DIARY

Rotenburg, Villa - 03.04.2015

11.04.2015 von Philipp

Ultimate Easter Bash Pt.I

Andi ist Schuld. Ausnahmsweise aber in positiver Hinsicht. Denn als wir vor ca. einem Jahr mit den israelischen Thrashern von BLACK SACHBAK spielten, nervte es unseren Bassmann, dass die Kollegen ihr geniales Album „No Pay No Gain“ nicht auf Vinyl releast hatten, sondern lediglich auf CD und Kassette. Also wurde ein Label gesucht, welches Bock drauf hat, diese Lücke zu schließen. Fündig wurde Andi dann ganz in der Nähe – in Form von Jan ML-Records, dem feinen Plattenlabel des Lobeck-Imperiums. Zur Platte gibt’s natürlich ‘ne Tour und wir zogen dafür zwei Gigs an Land – Rotenburg, Villa & Kiel, Schaubude, gleich noch schön mit KILLBITE dazu.

 

Die Fahrt gen Rotenburg verläuft vladiistisch – Zarc fährt zwar leider aus familiären Gründen extra und pennt auch nicht in Rotenburg, aber dafür ist Tobis Mitbewohner Meddy mal wieder mit an Bord. Durch beste Mucke und leckere Getränke kommen wir in optimaler Stimmung bei der neuen Villa an.

 

VRHN

 

 

Die ist saugemütlich mit Wohnzimmer samt Tresen, Küche und Kellerzockraum. Im Gegensatz zur alten Villa wohnen die Leute nicht mehr direkt in dem Haus, sie haben jetzt aber einen e.V. gegründet und ziehen weiter ihre Konzerte durch. Wer Genaueres über die Geschichte und den Hintergrund der Villa hören möchte, möge hier mal luschern: http://www.villa-rotenburg.de/ueber-uns/

 

Das Wiedersehen mit den BLACK-SACHBAK-Freaks fällt erbaulich aus. Die haben richtig Bock und freuen sich, in Europa auf Tour zu sein. Man erfährt schnell einige der jeweiligen Vorlieben und Tischkickerfähigkeiten – einer Vladi-Israel-Tour stünde nicht viel im Wege. Ein paar Worte Hebräisch können wir jetzt auch…

 

Der Soundcheck fällt besser als erwartet aus – so Kellerkatakomben können ja auch echt übel klingen. Und zack gibt’s auch schon Essen, lecker gekocht von Louie, der es irgendwie schafft, diese vegane Ente gut hinzubekommen. Ich hatte mir die Vegan-Duck-Dosen auch ma bestellt und das schmeckte voll eklig.

 

Die Zeit vergeht wie im Fluge, die Villa füllt sich und schon legen KILLBITE los. Ja, wie immer einfach nur geil. Leider heute krankheitsbedingt ohne Uli, also ohne Bass, was natürlich immer ‘ne Einschränkung darstellt. Doch Mick und Jascha haben ihren Klampfensound etwas modifiziert, um den Verlust zumindestens etwas auszugleichen. Knallt tatsächlich trotzdem ohne Ende. Die neuen Songs hauen dir ohne Umschweife direkt in die Kauleiste –Latex brüllt sich gut einen ab, um zwischen den Songs mit sehr ruhiger Stimme zu erzählen, worum es jeweils in den Texten geht. Und Ballo kesselt natürlich wie gewohnt – ich bin Fan.

 

Black Sachbak

 

„Haircut I never got!“, poltern BLACK SACHBAK gleich los. Wer die Band einmal live gesehen hat, wird wohl den Anblick von Elirans kurzen Sporthosen über seinen behaarten Beinen nie vergessen können. Das brennt sich tief in die Netzhaut. Die Songs ihrer LP fräsen sich aber auch in die Birne! Sehr geiles Gitarrenspiel, Elirans Gebrüll, welches leicht an GWARs Oderus Urungus erinnert und ‘ne höllisch polternde Rhythmus-Sektion. Die Kerle haben eine Neigung für Coverversionen, heute kommen AGNOSTIC FRONT („Victim In Pain“), GANG GREEN („Alcohol“) und DIAMOND HEAD („Am I Evil“) zum Einsatz, alle super umgesetzt. Da dreht nicht nur Efa, der ehemalige GASHEBEL Sänger, hart am Rad. Wobei Efa mit epileptisch anmutenden Zuckungen und Auf-den-Boden-Werf-Moves schon hervorsticht… Hammer.

 

Schön voll isses und auch noch mit lauter netten Menschen. Da fühlt man sich doch gleich mal motiviert. Die Vladi-Maschine läuft heute wie geölt, das merkt man von Anfang an. Mittlerweile ist Tobi so gut in den Songs, dass er zum Zocken wie ein Gestörter mit der Rübe schüttelt. Von Anfang herrscht ein großes Hallo und viel Bewegung direkt vor unseren Nasen. Die BLACK-SACHBAKs mischen die ersten Reihen gut auf. Den Vogel schießt aber wieder Efa ab, der bei „Dreadnought Fever“ kopfüber an so einem Balken hängt, haha. Wir hauen alles raus, was wir können, haben mit „Deaf To Your Rant“ und dem SLIME-„Schweineherbst“-Cover auch zwei ganz neue Stücke der kommenden EP dabei. Länger nicht inner Setlist war „Eyebrow In Surprise“, einer meiner Faves von der ersten Vladi-Scheibe. Spontan wird auch „Bonded By Blood“ von EXODUS rangehängt, denn wir haben entspannt Zeit. Macht alles durchweg Laune und wird von Hammerstimmung, Bierspritzern, Fistraising und Balkenrumgehänge begleitet.

 

Danach feiern alle noch herrlich in der Villa, die getränketechnisch perfekt bestückt ist. Was soll man sagen? Wir wollen wiederkommen, diese Punkrock-Gastfreundschaft nochmal genießen und es sieht so aus, als dürfen wir sogar! Juhu!

Husum, Speicher - 28.02.2015

05.03.2015 von Philipp

Stein, Papier, Schere, Echse, Spock

Den heutigen Auftritt hatten wir uns eigentlich schon von der Backe geschmiert. Denn in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag war Zarc von einer fiesen Magen/Darm-Geschichte inkl. Fieber niedergestreckt worden. Schweren Herzens hatten wir den für Freitag anvisierten Auftritt in Braunschweig absagen müssen. Zarc selbst hatte allerdings die Hoffnung auf Husum nicht aufgeben wollen und hatte verkündet, er werde sich am Samstagmorgen melden, ob er wieder fit genug für die Bühne sei.

