DIARY

Warendorf, HoT - 07.11.2015

15.11.2015 von Philipp

Heavy Metal Kind / die Haare wehen im Wind / du willst nicht studieren / du willst dich tätowieren

Eingeladen vom KEZZA-Commaaaander Oliver konnten wir na klar nichts Anderes tun als hier zuzusagen. Seine Ankündigung „Am 07.11. wird es eine Sause der Sonderklasse geben: Der altehrwürdige ZITRONENHUND präsentiert: keZZa, Vladimir Harkonnen und Ghoststreet! H.o.T. Warendorf. Yeeehaaaa!!! What a package!!! Wer an besagten Tagen nicht kommt, wird mit Furunkeln nicht unter zwanzig im Gesicht bestraft.“ lässt die Vorfreude noch mal massiv steigen. Leider müssen KEZZA selbst krankheitsbedingt kurzfristig absagen (gleich zwei Leute aus der Band sind betroffen und es geht nicht um ein bisken Schnuppen). Da erscheint unser Pech, dass die Bremsen des Streckermobils upgedatet werden müssen, vergleichsweise gering. Fahren wir eben mit zwei PKW.

 

Auf der Fahrt fällt uns auf, dass es irgendwie immer wärmer wird. T-Shirt-Wetter im November, ein Hoch auf die Erderwärmung. Wenn schon alles zur Hölle geht, wollen wir vorher wenigstens noch hedonistisch feiern. Am HoT gibbet eine wahre Begrüßungsorgie, trudeln doch mit der Zeit immer mehr Bekannte ein, die wir viel zu lange nicht gesehen haben. Erwähnt seien Jasmin Benz & Hood, Helge Schreiber, Mike Haase, Sandra, König Metalgott, Bobec Kabumsky, Maura Jüttner, Klaus Jungblut und natürlich die GHOST-Street-Menschen sowie die KEZZA-Freaks, die trotzdem kommen, soweit sie denn können! Ich habe schon länger nicht so viele gesichtstätowierte und überhaupt komplett zugehackte Menschen auf einen Haufen gesehen, haha. Das liegt natürlich ganz klar an GHOST STREET, die hier keine Ausnahme bilden, im Gegenteil. Herrliche Typen, die wir sofort ins Herz schließen. Bier, veganes Futter, Bier, Chillen, Soundcheck, Bier, Gespräche, Bier und Gefasel bestimmen die nächsten Stunden.

 

Eric

Fotos von Bobec Kabumsky 

Und ab! Ah, was macht das Spaß! Es ist schön laut und der Sound drückt mir selbst fast die Nase platt. So mag ich das und da wir uns hier so wohlfühlen, können wir uns total fallenlassen und maximalen Vladiismus versprühen. Es ist angenehm gefüllt und der Mob kontert unseren Lärm mit Applaus, Bierfontänen und Liebe. Da roll ich mich doch gern über den Boden, der sich übrigens als angenehm kühl erweist, sodass ich allen Anwesenden das Ausstrecken auffem Boden sehr empfehle. Negative Aspekte? Nun, die Bühnenhinterwand ist rot, mündet in so Art gelbe Holzverkleidung und wir haben unser schwarzes Backdrop drübergehängt. Das ergibt eine leicht abstoßende Farbkombi, wie uns während des Auftritts auffällt. Sieht so aus, als spielten wir vor einem schwarz-rot-goldenen Hintergrund… Hemmungslos werden alte, neue und ganz neue Stücke runtergepügelt, auch von unserer kommenden EP finden drei Songs den Weg in die Setlist, nämlich „Ticking Bomb Scenario“, „Deaf To Your Rant“ und das SLIME-Cover „Schweineherbst“. Nur „Your First Rifle“ müssen wir selbst noch lernen… Das macht alles unglaublich viel Spaß und natürlich ist wieder alles viel zu schnell vorbei.

 

Andi

 

Handtuch auf die Rübe und sich GHOST STREET gönnen! Ich hab beide Platten der Band und bin froh, die endlich mal live zu sehen. GHOST STREET sind so dermaßen PUNK, ey! Wenn du diese Typen schon siehst, kriegst du Bock auf Pogo und Randale. Auf Platte klingen die Gewaltausbrüche der Band zwar auf Anhieb etwas spektakulärer, da sie echt auch ganz geil krawallig aufgenommen sind und der Sound im HoT letztlich doch nicht ganz so prall ist heute, was mir beim eigenen Auftritt nicht aufgefallen war. Aber das Gesamtpaket macht’s! Viele haben einfach nur ein breites Grinsen im Gesicht, wenn Gitarrist Nico nach einem völligen Krachcrescendo euphorisch die Klampfe gen Bühnendecke streckt. Oder wenn sie den Sägespänen hinterherblicken, welche der Drummer Norbert seinen Sticks herausmalträtiert. Stefan (b) beeindruckt nicht nur durch sein dreckiges Spiel, sondern auch durch das stoische Tragen einer Mütze bei höllischer Hitze. Den Vogel schießt aber Sänger Teasy ab, dem wirklich der Wahnsinn aus den Augen blickt, wenn er seine Hasstiraden gegen Staat, Kapital und Gesellschaft herauskotzt. Yeah!

 

Vlad

 

Die folgenden Ereignisse in Worte zu packen, ist gar nicht so einfach. Alle wuseln im HoT herum und es gibt unzählige nette Gespräche. Irgendwann geht es zu unserem Pennplatz zu Gastgeber Maura, ein Supertyp mit Händen groß wie Schaufelblätter, dessen Domizil uns durch einen unfasslich aufgeräumten und saubergeschrubbten Zustand überrascht. Ist der Kollege gar putzsüchtig?

Natürlich passiert mir wieder ein Malheur, welches unter die Kategorie „Glück im Unglück“ fällt: Wir ham so ein Gästeschlafzimmer mit zwei Ebenen. Ich hatte bei Erstbesichtigung nur gar nicht gesehen, dass da ca. 1,5 Meter Abgrund von unserer Ebene zu der unteren waren. Hatte nur kurz meine Sachen da reingeworfen und bin noch was trinken gewesen. Dann später im Dunkeln hingelegt. Und irgendwann muss ich pullern. Will keinen wecken und taste mich im Stockfinsteren an der Wand lang. Nur setze ich wohl links neben der Tür an und trete plötzlich ins Nichts. Schön den Adler gemacht! Zum Glück nix passiert. Tobi lacht noch bis Rendsburg und macht mich nach. Ich hatte da wohl quer über einem Sessel gelegen und nur ganz leise "Oh, shit!" gesagt...

