DIARY

MELTDOWN, Schuby, Nordring – 07. & 08.10.2018

20.09.2018 von Admin

Hirnschmelze in Schuby

Zum zweiten Mal aufs Meltdown eingeladen, hurra! Ich schieße gleich mal ein Fazit vorweg: Die diesjährige Edition wartet mit einem sehr starken Billing auf, welches immer wieder gerade mit Bands überrascht, von denen ich noch nichts gehört hatte. Das Publikum erscheint mir rege und an den Bands interessiert, also weniger ein Mir-egal-was-spielt-ich-will-nur-saufen-Mob, sondern Musikliebhaber, die genießen wollen. Da sind Vladi natürlich goldrichtig aufgehoben…

 

Meltdown

 

Wir reisen fast alle bereits am Freitag an und gönnen uns immerhin noch PSILOCYBE LARVAE sowie ENDSEEKER. Für mich war es früher nicht zu schaffen, da ich noch einen alten Kumpel in seinem Bauwagen besucht hatte. Aber is ja auch schön. Die Russen von PSILOCYBE LARVAE (bei diesem Namen muss man sich beim Schreiben konzentrieren…) stellen gleich eine der erwähnten Überraschungen dar! Ich fühle mich an ganz frühe TIAMAT erinnert, wobei das nur ein grober Anhaltspunkt sein kann. Der Sound ist herrlich roh, gleichzeitig schälen sich wunderschöne Gitarrenmelodien heraus. Des Sängers Growlvermögen sagt mir ebenso zu wie sein Klargesang. Vier Scheiben haben PL dabei, drei davon ernte ich flugs ab, weil das letzte Exemplar der vierten vor meinen Augen verkauft wird.

ENDSEEKER sind ja regelrechte Senkrechtstarter und rechtfertigen den regen Zuspruch durch eine feine Death-Metal-Sause. HM 2-Sound der alten Schule, aber nicht so generisch wie bei manch anderen Bands dieses Stils, sondern mit schmissigen Songs, die Laune auf Biertrinken und Rübeschütteln machen. EP und LP sind zu empfehlen, das nächste Langeisen wird dann über Metal Blade kommen.

 

Meltdown

 

Am Freitagabend wurde es doch ganz schön kalt und nass, wie man es nach gut viereinhalb Monaten Sommer gar nicht mehr gewöhnt war. Da freuen wir uns über das deutlich freundlichere Wetter am Samstag! POWERHEAD eröffnen mit Heavy Metal und vermögen es, viele Freaks von den Bierpilzen wegzulocken. Ein Humpen kostet übrigens lediglich 1,50 Euro – Daumen hoch! Das KYUSS-Cover „Green Machine“ klebt mir noch Tage später im linken Ohr.

Von INSULTER, die wegen der Absage von EXTINCT nach hinten rutschen, bekomme ich nur ein paar Songs mit, da wir selbst ja aufbauen müssen. Immerhin kann ich mich fast unbemerkt davonstehlen und mir doch ein Viertelstündchen INSULTER gönnen. Geil kickende Mischung aus VENOM  und early SLAYER!

Wir sind irgendwie besonders gut drauf heute, habe ich das Gefühl. Die Rahmenbedingungen sind perfekt: So hat mir die Meltdowncrew das Bühnenbier in so einer tiefen Metallbratform gereicht, was sehr praktisch ist: Fiele mir das Bühnenbier um, was in der Regel ja immer geschieht, würde nichts verschwendet und ich könnte das edle Gebräu direkt aus dem Teil trinken. Wir würdigen auch die Bierzeltdichte pro Quadratmeter und die Anzahl der Dixies. Hier muss keiner an den FOH pissen, wie etwa früher beim Force Attack. Wir sind ja keine Band, die ihre Bühnenmoves plant. Insofern gefällt es mir, wie Andi plötzlich im Kreis vor sich hin rennt. Ich schließe mich gleich an und wir liefern uns einen halben Song lang eine wilde Verfolgungsjagd. Also, alles geil aus unserer Sicht, wir würden wiederkommen!

 

Meltdown

 

Danach versuche ich noch so viel wie möglich von den weiteren Bands mitzubekommen: OBSKURA metern mit wüstem Death Metal los, der mir wie immer gut gefällt. Eine weitere Überraschung stellen TORIAN dar, die wie INSULTER oder PSILOCYBE LARVAE vorher niemand auf dem Zettel hatte: Hochklassiker Power/Heavy Metal mit grandiosem Sänger und tollen Melodien. INCARCERATION sind zum Duo geschrumpft und Daniel macht es wie die jeweiligen Kollegen bei MANTAR oder SUN WORSHIP, indem er über zwei Amps, je einen Gitarren- und einen Bass-Amp, spielt. Der hysterische Vortrag und Smasher wie „Forsaken And Forgotten“, „Evoking The Possession“, „Obsessed By Death“ oder „Infernal Suffering“ lassen den Mob gut am Rad drehen. VERHEERER hatten mich schon im April in der Meierei begeistert, heute gefallen sie mir sogar noch besser. „Das ist die beste deutsche Black-Metal-Band! Schreib das!“, brüllt mir Kollege Thomas ins Ohr. Wohin eigentlich? Hinters Ohr? Hier ist bestimmt auch gut: VERHEERER sind die beste deutsche Black-Metal-Band! Die Darbietung strahlt fast schon Besessenheit aus, ohne dass antikosmischer Klimbim nötig wäre. Die eiskalten Gitarrenmelodien kriechen tief ins Mark. Zu METAL WITCH sind viele geblieben, was sich bei einer derartigen Institution auch gehört. Bester ACCEPT-Metal mit verdammt guten Riffs. Heute scheint mir Sänger Kay Rogowski noch besser in Form als sonst, seine Stimme schneidet sich durch das schon leicht betäubte Gehör mühelos durch.

 

Meltdown

 

Das war ein Festival zum Wegschmelzen. Großes Lob an die Meltdown-Crew!  

FREEVIVAL, Kiel / Aubrook – 18.08.2018

29.08.2018 von Philipp

Live free or die!

Erstaunlich: Obwohl es keine offizielle Werbung für das FREEVIVAL gab (die Bewohner*innen hatten verständlicherweise keinen Bock auf Arschlöcher, die blöde Stimmung verbreiten), füllt sich der Aubrook früh mit vielen tollen Menschen. Schön, dass dieses Weiterzählen-Ding immer noch so gut funktioniert.


Freevival


Der Aubrook ist super gemütlich geschmückt, alles bunt und grün, überall Sitzflächen zum Abhängen, Getränkestände, veganes/vegetarisches Essen – das Gelände ist ja eh herrlich und kann als grüne Oase bezeichnet werden. Auch genial: der terrassenartige Aufbau des Bühnengeländes und die selbstgezimmerte Bühne. Ich habe hier schon so manches Freevival genießen dürfen, andere Besucher*innen sind zum ersten Mal hier und staunen Bauklötze, wie schön es hier ist.