 

Warten am Samstag also. Als um halb eins immer noch keine SMS eingetrudelt ist, werde ich doch langsam nervös. Schließlich erreicht Eric seinen Bruder, der ganz überrascht ist: „Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich mich doch längst gemeldet!“ Argh…

 

VRHN

 

Herrliches Ambiente am Husumer Hafen: Dutzende von Straßenpunkern lümmeln auf dem Boden herum und lassen sich aus Kassettenrekordern beschallen. Der Speicher ist jetzt schon knüppelvoll, auf Schritt und Tritt treffen wir Bekannte. Aus Elmshorn sind gleich 60 Leute mit dem Bus angereist, wie mir Hagi vom SCHEISZE-FANZINE grinsend erzählt. KOLLMARLIBRE zocken auch bereits. Mit denen waren wir mal im schicken Elmshorner Punkerhaus. Damals fehlten wohl diverse Musiker, weswegen ihr SkaPunk etwas unvollständig und rumpelig rüberkam. Das wirkt heute dann doch gleich anders und der Mob tanzt ausgelassen, feiert auch die explizit politischen Texte.

 

Der Speicher hat zwei Ebenen, unten ist die Bühne und ein Tresen samt Küche, oben ein weiterer großer Raum zum Abhängen, Abmerchen und Abstürzen. Alles sehr liebevoll organisiert. Bei der Anzahl an Bands kann man natürlich nicht jeder einzelnen Combo unbegrenzt Bierkisten hinstellen, daher gibt’s Getränke- und Fressbons. Ich empfehle übrigens den Speicher-Burger – vegan und lecker.

 

Rasend schnell vergeht die Zeit zwischen Bands angucken, mit Leuten sabbeln, hochlatschen, runtergehen und selten-mal-an-einem-Fleck-verweilen. Mit am besten kommen die FRO-TEE SLIPS aus Flensburg an, die ich ewig nicht gesehen hab. Mit ihren Gute-Laune-Punk im Stil alter Hosen bringt man das Publikum zum Toben bis hin zu ‘ner Bühneninvasion.

 

Zarc sieht noch ganz schön scheiße aus und fühlt sich im Grunde auch so. Vladiistischer Dialog: „Ich fühl mich so aufgebläht“ – „Bist auch irgendwie dicker als sonst“. Aber lässt er sich wat anmerken? Hölle NEIN! Hemmungslos schreddert der Fucker los, sodass „Reign In Vlad“ nur so aus den Boxen poltert. Dafür unterläuft mir gleich bei diesem ersten Stück ein übles Malheur: Bei einem Sprung komme ich unglücklich auf einem Kabelwust auf und knicke um! Déjà-vu! Denn vor über zehn Jahren bin ich mal bei einem Gastauftritt ähnlich umgeknickt – und hatte mir ‘nen Bänderriss zugezogen. Die nächsten vier Stücke müssen unter rasenden Schmerzen im Knöchel absolviert werden. Schön, dass die Leute mir danach „voll die geile Show, Alter!“ attestieren. Scheint ja immer am besten zu sein, wenn ich mich verletzte. Vielleicht klingt das Gebrüll auch einfach authentischer? Beim fünften Stück spüre ich das herrliche Gefühl, wie der Schmerz langsam nachlässt. Ein Glück. Sieht schließlich auf Dauer bestimmt dämlich aus, dass ich nur auf einem Bein rumhüpfe. Um so cool wie Ian Anderson rüberzukommen, fehlt mir schließlich die verfickte Flöte. Natürlich würdigen wir nicht nur Zarcs Einsatz, sondern gedenken Leonard Nimoy. Erfreulicherweise beherrschen diverse Besucher_innen den Spock’schen Gruß, ich bekomm meine Wurstfinger jedenfalls nicht so virtuos auseinander. Live long and prosper! Klasse auch ein Neunjähriger, der mit seinem Vadder da ist und vorn auf einer der Monitorboxen abgeht, die ganze Zeit grinst und uns mit Daumen hoch Props gibt. Uns wird danach folgendes Zitat zugespielt: „"Mama, Rap ist doch scheiße, Hardcore is geil...“

 

VRHN

 

Rundum gelungener Abend also. Wir geben uns danach der Party und dem BUMS-Auftritt hin. Besten Dank an Stöllchen, die Speichergruppe Rettungsboot, alle beteiligten Bands und Besucher_innen. DER HAFEN ROCKT!

 

Rendsburg, T-Stube – 12.12.2014

16.12.2014 von Philipp

Go Commando!

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Die engagierte T-Stubencrew hat's nicht leicht: Trotz richtig guter Bands, die sie immer wieder ranholt, bleibt der Schuppen in letzter Zeit häufig eher mau besucht. Es ist wohl wieder mal eine ganze Reihe Ex-Rendsburger_innen weggezogen, zudem ist das Angebot in Kiel derart angestiegen, dass sich die Kieler_innen auch nicht mehr so häufig in der T-Stube blicken lassen. Heute aber wird na klar alles anders.


Ein erstes gutes Omen hängt in Form eines Sandsacks von der Decke. Da kann sich Zarc Harkonnen schon mal ordentlich in Form bringen.


DIETER JACKSON eröffnen den Reigen und frönen mit AC/DC-Groove und Stadion-Oh-ho-ho-Chören dem Schweine-Rock'n'Roll. Ihr Plattenboss ist anwesend und wackelt anerkennend hin und her. Doch nicht nur ihm gefällt's – die Stube füllt sich zusehends mit grinsenden, im Takt nickenden Gesichtern. Vielleicht tragen die auch alle keine Unterhosen und werden daher von den „Go Commando“-Lyrics dort abgeholt, wo sie stehen. In den meisten Stücken packt DIETER aber auch wirklich die Rute aus. Mir gefällt z.B. „Wanna See You Lose“, das knallt mehr als jede Ohrfeige, die ein Glühweinmutant dem anderen auf dem Weihnachtsmarkt verpasst.


Dicke-Backen-Mucke kommt dann von den guten TYSON, die in den letzten Jahren ganz gehörig in ihrer SLAYER-Sammlung gewildert haben. Tom Banx hat jedenfalls mehr als Bock drauf, sein Kit Lombardo-like zu verprügeln. Und dabei noch einige Backing-Vocals beizusteuern – Respekt. Der Meister des präzisen Riffings heißt Pierre Dapper und es ist eigentlich 'ne Frechheit, dass der Kerl noch keine Preise für sein Over-the-top-Gitarrenspiel verliehen bekommen hat! Dann machen wir hier halt den Anfang und verkünden: Pierre Dapper bekommt den VLADIISTISCHEN SCHREDDER ORDEN FÜR SAITENQUÄLEREI WEIT ÜBER DIE PFLICHTERFÜLLUNG HINAUS verliehen. Glückwunsch. Geil auch wieder Kochis Gesang, der zwischen HC-Gebrüll und zarten Clean-Vocals pendelt. Mensch oder Löwe?


