DIARY

Hamburg, Gaußplatz – 09.06.2017

14.06.2017 von Philipp

25 Jahre Gaußplatz!

In diesem Tagebuch geht es ja häufig weniger um die Band an sich, sondern darum, bisken die Umstände zu schildern. Vor Abzockern oder lieblosen Veranstalter*innen zu warnen. Aber auch im Gegenteil Freiräume zu feiern, die eine Alternative zum betongefickten Mainstream zeigen. Der Gaußplatz ist einer davon! 25 Jahre lang einen solchen Freiraum zu erhalten und zu verteidigen – das darf mensch mal würdigen und „auf die nächsten 250 Jahre“ rufen!

Als Strecker und ich auf dem Gaußplatz in Altona (hinter der Fabrik) eintrudeln, regnet es hartnäckig. Die Bewohner*innen, Organisateure und die Horden trinkender Punker*innen stört das null. Überall herrscht emsige Betriebsamkeit und an allen Ecken und Enden werden Dinge hin- und hergetragen. Wahrscheinlich räumt Punk 2 häufig einfach die Sache an den Ort zurück, von dem Punk 1 sie gerade hergeholt hat, aber hey, hier ist Bewegung in der Sache. Die Wagen sind mit Blumen geschmückt, es gibt selbstgezimmerte Stände mit Bowle, verschiedenen Snacks und einen tollen überdachten Tresen, welcher direkt gegenüber der ebenfalls liebevoll gebastelten Holzbühne steht.

 

Gaußplatz

Bild von Luke Stevens

 

Bereits jetzt trudeln auch Bekannte aus allen Himmelsrichtungen ein, ich erwähne hier stellvertretend einfach mal Ainstain aus Berlin. Noch vor den Restvladis kommen die RESTMENSCHen – zu Fuß und nahezu equipmentfrei. Drummer Philipp gesteht unserem Eric später, dass er sogar seine Sticks vergessen habe. Find ich total nachvollziehbar, würd ich auch so machen, wenn ich nicht, naja, „Sänger“ wär und damit eh schon nichts außer Kleidung und guter Laune mitbringen muss.

Irgendwie wämst uns Wurzel am Mischpult (Danke!) einen erbaulichen Sound zurecht und ab geht die vladiistische Sause. Toll: Kurz vor unserem Auftritt bricht die Sonne hervor und bleibt denn auch gleich. Endlich Sommer! Endlich Festival! Vor der Bühne ist dennoch eine respekteinflößende Schlammpfütze entstanden. In das Ding stürzen sich Hunde, Punker und sonstige Besucher*innen. Eine Frau, die eh schon aussieht wie aus Mad Max 3 entsprungen, springt mit derart viel Wucht in den Modder, dass Andi und ich bald von Kopf bis Fuß besprenkelt sind. So gefällt mir das, so komme ich in Fahrt. Übermütig springe ich unserem wackeren Bassisten auf den Fuß – ohne zu merken, dass ihm ob seiner dünnen Turnschühchen den Nagel ins Fleisch treibe und Andi mit wutverzerrter Fratze spürt, wie sich erwähnter Schuh mit warmer Suppe füllt. Bonded by blood? Als ich ganz am Bühnenrand stehe, trifft mich der – natürlich völlig gerechtfertigte – Tritt in den Arsch und ich segle gen Matschkuhle. Doch ein Wolter hat neun Leben! Eric schildert später, dass ich mich mit katzenartiger Schnelligkeit anhand einer Kralle am Querbalken des Vordachs festhalte – um dann wie ein Affe um den Balken zu schnellen und unverschlammt wieder auf der Bühne zu landen. Sensationeller Move! Ich bin selbst überrascht. Und zudem sind Andi und ich quitt, hat der Dreher doch einen schönen Kratzer samt Bluterguss hinterlassen. Passiert. Was war noch? Ein Punker hatte mich vorhin mit den Worten „Du siehst aus wie meine Mudder!“ begrüßt, was natürlich auf der Bühne gewürdigt wird – der Mann wird zu seiner attraktiven Erzeugerin beglückwünscht.

 

Arm

 

Nun können wir uns dem Genuss nach dem Genuss zu wenden. Es gibt lecker Suppe (heiß!), noch mehr Bekannte, mit RESTMENSCH (wie immer böse ballernder Punkrock, rüpelig rausgekotzt und mit super Texten), DEVIL’S DAY-OFF (unsere Gastgeber rocken, bis die Schlammpfütze trocken ist – HELLACOPTERS meets AC/DC meets KISS meets Zeitlosigkeit) und den 1977 (!) gegründeten RAZORS (richtig guter Auftritt!) ein grandioses Highlight nach dem anderen.

 

RAZORS

Bild von Luke Stevens

 

Herrliches Ding – wir werden sogar dann wiederkommen, wenn wir gar nicht noch einmal eingeladen werden sollten! Gaußies olé!

Hamburg, Bambi Galore – 12.04.2017

19.04.2017 von Philipp

FLOTS TILL DEATH!

Manchmal muss ‘ne Band Initiative zeigen: Als Tobi die Bambi-Veranstaltung „FLOTSAM & JETSAM plus Support“ erblickt, meldet er sich sofort bei Bambi-Booker Flo und verkündet ihm, dass dieser nicht weiter suchen müsse – der Support heiße nämlich VLADIMIR HARKONNEN. „Da kann ich ja jetzt nicht mehr Nein sagen…“, freut sich unser neuer Lieblingsveranstalter über den gerade geschrumpften Berg Arbeit.

Die Zeit verfliegt und schon sitzen wir im Streckermobil. Die ebenfalls angekündigten HOPELEZZ mussten kurzfristig ansagen, aber wie geplant sind die Hamburger Thrasher EXIT SMASHED mit am Start. Diese treffen wir gleich als erstes und es gibt ‘ne faustdicke Überraschung: Am Mikro steht nämlich seit kurzem Rotten Rolf von den THRASHING PUMPGUNS. Mit den Flots haben wir erst mal kaum Kontakt, aber wenn mensch konstant auf Tour ist, ist der Bedarf an Smalltalk vielleicht auch irgendwann gedeckt und die Band möchte sich einfach auf ihren Auftritt vorbereiten. Und natürlich hätten wir sie zugelabert, was für Fanboys wir seit der ersten Stunde sind, Aardshoktag, erste Tour mit MEGADETH (Markthalle!) und so weiter…

 

VRHN

 

Dafür gibt es ein feines Candle Light Dinner in diesem Restaurant, welches sich im selben Komplex wie das Bambi befindet. Mit Kichererbsen, höchst lecker. Überhaupt fühlen wir uns vom Bambi-Team um Tamara, Nelson, Flo und Gunnar (oder hängt der hier einfach nur früh rum?) perfekt umsorgt. Auf Flos Verkündung der neuen Regeln, dass es für Bands nur Wasser gebe, Bier am Tresen dagegen selbst bezahlt werden müsse, fällt dann auch keiner wirklich rein.

 

Fix füllt sich der Laden und bereits kurz nach Showstart von EXIT SMASHED heißt es, dass die letzten AK-Tickets weg seien. Ausverkauft, so gehört sich das! Die Hamburger Kollegen hauen richtig einen raus, geil gespielter Thrash mit Rolfs räudiger Röhre. Kurze Hosen und Schlafanzüge kann nicht jede*r auf der Bühne tragen, EXIT SMASHED können es. Die Setlist wird um ein THRASHING-PUMPGUNS-Cover erweitert, der im Mob befindliche Bassist Olli gleich zum Mitbölken vergattert. Diese entspannte Haltung finde ich sehr sympathisch.

 

VRHN

 

Wenn mensch vor einer Legende zockt, die seit über 35 Jahren dabei ist, ist eins völlig klar: Hier ist der Begriff „Vorband“ angebracht und die meisten Besucher*innen dürften eben vor allem an FLOTSAM AND JETSAM interessiert sein. Umso erbaulicher: Das Bambi ist knackevoll, die Loite stehen bis vor die Bühne. Vielleicht regnet es ja grad draußen, denke ich noch, aber der Auftritt macht dann arschviel Spaß. Wir nutzen unsere 35 Minuten für puren Vladiismus. Da flutscht alles, aber wir können uns auch auf die Zölck’sche Maschinerie verlassen, denn unsere beiden Brüder Zarc und Eric machen auch schon so lange zusammen Musik, wie die Flots existieren. Nur in der internen Kommunikation hapert es noch: In meiner Abwesenheit wurde nämlich kurz vorm Gig beschlossen, noch einen Song dazwischenzuquetschen – das EXODUS-Cover „Bonded By Blood“. Da mir das aber niemand gesagt hat, kündige ich als letzten Titel „Roadkill BBQ“ an. Eric hält sich an meine Ansage (guter Mann!), der Rest stürmt ins Gary-Holt-Riff. Nu, sowas passiert, geiler Auftritt trotzdem (oder gerade deswegen), ein Kompliment auch an den Mischer für hervorragenden Bühnensound.  

 

VRHN

 

Die Flots brennen dann das erhoffte Feuerwerk ab. Eric A.K.s Stimme klingt bei den ersten Songs noch etwas schmirgelig (was ich gar nicht schlecht finde!), wird im Verlauf des Sets aber immer cremiger, bis er im Grunde so klingt wie auf den ersten Alben. Und da die neue Platte ein Hammer ist, kann heute gar nichts schiefgehen. Neben neuen Krachern wie „Iron Maiden“ oder „Life Is A Mess“ feiert der Mob Klassiker wie „Dreams Of Death“, „Hammerhead“, „Desecrator“, „She Took An Axe“, „No Place For Disgrace“, „Doomsday For The Deceiver“ oder „I Live You Die“. Wir schütteln mittendrin unsere Rüben und schmettern mit, so gut es geht. Ein furioser Abend, FLOTS TILL DEATH!

 

Danke an die Bambicrew, EXIT SMASHED, FLOTSAM AND JETSAM, unser heutiges Merchteam Sabbel und Janina und natürlich Strecker, den sechsten Vladi!

 

https://www.youtube.com/watch?v=RcZyK9ISY2s&feature=youtu.be

Hamburg, Hafenklang (Goldener Salon) – 03.02.2017

22.02.2017 von Philipp

Eimer or die!

Obwohl wir lediglich in Hamburg spielen, die Entfernung also überschaubar ist, hätte ich es nicht geschafft, nach der Schule noch nach Kiel zu rollen und dann wiederum rechtzeitig an unserem Rendsburger Proberaum zu erscheinen. Somit reisen wir heute getrennt an – während der Rest der Vladis ins Streckermobil hüpft, nehme ich die Bahn und den direkten Weg nach Hamburch. Nun bin ich natürlich wiederum früher als alle anderen da und nutze die Zeit, um einen alten Schulkumpel zu besuchen. Boche, so heißt der, wohnt nur ein paar Meter vom Hafenklang entfernt und legt dort auch regelmäßig als DJ auf. Aus den geplanten zwei Bierchen werden dann doch ein paar mehr…


VRHN
Foto von Luke Stevens

 

Gut gelaunt trudele ich im Goldenen Salon ein, wo es gerade was zu futtern gibt. Es ist ‘ne Freude, die Nasen von TERRITION, SARKAST, Fab, Niels, den Rest der Klängcrew und meine Mitvladis zu begrüßen sowie das extrem schmackhafte vegane Gulasch zu genießen. Die Gönnung müssen wir nicht mal durch einen Soundcheck trüben, da diesen TERRITION übernehmen. Bald trudeln auch schon Besucher*innen ein und wir freuen uns über diverse bekannte Gesichter, darunter auch Leute, die uns irgendwie immer verpasst haben und heute zum ersten Mal sehen.

 

TERRITION haben immer noch keinen Bassisten im Line-Up, klingen aber heute trotzdem schon deutlich feister als im November auf ihrem Gig mit AGE OF WOE inner Alten Meierei. Damals konnte nicht die gesamte Haus-P.A. genutzt werden, zudem war Sänger Stefan sick und leicht heiser. Heute hat der Glatzkopf deutlich mehr Speck auf den Stimmbändern und wälzt sich growlend durch das Überschallgemeter wie ein Schwein durch einen Eimer Trüffeln. Eimer or die! Der Schlagzeuger ist ja eh ein Gestörter, was ich schon bei IMPLORE-Shows feststellen konnte. Da wird geblastet und gegrindet, dass sich angenehme Schwindelgefühle einstellen. Die fiesen Riffs verleihen TERRITION eine gewisse Nachhaltigkeit – guck ich mir wieder an.

