DIARY

Weißenmoor, ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP – 06.09.2014

09.09.2014 von Philipp

Hast du etwa mit den Augen gerollt?

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Drei Stunden Schlaf können auch mal reichen. Vor allem wenn man ein derart leckeres Frühstück kredenzt bekommt wie wir jetzt grad von Gastgeber Kai Nenschimmer. Uns fällt ein, dass Düsseldorf mit „Hitsville“ mindestens einen guten Plattenladen hat. Und da unsere Terminvorgabe „irgendwann abends“ lautet, heißt es: Hin da!

 

In der Düsseldorfer Altstadt sieht es aus wie bei uns zur Kieler Woche. Also alles voller Mutanten. Laut Kai sei das Schlimme daran aber, dass dieser Zustand nicht eine, sondern 52 Wochen im Jahr anhalte. Weia. Zum Glück kennt unser Guide aber die versteckten netten Ecken. Wir kommen während der Stadtführung übrigens am Haus längs, in dem Heinrich Heine 1797 geboren wurde. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch, / Wir weben hinein den dreifachen Fluch.“

 

Bei Hitsville betreiben wir dann erbauliche Plattenernte – u.a. wandern Sachen von EXTREME NOISE TERROR, JERRY'S KIDS, MERCYFUL FATE, SHEER TERROR und IRON REAGAN in unsere Sammlungen. Nach ein paar Bierchen in der Altstadt müssen wir dann aber auch langsam mal los. Zurück am AK 47 gibt man uns netterweise noch einen Kasten Bier als Wegzehrung mit.

 

Das ANARCHSTISCHE SOMMERCAMP findet auf einem Resthof nahe Weißenmoor bei Rotenburg statt. Wir finden es eigentlich recht schnell und sind sofort verliebt. Total schön hier. Erinnert uns sehr an einen französischen Squat in Bovel (bei Rennes), wo das auch so gemütlich und liebevoll zusammengezimmert ist. Unsere Pennplätze sind wie in Bovel ebenfalls über eine schmale Holztreppe zu erreichen. Das Sommercamp läuft eine ganze Woche von Mittwoch bis Mittwoch und hat diverse interessante Themen zur Diskussion, z.B. „Anarchie und Alter“ oder „Ökonomie und Utopie“. Alles erscheint recht fit durchorganisiert und wir begeistern uns für die aufgehängten Verhaltensregeln – so verbannt man männliche Machtgebärden oder Augenrollen bei Gesprächen. Wird sofort fürs Streckermobil adaptiert – wer ab jetzt genervt mit den Augen rollt, wird hart bestraft, rausgeworfen und ohne Bier im Nirgendwo zurückgelassen. Es sind extra zum Konz auch diverse Leute eingetrudelt, diverse angenehme Wiedersehen können gefeiert werden.

 

Da wir heut die einzige Band sind, können wir nach einem kurzen Soundcheck auch schon gegen 23.00 Uhr oder wat beginnen. Der Klang ist richtig gut – wie so häufig unter ähnlichen Umständen, also einfach mit Backline und 'ner kleinen PA plus Gesangsanlage. Und ebenfalls so 'ne Art Rock'n'Roll-Gesetz: Der zweite Auftritt ist IMMER besser als der erste! Heute flutscht das aber auch alles. Kann natürlich auch am Rotwein liegen, sagt ihr? Aber nein, alle sind einfach voll in Fahrt und motiviert bis in die letzte vladiistische Körperzelle. Heute springt Tobi bei „Black Metal Duckface“ mal an die Gitarre und Zarc schnappt sich sein Mikro und hüpft gemeinsam mit mir herum. Warum Tobi sowas tut? Weil er's kann, schätze ich. Die Folge sind „Tobi“-Rufe aus dem Mob, welche den Guten derart anspornen, dass er zu „Bonded By Vlad“ Andis Bass übernimmt (und gleich den ersten Ton verkackt). Ein Auftritt, der einfach unfassbar viel Spaß macht.

 

Gefeiert, gesabbelt und tolle Musik gehört steht dann bis tief in die Nacht auf der Agenda. Irgendwann krabbeln wir die erwähnte Treppe hinauf ins Penn-Stockwerk. Dort liegt Tobi bereits seit mehreren Stunden, leidet aber irgendwie unter massivem Magengrummeln. Ob es nun unsere vereinten Ausdünstungen sind oder einfach Zufall: Jedenfalls muss sich der gute Tobi plötzlich und in unfassbar starken Strahlen seines Mageninhalts entledigen. Zum Glück schließt das Dach nicht direkt an den Boden an und Tobi hat eine ausreichend große Lücke zum Rauskotzen. Wir befürchten schon, dass die minutenlang andauernden Auswürfe das unten stehende Küchenzelt erwischen, sehen morgens aber, dass er lediglich den Boden bekleckert hat…

 

Tscha, nach einer erneut sehr kurzen Nacht geht es dann auch wieder los mit dem Streckermobil. Danke, Ole, Danke ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP & alle Besucher_innen!

 

Düsseldorf, AK47 - 05.09.2014

08.09.2014 von Philipp

This is Flingern not L.A.!

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Gerade mal drei Tage vor diesem seit langer Zeit geplanten Wochenende erfahren wir, dass der Auftritt am Samstag in Göttingen nicht stattfinden kann. Ballo hatte schlicht eine Mail übersehen, dass es in Göttingen terminliche Überschneidungen gab – das Konz war im Grunde bereits seit zwei Monaten abgesagt… Wird natürlich nachgeholt.

Unfasslicherweise erreicht uns am selben Tag rein zufällig eine Anfrage, ob wir nicht auf dem ANARCHISTISCHEN SOMMERCAMP in Weißenmoor spielen wollen. Wollen wir! Gefragt hat Ole aus der Villa Rotenburg – besten Dank dafür.

Somit geht es bester Dinge ab nach Düsseldorf. Ich muss zunächst direkt von meiner Schule in Timmendorfer Strand nach Hamburg donnern, weil wir ansonsten viel zu spät gekommen wären. Strecker hat sein Streckermobil bereits am Vortag Eric geliehen, der meinen ganzen Kram dann schon abgeholt hatte. Ich treffe mich also in HH mit Strecki und wir schaffen auch nur ein Bier in einem Asi-Biergarten, als die vladiistische Horde eintrudelt. Mit an Bord: Tobiarsch Doomhammer.

Sechs Stündchen Fahrt vergehen in derart angenehmer Gesellschaft natürlich wie im Flug. Irgendwie isses schon dunkel, als wir in Düsseldorf ankommen. Wir treffen Meyer 77, der uns eingeladen hat und das Flingern-Festival seit Jahren (mit)organisiert. Außerdem vor Ort: die weltbeste Anja, unser Coverkünstler Fritte (so ein geiler Typ!), mein Bruder Motitz, Samson und Kollege, Ex-GAINSAY-Bassist Nico (also ein früherer Bandkollege von Eric und Zarc).und weitere alte und neue Bekannte. Noch vorm Auftritt gibbet lecker veganes Gulasch mit Nudeln. Dadurch verpassen wir leider fast gänzlich KACKSCHLACHT, aber ich hab so’n Hunger, dass ich echt erst mal fressen muss. Ein paar Songs sind natürlich trotzdem noch drin und machen schon Laune – das rumpelt, das knattert, das röhrt und krächzt. Dazu noch super Texte, wie man bereits an Titeln wie „Das ist kein Punk!“ oder „Arbeiten/Saufen“ erkennen kann.