T-Stube 


Ihr kennt das: Die letzte Band schlurft auf die Bühne – und eigentlich ist der Abend gelaufen. Band betrunken, Gäste weg, Veranstalter mit der Kasse getürmt. Heute passiert das genau mal nicht: Wir zocken den ersten Song, plötzlich öffnen sich die Tore und der Mob scheint sich zu verdoppeln. Na hoppla. Im Nachhinein hören wir, dass da offenbar gleich zwei Weihnachtsfeiern zu ende waren und feierwütige Teilnehmer_innen noch Bock auf Lärm hatten. Dem eh schon superben Abend verpasst das noch einmal ein Upgrade in Sachen Schwung, Trinkfreude und Gestank. Wir Vladis drehen auf, der Mob saut alles ein. Als ich einen kleinen Bodenroller wagen will, springen gleich drei, vier, fünf Gestalten auf mich drauf. Wahrscheinlich weil sie es können. Einer hält aus Versehen oder auch absichtlich seine Bierpulle quer, deren Inhalt mir in Zeitlupe in ein Ohr schwappt. Ich singe natürlich weiter. Sonst meckern danach nämlich die Zölcks. Zum Glück wirft mir wenig später irgendwer so ein flexibles Leuchtdingsie auf die Bühne. Ihr wisst schon. Jedenfalls prügle ich damit auf diverse Köppe ein, um weitere Ohr-Attacken präventiv zu bekämpfen, was irgendwie weihnachtliche Freude bereitet. Apropos: NIE, NIE, NIE WIEDER WEIHNACHTSMARKT! Gut, dass das mal jemand gesagt hat. Denn was gibt es Widerlicheres? Dritter Auftritt mit Tobi und es ist bisher klar der beste. Der Sound ist auch superb, sodass wir Henrik wohl der T-Stube klauen müssen.


Mit den vielen bekannten Gesichtern wird noch der eine oder andere Mexikaner genossen, bevor die Sause auch schon wieder rum ist. VLAD SMASH, TYSON und DIETER aber auch! Danke an alle! 

 

VRHN

Itzehoe, Atzehoe - 21.11.2014

24.11.2014 von Philipp

Geiles Manöver.

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Eine der schönsten Sachen am Musikmachen ist die völlige Unberechenbarkeit hinsichtlich der Liveauftriite. Hätte jemand mit mir gewettet, ob uns der Kieler Auftritt oder der eine Woche später für Itzehoe geplante Gig mehr Spaß bringen würde, hätte ich wohl alles auf Kiel gesetzt.


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Meine leichte Skepsis in Bezug auf Itzehoe war möglicherweise auch dem Umstand geschuldet, dass kurz nach unserer Zusage die News reinflatterte, dass am selben Tag AHAB in Hamburg spielen. Das hat mich schon etwas gewurmt, haben sich die Nautic Funeral Doomer in den letzten Jahren doch zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Nun hätte ich sie endlich mal sehen können, aber nix da – ein eigener Auftritt steht an. Was natürlich auch okay so ist. Geht ja vor und so… Und so eine nette Einladung von den Kolleg_innen SKULL HARVEST schlägt man ja auch nicht aus.

 

Witzig ist ja bereits, dass es in Itzehoe für ‘ne Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern doch mehrere Läden gibt, in denen was geht. So war ich in der letzten Zeit im Panoptikum (SLOUGH FEG), der Lauschbar (HOBBS ANGEL OF DEATH, AXXION) und eben dem Atzehoe (MANILLA ROAD). Und dann gibt’s ja noch den Freiraum, über den ich schon Konzertreviews gelesen habe.

 

Das Atzehoe sieht von der Inneneinrichtung etwas seltsam aus – diese runden Sitzgarnituren aus Kunstleder sehen schon hart nach Puff oder zumindest „Tanzlokal“ aus. Lustig auch der Backstageraum, der aus ‘nem Wohnwagen besteht, den man durch die Hintertür und über kuriose Treppchen erreicht.  Aber Sound und Licht sind dann wieder erstaunlich gut! Das zeigt sich bereits beim Soundcheck, den wir nach dem Chaos von letzter Woche heute akribisch betreiben.

 

Erwartet werden: Drei Punker und zwei betrunkene Hunde. Doch auch hier überrascht uns Itzeatzehoe: Es füllt sich bereits früh sehr angenehm, diverse Überraschungen in Form von bekannten Gesichtern sind auch zu verzeichnen.

 

Ratzfatz vergeht so die Zeit bis zum Gig. Obwohl es natürlich keine Monitore gibt, klingt das heute echt mal schön transparent und fett. Ein Genuss. Ich fühle mich motiviert und segle schwerelos durch Zeit und Raum. Tobi auch. Andi nicht so. Dennoch überzeugt mich sein geiles Manöver, mit einem gezielten Bodenroller (ein Wust aus Haaren, Bauch und Bass) einen Mikroständer zu schrotten. Respekt. Hey, die Leute sind erfreulich aktiv, kreischen, grölen, bangen und moshen oder applaudieren brav, sodass wir aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskommen. Da erinnert man sich gern an einen der ersten Itzehoe-Besuche, als MALEVOLENT CREATION in einer Art Pizzeria gespielt haben und irgendwann der Sänger über die Tische und einem Gäste mitten auf die Pizza gelatscht ist. Ist dies wirklich erst der zweite Auftritt mit Tobi? Kommt mir gar nicht so vor. Zarc ist etwas heiser durch ‘nen Schnuppen, kämpft sich aber mit hochroter Bombe wacker durchs Set. Eric groovt wie immer gnadenlos und wenn ich zum Bierholen zum Schlagzeug bücke, spielt er bestimmt nur zufällig gerade die lautesten Becken. Mit am meisten Spaß machen mir heute wieder der von SLAYER geklaute „Black Magic“-Anfang und das stetig besser flutschende „Blue Hell“.

 

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Nun können wir uns entspannen, mit den Leuten feiern, das Catering (heute: Döner) mampfen und SKULL HARVEST zugucken. Die hatte ich gar nicht so bissig in Erinnerung. Punkig und sehr rockig wird ausgeteilt, wobei mir u.a. der Gesang gut gefällt. Wir genießen dazu Bier und so einen braunen Tequila, der durch eine Zimtmischung und natürlich die obligatorische Orange zusätzlich an Schmackhaftigkeit gewinnt.

 

Im Streckermobil geht es dann irgendwann zurück durch die Nacht. Die einen schwärmen noch, die anderen halten schon ein Schläfchen. VLAD SMASH!

