DIARY

Bremen, Friese – 02.02.2017

26.12.2017 von Philipp

In der Friese!

Zum Aufstehen schmeißt Otto ‘nen DIO-Tribute-Sampler in die Dr.K.-Anlage. Ich kannte den noch nicht und bin von der Qualität der METALLICA-Tracks überrascht. Die covern mehrere RAINBOW-Klassiker und man fragt sich, warum METALLICA auf ihren letzten Alben (und wohl auch live) nicht mehr so dynamisch spielen! Das Frühstück nehmen wir beim Dönermann um die Ecke ein. Andi bestellt mutig eine Riesenportion fettige Pommes, von denen er ungefähr drei Fritten schafft, bevor er mit grünem Gesicht die Waffen streckt und unsden Pott überlässt.

Nach Bremen isses ja vergleichsweise ein Katzenspung und so treffen wir früh ein, sogar gleichzeitig mit Tati und der Konzertgruppe. Leider haben irgendwelche Fucker die Ein-/Ausfahrt zur Friese zugeparkt und es ist wirklich im Umkreis von mehreren Kilometern kein Parkplatz zu finden. Naja, laden wir halt auf der Straße aus und dann suchen Otto und ich ca. ‘ne halbe Stunde lang einen Parkplatz.

Wir haben herrliche Schlafplätze in der oberen Etage und können uns noch vorm Soundcheck und Essen eine Dusche gönnen. Das Essen ist der Oberburner, denn es wird ein regelrechtes Buffet inkl. veganem Gulasch präsentiert. Einige wagen danach sogar noch ein kleines Extraschläfchen, andere starten eine Runde „Mensch, ärgere dich nicht“. Zwei Vladis treten gegen zwei Tysons an, und zwar mit der Trinkregel: Ein Rauschmiss = ein Schnaps. Irgendwann ist der Schnaps alle und wir steigen auf schales Bier um (schal, denn es soll ja wehtun beim Verlieren und keine Belohnung sein). Angesichts der Tatsache, dass sich zwei Drummer an diesem brutalen Spiel beteiligen, eigentlich ganz schön unvernünftig…

 

MÄDN


Heute spielen quasi um die Ecke auch GBH und KILLBITE. Coolerweise ist das Konzert bereits um 22:00 Uhr zu Ende und ein ganzer Schwung GBH-Besucher*innen schwappt kurz vor TYSON noch inne Friese. Herrlich, unsere KILLBITE-Froinde sind auch dabei! Ein schönes Wiedersehen, auch mit Tati, einigen Ex-DIS-SISTAHZ und den ganzen Loiten aus der Gegend hier.

TYSON brennen bei wirklich hervorragendem Sound ein wahres Thrash-Feuerwerk ab. So einen guten Klang habe ich länger nicht gehört und Kochi ist auch vom Bühnensound begeistert. Die neuen Songs überzeugen im zweiten Durchgang noch mehr. Die Band war sich nicht ganz sicher, wie sie in einem reinen Punkerladen ankommen würde – jegliche Bedenken sind aber schnell vergessen, denn was zählt, ist ja nicht das Genre, sondern der Arschlochfaktor. Und der ist bei TYSON verdammt gering, was der empathische Friesenmob dementsprechend spürt und steilgeht.

 

Tyson vs. RezetRezet vs. Tyson

 

Danach ist Vladizeit. Ein Phänomen iritiert mich: Die Bühnen-Scheinwerfer der Friese strahlen einem als Musiker dermaßen frontal in die Fresse, dass man ungelogen nur wenige Zentimeter nach vorne blicken kann. Kochi hatte mir das schon erzählt, aber ich dachte, er übertreibe. Tatsächlich sehe ich mit Anstrengung gerade mal die erste Reihe, ansonsten sind wir nach jedem Song überrascht, wenn Applaus aufbrandet, denn es ist während der Songs nicht mal zu erahnen, ob und was gerade vor uns abgeht. Da hilft nur ein Bodenroller! Der Boden ist denn auch herrlich versifft, zieht beim Rollen richtig Fäden und dazu pieken mir Scherben aus zerkloppten Bierflaschen in den Brustkorb. Das stärkt bestimmt alles die Abwehrkräfte. Herrlicher Auftritt, der viel zu schnell rum ist.

 

Setlist


Hui, danach darf man sich zwischen drei Feier-Brennpunkten entscheiden. Es gibt ein Sit-In in der Küche, eine After-Show-Party im Konzertraum (megalaute Musik, Kommunikation geht nur mit der Person neben dir und auch nur durch Brüllen) und eine Session im Esszimmer. Ich pendele hin und her und erfreue mich erbaulicher Gespräche. Irgendwann fällt mir auf, dass alle anderen schlafen und so lege auch ich mich nieder. Gute Nacht, wir kommen wieder, Danke Friese!

PS: Auch das Frühstück ist der Hammer!

Schwerin, Doktor K. – 01.12.2017

21.12.2017 von Philipp

Unter der Arschlochgrenze

Unsere beiden letzten Konzerte in diesem Jahr spielen wir zusammen mit den Kollegen von TYSON, was ein unbedingter Garant für ein gelungenes Wochenende ist. Leider ist Strecker jedoch an diesem Wochenende verhindert (er hat auch einen guten Grund), und wir müssen überlegen, wie wir den ganzen Kram transportieren. Es ist einer der Momente, der die positiven Seiten sozialer Netzwerke hervortreten lässt: Auf einen Facebook-Post hin wird uns schnell Otto vermittelt, der bei REZET nicht nur Bass spielt, sondern halt zudem seinen Bus und seine Fahrkünste einsetzt. Otto kennen wir schon von gemeinsamen Auftritten mit REZET, aber nun verbringen wir intensiver Zeit mit ihm und können klar sagen, dass er ein entspannter Mensch ist. Wir hören unterschiedlichste Mucke im Ottomobil, u.a. 3 INCHES OF BLOOD, BLUE ÖYSTER CULT, WOLF, OBITUARY oder MISFITS und verquasseln fix die Zeit.

 

Andi

 

Angesichts der Wetterbedingungen kommen wir eigentlich gut durch und erreichen das Dr. K rechtzeitig. Geilerweise haben TYSON bereits ihre neue Scheibe, Longplayer Nr. 3 mit dem Titel „Unbreakable“, pressfrisch dabei und wir schreiten als erste Käufer zur Aberntung.