Von FRONT bekomme ich ebenfalls wenig mit, da es einfach zu schön ist, mit den erwähnten Leuten abzuhängen und zu sabbeln. Ein kurzer Eindruck lässt mich erkennen: Ganz geiler 80er Punk, der mich etwas an MALE erinnert. Auch hier deutsche Texte, die mich wiederum an TREND denken lassen. Muss ich mir unbedingt mal in Ruhe ansehen!

Irgendwie hab ich heute Bock. Die anderen meinen später, dass ihnen die Fahrt noch in den Knochen in den gesteckt habe. Aber anzuhören oder anzusehen ist das meiner Meinung nach keinem meiner Mitvladis. Gut, ich kann aber auch nicht auf derartige Feinheiten achten, bin ich doch zu sehr damit beschäftigt, mir und anderen das Mikro auf den Kopp zu hauen. Hach, eigentlich gibt es doch nichts Schöneres, als zur eigenen Mucke durchzudrehen und in strahlende Gesichter zu blicken. Der Mob ist guter Dinge, das Flingern-Festival ist (wie immer wohl) gut besucht, auch bei uns ist es gut voll, obwohl wir heute sicher nicht jeden Geschmack treffen. Wir fangen mal mit „Dreadnought Fever“ an, kloppen „Roadkill BBQ“ hintenran und haben so einen schönen Start. Von der ersten Platte gibt es mittlerweile nicht mehr viel in der Setlist, aber „Divorce Divine“, „Not Even Close“ und natürlich „Party Of The Damned“ sind heute immerhin dabei. Mir machen heute „This Ain’t A Lovesong“ und „Frontex Fuckers“ am meisten Spaß. Zu „Frontex“-Komplex gibt es ja gerade derart widerliche Neuigkeiten (noch mehr Kohle für die „Verteidigung der EU-Außengrenzen“…), dass man gar nicht genug Gift und Galle spucken kann.

Die Party danach findet für uns vor allem an unserem flugs aufgebauten Merchstand statt. Fritte kommt längs und wir planen schon mal locker die nächsten Coverideen. Mit Fritte kann man immer aufs Herrlichste brainstormen. Übrigens haben Paläontologen gerade einen Saurier rekonstruiert, den sie dann „Dreadnoughtus“ genannt haben, wie Fritte erzählt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-rekonstruieren-gigantischen-sauropoden-a-989796.html

STRONGBOW verpass ich nahezu komplett, da ich an unserem Stand weile. Von draußen klingt das gar nicht schlecht, die Typen sind sehr nett, wir sabbeln und tauschen noch Platten.

Zu I KNOW zieht es mich in den Schuppen. Boah, da kommt aber ‘ne WUT von der Bühne! Die Weißrussen sind auch sauer, das ist mal klar. Die Sängerin klingt sowas von angepisst, dass man fast erleichtert ist, wenn sie zwischendurch ihren Gitarristen angrinst. Der andere Gitarrist erklärt zu fast jedem Stück, worum es geht, was mich sehr fesselt und berührt. Die Kolleg_innen haben sehr ähnliche Themen wir. Es geht um soziale Kälte, Faschismus, den Kampf für autonome Strukturen oder die Entfremdung durch Arbeit. Hammerauftritt!

http://iknow.bandcamp.com/

Irgendwann geht es zu Kai, der angeblich 10 Minuten Fußweg entfernt wohne. Wer immer für diesen Weg zehn Minuten gebraucht hat, ist ihn jedoch nicht mit Strecker gegangen… Und nach ca. einer Stunde Fußmarsch passiert es: Strecker stürzt über eine Verkehrsinsel, segelt mit ausgestrecktem Bier-Arm locker einen Meter durch die Luft und knutscht unsanft mit einem Tom-Warrior-„Ugh“ den Asphalt. Das anfängliche Gelächter verstummt schnell, als Strecker sich gar nicht mehr rührt und sich langsam eine große Blutlache um sein Gesicht bildet. Aber Fehlalarm! Es handelt sich lediglich um eine Pfütze. Zum Glück! Irgendwann ist der Gute mit vereinten Kräften wieder aufrecht gestellt und wir finden nur ein paar Schrammen. Respekt: Das Bier ist unversehrt und kaum ein Tropfen verkleckert!

Danach wird bis ca. 7.00 Uhr noch gefiert und diskutiert. Unser Gastgeber ist der Hammer und kann zum Wodka sogar Rhabarbersaft anbieten.

Bis morgen!

Flensburg, Hafermarkt – 22.06.2014

01.07.2014 von Philipp

ULTRA-HARDCORE-SEKTFRÜHSTÜCK

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Uff, direkt nach dem Kiel Explode ein Konzert spielen? Auffen Sonntag? Doch Dominik vom Hafermarkt beseitigt unsere anfängliche Skepsis mit dem Hinweis, dass es sich um eine Matinée-Show handele. Außerdem werde es Sekt geben – sozusagen ein ULTRA-HARDCORE-SEKTFRÜHSTÜCK. Sekt ab 14.00 Uhr, Krach ab 18.00 Uhr. Gut, gut!

 

Mit dabei sind die kanadischen Motörcrusties HARD CHARGER. Zum Zeitpunkt der Einladung kenne ich die Band zwar noch nicht, drei Tage vorher sehe ich sie aber auffem K-Town-Warm-Up und bin total begeistert von der Mischung aus TRAGEDY, MOTÖRHEAD und etwas Sludge.

 

Daher ist das Aufeinandertreffen mit HARD CHARGER auch eher ein Wiedersehen. Zunächst wird man wie immer feist bewirtet – heute gibt es vegane Burger zum Selberbasteln plus Pommes. Die Stimmung steigt angefeuert von Sekt, Burgern und den Tourgeschichten des Drivers von HARD CHARGER auf ein genehmes Level.

 

HARD CHARGER haben nicht nur eigene (geile!) Scheiben dabei, sondern auch andere heiße Sachen in den Distrokisten. Andi kauft 'ne LP mit SLAUGHTER-Demos, ich 'nen DARKTHRONE-Shirt.