Kiel, Alte Meierei - 15.11.2014

18.11.2014 von Philipp

Black Manglefoot

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Dieses Konzert hatte derart viel Vorlauf, dass wir bei unserer Zusage noch nicht ahnen konnten, dass es für uns ein sehr spezieller Auftritt werden sollte – nämlich der erste wieder zu fünft und mit unserem neuen Gitarristen Tobi (auch: AGRIMM DOOMHAMMER). Klemsen vom wunderbaren KIEL EXPLODE-Festivalteam hatte Bock drauf, die Aachener Combo UNDER THE PLEDGE OF SECRECY nach Kiel zu holen. Mit den Flensburger Crusties DARK HANSEN und uns wurde das Paket dann zurechtgeschnürt und mit hübschem Geschenkband vertüdelt.

 

Meierei

 

Und wenn Klemsen, André & Crew etwas organisieren, dann hat die Sache Hand und Fuß. Es gibt bereits zum Soundcheck um 18.00 Uhr leckeren Kaffee, Stullen mit diversen veganen Aufstrichen, die unumgänglichen drei Klemsen-Kuchen (Pst! Klemsen wird als geheimer Favorit für den Titel „Kiels bester Kuchenbäcker“ gehandelt. Nicht weitersagen!) und wenig später auch schon extrem leckeres Essen mit Tofu, Reis und Soßensuppe. Plakatiert wurde auch, was ja nicht selbstverständlich ist.

 

Bei netten Nerd-Talks mit den Leuten von UNDER THE PLEDGE OF SECRECY und DARK HANSEN geht die Zeit schnell rum. Die ersten Gäste trudeln viel zu früh ein, nämlich zur auf den Flyern angegeben Zeit. Anfänger.

 

Mir gefällt der „Schlüssel“ ja sehr. So heißt DARK HANSENs Debutscheibe, welche sie dieses Jahr rausgehauen haben und deren 300er Auflage auch bald weg sein wird. Noch besser sind sie auffer Bühne. Da fliegen die Zottel - Schorsch, Ole, Danny und Birger haben es drauf, in fies malmenden Midtempo alles plattzuwalzen. Als plötzlich der Gitarrengurt reißt und „ein Streichholz oder so“ zur Reparatur erbeten wird, ergreife ich die Chance, mein Karma zu verbessern. Denn in jeder echten Kutte befinden sich natürlich Zahnstocher. Wie man damit Gitarrengurte repariert, weiß ich zwar nicht, aber irgendwie gelingt es tatsächlich. Geiler Auftritt!

 

Holy Schmoly! UNDER THE PLEDGE OF SECRECY leiden offenbar unter ADHS und Tourette gleichzeitig. Anders ist das hyperaktive Gezeter kaum zu erklären. Der eben noch so nette und höfliche Sänger verwandelt sich in eine Bestie mit Schaum vorm Mund. Die anderen Typen spielen, als stünden da gerade zehn Menschen auf der Bühne. Und alle zehn wollen möglichst viele Töne spielen… Was in der Konzertankündigung versprochen wird, nämlich „wildes technisches Geprügel“, das bekommt der geneigte Grindfreund auch tatsächlich auf Ohren und Augen.

 

 

VRHN

 

 

Tobi ist den ganzen Abend über gelassen und verkündet erst kurz vorm Gig: „Scheiße, jetzt bin ich doch aufgeregt!“ Aber tatsächlich zockt der Gute, als spiele er schon ewig bei VLADIMIR HARKONNEN. So erzählen es jedenfalls diverse Besucher_innen. Die Aussagen der gesamten Gruppe um Strecker sind allerdings mit Vorsicht zu genießen – hier herrscht ein hoher Verminzungsgrad… Der Sound ist zwar gar nicht mal so gut heute, aber das kann unseren Spielspaß keineswegs hemmen. Mischer Flo ist fit drauf und zaubert, schraubt und dreht an den Knöppen, bis alles etwas besser klingt, aber heute scheint der Wurm in der Technik zu stecken. Ich find’s viel wichtiger, dass irgendwer eine gigantische Leiter stehen gelassen hat, die bis zur Hallendecke reicht. Ich kann nichts dagegen tun: Das Ding muss beklettert, die Aussicht genossen werden. Ansonsten funktioniert die Sache mit dem Karma: Als ich mit einer Hand vergeblich ein Bier zu öffnen suche, kommt Moe auf die Bühne und serviert. Ein wahrer Engel. Und als ich ebenfalls einhändig (ich muss ja parallel singen und so) meinen linken Schuh zuzuknoten versuche, kommt glatt Jan ML daher und regelt die Sache mit ‘nem doppelten Palstek. Tobi hat 13 Biester auf der Pfanne und es zeigt sich überdeutlich, dass die Songs mit zwei Gitarren doch besser klingen, da hat Zarc schöne Sachen geschrieben, die jetzt erst wieder zur Geltung kommen. Vor „Tangle Foot“ gibt es den Anfang von SLAYERs „Black Magic“, doppelt so lang gezockt, bevor es in das Riffing unseres Songs übergeht. Ist aus einer spontanen Laune auf der letzten Probe entstanden und darf aus meiner Sicht erst mal beibehalten werden. Mit „Bonded By Vlad“ beenden wir den Reigen, aber Tobi will danach noch mit seiner Hood zu uns im Mob ein Tänzchen wagen und so hängen wir noch zu viert „This Ain’t A Lovesong“ ran. Die Rechnung ist aufgegangen: Es kommen jetzt auch Leute, die uns hassen, aber Tobi mögen.

 

Danach gilt es, schnell am Kuchenrestebuffett zu sein, denn nach dem Konz sind alle immer am hungrigsten. Der damit verbundene Durst ist noch bis in den frühen Morgen nicht gestillt, aber das ist eine andere Geschichte.

 

FORTSETZUNG FOLGT…

Innsbruck, PMK - 25.10.2014

29.10.2014 von Philipp

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Schockierende Erkenntnis: Zarc kennt CURLY WURLY nicht. Dies stellt sich heraus, als ich irgendwann einen CW-Riegel nach vorn durchreichen will: „Curly Wurly gefällig?“ Zarc: „Was ist dat denn?“ Ungläubige Stille senkt sich übers ROCKTOBUS-Mobil. Das von unserem Bandgourmet?


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Vorher gibt’s aber noch lecker Frühstück und ebenso schmackhaften Punkrock bei unserem Gastgeber Mike. Dessen Plattensammlung lässt keine Wünsche offen – unzählige Klassiker aus Punk, Hardcore und Hardcore/Punk schmiegen sich aneinander. Es laufen alsbald die neue NERVÖUS, DISFEAR und zum Nachtisch VENOM. Doch irgendwann heißt es: Abschied ist ein scharfes Schwert.

