DIARY

Rendsburg, T-Stube – 31.03.2019

16.04.2019 von Philipp

Sonntagsmatinee in der T-Stube

Eine Matinee hab ich in der T-Stube zum letzten Mal vor fast zehn Jahren erlebt. Da war es sehr gut besucht, aber es spielten auch EA80. Ob die Rendsburger*innen der Anziehungskraft der Couch heute widerstehen können?

Zunächst widmen wir uns einem ausgedehnten Soundcheck, nach welchem alles super zu sein scheint. Die Betonung liegt hier auf „scheint“…

Gegessen werden erst mal nur Kuchen und Muffins, ist ja schließlich hart früh. Aber die Dinger schmecken definitiv - auch zu kühlem Bier.


VRHN

 

Früh zeichnet sich ab, dass die Chose hervorragend angenommen wird. Es trudeln auch viele Kieler*innen, dazu lange nicht gesehene Hackfressen und Vater Zölck ein (letzterer ist ausdrücklich keine Hackfresse, außerdem hat er offenbar einen guten Musikgeschmack, dennmittlerweile hat er VLADIMIR HARKONNEN derart häufig gesehen, dass das Höflichkeitssoll schon seit langem überschritten wäre).

 

Aber wer hat die Sanitärleitungen zerstört? Auf dem Scheißhaus meiner Seele ist ein Rohr geplatzt? Nein, nicht nur dort – ein wahrer Fäkaliensee ergießt sich in den Rendsburger Stadtpark. Die Ursache bleibt erst mal unklar, es kann auch einfach Zufall sein, hinter dem Zockraum der T-Stube liegen bekanntlich noch weitere Räumlichkeiten.


VRHN

 

Anyway, die SACHBAKs sind hochmotiviert und legen wieder aufs Herrlichste los! Im genialen „The Michael Jackson Job“ zitieren sie ein Motiv des berühmten MJ-Songs „Black And White“, was immer wieder aufhorchen lässt. Sehr cool auch der eingehärtete Refrain des Brechers „Race And Wealth“, der hemmungslos nach vorne dengelt. Elirans Sportbuchse sitzt stramm und die Band gibt auf diesem letzten Auftritt der Tour nochmal alles (wobei eine weitere Tour sich sehr bald anschließen wird – don’t miss ‘em!).

 

Ich empfinde den heutigen Auftritt als deutlich „einfacher“ zu bewältigen. In der T-Stube bekommt man irgendwie mehr Sauerstoff in dieLungen, zudem haben wir im Gegensatz zu gestern nicht direkt vorm Auftritt was Schweres in die Mägen geschaufelt. Jedenfalls segelt man so nahezu losgelöst von der Schwerkraft durch die T-Stube. Nur Andi hat ein hartes Los, er kann sich plötzlich gar nicht mehr hören, obwohl beim Soundcheck noch alles okay war. Das Problem lässt sich auch nicht lösen, total seltsam. Natürlich lässt er sich nach außen kaum was anmerken und bangt die ganze Zeit trotzdem durch, was ich ihm hoch anrechne, denn tatsächlich ist der Auftritt unter diesen Umständen eine Tortur für ihn. Viel mehr Freude empfinden zwei Punks, an deren Klamotten abgerissene Mercedessterne baumeln. Irgendwer erzählt später, dass Mercedesbesitzer vor Jahren damit begonnen haben, die Dinger so scharf schleifen zu lassen, dass ein Unwissender beim Abreißversuch mehrere Finger verlieren kann. Wie krank ist das denn bitte, dass einem die Unversehrtheit seines Autos wichtiger ist als die eines Menschen? Sick world. Zum Glück bewgt sich jeder Anwesender in der T-Stube gerade in einer Seifenblase der Liebe, die hin- und herwobbelt. Yeah, one love!


VRHN

 

Veranstalter Tim kommt später mit dem Hammergericht aus der Küche: Es gibt Veggie-Grillwürste mit Sauerkraut und Kartoffelbrei. Alle drehen durch, BLACK SACHBAK meinen sogar, dass dat das beste Essen der gesamten Tour sei. Mampf-o-mat!

 

BLACK HARKONNEN & VLADIMIR SACHBAK sagen Danke! Drei wunderbare Tage voller Wahnsinn, Thrash Punk, Metal, Bier, Liebe, Bodenrollern und Quatsch. Geiler Job von KlimBim Tim und Punkbar-im-Gängeviertel-Crew, Martin & Hafermarkt Flensburg, Tim & T-Stube Rendsburg, BLACK SACHBAK, 51st STATE und allen Besucher*innen!


VRHNBS

Flensburg, Hafermarkt – 30.03.2019

14.04.2019 von Philipp

The Michael Jackson Job

Nachdem BLACK SACHBAK auf ihrer Tour mehrfach längere Distanzen und kurze Nächte durchgezogen haben, ist es für sie natürlich angenehm, mal amtlich auszuratzen. Von den zehn Menschen im Hostel schnarcht so ziemlich jeder! Ein Raubtierkäfig ist nichts dagegen (und riecht wahrscheinlich besser). Erstaunlicherweise stört das aber gar nicht, denn die Schnarchintervalle überlappen sich derart, dass ein einziges, langes Dauerschnarchgeräusch entsteht. Irgendwie angenehm.

 

Trotz Ausschlafen und ausgedehntem Frühstück haben wir immer noch Zeit, um einen Stopp in Rendsburg einzulegen. Alle duschen in Erics Badeparadies und hängen bei herrlichem Wetter auf der Terrasse ab.

 

VRHN

 

In Flensburg stoßen heute noch 51st STATE dazu, eine Art Experimental Dub/Industrial Punk-Duo. Ebenso entspannte und höfliche Typen wie der bereits anwesende DJ Bert und unser Mann in Flensburg Martin P! Letzterer hatte uns übrigens noch die Info zugesteckt, dass heute ein paar schräge Vögel auf den Straßen unterwegs sein könnten, da der „Jugendwiderstand“ für heute eine Pro-Palästina-Demo angekündigt habe, unter dem sich klar antisemitische Idioten befinden. Zum Glück taucht keiner dieser Deppen im oder am Hafermarkt auf, fuck ‘em!