Schleswig, MELTDOWN-Festival - 22.0.2015

27.08.2015 von Philipp

Chemical Vladfare

In Schleswig weilen wir immer gern, und da es schon wieder fast zwei Jahre her ist, dass wir auffer Freiheit gezockt haben (mit GAARDEN BABIES, CUT MY SKIN und FILIBUSTERS), hatten wir uns über die Einladung der MELTDOWN-Crew sehr gefreut. Nun war ich zwar schon auf MELTDOWN-Partys, wusste aber bis kurz vorm Festival gar nicht, dass es sich um ein regelrechtes Open Air handelt, welches jährlich stattfindet. Das Ganze ist wirklich perfekt organisiert – über 50 Leute rennen in roten MELTDOWN-Crew-Shirts über das Gelände – und alle machen das einfach aus Bock heraus. Die Preise sind der Hammer – 10 Bands für 8,- Euro im VVK, Bier für einen Euro, Mischen für 2,- ! Und heute wird sogar mit über 1000 Freaks der bisherige Besucherrekord gebrochen.

 

Bis auf die nervigen Mücken sind eben auch alle Umstände perfekt – bestes Sommerwetter, Motivation bei den Vladis (und offenbar auch bei allen anderen Bands) bis in die Zehenspitzen vorhanden, Siggi Sick ist als Dremu-Journalist im sexy Outfit anwesend (Lederweste über nacktem Oberkörper, Buchse hängt lässig tief), die Armbänder garantieren uns Freibier für den ganzen Tag, minütlich trudeln Bekannte ein – hossa und hallo!

 

VRHN

 

Nach dem Soundcheck, den wir erstmalig mit Henrik aus der T-Stube machen, der das Amt des Vladi-Mischers in Zukunft hoffentlich ausüben wird, sofern es ihm seine Zeit erlaubt, hängen wir erst mal gemütlich ab und genießen die ersten Bands.

 

Los geht’s mit SOLID CHAINS auf der Mainstage draußen, jungen Halunken aus Schleswig. Geil, die sehen zwar in ihren Shorts nicht so aus, frönen aber volle Kanne dem Old School Metal. Das Gelände ist schon ordentlich gefüllt und die Bierstände werden mit Feuereifer frequentiert.  Von GOLGI COMPLEX gönne ich mir ein paar Songs im Gebäude 35 (die Bands spielen immer im Wechsel drinnen und draußen) – wie immer rhythmisch komplex, psychedelisch und experimentell. Siggi: Ist das jetzt dieses Djent?

 

Huch, irgendwann isses dann auch schon halb sechs und wir müssen, sollen und vor allem WOLLEN ran! Es wird ein reines Fest. Oder besser gesagt Schlachtfest. In meiner Euphorie verpasse ich dem guten Tobi nicht nur ein paar Hiebe mit dem Mikro auf den Hinterkopf (das ja Standard), sondern auch ein paar Kopfnüsse. Alles natürlich freundschaftlich vladiistisch, ich muss das irgendwann mal bei Star Treck gelernt haben, dass Klingonen das so machen. Warum aber liegt Andi plötzlich auf dem Boden? Erst auf der montäglichen Probe erfahre ich, dass ich nicht ganz unbeteiligt war. Tatsächlich muss ich bei einem Song spontan auf allen Vieren rumgekrabbelt sein – und der sich rückwärts bewegende Andi ist über mich gestolpert und hat dann halt den Adler gemacht. Ich find ja, dass er da auch ein bisschen selbst Schuld trägt. Augen auf im Straßenverkehr! Hat ihn schließlich schon seine Omma gelehrt und auf so einer Vladi-Bühne ist ungefähr so viel los wie auf der Hauptstraße von Hanerau-Hademarschen. Die Getränke schmecken, überall blicke ich in grinsende Gesichter, da kann man mal über die Absperrung hüpfen, einen gepflegten Bodenroller absolvieren und dabei sein Mikro auf der Bühne liegen lassen. Tobi, Eric und natürlich Zarc agieren derweil wie Maschinen (Andi zappelt ja noch liegend auf der Bühne herum) und sägen/knüppeln sagenhaft. In den Ansagen dissen wir SABATON, verabscheuen Rassismus und feiern REZET bzw. deren unlängst absolvierte US-Tour. Wir beenden das Set mit dem EXODUS-Cover „Bonded By Blood“, haben aber tatsächlich noch fünf Minuten Zeit, worauf wir noch „Party Of The Damned“ ranhängen. Herrlich. Danke.


MELTDOWN

 

Ich liebe es ja, wenn man nach der eigenen Show noch Zeit hat, sich andere Bands anzugucken. Obwohl ich heute fast alle verpasse. Aber so theoretisch. Zwischen Bier-, Cocktailständen (sehr schmackhaft ist dieser grüne Drink), Bühnen oder irgendwo auf dem Meltdown-Gelände herumlungernd kann man sich zusammen mit geliebten Menschen dem puren Heavy-Metal-Genuss hingeben. REZET werden natürlich in voller Länge frequentiert, die Jungs werden immer besser. Thrash! Später werden noch Songs von PARAGON, die ein tolles Classic Metal-Set hinlegen, sowie von NEGATOR ergattert. Zum Black/Death Metal von letzteren gibt der Mob noch mal alles. Danach heißt es: Mückenstiche zählen.

 

Perfektes Festival und nun kann man nur hoffen, dass die Meltdown-Crew fürs nächste Jahr eine auch nur annähernd geile Location findet. Denn der Pachtvertrag für das FKKZ-Gelände läuft aus, was natürlich bitter ist, da hier über Jahre ein alternativer Treffpunkt aufgebaut wurde.

 

MELTDOWN

Hamburg, Gängeviertel - 02.05.2015

10.05.2015 von Philipp

"From Hamburg to Frisco we destroy every Disco"

Wie, weshalb, warum? Wie zur Hölle kann es angehen, dass wir bisher noch nicht im Gängeviertel gespielt haben? Ich zum Beispiel war noch nicht mal hier. Und dabei ist es hier unfassbar nett. Wir verlaufen uns zuerst in so einen Innenhof und da sieht das so hart gemütlich aus, dass wir einfach fast geblieben wären. Überall sitzen mampfende Vokü-Genießerinnen und hinten ist ‘ne lütte Open-Air-Bühne aufgebaut.

 

Doch dann hätten wir aber mal was verpasst und unhöflich wär es auch gewesen, die Einladung von Cindy Schantall Schwakowiak zu ignorieren. Die Gute feiert nämlich heute rein. BIRTHDAY GRIND. Alles Gute! Also ein paar Meter weiter in die „Druckerei“ – ein tolles AZ zum Wohlfühlen.