Und wenige Stunden später sind wir auch schon in Österreich, genauer gesagt in Innsbruck, genauer gesagt beim Organisator dieses feinen Wochenendes HammerheadPhil. Der begrüßt uns gleich mit gekühlten Getränken (eigentlich isses kalt genug, aber der Fucker läuft in kurzen Hosen herum), einer malerischen Aussicht auf schneebedeckte Berge und der unvermeidlichen Plattenkiste. Clever, der Typ. Phil erweist sich zudem als Weinkenner und patenter Koch. Es gibt Zucchini-Schafskäse-Auflauf mit Brot und frischem Knoblauch.

 

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Bestens gelaunt schlagen wir beim PMK auf und beschnuppern Schuppen, Bands und Crew. Der Laden ist für unseren Geschmack fast ein wenig zu schick und zu heil. Aber sehr schön ist die Lokusdeko, denn dort sind reihenweise Kassetten an die Wände geklebt worden, die durch indirekte Beleuchtung erstrahlen. Man entdeckt bei näherem Hinsehen alte Hörspielklassiker, fiese Schlagerhits und watweißich. Manche der Tapes müssen sehr kultig gewesen sein, denn irgendwelche Banausen haben Löcher in die Deko gerissen.

Neben den Jungs von ENDLESS PATH begrüßen wir auch TRIPSITTER, ebenfalls direkt aus Innsbruck und ebenso gut rasiert und frisiert. Die üblichen Rituale wie Soundcheck, Merchaufbau und Biertrinken werden in angenehmer Langsamkeit zelebriert.

Irgendwie sollen wir als letztes spielen, was etwas merkwürdig ist, da uns doch im Gegensatz zu den beiden anderen Bands hier kaum jemand kennen dürfte. Aber wir diskutieren da keine Sekunde drüber. Gemäß der HIGHSCORE-Hardcore-Ethik liebe ich es nämlich generell, die schlechteste Spielzeit zu bekommen. Denn Eitelkeiten (“bei wem sind die meisten Zuschauer, wer verkauft die meisten Platten?“) sind armselig, einer Band, die für ihre Musik brennt, muss es EGAL sein, ob die potentiellen Zuschauer noch nicht da oder schon weg sind. Und warum soll man auch um Besucher_innen „trauern“, die eh nur eine bestimmte Band sehen wollen?

TRIPSITTER finde ich ganz geil. Bei denen ist es heute am vollsten. Der moderne Melodic Hardcore würde gut mit DEATH HOAX oder MODERN LIFE IS WAR harmonieren, gleichzeitig düster und melancholisch.  

ENDLESS PATH gefallen mir heute besser als am Vortag. Liegt vielleicht daran, dass die Band hier zu Hause ist und damit eine ganz andere Stimmung herrscht. Da wir aber gleich spielen und ja immer direkt vor einer Show geheime vladiistische Rituale vollziehen, bekomme ich auch nicht alles mit.

Yeah, zum ersten Mal in Innsbruck. Der Soundmensch besorgt zumindest auf der Bühne einen guten Klang. Davor auch, denke und spüre ich, schließlich werden auch heute Bodenroller und diverse Kletteraktionen vollzogen. Es sind in der Tat weniger Leute da als am Anfang, aber ich habe den Eindruck, die Anwesenden haben alle recht viel Spaß. Na gut, bis auf den Typen, der an der Seite liegt und ein Schläfchen hält. Zarc spielt zum voraussichtlich letzten Mal für zwei Gitarre, denn beim nächsten Auftritt werden wir das neue Gitarrenwesen präsentieren… HammerheadPhil steht grinsend im Mob und knipst fleißig Fotos – Danke! Es ist wahnsinnig heiß auf der Bühne, wie immer, wenn direkt über unseren hässlichen Rüben so fette Strahler hängen. Durchgeölt, mit ruinierten Frisuren, aber glücklich beenden wir irgendwann das Konz und beschließen: Wir kommen zurück.

Über die Gastgeberqualitäten in Innsbruck können wir nur schwärmen. Hoffentlich werden wir das alles bald wiederholen. Dann gleich zehn Tage lang oder so.

Danke für die wunderschöne Zeit!

P.S./Nachtrag: Als ich Zarc auf der Rückfahrt einen weiteren Curly Wurly anbiete, winkt dieser empört ab: "Geh weg! Dein letzter Curly Wurly ist auseinandergeplatzt und ich hatte ÜBERALL Flecken auf den Klamotten!" 

München, Café Marat - 24.10.2014

28.10.2014 von Philipp

Rollkoffer sind kein Rock'n'Roll.

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Von Kiel/Rendsburg aus nach München und Innsbruck, und dann noch mit einem Leihbus? Das klingt schon etwas beknackt, das müssen wir zugeben. Aber das Streckermobil steht an diesem Wochenende nicht zur Verfügung, der gute Strecker hat schließlich auch noch andere Hobbys. Bei den Menschen von ROCK-TO-BUS (Hafermarkt/Flensburg-Umfeld) finden wir zum Glück ein mehr als korrektes Angebot. Der Bus ist außerdem ganz schön gemütlich und bietet viel Stauraum fürs Equipment. Eine tolle Idee ist auch das „Gästebuch“, welches im Wagen rumliegt und in dem bereits diverse befreundete Bands ihre Duftmarke hinterlassen haben, z.B. SHUDDER AND SPIT, REZET, UPPER CRUST oder DARK HANSEN.

 

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Mit dem Geschepper und Gerülpse von AUTOPSY vergeht die Fahrt auf die denkbar erbaulichste Weise. Andi, Zarc und Eric wechseln sich mit dem Fahren ab (Philipp ist passionierter Beifahrer. Das kann er gut, solange ihr ihm keine Karte oder so in die Hand drückt und erwartet, dass er euch zum Zielort dirigiert). Bei einer ca. zehnstündigen Fahrt ist die Gefahr ja groß, dass eine Band komplett betrunken ankommt. Das gilt natürlich nicht, wenn die Band VLADIMIR HARKONNEN heißt. Die Weltrevolution kann schließlich nur nüchtern errungen werden!

Da wir brutal früh losgefahren sind und richtig gut durchkommen, sind wir entsprechend zeitig beim Café Marat. Also, in Städten wie Neumünster oder Flensburg sind wir schon deutlich später eingetrudelt...

Ja, leck mich doch am Arsch. In einer derart unsympathischen Stadt wie München würde man eigentlich nicht so eine Oase wie das Café Marat erwarten. Total gemütlich, alles voller Grafitti, politischer Sprüche und innen drin sind mehr Sitzmöglichkeiten, als wir zählen können. Hier laufen offenbar auch diverse politische Aktivitäten, organisieren sich die verschiedensten politischen Gruppen. Super! Vermittelt hat uns den Trip Hammerhead Phil, der aber heute nicht selbst vor Ort sein kann. Dafür werden wir herzlich vom örtlichen Veranstalter Mike begrüßt, der heute auch zusammen mit seiner Band OFF DEAF den Abend musikalisch eröffnen wird.