 

 

Hafenklang

 

 

Das geschieht eher selten: SARKAST schaffen es, alle vier Vladis (Tobi ist verhindert) zu begeistern. Die Bremer bewegen sich im Bermuda-Dreieck von Crust, Powerviolence und Hardcore. Das ballert nicht nur gut, sondern bringt mit Titeln wie „Alptag“, „Komakollektiv“ oder „Lebensabführmittel“ auch inhaltlich was auf die Waage. Ich stehe ja auch darauf, wenn eine Band etwas zu den Songs erzählt und das tut der Sänger. Da wird der Finger ohne Umwege in die Wunde gesteckt, teilweise in wenigen Zeilen mehr ausgesagt als in ganzen Booklets anderer Bands. Beispiel: „Überall nur Gift / das Leben versifft / Hauptsache bunt, Hauptsache groß / Die Nahrung aus dem Chemieschoß / Du bist was du isst / Ein riesen Haufen Mist / Fauliges Fleisch wird angepriesen / vor Bildern von grünen Wiesen / Ihr habt anstatt Samen, / Pestizide in den Händen / Genfood sprengt den Rahmen / Wo soll das alles Enden?“. Nur passend, dass SARKAST Shirts mit Fairtrade-Zertifikat am Start haben, und das auch noch für 8,- Euro! Geiler Gig, Begeisterung.

 

Wie schön isses eigentlich im Goldenen Salon! Das darf mensch mal hervorheben, wenn der Blick nach links aus den Fenstern schweift und direkt Wasser, Hafen und das damit verbundene Gelöt wahrnimmt. Erinnert mich an die Konzerte im Musico-Gebäude an der Kieler Hörn. Ich war echt ein bisschen gespannt, wie wir heute abliefern würden. Denn eine gemeinsame Probe ist uns durch widrige Umstände mehrere Wochen hintereinander verwehrt worden. Doch Entwarnung – offenbar sitzt uns der Vladiismus so tief in der DNA, dass wir gar nicht mehr zu proben bräuchten, hehe! Zumindest flutscht das alles doch aufs Erbaulichste und kommt ziemlich tight aus den Monitoren gedonnert, wenn ich das Beteiligter überhaupt beurteilen kann. Das liegt natürlich auch am guten Bühnensound, also Danke an den Mischer! Wat ist ansonsten zu sagen? Zarc geht pissen, während das Intro bereits läuft. Irgendwer sifft die Bühne so mit Bier ein, dass alles rutschig ist. Wir huldigen Nadel, Faden und Punkrock, denn was ist schöner, als seine Klamotten wieder zusammenzuflicken, statt sie nur wegen eines zerfetzten Hosenbodens gleich wegzuwerfen? Und es gibt einen neuen Song namens „Anomie“ zu hören, aus einem Pool von verdammt vielen neuen Vladi-Songs übrigens… Der Auftritt macht richtig, richtig viel Spaß und geht tatsächlich als ein Vladi-Highlight in die Diary-Annalen ein.

 

Nächster Hamburghappen: FLOTS TILL DEATH!   

Flensburg, Hafermarkt – 25.11.2016

09.12.2016 von Philipp

Endlich 45!

Dieser Auftritt scheint zunächst unter einem schlechten Stern zu stehen. Denn Tobi wird auf einem Wochenendseminar („So kommunizieren Sie zielgerichtet“, habe nichts mit der Band zu tun, sagt er) geknechtet. Und ich stelle irgendwann fest, dass just an diesem Tag der traditionelle Weihnachtsbasar an unserer Schule stattfindet. Aber Horstgeburtstag ist nun mal Horstgeburtstag – da darf es keine Hindernisse geben! Es wird halt die reduzierte Vladi-Viererkeule geboten und ich bummele mit der Bahn hinterher – mein Geröchel beim Soundcheck wird ja wohl irgendwer imitieren können.

 

Knapp wird die Kiste aber schon, zumindest wenn mensch wie ich auch alle anderen Bands sehen will. So kann ich gerade von meinen Lehrerverkleidungsklamotten in eine Kluft steigen, die normale Menschen tragen, da beginnen auch bereits SCHÖNER STERBEN MIT HEROIN UND KORN.



VRHN

 

Ich drängele mich vor die Bühne und gebe mich dem Genuss hin. Die Lübecker*innen zocken Deutschpunk, der direkt ins Hirn schießt. Das rumpelt schön stumpf und „klingt wie ein asozialer Faustkampf“, wie Ullah in der aktuellen Bombe schreibt. Besonders gefallen mir die spackigen Moves des Sängers. Aber auch die Ansagen sind super, denn die Band hat mit Yuppies, Klerikern, Bleigießspießern und Nestlé-Ausbeutern klare Feindbilder. Auf ihrer Homepage bieten sie sogar ein Brettspiel an („Das Spiel des Sterbens - handgemacht und alkoholgeprüft. Traut Euch!“). Ob man bei den Ereigniskarten abwechselnd Heroin und Korn konsumieren muss?

 

DAS GERHARD HANSEN QUINTETT betritt die Bühne und ich kann mir nicht helfen: Die Typen kommen mir doch irgendwie bekannt vor? Aber die Klamotten bewirken einen gewissen Verfremdungseffekt. Denn es gibt Hemden, Anzüge, Krawatten und watnoch. Und die Dinger sitzen sogar, da wurde nicht einfach der jeweils ältere Bruder rausgekloppt. Hier dreht der Mob jetzt frei: Das Quintett flirtet mit Schlagern, die in pogotauglicher Manier gecovert werden. Und zwar richtig fiese Biester wie „Tränen lügen nicht“, „Verliebt in den Lehrer“ oder „Liebeskummer“. Als Freund ausführlicher Ansagen punktet der Sänger bei mir massiv: „Wenn ich euch so anseh – ihr kennt euch mit Liebeskummer auch aus.“, „Der nächste Song geht um Strand und wir wissen alle: Sex am Strand, das taugt nix! Heißer Sand, Alter!“ Der Schuppen ist optimal gefüllt, die Stimmung am Siedepunkt und Gebukind Horst Spider lächelt glücklich debil. Geil!

 

 

VRHN

 

 

Für die nächste Band verbannt mich Eric an den Merchtresen. Angeblich weil er irgendwas aufbauen müsse. Alter Trick, ich fall drauf rein. So kann ich KEVIN PASCAL nur von hinten sehen. Aber sogar von hinten sind sie schön. Und toll ist ja auch, dass man überall stolpernde Leute sieht, denn diese Stufen im Hafermarkt sind echt höllisch, zumal die Kombi zwielichtige Beleuchtung und Ölaugenmodus die Unfallgefahr deutlich erhöht. Seit dem letzten Gig, den ich von den Flensburgern gesehen habe, haben die ein Album mit dem cleveren Titel „Bunkerschelle“ rausgehauen (ich Idiot vergesse, das Ding heute abzuernten). PESFTFEST-Schlagzeuger Malte keift sich geil wütend durch den flotten Hardcore/Punk. Das geht ab wie Sau, da hat Horst Spider bei der Zusammenstellung mal wieder einen hervorragenden Geschmack bewiesen.

 

Ich schätze es ja sehr, dass in Läden wie dem Hafermarkt ein Konzert so richtig schön lange geht. Dat ist noch Punk, da wird nicht um 23.00 Uhr Schluss gemacht (mir ist gleichzeitig auch klar, dass es Läden wie die Schaubude gibt, in denen es nicht anders geht). Einfach die ganze Nacht durchziehen, gefällt mir. Wir feuern daher auch die Setlistvariante in „Rock-In-Rio“-Länge. Am Ende werden gar einige Stücke nochmal gezockt, weil irgendwie alle noch Bock haben und wir in der Viererbesetzung auch nicht alle Vladisongs spielen können. Dazwischen gibt es Faustkämpfe auf der Bühne, abgebrochene Songs wegen Gitarrenverstimmung durch Bühnenkollision, Bodenroller, Mikrogedresche auf wehrlose Bassistenköpfe… - ein reines Fest also. Nur eins enttäuscht: Als ich mir eine Topfpflanze zum Bespielen von der Wand reißen will, muss ich feststellen, dass diese eisenhart mit Draht an der Wand befestigt ist. Skandal. Die letzten zwei Songs sind dann unser Geburtstagsgeschenk an Horst Spider (das ganze Konzert zu verschenken wäre schließlich übertrieben). Wie schön, dass Horst geboren ist, wir hätten ihn sonst sehr vermisst!

https://www.youtube.com/watch?v=gm33t1loMs0


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Danach gibt’s noch DJ-Action, aber irgendwann hab ich auch 26 wache Stunden am Stück auf der Uhr und wir trollen uns. Wenn Horst uns echt WIEDER einlädt, kommen wir glatt nochma zurück! Danke für alles!

Kiel, Alte Meierei – 29.10.2016

05.11.2016 von Philipp

ZEHN JAHRE VLADIMIR HARKONNEN

Morgens, so 12.00 Uhr am Samstag. Strecker und ich betreten mit Armen voller Holz beladen die Meierei (Auftrag von Herb, der Ofen soll schön befeuert werden), wundern uns, dass bereits vier nette Leute in der Halle und in der Küche werkeln. Da werden Kartoffeln geschält, Dinge zerhackt, in der Küche dampft und brodelt es. Ob das…? Kann das… schon für heute Abend sein? Nee, das sind bestimmt einfach Leute, die gern im Kollektiv kochen oder so. Ich sag lieber nix Doofes, pack mein Holz an den Ofen und hinterlasse ein vages „bis denn dann“.

 

Nach dem Einkauf für meine Schlafgäste RESTMENSCH geht es auch schon zurück zur Meierei, um Drinks in die Kühlschränke zu packen und die Bühne herzurichten. Und was soll mensch sagen? Die Kochcrew ist immer noch am Start! Als ich den Backstageraum betrete, trifft mich der Schlag: Quadratmeter voller liebevoll zubereiteter Fressalien! Der Esshimmel ist eröffnet. Obst, Gemüse, Tofu, Dips – alles da. Und dazu ein Piratenschiff mit einer Gallionsfigur, welche aus ‘ner Karotte geschnitzt wurde!

 

Nach und nach trudeln RESTMENSCH, EMILS und MØRDER ein – bis auf Anna T, welche sich noch Hunderte von Kilometern entfernt auffer Autobahn befindet, da sie gerade von einer Tour mit ihrer anderen Band KALK zurückreist. Tight geplant. Schön ist heute der Umstand, dass wir zu allen Bands des heutigen Abends ‘nen persönlichen Bezug haben, denn die EMILS kennen wir seit den Achtzigern, mit RESTMENSCH haben wir schon mehrfach gezockt (außerdem ist TR ein alter Rendsburger) und MØRDER sind na klar Kieler Froind*innen. Gut gerade für eher soziophobe Typen wie Zarc, hehe.

 

VRHN

 

Anna Harder bringt die Plattenspieler aus dem Subrosa mit, welche wir netterweise für unser DJ-Set geliehen bekommen. Und den Vogel ballern die Freaks von Toanol Records ab, haben sie nicht nur einen Geburtstagskuchen gebacken, sondern auch noch Vladi-Plastikbecker anfertigen lassen. Auf der einen Seite ist unser Bandlogo druff, auf der anderen eine abgewandelte Version der Figur von „Into Dreadnought Fever“ mit einem „10 Years Of Pure Vladiism“-Schild aufm Buckel. Der Knaller dabei: Covergestalter Fritte hat diese Version des Männchens extra, quasi en passant, nochmal gezeichnet bzw. überarbeitet. Andreas: „Ich hatte den s/w Entwurf von ihm für die Blaue Scheibe reduziert und ihn gefragt, ob wir das so verwenden können. Da meinte er, dass das klar ginge und gab Tipps, wie es besser aussähe. Dann kam auf einmal von ihm ‘das Männchen bekomme ich sicher noch zwischen geschoben‘, schickte das Motiv dann nächsten Tag und meinte, dass wir das gern verwenden können.“ Inzwischen sind auch alle Soundchecks gemacht, Bocky hat das Pult im Griff. Die Cocktails werden na klar in den Vladi-Bechern serviert und auf zwei Bühnensegmenten steht Merch von FIRE & FLAMES, TOANOL und allen Bands. Und irgendwie trudelt die MØRDER-Sängerin doch noch gerade rechtzeitig ein. Doch bevor MØRDER loslegen, gibt es NOCH MEHR Geschenke - die Vladi-Ultras Stefan, Jannina und Dierk haben für uns T-Shirts gemacht, die exquisit sitzen und ebenfalls ‘nen Zehn-Jahre-Slogan featuren. Gierig!