 

Mit fünf Bands wird es vom Zeitablauf her sportlich. Wir opfern uns gleich für den ersten Slot und freuen uns drauf, endlich mal wieder anfangen zu können. Beim Soundcheck trudeln bereits erste Bekannte ein und davon kommen im Laufe der Nacht derart viele, dass leider nicht jede_r die Zeit zum Sabbeln bekommen kann, die eigentlich angemessen wäre. Fred, Jona, Toffi, Cindy, Nicolai, Pan, Karsten, Gunnar, Isa müssen stellvertretend für alle erwähnt werden, die ich gerade vergesse. Nach dem Soundgechecke endlich lecker Essen – es gibt Reis, Baby.

 

Flyer

 

Irgendwann legen wir los. Leider vergesse ich Nase, unserem heutigen Helldriver Benny (springt für den Urlaub machenden Strecker ein. Danke!) meine Kamera zu geben – heute keine Bilder, schade. Die neue Setlist gefällt mir sehr gut – das brezelt mit „Frontex Fuckers“ gleich gut los und „Not Even Close“ hält das Feuer am Brennen. Doch was sehen meine entzündeten Augen da? EINE DISCOKUGEL! Ganz weit oben anner Decke hängt das Biest und scheint mich mit seinem Funkeln zu verhöhnen! Es nützt nichts: Da muss ich ran. Ich suche mir den größten Typen im Mob aus und fordere ihn auf, mich hochzuheben. Der ziert sich zunächst, doch ein Verweis auf mein geringes Gewicht killt seine Bedenken. Zack werde ich gen Decke gehoben. Wumms, ein erster Haken mitten ins Gesicht der Kugel! Silbrige Stücke sprühen überall hin. Komisch weich irgendwie, das Ding. Wamm, ein zweiter Schlag und huch – die ganze Kugel saust davon und haucht sein Leben aus! Das war offenbar ein selbst gebasteltes Stoffteil und gar keine richtige massive Discokugel. Das tut mir dann schon wieder leid, dass da jemand Liebe in so ein Basteldingsie gesteckt hat und ich klopp das einfach von der Decke. Aber gut getan hat es dennoch. Ja, der Sound ist heute nicht so der Hammer, aber der Kollege von BRAINDEAD holt schon das Maximum raus. Ich hab das Gefühl, stimmlich heut nicht alles abrufen zu können, aber das bremst dann auch nicht meinen Spaß. Am Ende wollen die anderen noch „Bonded By Vlad“ ranhängen und ich hab das Gefühl, wir hätten angesichts von noch vier weiteren Bands eigentlich schon sehr lange gezockt, lasse mich aber „überreden“. Schön war’s, wie immer in Hamburch.

 

Flyer zwei

 

Danach gibt es einen Rausch an Geballer, Gebrüll, Grind und einen Mix aus Gesichtern, Getränken und Farben ins Hirn. SOUL GRIP spielen einen erbarmungslosen Mix aus blackened Hardcore und Black Metal, der geschwindigkeitstechnisch dermaßen ans Limit geht, dass du teilweise denkst, alles läuft gerade im Zeitraffer ab. AAS klingen, wie sie heißen, und dreschen uns Crust um die Lauscher. HATEHUG (schmissiger Hardcore/Punk) haben den schicksten Tonträger am Start – ein pinkfarbenes Tape, welches ich leider vergesse, abzuernten (ist aber mittlerweile bestellt). Außerdem lassen sie eine herrliche Kante rotzigen Rock’n’Roll miteinfließen. Die richtige Band zum Sektsaufen. DERBE LEBOWSKI sind  Speedfreaks mit Hang zum Powerviolence, und wer kann das bitte nicht nachvollziehen?

 

Ja, Danke für die Einladung, viele Freund_innen getroffen, neue kennengelernt, gut gefeiert und gezockt, tolle Bands gesehen und als wir irgendwann mit Bennys Stereomobil wieder in Kiel ankommen, isses auch schon lang hell. ELL AWAITS!

Kiel, Schaubude - 04.04.2015

12.04.2015 von Philipp

"Es war einer von den Tagen Ende Mai, ein guter Lauf, alles klappte, es war sein vierter Mord"

Die Nacht war kurz, aber was soll’s. Die Müdigkeit wird erfolgreich mit lauter Mucke im Streckermobil weggeballert – am effektivsten gelingt das zu EXCITER-Songs wie „Heavy Metal Maniac“ oder „Violence And Force“.

 

In Kiel angekommen wird erst mal ein akribischer Soundcheck durchgeführt. Denn so viel Spaß unser letztes Kiel-Gastspiel auch gemacht hatte, der Sound war wohl ziemlich unterirdisch. Und daran waren vor allem wir selbst schuld, da wir damals zu faul für ‘nen Soundcheck waren. Heute ist Bocky an den Reglern, was natürlich super ist. Denn Bocky hat’s nicht nur drauf, er kennt uns zudem auch sehr gut und war in den ersten Jahren häufig bei uns als Mischer mit. Und ich darf vorausschicken, dass Bocky heute einen Killer-Job abliefert…

 

Schaubude

 

Da KILLBITE bei mir pennen sollen, stresse ich noch ma kurz nach Hause und versuche, ‘ne halbe Stunde lang zumindest halbwegs aufzuräumen und das Chaos zu bändigen. Also Stapel von Dingen irgendwie von einer Ecke in eine andere zu schieben. Ich merke mal wieder: Körperliche Arbeit macht müde und schlechte Laune... Die einzig miese halbe Stunde dieses Wochenendes! Am besten ist aber noch, dass Ballo mir nach dem KILLBITE-Auftritt später sagt, dass die Band spontan doch nach Hause fahre. Argh, alles umsonst!

 

KILLBITE machen ihren Plan wahr, den sie für heute angekündigt haben: „Hier wird keine Zeit verschwendet, sondern unter dem gebührenden Applaus direkt mitten in die Bude geschissen.“ Ganz genau. Dengel, dengel, dengel – aber immer mit diesen schwedischen Unheilsmelodien in den Gitarren. Etwas schade ist der hart frühe Zeitpunkt, zu welchem unsere Bremer Kumpels loslegen müssen. Leider haben Anwohner der Schaubude eine Sammelklage wegen zu hoher Lautstärke eingelegt, weswegen Konzerte in der Bude in letzter Zeit noch früher beendet sein müsse, nämlich um 23.15 Uhr. Aber zum Glück wissen das viele bereits und während des Gigs wird es zusehends voller.