Es kommen ein paar mehr Nasen als erwartet. Voll geht zwar anders, aber das hier ist schließlich Schwerin und nicht irgendeine Rock’n’Roll-Metropole. Ist uns ja auch eher wumpe – drei, dreißig oder dreiunddreißig, Hauptsache die respektieren den Rock! Über 300 kommen die Arschlöcher, hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Deutlich unter der Arschlochgrenze wird also heute der Abriss zelebriert. Heute eröffnen wir, morgen TYSON. Der Auftritt verläuft in völlig stabil-vladiistischen Bahnen; Es gibt Schläge und Tritte auf der Bühne, Rocksaft fliegt herum, Köppe werden an Monitore gehauen, ein Bodenroller ist auch dabei. Nichts Spektakuläres also. Doch, Moment, eine Sache ist mir zumindest neu: Ein Typ springt während eines Songs auf die Bühne, stellt sich quasi neben mich und richtet sein Smartfon auf unsere Hackfressen. Und das fast den ganzen Song lang. Ob sich das etabliert? Quasi die Live-Erinnerung nicht nur aus der ersten Reihe, sondern direkt aus dem Geschehen heraus? Egal, hat Spaß gemacht, auch wenn der Sound am Anfang eher suboptimal war.  

 

TYSON hämmern dann gut einen raus und zeigen sich gerade beiden neuen Stücken deutlich gereift. Das peitscht thrashig rein, hat durchweg Power, ist super gespielt und enthält diverse Hooks in den Gesangslinien. „Moshpit Alliance“, „From The Ashes“ und „Higher“ sind neue TYSON-Faves von mir, die insgesamt melodiöser und thrashiger als das bisherige Schaffen wirken. Leider fehlt der zweite Gitarrist Zed Doomhammer heute und der Sound ist immer wieder von so einem tieffrequenten Brummen durchsetzt. Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch und ich sehe, dass wirklich alle Anwesenden bangen und das höchstens mal für einen Gang zum Tresen oder zur Toilette unterbrechen. Am Ende steigt Kochi von der Bühne und fordert die Leute zu „Knockout“ dazu auf, ihn umzuwämsen. Mutige Sache, denn im Publikum befinden sich durchaus einige Kanten.

 

TYSON müssen heute noch nach Hause fahren, was Andi offenbar zum Anlass nimmt, ihren Anteil mitzutrinken. Wenn man selber spielt, bezahlt man ja in der Regel nicht viel - Bier ist meist unbegrenzt, Schnaps kostet manchmal (wie heute) die Hälfte. Joah, und Andi schafft es tatsächlich trotz dieser Voraussetzungen 80,- Euro auf den Kopf zu hauen. Auch nicht schlecht! Allerdings geht jede schöne Feier mal zu Ende und alle legen sich schlafen. Doch diese Nacht ist von diversen Unterbrechungen gekennzeichnet: Immer wieder ertönen unmenschliche Würgeräusche, der Verursacher fährt ruckartig hoch und lässt seinen Schädel nach erfolgreichem Zurückwürgen krachend auf den Bodensausen. Irgendwann ist eine befreiende Brecherei aber offenbar nicht zuvermeiden und der Erzeuger dieser netten Geräusche geht geschätzte zehn Mal zur Toilette, um sich zu erleichtern. Als ich gegen Morgen zum Wasserlassen dieselbe Route beschreite, treffe ich auf eine Lache aus Galle, in der sich ein nackter Fußabdruck abzeichnet. Ich datiere diese Spuren auf Kotzgang Nr. 7 und Nr. 8 – offenbar stammen Galle und Fußabdruck von derselben Person, hehe. Wird Andi am nächsten Tag in Bremen spielen können? Fortsetzung folgt…

Hamburg, Bambi Galore – 11.11.2017

27.11.2017 von Philipp

Bambi Birthday Bash

Wenn man einem Menschen einen „grandiosen Musikgeschmack“ attestiert, macht man das meist, weil dieser denselben wie man selbst hat… Dieser Definition folgend verkünde ich: Der Holger Andre hat ‘nen richtig geilen Musikgeschmack, haha! Fand ich mich doch bereits in den Achtzigern und Neunzigern häufig beim Bangen in der ersten Reihe zu so unterschiedlichen Bands wie EROSION oder PSYCHOTIC WALTZ neben Holger in der ersten Reihe wieder. Und nu nullt der Gute, lädt sich tolle Bands zur Feier ein – und zählt uns Vladis glatt dazu!

Ein nettes Abhängen ist im Bambi immer garantiert, und so vergeht die Zeit bis zur ersten Band mit Soundcheck, Mampfung und Gelaber wie im Fluge. Ein Typ aus dem Tross der Brasilianer ALEKTA hat seine Stimme schon derart zerrockt, dass er sich dezent nach Kehlkopfkatarrh und zwanzig Whiskey obendrauf anhört, dazu hat der Freak schon gut Schlagseite. Andi schlussfolgert: „I guess you’re the singer?" Tatsächlich entpuppt der Kerl sich als Manager und Driver…

ALEKTA schocken dann mal richtig. Schön flotter Death/Thrash Metal mit brutalen Growls und einer sympathischen Ausstrahlung. In Brasilien sind die Nasen offenbar schon ziemlich bekannt. Leider kommen heute nicht gerade Heerscharen von Besucher*innen und zur ersten Band ist es natürlich noch etwas leerer als später. Aber die Band hat Spaß und alle Anwesenden auch.

 

Vladi


Wir haben Slot Nr. 2 und bekommen vom Mischer laut Ohrenzeugen einen guten Sound verpasst. Auf der Bühne selbst klingt es allerdings nicht so fett, eigentlich hören wir fast nur Schlagzeug und die Gesänge. Egal, reicht! Die Resonanz ist super – für die geringe Anzahl von Gästen kommt mehr zurück, als physikalisch eigentlich möglich ist. Wir freuen uns über das Erscheinen einer alten Brieffreundin (Tapetrading times!), deren Tochter länger ernsthaft erkrankt war. Oder über Heavy Metal-Globetrotter Klocki, der in der ersten Reihe gute Laune versprüht. Netterweise bekommen wir von den SEPTAGON-Haudegen später ordentlich Lob, die uns als „eine geile Mischung aus Geballer, Tightness und Hooks“ beschreiben.