 

Freevival

 

Aber erst mal muss alles vorbereitet werden. Der Aubrook ist schließlich kein Proficlub, in dem alle technischen Geräte verfügbar sind. Schnell wird festgestellt, dass es u.a. an Mikros mangelt. Zum Glück kann Brooker*in Luna, die uns auch eingeladen hat (Danke!), welche aus der Meierei besorgen. Mit vereinten Kräften gelingt es Brooker*innen, Freevival-Crew, unserem Soundmenschen und Musiker*innen, nach stundenlangen Gefrickels und Gecheckes einen zufriedenstellenden Klang herzurichten. Ein Punk lümmelt sich bereits bei unserem Soundcheck ins Gras und pöbelt „Wann geht die Scheiße endlich los?“ Recht hat er zwar, aber: Geduld, junger Padawan!

Erst mal genießen wir kühles, frisch gezapftes Bier, dat leckere Chili und treffen unzählige Bekannte. Ein schöner Tag, selbst wenn wir gar nicht gespielt hätten.

Irgendwann fangen BODO UND DIE RAUMVERBRAUCHER an, also Liedermacher Bodo jetzt nicht mehr solo, sondern mit Verstärkung in Form von Nils und Rainer an Gitarre und Cajón. Gefällt mir in dieser Form auch sehr gut. Natürlich sind „Putze“ und „vertrockneter Frosch“ mit am Start, aber auch geile neue Scheiße.

 

BUSRVBAPPENDIXX

 

Die Hamburger TEDIUM 190 sind mit dem Zug angereist und haben die Zeit so gut genutzt, dass einer von ihnen mehr als nur „gut drauf“ ist, haha. Wusste übrigens gar nicht, dass Reino dort am Schlagzeug sitzt. Das Trio spielt herrlich aneinander vorbei, der Bassist purzelt über die Bühne, aber die inhaltliche Richtung wird mehr als deutlich: fetter Stinkefinger gegen Faschos.

Bei perfektem Wetter folgen APPENDIXX, die sehr in Richtung NIRVANA und leicht punkigen Grunge gehen. Junge Band aus Rendsburg, ich sehe sie zum ersten Mal, versabbele aber eh die meiste Zeit. 


MAGIC HUMVRHN


MAGIC HUM haben sich dem Stoner verschrieben und die Bandmitglieder sind mindestens vom Sehen alte Bekannte. Harry, Ex-GRIZZLY RIDER, am Schlagzeug und Maddin am Bass versetzen dem gut gefüllten Gelände ‘nen hosenflatternden Wums, Gesang und Gitarre klingen gut abgehangen und röhrig. Hab Harry noch nie so gut spielen hören, dat macht Laune!

Schön dunkel isses, als wir loslegen, keine Ahnung, ob zur anvisierten Uhrzeit von 23:00 Uhr oder ob es schon später sein mag. Wer guckt an so ‘nem schönen Tag auch auffe Uhr? Immer noch scheinen Leute zu kommen, z.T. offenbar auch neugierige Anwohner*innen. Es trauen sich schön viele direkt vor die Bühne und schmettern mit. Ein reines Vergnügen, hier zu zocken! Nur der grüne Teppich liegt nicht so wirklich plan auffem Bühneboden und so schaffe ich es, beim Zurückgehen vom Bühnenrand zweimal über den Saum zu stolpern und auf dem Arsch zu landen. Wo sind diese Roadies, wenn man sie braucht? So ein Bühnenteppichglätter kann doch nicht zuviel verlangt sein! Schön auch, dass unser Soundmensch das gesamte Soundboard runterfährt, als unser Outro läuft – wir uns aber noch spontan für eine Extranummer entscheiden. Nun muss besagter Soundmensch während des Songs schnell einen neuen Mix kreieren – was gut gelingt, wie ich finde: Applaus!

 

VRHNVRHN

 

Hach ja, danach wird noch so viel wie möglich vom ureigenen Freevival-Gefühl getankt. Danke, Liebe und Vladiismus an alle!   


Feuer

ILLUSION OF PROGRESS Fest V, Osnabrück, SubstAnZ – 14.07.2018

19.07.2018 von Philipp

Clap like Ozzy!

Manchmal ist es verrückt, da macht man seit Jahrzehnten Musik und entdeckt eines der zwingendsten autonomen Zentren erst jetzt. Dabei waren wir mit Vladi 2010 sogar schon auf einem geilen Sampler namens „SubstAnZ Solidarität – Musik fürs AZ Osnabrück“ (sehr schön aufgemacht in pinkem Pizzakarton mit Aufkleber, Patch, Button und Beiheft und außer uns mit u.a. INNER CONFLICT, PROFIT AND MURDER, FUßPILZ, AUTONOMADS, PARADOX, IN IRATUS, SEXTO SOL oder MURUROA ÄTTÄCK). Den dort vertretenen Song „Rink o‘ Fear“ bauen wir dann auch mal spontan und ungeprobt in de Setlist ein, befinden wir auf der Hinfahrt. Geil, dass es endlich mit einem Auftritt im SubstAnZ klappt, freuen wir uns und öffnen die ersten Kannen, während draußen die Sonne brüllt. Zarc und Ass fahren auf der Hinfahrt nicht im Streckermobil mit, dafür ist die neue MÖRDER-Gitarristin Feli mit an Bord. Diese erzählt uns, dass sie in der kurzen Zeit, in der sie bei MÖRDER zocke, bereits zugenommen habe, weil Andi ihr pausenlos Bier in die Pranken drücke.

 

VRHN on the road

 

Ist das schön hier! Das SubsTanZ ist ein Bilderbuch-AZ, da stinkt selbst Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt ab. Es gibt einen sonnenbeschienen Innenhof, in welchem sich bereits biertrinkende Punkerhorden und ein Hund lümmeln. Komplett mit Bierwagen und Snackhütte, aus der heraus später vegane Burger, Pommes mit veganer Majo und veganes Gyros gereicht werden. Das Gebäude selbst beherbergt einen Zockraum in idealer Größe und erstreckt sich über mehrere Etagen, oben kann man chillen und es existieren mehrere hammergemütliche Schlafräume. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! Im SubsTanZ sind Awareness-Teams eingerichtet worden, die mensch ansprechen kann, wenn es zu blöder Anmache o.ä. kommt. Das sind auch nicht nur Lippenbekenntnisse – ein Typ wird später am Abend tatsächlich rausfliegen.

 

Wir freuen uns, bekannte Gesichter wiederzutreffen, z.B. Kevin & MORIBUND SCUM und die Vögel von ORÄNGÄTTÄNG, andere kennenzulernen, vor allem die nette Veranstaltercrew um Olli und die verrückten Hunde von GLOOMSTER. Kevin tauscht gleich Platten mit uns und sorgt dabei so gut vor, dass er dieselbe Scheibe nun gleich zwei Mal in seinem Besitz hat. Es kommt ja auch immer mal was weg, insofern schlauer Move.