 

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Dafür trudelt u.a. ein Freak aus Dänemark, genauer Sonderburg, ein, der uns letztes Jahr auffem Meltdown-Festival gesehen hatte und offenbar ziemlich angetan war. Schon wieder jemand im Publikum, dessen hohe Erwartungen es zu erfüllen gibt, mit Totalabsturz vorm Gig ist also nix… Lieber das leckere vegane Reisgericht genießen, welches mir allerdings noch bis zum Auftritt schwer im Magen liegen wird.

 

51st STATE eröffnen und haben bereits einen gut gefüllten Schuppen vor der Nase. Der Mix aus Industrial, Dub und Anarchopunk spuckt recht unterschiedliche Songs aus, die mal tanzbar tönen, mal aggressiv alles zu Klump hauen. Die Zuschauer*innen mögen die Sache mehrheitlich, wobei ich persönlich die Setlistlänge fast schon zu lang finde. Kann aber sein, dass ich das nur so empfinde, weil ich auf den eigenen Auftritt warte.

 

VRHN

 

Derbe warm und stickig isses, als wir dann losdengeln, wodurch dieser Auftritt einer derjenigen ist, der einem auf der Bühne viel Energie abverlangt. Meine Klamotten kann ich danach auswringen. Der Bühnensound ist ziemlich geil, der Hafermarkt scheint in Sachen Technik etwas aufgerüstet zu haben. Vor der Bühne geht ein munterer Pogo- und Kopfschüttel-Reigen ab, was uns noch zusätzlich anstachelt. Auch „the danish guy“ geht vom ersten bis zum letzten Song fäusteschüttelnd ab und singt fast jeden Text mit. Dem umtriebigen Joachim Ladwig ist übrigens das Foto zu verdanken, auf welchem ich auf meine leere Pranke („unsichtbare Orangen“-Style) starre und das wir zur Photoshop-Challenge genutzt haben. Auch heute gelingen ihm ein paar herrliche Schnappschüsse. Dazu hält Martin mit der Kamera drauf, checkt mal seine Seite „shitty videos galore - punk rock and other crap“ (Eigenbeschreibung: „Extrem unprofessionelle Konzertmitschnitte, gefilmt mit Schrottkameras und zittriger Hand - Punkrock und anderer Quatsch…“) Ein intensiver Auftritt, wie immer super im Hafermarkt. Hier eins von Martins Videos:

 

https://www.youtube.com/watch?v=S3TqMY4dnI8&fbclid=IwAR3cFBZhrRwqpN591md2kx8dk_YXkZsQNOSGatKu-nCSy1sdQs8eYYgKFxs

 

Yeah, BLACK SACHBAK setzen heute noch deutlich einen auf ihre gestrige Leistung drauf! Ich glaube fast, dass die Israelis heute den besten Auftritt zocken, den ich bisher von ihnen gesehen habe. Es stimmt einfach alles, Sound, Bühnenaction, man hört alle nötigen Details geraus und es wämst heftig in die Magengrube. Dor spricht später von einem magischen Abend, Recht hat er. Heute fällt mir auf, dass Eliran jeden Abend exakt dieselben Ansagen macht, auch weil Mercher Yuval neben mir steht und grinsend synchron mitspricht: „BLACK SACHBAK versus the future! Album release show! Album relase tour! In Europa! In Europa!“ Die Sachbaks erweitern heute ihre Setlist um das ANTHRAX-Cover „I’m The Law“, welches superb gelingt. Die entsprechende Scheibe („Among The Living“) lege ich mir nach dem Wochenende nach längerer Zeit mal wieder auf und feiere das Ding tagelang hart ab. Herrlich!

 

BSBS

 

Danach sorgt DJ Bert für eine höchst gelungene Mischung aus Punk, Metal, Pop und einfach coolem Zeug, dass die Stimmung weiter kocht. Total gut, ich mag das immer sehr, dass hier nicht nach der letzten Band sofort alle wegrennen, sondern weiter dem Musikgenuss frönen.

 

Morgen: Auf Soinntagsmatinee in der T-Stube Rendsburg. Ob da wohl Leute kommen…?

Hamburg, Punkbar im Gängeviertel – 29.03.2019

11.04.2019 von Philipp

Them Horny Snakes

Die israelischen Thrasher BLACK SACHBAK touren bereits zum sechsten Mal in unseren Breitengraden herum, wir haben sie bei jeder dieser Gelegenheiten (außer auf der ersten Tour, glaube ich) mit mehreren Shows begleitet. Rechtzeitig hatte Sänger Eliran uns gefragt, ob wir ein paar Termine im Norden klarmachen könnten und es gab erfreulich viel positive Resonanzen auf unsere entsprechenden Anfragen. So geht es heute nach Hamburg ins Gängeviertel, morgen steht der Flensburger Hafermarkt auffem Programm und am Sonntag gibt’s eine Matineesause in der T-Stube Rendsburg.

 

Das Wetter präsentiert sich von der besten Seite und so hängen wir chillig im und um die Punkbar herum im Gängeviertel ab. Nebenan läut ein HipHop-Konzert, welches dem Lautstärkepegel zufolge sehr gut besucht ist. Es hätte aber auch Katzen und Hunde regnen und noch schlechtere Hintergrundmusik laufen können – das Wiedersehen mit unseren SACHBAKs ist eine pure Freunde! Dor Plaut (Guitarplayer extraordinaire) und Eliran stellen uns die neuen Mitglieder Cyrill am Bass und Radar am Schlagzeug (Bruder des vorherigen Drummers, wenn ich das richtig verstehe) vor, dazu den stets gut gelaunten Mercher und Herzensbrecher Yuval. Der Fahrer Scott schläft hingegen noch, weil die letzten Tage wohl wenig bis gar keinen Schlaf gebracht hatten.
 