 

Gut gelaunt geht es fast pünktlich auffe Bühne. Es sind sogar bereits Menschen anwesend. Schon bei einem der ersten Songs kommt es zu einer spektakulären Stagedive-Aktion. Horst Spider krabbelt zu uns, dreht sich zum Mob und setzt derart plötzlich zum Flachköpper an, dass gar niemand reagieren kann. Obwohl wir mitten im Song sind und alles schimmelt, bimmelt und dröhnt, meine ich die Erschütterung hören zu können. Horst Spider rutscht bestimmt zwei Meter zwischen den Leuten durch – mit ausgestreckten Armen und auf dem Bauch. 10 von 10 Punkten in Sachen Haltungsnoten! Heute dürfen wir etwas länger spielen als auf unserem letzten Konzi in der Markthalle. Daher kommt heute die Playlist, wie wir sie dort laut Wunsch und ohne Zeitlimit gespielt hätten, u.a. mit „Black Metal Duckface“ und „Do You Feel Safer Now?“. Es macht Spaß, mittlerweile alle Stücke der BLAUEN PLATTE live gespielt zu haben und zu spüren, wie sich die Biester immer tiefer in unsere Gene fräsen. Bei den beiden genannten ist im Vergleich zum Rest allerdings noch Luft nach oben. Insgesamt ein Freude, im Hafermarkt zu spielen – wie immer eigentlich. Horst Spider haben die Leute jetzt auf dem Schirm: Auch wenn er immer neue Stagedive-Tricks versucht und z.B. ohne Vorwarnung rückwärts in die Leute jumpt, wird er sanft gefangen. Am Ende brüllt man uns sogar für einen Zusatztitel zurück – wir entscheiden uns für EXODUS' „Bonded By Vlad“.

 

Kurzes Päusgen, dann schmettern auch bereits HARD CHARGER los. Crust'n'Roll voller ungezügelter Wut. HARD CHARGER konnten in Hamburg angesichts von sechs Bands nicht soo lang spielen, weswegen es heute mehr Stücke auf die Omme gibt, u.a. MOTÖRHEADs „Bomber“. Saugeil kommt der Grunz-Kreisch-Wechselgesang, den sich der Drummer und der Bassist Shawn teilen. Letzterer spielt übrigens auch in 'ner Death Metal-Band namens SPINE SPLITTER, die absolut ancheckenswürdig sind. Die Hafermarktler trinken Sekt, schubsen sich gegenseitig herum und genießen den Abend. Völlig zurecht, denn HARD CHARGER reißen mit. Ich mag die sludgigen Parts, welche sie von Bands wie TRAGEDY etwas abheben.

 

Es geht also doch: Eine Matinée in einem AZ, welche ihrem Namen auch gerecht wird! Statt zur üblichen Uhrzeit von 03.00 Uhr nachts (bei einer eigenen Show) bin ich tatsächlich bereits um ca. 24.00 Uhr zu Hause! Einziger Wermutstropfen: Ich habe mein vollgeschwitztes Lieblingsshirt (TOXIC HOLOCAUST) nach dem Umziehen dort vergessen und nu isses wohl weg. Heul! Trotzdem bis zum nächsten Mal!

Hamburg, Markthalle – 05.06.2014

09.06.2014 von Philipp

Auf Kaffee und Kuchen mit SACRED REICH

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Tscha, alle paar Jahre ergibt sich die schöne Möglichkeit, mit einer Band zu spielen, die man quasi seit Jahrzehnten gern zu Hause hört. Wir hatten das Vergnügen bisher zum Beispiel mit GWAR, TANKARD oder PRONG. Und nun kommt über Kredo von ICS dat Angebot rein, mit den ollen Haudegen von SACRED REICH zu zocken. Mit dabei auch der sympathische Haufen von Leif und DEW-SCENTED. Schöne Sache. Und ab.

 

Leider können wir nicht zusammen anreisen, da ich es nach der Schule gar nicht mehr geschafft hätte, noch nach Kiel oder Rendsburg zu kommen. Zusätzlich trennen wir uns in Hamburg später gar in drei Grüppchen – diejenigen, welche zum ROCK HARD FESTIVAL weiterdonnern, dann die Workaholics, welche unseren Kram zurück in den Proberaum nach Rendsburg schaffen und schließlich eine Kieler Reisegruppe, welche ‘nen Regionalzug einsauen wird…

 

Beim letzten Mal in der großen Markthalle war alles hektisch. Ich hatte Zeugniskonferenzen und konnte es nur deshalb überhaupt zum Gig schaffen, weil ich einen in Hamburg wohnenden Kollegen hatte, der mich direkt bis zur Markthalle fahren konnte, wo ich dann noch zehn Minuten Zeit hatte. Heute dagegen sind wir alle ca. gegen 16.00 Uhr vor Ort, hängen mit DEW-SCENTED, SACRED REICH und Mitgliedern der Markthallen-Crew ab. Von letzteren kennen wir einige im Grunde schon genau so lange wie die Platten von SACED REICH… Louis, Chris und Kai machen hier jedenfalls schon gefühlt seit den frühen Achtzigern Stagehand. SACRED REICH haben z.T. Ehefrauen und Kinder dabei, was die ohnehin familiäre Stimmung noch verstärkt. Die genießen den Trip und freuen sich schon auf Festivals. Es gibt ausreichend Getränke und warmes Essen für alle, was bei derartigen Supportshows ja nicht immer der Fall ist. Der Soundcheck verläuft entspannt, und da wir uns fast alles mit DEW-SCENTED teilen, gibt es nicht mal viel Umbaustress. So haben wir richtig Zeit, mit den ersten eintrudelnden Besucher_innen zu schnacken.

 

SACRED REICH, übrigens weiterhin in Oroginalbesetzung unterwegs, wollen keine Studioplatten mehr machen, sie genießen es, einfach ab und zu zu touren und ihre Klassiker zu spielen. Vorteil: Nur gute Songs in der Playlist. Nachteil: Es kommen wenig neue Hörer_innen dazu, das ist auch dem heutigen Publikum deutlich anzumerken. Nachdem gestern METALLICA, SLAYER etc. in HH waren, heute parallel CROWBAR spielen und am kommenden Wochenende überall kleine und große Festivals stattfinden, kann man heute nicht wahnsinnig viel erwarten. Es füllt sich aber doch ganz angenehm, wir hätten jedenfalls so früh zur Kaffee-und-Kuchen noch nicht so viele Hackfressen erwartet.

 

30 Minuten VLADIMIR HARKONNEN. Zu kurz? Ich mag sowas ja. Da kannst du wirklich ohne Rücksicht auf Verluste alles geben. Und eigentlich ist doch nach ‘ner halben Stunde klar, ob man ‘ne Band mag oder nicht. OFF spielen z.B. NIE länger… Wir toben über die Bühne, die trotz zwei Schlagzeugsets voreinander ordentlich Platz bietet. Hin- und rennen wie Doro auffer True Metal Stage in Wacken. Natürlich auf die Stufen der Markthalle krabbeln und den Leuten direkt ins Antlitz brüllen. Bodenroller. Anti-Frontex-Gepöbel. Ich würd mal sagen, dass wir heut so gut sind, wie wir sein können. Natürlich wird der Sound im Laufe des Abends noch fetter und lauter, so ist das halt. Aber wir werden schon fair behandelt, da kennt man Schlimmeres aus kommerziellen Läden. Immerhin fönt es doch schon ganz ordentlich aus der PA und einige Lämpchen blinken auch schon über unseren Köppen. Die Playlist zu erstellen, war ‘ne harte Nuss – vom Debut sind momentan nur noch „Roadkill BBQ“ und „Party Of The Damned“ drin, ansonsten alles Titel vonner blauen Platte. Joah, hat total Spaß gemacht und danach kann man schön mit den diversen Bekannten feiern, sabbeln und die anderen Bands beglotzen.