 

Mit PERKIE gibt’s ‘ne One-Woman-Show von einem AUTONOMADS-Mitglied. Keyboard, Gesang, Rülpser und „uärg, fuck!“Verspiel-Ausrufer von einer Person, cool. Danach brennen ORÄNGÄTTÄNG ein manisches Feuerwerk ab, das mich mal wieder nachhaltig flasht. Der Hamburgdreier hat es einfach drauf, Victor zertrümmert sein Set, Krischan Stinkel und Dirty Harry brüllkreischen im Wechsel und schreddern sich ins Nirwana. Voll geil, und eine neue Platte gibt’s auch noch (totaler Killer!), da brechen so einige Besucher*innen in hemmungslose Ausdruckstänze aus.

 

Ich habe einen schweren Fehler gemacht: Das Essen ist viel zu lecker und ich habe über meinen Hunger hinaus gefuttert und merke jetzt erst, dass vor uns nur noch eine Band spielt. Die Hitze und der volle Magen setzen mir hart zu und mir ist so kurz vor’m Auftritt eher nach einem Schläfchen als nach Rumgehüpfe auf der Bühne zumute. Zu den INSOLVENT INSOMNIACS versuche ich ein wenig Verdauungsgeskanke.

 

Zehn Minuten vor Vlad fühle ich eine Hulk-ähnliche Energie in mir aufsteigen. Ist es das Adrenalin oder das Bier? Oder das Pfeffi-Spray, welches mir jemand ins Maul sprüht? Jedenfalls kann es losgehen und ein herrlicher Auftritt entspinnt seine Flügel, so wie aus einer Larve ein wunderschöner Schmetterling wird. Ass hat die Knöppe im Griff, der Bühnensound ist super. Der Mob genießt es offenbar ebenfalls, was rotierende Körper und textsichere Erste-Reihe-Mitgröler verifizieren. Das „Fotos verboten“-Schild an der PA hätten natürlich WIR aufgehängt und versprechen, dass die von einem SubsTanZ-Mitglied geschossenen Fotos einer strengen Zensur unterzogen würden: Natürlich würden ausschließlich Fotos veröffentlicht, auf denen unsere Frisuren sitzen und keiner doof guckt. Blacky-Lawles-Style. Ja, nee, geil! Während des Auftritts bekommen wir (wie auch alle anderen auftretenden Bands) ein Tablett mit Schnäpsen gereicht. Und danach wird uns sogar „Schlacke“ kredenzt, eine regionale Erfindung, deren Zusammensetzung wir natürlich hier nicht preisgeben.

 

VRHN mit Gesicht

 

Das Programm ist wirklich abwechslungsreich, denn es folgen LENA STÖRFAKTOR mit Hip Hop, GLOOMSTER mit einer brutalen Hardcore/Punk-Attacke (zwei Sänger, deutsche Texte, volle Dröhnung) und THE AUTONOMADS mit einer Dub/Reggae/Ska/Punk/Folk-Packung. Das unermüdliche Publikum tanzt eigentlich bei allen Bands, die Stimmung ist herrlich entspannt und positiv.

 

Danach Party auf allen Ebenen. Als Eric uns nach kurzer Nacht weckt, finden wir folgende Situation vor: Drei Gestalten bevölkern noch das SubsTanZ – eine spielt laut YouTube-Mucke, eine trinkt Bier und eine schläft mit der Birne auffem Tresen. Dennoch steht die Crew mit den AUTONOMADS und uns auf und es wird ein ergiebiges Frühstück im Innenhof serviert, auf den schon wieder die Sonne lacht.

 

VLADI SACHT DANKE! PUNK IS LOVE! SubsTanZ – you give Gastfreundschaft a good name!

I ♥ THRASH! Münster, Baracke – 23.06.2018

17.07.2018 von Philipp

Slam like a beast!

Zum sechsten Mal veranstalten UNTERSCHICHTEN RECORDS das I ♥ THRASH-Fest und bei diesem Motto können wir natürlich nichts als zusagen.

Flutschig geht es nach Münster (naja, zumindest nachdem der Elbtunnel hinter uns liegt… Und irgendwo ist auch noch ein Stau…), die Konstellation ist neu: Strecker ist verhindert, erstmals mit an Bord ist Ass, die uns von nun an immer mal begleiten will, wenn es ihr Zeitplan zulässt. Wir wären hocherfreut, wenn das häufig der Fall ist, denn Ass ist eine der kompetentesten Soundreglerinnen vonne Welt. Geht mal zu den meisten INFERNAL CRUST BRIGADE-Veranstaltungen in der Alten Meierei, falls ihr uns nicht glaubt. Und sie ist ein super Mensch, der das Vladi-Team bereichert!

Baracke

 

Ein anderes Team bzw. gleich zwei könnten heute durchaus für Konkurrenz sorgen. Es ist mal wieder WM und natürlich spielt ausgerechnet heute Schland. Das dynamische Veranstalterduo Sascha und Tina hat einen Beamer organisiert, der die Scheiße parallel zum Konzi übertragen wird. Münster erweist sich als Fahrradstadt, jedenfalls trudeln die Thrasher fast alle mit dem Rad ein. Vorm Eingang der malerisch gelegenen Baracke (alles grün, bis auf die gegenüberliegende Uni) hängt ein Transpi mit der Aufschrift „Vorrundenaus“. Das klappt zwar heute noch nicht, soll sich bekanntlich aber wenig später bewahrheiten.

 

ERASEMENT und TOXIC SHOCK erweisen sich als entspannte Maniacs, die Bock aufs Zocken haben. ERASEMENT beginnen den Reigen mit lecker Thrash im Old School Stil a la ANNIHILATOR, TESTAMENT oder OVERKILL. Alles schön flott und eingängig. Parallel läuft tatsächlich das Fußballspiel, aber nur jeweils drei, vier Leute recken die Hälse, um da mal hinzugucken.