Aber erst mal bisschen abhängen, Leute kennen lernen, den Laden genießen, ein paar Getränke zischen und lecker essen. Es gibt ein leckeres Gericht mit wat Reis, Tofu und Zwiebeln. Geschmackvoll zusammengestellt und pfiffig gewürzt.

OFF DEAF erinnern mich so'n bisschen an frühe KURHAUS. Es wird emotional geschrien, aber das mit ausreichend Punk-Dreck auf den Stimmbändern. Die Band hat heute erst ihren dritten Auftritt, was man natürlich hört. Aber man spürt auch ihre Liebe und was will man mehr?

Aus Tirol stammen ENDLESS PATH und sie haben (zusätzlich zu ihrem regulären Drumset) so eine Art e-Drum-pad dabei, mit welchem sie so einen mächtigen Rumms-Klang auf bestimmte Schlagzeugparts legen. So wie bei FEAR FACTORY oder so. Musikalisch ist das eher Metalcore, wie ich ihn mir zu Hause nicht anhöre. Sind aber nette Typen, die alle Wert auf eine sorgfältig gestylte Rasur legen. Wie ich erfahre, lassen sie ihre Bärte extra bei einem türkischen Barbier stutzen, der`s voll drauf hat.

 

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Trotz den auch heute in München spielenden TOXOPLASMA ist doch 'ne Handvoll interessierter Menschen gekommen. Einen Freak lerne ich endlich mal persönlich kennen, nachdem wir uns bisher ausschließlich via Netz über Musik und Literatur ausgetauscht hatten. Cheers Henry! Wir testen vorsichtig, ob die Münchener ihre eigene Stadt auch so furchtbar finden wie wir. Tun sie! Wies'n sucks, Kieler Woche aber auch. Wir erörtern also so relevante Fragen, auf welchem dieser Volksfeste sich mehr Mutanten herumtreiben. Dazu wird fleißig auf dem Boden gerollt. Einmal will ich Andi mit dem Mikro die obligatorische Kopfnuss geben, auf die er so steht. Doch da dreht sich der Fucker gerade in meine Richtung und bekommt das Ding direkt unters linke Auge. Berufsrisiko. Herrliche Sache! So schön, dass wir glatt noch spontan „Blue Hell“ und „Bonded By Vlad“ ranhängen. Nur wie diese doch verdächtig nach Zugabe (= Rockstarscheiße) riechende Aktion rechtfertigen? Einfach: Wir behaupten, wir hätten glatt zwei Titel auf der Playlist übersehen...

Danach wird schön noch Rock'n'Roll aus der Konserve gespielt, und wer es kann, der legt dazu einen kleenen Vladi-Shuffle aufs Parkett.

Mike wohnt angebliche „15 Minuten Fußmarsch“ entfernt. Warum überrascht es uns nicht, dass wir locker 45 min latschen? Und das OHNE Strecker. Alle ächzen unter dem Gewicht ihrer Schlafsäcke, Isomatten und Getränketüten (das mit der Weltrevolution muss kurz warten). Nur Andi nicht, der zieht einen Rollkoffer durch München. Was dafür total Unpunk ist und von allen mit Verachtung gedisst wird.

Gute Nacht und: TBA!

Weißenmoor, ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP – 06.09.2014

09.09.2014 von Philipp

Hast du etwa mit den Augen gerollt?

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Drei Stunden Schlaf können auch mal reichen. Vor allem wenn man ein derart leckeres Frühstück kredenzt bekommt wie wir jetzt grad von Gastgeber Kai Nenschimmer. Uns fällt ein, dass Düsseldorf mit „Hitsville“ mindestens einen guten Plattenladen hat. Und da unsere Terminvorgabe „irgendwann abends“ lautet, heißt es: Hin da!

 

In der Düsseldorfer Altstadt sieht es aus wie bei uns zur Kieler Woche. Also alles voller Mutanten. Laut Kai sei das Schlimme daran aber, dass dieser Zustand nicht eine, sondern 52 Wochen im Jahr anhalte. Weia. Zum Glück kennt unser Guide aber die versteckten netten Ecken. Wir kommen während der Stadtführung übrigens am Haus längs, in dem Heinrich Heine 1797 geboren wurde. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch, / Wir weben hinein den dreifachen Fluch.“

 

Bei Hitsville betreiben wir dann erbauliche Plattenernte – u.a. wandern Sachen von EXTREME NOISE TERROR, JERRY'S KIDS, MERCYFUL FATE, SHEER TERROR und IRON REAGAN in unsere Sammlungen. Nach ein paar Bierchen in der Altstadt müssen wir dann aber auch langsam mal los. Zurück am AK 47 gibt man uns netterweise noch einen Kasten Bier als Wegzehrung mit.

 

Das ANARCHSTISCHE SOMMERCAMP findet auf einem Resthof nahe Weißenmoor bei Rotenburg statt. Wir finden es eigentlich recht schnell und sind sofort verliebt. Total schön hier. Erinnert uns sehr an einen französischen Squat in Bovel (bei Rennes), wo das auch so gemütlich und liebevoll zusammengezimmert ist. Unsere Pennplätze sind wie in Bovel ebenfalls über eine schmale Holztreppe zu erreichen. Das Sommercamp läuft eine ganze Woche von Mittwoch bis Mittwoch und hat diverse interessante Themen zur Diskussion, z.B. „Anarchie und Alter“ oder „Ökonomie und Utopie“. Alles erscheint recht fit durchorganisiert und wir begeistern uns für die aufgehängten Verhaltensregeln – so verbannt man männliche Machtgebärden oder Augenrollen bei Gesprächen. Wird sofort fürs Streckermobil adaptiert – wer ab jetzt genervt mit den Augen rollt, wird hart bestraft, rausgeworfen und ohne Bier im Nirgendwo zurückgelassen. Es sind extra zum Konz auch diverse Leute eingetrudelt, diverse angenehme Wiedersehen können gefeiert werden.