 

DEW-SCENTED sind wie immer ein Genuss. Dieses Mal kennt man außer Leif sogar einen der Gitarristen. Der Rest ist aber auch schon ein paar Tage in der Band, hoffen wir also, dass dieses Line-Up stabiler bleibt. Unter dem Banner von DEW-SCENTED sind mittlerweile auch schon neun Longplayer erschienen – alter Schwede! Das möchte ich auch irgendwann auf der Bühne sagen können: „Nun ein Song von unserem neunten Album!“. Nach bisherigem  vladiistischen Arbeitstempo wäre das ungefähr in 28 Jahren der Fall. Ist also machbar, denn vor dem Erreichen des 75. Lebensjahrs will ich bestimmt nicht den Bühnenspaß aufgeben. Jo, aber DEW-SCENTED: Voll die Abrissbirne, besserer und intensiverer Thrash als von so manchen alten Legenden.

 

SACRED REICH haben es voll drauf. Ihre Songs haben keine überflüssigen Parts und reißen durchgehend mit. Phil Rind singt wirklich exakt so wie 1989 auf der ersten Tour. Macht das einen Spaß, dieser Band zuzuschauen! Auch die Ansagen muss man mal mitbekommen haben, der Typ ist echt tiefenentspannt und hat ‘nen geilen Humor. So habe er kein Problem damit, dass die meisten Leute nur herumstehen würden – schließlich merke er, dass sie das Zuhören genießen würden. Das ist nur zum Teil Ironie und das mag ich. Wobei zu „Surf Nicaragua“ schließlich doch ein ordentlicher Pit entsteht. Auffer Playlist stehen „Independent“, „One Nation“, „Love… Hate“, „Ignorance“, „State Of Emergency“, “Death Squad”, “Crimes Against Humanity”, “Who’s To Blame”, “R.I.P.”, “Draining You Of Life”, “Free”, “War Pigs”, “The American Way” und eben “Surf Dingenskirchen”. Also alles, was man von der Band hören will.

 

Es trudeln nach dem Konz noch Bekannte ein, die bei CROWBAR waren (soll natürlich super gewesen sein). Die Party ist noch nett, aber zu kurz, denn der letzte Zug will geschnappt werden. Dass der erst ca. 50 Minuten später als geplant abfährt, kann ja keiner ahnen. Wenigstens können wir uns mit ausreichend Bier eindecken…

BREAK THE SILENCE-Festival / Oldenburg, Alhambra – 23.05.2014

25.05.2014 von Philipp

NEVER SAY DIE

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Wie KANN das eigentlich sein, dass wir noch nie in Oldenburg gespielt haben? Und dass ich noch nie in diesem wunderbaren Alhambra war? Von der Größe her ist das Alhambra im Bereich der autonomen Zentren weit oben, spontan würde mir zumindest in Deutschland eigentlich nur die Köpi einfallen, welche größer ist. Und megagemütlich ist das Alhambra noch dazu! Überall kann man sich hinpflanzen und schnacken, pennen oder saufen, es gibt ein separates Gebäude, in welchem Bands und z.T. Besucher_innen schlafen können, draußen gibt’s antifaschistische Soli-Fritten, drinnen Bier, Platten und Cocktails, dazu vegane Döner zum Selberbasteln.

 

Man kommt aus dem Begrüßen gar nicht mehr raus, während EARTH CRUST DISPLACEMENT aus Berlin bereits losmörteln. Aber was heißt „bereits“ – im Grunde sind wir zwei Stunden später als ursprünglich erhofft vor Ort. Zum Glück hat sich auch der gesamte Ablauf bereits um mehrere Stunden verzögert, sodass wir alle Bands genießen können. Um es vorwegzunehmen: Insgesamt beenden CHAOS UK ihren Auftritt gegen 5.00 Uhr morgens statt gegen 0:15 Uhr, haha! Macht aber nichts, der wilde Mob zieht eh durch, bis der Morgen graut. Die Berliner spielen infernalisches Grindgebölze, was mir gut gefällt. Gegen Ende vielleicht etwas eintönig, aber Abwechslung ist ganz sicher auch nicht deren oberstes Ziel…

 

Auf KILLBITE hatte ich schon sehr gefreut, waren sie doch bei der BLAUEN GALA in Kiel und der BLAUEREN GALA in Rendsburg dabei. Außerdem trommelt hier bekanntlich Ballo, der die BLAUE PLATTE mit rausgehauen hat. Nach zehn Jahren Konzerten für und mit BREAK THE SILENCE will er nun sowohl mit Konzertveranstaltungen und Plattenveröffentlichungen aufhören. Hoffentlich hält er das nicht durch, haha! KILLBITE sind wieder herrlich derbe, geile Ansagen von Latex gegen Wutbürger-Spießer und ähnlich hassenswerte Dinge. Immer wieder gern!

 

Ich genieße zwischendurch u.a. mal die Klo-Bowle, welche direkt aus ‘ner Toilettenschüssel serviert wird. Eigentlich lecker, bis mir jemand zuflüstert, dass die doch sehr nach Klobonscher schmecke.

 

Mit EXILENT bleibt es heftig. Schön D-Beat/Crust aus Hannover. Irgendwie schon häufig von denen gelesen, die Band aber bisher noch nie zu sehen bekommen. Und sie werden eins meiner heutigen Highlights. Das knattert so herrlich nach vorne, die Texte scheinen auch gut zu sein. Erst später sehe ich, dass Sängerin Ini einen BONEHOUSE-Backpatch trägt, selbst gemacht aus ‘nem ollen T-Shirt. So was freut mich immer. Ihr derber Kreischgesang wird von Growls der Gitarrist_innen Lisa und Nico unterstützt, kommt extrem erbaulich rüber. Mittendrin treff ich Schmied von RED WITH ANGER, den ich ewig nicht gesehen habe. Große Freude!

 

Daher werden DISCO//OSLO auch eher nebenbei geguckt und hauptsächlich gesabbelt. Die Oldenburger gefallen mir aber dennoch und erinnern angenehm an PASCOW. Sie sind jedenfalls auch sehr treibend und haben ähnlich melodiösen Gesang und trotzdem noch Rotz drinne. Ordentlich voll ist es mittlerweile.