Baracke

 

Wir haben Slot Nr. Zwo. I ♥ THRASH! Leider ist das Spiel mittlerweile vorüber. Schade, ich hätte es zwischen den Songs auf jeden Fall zu kommentieren versucht. Als absoluter Experte hätte ich bestimmt alle Fragen zu klären vermocht: „Jetzt schießt ein Spieler in blauen Klamotten den Ball zu einem anderen Spieler in roten Klamotten! Die roten Klamotten fallen weniger ins Auge, der Schnitt ist auch weniger attraktiv. Was für eine Aufregung!“ Naja, ohne geht’s auch. Sogar sehr gut, denn Ass zaubert einen hervorragenden Bühnensound. Andi meint, ich hätte in der letzten Strophe von „Schweineherbst“ heute einen anderen Text gesungen, ich hab das nicht gemerkt – Eric urteilt, die Texte seien zu „fast 100% korrekt“ gewesen. Und der trägt heute In-Ear! Damit ist es endlich bewiesen – ich singe wirklich die offiziellen Texte. Im Mob befinden sich einige bekannte Gesichter, Dank des Besitzes der Black Mamba (Bahncard 100) ist Michelle angereist und mischt den Pit auf. Wir freuen uns über Hansa Edel Pils, vermissen aber die alten Karlsquell-Zeiten und erinnern an die Dosenaufschrift, die jeder echte Deutschpunker und Thrasher im Schlaf zitieren kann: „Schnell gekühlt! Gut haltbar! Ideal für Haus und Reise!“

 

Baracke

 

Yeah, TOXIC SHOCK rasieren danach nachhaltig. Die Belgier (Antwerpen) haben eine geile Scheibe auf THIS CHARMING MAN draußen. Ihr Thrash ist rasend schnell, hyperaktiv und besitzt eine deutliche Hardcore/Punk-Schlagseite, was sich in diversen Shirts der Bandmitglieder und im energischen Stageacting manifestiert. Da stecken durchaus BAD BRAINS, CRO-MAGS („Don’t Tread On Me“-Cover) oder SUICIDAL TENDENCIES drinne. Geil ist das Outfit des Sängers, der in knappen Ledershorts und nacktem Oberkörper mit Lederjacke drüber aufritt. Rob Halford approved! Als der Typ nach x Songs und manischem Abgehen die Jacke total durchgeschwitzt ablegt, sieht man auf seinem Rücken die Narben so manchen Peitschenhiebs. Rock on, Kollege!

 

Danach gibt es Party, Disco und eine Grundreinigung der Baracke, denn die muss am nächsten Tach sauber übergeben werden. Pennen tun wir bei Sascha, Tina und ihren drei Katzen. Ass versichert: „Ihr habt alle geschnarcht!“ Das reichhaltige Frühstück lässt uns gestärkt wieder ins Streckermobil hüpfen. Danke! Wir kommen wieder – VLAD SMASH! 

    
Baracke

MOORLOCH-Fest, geheimer Ort – 09.06.2018

07.07.2018 von Philipp

Miller Flip

Selten haben wir uns derart über eine Einladung gefreut wie über diese! Schon im letzten Jahr wollte ich aufs MOORLOCH-Fest, leider hat es nicht hingehauen. Gehört hatte ich aber bereits vieles. Von einem herrlichen kleinen Privatfestival war da immer die Rede, veranstaltet von einem Paar, das sich auf ihrem Resthof auf dem Land den Traum einer Skatebowl im Garten erfüllt habe und diesen Traum jährlich mit dem MOORLOCH-Fest feiere. Keine offizielle Werbung, dennoch Hunderte von Gästen und in der Vergangenheit Bands wie TURBOSTAAT, SMOKE BLOW, THE ONE, MR. BURNS, ALIAS CAYLON, ORÄNG ÄTTÄNG, DEVILS DAY-OFF, TYPHOON MOTOR DUDES oder OI!TERCREME. Da war es eine regelrechte Ehre, zusammen mit LOS APOLLOS, ROBINSON KRAUSE und AFFENMESSERKAMPF für dieses Jahr eingeladen zu werden. Dieses Jahr sogar mit Doppel-Vinyl-Sampler mit allen bisher beteiligten Bands!

 

Bowl

 

Vor Ort stehen dann erst mal unsere Luken offen. Schönes erzählt zu bekommen, ist das Eine, das Paradies dann selbst sehen zu können, das Andere. Wow! Pure Liebe ist im Spiel und hat das perfekte D.I.Y.-Festival gezeugt! Eine schöne selbstgezimmerte Bühne, die mit dem Rücken zur Skatebowl steht. Ziemlich fitte Skater testen bereits ihre Skills und sorgen mit geilen Manövern für Staunen. Es gibt Fressstände, das Bier fließt wie in Strömen, nackte Eingeborene nehmen einen an der Hand und führen einen zum Bett im Kornfeld. Vor der Bühne eine grüne Wiese, dazu noch Unerklärliches wie den James-Last-Tempel in einem Extra-Zelt.

 

JLT

 

Den Opener machen LOS APOLLOS, Instrumental Surf aus Berlin. Bei perfektem Wetter ein genialer Start in den Tag. Von den oben erwähnten Bands treffen in fast allen Fällen Bandmitglieder ein, denn wer hier einmal war, der kommt auch wieder. Gilt auch für Vladi. Manche tanzen, andere flegeln sich ins Gras und mampfen die leckere Pizza oder zählen die wenigen Wolken.

 

Eine Art Bingo-Veranstaltung unterbricht das Live-Programm. Die findet unter einem großen Pavillon statt, in der später noch die ganze Nacht zur DJ-Action durchgezogen wird.

 

Liebe

 

ROBINSON KRAUSE knüpfen an ihren grandiosen Rd-Rock-Auftritt an. Netterweise informiert Robin während des Auftritts unseren Andi darüber, dass ein ganzer Humpen Bier in dessen Bassbox gelaufen sei. „Der klingt jetzt besser, irgendwie runder…“ Die von Andi gereichten Handtücher werden ignoriert, aber es gilt ja auch, dem Punkrock zu huldigen. Das gerät derart überzeugend, dass selbst Eric danach „endlich eine ROBINSON KRAUSE-Platte kaufen“ wolle.

 

Banane

 

Die Affen sind los! Hannes springt vor die Bühne und dirigiert mit sicheren Gesten den eskalierenden Mob. Die Wiese ist voll, die meisten Anwesenden wohl mittlerweile auch. Der Einpisser vom Wilwarin ist auch da und stellt uns seine Mutter vor. (Ich bin mir bewusst, dass dieser Tagebucheintrag sich liest, als denke ich mir das alles aus. Nein!) AMK wie immer top und mit grandiosen Hannes-Ansagen.  

 

Es ist dunkel und Zeit, das Vladi-Biest von der Kette zu lassen. Beim ersten Song reißt Zarc doch glatt eine Saite, was aber keinen stört. Während Zarc die Klampfe vorbereitet, füllt sich die Wiese und wer eh schon da war, füllt sich den Wanst mit noch mehr Bier und anderen Köstlichkeiten. Dann aber! Ab geht der Ratz. Eine konstante Pogo-Kugel rollt durch den Garten, der Einpisser hat sich aufm WILWARIN das „MOSH FOR YOUR LIFE“-Schild von INSANITY ALERT geklaut und springt mitsamt Schild und in kniehohen Stiefeln durch die Botanik. Eine Traube Menschen überrollt die Bühne – leider befindet sich gerade eine meiner Flossen auf dem Boden und es knackt recht unerfreulich, als das Gewicht mehrerer Menschen auf meine grazilen Finger einwirkt. (Was zur Hölle ich mit der Hand auf dem Boden wollte, weiß ich nu auch nicht mehr.) Ein schöner Auftritt, den wir drei ungeplanten (und leider auch ungeprobten) Zugaben beschließen.