 

BLACK SACHBAK streichen ihr Programm aus diesen Hintergründen etwas zusammen und verzichten auf die Coversongs von AGNOSTIC FRONT und DIAMOND HEAD. Schade, aber trotzdem eine weitere mitreißende Show! Eliran weiß außerdem, was wichtig ist im Leben: „If you find some weed – buy it and smoke it!“ Der Kerl ist aber nicht nur weise, er geht auch voll ran. Wirft sich auf den Boden, tigert durch die Bude, kippt sich Bier übern Kopp und röhrt sich durch die Songs. Sehr geil wieder das GANG GREEN-Cover, aber natürlich auch eigene Biester wie „Smoke Hash“, „Dubstep Sucks“ oder „Capitalist Zombies“. Und ich freu mich zu sehen, dass BLACK SACHBAK hier gut ankommen. Hoffentlich holen sich viele Leute auch die Scheibe!


VRHN

 

Was dann abgeht, ist einfach nur geil! Selten hab ich auf der Bühne so einen massiven Arschtritt von der eigenen Mucke bekommen. Das knattert und ballert so krass, dass es mich voll nach vorne peitscht. Es ist eines dieser Konzerte, welches sich einfach speziell anfühlt. Dazu kommt noch diese krasse Stimmung. Wie gestern ist die ganze Zeit über Bewegung im Mob, überall hochgereckte Fäuste, fliegende Köpfe und pogende Leiber, es gibt zu entsprechenden Parts „Hey! Hey! Hey!“-Chöre und man sieht grinsende Gesichter, wohin man guckt. Einfach herrlich! Heute sind auch mein Bruder und mein Vater dabei, was mich besonders freut. Gibt natürlich ‘ne Extra-Ansage und Widmung dafür. Auch wichtig: Wer die Discokugel von der Decke haut, dem wird ein Schokoladen-Ei versprochen. Schafft aber keiner. Ich hatte es geahnt: Das schleimige „Scheineherbst“-Cover kommt in Kiel super an, ich hab auch schon so oft auf nächtlichen Veranstaltungen Leute zum Original durchdrehen sehen. Aber generell kann ich heut bei fast jedem Song das Mikro in die Meute halten: Irgendwer singt immer mit (oder tut zumindest so, haha).

 

Auch heute gibt’s eine erquickliche Feier, die allerdings ohne unsere Killbites stattfinden muss. Doch dafür spült es noch so manches neue Gesicht in die Bude und es ist wieder hell, als ich den Tatort verlasse.

 

Nächster Stop: BIRTHDAY GRIND im Hamburger Gängeviertel.

Rotenburg, Villa - 03.04.2015

11.04.2015 von Philipp

Ultimate Easter Bash Pt.I

Andi ist Schuld. Ausnahmsweise aber in positiver Hinsicht. Denn als wir vor ca. einem Jahr mit den israelischen Thrashern von BLACK SACHBAK spielten, nervte es unseren Bassmann, dass die Kollegen ihr geniales Album „No Pay No Gain“ nicht auf Vinyl releast hatten, sondern lediglich auf CD und Kassette. Also wurde ein Label gesucht, welches Bock drauf hat, diese Lücke zu schließen. Fündig wurde Andi dann ganz in der Nähe – in Form von Jan ML-Records, dem feinen Plattenlabel des Lobeck-Imperiums. Zur Platte gibt’s natürlich ‘ne Tour und wir zogen dafür zwei Gigs an Land – Rotenburg, Villa & Kiel, Schaubude, gleich noch schön mit KILLBITE dazu.

 

Die Fahrt gen Rotenburg verläuft vladiistisch – Zarc fährt zwar leider aus familiären Gründen extra und pennt auch nicht in Rotenburg, aber dafür ist Tobis Mitbewohner Meddy mal wieder mit an Bord. Durch beste Mucke und leckere Getränke kommen wir in optimaler Stimmung bei der neuen Villa an.

 

VRHN

 

 

Die ist saugemütlich mit Wohnzimmer samt Tresen, Küche und Kellerzockraum. Im Gegensatz zur alten Villa wohnen die Leute nicht mehr direkt in dem Haus, sie haben jetzt aber einen e.V. gegründet und ziehen weiter ihre Konzerte durch. Wer Genaueres über die Geschichte und den Hintergrund der Villa hören möchte, möge hier mal luschern: http://www.villa-rotenburg.de/ueber-uns/

 

Das Wiedersehen mit den BLACK-SACHBAK-Freaks fällt erbaulich aus. Die haben richtig Bock und freuen sich, in Europa auf Tour zu sein. Man erfährt schnell einige der jeweiligen Vorlieben und Tischkickerfähigkeiten – einer Vladi-Israel-Tour stünde nicht viel im Wege. Ein paar Worte Hebräisch können wir jetzt auch…

 

Der Soundcheck fällt besser als erwartet aus – so Kellerkatakomben können ja auch echt übel klingen. Und zack gibt’s auch schon Essen, lecker gekocht von Louie, der es irgendwie schafft, diese vegane Ente gut hinzubekommen. Ich hatte mir die Vegan-Duck-Dosen auch ma bestellt und das schmeckte voll eklig.

 

Die Zeit vergeht wie im Fluge, die Villa füllt sich und schon legen KILLBITE los. Ja, wie immer einfach nur geil. Leider heute krankheitsbedingt ohne Uli, also ohne Bass, was natürlich immer ‘ne Einschränkung darstellt. Doch Mick und Jascha haben ihren Klampfensound etwas modifiziert, um den Verlust zumindestens etwas auszugleichen. Knallt tatsächlich trotzdem ohne Ende. Die neuen Songs hauen dir ohne Umschweife direkt in die Kauleiste –Latex brüllt sich gut einen ab, um zwischen den Songs mit sehr ruhiger Stimme zu erzählen, worum es jeweils in den Texten geht. Und Ballo kesselt natürlich wie gewohnt – ich bin Fan.

 

Black Sachbak

 

„Haircut I never got!“, poltern BLACK SACHBAK gleich los. Wer die Band einmal live gesehen hat, wird wohl den Anblick von Elirans kurzen Sporthosen über seinen behaarten Beinen nie vergessen können. Das brennt sich tief in die Netzhaut. Die Songs ihrer LP fräsen sich aber auch in die Birne! Sehr geiles Gitarrenspiel, Elirans Gebrüll, welches leicht an GWARs Oderus Urungus erinnert und ‘ne höllisch polternde Rhythmus-Sektion. Die Kerle haben eine Neigung für Coverversionen, heute kommen AGNOSTIC FRONT („Victim In Pain“), GANG GREEN („Alcohol“) und DIAMOND HEAD („Am I Evil“) zum Einsatz, alle super umgesetzt. Da dreht nicht nur Efa, der ehemalige GASHEBEL Sänger, hart am Rad. Wobei Efa mit epileptisch anmutenden Zuckungen und Auf-den-Boden-Werf-Moves schon hervorsticht… Hammer.

