DIARY

Berlin, Blackland – 21.09.2019

27.10.2019 von Philipp

RUPTURED!

Es hätte so stressfrei sein können: ausschlafen, mittags entspannt nach Berlin eiern und die Busfahrt genießen. Stattdessen stehe ich nach vier Stunden Schlaf auf und humpele mit meinem mittlerweile amtlich geschwollenen Klumpfuß zum Ärztehaus am Blücherplatz. Dort teilt man mir mit, dass dieses Trauma unbedingt geröntgt werden müsse, da man aus der Außenbetrachtung nicht sagen könne, ob und wie stark der Knochen beschädigt ist. Zum Glück ist Martina da und so können wir relativ unkompliziert zum Lubinus-Krankenhaus fahren. Dort habe ich Glück und muss lediglich eine Stunde warten (keine Ironie! Die Notaufnahme kann gerade am Wochenende die Hölle sein, was ich am Sonntag auch erneut erfahren soll – da wird es nämlich über DREI Stunden dauern). Nun, der Befund lässt sich unter „gut, aber kacke“ oder „Schwein im Unglück“ oder wie das heißt zusammenfassen: Es handele sich um eine „Ruptur“ des Bandes, vom Knochen sei nur ein Stück abgerissen worden. Allerdings untertreibt der behandelnde Arzt, als er mir schildert, was ich nun zu tun habe bzw. welche Konsequenzen die Verletzung habe. Ich könne am Montag wieder arbeiten, benötige lediglich eine Orthese zum Schutz. Das ist natürlich genau das, was ich hören will, denn wer arbeiten kann, kann auch rocken (hat schon meine Oma immer gesagt, glaub ich). Nur stimmt das letztlich nicht ganz oder vielleicht bin ich auch zu unwissend in solchen Dingen und es wäre selbstverständlich gewesen: Der Fuß hätte eigentlich konsequent hochgelagert und gekühlt werden müssen, da die Muskeln weiter anschwellen. Erst am Sonntag erfahre ich dann, als ich nämlich mit einem absoluten Monsterfuß zurückkehre, dass ich kurz vor einer OP stehe, bei der mir das Bein hätte geöffnet werden müssen. In ganz ungünstigen Verläufen werde ein Bein bei ähnlichen Fällen auch mal abgenommen. Zur Arbeit? Das könne ich erst mal vergessen! Ja, äh, Schluck, gut, dass Berlin wenigstens so derart geil war!


VRHN

 

Denn das wird es! Noch kurz eine Orthese gekauft und gerade noch pünktlich ins Streckermobil gehüpft. Ereignislose Fahrt, recht pünktliche Ankunft und großes Hallo beim Zusammentreffen (nur eine Band fehlt, überraschenderweise sind es EXTINCT). Ja, das Blackland wurde natürlich im Vorfeld thematisiert. Als ich hörte, dass der Berlin-Auftritt dort stattfinden solle, hatte ich recherchiert und bin auf kritische Artikel über Veranstaltungen mit fragwürdigen, rechtsoffenen Bands gestoßen. Sowohl Pierre als auch diverse Berliner*innen, die ich deswegen kontaktiere, berichten allerdings, dass die Blackland-Betreiber mitnichten in derartigen Kreisen verkehren und seit Jahren daran arbeiten, diesen Ruf loszuwerden, der auf anfänglicher Unwissenheit über den Background bestimmter Black-Metal-Bands basierte, man habe sich Hilfe/Beratung von Berliner Antifaschist*innen dafür geholt. Es gibt auch Leute, für die das Blackland weiterhin ein No-Go-Club darstelle. Wir entscheiden uns bandintern dafür, uns das vor Ort anzugucken. Und es fällt uns nichts Negatives auf. Ich bin jetzt kein NSBM-Experte, aber es hängen eigentlich nur Plakate in dem Laden, die ich mir auch aufhängen würde. Auch scheint der Schuppen kein komisches Publikum zu ziehen, im Gegenteil, wir treffen gleich auf alte Berliner Bekannte wie Pete Lelgemann, Blase oder Ducky. Der Schuppen ist darüber hinaus einfach saugemütlich und vollgestellt mit Heavy-Metal-Deko, z.B. Uruk-Hai-Figuren in „Lebensgröße“, Totenköppen, alten Flyern/Postern etc. Ein Flair wie die Palenke in Kiel, nur halt in der Metalversion. Richtig cool auch: Es kommen mit Anna-Maria und Solveigh auch zwei Schülerinnen meiner ehemaligen Schule, erstere ist gerade nach Berlin gezogen und will Tätowiererin werden.

 

Yeah, der Mob ist von Anfang an super drauf und der Sound richtig fett, als EXIT SMASHED loslegen. Ganz klar der bisher beste Auftritt, den ich von Rotten Rolf und der Bande gesehen habe. Die fiesen Riffs wieseln durch die PA und Rolf kann heute für sich beanspruchen, der bewegungsaktivste Sänger des Abends zu sein. Let’s drink some beer!


VRHN

 

Ich hätte es vorher nicht gedacht, dass mir ein Auftritt derart viel Spaß machen kann, wenn ich so eingeschränkt bin. Aber die Krücke eignet sich hervorragend zum Herumfuchteln und lässt sich in vielerlei Funktion einsetzen: Man kann darauf „Gitarre“ spielen wie Chuck Billy auf seinem Spezialmikroständer, sie wie ein Maschinengewehr auf imaginäre Faschos richten oder einfach den Leuten in der ersten Reihe auf den Kopf hauen. Ab und zu sitze ich einfach grölend auf dem Barhocker, ab und zu springe (naja) ich auf und wedele mit der Krücke hin und her, die Orthese gibt genügend Halt. Noch geiler: Die Fünfer-Besetzung klingt eingespielt, als wenn sie seit Jahren zusammen zocke – dabei ist es erst der zweite gemeinsame Gig! Nico macht das super, man hört die Zwei-Gitarren-Schweinereien heraus, die jetzt wieder möglich sind. Die Berliner*innen gehen den ganzen Abend über geil mit! Kein Halbkreis um die Bühne, sondern Frontrowbanger, Fistbanging, Mitgeshoute und Jubel nach jedem Stück. Also, ich bin begeistert.



VRHN

 

Auch FATAL EMBRACE legen einen drauf und räumen beim Heimspiel massiv ab. „FATAL EMBRACE wird es geben, solange ich am verfickten Leben bin!“, versichert uns der Heiländer. Heute ist Release-Show der neuen Platte, die erst ein paar Wochen später auch auf Vinyl kommt und wieder super geworden ist. Ich rate dazu, das Ding abzuernten, wenn man Old School Thrash Metal mag, kann man damit gar nichts falsch machen. Andi hat offenbar beschlossen, die Alkoholvorräte des Blackland leerzutrinken, wobei er mir bei jedem Tresengang einen Humpen mitbringt. Das ist zwar fürsorglich, seine Frequenz ist jedoch mittlerweile so hoch, dass ich jedes zweite Bier heimlich in die Topfpflanze schütte.