 

Warum ist es im vorderen Bereich eigentlich so dermaßen warm? Ich denke zunächst, dass dat wohl an den Lämpgen liegt. Doch irgendwie ist es schon unnormal heiß und das sind hier ja keine Scheinwerfer wie in ‘nem Rockstarklub. Später erfahre ich, dass wohl so eine Megaheizung nicht ausgeschaltet werden konnte, haha! Brüllt das Ding schön den Raum voll, obwohl es eh schon ein warmer Tag ist und die Hütte voll von schwitzenden, pogenden Menschen! Wir toben dennoch wie gewohnt durch unser Set und sind jetzt bestimmt durch den Flüssigkeitsverlust deutlich schlanker als vorher. Zum ersten Mal in der Playlist: „Black Metal Duckface“, womit wir jetzt jeden Song des neuen Albums live gespielt haben. Leider bekomme ich Folgendes nicht während des Auftritts mit: Ein Typ springt plötzlich Strecker original an die Gurgel und beginnt ihn zu würgen! Was ist passiert? Hat Strecker zu rabiat gepogt? Mitnichten, er hat lediglich auf Bitte von Zarc seine Kamera gezückt und ein paar Fotos von uns gemacht. Und der Typ denkt, dass Strecker ein Zivi-Bulle sei und fordert, dass Strecker ihm die Kamera aushändigen solle. Zum Glück gehen Leute dazwischen. Später attackiert offenbar derselbe Typ auch noch Svea mit ähnlichen Vorwürfen – und die hat nicht mal eine Kamera dabei… Doch es gibt im Mob auch nette Leute: Als ich verkünde, dass wir aufhören müssten, weil meine Frisur jetzt ruiniert sei, wird mir glatt eine Bürste raufgeworfen. Daher geht es weiter und wir hängen spontan „The Power Of Vlad“ ran. Geiles Ding, auch wenn ich nass bis auf die Zehen bin und Andi danach erst mal Sterne sieht. Die Leute sind insgesamt auch echt super drauf - mir fällt bei vielen Bands auf, dass der Pit erst zuguckt und dann immer mehr abgeht.

 

BAMBIX hab ich neulich gerade in Kiel gesehen. Die neue Besetzung gefällt mir richtig gut und auch heute tritt die Band mächtig Arsch. Das Trio hat aber auch ein paar eingängige Punksmasher am Start. Gitarristin/Sängerin Wick wirkt auf mich motivierter als noch vor ein paar Jahren. Ich kann nicht den ganzen Auftritt sehen, denn direkt nach dem eigenen Auftritt liegt der Schwerpunkt doch hart auf Feiern.

 

Jo, da isses dann auch schon amtlich spät, als CHAOS UK loslegen. Die Band bewegt sich selbst zwar jetzt nicht soo viel, was aber dafür das Publikum übernimmt. Stagediver, Knochenpogo, mittendrin ein Typ im Rolli = Spektakel. „Four Minute Warning“, „Cider“, „No Security“, „Wall Street Crash“ und „Police Story“ sind unter anderen Klassikern im Set, glaub ich, kann in Sachen Playlist aber auch nichts Verlässliches sagen. Auf jeden Fall knüppeln die Briten herrlich stumpf nach vorn, der Beat hat diesen typischen Groove und der Gesang klingt so, wie er klingen soll. Am Ende stürmt eine ganze Meute die Bühne und tanzt die Musiker um, die aber irgendwie weiterspielen.

 

Danach lässt ein DJ mit Punk-Classix die Plattenteller glühen und wir feiern, bis die Sonne bereits die Bodennebel vertreibt. Ich kann mich an folgenden Dialog erinnern: Schmied – „Wusstet ihr schon, dass der Kramer jetzt in der Kramerstraße wohnt?“ – Eric: „Der hat’s geschafft…“

 

Hart sind allerdings die Pennbedingungen. Ich mein, ist viel gemütlich und so. Aber da die Räumlichkeiten so viel Platz bieten, nehmen diesen eben auch viele Leute wahr. Und zwar zeitlich versetzt. Ein ständiges Kommen und Gehen, dazu der übliche Hintergrundlärm von Furzen, Schnarchen, Kotzen und Koitus. Naja, ich ramme mir irgendwann Ohrenstöpsel so tief in die Lauscher, wie es nur geht und finde ein wenig Schlaf.

 

Morgens bietet sich ein Bild der Verwüstung. Im Alhambra liegen wirklich ÜBERALL Punker – auf Bänken, Stühlen, im Laden, draußen vor dem Laden… Gleichzeitig fegt die BTS-Crew aber auch schon tapfer die Trümmer zusammen. Ein Nachbar ergänzt das idyllische Bild, in dem er mal eben die Hecke stutzt. Der erste Kassettenrekorder beginnt zu plärren, die ersten Kannen werden geöffnet, als ein Punk auf uns in der Sonne Lümmelnde zukommt und engagiert verkündet: „Da hinten ist ein AfD-Stand! Wollen wir hingehen und den zerstören?“ Er erhält allerdings lediglich ein gestöhntes: „Ächz. Vielleicht später?“ zur Antwort…

 

Jo, geile Sache. 10 Jahre BREAK THE SILENCE. Man kann Ballo ja verstehen, wenn ihm die Scheiße zu stressig wird. Aber hoffentlich revidiert der Gute seine Meinung in ein paar Jahren wieder… NEVER SAY DIE!

Frankreich, Squat in Bovel bei Rennes – 20.04.2014

23.04.2014 von Philipp

On Fire!

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Unfasslich: Die Zölcks pennen bis fast 14.30 Uhr, obwohl zumindest Zarc recht früh zu Bett gegangen ist. Wir haben natürlich bereits vor Stunden gefrühstückt und geduscht und fragen uns langsam, ob die beiden nicht gar ENTschlafen sind. Jannick präsentiert selbst gefangene Fische und ein Kartoffelgratin für später. Die letzten Gäste verlassen den Ort der Party, als die Zölcks schließlich doch noch auftauchen…

Zunächst geht’s zum Proberaum von SUPPOSE IT’S WAR. Der liegt in einem schönen Komplex, in welchem auch ihr Video entstanden ist. Neben Proberäumen gibt es hier sogar eine Auftrittsmöglichkeit. Leider liegt Gitarrist Julien total in sauer und muss unter verbalen Ohrfeigen der anderen absagen.

Das MASS PROD-Office ist umgezogen, liegt zwar immer noch in Rennes, aber nun innerhalb eines riesigen modernen Gebäudekomplexes. Nach neun Jahren gibt es für mich ein Wiedersehen mit Vollzeitfreak Vince, der neben der zweiten VLADIMIR HARKONNEN-CD/LP früher bereits Platten von BONEHOUSE veröffentlicht hat (Vinyl-Version von „Onward To Mayhem“ und die franz. Version der „The Fuse Is Lit“-CD). Hals und Stirn sind mittlerweile restlos zutätowiert, die Haare richtig lang geworden und im Gesicht trägt er immer noch dasselbe strahlende Grinsen mit dem Funken Wahnsinn drinne. Das Büro von MASS PROD ist wie gesagt nur ein Teil des Komplexes. Es gibt dort Proberäume stundenweise zu mieten. 300 Bands nehmen das zur Zeit monatlich wahr! Ich denke zunächst, dass ich mich verhört habe, aber das Angebot ist gut: 40 Stunden kosten nur 20,- Euro, Schlagzeug und Gesangsanlage sind vorhanden, nach Bedarf auch mehr, am Tresen kannste Instrumente, Zubehör etc. kaufen oder leihen. Es gibt sogar einen richtigen Klub innerhalb des Gebäudes (so Treibsand-Größe). Das Ding ist nicht mal zu steril, da könnte man theoretisch echt mal zocken. Nur hat gerade der Klub eine lange Anmeldefrist. Vince und ein Mass-Prod-Mitarbeiter servieren selbst gemachte Pizza und Drinks, welche ordentlich ballern. Wir sabbeln endlos und planen fürs nächste Jahr mehr Frankreich-Dates.