LOST WORLD ORDER waren mir noch gar kein Begriff. Holger sagt in der Ankündigung: „Wer eine abwechslungsreiche Mischung aus allen erdenklichen Thrashsubkulturen hören möchte, kommt an LOST WORLD ORDER nicht vorbei.“ Und das stimmt! Sehr abwechslungsreich, was da auf der Bühne passiert. Die Bielefelder knüppeln mal straight nach vorne, dann bauen sie schräge Parts ein und auch der Gesang variiert geschickt zwischen Aggro-Gebrüll, Shouten und clean vocals. Mag ich und ernte gleich mal eine LP ab.

SEPTAGON haben 2016 mit ihrem Debutalbum ordentlich Staub aufgewirbelt – zu Recht, denn so eine flutschig gespielte Antwort auf US-Thrash with class a la early HEATHEN oder TOXIK gab es aus Deutschland schon lange nicht mehr (oder noch nie?). Mir gefällt bereits das Erscheinungsbild, denn eine derart geballte Ansammlung an exquisiten Shirt-Motiven (siehe oben…) findet man selten in einer einzigen Band: Gitarrist links: FATES WARNING – „Inside Out“, Sänger. VENOM – „Welcome To Hell“, Bassist: THE DOOMSDAY KINGDOM, Gitarrist rechts: DEATH – „Human“ und Schlagzeuger: SACRAL RAGE. Hammergut, wäre ich Linienrichter, gäbe es hier extra Bonus-Haltungsnoten. Der erste SEPTAGON-Gig auf dem Metal Assault zeigte die Bandmitglieder noch nicht so perfekt aufeinander eingespielt, heute wirkt das schon viel harmonischer. Die pfeilschnellen Songs haben unfassbar geile Hooks, Brecher wie „Unwanted Company“ oder „Secret Silver Panorama Machine“ beißen sich – einmal gehört - für immer in den Gehörgängen fest. Das gilt auch für einen neuen Song, der irgendwas mit „Fire“ im Titel hat. Markus Beckers Stimme mag zwar etwas besser zum epischen Stoff von ATLANTEAN KODEX passen, kommt aber auch hier superb rüber. Man dankt Holger dafür, dass er „die erste Headlinershow“ SEPTAGONS ermöglicht habe. Und ballert mit HEATHENs „Goblin’s Blade“ eine geniale Coverversion.

Das Geburtstagskind feiert rein und da es mitten während des SEPTAGON-Auftritts 24:00 Uhr schlägt, gibt es zahlreiche Umarmungen, einen Kuchen samt Knochenhand aus Zuckerguss und von Holger Becher mit fiesem Schnaps für alle. Er sagt später, er habe Tequila geordert, aber ich suche nach dem ersten Schluck erst mal das Logo der verantwortlichen Tankstelle…    

Herzlichen Glückwunsch, Holger! Es war ein herrlicher Abend! Wir wollen sowas wieder!

Husum, Speicher – 07.10.2017

19.10.2017 von Philipp

Ihr kleiner Scheißhaufen werdet dies Konzert nich in Arsch machen!

Das zweite Konzert ist immer besser als das erste. Diese alte Binsenweisheit greift natürlich gerade dann, wenn man am ersten Tag nach der Arbeit zum Konzert hetzen muss. Heute trudeln alle entspannt am Speicher ein und freuen sich auf den Abend. SLIME sind besonders gut drauf, weil ihr Mischer, der gestern keine Zeit hatte, wieder mit dabei ist. Veranstalter Stöllchen gebührt Extra-Dank, weil er tatsächlich kurz nach Hause donnert, als uns auffällt, dass wir heute keinen Teppich fürs Schlagzeug dabeihaben, sehr wohl aber einen benötigen. Stöllchen kehrt nämlich kurz darauf mit einem Läufer aus seinem Wohnzimmer (!) zurück. „Da können ruhig noch mehr Flecken rauf, kein Ding.“

 

Nach dem superben Essen gönne ich mir zusammen mit SLIME-Stagehand Tim, der auch bei DEFEKT DEFEKT zockt (Tipp!), ein feines Weinchen (Südhang, Mittellage) und wir kommen mit allen ins Plaudern, tauschen Geschichten aus. Gerade Dirk kann da so einige erzählen... SLIME ändern ihre Setlist heute nochmal und nehmen mit „Untergang“ noch einen Klassiker mit rein, bleiben aber bei mindestens 12 neuen Songs, sodass die Setlist an der 30-Song-Marke kratzt…

 

Husum

 

Fast alles wie gestern: Aufbau im NOMEANSNO-Stil nebeneinander, Hütte von Anfang an knüppelvoll, 40 Minuten Zockzeit – und aaaab! Ein Unterschied liegt wohl darin, dass sich mehr Bekannte im Pit befinden und uns hier offenbar mehr Leute kennen. Der Sound war für uns ja gestern schon super, heute ist er ebenfalls richtig gut. Ich merke, dass die Aufstellung meinen Ohren guttut – sonst befindet sich Eric ja direkt hinter mir und die Becken kesseln mir manchmal echt die Rübe weg. Nun sitzt er ganz am Rand, wodurch allerdings Andi die volle Breitseite bekommt. Wir spielen 13 Stücke, beginnen mit „Rink Of Fear“,haben „Blue Hell“ mal wieder im Set (übrigens haben SLIME mit „Der siebte Kontinent“ einen Song über dieselbe Thematik geschrieben) und schließen mit „Roadkill BBQ“. Es ist ein herrlicher Auftritt, der zu jedem Moment Spaß macht. Man kann im Speicher so schön auf die Boxen vor der Bühne klettern und dann direkt den Besucher*innen in die Hackfressen glotzen.

 

Speicher

 

Der SLIME-Gig gefällt mir heute noch besser. Das Konzert hat einen besseren Fluss als gestern, und gerade in der zweiten Hälfte kommt ordentlich Stimmung auf. Krasserweise ist auch das morgige Zusatzkonzert, welches immerhin an einem Sonntag stattfindet, komplett ausverkauft.  Als Highlights nenne ich „Alle gegen alle“, „Störtebeker“, „We Don’t Need The Army“, „Sich fügen heißt lügen“, „Schweineherbst“, „Untergang“, „Wenn der Himmel brennt“, „ACAB“, „Etikette tötet“, „Ich war dabei“, „Deutschland“, „Religion“, „Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“, „Linke Spießer“ und „Let’s Get United“, bei denen eigentlich konstant der Ratz abgeht. Gerade nach dem Akustikteil entlädt sich die Pogowut der Anwesenden.