 

Später im Hotel wird es ebenfalls schwer, Andi zu bremsen, der im Aufzug zu pogen beginnt, alle Etagenknöpfe drückt, den Alarmknopf sowieso und am nächsten Morgen zur Strafe in einen Mülleimer kotzt. Herrliches Ding, die nächste Berlin-Sause kommt bestimmt (dann wahrscheinlich in der KvU)!  

Kiel, Schaubude – 20.09.2019

15.10.2019 von Philipp

YOU CAN'T STOP ROCK'N'ROLL!

Aufregende Zeiten im Vladiversum! Seit einiger Zeit gibt es einen neuen Vladi: Nico Eckert zockt nun neben Zarc Gitarre, sodass wir wieder ein Gitarrenduo in der Band haben. Wir hatten davon noch nichts öffentlich gemacht, weil wir noch nicht wussten, wann die Zeit reif für Nicos ersten Liveeinsatz sein würde. Der Budentermin erschien uns zunächst etwas zu früh, denn mehr als acht, neun gemeinsame Proben wären vorher nicht drin. Aber Nico erweist sich als derart fitter Fucker, dass kurz vorher klar ist: Let’s do it! Wer sind die JACKSON FIVE? Hier kommen VLADI FIVE! 

Motivation und Laune sind daher auf Maximum Vlad Warp, als wir in der Bude hängen und uns auf den Auftritt freuen. Alle Bands trudeln pünktlich ein, sogar EXTINCT sind heute am Start. Das Konzert fällt leider etwas ungünstig in das Loch zwischen Julius‘ Zeit als Budenchef und der Übernahme durch den Go Kiel Yourself e.V., was konkret bedeutet, dass dafür im Grunde niemand außer den Bands und natürlich Veranstalter Pierre Poser 667 Werbung gemacht hat. Aber was soll’s, wir sind nicht hier, um Ursachen zu analysieren oder rumzujammern. Sondern um zu rocken. Sowohl Julius als auch die neue Crew sind heute auch am Start, alles gut also, Hauptsache, es geht wie gewohnt mit der Schaubude weiter!

EXTINCT beginnen und rüpeln sich in Dreierbesetzung durch ein Thrashbrett mit dem gewissen Asifaktor. Ich habe die Band ewig nicht gesehen (wie auch, wenn die immer absagen, haha), bin aber vom Knatterfaktor positiv überrascht. Die Stimmung wirkt noch etwas verkrampft, es ist auch noch hart früh, denn sonst spielen eher zwei statt gleich vier Bands in der Bude.

 

VLAD FIVE

 

Zu EXIT SMASHED macht sich deutliches Auftauen im Mob spürbar. Messbar zum Beispiel am Gepöbel von Häuptling, der die Hamburger Attacke zu Recht zu schätzen weiß. Rotten Rolf und seine Racker setzen im Vergleich zum letzten Wochenende ganz klar einen drauf. Pfeilschnell, tight und trotzdem räudig ballern die Jungs ihr Set durch. Rolf verweist mehrfach auf Pierres gierige Verlosung, bei der man R-Evoution Of Steel-Merch gewinnen kann, heckt gleichsam den genialen Plan aus, einfach alle verfügbaren Lose einzukaufen und zum doppelten Preis weiterzuverscherbeln. Karl Marx wäre beeindruckt gewesen.

Auch FATAL EMBRACE sprechen später von der bisher besten Stimmung. Es sind zwar nur so ca. 50 Leute da, aber die sind gut drauf. So wenig ist das ja objektiv auch gar nicht, nur für Kiel in dem Zusammenhang weniger als erwartet. Die Berliner Thrasher böllern vom neuen Machwerk „Operation Genocide“ (kommt über IRON SHIELD, anchecken bzw. besser gleich abernten!), vergessen aber auch nicht Stücke der Vorgängeralben „Legions Of Armageddon“, „Dark Pounding Steel“, „The Empires Of Inhumanity“ und „Slaughter To Survive“ einzustreuen. Da gibt’s zahlreiche slayereske Momente, die für Fistraiser-Action sorgen. Auch „Killers“ von MAIDEN ist heute wieder im Programm, geil.


Budenvladi


Es geht super los und im Grunde wird es auch ein großartiger Auftritt, nur leider schmälert ein Vorfall das Ding zumindest aus meiner subjektiven Perspektive: Irgendwann gegen Ende des ersten Drittels springe ich unglücklich auf ein Kabelknäuel, knicke um und merke sofort, dass ich mir leider mehr als nur eine Verstauchung zugezogen habe. Vor sechzehn Jahren hatte ich mir ganz ähnlich mal einen Bänderriss beim Konzert zugezogen. Daher weiß ich: Dat schockt nich. Doof ja auch: Diese Art Bühnenunfall kommt nach außen nicht mal spektakulär rüber. Dann lieber gepflegt ‘ne Gitarre ins Gesicht bekommen – das blutet schön, du wirst fix genäht und hast noch ‘ne coole Narbe, kannst aber gleich weiter Gas geben. So’n Umknicker bekommt kein Schwein mit, aber danach liegste erst mal flach. Nicht mal meine Mitvladis bekommen es mit und merken es erst am Ende des Konzerts, obwohl mein Aktionsradius schon seit acht Songs auf Bierdeckelgröße geschrumpft ist. Eric kloppt nämlich seine Snare durch und Zarc will mich fix auf Gaffajagd schicken. „Äh, ich kann gerade nicht…“ Aber wir bekommen zum Glück schnell Gaffa gereicht, kleben dat Loch im Fell zu und böllern weiter. Nico zockt super und der Einstand ist gelungen, liegt halt für mich nur wie hinter einem Schleier.

Danach gibbet FASTER – HARDER – WOLTER im Dj*ane-Team mit Anna. Zum Glück ist Anna beim Auflegen dabei, denn so kann ich mir erst mal bei Julius Eis besorgen und den Fuß begutachten. Ist natürlich schon scheiße geschwollen und verfärbt sich bereits. „Vielleicht hast du auch einfach hässliche Füße“, analysiert FATAL-EMBRACE-Klampfer Tobias fachmännisch. Danach humple ich zum DJ-Pult und wir beglücken die leere Tanzfläche (eigentlich ist nur Crazy Bernd geblieben…) mit Smashern von JUDAS PRIEST, VENOM, DIAMOND HEAD, NIGHT DEMON, CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, MERCYFUL FATE etc. Wir brechen die Chose aber letztlich früher ab, damit ich am nächsten Morgen noch zum Doc kann und vorher noch ein paar Stündchen Schlaf abgreifen kann. Ausblick: Letztendlich wird mir eine Bänderruptur diagnostiziert, eine Art Anriss des Bandes.