Gänge

 

Es ist kaum zu fassen, aber Tim von der Punkbar informiert uns, dass große Teile der üblichen Crew (und auch diverse potenzielle Besucher*innen) heute nich anwesend seien, weil – Achtung! - morgen ein Konzert mit Blümchen, David Hasselhoff und weiteren Schlageraffen auf Schalke/Gelsenkirchen stattfinde und neuerdings stünden halt viele Hamburger Punker auf 90er Trash. Heute fällt aus wegen …morgen also? Zum Glück hat dieses „Event“ wenigstens nicht auch den besten Koch der Crew früh zu Bett gehen lassen, denn das Essen ist heute mal echt der Hammer! Bei Reis mit Gemüsekram und einem astrein gewürzten veganen Bratling schnalzen sowohl die Sachbaks als auch die Vladis mit den Zungen und Eliran fragt mich noch nachts, ob Nachschlag organisiert werden könne.

 

Heute beginnen BLACK SACHBAK, die mit „…Versus The Future“ ein neues Album betouren. Die Band ist definitiv in mehrfacher Hinsicht stärker geworden. Der Thrashfaktor ist gestiegen, aber gleichzeitig kommen sowohl in der Gitarrenarbeit als auch beim Gesang die Melodien deutlicher heraus. Es gibt geniale musikalische Zitate aus völlig anderen Genres wie Reggae und Disco (hier wird Bezug auf Michael Jackson genommen, der im Rahmen des textlichen Konzepts vom durch die Zeit reisenden Dr. Sachbak vorkommt), einfach nur herrlich. Vor allem aber gibt’s auf die Mütze, auch wenn der Sound heute nicht so differenziert ist. Irgendwie scheint nur der Gesang aus der PA zu kommen. Das hält aber niemanden vom Genuss ab. Geiler Gig, der in Flensburg und Rendsburg noch getoppt werden soll.


Toanol

 

 

Wir haben mixmäßig den Vorteil, einen Soundmenschen dabei zu haben, der weiß, welchen Knopp man wie drehen muss, um maximalen Vladiismus zu erzeugen. Ich kann mich super hören, was immer ein Garant für erhöhten Spaßfaktor ist (andernfalls kann es anstrengend werden, da man droht, zuviel Kraft in den Gesang zu legen und sich halt auch hart konzentrieren muss). Aber viel wichtiger: Wer sind die drei Typen Mitte 20, die permanent durchdrehen, alles mitsingen und den ganzen Laden mitreißen (naja, voll isses ja wegen Blümchen nicht)? Im Nachhinein stellt sich heraus, dass es sich um drei von vier Ex-Musikern der Band OUT OF LIMITS handelt, die vor zehn Jahren mal bei Nils im Studio ein Album aufgenommen haben. Damals hatten meine Mitvladis meine Absenz aufgrund einer Studienfahrt genutzt und mit den jungen Punkern (der Schlagzeuger war ZWÖLF!) unser „Party Of The Damned“ eingeprobt. Beim Konzert in der Meierei wurden die Instrumente für mich völlig überraschend komplett den Hosenscheißern übergeben, die dann mit mir „Party…“ gezockt haben (im Netz gibt’s noch ein Video davon). Ja, zehn Jahre später sind drei von denen immer noch zusammen in einer Band (namens THEM HORNY SNAKES) und wohnen in Hamburg. Schöne Überraschung! Für die drei, aber auch wegen der ansonsten ausgelassenen Stimmung hängen wir ungeplant „Party Of The Damned“ an die Setlist ran.

 



Tour

 

Als die Party in der Punkbar endet, feiern und sabbeln wir noch etwas im nebenan gelegenen Punkerhostel weiter. Da hatte ich beim letzten Mal allein gepennt, eine sehr gemütlich ausgestattete Wohnung, die u.a. zur Bandübernachtung nach Kozerten genutzt wird. Wir erfahren ALLES von der SACHBAK-Tour, verraten hier aber NICHTS davon. Morgen also: Flensburg, Hafermarkt

Itzehoe, Haus der Jugend – 16.02.2019

21.02.2019 von Philipp

This One Goes To 11

Da hat die kommunale Kasse Itzehoes den Kids doch glatt ein Juze für ‘n paar Milliönchen hingestellt. Genau angemessen für einen Vladi-Auftritt. Wir sind nach der Ankunft etwas schockiert: So steril und foidelsauber war ja kein Schuppen, in dem wir nie nich je gezockt haben! Steht hier auch erst seit April 2018 oder so.

 

Zu einer Art emotionaler Mischung aus Ostern, Weihnachten und Weltrevolution gerät das Auspacken eines großen Pakets von Sir Nick Wanker. Die neuen Shirts sind da! Aber Herr Wanker wäre nicht Herr Wanker, hätte er nicht ein paar Ostereier im Karton versteckt! Zum Beispiel ein völlig ohne Auftrag erstelltes Prototyp-Vladi-Shirt mit meiner Fresse in Brüll-Modus, darunter steht drei Mal „Aaaaarrrggghhhh“ und unser Logo im VAN-HALEN-Style. Wir lachen uns darüber derart schrott, dass wir das Biest weniger Tage später gleich als Großauflage in Auftrag geben. Von der Hand Herrn Wankers persönlich gesiebdruckt und bald in dessen Shop!

 

11

 

Die selbstkreierte Pizza ist wird noch serviert, da gibbet auch schon KNUD VOSS auf die Ampel. Von diesen Kollegen wird JoyBoy demnächst einen Tonträger produzieren, man darf gespannt sein. Denn die Mischung aus KEINE ZÄHNE IM MAUL, ABER LA PALOMA PFEIFFEN und TURBOSTAAT besitzt viel Potenzial. Der Beat geht ab, die Texte scheinen hellsichtig und ich mag den Gesang.

 

Da wir Czarna (MJs Hündin) schlecht mit ins Juze nehmen können, wird sie mit Konzertbeginn gut verpackt in einem meiner Pullis (IGNITE haben die Ehre) im Auto geparkt und ab und zu mit ‘nem Spaziergang beglückt. Sieht ja immer herrlich bekloppt aus, wenn ein Hund Menschenklamotten trägt.