 

Vladi 

 

Ich muss zugeben, dass ich mir danach hart einen gönne. Dicken kommt mit Schnaps rum, es entstehen x Fotos, die Aftershowparty dauert bis 04:00 Uhr nachts bzw. verlassen wir diese Feierlichkeit zu diesem Zeitpunkt, weil irgendwann der Kanal schlicht voll ist.

 

Das hat mal Spaß gemacht. Danke an alle! Ich zitiere abschließend Stöllchen: „Schreit auf jeden Fall nach einer Wiederholung!“




ZarcEric

Lübeck, Treibsand – 06.10.2017

18.10.2017 von Philipp

Ich kann die Elbe nicht mehr sehen, Digger!

Was für eine herrliche Vladi-Woche! Am Montag erst mit RUINAS inner Lobusch und nun gleich zwei Dinger mit SLIME. Und das in zwei unserer absoluten Lieblingsläden – dem Treibsand in Lübeck und dem Speicher in Husum.

 

Leider gestaltet sich die Anfahrt etwas schwerfällig. Nach fast zwei Stunden sind wir immer noch …in Rendsburg. Die Straßen sind einfach scheiße voll. SLIME ergeht es selbst nicht anders und als wir ankommen, ist Schlagzeuger Alex Schwers immer noch im Verkehr. Obwohl alle emsig am Aufbau arbeiten, verzögert sich dadurch der gesamte Ablauf. Erst müssen schließlich SLIME Soundcheck machen, umgekehrt hätte es wenig Sinn ergeben. Aus Platzgründen stellen wir uns NOMEANSNO-mäßig auf und stehen somit in einer Reihe – Eric trommelt also ungewohnterweise an der rechten Bühnenseite neben uns statt hinter uns.

 

VRHN

 

Die Backstagestimmung ist trotz des etwas hektischen Aufbaus entspannt. Das liegt nicht zuletzt bestimmt an den ganzen leckeren Fressalien, welche die Kochcrew auftischt. Oliven, Gemüse & Dips, gefüllte Teigtaschen, Stullen… Zum Glück wissen wir, dass man sich hier nicht zu früh den Wanst vollschlagen darf, denn der eigentliche Hauptgang kommt erst noch! In der Tat serviert man später Sellerieschnitzel oder wahlweise Fleisch mit Kroketten.

 

ZarcEric

 

Wir lernen SLIME peu a peu kennen und kommen besonders intensiv mit Dirk „Dicken“ Jora ins Gespräch, der uns bald tatsächlich alle mit „Digger!“ anspricht. Am zweiten Tach soll das übrigens gar zu „Diggi!“ werden – das kann nur für totale Zuneigung stehen. Über Slime wird ja gerade viel Quatsch geschrieben, meiner Meinung nach hat vieles davon eine missgünstige Note. Ich kann das nicht bestätigen, was man da so an absurden Vorwürfen hört. Die Band hat Bock und zieht an beiden Tagen jeweils über zweieinhalbstündige Auftritte durch!

 

Aber erst mal sind ja wir dran. Der Sound ist auf (und offenbar vor) der Bühne 1A. Das Treibsand ist pickepackevoll, beide Konzerte sind ausverkauft. Nun ist es theoretisch ja spanend, wie man als Support aufgenommen wird, wenn man mit so einer Legende zockt. Aber gerade in Lübeck und Husum habe ich keine Bedenken. Tatsächlich füllt es sich im Laufe unseres Auftritts immer mehr und die Stimmung steigt mit jedem Stück. Ein auf der Bühne mit dem Rücken zur Band sitzender Punker wird natürlich gleich integriert und dazu aufgefordert, bitte noch etwas gelangweilter und arroganter zu gucken, damit das noch geiler nach 80er Punkkonzert aussehe. BUTTOCKS‘ „Nein, Nein, Nein“ flutscht so richtig schön schnell durch die Boxen – wir haben das Ding aus Bock mit reingenommen und weil wir „Schweineherbst“ nicht in dieser Situation covern wollten. 40 Minuten Vladiismus sind immerhin drin und das reicht, um komplett durchgeschwitzt von der Bühne zu gehen. Danach freuen wir uns über viel positives Feedback aus grinsenden Gesichtern. Ausnahme: Eine Frau mit wütendem Gesichtsausdruck, die mich anbellt: „Du bist so scheiße! Deine Musik ist geil, aber wenn du das Maul aufmachst, laberst du nur Scheiße! Und du kannst dir nicht mal ein Bier selbst aufmachen!“ (Die letzte Bemerkung bezieht sich darauf, dass ich mein letztes Bühnenbier einem Besucher zum Aufmachen hingehalten habe.) Was soll man dazu sagen…

 

VRHN

 

SLIME spielen ungelogen gleich zwölf neue Songs. Das ist verglichen mit anderen Bands überdurchschnittlich viel. Sowas sieht man selten, denn es ist ja bekannt, dass die Leute möglichst alte Klassiker hören wollen. Aber irgendwie schaffen die Hamburger*innen es, trotzdem noch fast keinen ihrer Hits ungespielt zu lassen! „Alle gegen alle“, „Schweineherbst“, „Linke Spießer“, „Deutschland“…. Im Grunde ist fast alles dabei, ich vermisse spontan lediglich „Mensch“ und „Goldene Türme“. Zwischendurch gibt es einen Akustikteil mit u.a. „Zu kalt“ und „Gewalt“, der mir am ersten Tag irgendwie ein wenig den Fluss aus dem Auftritt zu nehmen scheint. Dirk ist genervt, weil sein Monitor immer wieder ausfällt. Auch schon wieder authentisch und ehrlich, wie er sich seine Verärgerung darüber anmerken lässt. Vor der Bühne ist der Sound aber super und schließlich singt Dicken einfach mit durch Elfs Mikro. Von den neuen Songs gefallen mir vor allem „Banalität des Bösen“ (inspiriert von Hannah Arendt) und das herrlich swingende „Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“.