 

MØRDER hauen ein fettes Brett raus, die Anlage wird ordentlich ausgelastet. Irgendwer fragt Bocky, ob er immer so eine Lautstärke fahre. Bocky: „Habe gerade gemessen. Sind meine üblichen 104 Dezibel.“ Genau richtig. Langsam freue ich mich auf die MØRDER-Aufnahmen, welche lediglich noch der Abmischung harren. Die Band ist deutlich abwechslungsreicher geworden, finde ich. Natürlich ballert es nahezu durchgehend, aber keinesfalls auf stumpfe Art und Weise. Also, eine gewisse Stumpfheit gehört natürlich zum Wesen von Crust dazu, schon klar. Aber Christian liefert die D-Beats mit Klasse, Pete streut unheilvolle Melodien ein, Anna wechselt zwischen Brüllen, Grunzen und Kreischen und Andi wechselt immerhin zwischen VLADI und MØRDER, (wobei er übrigens jeweils eine sehr unterschiedliche Zocktechnik nutzt, achtet mal drauf).

 

Gifts

 

Zu krass, wer alles so eintrudelt. Eine echte Überraschung gelingt z.B. Kai und Meyer 77 aus Düsseldorf (AK 47), einem Mob aus Braunschweig und ansonsten lass ich das lieber mit den Namen – wir freuen uns über alle!

 

RESTMENSCH haben dieses geil hektische Element in ihrer Musik, welches auch schon bei NEUE KATATROPHEN vorhanden war. Und ich steh auf Alex‘ Stimme, mit welcher er uns die krassen Texte mitten ins Gesicht rotzt. Die sollte mensch sich wirklich mal durchlesen, das ist harter Tobak. Man nehme z.B. „Die Rampe“:


Wut, die dich zum Weinen bringt
Angst, die dir den Atem nimmt
das Tor zu einer andren Welt
Asche, die vom Himmel fällt

Selektion an der Rampe

Hass. der dich beim Namen nennt
Stigma, das wie Feuer brennt
Züge rollen Tag und Nacht
transportieren die Todesfracht
Grenzenloser Hass

Braune Tracht und fette Wampe
Selektion an der Rampe
Deutsche Macht und fette Wampe
Selektion an der Rampe

Herraus herraus
zum nationalen Holocaust“

 

Da schreit Mayer 77 neben mir irgendwann urplötzlich, wie geil das sei und zeigt mir die Gänsehaut, die seinen Arm langsam in Beschlag nimmt. Geil!

 

Die EMILS überlegen, wann sie zum ersten Mal in der Meierei gespielt haben und einigen sich darauf, dass das vor 30 Jahren gewesen sein soll. Auch nicht schlecht. Für mich warense in den Achtzigern und frühen Neunzigern eine der besten Livebands überhaupt, also nicht nur irgendwie „aus Hamburg“ oder sonstwie lokal begrenzt. Und verlernt haben sie… nichts! Die Setlist umfasst Highlights wie „Viel zu langsam“, „Gerechtigkeit“, „Wer frisst wen?“, „Kirche Nein“, „Pass dich an“, „Abrechnung“ oder „Dummpunk“. Die brettern mit der typischen spielerischen EMILS-Finesse über uns weg und machen viele Besucher*innen glücklich. Ille ist ein charismatischer Bühnentyp, der kaum mal stillsteht und mit launigen Ansagen unterhält: „Ihr meint, vegetarische Ernährung sei automatisch gesund? Ich lebe seit zwanzig Jahren vegetarisch und guckt nur und seht nur, was aus mir geworden ist!“ (Wie er auf das Thema gekommen ist, weiß ich allerdings auch nicht mehr, haha.). Rundum gelungen! Nur hat Ille die Singles mit den Aufnahmen vom ersten Demo zu Hause vergessen. Aber sein Pech – nun muss er uns die Dinger per Post schicken…

 

VRHNVRHN

 

Hach, schon soll gezockt werden und ich habe das Gefühl, mit keinem und keiner ausreichend gesabbelt zu haben. So ist das wohl immer, wenn man selber feiert. Und eine Feier wird’s! Ich trete irgendwann schön ins Leere zwischen zwei Bühnenelementen und lege einen amtlichen Adler hin, den Horst Spider herrlich auf einem seiner Videos einfängt. Das Publikum ist für die bereits vierte Band erstaunlich vital. Aber wir haben ja auch Maddie als heimlichen Claqueur und Animateur, der alle gekonnt mitreißt und zu Höchstleistungen antreibt. Und bezahlt wird er dafür von uns lediglich mit Bier. Das SLIME-Cover „Schweineherbst“ ist mittlerweile richtig im Blut – musste ich mich bei den ersten Auftritten bei diesem Song doch sehr konzentrieren, flutscht er jetzt wie auf Autopilot. Den größten Spaß hab ich wohl beim erstmals live gespielten neuen Song „Anomie“, ein schneller Hardcorereißer mit Twin-Gitarren-Mittelteil. Das Ding bleibt danach als Ohrwurm in meiner Birne. Gutes Zeichen, das Projekt „GIFTGRÜNES ALBUM“ hat bereits begonnen! Was soll man sagen? Es geht viel zu schnell vorbei, aber wir widerstehen der Versuchung, Zugaben zu geben.

 

Schließlich kommt gleich danach das DJ-Set! FASTER-HARDER-WOLTER! Anna beginnt, während ich mich kurz umziehe und etwas runterdampfe. Natürlich geht der allergrößte Teil der Besucher*innen jetzt, aber das war uns im Vorfeld klar – vier Bands sind schließlich kein Pappenstil. Ein harter Kern bleibt und lässt sich zum Tanzen animieren. Bzw. zum Headbangen und Pogen. Obwohl es nun wirklich ausreichend Platz gibt, schafft es ein Typ, immer wieder in unser DJ-Pult zu kesseln… Aber es macht Laune. Es gibt Punkrock- und Metalklassiker von POISON IDEA über METAL CHURCH bis hin zu ACCEPT auffe Ohren. Am meisten Nasen locken aber interessanterweise CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL auf die Tanzfläche. Uns bockt dat so an, dass wir noch auflegen, bis wirklich der/die letzte gegangen ist. Irgendwann muss Schluss sein, schließlich gilt es morgen noch, RESTMENSCH zu befrühstücken und die Meierei aufzuräumen.

 

VLADI SAGT DANKE AN ALLE! Wer’s verpasst hat, kommt halt zu ZWANZIG JAHRE VLADIMIR HARKONNEN am 29.10.2026.

 

VRHN

Berlin, Tommyhaus – 10.09.2016

23.10.2016 von Philipp

Coole Kolonne mit versehrten Breaks

Natürlich ging es mir schon mal schlechter. Aber im Moment fällt mir nicht ein, wann das war. Es ist viel zu früh, auf meiner Stirn erscheinen sekündlich neue Schweißperlen, im Kopf dröhnt in fiesem Rhythmus ein Presslufthammer und mein Magen rumort. Ein erleichterndes Brechfest wäre jetzt was, kommt aber irgendwie nicht zustande. Ich schleppe mich unter die Dusche und versuche mich mit Heiß-Kalt-Wechselduschen fit fürs Frühstück zu machen. Klappt nur bedingt. Aber schließlich sitzen wir alle im herrlichen Garten der Uhlies und genießen das opulente Buffet, welches Bewohnerin Mo mit viel Liebe und Mühe angerichtet hat. Da muss der Magen sich beruhigen, denn dieses Mahl zu verschmähen, wäre schändlich unfreundlich. Obwohl die Uhr gnadenlos gen Nachmittag tickt, möchte Tobi dann noch gegen alle Vladis Tischtennis spielen – und verliert original gegen alle vier! So fahren wir immerhin mit vier gut gelaunten Menschen nach Berlin. Tschüss Uhlies, Danke für die Einladung – wir kommen gerne wieder!


Berlin

 

Beim Tommyhaus angekommen, begrüßen wir kurz Veranstalter Roy und die Crew, werfen unseren Kram ab und nutzen die bis zum Soundcheck verbleibende Zeit für ‘nen Bummel zum – haha, echt! – Brandenburger Tor. Eigentlich wären Sehenswürdigkeiten wie der Trinkteufel oder Coretex relevanter, aber wir haben keine zwei Stunden mehr. Tobi freut sich und kloppt sich ‘ne eklige Wurscht an den Neppständen im Zentrum des Touristenwahns rein. Bestaunt wird auch das Adlon und wir rätseln, an welchem Fenster wohl das Bild mit Michael Jackson und dem Kind entstanden sein möge.

 

Heute drehen wir die Reihenfolge ma um und sind daher als erste Band dran. Es kommen diverse Bekannte längs. Wir freuen uns u.a. über Dani (die hat sogar zu unserer Musik ein Bild gemalt, welches sie uns heute überreicht. Das Motiv sieht irgendwie aus wie eine fiese Qualle, was ja auch zu „Irukanji“ passt. Dit wird im Proberaum aufgehängt!), Jan (Ex-KURHAUS) vom TRUST, Metalmaniac Pete, eine anonyme Jugendliebe von Eric. Vorm Tommyhaus läuft entspanntes Streetboozing, dann legen wir los.


 

Berlin

 

 

Der zweite Tag ist irgendwie immer stärker als der davor. Obwohl wir bis auf die Zölcks kaum geschlafen haben, sind wir durchs Adrenalin voll am Start. Der Sound ist sowohl auf als auch vor der Bühne klasse, Kompliment an den Mischer, ein geil entspannter Hippietyp, der barfuß im Punkerladen rumläuft. Ich erwische Andi endlich mal wieder ein paar Mal mit dem Mikro am Hinterkopp – nicht, dass der Halunke sich noch irgendwann zu sicher auf der Bühne fühlt. Jederzeit kann es „thonk“ machen! Auch ansonsten läuft alles rund. Oder wie ein Freak danach formuliert: „Ihr seid echt ‘ne coole Kolonne! Ich stehe voll auf eure behinderten Breaks!“ (Wir weisen ihn natürlich darauf hin, dass das „versehrt“ und nicht „behindert“ heißt. Bisschen Sensibilität bitte!)

 

 

Stumbling Pins

 

 

Werden die STUMBLING PINS mit jedem Auftritt besser? Ich fürchte ja. Wohin soll das führen? Schon jetzt sprechen viele von Kiels bester Band. (Zum Glück sind wir ja Rendsburger.) Legitim, denn wer schreibt schon so verführerische Melodien und koppelt die mit derart guten Texten? Und besitzt so eine Bühnenpräsenz? PUNK, du Arsch. Auch die PINS haben einige Bekannte in der Hauptstadt, sodass ein entspanntes Tänzchen im Tommyhaus geht.


Tommyhaus

 

Herrlicher Abend. Für die Aftershowparty gilt der Klassiker: Heute fällt aus wegen gestern.

 

Danke an Roy & die Tommyhauscrew! Und an unsere Uhlies. We’ll be back!

Potsdam, U-24 – 09.09.2016

22.10.2016 von Philipp

In den Katakomben der Uhlies

In der Regel ist es am besten, ein Konzert mit langem Vorlauf zu planen. Entspannt Werbung machen und so… Manchmal vergeht aber auch so viel Zeit, dass die ursprüngliche Planung von der Realität überholt wird. So isses an diesem Wochenende: Eigentlich wollen wir schön mit drei Bands in Potsdam und Berlin zocken, neben STUMBLING PINS und uns Vladis auch unsere Froind*innen von RICH KIDS DRESS UP. Doch letztere müssen aufgrund von Krankheit beide Konzerte absagen. Gute Besserung! Dann ist der Mensch, der uns ins herrliche Wohnprojekt U-24 eingeladen hat, selbst gar nicht da, weil er einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt am Wickel hat. Und in Berlin ist aufgrund einer Kommunikationspanne gar keine Werbung erfolgt, obwohl der betreffende Flyer fast ein Jahr vorher fertig war – es hat den nur keiner dem Veranstalter geschickt… Gerade jetzt steht uns natürlich das Streckermobil nicht zur Verfügung und wir leihen uns den ROCK-TO-BUS aus Flensburg.