 

Schön voll isses und auch noch mit lauter netten Menschen. Da fühlt man sich doch gleich mal motiviert. Die Vladi-Maschine läuft heute wie geölt, das merkt man von Anfang an. Mittlerweile ist Tobi so gut in den Songs, dass er zum Zocken wie ein Gestörter mit der Rübe schüttelt. Von Anfang herrscht ein großes Hallo und viel Bewegung direkt vor unseren Nasen. Die BLACK-SACHBAKs mischen die ersten Reihen gut auf. Den Vogel schießt aber wieder Efa ab, der bei „Dreadnought Fever“ kopfüber an so einem Balken hängt, haha. Wir hauen alles raus, was wir können, haben mit „Deaf To Your Rant“ und dem SLIME-„Schweineherbst“-Cover auch zwei ganz neue Stücke der kommenden EP dabei. Länger nicht inner Setlist war „Eyebrow In Surprise“, einer meiner Faves von der ersten Vladi-Scheibe. Spontan wird auch „Bonded By Blood“ von EXODUS rangehängt, denn wir haben entspannt Zeit. Macht alles durchweg Laune und wird von Hammerstimmung, Bierspritzern, Fistraising und Balkenrumgehänge begleitet.

 

Danach feiern alle noch herrlich in der Villa, die getränketechnisch perfekt bestückt ist. Was soll man sagen? Wir wollen wiederkommen, diese Punkrock-Gastfreundschaft nochmal genießen und es sieht so aus, als dürfen wir sogar! Juhu!

Husum, Speicher - 28.02.2015

05.03.2015 von Philipp

Stein, Papier, Schere, Echse, Spock

Den heutigen Auftritt hatten wir uns eigentlich schon von der Backe geschmiert. Denn in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag war Zarc von einer fiesen Magen/Darm-Geschichte inkl. Fieber niedergestreckt worden. Schweren Herzens hatten wir den für Freitag anvisierten Auftritt in Braunschweig absagen müssen. Zarc selbst hatte allerdings die Hoffnung auf Husum nicht aufgeben wollen und hatte verkündet, er werde sich am Samstagmorgen melden, ob er wieder fit genug für die Bühne sei.

 

Warten am Samstag also. Als um halb eins immer noch keine SMS eingetrudelt ist, werde ich doch langsam nervös. Schließlich erreicht Eric seinen Bruder, der ganz überrascht ist: „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich mich doch längst gemeldet!“ Argh…

 

VRHN

 

Herrliches Ambiente am Husumer Hafen: Dutzende von Straßenpunkern lümmeln auf dem Boden herum und lassen sich aus Kassettenrekordern beschallen. Der Speicher ist jetzt schon knüppelvoll, auf Schritt und Tritt treffen wir Bekannte. Aus Elmshorn sind gleich 60 Leute mit dem Bus angereist, wie mir Hagi vom SCHEISZE-FANZINE grinsend erzählt. KOLLMARLIBRE zocken auch bereits. Mit denen waren wir mal im schicken Elmshorner Punkerhaus. Damals fehlten wohl diverse Musiker, weswegen ihr SkaPunk etwas unvollständig und rumpelig rüberkam. Das wirkt heute dann doch gleich anders und der Mob tanzt ausgelassen, feiert auch die explizit politischen Texte.

 

Der Speicher hat zwei Ebenen, unten ist die Bühne und ein Tresen samt Küche, oben ein weiterer großer Raum zum Abhängen, Abmerchen und Abstürzen. Alles sehr liebevoll organisiert. Bei der Anzahl an Bands kann man natürlich nicht jeder einzelnen Combo unbegrenzt Bierkisten hinstellen, daher gibt’s Getränke- und Fressbons. Ich empfehle übrigens den Speicher-Burger – vegan und lecker.

 

Rasend schnell vergeht die Zeit zwischen Bands angucken, mit Leuten sabbeln, hochlatschen, runtergehen und selten-mal-an-einem-Fleck-verweilen. Mit am besten kommen die FRO-TEE SLIPS aus Flensburg an, die ich ewig nicht gesehen hab. Mit ihren Gute-Laune-Punk im Stil alter Hosen bringt man das Publikum zum Toben bis hin zu ‘ner Bühneninvasion.

 

Zarc sieht noch ganz schön scheiße aus und fühlt sich im Grunde auch so. Vladiistischer Dialog: „Ich fühl mich so aufgebläht“ – „Bist auch irgendwie dicker als sonst“. Aber lässt er sich wat anmerken? Hölle NEIN! Hemmungslos schreddert der Fucker los, sodass „Reign In Vlad“ nur so aus den Boxen poltert. Dafür unterläuft mir gleich bei diesem ersten Stück ein übles Malheur: Bei einem Sprung komme ich unglücklich auf einem Kabelwust auf und knicke um! Déjà-vu! Denn vor über zehn Jahren bin ich mal bei einem Gastauftritt ähnlich umgeknickt – und hatte mir ‘nen Bänderriss zugezogen. Die nächsten vier Stücke müssen unter rasenden Schmerzen im Knöchel absolviert werden. Schön, dass die Leute mir danach „voll die geile Show, Alter!“ attestieren. Scheint ja immer am besten zu sein, wenn ich mich verletzte. Vielleicht klingt das Gebrüll auch einfach authentischer? Beim fünften Stück spüre ich das herrliche Gefühl, wie der Schmerz langsam nachlässt. Ein Glück. Sieht schließlich auf Dauer bestimmt dämlich aus, dass ich nur auf einem Bein rumhüpfe. Um so cool wie Ian Anderson rüberzukommen, fehlt mir schließlich die verfickte Flöte. Natürlich würdigen wir nicht nur Zarcs Einsatz, sondern gedenken Leonard Nimoy. Erfreulicherweise beherrschen diverse Besucher_innen den Spock’schen Gruß, ich bekomm meine Wurstfinger jedenfalls nicht so virtuos auseinander. Live long and prosper! Klasse auch ein Neunjähriger, der mit seinem Vadder da ist und vorn auf einer der Monitorboxen abgeht, die ganze Zeit grinst und uns mit Daumen hoch Props gibt. Uns wird danach folgendes Zitat zugespielt: „"Mama, Rap ist doch scheiße, Hardcore is geil...“

 

VRHN

 

Rundum gelungener Abend also. Wir geben uns danach der Party und dem BUMS-Auftritt hin. Besten Dank an Stöllchen, die Speichergruppe Rettungsboot, alle beteiligten Bands und Besucher_innen. DER HAFEN ROCKT!

 

Rendsburg, T-Stube – 12.12.2014

16.12.2014 von Philipp

Go Commando!