YOU CAN’T STOP ROCK’n’ROLL!     

Greifswald, Juz Klex – 14.09.2019

10.10.2019 von Philipp

Spit it out!

Die Nacht war entspannt, auch wenn der Heiländer ruhelos hin und hergestapft ist, weil er nicht schlafen konnte. Morgens entdecken wir in der Gefriertruhe Zutaten für ein potenziell leckeres Frühstück – leider liegt auch das Brot in dem Fucker und ist somit steinhart gefroren. Ein Gang zum Bäcker bei herrlichstem T-Shirt-Wetter schafft Abhilfe.


Ruckzuck sind wir dann auch in Greifswald, die Strecke von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern ist ja auch vergleichsweise gering. Mir fällt auf, dass die sechs Dates der R-EVOLUTION OF STEEL THRASHES GERMANY-Tour sechs Bundesländer abdecken, denn außer den beiden genannten folgen noch Schleswig-Holstein, Berlin, Hamburg und Niedersachsen. Eine Sechsländertour somit, dat ist doch mal effizient.


Yeah, wat für ein herrlicher Laden ist das Juz Klex denn bitte? Und wieso waren wir hier noch nie? Ein feines autonomes Zentrum mit vielen Räumlichkeiten zum Abhängen, einem Konzertraum in perfekter Größe und ausgedehnten Außenflächen samt Tischtennisplatten und viel Grün.


Da die anderen Bands heute noch fahren und wir als einzige hier pennen, ergibt eine veränderte Reihenfolge Sinn – heute lautet die Running Order EXIT SMASHED – FATAL EMBRACE – VLADIMIR HARKONNEN (EXTINCT haben auch den heutigen Auftritt abgesagt).


Die Crew ist fit, dat Essen lecker und später kommen ca. 30 Leute. Da ich seit einiger Zeit bei einer Konzertgruppe mitmache, weiß ich, dass das eine absolut stabile Zahl ist. (Häufig kommen zu Konzis der INFERNAL CRUST BRIGADE leider weniger Menschen, obwohl die Bands durchweg exquisit gewählt sind.) Ein Freak war neulich auch auf unserem Konzert auf der MS Hedi in Hamburg, cool.


Greifswald


EXIT SMASHED wirken heute noch mal deutlich motivierter und auch noch tighter als gestern. Am zweiten Tourtag klingt man halt immer besser (alte Bauernregel). Iiih, aber warum rotzt Rotten Rolf ständig an die Bühnendecke? Und dann sind seine Gollerfäden auch noch so sämig, dass sie im Verlauf des Gigs nur an Länge gewinnen, sich aber noch nicht von der Decke lösen. Die geilen EXIT-SMASHED-Smasher und das GANG-GREEN-Cover stimmen versöhnlich.


FATAL EMBRACE entsprechen dem Tourmotto am ehesten, haben sowohl Rolf und seine Bande als auch wir doch auch gewisse Hardcore/Punk-Einflüsse mit im Blut. Die Berliner ziehen eine knallharte Thrashsalve durch. Die Greifswalder*innen bleiben unverständlicherweise recht verhalten und drücken sich ziemlich in den Ecken herum. Ich find’s super, bange den ganzen Gig mit und grunze mich heimlich schon etwas warm.


Wahrscheinlich sind es die Leute hier einfach gewöhnt, dass Konzerte später losgehen. Manchmal hat man ja Pech, wenn man als letztes spielt und viele sind schon wieder weg. Heute aber ist es andersherum – es sind noch ein paar Leute gekommen und irgendwie finden sich auch jetzt erst alle im Zockraum ein. Und nach drei, vier Songs steigt die Stimmung, Schritt für Schritt rückt der Pöbel weiter nach vorne, bis die Chose richtig Spaß macht. Doch was ist das? Über uns hängen immer noch Rolfs Rotzfäden und drohen langsam abzutropfen. Andi schnappt sich beherzt eine leere Bierpulle und sammelt die Dinger unter lauten Würgegeräuschen und Brechreizanfällen von der Decke, während Zarc und ich uns vor Lachen fast einpissen. Bemerkenswert auch: Alle drei Mikros weisen einen eigentümlichen Geruch auf: Zarcs riecht nach Arsch, meins nach Old Spice und Andis nach Katzenfutter. Den Vladiismus in seinem Lauf halten aber weder Arsch noch Katze auf und so böllern wir einen Auftritt durch, der viel mehr Laune bringt, als wir erwartet hatten.


Danach feiern wir noch dezent mit Crew und Gästen, bis wir uns in unser feudales Schlafzimmer verziehen. Super Sache!

Cottbus, Muggefug e.V. – 13.09.2019

30.09.2019 von Philipp

THE R-EVOLUTION OF STEEL THRASHES GERMANY

Von Pierre “Poser 667” Bade habt ihr bestimmt schon gehört. Der Kollege, Siggi Sick (R.I.P.) beschrieb ihn mal mit den Worten „Konzert Veranstalter aus Hamburg, Stilsicher in Sachen- Leatherjacket with Boots on Style“, organisiert regelmäßig Konzerte, Festivals und Wochenendtourneen. Das Konzept war es, vier Bands aus dem erweiterten Thrash-Bereich an drei Wochenenden in sechs Städten spielen zu lassen. Motto: THE R-EVOLUTION OF STEEL THRASHES GERMANY. Leider war für uns arbeitstechnisch schon früh klar, dass wir nur Zeit für zwei aufeinanderfolgende Wochenenden haben würden. Für die ersten vier Konzerte in Cottbus, Greifswald, Kiel und Berlin waren FATAL EMBRACE, EXIT SMASHED, EXTINCT und wir geplant, in Hamburg und Clausthal sollten statt uns REAVERS spielen. Im Nachhinein hätten wir ein drittes Wochenende wohl eh nicht spielen können, denn beim Kieler Auftritt kommt es zu einem Bühnenunfall… Und eine der vier Bands hat dann auch ohne Unfall nur eins der sechs Konzerte gespielt… Aber der Reihe nach:

 

 

An einem Freitag von Kiel nach Cottbus zu fahren, ist eigentlich komplett bescheuert, vor allem, wenn man eigentlich um 18.00 Uhr oder so da sein soll (und bis ca. 14:00 Uhr arbeiten muss). Wir hoffen auf Magie, bekommen aber Stau. Und Zarc pfeift die Gitarrensoli der im Streckermobil laufenden Songs mit. Das Leben kann hart sein.