 

U-24

 

 

Das steht natürlich einem vladiistischen Wochenende nullinger im Wege. Bei den Uhlies spielen wir eh für die Bewohner*innen (und für das leckere Frühstück). Das Ding ist so schnuckelig, klein und gemütlich, dass mehr als zehn Menschen außer den Bands dort eh nur stören würden.

 

Trotzdem muss der Sound natürlich stimmen und so widmen wir uns nach dem exquisiten Essen einer ausgedehnten Klangcheckung. Die Gesangsanlage fiepst und windet sich, muss sich aber schließlich fügen. Die STUMBLING PINS bitten zum Tanz!

 

Ich bin der erste Käufer ihres pressfrischen Albums „Common Angst“, welches die PINS illegalerweise an diesem Wochenende noch vor dem offiziellen Release dabeihaben. JoyBoy hat das Ding bei Dremu als eine der Platten des Jahres und als seinen „persönlichen Olymp der besten Kiel-basierten Platten“ bezeichnet. Recht hat er! Live sind die neuen Songs ein unfassbarer Quantensprung zum bisherigen Material der Band, was sich u.a. in den Hooks von „Ode To Joy“, „Gentrifucks“ oder „Empty Pockets“ manifestiert. Willers Stimme droht zunächst etwas unterzugehen, aber Zarc schraubt immer wieder an den Knöppen, sodass sie sich schließlich ausreichend durchsetzt. „Shiver Alone“ besitzt ein unwiderstehliches Riff und „Off The Beaten Track“ eine melancholische Stimmung, von der ich nicht genug bekommen kann.


 

U-24

 

 

Wir sind bereits zum dritten Mal bei den Uhlies zu Gast und genießen auch diesen Auftritt. Der Zockraum hat immer noch dieses Flair aus zerrockter Punkkneipe und Baustelle. Ich bin überrascht, wie gut ich mich höre und so kann ausgelassen losgemetert werden. Da wir uns danach fühlen, gibt es heute unser Rock-in-Rio-Set, also die ausgedehnte Version inklusive Mitsingteilen, Garderobenwechsel (mehrfach), Drumsolo und Zugabenblock. Na gut, das mit der Soloeinlage ist gelogen.

 

Da heute in der Nähe eine Neunziger-Jahre-Party stattfindet, verschwinden fast alle Anwesenden, also echt die Besucher*innen, die Veranstalter*innen und sogar die PINS – zunächst bleiben nur wir und ein Tresengenosse. Letzterer geht dann auch. Somit werden Andi, Tobi und ich mit Unmengen von Bier, Schnaps UND einer Anlage alleingelassen, von der aus Andi auf seine Cloud mit ca. zehn Millionen Songs zugreifen kann. Au weia. Irgendwann  nachts stehen die PINS wieder im Raum und fragen uns fassungslos, was zur Hölle wir hier veranstaltet haben. Als ich das erste Mal aus dem komplett dunklen Raum stolpere, bin ich doch überrascht, dass mir grelles Tageslicht entgegenballert. Na dann mal gute Nacht, schließlich war Tobi noch nie (!) in Berlin und will noch das volle Touriprogramm. Ob uns das gelingen wird? TBC…

Rendsburg, Kulturfabrik auf dem Rendsburger Herbst - 27.08.2016

05.09.2016 von Philipp

FCK AFD!

Kurios. Paradox! Da spielt mensch an einem warmen Sommertag auf einer Veranstaltung, die sich Rendsburger Herbst nennt. Noch seltsamer scheint auf den ersten Blick das Oxymoron Punkbands auffem Volksfest. Denn der Rendsburger Herbst ist so eine Mischung aus Rummel, Mutantenstadl und Bierzeltfummlertreffen. „Das ist kleiner als die Kieler Woche, aber asozialer und die Leute saufen mehr. Rendsburg halt.“, erklärt Bocky. Aber die Sache relativiert sich, wenn mensch erfährt, dass die Crew der T-Stube eine alternative Bühne im Stadtpark organisiert hat, die Kulturfabrik. Da spielen wir dann doch gerne.

 

 

VRHN

 

 

Ohne Stresspotenzial ist die ganze Sache natürlich nicht. Letztes Jahr hat wohl am Rande des Stadtparks eine Gruppe Nazihools rumgelungert, wahrscheinlich um Besucher_innen der Kulturfabrik abzufangen. Eine größere Gruppe wird heute nicht gesichtet, aber vereinzelt T-Shirts von Thor Steinar, Frei.Wild etc.

 

Zunächst genießen wir die leckeren veganen Burger, die direkt am Grill vor der T-Stube klargemacht werden. Gerade spielt eine polnische Ska/Raggae-Band. Noch ist das Publikum derart bunt gemischt (Kinder tanzen vor der Bühne und es gibt viele Leute, die sicherlich noch nie in ihrem Leben auf einem Punkkonzert waren), dass ich mich frage, wie das wohl werden wird, wenn wir spielen.



VRHN

 

Aber bei RICH KIDS DRESS UP wandelt sich das Bild so langsam. Es erscheinen immer mehr übliche T-Stuben-Gänger*innen. Die RICH KIDS haben heute wat Melancholisches an sich. Denn leider ist es der letzte Auftritt mit Julian, der die Band aus privaten Gründen verlässt. Sehr schade, denn so gut wie heute waren sie noch nie. Herrliche Bassläufe von Julian, grandioses Gesinge von Svea, abwechslungsreiches Gitarrengezocke von Ulf und tief hängender Schlüpper von Tim. Erst im Nachhinein wird mir von einer Entwicklung mitten im Publikum erzählt: Ein Typ kommt mit Svea nicht klar, guckt entsetzt zur Bühne, murmelt erst „widerlich“ und brüllt dann „Schwuchtel!“ Was zur Hölle? Offenbar hat dieser Hinterwäldler ein derart retardiertes Frauenbild, dass er Svea mit ihren Plugs und teilrasiertem Schädel nicht als Frau wahrnimmt, sondern wohl denkt, es singe ein Typ in blauem Rock. Was ja für einen halbwegs weltoffenen Menschen nu auch nix Erwähnenswertes wäre.... Vollidiot halt, der nach entsprechender Ansage einer Freundin von Svea maulend abzieht – nicht ohne vorher noch mal zur Bühne zu rennen und der Sängerin den Stinkefinger zu zeigen. Svea hat natürlich gar nichts mitbekommen, hält die Geste für eine Beifallsbekundung und winkt lächelnd zurück. Beste Reaktion auf Hater, hihi!

 

Schnell noch Vaddern Zölck Ohrstöpsel geliehen (ich verschweige, dass die Dinger benutzt sind) und ab! Doch was ist das vor der Bühne? Ein richtiger Vladi-Mob aus Schüttelrüben und Punkern. Oder sollte man besser TOBI-Mob sagen? Denn dessen Name wird die ganze Zeit skandiert… TOBI! TOOOBIII! Warum nicht? Er spielt ja auch gut. Heute gibt es zwei Neuerungen bei uns: Zarc hat sich so’n Dingsie gekauft, mit welchem er Samples über die PA jagen kann und so ertönen an zwei, drei Stellen die Samples, die wir auch auf den Platten haben („Death For Profit“, „My First Rifle“, „Roadkill BBQ“). Und wir haben mit Tobi einen weiteren Song von der roten Platte einstudiert, nämlich „Divorce Divine“. Gern verbreiten wir die Ankündigung eines antifaschistischen Aktionstages gegen den Landesparteitag der AfD. Geilerweise reagiert der Mob mit „Ganz Rendsburg hasst die AfD!“-Chören! Ich zitiere mal einen Kollegen von PHANTOM WINTER, denn besser kann ich dat auch nicht sagen: „Ich fänds übrigens mal gut, wenn mehr Bands zu so ner AFD Kacke Stellung beziehen würden. Das ändert zwar nichts, man nimmt aber dadurch den Nazis immer mehr Bands, die sie hören können.“ Right on!

 

  VRHN

 

 

Insgesamt würde ich die Aktion als klaren Erfolg für die T-Stuben- bzw. Kulturbühnen-Orga sehen. Klar sind auch ein paar komische Gestalten angetanzt, aber so wurde mal etwas Gegenkultur gezeigt. Und außerdem hat es verdammt viel Spaß gemacht! Danke für die Einladung.  


 

VRHN

 


Braunschweig, Nexus - 11.06.2016

23.08.2016 von Philipp

Tick tick tick bääääääääääääääääääääääääääääääääämmm!

Noch begeistert vom doppelten Vlad auffem Wilwarin düsen wir gen Braunschweig, wo wir heute von MORIBUND-SCUM-Felix zur feinen HELL OVER BRAUNSCHWEIG-Festivität eingeladen sind. Ab in die Hölle Braunschweigs!

 

 

VRHN

 

 

Beim Nexus angetroffen erwarten uns Dinge: kühle Getränke! Bereits aufgebaute Plattenstände! Geliebte Menschen! Überraschungen! Gebratene Tauben, die einem von selbst ins Maul fliegen! Igitt, nee, das letzte nu doch nicht, das will ja auch keiner.

 

Eine Überraschung isses zum Beispiel, dass Tati nicht nur anwesend ist, sondern sogar mit einer neuen Band zockt. NEUROTIC EXISTENCE heißen die und Tati spielt da Gitarre und singt im Wechsel mit einem Schreihals namens Merleo. Wie schön! Denn aufgrund von Knoten auffen Stimmbändern musste Tati mit dem Schmettern aufhören, was ich als LOST-WORLD-Hörer hart schade fand. Nun geht es offenbar zumindest im Wechsel, halt etwas reduziert. NEUROTIC EXISTENCE eröffnen den bunten Reigen dann auch gleich. Es gibt Crust Punk zu hören, der schnell und mit unheilvoll klingenden Gitarrenmelodien meinen dreckigen Lauschern schmeichelt. Es gibt bereits ein Tape, welches vier Songs enthält. Geil: https://neuroticexistencepunx.bandcamp.com/releases

 

Die nächste Combo heißt PIG//CONTROL und überzeugt gleich alle Vladis, was ja bekanntlich sonst kaum einer Band gelingt. HardcorePunk aus Berlin, der mit viel Power vorgetragen wird. Der Sänger hat die Hummeln im Hintern und hält sich kaum auf der Bühne auf. So gefällt mir das! https://soundcloud.com/pig-control

 

 

VRHN

 

 

So, wir haben schön Vinyl abgeerntet, ein paar Getränke genossen und sogar noch eine Fotografin gefunden (Strecker ist heute verhindert, da müssen wir halt irgendwem die Kamera in die Hand drücken – Danke, Sarah!). Beste Voraussetzungen, um Vladiismus zu verbreiten. Das tun wir dann auch in den uns zur Verfügung stehenden 45 Minuten. Zwar kann das Nexus nicht mit Topfpflanzen aufwarten (verbesserungswürdig!), aber die Omma-Tapete samt Hirsch-Motiven ist definitiv eine Erwähnung und eine kleine Diskussionsrunde wert. Das Nexus ist gut gefüllt und pöbelnde/pogende Punx befinden sich in den vordersten Reihen. Läuft alles schön flutschig heute. Unser Froind Elias sagt später gar, dass ihm unser SLIME-Cover „Schweineherbst“ eine Gänsehaut beschert habe. Tick tick tick bääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääämmmmmmmmmm!

 

 

 

VRHN

 

 

 

Als nächstes spielen SVFFER, auf die ich mich freue wie Sau. Haben die Bielefelder*innen mich doch bereits auffem 2014er KIEL EXPLODE mit ihrer Hyperspeed-Kanonade mitgenommen. Leonie entlockt ihrer Kehle herrlich garstige Laute und der Rest bözlt ohne Schmerzen nach vorne, vergisst zudem die sludgigen Grooves nicht. Ich würde sagen, dass SVFFER dem Mob heute die stärksten Reaktionen entlocken, denn es drehen so ziemlich alle am Rad. SWIFFER haben mal wieder schön feucht durchgewischt!