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Die engagierte T-Stubencrew hat's nicht leicht: Trotz richtig guter Bands, die sie immer wieder ranholt, bleibt der Schuppen in letzter Zeit häufig eher mau besucht. Es ist wohl wieder mal eine ganze Reihe Ex-Rendsburger_innen weggezogen, zudem ist das Angebot in Kiel derart angestiegen, dass sich die Kieler_innen auch nicht mehr so häufig in der T-Stube blicken lassen. Heute aber wird na klar alles anders.


Ein erstes gutes Omen hängt in Form eines Sandsacks von der Decke. Da kann sich Zarc Harkonnen schon mal ordentlich in Form bringen.


DIETER JACKSON eröffnen den Reigen und frönen mit AC/DC-Groove und Stadion-Oh-ho-ho-Chören dem Schweine-Rock'n'Roll. Ihr Plattenboss ist anwesend und wackelt anerkennend hin und her. Doch nicht nur ihm gefällt's – die Stube füllt sich zusehends mit grinsenden, im Takt nickenden Gesichtern. Vielleicht tragen die auch alle keine Unterhosen und werden daher von den „Go Commando“-Lyrics dort abgeholt, wo sie stehen. In den meisten Stücken packt DIETER aber auch wirklich die Rute aus. Mir gefällt z.B. „Wanna See You Lose“, das knallt mehr als jede Ohrfeige, die ein Glühweinmutant dem anderen auf dem Weihnachtsmarkt verpasst.


Dicke-Backen-Mucke kommt dann von den guten TYSON, die in den letzten Jahren ganz gehörig in ihrer SLAYER-Sammlung gewildert haben. Tom Banx hat jedenfalls mehr als Bock drauf, sein Kit Lombardo-like zu verprügeln. Und dabei noch einige Backing-Vocals beizusteuern – Respekt. Der Meister des präzisen Riffings heißt Pierre Dapper und es ist eigentlich 'ne Frechheit, dass der Kerl noch keine Preise für sein Over-the-top-Gitarrenspiel verliehen bekommen hat! Dann machen wir hier halt den Anfang und verkünden: Pierre Dapper bekommt den VLADIISTISCHEN SCHREDDER ORDEN FÜR SAITENQUÄLEREI WEIT ÜBER DIE PFLICHTERFÜLLUNG HINAUS verliehen. Glückwunsch. Geil auch wieder Kochis Gesang, der zwischen HC-Gebrüll und zarten Clean-Vocals pendelt. Mensch oder Löwe?


T-Stube 


Ihr kennt das: Die letzte Band schlurft auf die Bühne – und eigentlich ist der Abend gelaufen. Band betrunken, Gäste weg, Veranstalter mit der Kasse getürmt. Heute passiert das genau mal nicht: Wir zocken den ersten Song, plötzlich öffnen sich die Tore und der Mob scheint sich zu verdoppeln. Na hoppla. Im Nachhinein hören wir, dass da offenbar gleich zwei Weihnachtsfeiern zu ende waren und feierwütige Teilnehmer_innen noch Bock auf Lärm hatten. Dem eh schon superben Abend verpasst das noch einmal ein Upgrade in Sachen Schwung, Trinkfreude und Gestank. Wir Vladis drehen auf, der Mob saut alles ein. Als ich einen kleinen Bodenroller wagen will, springen gleich drei, vier, fünf Gestalten auf mich drauf. Wahrscheinlich weil sie es können. Einer hält aus Versehen oder auch absichtlich seine Bierpulle quer, deren Inhalt mir in Zeitlupe in ein Ohr schwappt. Ich singe natürlich weiter. Sonst meckern danach nämlich die Zölcks. Zum Glück wirft mir wenig später irgendwer so ein flexibles Leuchtdingsie auf die Bühne. Ihr wisst schon. Jedenfalls prügle ich damit auf diverse Köppe ein, um weitere Ohr-Attacken präventiv zu bekämpfen, was irgendwie weihnachtliche Freude bereitet. Apropos: NIE, NIE, NIE WIEDER WEIHNACHTSMARKT! Gut, dass das mal jemand gesagt hat. Denn was gibt es Widerlicheres? Dritter Auftritt mit Tobi und es ist bisher klar der beste. Der Sound ist auch superb, sodass wir Henrik wohl der T-Stube klauen müssen.


Mit den vielen bekannten Gesichtern wird noch der eine oder andere Mexikaner genossen, bevor die Sause auch schon wieder rum ist. VLAD SMASH, TYSON und DIETER aber auch! Danke an alle! 

 

VRHN

Itzehoe, Atzehoe - 21.11.2014

24.11.2014 von Philipp

Geiles Manöver.

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Eine der schönsten Sachen am Musikmachen ist die völlige Unberechenbarkeit hinsichtlich der Liveauftriite. Hätte jemand mit mir gewettet, ob uns der Kieler Auftritt oder der eine Woche später für Itzehoe geplante Gig mehr Spaß bringen würde, hätte ich wohl alles auf Kiel gesetzt.


VRHN

 

Meine leichte Skepsis in Bezug auf Itzehoe war möglicherweise auch dem Umstand geschuldet, dass kurz nach unserer Zusage die News reinflatterte, dass am selben Tag AHAB in Hamburg spielen. Das hat mich schon etwas gewurmt, haben sich die Nautic Funeral Doomer in den letzten Jahren doch zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Nun hätte ich sie endlich mal sehen können, aber nix da – ein eigener Auftritt steht an. Was natürlich auch okay so ist. Geht ja vor und so… Und so eine nette Einladung von den Kolleg_innen SKULL HARVEST schlägt man ja auch nicht aus.

 

Witzig ist ja bereits, dass es in Itzehoe für ‘ne Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern doch mehrere Läden gibt, in denen was geht. So war ich in der letzten Zeit im Panoptikum (SLOUGH FEG), der Lauschbar (HOBBS ANGEL OF DEATH, AXXION) und eben dem Atzehoe (MANILLA ROAD). Und dann gibt’s ja noch den Freiraum, über den ich schon Konzertreviews gelesen habe.

 

Das Atzehoe sieht von der Inneneinrichtung etwas seltsam aus – diese runden Sitzgarnituren aus Kunstleder sehen schon hart nach Puff oder zumindest „Tanzlokal“ aus. Lustig auch der Backstageraum, der aus ‘nem Wohnwagen besteht, den man durch die Hintertür und über kuriose Treppchen erreicht.  Aber Sound und Licht sind dann wieder erstaunlich gut! Das zeigt sich bereits beim Soundcheck, den wir nach dem Chaos von letzter Woche heute akribisch betreiben.

 

Erwartet werden: Drei Punker und zwei betrunkene Hunde. Doch auch hier überrascht uns Itzeatzehoe: Es füllt sich bereits früh sehr angenehm, diverse Überraschungen in Form von bekannten Gesichtern sind auch zu verzeichnen.