 

THE SUPPORTERS sind quasi die Gastgeber des Abends. Unter dem Banner Hardcore/Punk vereinen sie durchaus auch Rock’n’Roll, Metal-Anleihen und Punk. Ein Track geht sogar in die Garage-Richtung. Die Grenzen zum Crossover (zweiter Generation) werden endgültig durchbrochen, als drei Gast-Rapper auf die und der Bühne hoppen. Unterhaltsam!

 

Vlad

 

Der Laden ist natürlich viel zu groß. Zwar sind mehr Leute erschienen, als man für Itzehoe schätzen würde, aber um die Halle zu füllen, müssten 400 kommen. Doch den Vladiismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf! Wir wissen: Ein Rock’n’Roll-Schuppen lebt von seiner Geschichte. Da hier noch keine Geschichte existiert, muss jetzt welche geschaffen werden -> man möge also Klotüren mit Edding beschmieren, seine Bandaufkleber überall hinpappen und sich sonstwie verewigen. Anyway, heute gibbet Songs für beide Ohren. Und dumme Ansagen. Zum Beispiel fällt mir auf, dass der vorletzte Song von der übernächsten Platte stammt. Auch komisch: Kaum Leute da, aber die Bühne schwimmt vor Bier, hmmm, wie dat wohl kommt. Leider höre ich Zarcs Gitarre kaum, weswegen ich mindestens zwei Einsätze verpasse (eher mehr), aber ein wohlplatzierter Schlag mit dem Mikro auf den eigenen Hinterkopf diszipliniert.

 

Tag des Vlad

 

Schönes Ding, Danke an die Einladung und süße Grüße an alle Beteiligten, Besucher*innen, Bekannte und Verwandte!

Ahrensburg, Juki 42 – 26.01.2019

17.02.2019 von Philipp

A-Blast

Es ergab sich beim herrlichen letztjährigen MELTDOWN-Festival, dass uns der STAHL-Gitarrist Torsten anhaute, ob wir Bock auf ein Konzi im Juki 42 hätten. Mir war der Schuppen noch von diversen Shows als Besucher und auch mit BONEHOUSE noch in sehr guter Erinnerung, also sagten wir natürlich zu.

 

Mit an Bord sollen DAWN OF OBLITERATION, EXTINCT und natürlich STAHL sein, also viele Bekannte - immer super. Leider müssen EXTINCT kurzfristig am selben Tag absagen, da Drummer Michael sich unglücklich abmault und mit dickem Knie nicht Schlagzeug zocken kann. Diese Band ist wirklich vom Pech verfolgt. Gute Besserung!

 

Soundcheck

 

Große Freude, als wir im Juki auf Haudegen Flupp treffen, der mit seinem Frontcore-Label an unseren letzten Releases beteiligt war, der „Into Dreadnought Fever“-LP und der „Ticking Bomb Scenario“-EP. Bei DAWN OF OBLITERATION sind aber mit Rotter (KEIN HASS DA, STONE COLD BLACK) und den MORBITORY-Kollegen Myers (b) und Michael (g) noch weitere Bekannte am Start. Flupp ist es auch, der bezüglich des geplanten Rereleases des BLAUEN ALBUMS eine zündende Idee zur Aufmachung hat: Um das Ding auf eine vergleichbare Ebene mit der Erstpressung zu hieven, sollten wir doch Teil II der Diary-Beilage drucken! Genial, somit geht „The next five years of Vladiism“ bald in die Druckerei – Danke, Flupp!

 

Auch STAHL sind heiß und haben alles perfekt organisiert. So gibbet heute lecker Kartoffelsuppe, der Soundcheck lässt Gutes erwarten und die ersten Gäste trudeln früh ein. Das Juki 42 hat einen tollen räumlichen Aufbau, der mit seiner halbkreisartigen Form und den abgesenkten Stufen etwas an ein Indoor-Amphitheater erinnert. I like it!

 

Juki

 

DAWN OF OBLITERATION mörteln gnadenlos los. Old School Death Metal mit deutlicher Punk-Schlagseite. Rotter erweist sich einmal mehr als Killerdrummer, Flupp geht gut ab auf der Bühne und pöbelt sich durch die Setlist und Gitarrist Wolf zockt barfuß, was man bei Death Metal ja auch eher selten sieht. Dafür legt Bassist Myers seine Lederjacke gar nicht erst ab und bangt den gesamten Gig erbarmungslos durch. Geil!

 

STAHL feien den Release ihrer CD und gönnen sich zu dem Anlass Sidedrops sowie originell betiteltes Merch wie den STAHLHELM (= ‘ne Mütze) und das STAHLBAND (‘nen Schal). Ihr grooviger Death Metal hat hier zahlreiche Anhänger und so recken sich viele Pommesgabeln gen Juki-Decke. Der Bassist Sascha „Phantomas“ Hess bewegt sich noch weniger als Ian Hill, was schon wieder einen Hingucker für sich darstellt, zumal der Typ ein wahrer Hüne ist. Die Gastgeber räumen ab!

 

Selten hatten wir einen so guten Bühnensound wie heute! Ich find’s nahezu perfekt und kann jede Nuance hören, was den Spaß außerordentlich erhöht. Da fühlste dich glatt wie Lou Koller und hüpfst schwerkraftbefreit über die Bühne. In die Setlist dringen nun immer mehr Stücke der kommenden „Vlad Smash!“-EP, dazu bringen wir mit „Anomie“ ja bereits einen Song vom GRÜNEN ALBUM, was dazu führt, dass unser Debut nur noch mit „Roadkill BBQ“ vertreten ist. Naja, theoretisch, denn wir lassen uns zu ungeplanten Zugaben hinreißen und bringen neben einem weiteren EP-Song noch „Party Of The Damned“. Insgesamt kommen wir auf die epische Länge von 17 Songs, hier die Setlist, wer dat genau wissen will: https://www.setlist.fm/setlist/vladimir-harkonnen/2019/juki42-ahrensburg-germany-739582c1.html Dazwischen werden Frisuren ruiniert, verschüttetes Bier aufgeschleckt, Wutbürger gedisst und es gibt auch mal wieder einen Bodenroller…

 

Ein wirklich durchgehend herrlicher Abend. Wir fühlen uns im Juki derart wohl, dass wir uns gleich fürs FUCK CANCER 2020 bewerben, zumal wir natürlich auch den Anlass unterstützen. Bei Flupp ernten wir noch geile Scheiben ab, Andi u.a. FÄULNIS und OPHIS, ich EXIT SMASHED und CRYPTIC BROOD.