Dann geht es ab zum Squat in Bovel, welches mitten im Nirgendwo liegt – und dann noch ein wenig nach Süden. Ich fahr bei Vince mit und wir plaudern noch weiter. Die urspünglich anvisierte Show ist der Wut der Bullen und des Bürgermeisters zum Opfer gefallen, daher heute das illegale Geheimkonzi im Wald.

Der Squat ist wahrlich mitten in der Natur gelegen. Bauwagen, Wohnwagen, mehrere selbst gezimmerte Gebäude umgeben eine alte Mansion (Herrenhaus), die besetzt ist. Zwei der Häuser gehören der ca. 30-köpfigen Association an, die dafür zusammengeschmissen haben. Viele Details sind liebevoll selbst konstruiert worden. Die Toilette befindet sich z.B. in einer Art Hochsitz, in dessen Plattform sich halt das Loch zum Durchscheißen befindet. Dazu Klopapier und Sägemehl zum Drüberschütten… Den Soundmenschen kenne ich tatsächlich von einem gemeinsamen Auftritt auf einem Boot (Seine, Paris). Vor Jahren ist er weggezogen, um hier zu leben. Die Association besteht seit 5, 6 Jahren. Er hat auch z.B. auf der Fusion an Installationen gearbeitet und erzählt mir interessante Details, so war er ca. einen Monat vor Beginn des eigentlichen Festivals dort, wobei Material und Reisekosten von der Fusion-Orga bezahlt werden.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN entpuppen sich als Duo, dessen Schlagzeugerin aus Göttingen stammt und dessen Gitarrist gleichzeitig die One-Man-Disco BRÖTCHEN DES TODES verkörpert.

Ein Wohnwagen wird vor das Zockhäuschen geschoben, aus dem Snacks verkauft werden (vegane Flöten), alles wird mit Lichterketten dekoriert. Magnifique! In der Residenz, in der auch unsere Pennplätze liegen (eine Schwindel erregend steile Treppe ohne Geländer hinauf) wird aber erst mal ‘ne massive Fressorgie eingelegt. Die Fische werden von fast allen gelobt und der Wein fließt in Strömen.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN sind echt ma interessant. Der Typ setzt irgendwie Bass-Fundament und Gitarren-Melodien zugleich, während sie singt und konzentriert trommelt. Ein botanisch blümeranter Stil.

Nun bin ich ja gespannt, schließlich bezeichnen SUPPOSE IT’S WAR die BONEHOUSE-LP „Onward To Mayhem“ als ihren Haupteinfluss und covern auf der Debut-Scheibe gar „This Means Nothing“. Trotz nur einer Gitarre ist der Auftritt ein Burner!  Schnell, geile Gitarre, fieser Gesang – das peitscht und peinigt. Und am Ende kommt natürlich „This Means Nothing“, welches ich als Gastsänger schmettern soll. Ich bin nervös, ob das nach acht Jahren noch sitzt, da ich es auch lange nicht mehr gehört habe. Klappt aber super und macht mega Bock. Merci!

Jetzt erkunde ich auch mal den Hochsitz. Nur ist es mittlerweile stockdunkel und das Ding ist nicht beleuchtet. Ganz schön aufregend, seinen Arsch im Dunkeln über den gähnenden Schlund zu schieben...

Das BRÖTCHEN DES TODES erweist sich als anstrengender Brumm-Kram. Der Kerl bedient ‘nen Keyboard und stöhnt ab und zu ins Mikro. Erinnert irgendwie an die Sounds aus dem Film „2001“ in der Szene, in der die Primaten diese Monolithen anglotzen. Hm, Andi sieht in diesem Moment irgendwie genauso aus wie einer dieser Primaten…

Endlich Vladi-time, ist ja auch schon 02.00 Uhr oder so. Aber hier steht die Zeit eh still. Viele Freaks von gestern sind da. Wir toben durchs Set, das fluffig sitzt. Bodenroller, Kopfnüsse, sinnlose Ansagen auf (Pseudo-)Französisch, Bierfontänen – eine riesige Freude ist das hier. Immer wieder seh ich Vince im Pit breit grinsen. Heute gibt es ‘ne längere Playlist, die wieder unsere Cover „Bonded By Vlad“ und „The Power Of Vlad“ umfasst. Sehr beliebt sind wieder „Irukandji“, „Roadkill BBQ“, „Reign In Vlad“, „Perfect Storm“ und „Frontex Fuckers“. Ein Crowdsurfer lässt Deckenbelag auf uns rieseln, die SUPPOSE-IT’S-WAR-Bande ist eh konstant in vordersten Bereichen dabei. Uuh, c’est bon, c’est bon!

Danach wirft das BRÖTCHEN DES TODES zu unserem Entsetzen nochmal seine Orgel an und brummt alles in Grund und Boden. Das klingt jetzt eher wie kämpfende Wale oder der Sound sterbender Galaxien. Ohrenbetäubend laut, dass es mir echt das Hirn verschmort.

Irgendwann sitzen wir aber glücklich, durchgeschwitzt und betrunken in der Residence und feiern mit den Französ_innen. Aber nicht zu doll, schließlich wollen morgen 1400 km zurückgelegt werden, was übrigens überraschend reibungslos verlaufen soll.

France, wir kommen wieder! Als besser französisch sprechende Vladis!

Belgien, Mans & Fougères, FELGER ROCK FESTIVAL in Centre culturel Juliette Drouet – 18.04./19.04.2014

22.04.2014 von Philipp

Yec'hed mad!

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Im Lande der Blinden ist der Einäugige König. Trotzdem irgendwie ein ungünstiger Zeitpunkt, ‘ne Kontaktlinse zu verlieren – nämlich in der Nacht vor einem Feiertag, bevor man dann auch noch ein paar Tage auf Tour fährt. Einäugig zocken oder mit Brille? Ich seh mich schon durchs Equipment stolpern oder bei der zweiten Möglichkeit auch noch meine Brille schrotten. Nun gut, vielleicht findet man unterwegs ja auch einen Optiker mit diesen Tageslinsen...

 

Um 10.00 Uhr brechen wir bereits auf. Die zehn Stündchen Fahrt bis Belgien vergehen bei guter Musik, einigen Getränken und der Lektüre neuer Fanzines und Bücher recht schnell. Um ca. 20.00 Uhr gucken wir mal nach ‘nem Hotel in der Stadt Mons, um auch mal gemeinsam was trinken zu können und so. Doch zunächst scheinen alle Hotels ausgebucht zu sein. Die nette Rezeptionistin eines von uns angesteuerten Hotels telefoniert fünf bis sechs Hotels ab. Schließlich hat sie Erfolg beim „Metropole“ oder so ähnlich. Wir fahren ein paar Mal sinnlos im Kreis herum, bis wir meinen, die richtige Ecke gefunden zu haben. Erst laufen wir jedoch in den falschen Laden.  Ebenso spontan wie geschäftstüchtig meint der dortige Besitzer: „I got two free rooms. Three beds, 60,- Euro each room. So 140,- Euro all in all“. Umme Ecke rennen wir dann fast am echten “Metropole” vorbei, obwohl Strecker den Namen samt Logo auf dem Boden sieht. Er sagt aber geilerweise nichts, weil der Rest so vehement überzeugt ist, dass dies noch nicht das „Metropole“ sein könne. Nu, nach dem Einchecken gönnen wir uns ein paar Getränke in ‘ner Pizzeria. Zufälligerweise trudelt kurz nach uns eine weitere Band aus Deutschland ein, die hier in der Nähe auf einem Festival spielt und danach erst nach Russland und dann nach China will.