 

Ratzfatz vergeht so die Zeit bis zum Gig. Obwohl es natürlich keine Monitore gibt, klingt das heute echt mal schön transparent und fett. Ein Genuss. Ich fühle mich motiviert und segle schwerelos durch Zeit und Raum. Tobi auch. Andi nicht so. Dennoch überzeugt mich sein geiles Manöver, mit einem gezielten Bodenroller (ein Wust aus Haaren, Bauch und Bass) einen Mikroständer zu schrotten. Respekt. Hey, die Leute sind erfreulich aktiv, kreischen, grölen, bangen und moshen oder applaudieren brav, sodass wir aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskommen. Da erinnert man sich gern an einen der ersten Itzehoe-Besuche, als MALEVOLENT CREATION in einer Art Pizzeria gespielt haben und irgendwann der Sänger über die Tische und einem Gäste mitten auf die Pizza gelatscht ist. Ist dies wirklich erst der zweite Auftritt mit Tobi? Kommt mir gar nicht so vor. Zarc ist etwas heiser durch ‘nen Schnuppen, kämpft sich aber mit hochroter Bombe wacker durchs Set. Eric groovt wie immer gnadenlos und wenn ich zum Bierholen zum Schlagzeug bücke, spielt er bestimmt nur zufällig gerade die lautesten Becken. Mit am meisten Spaß machen mir heute wieder der von SLAYER geklaute „Black Magic“-Anfang und das stetig besser flutschende „Blue Hell“.

 

VRHN

 

Nun können wir uns entspannen, mit den Leuten feiern, das Catering (heute: Döner) mampfen und SKULL HARVEST zugucken. Die hatte ich gar nicht so bissig in Erinnerung. Punkig und sehr rockig wird ausgeteilt, wobei mir u.a. der Gesang gut gefällt. Wir genießen dazu Bier und so einen braunen Tequila, der durch eine Zimtmischung und natürlich die obligatorische Orange zusätzlich an Schmackhaftigkeit gewinnt.

 

Im Streckermobil geht es dann irgendwann zurück durch die Nacht. Die einen schwärmen noch, die anderen halten schon ein Schläfchen. VLAD SMASH!

Kiel, Alte Meierei - 15.11.2014

18.11.2014 von Philipp

Black Manglefoot

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Dieses Konzert hatte derart viel Vorlauf, dass wir bei unserer Zusage noch nicht ahnen konnten, dass es für uns ein sehr spezieller Auftritt werden sollte – nämlich der erste wieder zu fünft und mit unserem neuen Gitarristen Tobi (auch: AGRIMM DOOMHAMMER). Klemsen vom wunderbaren KIEL EXPLODE-Festivalteam hatte Bock drauf, die Aachener Combo UNDER THE PLEDGE OF SECRECY nach Kiel zu holen. Mit den Flensburger Crusties DARK HANSEN und uns wurde das Paket dann zurechtgeschnürt und mit hübschem Geschenkband vertüdelt.

 

Meierei

 

Und wenn Klemsen, André & Crew etwas organisieren, dann hat die Sache Hand und Fuß. Es gibt bereits zum Soundcheck um 18.00 Uhr leckeren Kaffee, Stullen mit diversen veganen Aufstrichen, die unumgänglichen drei Klemsen-Kuchen (Pst! Klemsen wird als geheimer Favorit für den Titel „Kiels bester Kuchenbäcker“ gehandelt. Nicht weitersagen!) und wenig später auch schon extrem leckeres Essen mit Tofu, Reis und Soßensuppe. Plakatiert wurde auch, was ja nicht selbstverständlich ist.

 

Bei netten Nerd-Talks mit den Leuten von UNDER THE PLEDGE OF SECRECY und DARK HANSEN geht die Zeit schnell rum. Die ersten Gäste trudeln viel zu früh ein, nämlich zur auf den Flyern angegeben Zeit. Anfänger.

 

Mir gefällt der „Schlüssel“ ja sehr. So heißt DARK HANSENs Debutscheibe, welche sie dieses Jahr rausgehauen haben und deren 300er Auflage auch bald weg sein wird. Noch besser sind sie auffer Bühne. Da fliegen die Zottel - Schorsch, Ole, Danny und Birger haben es drauf, in fies malmenden Midtempo alles plattzuwalzen. Als plötzlich der Gitarrengurt reißt und „ein Streichholz oder so“ zur Reparatur erbeten wird, ergreife ich die Chance, mein Karma zu verbessern. Denn in jeder echten Kutte befinden sich natürlich Zahnstocher. Wie man damit Gitarrengurte repariert, weiß ich zwar nicht, aber irgendwie gelingt es tatsächlich. Geiler Auftritt!

 

Holy Schmoly! UNDER THE PLEDGE OF SECRECY leiden offenbar unter ADHS und Tourette gleichzeitig. Anders ist das hyperaktive Gezeter kaum zu erklären. Der eben noch so nette und höfliche Sänger verwandelt sich in eine Bestie mit Schaum vorm Mund. Die anderen Typen spielen, als stünden da gerade zehn Menschen auf der Bühne. Und alle zehn wollen möglichst viele Töne spielen… Was in der Konzertankündigung versprochen wird, nämlich „wildes technisches Geprügel“, das bekommt der geneigte Grindfreund auch tatsächlich auf Ohren und Augen.

 

 

VRHN

 

 

Tobi ist den ganzen Abend über gelassen und verkündet erst kurz vorm Gig: „Scheiße, jetzt bin ich doch aufgeregt!“ Aber tatsächlich zockt der Gute, als spiele er schon ewig bei VLADIMIR HARKONNEN. So erzählen es jedenfalls diverse Besucher_innen. Die Aussagen der gesamten Gruppe um Strecker sind allerdings mit Vorsicht zu genießen – hier herrscht ein hoher Verminzungsgrad… Der Sound ist zwar gar nicht mal so gut heute, aber das kann unseren Spielspaß keineswegs hemmen. Mischer Flo ist fit drauf und zaubert, schraubt und dreht an den Knöppen, bis alles etwas besser klingt, aber heute scheint der Wurm in der Technik zu stecken. Ich find’s viel wichtiger, dass irgendwer eine gigantische Leiter stehen gelassen hat, die bis zur Hallendecke reicht. Ich kann nichts dagegen tun: Das Ding muss beklettert, die Aussicht genossen werden. Ansonsten funktioniert die Sache mit dem Karma: Als ich mit einer Hand vergeblich ein Bier zu öffnen suche, kommt Moe auf die Bühne und serviert. Ein wahrer Engel. Und als ich ebenfalls einhändig (ich muss ja parallel singen und so) meinen linken Schuh zuzuknoten versuche, kommt glatt Jan ML daher und regelt die Sache mit ‘nem doppelten Palstek. Tobi hat 13 Biester auf der Pfanne und es zeigt sich überdeutlich, dass die Songs mit zwei Gitarren doch besser klingen, da hat Zarc schöne Sachen geschrieben, die jetzt erst wieder zur Geltung kommen. Vor „Tangle Foot“ gibt es den Anfang von SLAYERs „Black Magic“, doppelt so lang gezockt, bevor es in das Riffing unseres Songs übergeht. Ist aus einer spontanen Laune auf der letzten Probe entstanden und darf aus meiner Sicht erst mal beibehalten werden. Mit „Bonded By Vlad“ beenden wir den Reigen, aber Tobi will danach noch mit seiner Hood zu uns im Mob ein Tänzchen wagen und so hängen wir noch zu viert „This Ain’t A Lovesong“ ran. Die Rechnung ist aufgegangen: Es kommen jetzt auch Leute, die uns hassen, aber Tobi mögen.