 

Da wir heut die einzige Band sind, können wir nach einem kurzen Soundcheck auch schon gegen 23.00 Uhr oder wat beginnen. Der Klang ist richtig gut – wie so häufig unter ähnlichen Umständen, also einfach mit Backline und 'ner kleinen PA plus Gesangsanlage. Und ebenfalls so 'ne Art Rock'n'Roll-Gesetz: Der zweite Auftritt ist IMMER besser als der erste! Heute flutscht das aber auch alles. Kann natürlich auch am Rotwein liegen, sagt ihr? Aber nein, alle sind einfach voll in Fahrt und motiviert bis in die letzte vladiistische Körperzelle. Heute springt Tobi bei „Black Metal Duckface“ mal an die Gitarre und Zarc schnappt sich sein Mikro und hüpft gemeinsam mit mir herum. Warum Tobi sowas tut? Weil er's kann, schätze ich. Die Folge sind „Tobi“-Rufe aus dem Mob, welche den Guten derart anspornen, dass er zu „Bonded By Vlad“ Andis Bass übernimmt (und gleich den ersten Ton verkackt). Ein Auftritt, der einfach unfassbar viel Spaß macht.

 

Gefeiert, gesabbelt und tolle Musik gehört steht dann bis tief in die Nacht auf der Agenda. Irgendwann krabbeln wir die erwähnte Treppe hinauf ins Penn-Stockwerk. Dort liegt Tobi bereits seit mehreren Stunden, leidet aber irgendwie unter massivem Magengrummeln. Ob es nun unsere vereinten Ausdünstungen sind oder einfach Zufall: Jedenfalls muss sich der gute Tobi plötzlich und in unfassbar starken Strahlen seines Mageninhalts entledigen. Zum Glück schließt das Dach nicht direkt an den Boden an und Tobi hat eine ausreichend große Lücke zum Rauskotzen. Wir befürchten schon, dass die minutenlang andauernden Auswürfe das unten stehende Küchenzelt erwischen, sehen morgens aber, dass er lediglich den Boden bekleckert hat…

 

Tscha, nach einer erneut sehr kurzen Nacht geht es dann auch wieder los mit dem Streckermobil. Danke, Ole, Danke ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP & alle Besucher_innen!

 

Düsseldorf, AK47 - 05.09.2014

08.09.2014 von Philipp

This is Flingern not L.A.!

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Gerade mal drei Tage vor diesem seit langer Zeit geplanten Wochenende erfahren wir, dass der Auftritt am Samstag in Göttingen nicht stattfinden kann. Ballo hatte schlicht eine Mail übersehen, dass es in Göttingen terminliche Überschneidungen gab – das Konz war im Grunde bereits seit zwei Monaten abgesagt… Wird natürlich nachgeholt.

Unfasslicherweise erreicht uns am selben Tag rein zufällig eine Anfrage, ob wir nicht auf dem ANARCHISTISCHEN SOMMERCAMP in Weißenmoor spielen wollen. Wollen wir! Gefragt hat Ole aus der Villa Rotenburg – besten Dank dafür.

Somit geht es bester Dinge ab nach Düsseldorf. Ich muss zunächst direkt von meiner Schule in Timmendorfer Strand nach Hamburg donnern, weil wir ansonsten viel zu spät gekommen wären. Strecker hat sein Streckermobil bereits am Vortag Eric geliehen, der meinen ganzen Kram dann schon abgeholt hatte. Ich treffe mich also in HH mit Strecki und wir schaffen auch nur ein Bier in einem Asi-Biergarten, als die vladiistische Horde eintrudelt. Mit an Bord: Tobiarsch Doomhammer.

Sechs Stündchen Fahrt vergehen in derart angenehmer Gesellschaft natürlich wie im Flug. Irgendwie isses schon dunkel, als wir in Düsseldorf ankommen. Wir treffen Meyer 77, der uns eingeladen hat und das Flingern-Festival seit Jahren (mit)organisiert. Außerdem vor Ort: die weltbeste Anja, unser Coverkünstler Fritte (so ein geiler Typ!), mein Bruder Motitz, Samson und Kollege, Ex-GAINSAY-Bassist Nico (also ein früherer Bandkollege von Eric und Zarc).und weitere alte und neue Bekannte. Noch vorm Auftritt gibbet lecker veganes Gulasch mit Nudeln. Dadurch verpassen wir leider fast gänzlich KACKSCHLACHT, aber ich hab so’n Hunger, dass ich echt erst mal fressen muss. Ein paar Songs sind natürlich trotzdem noch drin und machen schon Laune – das rumpelt, das knattert, das röhrt und krächzt. Dazu noch super Texte, wie man bereits an Titeln wie „Das ist kein Punk!“ oder „Arbeiten/Saufen“ erkennen kann.

Von FRONT bekomme ich ebenfalls wenig mit, da es einfach zu schön ist, mit den erwähnten Leuten abzuhängen und zu sabbeln. Ein kurzer Eindruck lässt mich erkennen: Ganz geiler 80er Punk, der mich etwas an MALE erinnert. Auch hier deutsche Texte, die mich wiederum an TREND denken lassen. Muss ich mir unbedingt mal in Ruhe ansehen!

Irgendwie hab ich heute Bock. Die anderen meinen später, dass ihnen die Fahrt noch in den Knochen in den gesteckt habe. Aber anzuhören oder anzusehen ist das meiner Meinung nach keinem meiner Mitvladis. Gut, ich kann aber auch nicht auf derartige Feinheiten achten, bin ich doch zu sehr damit beschäftigt, mir und anderen das Mikro auf den Kopp zu hauen. Hach, eigentlich gibt es doch nichts Schöneres, als zur eigenen Mucke durchzudrehen und in strahlende Gesichter zu blicken. Der Mob ist guter Dinge, das Flingern-Festival ist (wie immer wohl) gut besucht, auch bei uns ist es gut voll, obwohl wir heute sicher nicht jeden Geschmack treffen. Wir fangen mal mit „Dreadnought Fever“ an, kloppen „Roadkill BBQ“ hintenran und haben so einen schönen Start. Von der ersten Platte gibt es mittlerweile nicht mehr viel in der Setlist, aber „Divorce Divine“, „Not Even Close“ und natürlich „Party Of The Damned“ sind heute immerhin dabei. Mir machen heute „This Ain’t A Lovesong“ und „Frontex Fuckers“ am meisten Spaß. Zu „Frontex“-Komplex gibt es ja gerade derart widerliche Neuigkeiten (noch mehr Kohle für die „Verteidigung der EU-Außengrenzen“…), dass man gar nicht genug Gift und Galle spucken kann.

Die Party danach findet für uns vor allem an unserem flugs aufgebauten Merchstand statt. Fritte kommt längs und wir planen schon mal locker die nächsten Coverideen. Mit Fritte kann man immer aufs Herrlichste brainstormen. Übrigens haben Paläontologen gerade einen Saurier rekonstruiert, den sie dann „Dreadnoughtus“ genannt haben, wie Fritte erzählt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-rekonstruieren-gigantischen-sauropoden-a-989796.html

STRONGBOW verpass ich nahezu komplett, da ich an unserem Stand weile. Von draußen klingt das gar nicht schlecht, die Typen sind sehr nett, wir sabbeln und tauschen noch Platten.