 

 

Immerhin kommen wir noch an, bevor EXIT SMASHED beginnen. Knapp zwar, aber immerhin. EXTINCT mussten kurzfristig absagen, weil ein Mitglied keinen Urlaub bekommen habe. Viel ärgerlicher: Die Cottbusser Konzertgruppe hat das Konzert vergessen. Die vor langer Zeit von Piere zugeschickten Plakate schimmeln ungenutzt vor sich hin, nur online gab’s ein paar Tage vorher Werbung. Der Laden ist ansonsten total super, ein richtig schöner kleiner Schuppen mit angenehm großen Backstageräumlichkeiten, in denen man auch gleich pennen kann. Die Betreiber sind auch alle cool drauf, wer das jetzt verkackt hat, hat’s halt verkackt. Man muss natürlich auch einräumen, dass wahrscheinlich keine der Bands hier großartig bekannt ist, also wir zumindest nicht… Es kommen exakt sieben Zahlende.


ROS

 

EXIT  SMASHED eröffnen den Reigen und gefallen mir wie immer super. Sie werden sich allerdings mit jedem Auftritt weiter steigern und sind laut Rolf heute nahezu ungeprobt auf den Brettern. Eine gewisse Verkrampftheit lässt sich tatsächlich ausmachen, aber das kann man ja auch positiv sehen. Der herrlich hektische Stil wird von Trommler Ken geil nach vorne gekickt, superb auch Paddys (b) hysterische Backings. Beim GANG-GREEN-Cover „Let’s Drink Some Beer“ darf mitgeschmettert werden, was ich gleich zur Stimmölung nutze.

 

Shirt

Shirtmotiv für die Tour mit allen "Bandmaskottchen"

 

Wenn man Außenstehenden erzählt, dass man vor sieben Leuten gezockt und dabei wirklich Spaß gehabt hat, glauben die einem wahrscheinlich meist nicht. Ist aber so. Der Sound ist  schon mal richtig geil, obwohl natürlich nur Zeit für einen kurzen Linecheck war. Aber der Hausmischer hat’s voll drauf. Wenn nur so wenig Leute da sind, reduziert sich die Gefahr, dass mir irgendwelche Asis per Flachköpper auf den Rücken springen (deshalb mach ich das in Rendsburg nicht mehr, pff). Zarc meint irgendwann, dass man sich eigentlich auch gegenseitig namentlich vorstellen könne, wenn man schon so unter sich sei. Das leuchtet allen ein. Anwesend sind unter anderem ein Rolf (nicht der EXIT-SMASHED-Rolf), ein Harald und eine Sybille. Wir widmen ihnen allen Songs, auch Pierre, der seiner Mutter kürzlich einen Fasan geschenkt hat, welcher aber heute entflogen ist. (Pst, Spoiler: Im Laufe der Tour findet der Fasan wieder nach Hause zurück. Nicht, dass ihr nachts deswegen wachliegt.)

 

 

Auf FATAL EMBRACE hab ich jetzt richtig Bock. Die Berliner Haudegen gibt’s seit 1993, dem Jahr, in dem wir auch mit BONEHOUSE angefangen haben. Ich besitze vier Alben der Band, die alle richtig geilen Thrash der Marke early SLAYER mit ‘ner Prise EXODUS drinne bieten. Sänger Dirk Heiländer ist das einzige Gründungsmitglied, aber Bassist Ronald ist auch bereits seit 1999 dabei, die beiden Gitarristen seit 2008 (Spezi) und 2012 (Tobias). Mit dabei haben sie für diese Tour Matthias Scheuerer, der bei SPACE CHASER und ZSK Schlagzeug spielt. Es zeigt sich schnell, dass FATAL EMBRACE in den 26 Jahren ihrer Existenz nicht die Bohne ausgewimpt sind. Geil gespielter Thrash, der fast ausschließlich in oberen Geschwindigkeitsregionen angesiedelt ist. Und mit „Killers“ von IRON MAIDEN gibt’s noch ein geschmackssicher gewähltes Cover (auch vertreten auf der "The Empires Of Inhumanity"-Scheibe, dem vierten FATAL-EMBRACE-Album).

 

 

Zum Glück weist uns einer der Besucher (ich glaube Harald) auf das leckere Fassbier hin, indem er mir eins davon in die Pranke drückt. Wir übertreiben es aber dennoch nicht, wollen wir doch schließlich morgen fit sein für fuckin‘ Greifswald.   

 

 

THE R-EVOLUTION OF STEEL TOUR CONTINUES…..

 

Shirtback

Hamburg, MS Hedi – 05.09.2019

27.09.2019 von Philipp

(Doch nicht) das letzte Gefecht!

Dieser Auftritt scheint unter einem unglücklichen Stern zu stehen: Eigentlich sollte es das Abschiedskonzert von RESTMENSCH werden, deren Drummer Philipp hier zum letzten Mal gespielt hätte. Doch genau der wird kurz vorher krank (Zitat: „der Arm lahmt“) und so müssen T.R., Flo und Alex leider absagen. Mit G31 wird eine Punkband aus Hamburg aufgetrieben, von denen ich vorher noch nichts gehört hatte. Deren Gitarrist Christian (Captain) bringt zusammen mit Gierfisch seit 20 Jahren aber das MIND THE GAP-Zine raus, von dem ich wie jedes punkinteressierte Nordlicht mehrere Ausgaben habe.

 

Vorm Auftritt steht natürlich eine hektische Anreise an, findet die Chose doch an einem Donnerstag statt und wir können uns erst spät durch den Verkehr quälen. DreMu-Knipser & Plattenbonze Jan ML begleitet uns heute. Andi hat besonders gute Laune, denn ihm wurden zum x-ten Mal der Firmenwagen aufgebrochen und alle Geräte rausgeklaut. Auch wenn der Schaden natürlich von seiner Firma bzw. deren Versicherung bezahlt wird, ist das wohl kein geiler Start in den Tag. So erklärt sich vielleicht das „Kompliment“, das er später Jan macht: „Du siehst aus wie einer, der stinkt, aber in Wirklichkeit riechst du doch gut!“


VRHN

 

Irgendwie schaffen wir es noch rechtzeitig und wuchten unser Zeug aufs Boot, bei dem es sich streng genommen um das Schwesterschiff MS Claudia Glitscher handelt. Das Boot scheint schmaler gebaut als die Hedi, auf der wir 2017 gespielt hatten. So wird es eine Herausforderung, alles so aufzubauen, dass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Wenn man sich das beim Soundcheck so anguckt, fragt man sich, wo zur Hölle eigentlich noch die Besucher*innen hinpassen sollen.

