächsten Tach sauber übergeben werden. Pennen tun wir bei Sascha, Tina und ihren drei Katzen. Ass versichert: „Ihr habt alle geschnarcht!“ Das reichhaltige Frühstück lässt uns gestärkt wieder ins Streckermobil hüpfen. Danke! Wir kommen wieder – VLAD SMASH! 

    
Baracke

MOORLOCH-Fest, geheimer Ort – 09.06.2018

07.07.2018 von Philipp

Miller Flip

Selten haben wir uns derart über eine Einladung gefreut wie über diese! Schon im letzten Jahr wollte ich aufs MOORLOCH-Fest, leider hat es nicht hingehauen. Gehört hatte ich aber bereits vieles. Von einem herrlichen kleinen Privatfestival war da immer die Rede, veranstaltet von einem Paar, das sich auf ihrem Resthof auf dem Land den Traum einer Skatebowl im Garten erfüllt habe und diesen Traum jährlich mit dem MOORLOCH-Fest feiere. Keine offizielle Werbung, dennoch Hunderte von Gästen und in der Vergangenheit Bands wie TURBOSTAAT, SMOKE BLOW, THE ONE, MR. BURNS, ALIAS CAYLON, ORÄNG ÄTTÄNG, DEVILS DAY-OFF, TYPHOON MOTOR DUDES oder OI!TERCREME. Da war es eine regelrechte Ehre, zusammen mit LOS APOLLOS, ROBINSON KRAUSE und AFFENMESSERKAMPF für dieses Jahr eingeladen zu werden. Dieses Jahr sogar mit Doppel-Vinyl-Sampler mit allen bisher beteiligten Bands!

 

Bowl

 

Vor Ort stehen dann erst mal unsere Luken offen. Schönes erzählt zu bekommen, ist das Eine, das Paradies dann selbst sehen zu können, das Andere. Wow! Pure Liebe ist im Spiel und hat das perfekte D.I.Y.-Festival gezeugt! Eine schöne selbstgezimmerte Bühne, die mit dem Rücken zur Skatebowl steht. Ziemlich fitte Skater testen bereits ihre Skills und sorgen mit geilen Manövern für Staunen. Es gibt Fressstände, das Bier fließt wie in Strömen, nackte Eingeborene nehmen einen an der Hand und führen einen zum Bett im Kornfeld. Vor der Bühne eine grüne Wiese, dazu noch Unerklärliches wie den James-Last-Tempel in einem Extra-Zelt.

 

JLT

 

Den Opener machen LOS APOLLOS, Instrumental Surf aus Berlin. Bei perfektem Wetter ein genialer Start in den Tag. Von den oben erwähnten Bands treffen in fast allen Fällen Bandmitglieder ein, denn wer hier einmal war, der kommt auch wieder. Gilt auch für Vladi. Manche tanzen, andere flegeln sich ins Gras und mampfen die leckere Pizza oder zählen die wenigen Wolken.

 

Eine Art Bingo-Veranstaltung unterbricht das Live-Programm. Die findet unter einem großen Pavillon statt, in der später noch die ganze Nacht zur DJ-Action durchgezogen wird.

 

Liebe

 

ROBINSON KRAUSE knüpfen an ihren grandiosen Rd-Rock-Auftritt an. Netterweise informiert Robin während des Auftritts unseren Andi darüber, dass ein ganzer Humpen Bier in dessen Bassbox gelaufen sei. „Der klingt jetzt besser, irgendwie runder…“ Die von Andi gereichten Handtücher werden ignoriert, aber es gilt ja auch, dem Punkrock zu huldigen. Das gerät derart überzeugend, dass selbst Eric danach „endlich eine ROBINSON KRAUSE-Platte kaufen“ wolle.

 

Banane

 

Die Affen sind los! Hannes springt vor die Bühne und dirigiert mit sicheren Gesten den eskalierenden Mob. Die Wiese ist voll, die meisten Anwesenden wohl mittlerweile auch. Der Einpisser vom Wilwarin ist auch da und stellt uns seine Mutter vor. (Ich bin mir bewusst, dass dieser Tagebucheintrag sich liest, als denke ich mir das alles aus. Nein!) AMK wie immer top und mit grandiosen Hannes-Ansagen.  

 

Es ist dunkel und Zeit, das Vladi-Biest von der Kette zu lassen. Beim ersten Song reißt Zarc doch glatt eine Saite, was aber keinen stört. Während Zarc die Klampfe vorbereitet, füllt sich die Wiese und wer eh schon da war, füllt sich den Wanst mit noch mehr Bier und anderen Köstlichkeiten. Dann aber! Ab geht der Ratz. Eine konstante Pogo-Kugel rollt durch den Garten, der Einpisser hat sich aufm WILWARIN das „MOSH FOR YOUR LIFE“-Schild von INSANITY ALERT geklaut und springt mitsamt Schild und in kniehohen Stiefeln durch die Botanik. Eine Traube Menschen überrollt die Bühne – leider befindet sich gerade eine meiner Flossen auf dem Boden und es knackt recht unerfreulich, als das Gewicht mehrerer Menschen auf meine grazilen Finger einwirkt. (Was zur Hölle ich mit der Hand auf dem Boden wollte, weiß ich nu auch nicht mehr.) Ein schöner Auftritt, den wir drei ungeplanten (und leider auch ungeprobten) Zugaben beschließen.

 

Possessed to skate

 

Was soll man sagen? Eigentlich fehlen mir die Worte. DANKE! MOORLOCH 2019 – wir kommen als Zuschauer*innen!