 

NUCLEAR DEVASTATION hab ich gerade erst im April mit VIOLATOR genießen können (Bambi Galore). Die aus Amsterdam stammenden Freaks zocken eine zündende Mischung aus Blackened Thrash, Crust, Death und Punk. Richtig schön chaotisch und voller Energie, da mag ich gern zugucken. Die Band hat offenbar in den letzten Tagen (Wochen, Monaten…?) gut durchgezogen, zumindest gucken einige Mitglieder sehr verstrahlt aus der Wäsche. Single wird abgeerntet.

 

Mit DEATHRITE wird das HELL OVER BRAUNSCHWEIG zumindest auf der Bühne abgerundet. Ich bin mal wieder begeistert von den Jungs. Es müssen sowieso viel mehr Metalbands in autonomen Zentren spielen! Boss-HM-2-Pedal rules!

 

Danach gönnen wir uns die DJ-Action und schwingen das Tanzbein, bis wir auf Flips auszurutschen drohen, mit denen irgendwer hier rumgesaut hat.

 

Danke, Felix! Zwischen dir und dem Rest der Welt steht eine Glaswand. Wir kommen wieder. Wenn wir dürfen.

 

 

VRHN

 

Ellerdorf, Arsch der Heide - 04.06.2016

16.08.2016 von Philipp

Der doppelte Vladi!

Dieses Mal kein reiner Tagebucheintrag, sondern eine Patchworkartikel von www.dremufuestias.de. Es berichten JoyBoy, May-Britt, Steffen Frahm und Philipp:

Philipp: Space! Das ist das Motto des diesjährigen Wilwarins und ich sach mal: passt. Denn ins All schießen sich dieses Wochenende so einige. So sehr, dass einige sich danach gar nicht mehr sicher sind, welche Elemente der wunderbaren Deko real und welche vielleicht doch eingebildet waren. Als mindestens gesichert, da von mehreren Personen gleichzeitig gesehen, gelten in Dremu-Kreisen die Space Invaders über der Mainstage, eine Alf-Puppe in 'nem Käfig sowie ein immer wieder übern Camping Ground schwebendes Ufo.

 

 

VRHN

 

 

May-Britt: Beim Releasegig von Mantar war ich zu spät dran und wollte mir die neue Scheibe bei Blitz holen und dazu dann natürlich gleich noch n Wilwarinticket kaufen. Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass ich schon wieder zu spät war und die letzten Karten eine Stunde zuvor verkauft wurden... total ärgerlich! Auch die anderen Vorverkaufsstellen hatten keine Karten mehr. Also noch in "letzter Sekunde" zwei einzelne Tagestickets für insgesamt 91 (!!!) Euronen im Internet bestellt. Der Preis verärgert mich schon ein bisschen, denn es sind nicht mal nennenswerte Headliner dieses Jahr dabei. Aber drauf geschissen: das Wilwarin ist schließlich ein verpflichtendes Familienfest. Zum Glück konnte ich dann doch noch ein Ticket zum Normalpreis abstauben (Danke Anna+Tim!) und bin meine überteuerten Tagestickets auch problemlos losgeworden: es wurden ja tatsächlich auch Tickets bei Ebay für horrende Summen verkauft und es wurde sogar davor gewarnt, dass wohl auch Gefälschte im Umlauf sind. Nach allerhand Tickettrubel hatten dann auch alle Leute, die meiner Meinung nach nicht fehlen dürfen, die heiß begehrten Eintrittskarten oder noch begehrtere Gästelistenplätze ergattern können und es hieß ELL AWAITS :-)

May-Britt: Die Zeiten, in denen man mit nem Schlafsack, 5 Bier und 10Euro Taschengeld aufs Festival gefahren ist, sind nun endgültig vorbei und ich hab den Bus von meinem Fahrer ordentlich mit allerhand Geraffel und Luxusgütern wie ehebettgroßer Luftmatratze, Zeltventilator, Tisch usw vollgeknallt und es ging bei bestem Wetter und Hummeln im Hintern über die Dörfer Richtung Ellerdorf.

Bereits in der Autoschlange und beim Einlass hat man die ersten bekannten Gesichter gesehen und wir sind auch ziemlich schnell an dem sonst meist übelgelaunten und berüchtigten Zeltplatzein -bzw. abweisern vorbeigekommen und konnten unseren Kram aufbauen :-) Dass dieses Jahr einige hundert Karten weniger verkauft wurden, fiel nicht auf, denn der Zeltplatz war schon Donnerstagnachmittag ziemlich voll. Der restliche Donnerstag bestand darin, Freunde und Bekannte zu treffen, gemütlich zu grillen und 1-94 Cider zu trinken.

 

May-Britt: Nach einer anstrengenden Nacht neben dem "Vulvarin"-Partywohnwagen (Eurotrash ist ja schön und gut, aber doch nicht mit 5352524 Dezibel) und ner Tour zum Badesee gings dann endlich aufs Konzertgelände. Das diesjährige Motto war "Space" und die Wilwarincrew hat sich wieder viel Mühe gegeben und tolle Sachen gebastelt: von Hommages an StarTrek, über Spaceinvader-Videospiel-Krams und Alf im Käfig war alles dabei. Der allgegenwärtige Staub war sicher nicht Dekorationselement, hat mich aber stark an den SciFi-Klassiker "Dune - der Wüstenplanet" erinnert... oder Tattooine, den Heimatplaneten der Skywalkers. (Anm. Philipp: Ach, DESHALB wurden wir Vladis eingeladen!)

 

May-Britt: Die erste Band, die ich mir ansehe, ist EXPAND auf dem Second Ground. Expand spielen geilen Stoner und bieten eine gute Mischung aus gemütlich-mit-dem-Kopf-wackel-Parts und ordentlich Dampf: Genau richtig für den Start. Leider haben sie kein Vinyl, sondern nur CDs und Shirts verkauft, sonst hätte ich mir die Platte geholt.

May-Britt: Die Combo CRY MY NAME aus Rendsburg habe ich vorher tatsächlich noch nie gesehen, bzw. noch nicht mal etwas von denen gehört. Melodischer Hardcore mit ordentlichen Brüllparts und treibenden Sound schleicht sich in meine Gehörgänge und ich gehe nach vorne und "tanze" ne Runde. Endgültig überzeugt haben sie mich nicht, aber Cry my name bleiben auf meinem Radar und ich werde mir die sicherlich nochmal ansehen.

May-Britt: Danach geht es kurz zu TOKE, den ich mir wegen dem Namen mal ansehen wollte: poppiger Studentenreggae ist aber leider gar nicht mein Fall. Aber das ist ja auch das Schöne am Wilwarin: Für jede_n ist etwas dabei.

 

Philipp: Das Zelt ist aufgebaut, dringendste Bedürfnisse gestillt und so kann ein erster Blick aufs Programm Kenntnis darüber verschaffen, was mensch bisher verpasst hat: ZOI!S mal wieder! Diese Band werde ich wohl NIE live sehen können. Doch der erste Bühnengang verschafft uns gleich ein Festivalhighlight: SLYMER! Kelling knüppelt mal wieder, bis seine Birne rot anläuft, steht aber dennoch in den Pausen weniger auf als sonst. Beeindruckt bin ich auch von Olli, der noch krasser schreit, als ich es in Erinnerung hatte. Aber im grunde sollte mensch keinen Schleimkopf hervorheben, denn alle vier zusammen besorgen das Thrash-Gewitter, welches von Hardcore/Punk-Blitzen durchzuckt wird. Feini Schleimi!

JoyBoy: SLYMER sind dieses Jahr meine Eintrittskarte zum erstaunlich ausverkauften WILWARIN-Festival. Das mir bis dahin unbekannte Digitalpult, mit dem ich es zu tun bekomme, bestätigt mich in meiner Entscheidung, mit der ersehnten ersten Genussbetankung bis nach getaner Arbeit zu warten. Trotz größtmöglicher Gedankenschärfe brauche ich dennoch ein paar Songs, bis der Sound steht. Kommt aber dann ganz gut, was natürlich auch an SLYMER liegt. Souveränes Thrashgeballer mit eigener Note. Noch einen Tag später werde ich der Band zugeordnet von Leuten, die SLYMER mindestens ebenso geil fanden wie ich.


 

VRHN

 

 

May-Britt: Nach ner Runde Grillen, Cider und finnischem Minzschnaps gehts dann auf die Skaterstage zu SLYMER. Die Kieler habe ich mir schon mal in der Bude zusammen mit Problems angesehen und bin auch dieses Mal wieder begeistert. Ich kenne mich mit diesen ganzen strikten Genre-Klassifizierungen nicht so gut aus: Machen Slymer nun Hardcore oder ist das Metal? Auf jeden Fall sind sie ziemlich schnell und aggressiv, der Sänger "singt"/schreit wie ein geisteskranker Axtmörder und geht ab wie ein Zäpfchen. Die Leute vor der Bühne auch. Ein sehr geiler Auftritt. Edit: um dem Genre-Mysterium auf den Grund zu gehen recherchiere ich ein bisschen: auf ihrer Bandcampseite beschreiben Slymer sich mit den Tags: "Kiel, Krach, Metal, Kiel." Passt :-)

Philipp: Argh, NIGHT FEVER oder WUCAN? Diese Überschneidung ist mindestens so ärgerlich wie die von KZIMALPP und VRHN. Ich entscheide mich für erstere und bereue nichts. Denn diese Energie, welche von den Dänen freigesetzt wird, ist genau das, was ich jetzt brauche. Bocky findet ja, dass die Texte mit ihrem Copenhagen-Abgefeier so peinlich seien, dass er NIGHT FEVER nicht ernst nehmen könne. Das kann ich einerseits verstehen, da Patriotismus auch in der kleinen, lokalen Variante suckt, andererseits agieren NIGHT FEVER diesbezüglich noch vergleichslose harmlos (NYHC anyone?) und zudem sorgt gerade das etwas stumpfe Element der Dänen für ihre Durchschlagskraft. Diesbezüglich gehen Texte und Musik Hand in Hand: Brechstange statt Dietrich, Konfrontation statt Deeskalation. Unfassbar geil auch, wie Salomons Stimme rüberkommt – das ist eben keineswegs monotones Affenhardcoregebrüll, sondern transportiert auch räudig-reizende Melodien. Die Kirschen auffer Torte: die Fahrradhandschuhe des erwähnten Sängers!

Danach meint Stefan zu mir, ob NIGHT FEVER alles doppelt so schnell gespielt hätten. Es sei ja jedenfalls nur die Hälfte ihrer offiziellen Spielzeit rum. Moment! Erst die Häfte rum? Das heißt ja, dass ich noch etwas von WUCAN sehen können müsste! Hin da!

JoyBoy: Ich sag es allen die es hören wollen und allen anderen auch: ich halte NIGHT FEVER für die aktuell beste Hardcore-Punkband, besonders live. Die Band produziert enthusiastisches, komplett ironiefreies „Ouuuh yeah“!-Rockgepose und präsentiert sich dabei gleichzeitig als sympathischer Haufen handzahmer, szenebegeisterter Hardcorejünglinge. Seit Wochen habe ich mich auf dieses Konzert gefreut und auch wenn es etwas dauert, bis die nötigen paar mehr Leute merken, dass das, was da auf der Bühne passiert, total geil ist, werde ich nicht enttäuscht. Mein zuvor strahlend weißes, unter der Woche erworbenes SLYMER-Hemd verfärbt sich in Windeseile dem Teint des Bühnenvorraums entsprechend dunkelbraun. Ich würde sagen, nach dem Auftritt auf dem Pfingstfest 2015 der beste Auftritt, den ich von NF bisher gesehen habe. In der Songauswahl fehlt fast nichts – es gibt sogar mal wieder „Nuclear War“ zu hören und die Ersatzgitarristen absolvieren ihre anspruchsvolle Aufgabe ohne erkennbare Schwächen. Wie im letzten Jahr erlebe ich meinen persönlichen Festivalhöhepunkt bereits am frühen Freitagabend. Der Rest des Tages kann gemütlich und ereignisarm abgesessen werden.