 

Und schon heißt es „Leinen los“ und die MS Claudia schippert durch den Hafen, während G31 loslegen. Flotter Punkrock, den Sängerin Inge mit melodischem Gesang versieht. Erinnert mich an 80er Jahre Deutschpunk, als der noch frisch klang. Politische deutsche Texte, die mit viel Radau rausgehauen werden, geil. Während des Auftritts freue ich mich, zahlreiche Bekannte zu treffen, mit denen ich zum Teil gar nicht gerechnet hatte. Schön voll isses geworden, sodass ich manche Nasen erst nach unserem Gig treffe: „Wat, du warst auch schon die ganze Zeit hier?“



VRHN

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp (machen die irgendwie immer. Warum eigentlich?) legt dat Boot wieder ab und hoppla sind auch bereits wir dran. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte irgendwie gar nicht mit SO einem großen Spaß gerechnet! Eigentlich hätte ich es vom letzten Mal wissen müssen! Das Boot schaukelt hin und her, die Leute gehen herrlich mit, ich falle gleich beim ersten Song fast ins Schlagzeug (haarscharfe Sache!) – ja, so macht das doch Laune. Der Sound ist verrückterweise sogar ganz geil. Plötzlich wandert ein Crowdsurfer direkt vor meinem Gesicht vorbei, es handelt sich um den guten Jan Laursen, der sich wie ein Aal zwischen Claudiadecke und hilfreichen Händen durchwuselt. Die Jungs von THEM HORNY SNAKES singen nicht nur laut, sondern richtig gut mit. Wo man hinblickt, grinsende Fratzen. Aber wat soll ich labern, wenn Gunnar vonne Pumpguns es so schön zusammenfasst: „Crowdsurfen auf der Hedi? Möglich! Ganzes Boot ein Moshpit? Möglich! Was für ein Abriss. Vladimir Harkonnen fetzen hart und beweisen mal wieder, dass sie es drauf haben.“ (Danke, ey.)

                                              

Danach möchte man am liebsten durchfeiern, was aber nur Teilen der Band vergönnt ist….Ach ja, zwischendurch kam noch die Nachricht, dass RESTMENSCH weitermachen, sogar unter dem jetzigen Namen und ‘nen Drummer gibt’s wohl auch schon. Hurra!



Peine, REFUSE-Festival – 27.07.2019

28.08.2019 von Philipp

UP THE DOSE & POWER IT UP!

Was für ein Wochenende! Während ich mich am Donnerstag und Freitag auf dem HEADBANGERS OPEN AIR herumtreibe, gucken sich meine Mitvladis in der Hamburger Markthalle PROPAGANDHI an. Am Freitag unterbreche ich das Festivalprogramm für die Trauerfeier eines alten und leider kürzlich verstorbenen Kumpels, der Kieler Legende Siggi Schröder (R.I.P., Alter!). Letztlich eiern wir luxuriös auf drei Karren verteilt gen Peine. Obwohl Martina und ich uns eisenhart den Wecker gestellt hatten, wird es ganz schön knapp – bei sengender Hitze müssen wir einen Stau nach dem anderen überwinden. Als ich die Stimme in der Box befrage, wie lange wir noch zu fahren hätten, bekomme ich die Antwort, dass die Fahrt noch exakt eine Stunde und zwanzig Minuten dauern werde. Das ist insofern sportlich, alsdass wir in anderthalb Stunden mit dem Auftritt beginnen sollen…

Doch letztlich ist alles entspannt, ist schließlich Punkrock hier. Wir kommen zwar wirklich exakt wie vorausgesagt an, aber zu dem Zeitpunkt hat das Festival bereits eine deutliche Verzögerung und gerade beginnt die Band vor uns erst ihren Auftritt! Muss ich also doch nicht nur in Schluppen und Badehose auf die Bühne.

Große Freude: Zeitgleich mit uns kommt eine Karre mit Kieler Kennzeichen an. Drin sitzen Henning Prochnow (erinnere: SCAPEGOATS, TINA GIANTS) und Helge fucking Schreiber! Herrlich.


Refuse

Nachdem wir unfasslich viele Bekannte wie Ballo & die Killbites, Jona & Eat The Bitch, Roman und die Zunders, Svenja, Michelle, Thomas von POWER IT UP, Tati, Martin, Kramer und den Gewinner unserer Photoshop-Challenge Elias Wørn („Was hält Philipp in der Pranke?“) begrüßen dürfen (Wørn bringt mir übrigens angemessenerweise eine Dose WOLTERS PILSENER mit), sind die SCHWARZEN SCHAFE auch gerade fertig. Ich hab von ihnen wenig mitbekommen, klang aber geil.

 

Refuse

 

Es ist zwar sauheiß, aber die Kutte wird dennoch angezogen. Zum Soundcheck bekommen wir Besuch auf der Bühne: Martin von RASTA KNAST hat seinen lütten Sohn dabei, der sich sehr fürs Schlagzeug interessiert und natürlich auch gleich mal draufhauen darf. Erics Nachfolger? Dann geht’s auch schon los und erfreulicherweise finden sich mit jedem Song mehr Leute vor der Bühne ein. Das kann aber auch am stetig größer werdenden Schatten liegen, den die Bühnenüberdachung spendet. Wir würdigen die großartige und tiefenentspannte Atmosphäre des Festivals und genießen den nahezu reibungslos verlaufenden Gig. Wichtig ist uns heute, etwas zum Fächer-Knigge zu erzählen, schließlich erlebt der gute alte Fächer in Zeiten des Klimawandels ein Comeback. Eine positive Nebenwirkung seien dabei die kommunikativen Möglichkeiten: Fächer vor den Mund gehalten: „Pst, wir werden überwacht!“ Fächer hinters Ohr gesteckt: „Achtung, wir werden abgehört!“ Und so weiter. Bodenroller, Schuhtest, mit der Fresse im Dreck gelandet sind na logisch Standards, die wir lässig abspulen. Bester Zwischenrufer: „Habt ihr auch einen Song gegen Bullen?“ Zarc: „Im Grunde ist jeder Song von uns gegen Bullen!“ Ja, nee, richtig schön hier!


Refuse


Danach kommt die totale Gönnung. Warmes Bier an den Hals und KILLBITE (jetzt mit drei Gitarren – brutal!), POPPERKLOPPER (mindestens so gut wie auffem Wilwarin), KOTZREIZ (es ist geklärt: KOTZREIZ sind allen Hatern zum Trotz eine echte Punkband – sie saufen noch am nächsten Morgen bzw. Mittag, als wir das Streckermobil beladen), ASTA KASK (totales Highlight, die sind noch besser als auf Platte und überzeugen auf allen Ebenen) und 100 BLUMEN (sympathische Vögel, aber für die meisten von uns haben die Punk-D’n’B-Elektro-Asseln zuviel Electro im Blut) reingezogen. Michelle lotst uns später noch auf einen Bio-Bauernhof in der Nähe, wo auf uns ein Bett im Heu und am nächsten Morgen ein unfassbar leckeres Frühstück warten.