 

AndiEric

 

Das hat Bock gemacht, aber ich verrate schon mal, dass am Tag danach alles noch etwas geiler werden wird!

Vielen Dank an Jens, Axel und die Treibsand-Crew – wir kommen wieder, da gibt’s nix!

Hamburg, Lobusch – 02.10.2017

04.10.2017 von Philipp

Buenos Aires oder Italien, Hauptsache Stench Crust!

Normalerweise ist montags Vladi-Probezeit. Aber wenn kurzfristig ‘ne Giganfrage reinschneit, kann dieses eherne Gesetz auch mal gedehnt werden. Das Risiko ist schließlich minimal: Sollte schlicht niemand kommen, bräuchten wir einfach die Augen zu schließen und uns vorzustellen, wir seien im Proberaum. Weitere Gründe, Floyds kurzfristiger Einladung zu folgen: 1. Am Tag danach ist frei. 2. Der Flyer ist mörderschick. 3. Die andere Band RUINAS kommt aus Argentinien und zockt Stench Crust. 4. Es gibt wat zu essen.

Wir kommen sogar halbwegs pünktlich und finden nach einigem Cruisen einen Parkplatz direkt vor der Lobusch. Yeah, Lobusch - das ist fast wie nach Hause kommen! Wir treffen gleich auf geliebte Lobuschhackfressen, sozialisieren mit den RUINAS, fressen Floyds leckere Gemüselasagne (Kritik: zu wenig gesalzen!), müssen allerdings die bittere Nachricht verdauen, dass Agl und Olaks (der „Pigsmoker“) beide krank sind.  

 

VRHN


Da es allen egal ist, wer wann zockt, schnappen wir uns den ersten Slot. Und los geht’s! Es ist 22.30 Uhr und wir stellen erstaunt fest, dass die Hütte voll ist! Klar, morgen ist Feiertag, aber Montag bleibt Montag und wird von vielen Menschen abends doch eher auf der Couch verbracht. Vielleicht haben es viele Lobusch-Froinde ja wie ich gemacht und haben die Glotzenumstellung auf DVB-T2 oder wie die Scheiße heißt nicht mitgemacht? Ohne TV-Glotzmöglichkeit treibt es die Menschen vielleicht doller auf die Straße?

Viele Gesichter strahlen uns an! Ich mag das immer, wenn ich sehe, wenn wir Besucher*innen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Besser als violent dancing oder in die Ecke zu kacken! Der Sound ist richtig gut und peitscht uns selbst nach vorne. Das BUTTOCKS-Cover „Nein Nein Nein“ flutscht heute (im zweiten Anlauf, weil ich beim ersten den Einsatz verkacke) erstmals richtig gut. Auf der Bühne herrscht eine gewisse Enge, aber ich schaffe es ganz lange, mir nicht den Kopf zu stoßen (dafür passiert es dann so richtig, und zwar – natürlich – beim letzten Gang aus dem Backstagebereich zurück). Durch Zwischenrufer animiert geht es in den Ansagen heute um die wichtigen Fragen des Lebens, etwa ob der Tag dadurch runiert sei, wenn einem gleich morgens Wasser in den Ärmel laufe. Höhepunkte sind aus meiner Sicht das wieder im Set befindliche „Blue Hell“, „My Own Rifle“ oder/und „Anomie“. Strecker analysiert danach umfassend: „Ihr wart schnell!“

 

VRHN


RUINAS stenchen dann so richtig die Hütte voll. Die Genoss*innen kommen aus Buenos Aires und mögen BOLT THROWER. Natürlich mit speckiger Krustenkante versehen. Die Gitarrenwände wabern durch die Lobusch und überall fliegen die Matten. Sängerin Rocio (?) brüllkreischgrunzt brutalst möglich und hat sich dazu floorshowmäßig vor die Bühne gestellt. Auf Dauer zwar etwas monoton, aber das darf hier auch als Stilmittel gelten, welches den Mob gezielt in den Wahn treibt. Neanderthal stench rules!

Herrlich, hierher werden wir immer wiederkommen!

 

 

Flyer

Rendsburg, T-Stube – 16.09.2017

26.09.2017 von Philipp

Babylon Rendsburg

“Übler Termin-Abfukk meinerseits!”, musste Andi bekennen, als er bemerkte, dass er für den 16.09. gleich zwei Konzerten zugestimmt hatte – eines mit MÖRDER in der Meierei (Infernal Birthday Bash) und eines halt mit VLADI inner T-Stube. Aber ich kenn das: Da freut man sich monatelang auf zwei Konzerte und merkt dann kurz vorher, dass die zur selben Zeit stattfinden. Nur konnte sich Andi in diesem Fall nicht so ohne Weiteres für das geilere Konzi entscheiden, jedenfalls nicht ohne für irgendwen der Arsch zu sein. Die Lösung? Einfach beide Biester zocken!

 

So finden wir uns erst mal ohne Andi in der T-Stube ein. Mit KEVIN PASCAL und REZET lässt sich gut abhängen, mit den Maniacs der East-Coast-Concerts-Konzertgruppe sowieso. Anna hat leckere vegane Spaghetti Bolognese gekocht. Für REZET finden sich drei Ultra-Fans frühzeitig ein, die höflich fragen, ob sie schon rein dürften, um den Soundcheck sehen zu können. Das lohnt sich insofern, als dass dieser epische Ausmaße annimmt. Schade, dass Henrik nicht vor Ort ist, der die Anlage der T gut kennt und sogar mal Vladi-Einstellungen im Digitalpult gespeichert hat.  

 

Letztlich erreicht Andi den Ort des Geschehens noch zum Soundcheck von KEVIN PASCAL. Und wir hatten uns schon Sorgen gemacht, dass wir den Ablauf durch diese Sache verzögern könnten! Eine fette Verzögerung gibt’s natürlich, aber die ist rein punkrocktechnisch bedingt und stört keine*n. Die Flensburger gefallen mir wieder mal sehr. Bester Punkrock mit ordentlich Dampf, Wut und Speed. Unbedingt erwähnen will ich die herrlichen Gitarren, die permanent feuern.