 

AUF DEM SCHEIßHAUS MEINER SEELE IST EIN ROHR GEPLATZT!

 

A-Blast

 

Bremen, Garage – 17.11.2018

23.12.2018 von Philipp

Four guys in a really hot garage

Morgens treffen sich alle Fraktionen wieder in der T-Stube, wo die Konzertgruppe ein opulentes Frühstück aufgefahren hat. Da gibbet alles, was das Herz begeht und Czarna saugt alles auf, was wir vom Tisch fallen lassen. Respekt und Liebe noch mal an Tim und die Konzertgruppe (OI FORCE, ne?), tolle Organisation!



ONDT BLOT


Nach Bremen sind wir dann schnell hingebeamt. Dort tobt bereits die Party von Punkerin Judith, die heute 50 Jahre alt wird. Bestes Alter, hab ich gehört! Happy birthday! Die Garage ist mal… klein. Irgendwie schaffen ONDT BLOD und wir es, alles reinzuwämsen, was nötig ist. Geilerweise zockt heute sogar noch ‘ne dritte Band – C.I.P. aus Bremen, die ich im April im Kieler Medusa gesehen habe. Eigentlich war geplant, dass C.I.P. anfangen, dann wir und dann ONDT BLOD. Aber Planungen können auch gern mal in die Mülltonne gekickt werden, und so entscheidet das Universum die Reihenfolge um auf ONDT BLOD – VLADIMIR HARKONNEN und C.I.P.. Ist ja auch wumpe.

 

Nachdem wir alles eingestellt haben, genießen wir leckerstes Essen, Bier, Sekt und erbauliche Gespräche. Es sind viele Bekannte da, total gelungene Überraschung zum Beispiel das Auftauchen von SODIUM-Henrik, der seit kurzem in Hannover wohnt!

 

Vladi

 

Aber irgendwann heißt es raus aus der warmen Bude und rein in die kalte Garage. Die bleibt aber nur Sekunden lang kalt, denn ONDT BLOD heizen heute richtig ein! Ein Tourabschnitt geht für die Norweger zu Ende, was der Grund sein mag, dass sie mir besonders gelöst erscheinen. Der Sound klingt heute kompakter, die Chose drückt total und auch der Gesang kommt heute besser rüber. Jetzt erschließt sich mir deren Musik erst so richtig, ich erfreue mich an so manchem Riff und ernte danach die „Natur“-Scheibe ab.

 

VRHN

 

Ein Wermutstropfen ist heute zu beklagen: Eigentlich sollte an der ursprünglich anvisierten Friese ein Infozettel hängen, was aber wohl doch nicht passiert ist, sodass wir danach von einigen enttäuschten Leuten Mails bekommen, die halt sinnlos vor der Friese standen und verschlossene Türen vorfanden. Sorry! Die verpassen einen spaßigen Mini-Auftritt, der zum Ende hin schön eskaliert. Als nach einigen Songs kurz der Strom weg ist, befürchte ich schon, dass die Luft raus sein könnte, aber bei dem erfolgreichen Neustart rastet Aslak völlig aus, pogt wie ein Berserker und reißt mich in die Lüfte! Das spornt offenbar den restlichen Mob an und es passieren mehrere Dinge ungefähr gleichzeitig: In der Mitte der Garage befindet sich eine Grube, die mit Holzplanken zugedeckt ist. Ein Besucher springt so wuchtig darauf, dass eine Planke zerbricht und sich eine klaffende Lücke über der Grube auftut! Währenddessen löst sich im hinten Teil der Garage ein Tuch von der Decke, welches als Lampendimmer fungieren sollte und nun wie ein Vorhang Eric verdeckt. Und ich kloppe aus Versehen bei einem Faustrecker, der eigentlich nur in die Luft hauen sollte, eine Lampenverschalung aus der Decke. Yeah, Chaos! Die Grube wird notdürftig zugedeckt, während unbekümmert weitergepogt wird. Super!  


OBJudith


C.I.P. grinden dann alles zu klump. Besonders geil ist das atemlose Gekotze des Sängers, der zum Snaregekloppe im Stakkato brüllt. Und Goldi spielt die Gitarre so, wie ich immer Luftgitarre spiele! Endlich habe ich den Beweis, dass man so eben doch Gitarre spielen kann, geil!


Die Party lässt uns noch lange bei Judith verharren, bis wir zu Ballo aufbrechen, der uns seine Bude überlässt, obwohl er selbst mit KILLBITE irgendwo anders zockt. Wir verwüsten dort alles und fressen seinen Kühlschrank leer. Gerne wieder!

Rendsburg, T-Stube - 16.11.2018

19.12.2018 von Philipp

Bong-Iggy vs. Bock-Ock

Was für ein rundum herrliches Wochenende! Als sich die Möglichkeit ergibt, mit den Norwegern von ONDT BLOD zwei Konzerte zu spielen, bzw. diese auch mitzuorganisieren, spüren wir na klar von Anfang an Bock drauf. Tim und seine T-Stubencrew haben dann auch am passenden Termin Kapazitäten für uns, für Bremen sprechen wir mit unserer Freundin Tati. Andi erstellt Plakate mit dem Motiv der neuen ONDT-BLOD-Scheibe „Natur“, die wir feudal drucken lassen. Beim Brementermin gibt es dann einen Abfukker – Punkerin Judith feiert an genau dem anvisierten Tag Geburtstag und dorthin gehe Tati zufolge auch 90 Prozent des „Zielpublikums“. Joah, Pech. Aber Tati und Judith kommen auf die geniale Idee, das Konzert einfach auf der Party stattfinden zu lassen und dort in einer Garage zu spielen. Scheiß auf die Berg-Propheten-Nummer! Aber dazu mehr im Tagebuch zu Bremen.