Im „Metropole“ gibt’s noch ein paar sündhaft teure Absacker, dann muss aber echt mal gepennt werden. Das bleibt in meinen Fall eher Theorie – Strecker schnarcht, Andi furzt, ein „Hellboy“-Hörspiel läuft viel zu laut und durchs offene Fenster tönen immer wieder grölende Stimmen.

Auf das Wolter’sche Glück ist Verlass: Direkt neben dem Streckermobil ist ein Optiker und der Typ ist auch noch so cool, mir Tageslinsen mit der ungefähr richtigen Dioptrienzahl für lau mitzugeben. Volle Klarsicht wiederhergestellt.

Bis Fougères ist es aber noch weit. Obwohl wir um 09.00 Uhr losfahren, schaffen wir es nicht, die anvisierte Soundcheck-Zeit von 15.00 Uhr einzuhalten. Wir hätten es theoretisch gut packen können, aber drei Stunden Stop and Go halten uns auf. Die ständigen Maut-Stellen nerven auch.

Aber alles ist egal, als wir eintreffen und meganett empfangen werden. Wir treffen Leute von BURN AT ALL, Nico und Yannick von SUPPOSE IT’S WAR, Betty und Fabian von MASS PROD. Die Orga-Crew 8eme Avenue zählt ca. 20 Köpfe und hat das Festival vorbildlich organisiert. Ursprünglich hätte es in einer noch größeren Halle stattfinden sollen, deren Dach aber entweder einsturzgefährdet war oder tatsächlich eingestürzt ist (die Kommunikation ist nicht ganz einfach, da keiner von uns Französisch sprechen kann).  Ziemlich geil, dass die Crew dann so einen guten „Ersatz“ gefunden hat, von dem sie auch dermaßen begeistert sind, dass sie das Festival im nächsten Jahr wieder dort stattfinden lassen wollen. Die Halle bietet Platz für ca. 500 Leute, schätz ich mal. Es gibt aber noch viele zusätzliche Räume, ‘ne feiste Küche, in der wir lecker speisen (mehrere Gänge, alles da von vegan bis Fleisch, Auflauf, Nachtisch und hastenichgesehen), Backstageräume samt Schminkspiegel für jede Band… Extra für Andi holt die Crew sogar noch Schnaps aus ‘nem Supermarkt, während wir Soundcheck machen. Wir lernen, dass man in der Bretagne für „Prost“ das leicht klingonisch anmutende „Yec'hed mad!“ sagt.

LES VIEILLES MARGARITES fabrizieren sehr charismatisch gesungenen Chanson mit Punk-Attitüde und –Einschlag. Akustikklampfe, Quetsche und rauher Gesang treffen auf offenbar politische Texte. Die Halle füllt sich, wird gut voll und die Band kommt sehr gut an. Die Ansagen scheinen witzig zu sein – schade, dass ich von denen nichts verstehe.  

Draußen ist es jetzt auch nett, vor der Halle, aber im Festivalbereich steht ein Bierpilz samt Frittenschmied und überall flanieren nun Punkergrüppchen.

THE KONBINIS gefallen mir auch gut. Alle Bands sind heute stilistisch sehr unterschiedlich. Hier gibt’s flotten Punk mit Kontrabass (der Bassist spielt auch bei BANANE METALIK). Die Leute sind gut am Feiern.

Der Soundcheck versprach bereits beste klangliche Verhältnisse. Spannend ist es aber immer, wenn man 1300 km von zu Hause entfernt ist, wie die Leute auf einen reagieren. Ganz schnell füllt sich die Halle und meine positiven Erfahrungen aus BONEHOUSE-Zeiten wiederholen sich. „Irukandji“ wurde noch sie so abgefeiert und wird von einem Gänsehaut-mäßigen O-ho-ho-ho-Chor aus den Kehlen der Meute begleitet. Alter! Yec'hed mad! Stagediver hüpfen, Dinge fliegen, Bier spritzt, der Bodenroller fehlt nicht… Herrlich.

Die letzte Band, STYLNOX, verpasse ich, da ich mich komplett dem Merch widme. Gespräche werden mit Hand und Fuß geführt, wobei ich es dieses Mal einfacher finde als beim letzten Frankreich-Abstecher mit Bonehouse.

Danach geht es irgendwann zu SUPPOSE IT’S WAR-Schlagzeuger Yannick, in dessen Hütte wir nächtigen. Aber erst werden noch nächtliche Snacks serviert sowie literweise Bier, Wein und selbstgebrannter Schnaps kredenzt. Die Bude ist auch mal irre. Die Grundstruktur stammt von 1924, aber der Rest ist Eigenbau, zum Teil noch Baustelle. In zwei Wände hat ein Kumpel den BONEHOUSE-Schädel reingeflext, Yannick bastelt gerade an einem riesigen Tresen. Die Musikauswahl ist der Hammer, es laufen VALIENT THORR, TOXIC HOLOCAUST, ABATTOIR,,, Je später es wird, desto mehr Leute kommen irgendwie. Ein Typ kotzt unter den Tisch, andere pennen schon im Stehen ein…

Potsdam, U24 – 28.03.2014

02.04.2014 von Philipp

No funny stuff!

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Endlich kommen wir mal wieder in den Genuss, mit SHUDDER AND SPIT zu spielen! Das war viel zu lange nicht der Fall. Und dann auch im bezaubernden Potsdamer Wohnprojekt U 24, wo wir vor nicht ganz einem Jahr zuletzt gastiert hatten! Der einzige Wermutstropfen: CHIPKO können heute leider nicht bei sein. Zumindest nicht körperlich, ich bin sicher, dass die Hamburger in Gedanken bei uns sind und alle anfeuern sowie mitfeiern.

 

Während SHUDDER AND SPIT am Sonntag (ja, richtig gelesen: Sonntag, denn am Samstag gönnen die sich feudalerweise ‘nen Day-Off) einen zweiten Termin zocken, verzichten wir sogar darauf, am Samstag in Lübeck zu spielen. Denn da feiert schließlich unser Landlord Fischi Geburtstag.

 

Während unsere Hinfahrt zwar gut gelaunt, aber im positiven Sinne unspektakulär verläuft, bleiben die Shuddies 30 km (oder so) vor Potsdam liegen. Irgendwas ist wohl mit der Ölwanne. Fragt mich doch nicht, ich hab von Autos noch weniger Ahnung als von Fußball. Jedenfalls sind alle ganz aufgeregt, ob und wie sie es denn jetzt hinbekommen. Zur Beruhigung der nervösen Nerven machen wir uns über das opulente Mahl her. Heute gibbet INDISCH inner U24. Paneer sonswie, jedenfalls oberlecker und vegan! Irgendwann irgendwie trudeln unsere Froind_innen dann doch noch ein und es gibt ein großes Hallo!