Refuse

REFUSE-Crew, Danke! Michelle, Danke! Alle anderen, ebenfalls Danke! UP THE DOSE!

 

Bolder von MAKEL art - https://www.facebook.com/MAKEL.is.art/

Kiel, Pumpe – 03.07.2019

18.07.2019 von Philipp

Mit CANNIBAL CORPSE

Wenn man 13 Jahre Bandexistenz auffem Buckel hat, ergeben sich ab und zu Gelegenheiten, zu denen man mit Bands zockt, die man selbst seit Jahrzehnten hört. Manchmal haben wir uns selbst frech beworben, weil wir den jeweiligen Veranstalter/Booker kannten (FLOTSAM & JETSAM im Bambi, SLIME im Treibsand & Speicher, GWAR – ebenfalls Treibsand), bei anderen Gelegenheiten fragten die Verantwortlichen uns (SACRED REICH und PRONG, jeweils Markthalle, TANKARD im JUZ Verden). Dieses Mal war es etwas anders: Marc „Mosh“ Neubauer (PRAXIS DR. MOSH) fragte bei Facebook, wen die Leute gern als lokalen Support von CANNIBAL CORPSE sehen wollten. Unser Name wurde offenbar mehrfach genannt und somit Katrin von „Mittendrin Veranstaltungen“ vorgeschlagen, die sofort Bock drauf hatte. Vlad by popular demand.


VRHN

 Fotos von Fabian Lippke - https://www.fabian-lippke.de/2019/07/03/cannibal-corpse-live-in-kiel/?fbclid=IwAR2JGwkyGMG8rys1xA5VXBbp4QW2ibReZlgxWbdQIYClQk4z3M2Skp0cfj0


Von Anfang an haben wir heute ein gutes Gefühl, der Aufbau läuft reibungslos, die ganzen Rahmenbedingungen sind super, uns wird ein ausführlicher Soundcheck ermöglicht, das Bier steht kalt und die CANNIBAL-CORPSE-Jungs erweisen sich als grundentspannte Typen. Für Pat O’Brien ist seit einiger Zeit Erik Rutan an der Gitarre, den ich 2005 mal anlässlich der Veröffentlichung des HATE-ETERNAL-Albums „I, Monarch“ fürs UNBROKEN METAL MAG interviewt hatte. Darüber sabbeln Erik und ich kurz und ich erkenne seine Stimme tatsächlich wieder (war ein Phoner-Interview). Demnächst sind HATE ETERNAL übrigens auf Tour.


VRHN

 

„Mittendrin“ haben an alles gedacht und zum Catering eine Holzkiste Kieler Sprotten gestellt. Die Amis finden das allerdings offenbar etwas seltsam und lassen den Fisch unangetastet. Ich hingegen steh als Pescetarier voll auf die Biester und pfeif mir gleich ein paar rein. Das findet wiederum Martina seltsam, die mich später irritiert darauf hinweist: „Du stinkst nach Fisch!“ – „Jaa, es gibt oben ja auch lecker Sprotten!“


VRHN

 

Herrlich, die Pumpe ist bereits amtlich voll, als wir auf die Bühne schlurfen. Vor ca. 700 Nasen spielt man nicht alle Tage, trotzdem verspüre ich eher das Gefühl elektrisierenden Bocks als Lampenfieber. Während im vorderen Drittel viele bekannte Gesichter zu erspähen sind, die gleich mitgehen, wartet der Rest zunächst ab, was sich hinter dem Namen VLADIMIR HARKONNEN wohl verbergen möge. Der Bühnensound ist super, und da Eric mit seinem Set direkt auf dem hölzernen Boden steht, spüre ich jeden Kickdrumhit im ganzen Körper, geil. „13 Minutes“, „Reign In Vlad“, „Anomie“, „Death For Profit“, „In The Good Old Days… It Used To Be Worse“ und „Stagnation Is Death“ flutschen gut. Vor “Tangle Foot” widmen wir uns dem Thema Christa Jenal: Die Lehrerin und Politikerin ist immer noch aktiv und hat allen Oberbürgermeistern der Städte geschrieben, in denen CC auf dieser Deutschlandtour spielen. Unter anderem benutzt sie die Vorfälle um Pat O’Brien dafür, um zu belegen, was für moralisch verkommene Subjekte in dieser Band spielen würden. Das finde ich besonders fragwürdig angesichts der Tatsache, dass die Hintergründe bis jetzt noch nicht geklärt sind und die Band selbst völlig überrascht und schockiert war. Wir wünschen Frau Jenal „lebenslang schales Bier“ und diesem Wunsch schließen sich offenbar viele Besucher*innen an. Wir sind von den positiven Reaktionen selbst überrascht. Gerade in der zweiten Sethälfte – „Tangle Foot“, „Flatties“, „Ticking Bomb Sceanario“, “Irukanji”, “Schweineherbst”, “Perfect Storm” und “Roadkill BBQ” – ist vermehrt Bewegung zu beobachten und der “O-ho-ho”-Chorus von “Irukanji” wird vom Mob noch nach dem Ende des Songs weitergesungen. Viel zu schnell ist alles vorbei – obwohl wir immerhin 45 Minuten zur Verfügung hatten, was ja auch nicht selbstverständlich ist.


VRHN

 

Danach gönnen wir uns natürlich bei bester Laune die CANNIBAL-CORPSE-Show, die völlig beeindruckend verläuft. Aufgrund der erwähnten Briefe Christa Jenals gibt es Ordnungsauflagen von Seiten des Jugendamtes, derer zufolge die indizierten Songs durch Ordnungsverfügungen unter Androhung von Zwangsgeldern nicht gespielt werden dürfen, zumindest nicht mit Gesang. Daher wählen CC die Lösung, zwei oder drei Stücke ohne den Corpsegrinder, also rein instrumental, zu zocken. Teile des Publikums singen die Texte mit. Technisch wie immer sehr hochklassig (Alex Webster in ein TIER am Bass) ballern sich CC durch die Setliste, die Killer wie „Red Before Black“, „Staring Through The Eyes Of The Dead“, „The Wretched Spawn“, „Unleashing The Bloodthirsty“ und „Hammer Smashed Face“ enthält. Die Leute drehen gut am Rad, es ist noch voller und heißer geworden, was die Leute nicht von Circle Pits und ‘ner Wall Of Death abhält. Manche bemängeln, dass es keine Zugaben gegeben habe, aber ich finde nicht, dass so etwas zwingend Standard sein muss. Auf keinen Fall ist es schlicht als Zeichen mangelnden Enthusiasmus‘ zu werten, aus meiner Sicht scheinen alle CC-Mitglieder mit dem Abend sehr zufrieden gewesen zu sein. (Die Setlist war auf anderen Auftritten der Tour zudem identisch.)