 

T-Stube

 

In der T-Stube wird es dann ganz schön eng, als ONDT BLOD ihr Equipment dort reinschleppen. Holy shit, die Freaks haben tatsächlich ein eigenes Soundsystem samt Extra-Mischpult dabei, sodass später Mischpult neben Mischpult steht. Ob das nicht für einen lütten Laden wie die T-Stube etwas übertrieben ist? Auch fragen wir uns, ob die Norweger diesen Aufwand auch morgen in einer kleinen Garage durchziehen? Aber schnell zeigt sich, dass die Bandmitglieder sowie auch ihr Soundmensch und der Tourmanager sehr entspannt drauf sind. Ich darf hier schon mal verraten, dass ONDT BLOD auch am nächsten Tag kein Problem mit ‘ner Floorshow haben, diese sogar mit Inbrunst durchziehen.

 

T-Stube

 

Es füllt sich früh, wird später amtlich warm und schnell entspinnt sich eine herrliche Stimmung. Ich hatte ONDT BLOD bereits auffem Wilwarin gesehen, wo ich sie sehr geil fand. Heute kommt der Sound nicht so kompakt rüber, was übrigens am Folgetag viel geiler sein wird. Aber Spaß macht es natürlich dennoch. Die Musik ist mitreißend komponiert, eine Mischung aus Hardcore, Metal und z.T. poppigen Melodien. Sänger Aslak pendelt dazu passend zwischen Screams und klarer Melodiestimme. Was mich sehr anspricht, ist die Art der Melodieführung, die etwas sehr Eigenes hat. Dazu drücken die Riffs echt mächtig, was aber wie gesagt am nächsten Tag noch geiler kommt. Kurios ist ein Besucher, der plötzlich auf die Bühne springt, sich mitten im Song vor den Drummer stellt und begeistert Sachen wie „I LOVE LIVEDRUMMING!“ brüllt. Als er anfängt, den Bassisten zu begrabbeln (beim Spielen), holt Tim ihn resolut von der Bühne.

 

T-Stube

 

Immer wieder eine große Freude, in der T-Stube zu spielen. Wir zocken eine Setlist, die mir im Vorfeld als recht lang erscheint. Aber es funktioniert! Tatsächlich haben wir irgendwie eine gute Spannungskurve drin, was sich auch in Bremen bestätigt. Am Anfang könnten wir noch etwas dran schrauben, denn hier dauert es etwas, bis der Mob in der Wallung kommt. Das geht uns allerdings selbst so, denn die beim Soundcheck noch super eingestellten Monitore sind plötzlich so gut wie gar nicht mehr zu hören. Aber das ist dann auch irgendwann wumpe, volle Rotze geben heißt die Devise. Alle Dämme brechen bei „Schweineherbst“, zu dem die Leute gut steilgehen. Und es bleibt dann ausgelassen bei „Frontex Fuckers“, „Stagnation Is Death“, „The Chips Are Down“ und “Death For Profit”, am Ende ziehen die ersten Reihen bei “Reign In Vlad” und “Roadkill BBQ” gar noch gut an, springen auffe Bühne, reißen mir das Mikro aus der Hand und sauen alles mit Bier ein. Geht!

 

Da man ja doch immer ganz schön lange rumhängt, bis man den Konzertort verlässt, wird es letztlich 04:00 Uhr, bis wir bei Eric Harkonnen eintrudeln. Dort sabbeln wir in spontan erweiterter Runde noch länger weiter, sodass einige Anwesende bald die 24-Stunden-Wachgrenze überschreiten. Passiert. TBC!

 

Bock-Ock

Gießen, AK44 – 06.10.2018

09.11.2018 von Philipp

UNLEASHED IN GIESSEN

Von Göttingen nach Gießen ist es nicht so weit, sodass selbst nach einem Vladi-Wellness-Schläfchen noch Luft und die Frage bleiben, was wir vorher unternehmen wollen. Plattenladenbummel? Museum? Am Kopf kratzen? KRATZER wollen baden gehen, was auch sehr verlockend erscheint. Doch wir entscheiden uns für ein wenig Sightseeing: Ab nach Kassel und mal rauf auf die olle Wilhelmshöhe! Das Biest ist immerhin vor ein paar Jahren als Weltkulturerbe anerkannt worden. Von Bekannten wissen wir, dass der Aufstieg recht schweißtreibend sein solle. Das stimmt in der Tat! Als wir schließlich vor der Herkules-Statue stehen, geht allen die Pumpe, zumal es heute recht warm ist. Aber es hat sich gelohnt, herrlicher Anblick, schicke Ruinen und immer wieder die Chance auf ein albernes Bandfoto.

 

 

WilhelmshöheWilhelmshöhe

 

 

Yeah, im AK44 haben BONEHOUSE auch mal mit RAWSIDE gespielt, 2003 war das. Witzigerweise hatte Dennis, der das heutige Konzert veranstaltet, auch vor 15 Jahren die Finger mit im Spiel. Die heutige Veranstaltung findet im Rahmen der „Merciless Metal Massacre“-Reihe statt, es ist die neunte Edition. Leider kommen nur so 20 zahlende Gäste. Aber ich bin sicher, dass von denen alle Spaß haben. Mindestens der Typ, der schon nach der ersten Band (heute KRATZER) auf einer Bank liegt und pennt!

 

 

In der Küche wird geschnippelt und kleingehackt – es gibt Wraps zum Selberbelegen. Auch geil: Pennplätze befinden sich direkt im AK44, also kein endloses Stolpern durch die Innenstadt, beladen mit Schlafsack, Isomatte, Wegbier, Tasche etc., zu einer Punker-WG, die „nur 20 Minuten entfernt“ sei. Allerdings haben wir lediglich einen Raum zur Verfügung, der später bis auf den letzten Zentimeter belegt wird.



Kratzer

 

 

KRATZER demolieren wieder alles und knüppeln jede Visage ein. Henning scheint heute noch einen draufzusetzen und malträtiert sein Kit mit Vehemenz. Die wenigen Besucher drehen durch und schnappen sich mehrfach Schreigräte Marco, um ihn in die Luft zu werfen und crowdsurfen zu lassen. Dengel!