 

May-Britt: Danach muss ich mich zwischen zwei Bands entscheiden und schaue mir erst NIGHT FEVER auf der Skaterbühne an. Die spielen ziemlich geilen Hardcore und mir wird gesagt, dass sei "typisch K-Town"... Kopenhagen kann anscheinend einiges. Erst dachte ich, dass die zwei Sänger haben, aber sowohl Gebrüll, hohes Gekreische als auch Pete Steel oder Glenn Danzig-mäßiges tiefes Gesumme liegen im schizophrenen Stimmrepertoire des Sängers. Nach 5-6 Songs mus ich mich auch schon von den Dänen verabschieden, da ich mir noch WUCAN auf dem Second Ground ansehen wollte.

 

Philipp: Schnell hindrängeln zu WUCAN, liebe ich doch vergleichbare Bands wie BLUES PILLS oder BLOOD CEREMONY! Der die Dresdner von diesen Bands abhebende Krautrock-Einfluss ist live noch stärker zu verspüren, wie ich auf Anhieb merke. Obwohl ich zu spät gekommen bin, saugt mich die Magie des Auftritts sofort zur Bühne. Dort haben sich nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Maddie und Tim bereits entkleidet, sondern augenscheinlich sind auch weitere Anwesende im hippieesken Ausziehmodus. Geht. WUCAN spielen einen zwischenzeitlichen Stromausfall einfach akustisch weg und kommen dann zu meinem Lieblingssong, dem deutschsprachigen und über 15-minütigen „Wandersmann“. Was für ein Hammersong, der live sogar noch krasser als Krätze unter die Haut geht. Francis‘ Stimme sort für nachhaltige Gänsehaut, Theremin und Flöte bimmeln und wimmeln mir quasi jetzt noch im Hirn herum.

May-Britt: Wucan spielen abgespaceten Psychedelicrock inkl. Theremin und passen wie die Faust aufs Auge zum Wilwarin-Feeling. Passend zu dem durchgeknallten Querflöten-Woodstock-Rock mit schöner Frauenstimme kommen auch Meddy, Tim und ein paar andere Teilzeitnudisten vor die Bühne und drehen durch. Auch toll ist, dass Wucan einfach improvisieren und eine Akustikshow machen und die gute Stimmung weiterhin aufrechterhalten als wieder mal der Strom ausfällt. Trotzdem schade mit dem Strom: hätte gern mehr vom Theremin gehört. Eine sehr sympathische Band, die mein persönliches (bandmäßiges) Highlight des Festivals ist. Die Platte "Sow the wind" ist auch schon aufm Spieler :-)

 

May-Britt: Nach dem betörenden Auftritt von Wucan geht es kurz zu STEAK NUMBER EIGHT, die ich mir aber nur für ein paar Songs anschaue, da sie mich nicht wirklich fesseln können und ich mehr Lust auf Zeltplatzaction habe.

May-Britt: Dafür sind THE MOTH aber umso besser. Das Trio spielt atmosphärischen und doomigen Weltuntergangsmetal. Der melancholische Gesang von Bassistin und Gitarristen gepaart mit energiegeladenen, schweren Gitarrenriffs finde ich sehr angenehm. Zu Hause höre ich mir das Album "They Fall" an und von Lied zu Lied gefallen sie mir besser. Viele solcher Juwelen wie The Moth gleichen dann auch die fehlenden "Headliner" aus.

Philipp: Wilwarin 2016 – wie immer in der Rückschau ein Sammelsurium aus Erinnerungen. Wir genießen die veganen Burger, hängen vor etlichen Bühnen mal kurz ab, treffen unzählige Menschen oder lassen uns einfach so treiben, bis DEAD HEADS uns wieder länger vor einer Bühne zu fesseln vermögen. Die Göteborger Rotzrocker erinnern mich daran, warum Bands wie GLUECIFER oder HELLACOPTERS mal so fesselten. Im Vergleich zu erwähnten Bands ist mehr MOTÖRHEAD und mehr Metal drin, aber mindestens vergleichbare Rotzigkeit bei hohem Hitpotenzial. Herrlich der (bewusst) leicht verwaschene Gitarrensound und natürlich Manne Olanders Gesang, der einfach 95% aller vergleichbaren Bands auf die Plätze verweist. Die Band liefert die erhofften breitbeinigen Posen, tritt enorm Arsch und ist zu dieser Tageszeit einfach perfekt platziert. „Loaded“ heißt deren zweites Album ja schließlich nicht umsonst!

May-Britt: Später in der Nacht tanzen wir dann noch ordentlich zu Fischmob, Smoke Blow und anderen Krachern aus der Dose vor der Tresenbühne und ich sammel anscheinend Unmengen an Pfandchips an... Bald habe ich einen Pokerkoffer voll ;-)

Philipp: Es ist zwar spät und der geneigte Wilwarin-Besuchsmensch hat den Tag früh begonnen, aber bei DISTILLATOR geben alle nochmal – genau! – alles. Eine amtliche Dosis Thrash Metal geht in meinem Buch immer. Schön, dass das auch aufs Wilwarin zutrifft. Das niederländische Trio hat mich bereits als Support von RAVEN und von METAL CHURCH begeistert und gibt auch heute wie erwartet Stoff ohne Ende. Wo viele Neo Thrash Bands zu modern klingen, wurzeln DISTILLATOR tief im Old School. KREATOR, SODOM, DESTRUCTION, Spandex, Patronengurte – mehr will ich gar nicht von Musik… Zum Glück haben DISTILLATOR auch in Ellerdorf ihr SLAYER-Cover „Black Magic“ am Start, welches die eigenen Geschosse „Revolutionary Cells“, „Bloody Assault“ oder „Shiver In Fear“ hervorragend ergänzt. Thrrrrrrrrrrrrrrrrash!

Tag 2

Steffen: Endlich mal wieder auf'm Wilwarin! Letztes Mal, als ich in der Klapse war, mußten sie 2 gestandene Musiker shanghaien, um mich zu ersetzen. Wir reisen getrennt an, einerseits weil Urlaubszeit is, andererseits, weil wir uns nach 10 Jahren on the road phasenweise nicht mehr ausstehen können; Gäde und ich als Erste, Ausladen, Rumlungern und Beef mit 2 Fungirls haben, die die harten Strahlen ihrer Waterpumpguns gezielt auf den Genitalbereich richten, so daß es aussieht, als ob, haha, genau. Eigentlich ja wirklich ganz gäckig, aber lustige Zwangseingemeindung war noch nie total unser Boogie. Ich muß außerdem sofort an diesen einen Ostzonen-Vorbilddeutschen denken, dessen Bild um die Welt ging, Hitlergruß und Pisseschatten, aber solche Assoziationen werden hier, wie schön, kontextuell im Keim erstickt, stante pede. Stulle rumpelt seinen blauen Logan (KZIMALPP uses & endorses Dacia), den er sich so gerade eben von den Tantiemen der Bullen-Splitsingle abgeknappst hat, erst kurz vor unserem Auftritt über die staubigen Wirtschaftswege im Rektalbereich der Scheunenbühne, auf der in früheren Zeiten bekanntlich das Ellerdorfer Waldfest stieg.

May-Britt: Der Samstag beginnt für mich relativ früh, da sich mein Zelt (trotz Zeltventilator :-D ) innerhalb von einer Stunde Sonnenschein in eine Sauna verwandelt hat. Also erst mal etwa eine Stunde in der Duschschlange anstehen und ne Runde mit den Mitwartenden schnacken, um sich dann vom Wüstenschmodder zu befreien. Nächstes Jahr könnte es ruhig ein paar mehr Duschen geben. Es gab vor einigen Jahren auch mal eine selbstgebaute Gemeinschaftsdusche (Gartenschlauch), vielleicht wäre das eine Idee für nächstes Jahr liebe Wilwarin-Crew? Wer sich nicht nackig zeigen mag, kann ja in Unterwäsche duschen und für die Dusch-Fanatiker gibts dann eben die Bezahl-Dixi-Duschen...

Philipp: Irgendwie ist es gestern doch sehr spät geworden und plötzlich erscheint es gar nicht so einfach, zwischen Aufstehen und RICH KIDS DRESS UP noch Tätigkeiten wie Frühstücken, Duschen und Haarekämmen zu quetschen. Ich gehe tatsächlich zum ersten Mal auffem Wilwarin duschen, wobei es die Duschen auch erst seit 2015 gibt, glaube ich. Die Schlange davor ist recht lang und scheint sich angesichts von lediglich zwei Duschkabinen in unfassbarerer Langsamkeit zu verringern, zumal ich ungeschützt der sengenden Sonne ausgesetzt bin. Aber umso schöner gestaltet sich der Zeitpunkt, als das kühle Nass in der kreativ zusammengezimmerten Kabine auf mich niederprasselt. Im Hintergrund höre ich Svea bereits soundchecken.

Steffen: Zu diesem Zeitpunkt flanieren Jochen und unser Manager Matthias Koch bereits selig untergehakt über die Festwiese, weil sie sich offiziell mit Dave Smalley bekumpelt haben, initiiert durch Gädes strategisch geschickt aus dem Wäschepuff gegrabenes ALL-Leibchen ("Hey man, nice shirt!"). Matze hat Smalley dann erstmal auseinanderklamüsert, was einige seiner Facebook-Freunde für Typen sind und für die Zukunft einen Job als Tourpromoter quasi schonmal angesät. Was ich außerdem lerne an diesem Abend: Vor Jahren habe Dave Smalley (Ex-All, Ex-Dag-Nasty) sich mal auf sehr amerikanische Art ungeil geäußert, "...irgendso'n Redneck-Scheiß...", aber was genau, weiß Matze Koch ausnahmsweise nicht mehr. Er hat Smalley aber erklärt, daß er das nicht gut fand, damals. Ach ja, und Jens Rachut, der heute mit ALTE SAU da ist und nach uns auftreten wird, ham se auch getroffen und sich gegenseitig versichert, daß sie sich kennen.

May-Britt: Nach einem ausgiebigen Katerfrühstück gehts dann auch direkt zum Badesee...da hätte ich mir das Gewarte auch sparen können...nun ja. Wir wurden innerhalb von 2Minuten direkt von einem freundlichen Typen mitm Auto rumgefahren. Der Badesee ist echt zu empfehlen: Schwimmen, Toiletten, Pommes, Eis, Duschen: und das nur etwa 2km vom Festivalgelände entfernt. Vor lauter Eis essen und baden verpasse ich leider RICH KIDS DRESS UP, aber die wird man mit Sicherheit in Zukunft häufiger sehen können.

RICH KIDS DRESS UP

JoyBoy: RICH KIDS DRESS UP sehe ich momentan sehr häufig, ist aber immer sehr gut und auch jedes Mal noch ein klein wenig besser als beim Mal davor. Immer sehr catchy und abwechslungsreich, auch wenn heute nicht jeder Song ganz wie geplant kommt, und Svea teilweise sichtlich Mühe hat, bei dem ungewohnten Tempo hinterherzukommen.

Philipp: Ja, Tim knüppelt ordentlich rein, was Svea immer wieder zu beschwichtigen Gesten treibt. Das stört mich aber weniger als die Tatsache, dass Svea wieder etwas zu leise im Mix ist. Denn gerade ihre Stimme ist der Hammer und müsste meines Erachtens nach richtig deutlich im Vordergrund stehen. Ich stimme JoyBoy ansonsten zu, dass RICH KIDS DRESS UP bis jetzt bei jedem Auftritt eine Steigerung hinbekommen. Heute gibt’s auch die EP mit Studioaufnahmen und gierigem Rednsburger-Hochbrücken-Cover, sodass Songs wie „Seabreeze“, „Awaking The Sun“ oder „Heartshape“ genauer analysiert werden können.