Zu I KNOW zieht es mich in den Schuppen. Boah, da kommt aber ‘ne WUT von der Bühne! Die Weißrussen sind auch sauer, das ist mal klar. Die Sängerin klingt sowas von angepisst, dass man fast erleichtert ist, wenn sie zwischendurch ihren Gitarristen angrinst. Der andere Gitarrist erklärt zu fast jedem Stück, worum es geht, was mich sehr fesselt und berührt. Die Kolleg_innen haben sehr ähnliche Themen wir. Es geht um soziale Kälte, Faschismus, den Kampf für autonome Strukturen oder die Entfremdung durch Arbeit. Hammerauftritt!

http://iknow.bandcamp.com/

Irgendwann geht es zu Kai, der angeblich 10 Minuten Fußweg entfernt wohne. Wer immer für diesen Weg zehn Minuten gebraucht hat, ist ihn jedoch nicht mit Strecker gegangen… Und nach ca. einer Stunde Fußmarsch passiert es: Strecker stürzt über eine Verkehrsinsel, segelt mit ausgestrecktem Bier-Arm locker einen Meter durch die Luft und knutscht unsanft mit einem Tom-Warrior-„Ugh“ den Asphalt. Das anfängliche Gelächter verstummt schnell, als Strecker sich gar nicht mehr rührt und sich langsam eine große Blutlache um sein Gesicht bildet. Aber Fehlalarm! Es handelt sich lediglich um eine Pfütze. Zum Glück! Irgendwann ist der Gute mit vereinten Kräften wieder aufrecht gestellt und wir finden nur ein paar Schrammen. Respekt: Das Bier ist unversehrt und kaum ein Tropfen verkleckert!

Danach wird bis ca. 7.00 Uhr noch gefiert und diskutiert. Unser Gastgeber ist der Hammer und kann zum Wodka sogar Rhabarbersaft anbieten.

Bis morgen!

Flensburg, Hafermarkt – 22.06.2014

01.07.2014 von Philipp

ULTRA-HARDCORE-SEKTFRÜHSTÜCK

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Uff, direkt nach dem Kiel Explode ein Konzert spielen? Auffen Sonntag? Doch Dominik vom Hafermarkt beseitigt unsere anfängliche Skepsis mit dem Hinweis, dass es sich um eine Matinée-Show handele. Außerdem werde es Sekt geben – sozusagen ein ULTRA-HARDCORE-SEKTFRÜHSTÜCK. Sekt ab 14.00 Uhr, Krach ab 18.00 Uhr. Gut, gut!

 

Mit dabei sind die kanadischen Motörcrusties HARD CHARGER. Zum Zeitpunkt der Einladung kenne ich die Band zwar noch nicht, drei Tage vorher sehe ich sie aber auffem K-Town-Warm-Up und bin total begeistert von der Mischung aus TRAGEDY, MOTÖRHEAD und etwas Sludge.

 

Daher ist das Aufeinandertreffen mit HARD CHARGER auch eher ein Wiedersehen. Zunächst wird man wie immer feist bewirtet – heute gibt es vegane Burger zum Selberbasteln plus Pommes. Die Stimmung steigt angefeuert von Sekt, Burgern und den Tourgeschichten des Drivers von HARD CHARGER auf ein genehmes Level.

 

HARD CHARGER haben nicht nur eigene (geile!) Scheiben dabei, sondern auch andere heiße Sachen in den Distrokisten. Andi kauft 'ne LP mit SLAUGHTER-Demos, ich 'nen DARKTHRONE-Shirt.

 

Gut gelaunt geht es fast pünktlich auffe Bühne. Es sind sogar bereits Menschen anwesend. Schon bei einem der ersten Songs kommt es zu einer spektakulären Stagedive-Aktion. Horst Spider krabbelt zu uns, dreht sich zum Mob und setzt derart plötzlich zum Flachköpper an, dass gar niemand reagieren kann. Obwohl wir mitten im Song sind und alles schimmelt, bimmelt und dröhnt, meine ich die Erschütterung hören zu können. Horst Spider rutscht bestimmt zwei Meter zwischen den Leuten durch – mit ausgestreckten Armen und auf dem Bauch. 10 von 10 Punkten in Sachen Haltungsnoten! Heute dürfen wir etwas länger spielen als auf unserem letzten Konzi in der Markthalle. Daher kommt heute die Playlist, wie wir sie dort laut Wunsch und ohne Zeitlimit gespielt hätten, u.a. mit „Black Metal Duckface“ und „Do You Feel Safer Now?“. Es macht Spaß, mittlerweile alle Stücke der BLAUEN PLATTE live gespielt zu haben und zu spüren, wie sich die Biester immer tiefer in unsere Gene fräsen. Bei den beiden genannten ist im Vergleich zum Rest allerdings noch Luft nach oben. Insgesamt ein Freude, im Hafermarkt zu spielen – wie immer eigentlich. Horst Spider haben die Leute jetzt auf dem Schirm: Auch wenn er immer neue Stagedive-Tricks versucht und z.B. ohne Vorwarnung rückwärts in die Leute jumpt, wird er sanft gefangen. Am Ende brüllt man uns sogar für einen Zusatztitel zurück – wir entscheiden uns für EXODUS' „Bonded By Vlad“.

 

Kurzes Päusgen, dann schmettern auch bereits HARD CHARGER los. Crust'n'Roll voller ungezügelter Wut. HARD CHARGER konnten in Hamburg angesichts von sechs Bands nicht soo lang spielen, weswegen es heute mehr Stücke auf die Omme gibt, u.a. MOTÖRHEADs „Bomber“. Saugeil kommt der Grunz-Kreisch-Wechselgesang, den sich der Drummer und der Bassist Shawn teilen. Letzterer spielt übrigens auch in 'ner Death Metal-Band namens SPINE SPLITTER, die absolut ancheckenswürdig sind. Die Hafermarktler trinken Sekt, schubsen sich gegenseitig herum und genießen den Abend. Völlig zurecht, denn HARD CHARGER reißen mit. Ich mag die sludgigen Parts, welche sie von Bands wie TRAGEDY etwas abheben.

 

Es geht also doch: Eine Matinée in einem AZ, welche ihrem Namen auch gerecht wird! Statt zur üblichen Uhrzeit von 03.00 Uhr nachts (bei einer eigenen Show) bin ich tatsächlich bereits um ca. 24.00 Uhr zu Hause! Einziger Wermutstropfen: Ich habe mein vollgeschwitztes Lieblingsshirt (TOXIC HOLOCAUST) nach dem Umziehen dort vergessen und nu isses wohl weg. Heul! Trotzdem bis zum nächsten Mal!