 

 

Mittlerweile verstehe ich immer mehr Texte bei SARKAST, zumal Dan stets interessante Ansagen dazu macht. Bei einigen Songs fällt Andi und mir auf, dass er wie ein ganzer Schweinestall klingt: Grunzen, Quieken, Oinken – alles da!




Wilhelmshöhe

 

 

Wir versichern allerdings danach während unseres Auftritt, dass dies ein ausdrückliches Lob darstelle. Außerdem präzisiere ich: Es handele sich natürlich um glückliche, gerade frisch in die Freiheit entlassene Schweine. Auf der SARKAST/KRATZER/VLADI-Tour ist dies heute der beste Auftritt, finde ich persönlich. Alles läuft wie geschmiert und der Wohlfühlfaktor ist extrem hoch. Außerdem entspinnen sich heute die besten Dialoge zwischen Publikum, Andi und mir. So beschwert sich Andi, dass ich heute mehrfach erst NACH einem Stück etwas zu dessen Inhalt sage. Ja, aber warum nicht? Scheiß auf Regeln! Mir fällt allerdings selbst auf, dass der Abstand von Song und nachträglicher Ansage im Verlauf des Gigs immer größer wird. Und nach dem Ende fällt mir ein, dass ich ja gebeten wurde, anzusagen, dass man bitte draußen rauchen möge wegen rauchempfindlicher Person. Das sage ich dann pflichtbewusst auch nach dem letzten Song an, als eigentlich schon alle weg sind: „Ach ja, vergessen: Heute bitte nicht drinnen rauchen, ey!“ Aber auch zwischendrin spielen sich erinnerungsträchtige Szenen ab: ein KRATZER-SARKAST-VLADI-Grouphug; der Inhalt eines verschütteten Bieres wird von der Bühne aufgeschleckt (weil wegen Verschwendung) und … am Mischpult wird die ganze Scheiße aufgenommen. Wir beschließen: Das Ding wird als Kassette veröffentlicht! Arbeitstitel: UNLEASHED IN GIESSEN!

 

 

Danach herrlich Aftershowparty, deren Geräusche bei jedem Öffnen der Schlafgemachtür infernalisch hereinschallen. Und morgens gilt es, voneinander Abschied zu nehmen, schnüff. Aber nach dem Konzi ist vor dem Konzi, wir sehen uns wieder, keine Frage. Danke an alle!  

Göttingen, Juzi-Keller – 05.10.2018

06.11.2018 von Philipp

bei PETER KRUSTIG

Das Juzi in Göttingen ist mir noch in bester Erinnerung von einem Konzert mit BONEHOUSE, RAWSIDE, RED WITH ANGER und ANTI-CONTROL. Und das ist immerhin ziemlich genau 14 Jahre her, hö.


Bei bestem Wetter cruisen wir gen Göttingen und finden top Zustände vor. Vorm Laden hängen Metalpunks ab, die Streetboozing betreiben und dazu über einen Ghettoblaster MERCYFUL FATE hören. Hier sind wir definitiv richtig! Einige der Freaks spielen in der Band NYTE LIGHT, wie sich im Laufe des Abends noch herausstellen soll. Sie überreichen uns später ihr Demotape mit geil selbst gezeichnetem Cover, Titeln wie „United Metal Punks“, „No Brain No Pain“, ‘ner GIRLSCHOOL-Coverversion von „Yeah Right“ und der herrlichen Widmung „NYTE LIGHT is the Irön Fist into the shitface of the digital „Metal“ Scene! Fuck Off!“

 

Der Juzi-Keller ist ein ranziges, kleines Loch. Geil, mag ich. Irgendwie kommt der Sound auch cremig, obwohl wir hier logisch fast nur über Backline spielen. Aber erst mal heißt es eh essen fassen. Die Konzertgruppe PETER KRUSTIG (bester Name!) hat hart lecker gekocht und super Flyer kreiert. Ich sach ja: Hier stimmt alles.

 

Juzi-Keller

 

Heute lautet die Reihenfolge VLADIMIR HARKONNEN, SARKAST und KRATZER, also genau umgekehrt wie in Schwerin. Ist ja eigentlich auch wumpe. Die ca. 40 Besucher*innen (oder so) passen gar nicht alle in den Keller und stehen daher zum Teil im Gang davor, weswegen alle Bands auch mal in den Gang bölken und winkewinke machen. Ein Besucher möchte gern mitzocken, er könne Gitarre spielen. Außerdem habe er Bock auf ein SODOM-Cover. Ersteres findet Zarc nicht so geil, ballert aber spontan das „Bombenhagel“-Riff (oder war es das von „Ausgebombt“? Gibt es da einen Unterschied?), in das wir alle einsteigen. Ich glaub, der Typ ist trotzdem traurig, dass er nicht mitspielen darf, aber Marco nimmt ihn den Arm. Besonders freu ich mich ja, dass RED WITH ANGER/DUNKLE TAGE-Drummer Schmied („Philipp, ich mag ja keine langen Haare, aber deine sind immer schön unordentlich!“) im Mob ist und strahlt wie ein Honigkuchenpunker. Joah, war noch was? Falls ja, verschwindet es im Rausch des Momentes. Geiler Gig!

 

SARKAST und KRATZER packen dann die Krustenkeule aus, bis die Punkerleiber nur noch so den Raum fliegen. Barbarisch!

 

Crewlove

 

Wir werden später auf verschiedene Wohnungen verteilt. Die Vladis landen bei Joshi, der in gleich drei Göttinger Bands spielt – ABRUPT, DISHONOURED und POSTMORTAL ERECTION, mal mit Schlagzeuggeballer, mal mit Geschrei. Und alle drei sind geil, wie die Split-LP „Distorted – Göttingen meets Prague“ (aus Prag: KRÜGER, JUST WÄR und ANGRY BRIGADE, https://abrupt-punx.bandcamp.com/album/distorted-g-ttingen-meets-prague-sampler) zeigt. Die ganzen Aktivitäten mit x Bands und Konzertgruppe erklären dann auch, wieso der Kollege „etwas“ länger nicht aufgeräumt hat, haha. Aber wir quetschen uns in die Hütte und freuen uns auf Gießen.