 

VRHN-Setlist

 

Zarc fragt mich vorher, was mein Bauchgefühl sagt. Ich versichere: „Heute wird’s gut!“ Und das stimmt. Im Publikum viele Bekannte, u.a. auch mein Ex-Bonehouse-Buddy Pete Stoeckicht, den Andi gleich aus der Meierei mitgebracht hat. Der Sound ist allerdings erst mal fies – am Anfang ist ein permanentes Brummen zu hören, dessen Ursache erst nach drei Stücken eliminiert werden kann. Das verhindert weder einen Bodenroller meinerseits (Analyse: Der Boden ist von klebriger Konsistenz, kaputte Bierflaschen kommen garstig, die Besucher*innen tragen festes Schuhwerk), noch einen Bühnenkugler seitens eines Pogo-Verunfallten, der natürlich gleich über Zarcs Effektboard rollt. Zum zweiten Mal gibt’s heute das BUTTOCKS-Cover „Nein Nein Nein“, ansonsten einen vladiistischen Querschnitt von den drei VRHN-Tonträgern und einen von der kommenden GRÜNEN PLATTE. Dass „Schweineherbst“ nur wenige Tage später abermals seine ewige Aktualität bestätigt bekommt, ist die einzige traurige Randnotiz. Die Leute sind super, einer hat sogar ein Pappschild mit der Forderung nach NUCLEAR-TERROR-Songs als Zugaben gebastelt und mitgebracht. Und der Hammer ist Tobi, der seine Ex-Band zum ersten Mal seit seinem Ausstieg aus dem Mob heraus betrachten kann und so manches Mal auf die Bühne stürmt, um mitzuschmettern! Da bin ich fast neidisch.

 

REZET haben am Anfang einen unfassbar miesen Sound. Hilfe! Hat das bei uns etwa auch so geklungen? Doch irgendwann wird die bockige Anlage gezähmt und die Schleswiger thrashen auf höchstem Niveau. Besonders geil sind die vier neuen Songs (bzw. drei und das DK-Cover „Chemical Warfare“), „Toxic Avenger“, „Dead City“, das melodisch hervorstechende „Breaking The Chains“ und der Old School Thrasher „Fight For Your Life“. Da treffen Bay Area und Ruhrpott aufeinander und ich hoffe, dass REZET die etwas straightere Richtung im Songwriting beibehalten. Thrrrrrrrrrrash!

 

Danke an East-Coast-Concerts und alle anderen Beteiligten!

Düsseldorf, AK 47 - 02.09.2017

07.09.2017 von Philipp

This Is Flingern Not L.A.!

Die meisten Konzerteinladungen bekommen wir mittlerweile logischerweise per Mail, Facebook etc. und ganz selten mal übers Fon. Im Falle Flingern-Festival war dat mal ganz anders! Der Meyer 77 kam zu unserem Jubiläumsauftritt in die Meierei, der immerhin auch schon fast ein Jahr her ist. Dort sabbelten wir nett und Meyer fragte irgendwann, ob wir nicht Bock hätten, mal wieder auffem Flingern zu zocken. Hatten wir, logisch. Nun hatten wir ehrlich gesagt lange Monate gar nicht mehr an dieses Gespräch gedacht und erst Wochen vorm Flingern fiel Zarc zufällig auf, dass wir tatsächlich auffem Billing stehen, haha! Problem: Wir konnten wegen Arbeitsgedöns ausschließlich am Samstag spielen, nicht aber am Freitag. Über Mails oder alle Seiten des AK 47 erreichten wir keinen Arsch, doch zum Glück trafen Eric und ich den Meyer auf einem Festival kurz vorher und konnten auch das besprechen. Ein Booking also, welches wirklich ausschließlich von Hackfresse zu Hackfresse und ohne den Einsatz jeglicher Medien zustande kam!

 

VRHN

 

Die Hinfahrt ist dann echt mal hart. Endlose zweieinhalb Stunden verbringen wir vor dem Elbtunnel und irgendwie wird mein Kragen immer enger, die Hitze drückender. Bin trotzdem zu faul, mir die Kutte auszuziehen. Aber nachdem der Tunnel hinter uns liegt, geht es aufwärts bzw. voran, ein paar kühle Humpen helfen und zack kommen wir gerade noch im Hellen am AK 47 an. Herrlich hier! Diese Punkerstraße mit dem ganz gewissen Flair, draußen bereits alles voll mit Leuten, Plattenständen, Snackständen… Wir treffen alte und neue Froinde wie Marc G., Samson, Meyer 77, Kai T., Carsten M. und natürlich die PINS-Familie. Ungewöhnlich durchmischt scheint das Publikum – das AK 47 kenne ich eher voller Punks – was tatsächlich auch den ganzen Abend über auch so bleibt.

 

Die erste Band FROZEN T-CUP bekomme ich kaum mit, da schließlich auch Plattenstände abgecheckt, das leckere vegane Gulasch gemampft und das Bierangebot getestet werden müssen. Sie spielen wohl einen ihrer ersten Auftritte und erscheinen mir sehr nervös.

 

Mit WOLVES CARRY MY NAME wird es düster. Sehr heavy und sludgig dröhnen die Gitarren, während der Sänger Urmenschenlaute ausstößt. Der muss bestimmt nie Texte lernen. Gefällt!

 

VRHN

 

Die STUMBLING PINS sind tatsächlich auf Abschiedstour. Das finde ich sehr schade, zumal sie besser denn je klingen. Gesang super, Zusammenspiel sehr rund. Der Laden ist jetzt richtig voll und viele gehen ab. Irgendwo in der Nachbarschaft findet wohl eine Art Elektroparty statt und einige der Besucher*innen scheinen hier im AK 47 gelandet zu sein. Ob sie sozusagen hängen bleiben, weil es es hier einfach toll ist? Warum nicht!

 

Hui, dann schon wir, wobei das Bier-o-Meter bei vielen Besucher*innen auch schon eine hohe Schlagzahl misst. Kurz vor unserem Auftritt werden Spannungen spürbar, die aber zum Glück deeskaliert werden können. Dafür entlädt sich die Energie dann so richtig in Bewegung, Schweiß und Lärm. Besser ist das! Meyer hat sich von Eric gewünscht, dass dieser nur mit einer Bassdrum anreise, was dieser dann auch nur für ihn und nur heute tut. Er kommt mit diesem kleinen Besteck aber auch super klar. Überhaupt flutscht alles herrlich und ich kann den Gig gerade soundmäßig genießen, da ich mich super höre. Die beiden Coversongs „Schweineherbst“ und „Nein Nein Nein“ stoßen interessanterweise heute auf weniger Resonanz als unser eigenes Material. Der Mob hält den immerhin 50-minütigen Auftritt gut durch und wir gehen nassgeschwitzt bis auffe Socken wieder von der Bühne.  