 

Possessed to skate

 

Was soll man sagen? Eigentlich fehlen mir die Worte. DANKE! MOORLOCH 2019 – wir kommen als Zuschauer*innen!  

 

RD-Rock, Hanerau-Hademarschen – 25 – 26.05.2018

11.06.2018 von Philipp

Rd-Rock-Bock

„Das Rd-Rock-Festival kommt zurück!“ Als uns dieser Ruf erreichte, stieg gleich die bockige Vorfreude! Skeptisch war zunächst unser Andi, der das Festival früher mitorganisiert hat und deswegen wusste, wie schwierig das alles finanziell und auflagentechnisch zu wuppen ist. Er hatte nicht zuletzt deswegen damit aufgehört, weil die Hürden immer höher wurden. Aber manchmal ändern sich die Dinge auch zum Guten: Die Gemeinde Hanerau-Hademarschen hatte offenbar mit einem signifikanten demografischen Problem zu kämpfen, weil immer mehr Menschen aus der Region weggezogen sind. Es galt, die örtliche Attraktivität wieder zu erhöhen. Irgendwann muss jemand auf die Idee gekommen sein, dass es da dochmal dieses Festival gab. Ob das nicht reaktivierbar sei? Und wo früher krasse Kosten für das Mieten einer Koppel anfielen, gibt es das 2018 umsonst. Zumindest ging laut Veranstalter-Crew dieses Mal vieles leichter und günstiger zu organisieren.

 Rd-Rock

 

Wir fahren (zum Teil) bereits am Freitag hin und sehen gleich: Das Gelände hat eine positive Verkleinerung erfahren, ist auch leicht verlegt worden. Die Waldbühne liegt jetzt tatsächlich mitten auf einer Lichtung im Wald, der Eingang befindet sich neben dem Sportheim, in welchem wieder geduscht werden kann. Gezeltet wird jetzt auf einem gemütlichen Areal ein paar hundert Meter vom Haupteingang entfernt. Alles ist höchst liebevoll gestaltet, die Sonne lacht, wir lachen mit.

 

Wir sind durchgeschwitzt, nachdem der Zeltaufbau durch ist. Die Gigs von DIETER JACKSON, BORDERPAKI, TOTAL VIOLENCE (machen ihrem Name alle Ehre!), TEQUILA AND THE SUNRISE GANG (gefallen mir zum ersten Mal richtig gut),THE MOTH (geiler als neulich mit CROWBAR) und RANTANPLAN lassen den Schlüppern keine Chance zum Trocknen. Leider verpassen wir den Auftritt von EXTINCT, der laut Augenzeugen eine wahnwitzige Kombination aus Vollsuff und musikalischem Wahn gewesen sei. Und irgendein Sänger soll die schöne Ansage gebracht haben: „Der nächste Song ist voller Hass gegen… äh, weiß ich auchnichmehr…“

 

Rd-Rock

 

Der Samstag beginnt ebenfalls mit Bilderbuchwetter. Mir fällt es schwer, den Versuchungen zu widerstehen. Es ist ja verrückt: Wenn du gerade nicht trinken willst, kommt wie im Märchen von überall eine prallgefüllte Mische hergeflogen. Aber Martina wacht über mich, entwindet mir jedes neue Getränk und trinkt es heldinnenhaft für mich aus.  

Auch nüchtern knallen FROM HARBOUR, SLYMER, BODO, MUTANT REAVERS, TYPHOON MOTOR DUDES und NOM. Der Sound ist übrigens gerade im Zelt meistens gut.

 

Fischi 

 

Plötzlich ist es Zeit für Vladi und ich kann gerade noch die Bühnenschuhe anziehen und unser Bühnenbier holen, bevor wir auch schon den Kreis der Vladis schließen, um uns zu motivieren. Die Bedingungen sind dann optimal: Unser Slot liegt im Grunde zeitlich perfekt, denn um 19:45 Uhr istauch die letzte Eule aus dem Zelt gekrabbelt, gleichsam sind erst wenige Besucher*innen schon too drunk to fuck. Dazu knackt der Sound alles weg, Dank also an Michi von den DUDES. Viele bekannte Gesichter wirbeln im Pit durcheinander, bis es aussieht wie bei diesem Peanuts-Jungen, der immer von einer Dreckwolke umgeben ist. Wir freuen uns, zum vierten Mal auf dem Rd-Rock zocken zu dürfen, spielen gleich drei neue Songs von der kommenden Platte (und einen von der übernächsten…) und huldigen mit zwei Sidedrops unserem verstorbenen Freund Fischi – ruhe sanft, Alter! Das gefällt mir alles derar tgut, dass ich vor Begeisterung einen kleinen Handstand auf der Bühne wage. Noch denkwürdiger: Zarc verguckt sich einmal in der Setlist und stimmt einen anderen Song als der Rest von uns an. Immerhin merken wir es – MOTÖRHEAD sollen ja mal eine ganze Tour lang aufgrund eines Kommunikationsfehlers an einer Stelle im Set zwei Songs auf einmal gespielt haben… Herrlicher Auftritt, einer derjenigen, bei denen so ziemlich alles stimmt.

 

Rd-Rock 

 

Handtuch auffen Kopp und weiter. Ich gönne mir im Anschluss gleich REZET, die ihrem Fill-In-Klampfer sogar einen Solo-Auftritt in Eddy Van Halen-Manier spendieren. Danach feiern wir weiter bei/mit den DETECTORS und ROBINSON KRAUSE, letztere sind hart in shape und hauen eine Top-Ansage nach der anderen raus. Leider verpasse ich wegen Mampfung FORGOTTEN NORTH, die al seinzige Band ein eigenes Merch-Häuschen (!) mitgebracht haben – samt ausgesägtem Deko-Wikingerschiff („Wir spielen häufig auf Mittelalter-Märkten – da ist sowas Standard, geradezu bescheiden!“, erfahre ich auf Nachfrage. Damn, was bringen dann die unbescheidenen Bands mit?)

 

Yeah – RD-ROCK 2018 – sold-out und ein Riesenhammer. 2019 bitte wieder! Let’s rock!

Kiel, Alte Meierei – 17.03.2018

27.03.2018 von Philipp

Hellmade Wool

Was macht ‘ne Band, wenn der Sänger heiser ist, nur ein Drittel der zu erwartenden Leute gekommen ist und es draußen mit jeder Minute kälter und stürmischer wird? Wissen wir nicht. Aber ein vladiistischer Trieb sagt uns, dass gerade jetzt eine Erweiterung der Setlist genau das Richtige sein könnte. 24 Songs lang wird unsere Rock-in-Rio-Setlist dann schließlich….