Steffen: Ich habe in der Zwischenzeit einen Teleskopstapler fotografiert (Seit mein Sohn seine Leidenschaft für Nutzfahrzeuge entdeckt hat, bin ich firm mit den Fachtermini), mich mit Zarc Harkonnen aufs Herzlichste über die Freuden des Spagats zwischen den Lebenssegmenten "Semiprofessioneller Freizeit-Musikant" und "Family Man" ausgetauscht, und wir sind eigentlich in Allem einer Meinung. War überfällig. Ich kenn' diesen Haudegen und seinen Bruder Eric Harkonnen, beide unkorrumpierbare Beherrscher ihrer Instrumente, seit 25 Jahren, und es ist immer wieder eine Freude, sie zu sehen. Leider finden unsere Konzerte parallel statt, und aus der theoretisch guten Idee, sich gegenseitig für einen Song auf der Bühne zu besuchen, wird natürlich nichts werden. Noch ahne ich nicht, daß es in gewisser Hinsicht gut laufen soll für mich, heute Abend...

MØRDER

JoyBoy: Endlich mal MØRDER! Darauf habe ich wirklich lange gewartet, schließlich eilt den beteiligten Musiker*innen in puncto Fähigkeiten ebenso ein guter Ruf voraus, wie in puncto Geschmack. Das muss schon ziemlich geil werden, um meinen Erwartungen einigermaßen gerecht zu werden. Wird es auch. Handwerklich stimmt – wie erwartet – alles und auch das Songmaterial weiß zu überzeugen. Es gibt diese Apocalypsen-Gänsehautmomente, auf die ich bei crustpunkigem Kram immer warte – zwar nicht das ganze Set über, aber irgendwo muss ja noch Luft nach oben gelassen werden. Interessanterweise kommt Annas Unterweltgeschrei im Kontrast mit ihren Ansagen, bei denen sie schlagartig sehr menschlich wirkt, noch krasser rüber.

Philipp. Bei MØRDER sind die Familien von Pete und Christian zugegen, was den Altersdurchschnitt gleich erheblich senkt. Ob dieses Geballer und Gebrüll angesichts von Minderjährigen im Publikum nicht einer freiwilligen Selbstzensur unterzogen werden sollte? Ach was, schließlich zeigt sich Anna als Hippie: „Wir liem euch auch, Aller!“ Konzerte auf der Skater Stage sind einfach geil – du kannst dein mitgebrachtes Dosenbier trinken, kannst dich auf’n Rasen legen und bei Bedarf problemlos diven. Allerdings fehlt ein Bierpils, mensch will ja nicht ständig wegen Biernachschub Songs verpassen. Dafür können natürlich MØRDER nichts, die wieder mal feist hinlangen. TRAGEDY, DISFEAR und Konsorten lassen aufs Angenehmste grüßen – ich kann sowas ja den ganzen Tach hören.

May-Britt: Zurück aufm Gelände ist die erste Band, die ich mir auf der Skaterstage ansehe, MÖRDER (mit dänischem ö). Richtig schönes crustiges Geballer zum richtig wach werden, teilweise ist es mir etwas zu brutal und disharmonisch, aber so gehört das eben ;-) Auf ihrer Facebookseite schreiben Mörder: MØRDER hassen so ziemlich alles, wenn es kein Bier ist.

Das hört man :-) Von den Texten verstehe ich nicht viel, dafür finde ich die Ansagen von Anna umso interessanter. Zum Beispiel geht es um Vladimir Putins menschenunwürdige Arschloch"politik" oder um Statements frei nach dem Motto "love sex. Hate sexism". Die werde ich mir in Zukunft hoffentlich häufiger ansehen.

KEINE ZÄHNE IM MAUL, ABER LA PALOMA PFEIFEN

VLADIMIR HARKONNEN – der erste Gig

Steffen (über den eigenen Auftritt): Während des Aufbauens, mit einer die Peitsche schwingenden und Mickymäuse tragenden Stagehand im Nacken, fällt mir auf, daß ich mein Streßbrett im Ü-Raum gelassen habe. Heiliger Strohsack. Ich überschlage die Setliste im Kopf und prognostiziere, daß es wohl auch so gehen wird. Nachher, beim Konzert, fällt mir auf, daß ich den Quatsch eigentlich kaum benutze; na gut, das Tremolo bei "Gebumst" und zwischendurch ma mit dem Delay HUUUIIIIIIII! machen, aber sonst? Der Feuervogel hält die Stimmung (im Gegensatz zu seinem Besitzer), also doch perspektivisch Kabel-rein-und-ab-die-Geige? Nö, 30% meiner Vorfreude sind über'n Nord-Ostsee-Kanal. Infolge des üblichen Sklaventreiber-Soundchecks verbiestert reißen wir im feedbackenden Krachgarten des beschissensten Bühnensounds aller Zeiten unsere 45 Minuten ab, einzig und allein getragen von der kollektiven Zuneigung einer willigen Meute. Die größte Diskrepanz zwischen "Drinnen" und "Draußen", die mir je widerfuhr. Danke, Leute, IHR habt es zu dem gemacht, was es war. Aber WIR ja irgendwie auch...Watt denn nu? Ich weiß es nicht. Zusammenräumen im Backstage-Wäldchen, ich lasse der nach uns aufspielenden, Zöpfe und Hut tragenden Bluegrass-Combo meine Kneifzange zum Saitenwechseln da. Bei Jochen und Matze flitzen die Merch-Artikel unterm Scanner durch, und Stulle muß GENAU JETZT dienstlich nach Oberhausen, um dort einem seiner Schützlinge beim Geburtstagfeiern zu helfen. Der sitzt morgen mit Papierhut auf dem Kopf auf dem Balkon um eine Torte rum und ist erst Montag wieder da. Surreal. Heftiger Typ.

JoyBoy:  Nach zwei – drei Songs der bestens aufgelegten VLADIMIR HARKONNEN, die ich heute endlich mal mit ihrem neuen Gitarristen sehen kann, eise ich mich los um ja nichts von KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN zu verpassen. Fiese, für mich wirklich schmerzhafte Überschneidung im Programm, für die ich aber später glücklicherweise entschädigt werden sollte. KZIMALPP habe ich nach langen vergeblichen Mühen in den letzten Jahren endlich halbwegs angemessen zu schätzen gelernt. Das alles überstrahlende „Leb so, dass es alle wissen wollen“, das auch heute den von vielen textsicheren Menschen begleiteten Höhepunkt im Set bildet, war vermutlich nicht nur für mich ein Aha-Erlebnis, was die Band angeht. Seitdem: Die-Hard-Fan! Voll aufgesprungen auf den Hype. Können ja nicht alle so früh schnallen wie Schrammi oder Philipp. Weitere Höhepunkte für mich heute: „Gewissensboogie“ , „Dem Teufel Geld“, „Postsexuell“. Toll.

May-Britt: Nach einer Verschnaufpause gehts dann wieder zur Skaterstage zu VLADIMIR HARKONNEN. Was für ein Fest! Fieser Sonnenschein, fieser 40Grad warmer Apfelkorn und schon nach den ersten Klängen von den Vladis verwandelt sich alles in einen riesigen staubigen Mob. Ich gebe das Fotografieren auf, weil schon beim zweiten Song Bierdosen und nackte Leute durch die Gegend fliegen und man bei dem Staub eh kein gutes Foto zu Stande bringt. Zur musikalischen Qualität muss man ja gar nicht mehr viel sagen: eine Band, die man sich immer wieder gern ansieht und ordentlich nach vorn brettert. Phillip gibt wieder mal alles und performt+brüllt auch liegend im Staubmob. Auch mein mindestens 40grad warmer Apfelkorn wird von Vladis ohne mit der Wimper zu zucken vernichtet. Respekt. Besonders schön fand ich das Slime-Cover Schweineherbst.

Philipp: Nun das Schlimmste, was einem Schreiber passieren kann: Textsortenüberschneidung! Konzertbericht trifft auf Tagebucheintrag, auweia. Als ob es nicht schon schwierig genug ist, die chillige Festivallaune wie eine Schlangenhaut abzuwerfen, aus der unerträglichen Leichtig- und Langsamkeit des Seins wieder in das Herumspringen und Geifern eines Hardcoregigs zu finden. Aber es funktioniert. Und es macht Spaß! Wenn die Leute nur nicht so viel Dreck aufwirbeln könnten! Wäre das nicht alles Wüstenplanetdeko zu Ehren des Baron Harkonnen, hätten wir uns bestimmt irgendwo BESCHWERT! Zum Glück erkennen die Menschen vor der Bühne unseren staubtrockenen Zustand und bespritzen uns mit Bier. Eine_r schleicht sich sogar von hinten an und schüttet mir einen ganzen Humpen über die Rübe. Den fest im Programm installierten Bodenroller darf ich laut Vertrag dennoch nicht streichen und krabbele danach schön paniert wieder auf die Bühne zurück. Ein Typ greift sich mein Mikro und äußert Unmut darüber, dass meine Ansagen nicht politisch genug seien oder nicht mehr so politisch wie früher. Diese gewagte These widerlegen wir mit einer entsprechenden Ansage zu SLIMEs „Schweineherbst“. Auch sonst fühle ich mich jetzt irgendwie gefordert und lege auf allen Ebenen unterbewusst noch ‘ne Schippe mehr Wut drauf. Insgesamt eine tolle Sache bei infernalischer Hitze.

Schade nur, dass wir KZIMALPP nicht sehen konnten.



VRHN

 

WORST

JoyBoy: WORST Astreiner Affenhardcore, eigentlich nicht so ganz meins, aber scheinbar bin ich grade prima primatenmäßig drauf. Auf jeden Fall hab ich das Konzert und das Gemoshe drumrum, inklusive des menschenschmeißenden Kelling, in sehr guter Erinnerung.

ALTE SAU

Steffen: Ewig nicht auf'm Festival gewesen; erstmal adaptieren. ALTE SAU gehen mir nach 1,5 Stücken auf den Keks, ich kuck mir mal den Slot an und ende am just angefachten Lagerfeuer. Die Reizüberflutung läßt nach, allmählich komme ich hier an.

JoyBoy: Bei ALTE SAU schaue ich interessehalber natürlich mal rein, schließlich konnte ich Rachut (Genau, dieser schräge Typ, der so viele sehr gute Punkbands maßgeblich mitzuverantworten hat!) bisher nur mal in einer Theaterinszenierung von STUDIO BRAUN live sehen. Leider entwickelt sich das Konzerterlebnis für mich ähnlich wie meine Versuche, mich mit den Arthausfilmen von Helmut Berger anzufreunden: die gewollte Sperrigkeit der kunsthabitusgeschwängerten Darbietung strengt mich nach ca. 10 Minuten so heftig an, dass sich mein simples Gemüt nach niedrigschwelliger Unterhaltung zu sehnen beginnt. Da nützt es dann auch nichts mehr, dass der jeweilige Hauptdarsteller n geiler Asi ist.

Philipp: Hm, ich kann mich in diesem Fall meinen Vorrednern so gar nicht anschließen, was vielleicht der Tatsache geschuldet ist, dass ich beide Alben von ALTE SAU besitze, mit dem Songmaterial der neuesten Rachutband somit schon im Vorfeld vertraut bin. ALTE SAU verzichten halt auf Gitarren und diese WIPERS-Klampfe war natürlich schon bei den meisten Rachut-Sachen vorhanden. Bei ALTE SAU gibt es im Kern „nur“ Orgel, Schlagzeug und Gesang, was einige als anstrengend empfinden mögen. Für mich sind aber Rachuts Texte und seine Stimme (seit einiger Zeit auch der Wechselgesang) DAS tragende Element schlechthin. Den Wechselgesang von Orgelqueen Rebecca Oehms ergänzen noch zwei Backgroundsängerinnen mit verstörenden Chören. Textlich findet mensch bei Rachut wieder diverse Tiermetaphern, welche häufig menschliche Ängste thematisieren: „Möchtegernwolf, du riechst nach Urin / deine Haut besteht aus Schulden und drei Sorten Flöhen / bist jetzt viel zu alt / keiner will dich nehmen / du stinkst wie ein totes Reh“ („Drei Sorten Flöhe“). Das versteht man auch live rein phonetisch gut, aber während der eine halt ratlos mit den Achseln zuckt, fährt die andere erschrocken zusammen, weil hier irgendein Nerv getroffen, etwas Vertrautes mit Worten umschrieben wird, die bisher für rein privat gehalten oder noch gar nicht gefunden wurden. Toller Auftritt!  