 

VRHN

 

Nun die RUHRPOTTKANAKEN, die sich irgendwann wieder zusammengetan haben. Ich hab die Nasen vor über 20 Jahren zwei mal in Kiel gesehen und war damals der einzige männliche Besucher mit langen Jahren, der Rest waren Glatzen. Geilerweise hört man es der Band nicht an, dass die einzelnen Bandmitglieder schon seit dreißig Jahren Musik machen. Die Gitarren verstimmt, ein ständiges Feedbackquietschen… Ich kenne echt noch diverse Songs, ganz groß natürlich „Der Tag, als Ian Stuart starb“! Die Humpen kreisen, alle singen mit, wenn sie noch können.

 

Jo – klar ist eins: Wir kommen wieder! Flingern go!

 

VRHN

Rotenburg, Villa – 30.06.2017

07.07.2017 von Philipp

WELCOME TO HELLke!

Endlich mal wieder in der Villa Rotenburg! Helke hat Geburtstag und sich ein schönes Geschenk gewünscht, nämlich VLADIMIR HARKONNEN. Total nachvollziehbar. Und DIS-SISTERS. Und LOSER YOUTH.


Die nervige Anfahrt – Stau hier, Stau da – führt dazu, dass wir locker zwei Stunden später ankommen als geplant. Aber ist ja Punkrock hier, da ist es den Loiten wumpe, ob dat nu um 20:00 Uhr oder um 22:00 Uhr beginnt.

 

VRHN


Hach, macht das Spaß, hier zu sein! Als wir eintrudeln, tummeln sich bereits zahlreiche Gäste in der Villa. Unser Kram ist schnell aufgebaut, da können wir also der Konversation und dem Essen widmen. Bei den DIS-SISTERS ist Tati von LOST WORLD, TOURETTE SYDROME etc. am Bass, was wir bis vor kurzem gar nicht wussten und alle erfreut. Auch mit LOSER YOUTH ist gut Wrap essen. Dat gibt es nämlich heute – Wraps zum Selberbelegen. Die Strategie „Ach, die Wraphülle ist ja so dünn, lass ma noch einen essen.“ ist allerdings gefährlich, wenn mensch später beim eigenen Gig der Schwerkraft trotzen will.

 

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DIS-SISTERS mörteln los und der Keller erbebt. Der Name ist Programm – das krustige Punkerinnen-Quartett galoppelt frisch nach vorne und überrascht mit multilingualer Kampfansage. Italienisch, Spanisch, Schwedisch, Deutsch... fast warte ich auf einen japanischen Text... Es geht schon richtig ab in den Kellerkatakomben der Villa. Ich freue mich jetzt schon auf einen Tonträger der DID-SISTERS. Sehr geil z.B. der Song, bei dem Tati erst eine Harmonika bedient, während die Sängerin loslegt – es handelt sich um ein Kampflied aus dem Spanischen Bürgerkrieg, welches also „klassisch“ beginnt und dann nach Tatis Wechsel zum Bass in einer fiesen Punkversion weitergeht. Geil!

 

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Dann gönnen wir uns LOSER YOUTH, deren neue 7“ „Es gibt viele schöne Plätze in Deutschland. Die schönsten sind für uns Arbeitsplätze“ gerade aus dem Presswerk geflutscht ist und heute erstmalig auf den Merch geklatscht wird. Leider hab ich bereits all meine mitgebrachte Kohle an Ballos Distrostand verbraten, u.a. für die neueste RATOS DE PORAO. Ich steh voll auf die Ansagen von Thommy und Pauly (Gitarre, Bass, Gesang), die auf den ersten Eindruck ironisch-quatschig wirken, aber ebenso wie deren Texte bitterböse Inhalte vorweisen. „Ikea – du Arschloch“ legt den Finger auf die Wunde: „schon in der ddr / haben zwangsarbeiter für dich geschuftet / und heute sortieren gefangene / im abschiebeknast schrauben.“ Hundertprozentige Zustimmung empfinde ich zum Beispiel beim Thema von „Ich seh rot“: „das wird man doch mal sagen dürfen / das ist doch gar nicht so schlimm / das wort steht doch im duden / bei pippi langstrumpf hab ichs auch schon gesehen.“ Super, will ich genau wie DIS-SISTERS möglichst bald wieder sehen.

 

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Die Wraps sind halbwegs verdaut, da geht es auch schon los. Eigentlich haben wir ja schon häufig zu viert gespielt, aber jetzt nach der Bekanntgabe von Tobis Ausstieg sprechen uns richtig viele Leute darauf an und sind gespannt, ob das mit einer Gitarre hinhauen kann. Die haben offenbar noch gar nicht gesehen, dass Zarc VIER Arme besitzt. Der Wämser zockt für zwei! In Rotenburg, Verden, Bremen etc. ist es irgendwie immer super. Hier entfaltet sich der Vladiismus, sodass Band un Mob verschmelzen. Leute tanzen hinter, neben und vor mir, textsichere Freaks entreißen mir das Mikro, während andere gar um meine Frisur besorgt sind und helfend eingreifen, wenn Haare die Atemorgane zu verstopfen drohen. Wir feiern Helke, beschenken sie mit unserem Rock, feiern auch DIS-SISTERS und LOSER YOUTH. Doch fast kommt es zu einem frühzeitigen Abbruch, als Zarc das Resultat einer unverzeihlichen Entgleisung bemerkt: „Da... da ist Cola auf meinem Kabel! COLA! Abbruch!“ Doch in den Multifunktionsgürteln der Krusten befinden sich natürlich Feuchttücher, was sonst, und so wird nahezu verzögerungsfrei weitergeballert. Ein herrlicher Abriss. 

 

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Auch die weitere Feier kann nur als grandios und legendär bezeichnet werden. Helke kredenzt Sekt in Vasen, es wird weitergewrapt und Konzerte werden beschlossen. Wir kommen wieder!