 

Was war das? Wieso, weshalb, warum?

 

Nun, irgendwie waren wir spät aus dem Quark gekommen, obwohl der Termin für dieses Konzert schon sehr lange feststand. Aber erst zwei Wochen vorher war klar, wer noch so mitspielt, nämlich – Freude! – BLAST BOMB undSARKAST. Im Nachhinein ist uns mal wieder deutlich geworden, dass es schlicht nicht reicht, sich hauptsächlich auf Internet-Werbung zu verlassen, zumal derart kurzfristig. Nun, selbst Schuld, nächstes Mal gibt’s wieder schicke Plakate wild auf graue Stromkästen geklebt. Darüber freut sich doch jede*r!

 

Die Laune lässt sich aber auch bei diesem Wetter keiner verderben. Herb hat den Ofen angeschmissen und leckeres Essen gekocht, Ass hat den Sound schick und in der Halle wird Fußball gespielt. Leider mussten SARKAST kurzfristig wegen Krankheit absagen (Gute Besserung!), aber erbaulicherweise kommen zwei Mitglieder der erweiterten SARKAST-Family trotzdem rum, die sich für Kiel schon vorher ein Hotel genommen hatten und jetzt trotz des abgesagten eigenen Gigs hier ein bisschen abhängen wollen und dann na klar auch in die Meierei kommen. Da haben die beiden alles richtig gemacht – wer in Kiel Sightseeing betreiben will, sollte vor allem in die Alte Meierei kommen!

 

BLAST BOMB rocken dann hemmungslos und erfreuen mit Punk’n’Roll, der schmissig reinläuft. Positiv fällt sofort die Stimme des ursprünglich aus Birmingham stammenden Sängers Johnny auf, der röhrt, singt und schreit. Reibeisen meets Nudelholz sozusagen. Den verhinderten SARKAST wird der „closest-to-SARKAST“-Song gewidmet, also der schnellste und punkigste.

 

VRHN

 

Unser Auftritt ist definitiv kein „normaler“ Vladi-Gig, wenn es diesen denn gibt. Irgendwie hat das heute etwas Besonderes. Ich bin erst mal etwas schockiert, dass meine Stimme vor allem in den tiefen, aber eigentlich auch mittleren Tönen derbe angeschlagen ist. Beim Soundcheck klang das noch anders, haha! Und ich bin nicht erkältet oder so – nein, ich hab mich am letzten Wochenende auf dem Hell Over Hammaburg in Kombination mit der darauffolgenden SAVAGE-MASTER-Show schlicht selbst heiser geschrien und wundgesabbelt. Aber wär ja auch langweilig, wenn immer alles glattläuft. Ist die Stimme weg – singste trotzdem! Ist der Strom weg – spielste trotzdem! Nur das ist Hardcore. Über dieses Trotzdem-Spielen steigt in uns eine ganz eigenartige Laune auf. Es handelt sich um sowas wie Spieltollwut. Jetzt erst recht! Mit der Zeit kommt da sogar zumindest ansatzweise die Stimme wieder. Auch der Mob scheint sich zu amüsieren und den Abend zu genießen, so deute ich jedenfalls Zwischenrufe und Tanzmoves. Wir feiern Herb, der dabei beobachtet wurde, wie ermit Hass und unter Black-Metal Gekreisch die Kartoffeln zerstampft hat, spielen mit „Frontex Fuckers“ auch unseren „Closest-to-SARKAST“-Song und mit „The  Chips Are Down“ kommt ein neues Stück von der nächsten Vladi-Veröffentlichung. Das wird eine EP mit acht Songs, die 13 Minuten dauern (oder neun, die elf dauern? Ich weiß es doch auch nicht). Noch existieren dazu erst drei Texte, aber nach dem regulär als letzten geplanten Song der Setlist „Roadkill BBQ“ haben Zarc und Andi die spontane Idee, das ganze Ding instrumental zu zocken. Ich find’s super, will mich erst neben das Schlagzeug hocken, wo mir von Erics Becken aber fast die Ohren wegfliegen und so springe ich vor die Bühne. Die ungewöhnliche und völlig spontane Instrumental-Einlage macht Laune. Ich bin jetzt noch überzeugter von den Songs, die etwas anders sind als bisher von uns gewohnt… Ist danach Schluss? Nein, wir hängen noch „Rink O‘ Fear“ ran. Und als wir  schon im Cafè sind, fällt uns auf, dass es mittlerweile nach Zwölf ist und unser Kumpel Stefan (Harkonnen) Geburtstag hat. Also nochmal auf die Bühne und in Form von EXODUS‘ „Bonded By Blood“ ein kleines Geburtstagsständchen dargeboten. Da schmettert sogar der Infernal Crust Commander himself mit.

 

Ein herrlicher Abend!

Bremen, Friese – 02.02.2017

26.12.2017 von Philipp

In der Friese!

Zum Aufstehen schmeißt Otto ‘nen DIO-Tribute-Sampler in die Dr.K.-Anlage. Ich kannte den noch nicht und bin von der Qualität der METALLICA-Tracks überrascht. Die covern mehrere RAINBOW-Klassiker und man fragt sich, warum METALLICA auf ihren letzten Alben (und wohl auch live) nicht mehr so dynamisch spielen! Das Frühstück nehmen wir beim Dönermann um die Ecke ein. Andi bestellt mutig eine Riesenportion fettige Pommes, von denen er ungefähr drei Fritten schafft, bevor er mit grünem Gesicht die Waffen streckt und unsden Pott überlässt.

Nach Bremen isses ja vergleichsweise ein Katzenspung und so treffen wir früh ein, sogar gleichzeitig mit Tati und der Konzertgruppe. Leider haben irgendwelche Fucker die Ein-/Ausfahrt zur Friese zugeparkt und es ist wirklich im Umkreis von mehreren Kilometern kein Parkplatz zu finden. Naja, laden wir halt auf der Straße aus und dann suchen Otto und ich ca. ‘ne halbe Stunde lang einen Parkplatz.