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Insgesamt ein grandioser Abend, der im Grunde für alle Beteiligten perfekt und harmonisch verlaufen ist. Danke an Katrin von MITTENDRIN und alle Beteiligten sowie alle Besucher*innen!  

Itzehoe, Panoptikum – 21.06.2019

01.07.2019 von Philipp

Du dumme Sau!

In der Regel dominiert der Gedanke an den eigenen Bandauftritt den gesamten Tag von morgens an. Die Arbeit läuft nebenbei, in Gedanken sitzt man schon im Tourbus oder steht auffer Bühne. Aber es gibt auch Tage, an denen sich andere Verpflichtungen so derbe davorschieben, dass man sich vorher gar nicht mit dem Konzert beschäftigen kann. So geht es mir heute, denn ich halte zum ersten Mal auf einer Abiturentlassungsfeier die Rede fürs Kollegium. Das Ding macht dann letztendlich sogar Spaß, aber erst im Zug nach Rendsburg kann ich so langsam runterfahren, penne dann auch komplett ein und sause fast am entsprechenden Haltebahnhof vorbei.


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Yeah, als wir dann beim Pano eintreffen, bin ich schon voll im Modus. Was hat man hier nicht schon für geile Bands gesehen in dieser lütten Kneipe. THE LORD WEIRD SLOUGH FEG! RAM (letztere sogar zweimal)! CHRISTIAN MISTRESS! MAGISTER TEMPLI (ebenfalls zweimal)! BAPHOMET’S BLOOD! SOLSTICE! MESSERSCHMITT! EVIL SPIRIT! Dabei stand der Schuppen schon fast davor, dichtgemacht zu werden, aber ein Stammgast mit Geld und Langeweile hat den Bums einfach gekauft und somit nun gleichermaßen die Existenz des Pano wie auch seinen Tresenplatz gesichtert. Heute sind wir von den Hamburger Deathern SURFACE eingeladen worden, ihren Auftritt zu supporten, sehr nice.

 

 

Das Willkommen verläuft dann auch herrlichst und sehr entspannt. Tresenfee Wiebke hat den Humpen immer akkurat gezapft und bringt meist Nachschub, bevor man überhaupt was sagen kann. SURFACE entpuppen sich als sympathische Freaks, die auch das UNLEASH THE KRAKEN-Festival organisieren.


Zarc

 

 

Ungewohnt, im Hellen zu starten. Aber die Verbindung aus Helligkeit / Open Air-Gefühl und Kneipenatmosphäre hat wiederum auch ihren ureigenen Charme. Die Hütte füllt sich früh, der Partyfaktor steigt schnell, sodass später die Scheiben beschlagen. Noch vor neun hält eine Wanne vorm Panoptikum und die Polizei bittet darum, dass die Laustärke reduziert werde, es habe eine Beschwerde gegeben. Der nette Mischer, optisch eine Mischung aus Rainer Langhans und Peter Bursch, reagiert leicht panisch: „Macht mal leiser!“ Zarc und Andi reagieren und drehen mürrisch ihre Regler runter. Dann mein Highlight des Abends, der Dialog zwischen Mischer und Eric: „Mach du auch mal bitte leiser!“ Eric: „Das ist ein Schlagzeug, das hat keinen Lautstärkeregler!“ „Ja, äh, benutz deine Besen!“ Eric: „Besen? Damit mach ich zu Hause sauber!“ Wie gut! Als ob so eine Band wie wir diese Jazzbesen verwendet! Aber wir sind ja höfliche Fucker und versuchen es, den nächsten Song „leiser“ zu zocken. „Death For Profit“ hat es definitiv noch nie in dieser Version gegeben, ein echter Treat für Vladi-Vielgucker wie Stefan Harkonnen, der sich auch vor Lachen fast wegschmeißt. Denn „leiser“ bedeutet in diesem Fall auch, dass sich das Tempo total reduziert und wir den Song absurd langsam darbieten. Danach sagen wir uns aber dann auch „ah, fuck it“ und drehen alles wieder auf normale Lautstärke. Der Auftritt wird uns allein dadurch im Gedächtnis bleiben. Schön auch die Situation zu „Flatties“, einem neuen Song, dessen Präsenz in der Setlist mich so überrascht, dass ich, noch als Zarc lorifft, denke, „Mist, wie geht denn bloß noch der Text?“ Ich versuche mich mit Phantomzeilen zu retten, die hätten aber mal besser auch rhythmisch passen sollen… Aber im zweiten Anlauf gelingt das Biest.


VRHN

 

SURFACE erweisen sich als wesentlich abwechslungsreicher als erwartet. Das Songwriting ist facettenreich, umfasst Brutalo Death über Thrash-Einflüsse bis hin zu Old School Attacken. Das Ganze wird mit viel Energie und Bock auf Action dargeboten. Die Bandmitglieder hüpfen auf der Bühne herum, rennen durchs Publikum und erzählen zwischen den Songs auch mal Quatsch. Somit passen sie viel besser zu uns, als man wegen der unterschiedlichen Genres hätte denken können. Dem Nachbarn, der die Bullen gerufen hat, widmen SURFCAE Kinski-like ein „Du dumme Sau!“ Super, mit denen können wir uns weitere gemeinsame Aktionen jederzeit vorstellen.


Surface 

 

Ebenso wie ein weiterer Pano-Auftritt nur eine Frage der Zeit ist. Danke an alle!


Vladaftertheshow

MOSH IM MAI: Kiel, Räucherei – 04.05.2019

06.06.2019 von Philipp

15 JAHRE MOSH IM MAI

Fette Sache – zum fünfzehnjährigen Jubiläum des MOSH IM MAI-Festivals zocken gleich neun Bands. Wir haben richtig Bock auf das Ding, zumal wir heute ein spezielles Set spielen, denn die erste Hälfte ist komplett unserer kommenden „Vlad Smash!“-EP gewidmet.


VRHN

 

Ich werde den Tag als ganz wunderbar, aber auch sehr stressig in Erinnerung behalten. Denn heute feiert mein Vater seinen achtzigsten Geburtstag. Da kann und will man natürlich nicht fehlen und zum Glück passte der Vladi-Gig überhaupt in die Tagesplanung. Ich bin also erst bei Vattern, halte dort eine Rede und singe, dann brettere ich mit MJ zur Räucherei, kann nach dem Gig nur kurz mit ein paar Bekannten sabbeln, bevor es wieder zurück zur Familienfeier geht. Aber was sich nach einer leicht gewagten Planung anhört, funktioniert dennoch und alles läuft rund.