 

Next: UNLEASHED IN GIESSEN!

 

Drive

Schwerin, Komplex – 02.10.2018

30.10.2018 von Philipp

Plastiniert in Schwerin.

Ich sage es gleich – ich bin lediglich das Medium!

Und aus mir spricht …äh… Dionysus. So hieß doch dieser Gott des Biers, oder? Zumindest stoße ich gelegentlich mal auf. Vor allem wenn ich Bier trinke. Das kommt auf Tour ab und zu mal vor. Und wenn die ollen Griechen sich in Delphi haben hart einen orakeln lassen, so hören meine Mitvladis aus meinen Eruktationen …Wörter! Oder besser Namen. Auf dieser Fahrt erreichen wir allerdings ein ganz neues Level: Es entsteht die Figurenkonstellation für einen amtlichen Fantasy-Roman! Naja, vielleicht nicht für einen „Herr der Ringe“. Aber das erste Kapitel vom „Hobbit“ könnte man schon bevölkern mit folgenden Wesen (Andi verleiht den von ihm verstandenen Namen zum Teil gleich Charakterzüge):

Dolp – Bergtroll, mag Schmetterlinge
Stoke – Krieger, menschlicher Dieb
Ztl-Unkh – Ork
Ghordo – finsterer Zauberer
Sir Göttingen – strahlender Ritter
Luul – fliegende, honigsammelnde Fisch-Fee
Buul, Ehllup, Ugidor, Wäoeble, Bulgurrh, Ögaah, Deedl – alle noch ohne Charakter, aber schon mal ins (fiktive) Leben gerülpst.

 

Irgendwann sind wir aber in Schwerin und verwerfen die sich bereits abzeichnende Handlung, schließlich hat die Realität des Ausladens uns schnell eingeholt. Wir treffen auf nette Menschen, zum Teil alte Bekannte wie den JESUS KOMMT AUS BÜTZOW-Sänger, der ein MOORLOCH-Shirt trägt, und natürlich die Kollegen von KRATZER und SARKAST. Verrückterweise war ich nach einem unserer früheren Schwerin-Auftritte schon mal im Komplex, habe den Schuppen aber vollständig anders in Erinnerung. Woran das wohl liegt? Genial jedenfalls der Hintergrund, dass dieses mehrgeschossige Haus Veranstaltungsort und Wohnprojekt in einem ist (von der Komplex-Homepage: „Das Komplex ist alles andere als „nur“ ein Club. Es ist ein alternatives Hausprojekt, das komplett von Freiwilligen getragen und genutzt wird. Unser Ziel ist es, in Schwerin ein alternatives/linkes Kulturprogramm anzubieten.“). Sowas müsste es viel häufiger geben und ist hier aus mehreren günstigen Umständen heraus entstanden, zum Beispiel standen die (ursprünglichen) Besitzer dem ganzen Projekt positiv gegenüber.

 

Kratzer

 

Soundcheck, Futtern (lecker) und Gespräche lassen die Zeit wie im Fluge vergehen, sodass es fast schon irritierend wirkt, als KRATZER loslegen. Die Hamburger überzeugen mal wieder mit ihrem eisenharten D-Beat/Crust. Besonders geil finde ich das Drumming, welches wirklich unbarmherzig ausfällt. Henning spielt wie ein Uhrwerk (allerdings geht keine Uhr derart schnell…), dabei mit Wucht und fieser Tightness. Wenn du denkst, dass dir gleich der Schädel platzt, dann zockt er noch ein rabiates Fill. Heftig aber auch Marcos Gekeife, welches Stücke wie „Error“ oder „Tunnelblick“ die angemessene Angewidertheit verleiht.

 

Immer wieder großartig: SARKAST! Hier gibt es mehr Metaleinflüsse, diese aber sehr roh und ruppig eingebracht und mit Crust, D-Beat und Hardcore/Punk vermengt werden. Man versteht natürlich so während des Zockens nicht viel, aber ich studiere noch an diesem Abend die Texte der neuen LP „De-Generation“ und entdecke viele interessante Aussagen! Zum Beispiel „Plastination“: „Nachbildung von Leben und Zivilisation / aus toten Geweben in der Isolation / Plasti-Nation / Verformtes Wesen in der Verpackungswelt / Optimiert und konserviert bis es auseinander fällt / Plasti-Nation / Ein Verhaltens-Regelwerk gebrüllt vom Abfallberg / Ästhetik konstruiert, Gefühle manipuliert / Streben nach polymer-geformter Schein-Vielfalt / Sterben in einem Meer aus Nicht-Nachhaltigkeit.“ Das peitscht rein!

 

Dolp

 

Ein schönes Paket ist das mit SARKAST und KRATZER. Musikalisch durchaus unterschiedliche Bands, die aber viele Inhalte und Ansichten teilen. Diverse Bekannte aus verschiedenen Städten tummeln sich im Mob. Auch schön: die Katzenvideos, die per Beamer an die Wand geworfen werden, natürlich auch während der Konzerte! Das motiviert. Zu Bodenrollern, neuen Songs, spackigem Tanzen und sich selbst das Mikro vorn Kopp hauen. Unser bisher schönstes Konzert in Schwerin? Auf jeden Fall herrlich.

 

Auch alle anderen Umstände vom Essen über die After-Dingens-Party bis hin zu den Schlafplätzen können unter „herrlich“ zusammengefasst werden – bis auf den Abfukker am nächsten Morgen: Reifen platt! Das Streckermobil besitzt zwar einen Ersatzreifen, dieser ist jedoch nur nach einer stundenlangen D.I.Y.-Schraubung aus seiner Verankerung zu befreien, da sich irgendwie wat verklemmt hat oder so. Zwischendurch sind wir schon nah daran, einfach den alten Reifen – mittlerweile neu aufgepumpt – dranzumachen, aber mittels etwas brachialerer Eingriffe und dem Einsatz der halben Komplex-Werkstatt gelingt es schließlich, das Ersatzbiest zu lösen. Rock on!

 

Argh