Wir haben herrliche Schlafplätze in der oberen Etage und können uns noch vorm Soundcheck und Essen eine Dusche gönnen. Das Essen ist der Oberburner, denn es wird ein regelrechtes Buffet inkl. veganem Gulasch präsentiert. Einige wagen danach sogar noch ein kleines Extraschläfchen, andere starten eine Runde „Mensch, ärgere dich nicht“. Zwei Vladis treten gegen zwei Tysons an, und zwar mit der Trinkregel: Ein Rauschmiss = ein Schnaps. Irgendwann ist der Schnaps alle und wir steigen auf schales Bier um (schal, denn es soll ja wehtun beim Verlieren und keine Belohnung sein). Angesichts der Tatsache, dass sich zwei Drummer an diesem brutalen Spiel beteiligen, eigentlich ganz schön unvernünftig…

 

MÄDN


Heute spielen quasi um die Ecke auch GBH und KILLBITE. Coolerweise ist das Konzert bereits um 22:00 Uhr zu Ende und ein ganzer Schwung GBH-Besucher*innen schwappt kurz vor TYSON noch inne Friese. Herrlich, unsere KILLBITE-Froinde sind auch dabei! Ein schönes Wiedersehen, auch mit Tati, einigen Ex-DIS-SISTAHZ und den ganzen Loiten aus der Gegend hier.

TYSON brennen bei wirklich hervorragendem Sound ein wahres Thrash-Feuerwerk ab. So einen guten Klang habe ich länger nicht gehört und Kochi ist auch vom Bühnensound begeistert. Die neuen Songs überzeugen im zweiten Durchgang noch mehr. Die Band war sich nicht ganz sicher, wie sie in einem reinen Punkerladen ankommen würde – jegliche Bedenken sind aber schnell vergessen, denn was zählt, ist ja nicht das Genre, sondern der Arschlochfaktor. Und der ist bei TYSON verdammt gering, was der empathische Friesenmob dementsprechend spürt und steilgeht.

 

Tyson vs. Rezet


Rezet vs. Tyson

 

Danach ist Vladizeit. Ein Phänomen iritiert mich: Die Bühnen-Scheinwerfer der Friese strahlen einem als Musiker dermaßen frontal in die Fresse, dass man ungelogen nur wenige Zentimeter nach vorne blicken kann. Kochi hatte mir das schon erzählt, aber ich dachte, er übertreibe. Tatsächlich sehe ich mit Anstrengung gerade mal die erste Reihe, ansonsten sind wir nach jedem Song überrascht, wenn Applaus aufbrandet, denn es ist während der Songs nicht mal zu erahnen, ob und was gerade vor uns abgeht. Da hilft nur ein Bodenroller! Der Boden ist denn auch herrlich versifft, zieht beim Rollen richtig Fäden und dazu pieken mir Scherben aus zerkloppten Bierflaschen in den Brustkorb. Das stärkt bestimmt alles die Abwehrkräfte. Herrlicher Auftritt, der viel zu schnell rum ist.

 

Setlist


Hui, danach darf man sich zwischen drei Feier-Brennpunkten entscheiden. Es gibt ein Sit-In in der Küche, eine After-Show-Party im Konzertraum (megalaute Musik, Kommunikation geht nur mit der Person neben dir und auch nur durch Brüllen) und eine Session im Esszimmer. Ich pendele hin und her und erfreue mich erbaulicher Gespräche. Irgendwann fällt mir auf, dass alle anderen schlafen und so lege auch ich mich nieder. Gute Nacht, wir kommen wieder, Danke Friese!

PS: Auch das Frühstück ist der Hammer!

Schwerin, Doktor K. – 01.12.2017

21.12.2017 von Philipp

Unter der Arschlochgrenze

Unsere beiden letzten Konzerte in diesem Jahr spielen wir zusammen mit den Kollegen von TYSON, was ein unbedingter Garant für ein gelungenes Wochenende ist. Leider ist Strecker jedoch an diesem Wochenende verhindert (er hat auch einen guten Grund), und wir müssen überlegen, wie wir den ganzen Kram transportieren. Es ist einer der Momente, der die positiven Seiten sozialer Netzwerke hervortreten lässt: Auf einen Facebook-Post hin wird uns schnell Otto vermittelt, der bei REZET nicht nur Bass spielt, sondern halt zudem seinen Bus und seine Fahrkünste einsetzt. Otto kennen wir schon von gemeinsamen Auftritten mit REZET, aber nun verbringen wir intensiver Zeit mit ihm und können klar sagen, dass er ein entspannter Mensch ist. Wir hören unterschiedlichste Mucke im Ottomobil, u.a. 3 INCHES OF BLOOD, BLUE ÖYSTER CULT, WOLF, OBITUARY oder MISFITS und verquasseln fix die Zeit.

 

Andiland

 

Angesichts der Wetterbedingungen kommen wir eigentlich gut durch und erreichen das Dr. K rechtzeitig. Geilerweise haben TYSON bereits ihre neue Scheibe, Longplayer Nr. 3 mit dem Titel „Unbreakable“, pressfrisch dabei und wir schreiten als erste Käufer zur Aberntung.

Es kommen ein paar mehr Nasen als erwartet. Voll geht zwar anders, aber das hier ist schließlich Schwerin und nicht irgendeine Rock’n’Roll-Metropole. Ist uns ja auch eher wumpe – drei, dreißig oder dreiunddreißig, Hauptsache die respektieren den Rock! Über 300 kommen die Arschlöcher, hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Deutlich unter der Arschlochgrenze wird also heute der Abriss zelebriert. Heute eröffnen wir, morgen TYSON. Der Auftritt verläuft in völlig stabil-vladiistischen Bahnen; Es gibt Schläge und Tritte auf der Bühne, Rocksaft fliegt herum, Köppe werden an Monitore gehauen, ein Bodenroller ist auch dabei. Nichts Spektakuläres also. Doch, Moment, eine Sache ist mir zumindest neu: Ein Typ springt während eines Songs auf die Bühne, stellt sich quasi neben mich und richtet sein Smartfon auf unsere Hackfressen. Und das fast den ganzen Song lang. Ob sich das etabliert? Quasi die Live-Erinnerung nicht nur aus der ersten Reihe, sondern direkt aus dem Geschehen heraus? Egal, hat Spaß gemacht, auch wenn der Sound am Anfang eher suboptimal war.  

 

TYSON hämmern dann gut einen raus und zeigen sich gerade beiden neuen Stücken deutlich gereift. Das peitscht thrashig rein, hat durchweg Power, ist super gespielt und enthält diverse Hooks in den Gesangslinien. „Moshpit Alliance“, „From The Ashes“ und „Higher“ sind neue TYSON-Faves von mir, die insgesamt melodiöser und thrashiger als das bisherige Schaffen wirken. Leider fehlt der zweite Gitarrist Zed Doomhammer heute und der Sound ist immer wieder von so einem tieffrequenten Brummen durchsetzt. Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch und ich sehe, dass wirklich alle Anwesenden bangen und das höchstens mal für einen Gang zum Tresen oder zur Toilette unterbrechen. Am Ende steigt Kochi von der Bühne und fordert die Leute zu „Knockout“ dazu auf, ihn umzuwämsen. Mutige Sache, denn im Publikum befinden sich durchaus einige Kanten.