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Die anderen Vladis konnten zum Glück einen Soundcheck machen und Zarc hat meine Stimme imitiert. (ARGH! RÖCHEL! HUARGH!) Wir haben Glück, dass unser Soundmensch heute mit an Bord ist, denn die akustischen Bedingungen in der Räucherei sind recht speziell. Ich kann mich dann super hören, was schon mal nicht unwichtig ist, wenn man Songs zum ersten Mal live spielt. Die Stücke der EP erfordern somit Konzentration, denn sonst streut ja mal einen oder zwei neue Songs ein  – aber nicht acht am Stück… Der Hammer: Um diese doch recht frühe Uhrzeit von halb vier finden sich laut Veranstalter Börbel bereits 120 Zahlende in der Hütte ein. Wir hätten eigentlich mit fünf Nasen gerechnet und intern sieben als Erfolg verbucht. Bis auf ein paar falsche Einsätze meinerseits flutschen die Biester doch recht gut (meine Mitvladis würden mir widersprechen, aber ich höre bei ihnen keine Fehler). Eric ist gut drauf und brettert tight und gnadenlos. Nach den acht Songs beginnt die Entspannung, nun können wir uns gehen lassen, dennn Biester wie „Tangle Foot“, „Perfect Storm“, „Reign In Vlad“ oder das SLIME-Cover „Schweineherbst“ sind einem bereits in Fleisch und Blut gegangen, sie sind wahrscheinlich gar in unsere DNA eingedrungen. Als ich wat über Vatterns Geburtstag sage, kommt Börbel von der Seite längs und verkündet, dass seine Mutter noch in diesem Jahr auch 80 werde. Ja, so familiär war et auffem MIM, herrlich.


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Sonst gucke ich mir ja immer möglichst viele der anderen Bands an, geht heute halt nicht. Aber wie ich auf Dremu in Torsten Bericht lese, gab es noch ordentlich was zu genießen:

 

http://www.dremufuestias.de/index.php?option=com_content&view=article&id=5769:mosh-im-mai-04-05-2019-neun-bands-zum-15-jaehrigen-kiel-raeucherei&catid=15&Itemid=520

 

Jo, unser dritter MIM-Besuch (wir waren bereits mal dabei, als die Veranstaltung noch MOSH IN DEN MAI hieß und in der Alten Meierei stattfand) ist lediglich eine Frage der Zeit! 


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Fotos von Pia Heibach.

 

Hamburg, Lobusch – 20.04.2019

20.05.2019 von Philipp

Alle Tiere in Farbe

Zum ersten Mal wieder inner Lobusch, seit Aggel und Olaks nicht mehr unter uns weilen. Schon ein komisches Gefühl. Aber soll man „Nein“ sagen, wenn Jesus anfragt, ob wir nicht mit den russischen Stenchcorelern von STEP TO FREEDOM zocken wollen? Natürlich nicht, so’n Gepolter ist schließlich immer ganz im Sinne dieser beiden Freaks gewesen, R.I.P.!

 

 

STEP TO FREEDOM kommen mit weiteren vier Krusten im Schlepptau und erweisen sich sofort ebenso sympathisch wie hart im Fahrwasser. Die Verständigung erfolgt eher durch Gesten und wilde Mimik, aber damit kommt man im Leben ja häufig erstaunlich weit.  

 

 

In einem Tausch- oder Umsonstregal mitten im Zockraum der Lobusch steht eine fette Ausgabe von BREHMS TIERLEBEN, die ich sofort an mich reiße, nicht nur weil ich sofort das große Ansagenpotenzial dieses Werks erkenne.

 

 

Lobusch never lets you down! Obwohl heute ÜBERALL stilistisch ähnlich gelagerte Konzerte stattfinden (z.B. NEUROTIC EXISTENCE im Menschenzoo), füllt sich der Schuppen amtlich und diverse Bekannte trudeln ein.

 

BREHM

 

Heute probiere ich mal was Neues. Proppen in die Ohren auch beim eigenen Konzert! Mache ich sonst nicht so gerne, weil man mit den Billigohrstöpseln aus der Apotheke ja schon schlechter hört. Aber momentan gucke ich zu viele Konzerte, um einfach ab und zu mal ohne Hörschutz rumzuhüpfen. Und es klappt insgesamt ganz gut. Klar, ich höre jetzt vor allem mich selbst recht laut, während der Rest der Band in den Hintergrund geschoben wird. Aber das kostet uns/mich nur ein paar vergeigte Gesangseinsätze. Damit kann man leben, das ist ja fast normal, haha… So mache ich das ab jetzt immer. Auf der Bühne ist kaum Platz,, weswegen ich einen Großteil des Auftritts davor absolviere. Immer mal wieder wird zwischendurch der olle BREHM gezückt und etwas über Eichhörnchen, Marder oder Löwen verlesen. Wenn du in die Lobusch gehst, kommst du schlauer nach Hause – so heißt es schließlich nicht umsonst in Hamburch. Oder? Dabei fällt mir selbst auf, wie viele unserer Texte irgendeinen Tierbezug haben: „Irukandji“ erzählt von einer tödlichen Quallenart, „Tangle Foot“ von einem Fliegengitter, „Blue Hell“ von dem die Fische peinigenden Plastikmüll in den Meeren, „Roadkill BBQ“ von Arschlöchern, welche mit Absicht Tiere überfahren, um diese dann auf den Grill zu kloppen. Das ist ja verrückt!

 

 

Nach dieser herrlichen Abfahrt gönnen wir uns entspannt die Stenchattacke. Die klopft einem gepflegt den Staub aus den Hosenfalten. Ob der Sänger gleich von der Bühne stürzt, denke ich noch, da tut er genau das schon. Aber sein angeboren federnder Gang gleicht die Höhe aus und so packt sich der Kollege nicht hart aufs Maul. Je länger STEP TO FREEDOM spielen, desto geiler kommt das rohe Geknüppel irgendwie. Der Metal Punk Crusthammer aus Nijniy Novgorod trifft halt voll zwischen die Augen und lässt den Mob inner Lobusch ‘nen gut gelaunten Stenchgroove-Pogo aufs Parkett legen.

 

 

Leider können wir nicht bleiben, fahren heute Nacht noch nach Hause. Hat trotzdem gut reingeBREHMt. Animalisch sozusagen. Nächstes Mal gern wieder länger. NO PASARAN!