DAVE SMALLEY

Steffen: DAVE SMALLEY und sein korkenziehergelockter Kollege Pablo sind fast so gut wie das in-depth-Gespräch, daß ich bis dahin mit John Jet geführt habe, meinem Graue-Zellen-Freund-und-Kupferstecher, meiner politischen Leitfigur aus alten und irgendwie doch nicht so schlechten Tagen über der Hohen Straße in Rendsburg. Smalleys metallicblaue LesPaul und Pablos Westerngitarre, auf der er einen formidablen Leadjob erledigt, das funktioniert erstaunlich gut. Zwar waren mir ALL und DESCENDENTS und solche Bands irgendwann immer zu wenig depressiv, aber gegen einen guten Song habe ich noch nie was einzuwenden gehabt. Ich kann außerdem was anfangen mit alten Säcken, die eine Geschichte haben und mir mit der Credibility ihrer mehr oder weniger ausgeprägten Abgewohntheit erzählen, ich solle jeden Tag so leben, als wäre es mein Letzter. Das Proclaimers-Cover "I'm Gonna Be (500 Miles)" gefällt mir am besten. Gäde erlebe ich nach dieser gelungenen Show für seine Verhältnisse geradezu euphorisiert, Matze Koch schielt vor Glück.

VLADIMIR HARKONNEN – der zweite Gig

 

 

VRHN

 

 

JoyBoy: VLADIMIR HARKONNEN Glücklicherweise fiel irgendeine Band aus, die ich eh eher doof fand, so dass ich doch noch die erstaunlich gelungene „Schweineherbst“-Coverversion live erleben durfte, wenn auch leider nicht wie erhofft mit Jochen als Gastsänger. Nachdem ich das Gefühl hatte, bei VH im positiven Sinne zu wissen, was mich bei den Konzerten erwartet, werde ich an diesem Abend überrascht. Irgendwie passt die Chemie zwischen Band und Publikum heute besonders gut und Henrik sorgt wie schon am Nachmittag für einen sehr guten Sound. Auf jeden Fall entfaltet sich ein angenehm aus dem Ruder laufendes Konzert – eins der besten der Harkonnens, möchte ich behaupten.

Steffen: Und dann setzt die glückliche Fügung, daß die mächtigen VLADIMIR HARKONNEN für die unpäßlichen VÖGEL DIE ERDE ESSEN einspringen, einem zwischenmenschlich schon mehr als üppigen Abend die Billing-Krone auf. "Wer vorhin bei La Paloma war, der hat das rrichtich gemacht!" grunzt Philipp Wolter, und dem kann ich nur beipflichten! Ich war ja auch bei La Paloma, höhö. Plötzlich steht John hinter mir, der's noch nie recht hatte mit Metal (Später lege ich ihm Frank Schäfers "111 Gründe Heavy Metal zu lieben" ans Herz) und den mein am Lagerfeuer gemachtes Bekenntnis, da wieder dran zu sein (wenn auch eher an den zähen Mehlschwitze-Spielarten des Genres), moderat erstaunte. "SO macht mir Metal Spaß!" brüllt er mir ins Ohr. "Für den Erhalt autonomer Zentren!" röhrt Phil, und ich sag zu John: "Ey, der hätte auch von dir sein können, früher!" Wir feiern diese Funken sprühende Kurzstreckenrakete von einem Auftritt ab, wie wir früher Sachen abfeierten, die's wert zu sein schienen und lachen uns kaputt über Wolters Sternstunden der Ansagenkunst; z.B., daß er nach lobenden Worten über die stilistische Vielfalt und das harmonische Miteinander der musical tribes auf dem Wilwarin, kühn metaphert: "VIELLEICHT IS DER MENSCH DEM MENSCHEN JA GAR KEIN WOLF SONDERN, öh, 'NE KATZE ODER SO..." Und dann ist da dieser eine, sehr besoffene Kurzbehoste, der Gäde bei Dave Smalley schon innig auf den Mund küsste (worauf ich ihm den bei unserem Gig auf die Bühne geworfenen Teddy zum Abwischen reichte) und der jetzt Philipp Wolter herzhaft wühlend berüh-, nein: ANFASST, wann immer sich die Gelegenheit findet. Bald ist der Moment wieder da, wo Wolter es, jetzt mit ersten Anflügen von Ratlosigkeit, über sich ergehen läßt und schließlich kommentiert: "Bist eher so der haptische Typ, ne? So'n SÄNGERANFASSTYP..." - worauf die jederzeit feuerbereite Band sich in ihr nächstes Stück stürzt. Die Power und die feist Grimassen ziehende Unmittelbarkeit sind überwältigend. Sehr geil auch die beiden Gitarristen mit ihren schwarzweißen Flying Vs (Der Neue eine von Epiphone, Zarc natürlich 'ne Gibson). Und Es-gibt-nur-einen-Erich-Ulrich, der auch im über-500-bpm-Bereich das Metrum hält wie eine alte Uhr auf Speed. Geile Typen, alle! Eine von der ersten Sekunde an überzeugende Kombination als altem Thrash, altem HC einer glasklar vertretenen politischen Haltung und...SPASS! Und sie covern "Schweineherbst". John Jet steht neben mir, wir grölen mit, da vorne steht Zarc in seinem Poison-Idea-T-Shirt, und ein alter, meinerseits fast schon aufgegebener Kreis schließt sich. Das ist so schön, daß ich am nächten Morgen Tränen in den Augen habe.

May-Britt: Da das Wilwarin mittlerweile echt länger her ist, kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, was ich denn noch alles so gesehen habe. Anscheinend nichts, was einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. The Dead South hätte ich mir noch gern angesehen, aber die habe ich aus irgendwelchen Gründen verpasst. Ich kann mich nur noch schemenhaft an den DOPPELTEN VLAD erinnern. Vögel die Erde essen, eine Stonerband mit komischem Namen, konnten nicht auftreten und Vladimir Harkonnen sind netterweise eingesprungen. Diesmal auf dem sogenannten Secondground. Für mich ists die Tresenbühne. Auch hier ist es wieder mal staubig, laut und voll. Sehr geiles Ding!

Philipp: Irgendwann zwischen erstem Vladi-Gig und ALTE SAU erreichte mich die Nachricht, dass wir einen zweiten Slot wahrnehmen könnten, da eine Band absagen musste. Auch ich stimme natürlich begeistert zu und so finden wir uns um halb zwölf beim Second Ground ein, um nochmal zu ballern. Der doppelte Vladi! Für Andi, der ja auch bei MØRDER basst, ist es heute sogar der dritte Auftritt an einem Tag, was  womöglich irgendeinen Wilwarin-Rekord darstellt. Steffen, May-Britt und JoyBoy haben das so schön beschrieben, dass ich da kaum noch etwas hinzufügen vermag. Aber auch aus Bandsicht lässt sich bestätigen, dass dies einer dieser Auftritte ist, bei dem irgendwie alles stimmt, der etwas Besonderes ist. Die Bedingungen sind schon mal top: Henrik ist zwar im Vorfeld nervös, weil er schon viel über klangliche Schwierigkeiten des Second Ground gehört habe, kriegt das aber super hin, wie uns später wiederholt von außen zugetragen wird. Auch der Bühnensound, den ein separater Mischer besorgt, ist überdurchschnittlich. Dazu ist es kühler als um halb sechs, was den Mob viel aufgekratzter und lebendiger erscheinen lässt. Und man lebt als Sänger natürlich gerade in den Pausen von dem, was so kommunikativ aus dem Publikum kommt. Und da kommt so einiges. Der erwähnte Anfasstyp wird von weiteren Bühnenmarodeuren und Zwischenrufer_innen zum Teil noch getoppt, immer wieder werde ich ins Publikum gerissen, es werden Backpfeifen verteilt und der nervige Pfeiler mitten in der Bühne endlich mal sinnvoll als Garderobe genutzt. Wenn ich allerdings gedacht hätte, dass es unterm Dach weniger Dreck geben würde, so sehe ich mich getäuscht: Es wird vielmehr deutlich mehr Schmodder aufgewirbelt, der sich bald hinter meine Kontaktlinsen setzt und mich fast den gesamten Gig über blind über die Bretter stolpern lässt. Trotzdem ein reiner Hochgenuss. Danke, Wilwarincrew für die doppelte Ladung Vladiismus!

 

 

VRHN

 

 

INSANITY ALERT

JoyBoy: Angestiftet durch Kelling sammle ich ich mich nocheinmal für den späten Auftritt von INSANITY ALERT aus Ösiland, was mir mittlerweile nicht mehr ganz leicht fällt. Andi unterstützt mich dann glücklicherweise moralisch an der Bar. Als INSANITY ALERT dann schließlich loslegen, schläft Kelling, während mir schlagartig jede Müdigkeit aus dem Körper gemetert wird. Alter Schwede: MUNICIPAL WASTE geteilt durch OI POLLOI. Ich raste aus! Der Sauf-und-Kiff-Thrasher-Humor der Band drischt in meinem Zustand zielsicher auf einen offenliegenden Nerv ein. Spätestens beim „Run to the hills“-Cover, bei dem im Refrain publikumsanimierende Plakate keine Fragen zu den vorgenommenen Textmodifikationen offen lassen („RUN TO THE PIT!“ bzw. „MOSH FOR YOUR LIFE!“) hat die Band die Menge heftigst im Griff. Späte Überraschung und nochmal ein echter Höhepunkt. Ich sehe mich amüsiermäßig nunmehr für dieses Jahr im Soll und gehe schlafen.

Philipp: Ich bin eigentlich richtig hart im Eimer, kann mich aber nicht vom INSANITY-ALERT-Auftritt losreißen. Beim Umbau hatte ich ‘nen kurzen Schnack mit der Band, der mich sie als sympathisch und interessant zugleich hat wahrnehmen lassen. Das ganze Gedöns wie Aufsteck-Krabbenhände („Confessions Of A Crabman“ oder so), Schilder mit Aufforderungen wie „Mosh!“, die im richtigen Moment präsentiert werden (Gitarrist shreddert wie Hölle, Sänger hält ein Schild mit Pfeil und der Aufschrift „This guy!“ hoch), oder durchgeknallte Sehhilfen unterstreichen nur den musikalischen Irrsinn, der in der Tat vor allem an Bands wie MUNICIPAL WASTE erinnert. Der Sänger ist ein agiler Kerl mit erstaunlich morphbarer Physiognomie , der den Pit immer wieder zu nächtlichen Höchstleistungen antreibt. Innsbruck mosh!

May-Britt: Danach wird wieder ordentlich zu Musik aus der Dose getanzt und noch mehr Pfandchips angesammelt.

Und sonst so? Die Elektro und Reggaestage sind dieses Jahr völlig an mir vorbeigegangen. Die Leute dort schienen aber ihren Spaß zu haben. Auch toll sind die riesigen Diy-Hollywoodschaukeln und die liebevoll gestaltete Deko.  Einen Fotoautomaten gabs wohl auch, muss bei der Selfiegeneration wohl sein. Das Publikum war insgesamt sehr durchmischt, von jungen Abiturientenhipstern bis Altpunks, von zotteligen Hippie-Omas bis finster dreinblickenden Metalern war (für) alles und jede_r (etwas) dabei. Das macht für mich auch zum Teil den Reiz des Wilwarins aus :-)

Auch wenn die Stimmung auf dem sich schon nahezu komplett geleerten Festivalgelände schon geradezu postapokalyptisch war, wurde noch gemütlich gefrühstückt und ausgekatert. Schade, dass viele Festivalbesucher trotz Müllpfand so unglaublich viel Schrott und Zelte stehen lassen...

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen unseren Fahrer richtig doll zu nerven und nackt, bierdosenwerfenderweise im Auto rumzugröhlen (er würde es mit Sicherheit auch tun), aber wir waren wohl viel zu zerfeiert und tiefenentspannt vom wilwarianischen Hippiefeeling.

Ich freue mich jetzt schon wieder total auf nächstes Jahr!!

 

Philipp: Ein herrliches Wilwarin geht zu ende? Noch lange nicht! Aber ich resümuiere, dass es für mich eins der schönsten Wilwarins war. Perfekte Stimmung ohne Stress, krass gutes Wetter, tolle Bands, die zwei eigenen Gigs, Liebe und Bier. Der Dachs ist im Bau!