 

Bilder: blackwork - p.diercks - @blackwork.de und Ballo

Marne, StöfenparkRock – 17.06.2017

29.06.2017 von Philipp

Tobis Abschiedssause

Wir hatten es nicht kommuniziert, aber vielen war natürlich aufgefallen, dass wir in letzter Zeit häufiger mal in Viererbesetzung aufgetreten sind, also ohne Tobi. Nach 3 ½ Jahren Vladiismus hat Tobi sich dann entschieden, bei uns auszusteigen und das Stöfenparkrock-Festival sollte sein Abschiedskonzert werden. Der Ausstieg liegt schlicht daran, dass Tobi sich in einer Lebenssituation/-phase befindet, die ihm zu wenig Zeit für die Bandaktivitäten lässt.

 

Nun waren wir natürlich gespannt, wie dieser letzte Auftritt verlaufen würde. Keiner von uns war bisher auf dem Stöfenparkrock und überhaupt haben wir Shitmarschen ziemlich fies vernachlässigt. Geht da überhaupt was? Zumal heute hart viele Veranstaltungen locken, z.B. EA 80 auf der Stubnitz, die Eröffnung des großen Bambi mit ASPHYX etc. und nicht zuletzt das KIEL EXPLODE. Aber irgendwie fahren wir bei entspannter Stimmung und bestem Wetter gen Marne.

 

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 Bild von Strecki

Dort werden wir überaus freundlich von Veranstalter Henrik empfangen. Das große Festivalgelände strotzt vor Grün, die Crew ist saunett und auch unser Gasthund, den wir heute dabeihaben, wird willkommen geheißen. Da das Backstagegelände sehr geräumig ist und sich auch hier amtliche Rasenflächen befinden, geht das mit Hund tatsächlich richtig gut. Der Knaller ist das Catering, welches auf mehreren Tischen verteilt ist und Snacks aller Arten offeriert – und das bis tief in die Nacht hinein. Nie ist der Kühlschrank leer, nie ebbt der Biernachschub ab und auch die Tische werden pausenlos mit neuen Köstlichkeiten beladen. Ein Mitglied der Stöfencrew, Maria, betreibt einen Cateringservice. Den werd ich ordern, wenn ich mal was Dickes zu feiern habe!

 

Auf dem Gelände laufen uns gleich zahlreiche Bekannte über den Weg. Ein Tach puren Genusses bahnt sich seinen Weg. Wir gönnen uns erst mal GRIMM/HILLARY SLAUGHTER, NOTHAHN, TYSON und NARCOLAPTIC. NOTHAHN schließen wir gleich mal ins Herz. Leicht asi und mit Handharmoika erzählt Sänger Eddi Weisheiten wie „Solange ich ein Gesicht hab, hast du einen Platz zum Sitzen. / Da kannste stinken, da kannste noch so schwitzen.“ Und TYSON pflügen mit zwei Gitarren den Thrashacker noch tiefer durch. Die kommende Platte dürfte ein Hammer werden. Toll auch, wie voll das Gelände bereits ist! Ist immer schwierig sowas zu schätzen, aber 2000 Leutchen dürften heute den Weg aufs Festival finden. 

 

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Bild von Jens Hohmuth 

Die Rahmenbedingungen für einen würdigen Tobi-Abschiedsgig sind mehr als gegeben. Der Ansager kündigt uns als „Tobi Harkonnen und die vier Vladimirs“ an, Zarc startet das Baron-Intro und schon rollt der Rock. Ich will die Harmonie nicht ruinieren und verzichte bei Tobi auf die üblichen Kopfnüsse, Mikroschläge oder Ohrfeigen. Aber natürlich laden wir jede*n Besucher*in dazu ein, dem Guten später eine Backpfeife zu verpassen – „moderat natürlich, so dass sich die Abdrücke von zwei, drei Fingern auf der Wange abzeichnen.“ Im Set sind u.a. „Rink Of Fear“, „Perfect Storm“, „Anomie“, „Schweineherbst“, „Ticking Bomb Scenario“ und “Electric Sheep”. Das Konz geht raus an alle, welche die Musik genießen, statt andere umzumoshen. Wir spielen lieber für die Tree-Hugger, Nasenbohrer und Baum-Erkletterer! Und für den Typen, der da hinten auffem Rücken mit ‘nem Grashalm im Maul auf dem Rücken liegt! Und was sagt Tobi danach: „Alter! Das war ein würdiger Abschied! Das Festival war super organisiert, dazu noch sau gemütlich und es liefen dort ausschließlich nette Leute herum. Besser hätte das letzte Konzert mit meinen Vladis nicht sein können. Vielen Dank für diesen phänomenalen Tag. Ganz besonderen Dank gilt natürlich Philipp, Zarc, Eric und Köm-Andi! Ich werde es vermissen mit Euch Halunken die Bühne zu teilen. VLAD SMASH! Tja, etwas wehmütig war ich schon, aber schöner hätte es nicht sein können! THRASH TILL DEATH!“ Nuff said!

 

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Natürlich stürzen wir uns jetzt erst richtig aufs Catering und aufs Bier und setzen die Tobi-Abschiedssause auf vladiistische Art fort. Der musikalische Überraschungshammer sind VAL SINESTRA aus Berlin, die eine energische Mischung aus Hardcore und Rock’n’Roll fetzen und ein geiles TURBOSTAAT und BEATSTEAKS-Cover („Frieda und die Bomben“) zocken. MOSQUITO JACK haben eine neue 7“ dabei, deren Songs live sowie auf dem Vinyl dreckig rocken wie ein ganzer Schweinestall. Völlig von den Socken hauen mich tatsächlich RANTANPLAN, die ich ewig nicht gesehen habe. Eine zweistündige Show, die auf pfiffige Art durchchoreographiert ist und total Spaß macht – politische Ansagen, tanzende Bläser, ein Trompeter, der seinem Bassisten auf den Rücken klettert und als Reiter per aufs Maximum ausgedehnte Mikrostativ einen Song mit Pferdethematik schmettert – während er dabei den Bass bedient.

 

Bis tief in die Nacht tobt die Party weiter – vor den Bühnen, im Backstagebereich und schließlich im Streckermobil. Tschüs Tobi, vielen Dank an alle!

 

 

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Rantanplan