 

TYSON müssen heute noch nach Hause fahren, was Andi offenbar zum Anlass nimmt, ihren Anteil mitzutrinken. Wenn man selber spielt, bezahlt man ja in der Regel nicht viel - Bier ist meist unbegrenzt, Schnaps kostet manchmal (wie heute) die Hälfte. Joah, und Andi schafft es tatsächlich trotz dieser Voraussetzungen 80,- Euro auf den Kopf zu hauen. Auch nicht schlecht! Allerdings geht jede schöne Feier mal zu Ende und alle legen sich schlafen. Doch diese Nacht ist von diversen Unterbrechungen gekennzeichnet: Immer wieder ertönen unmenschliche Würgeräusche, der Verursacher fährt ruckartig hoch und lässt seinen Schädel nach erfolgreichem Zurückwürgen krachend auf den Bodensausen. Irgendwann ist eine befreiende Brecherei aber offenbar nicht zuvermeiden und der Erzeuger dieser netten Geräusche geht geschätzte zehn Mal zur Toilette, um sich zu erleichtern. Als ich gegen Morgen zum Wasserlassen dieselbe Route beschreite, treffe ich auf eine Lache aus Galle, in der sich ein nackter Fußabdruck abzeichnet. Ich datiere diese Spuren auf Kotzgang Nr. 7 und Nr. 8 – offenbar stammen Galle und Fußabdruck von derselben Person, hehe. Wird Andi am nächsten Tag in Bremen spielen können? Fortsetzung folgt…

Hamburg, Bambi Galore – 11.11.2017

27.11.2017 von Philipp

Bambi Birthday Bash

Wenn man einem Menschen einen „grandiosen Musikgeschmack“ attestiert,macht man das meist, weil dieser denselben wie man selbst hat… DieserDefinition folgend verkünde ich: Der Holger Andre hat ‘nen richtig geilenMusikgeschmack, haha! Fand ich mich doch bereits in den Achtzigern undNeunzigern häufig beim Bangen in der ersten Reihe zu so unterschiedlichen Bandswie EROSION oder PSYCHOTIC WALTZ neben Holger in der ersten Reihe wieder. Undnu nullt der Gute, lädt sich tolle Bands zur Feier ein – und zählt uns Vladisglatt dazu!

Ein nettes Abhängen ist im Bambi immer garantiert, und sovergeht die Zeit bis zur ersten Band mit Soundcheck, Mampfung und Gelaber wieim Fluge. Ein Typ aus dem Tross der Brasilianer ALEKTA hat seine Stimme schonderart zerrockt, dass er sich dezent nach Kehlkopfkatarrh und zwanzig Whiskeyobendrauf anhört, dazu hat der Freak schon gut Schlagseite. Andischlussfolgert: „I guess you’re the singer?" Tatsächlich entpuppt der Kerl sichals Manager und Driver…

ALEKTA schocken dann mal richtig. Schön flotter Death/Thrash Metalmit brutalen Growls und einer sympathischen Ausstrahlung. In Brasilien sind dieNasen offenbar schon ziemlich bekannt. Leider kommen heute nicht geradeHeerscharen von Besucher*innen und zur ersten Band ist es natürlich noch etwasleerer als später. Aber die Band hat Spaß und alle Anwesenden auch.

 

VRhn 


Wir haben Slot Nr. 2 und bekommen vom Mischer lautOhrenzeugen einen guten Sound verpasst. Auf der Bühne selbst klingt esallerdings nicht so fett, eigentlich hören wir fast nur Schlagzeug und dieGesänge. Egal, reicht! Die Resonanz ist super – für die geringe Anzahl vonGästen kommt mehr zurück, als physikalisch eigentlich möglich ist. Wir freuenuns über das Erscheinen einer alten Brieffreundin (Tapetrading times!), derenTochter länger ernsthaft erkrankt war. Oder über Heavy Metal-GlobetrotterKlocki, der in der ersten Reihe gute Laune versprüht. Netterweise bekommen wirvon den SEPTAGON-Haudegen später ordentlich Lob, die uns als „eine geileMischung aus Geballer, Tightness und Hooks“ beschreiben.

LOST WORLD ORDER waren mir noch gar kein Begriff. Holgersagt in der Ankündigung: „Wer eineabwechslungsreiche Mischung aus allen erdenklichen Thrashsubkulturen hörenmöchte, kommt an LOST WORLD ORDER nicht vorbei.“ Und das stimmt! Sehrabwechslungsreich, was da auf der Bühne passiert. Die Bielefelder knüppeln malstraight nach vorne, dann bauen sie schräge Parts ein und auch der Gesangvariiert geschickt zwischen Aggro-Gebrüll, Shouten und clean vocals. Mag ichund ernte gleich mal eine LP ab.

SEPTAGON haben 2016 mit ihremDebutalbum ordentlich Staub aufgewirbelt – zu Recht, denn so eine flutschiggespielte Antwort auf US-Thrash with class a la early HEATHEN oder TOXIK gab esaus Deutschland schon lange nicht mehr (oder noch nie?). Mir gefällt bereitsdas Erscheinungsbild, denn eine derart geballte Ansammlung an exquisitenShirt-Motiven (siehe oben…) findet man selten in einer einzigen Band: Gitarristlinks: FATES WARNING – „Inside Out“, Sänger. VENOM – „WelcomeTo Hell“, Bassist: THE DOOMSDAY KINGDOM, Gitarrist rechts: DEATH – „Human“ undSchlagzeuger: SACRAL RAGE. Hammergut, wäre ich Linienrichter, gäbe es hierextra Bonus-Haltungsnoten. Der erste SEPTAGON-Gig auf dem Metal Assault zeigtedie Bandmitglieder noch nicht so perfekt aufeinander eingespielt, heute wirktdas schon viel harmonischer. Die pfeilschnellen Songs haben unfassbar geileHooks, Brecher wie „Unwanted Company“ oder „Secret Silver Panorama Machine“beißen sich – einmal gehört - für immer in den Gehörgängen fest. Das gilt auchfür einen neuen Song, der irgendwas mit „Fire“ im Titel hat. Markus BeckersStimme mag zwar etwas besser zum epischen Stoff von ATLANTEAN KODEX passen,kommt aber auch hier superb rüber. Man dankt Holger dafür, dass er „die ersteHeadlinershow“ SEPTAGONS ermöglicht habe. Und ballert mit HEATHENs „Goblin’s Blade“eine geniale Coverversion.

Das Geburtstagskind feiert reinund da es mitten während des SEPTAGON-Auftritts 24:00 Uhr schlägt, gibt eszahlreiche Umarmungen, einen Kuchen samt Knochenhand aus Zuckerguss und vonHolger Becher mit fiesem Schnaps für alle. Er sagt später, er habe Tequilageordert, aber ich suche nach dem ersten Schluck erst mal das Logo derverantwortlichen Tankstelle…    

Herzlichen Glückwunsch, Holger! Es war ein herrlicher Abend!Wir wollen sowas wieder!