 

Danach gilt es, schnell am Kuchenrestebuffett zu sein, denn nach dem Konz sind alle immer am hungrigsten. Der damit verbundene Durst ist noch bis in den frühen Morgen nicht gestillt, aber das ist eine andere Geschichte.

 

FORTSETZUNG FOLGT…

Innsbruck, PMK - 25.10.2014

29.10.2014 von Philipp

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Schockierende Erkenntnis: Zarc kennt CURLY WURLY nicht. Dies stellt sich heraus, als ich irgendwann einen CW-Riegel nach vorn durchreichen will: „Curly Wurly gefällig?“ Zarc: „Was ist dat denn?“ Ungläubige Stille senkt sich übers ROCKTOBUS-Mobil. Das von unserem Bandgourmet?


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Vorher gibt’s aber noch lecker Frühstück und ebenso schmackhaften Punkrock bei unserem Gastgeber Mike. Dessen Plattensammlung lässt keine Wünsche offen – unzählige Klassiker aus Punk, Hardcore und Hardcore/Punk schmiegen sich aneinander. Es laufen alsbald die neue NERVÖUS, DISFEAR und zum Nachtisch VENOM. Doch irgendwann heißt es: Abschied ist ein scharfes Schwert.

Und wenige Stunden später sind wir auch schon in Österreich, genauer gesagt in Innsbruck, genauer gesagt beim Organisator dieses feinen Wochenendes HammerheadPhil. Der begrüßt uns gleich mit gekühlten Getränken (eigentlich isses kalt genug, aber der Fucker läuft in kurzen Hosen herum), einer malerischen Aussicht auf schneebedeckte Berge und der unvermeidlichen Plattenkiste. Clever, der Typ. Phil erweist sich zudem als Weinkenner und patenter Koch. Es gibt Zucchini-Schafskäse-Auflauf mit Brot und frischem Knoblauch.

 

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Bestens gelaunt schlagen wir beim PMK auf und beschnuppern Schuppen, Bands und Crew. Der Laden ist für unseren Geschmack fast ein wenig zu schick und zu heil. Aber sehr schön ist die Lokusdeko, denn dort sind reihenweise Kassetten an die Wände geklebt worden, die durch indirekte Beleuchtung erstrahlen. Man entdeckt bei näherem Hinsehen alte Hörspielklassiker, fiese Schlagerhits und watweißich. Manche der Tapes müssen sehr kultig gewesen sein, denn irgendwelche Banausen haben Löcher in die Deko gerissen.

Neben den Jungs von ENDLESS PATH begrüßen wir auch TRIPSITTER, ebenfalls direkt aus Innsbruck und ebenso gut rasiert und frisiert. Die üblichen Rituale wie Soundcheck, Merchaufbau und Biertrinken werden in angenehmer Langsamkeit zelebriert.

Irgendwie sollen wir als letztes spielen, was etwas merkwürdig ist, da uns doch im Gegensatz zu den beiden anderen Bands hier kaum jemand kennen dürfte. Aber wir diskutieren da keine Sekunde drüber. Gemäß der HIGHSCORE-Hardcore-Ethik liebe ich es nämlich generell, die schlechteste Spielzeit zu bekommen. Denn Eitelkeiten (“bei wem sind die meisten Zuschauer, wer verkauft die meisten Platten?“) sind armselig, einer Band, die für ihre Musik brennt, muss es EGAL sein, ob die potentiellen Zuschauer noch nicht da oder schon weg sind. Und warum soll man auch um Besucher_innen „trauern“, die eh nur eine bestimmte Band sehen wollen?

TRIPSITTER finde ich ganz geil. Bei denen ist es heute am vollsten. Der moderne Melodic Hardcore würde gut mit DEATH HOAX oder MODERN LIFE IS WAR harmonieren, gleichzeitig düster und melancholisch.  

ENDLESS PATH gefallen mir heute besser als am Vortag. Liegt vielleicht daran, dass die Band hier zu Hause ist und damit eine ganz andere Stimmung herrscht. Da wir aber gleich spielen und ja immer direkt vor einer Show geheime vladiistische Rituale vollziehen, bekomme ich auch nicht alles mit.

Yeah, zum ersten Mal in Innsbruck. Der Soundmensch besorgt zumindest auf der Bühne einen guten Klang. Davor auch, denke und spüre ich, schließlich werden auch heute Bodenroller und diverse Kletteraktionen vollzogen. Es sind in der Tat weniger Leute da als am Anfang, aber ich habe den Eindruck, die Anwesenden haben alle recht viel Spaß. Na gut, bis auf den Typen, der an der Seite liegt und ein Schläfchen hält. Zarc spielt zum voraussichtlich letzten Mal für zwei Gitarre, denn beim nächsten Auftritt werden wir das neue Gitarrenwesen präsentieren… HammerheadPhil steht grinsend im Mob und knipst fleißig Fotos – Danke! Es ist wahnsinnig heiß auf der Bühne, wie immer, wenn direkt über unseren hässlichen Rüben so fette Strahler hängen. Durchgeölt, mit ruinierten Frisuren, aber glücklich beenden wir irgendwann das Konz und beschließen: Wir kommen zurück.

Über die Gastgeberqualitäten in Innsbruck können wir nur schwärmen. Hoffentlich werden wir das alles bald wiederholen. Dann gleich zehn Tage lang oder so.

Danke für die wunderschöne Zeit!

P.S./Nachtrag: Als ich Zarc auf der Rückfahrt einen weiteren Curly Wurly anbiete, winkt dieser empört ab: "Geh weg! Dein letzter Curly Wurly ist auseinandergeplatzt und ich hatte ÜBERALL Flecken auf den Klamotten!"