 

Zum ersten Mal sehe ich nu auch die neue SUS-Besetzung mit Tim am Schlagzeug. Der hat sich schon gut eingelebt und pfeffert los wie ein Gestörter. Insgesamt merkt man unseren Kieler Homies eine erneute Weiterentwicklung an. Ja, glaubt es oder leckt mich am Arsch – SHUDDER AND SPIT sind noch einen Tucken besser geworden! Das dengelt, geht brachial nach vorne, ist gespickt mit vielen klasse Ideen und dann ist da noch der markante Gesang von Svea. Die kann im Grunde alles – von fiesen Kreischern über Stahlgurgler bis hin zu einschmeichelndem Klargesang (letzterer wird zum Glück nur wohldosiert eingesetzt). Neue Stücke gibt es auch und ich freu mich jetzt schon auf ein neues Album.

 

Eric fordert vom Mob eine Zahl zwischen 19 und 35. Hä? Na, mit eben so vielen Anzählern leitet Eric uns in den ersten Song – „REIGN IN VLAD“! Wir haben in letzter Zeit recht regelmäßig live gespielt und geprobt, sodass eigentlich alles ganz gut flutscht. Das macht Spaß, dass man sich bei den ganzen neuen Stücken langsam nicht mehr so konzentrieren muss. Selbst ein von Zarc wirklich hintertückisch komponierter Song wie „Blue Hell“ kann so auch im Liegen, Rollen oder auf dem Kopp – äh – performt werden. Vom Debut gibt’s heute nur „Roadkill BBQ“, „Not Even Close“ und „Party Of The Damned“, ansonsten fast die gesamte BLAUE PLATTE und die Coversongs „The Power Of Vlad“ sowie „Bonded By Vlad“. Auf die Shudderettes können wir uns backvocaltechnisch einwandfrei verlassen. Top Sache.

 

Der musikalische Teil dürfte damit ja beendet sein? Nein, mein Herr! Irgendjemand von den Uhlies hatte die verrückte Idee, dass nach dem Konz VOR dem Konz ist und stellt erst Andi Harkonnen und dann Svea Akustik-Klampfe sowie Mikro hin. Zunächst also volle Pulle rausgegurgelter Johnny-Cash-im-Uranus-Style, dann Liedermacherkram bis Chartattacken. Und EISENPIMMEL dürfen natürlich auch nicht fehlen. Unbeschreibliche Szenen spielen sich da ab, z.B. wenn Andi und Avea einen abgefuckten Country-Song im Duett schmettern.

 

Danach feiern wir, bis es wieder hell wird – besten Dank an die Uhlies für die grandiose Bewirtung, nicht zu vergessen das leckere Frühstück, welches komplett vegan Rührei ohne Ei oder Mozzarella ohne Mozzarella auf den Tisch zaubert.

 

Wenn wir dürfen, kommen wir wieder…

Hamburg, Bambi Galore – 21.03.2014

25.03.2014 von Philipp

Dubstep sucks

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Wenn ich mich recht entsinne, war es TYSONs Kochi, der die schöne Idee hatte, mal gemeinsam im Bambi Galore die Rüben kreisen zu lassen. Veranstalter Flo fand das auch gut und packte gleich seine eigene Band RESTMENSCH (Ex-NEUE KATASTROPHEN) mit ins Programm. Doch damit nicht genug! Die Israelis von BLACK SACHBAK sind gerade hier auf Tour und natürlich packte Flo diese Gelegenheit beim Arsch und machte aus drei Bands vier.


Nur ist Flo bei unserer Ankunft noch gar nicht sicher, ob dieses feine Programm auch gewürdigt werden würde. Man kennt ja das typische Hamburger Problem: „Boah, ganz nach Billstedt? Das ist mir jetzt echt zu anstrengend…“ Dabei fährt man von Sankt Pauli aus mit der U-/S-Bahn nicht mal 20 min zum Bambi, vom Hbf sind es nur 13 Minuten oder so! Aber die Sorgen sind unbegründet, es füllt sich doch recht angenehm und diverse Überraschungsgäste trudeln ein – Samson ist extra aus Essen angereist (!), Freak Florian aus Marburg An Der Lahn. Unsere schockierende Erkenntnis: Dann müssen wir ja heute mal GUT sein!


Das leckere Essen (für alle was dabei) ist noch nicht verdaut, das legen RESTMENSCH schon los. Ich hab die Punker neulich grad in Berlin gesehen, wo sie im Rahmen der jetzt schon legendären „HAMBURG INZEST FUCKS THE HAUPTSTADT“-Aktion zockten. Das war super und heute isses ebenso toll. Gnadenlos nach vorne preschender Punkrock mit den typischen KATASTROPHEN-Vibes. Viele der Songs gehen direkt in Hirn und Beine und so beginnen die ersten zu pogen.


TYSON metern wieder gut los. Mit den neuen Songs finde ich die Band ja noch deutlich besser als früher. Auch Flo horcht überrascht auf, als wir grad backstage saufen und der erste Song losknüppelt: „Was ist denn bei TYSON passiert? Das muss ich mir ansehen!“ Mit Recht. Jeder der drei TYSONs ist einen Blick wert – Pierre schreddert die Riffs locker runter, Tom groovt, ballert UND singt noch dazu Backings, Kochi wechselt von Aggro-Shouting zu Power Metal-Gesang. Leider bleibt fast den ganzen Auftritt über so’n Graben zwischen Bühne und Mob – ist aber wohl nur Respekt vor den Musikern, denn man sieht überall begeisterte Gesichter.


Offenbar gibt’s bei uns keinen Respekt, denn nun schließt der Mob zur Bühne auf, bespritzt uns mit Rocksaft und schüttelt wütend die Fäuste. Das soll Protest ausdrücken und uns zum Aufhören bewegen? Aber nix da, wir zücken die akustische Keule und schlagen zurück. Außerdem bespucken wir die Arschgeigen mit Bier und hauen jeden Erreichbaren mit Mikros auf den Kopp! Sowas kommt von sowas! Aber ohne Scheiß: Bringt mächtig Laune! Der Sound ist tippitoppi, wir sind ganz gut eingespielt, alles flutscht. Na gut, irgendwie wird Zarc einmal mitten im Song das Gitarrenkabel rausgerissen und „Tangle Foot“ muss neu gestartet werden. Wir schließen mit „Bonded By Blood“, haben für „Party Of The Damned“ dann nämlich keine Zeit mehr. Das dürfte der erste Vladi-Auftritt ohne letzteren Song gewesen sein!


BLACK SACHBAK sind so richtig geil wilder Thrash/Hardcore, der nicht selten an MUNICIPAL WASTE erinnert. Alle vier Bandmitglieder tragen Old-School-Shirts von ONSLAUGHT bis SODOM. Und sie haben ihre Hausaufgaben gemacht – es gibt ‘ne geil hysterische gesungene Version von ANGEL WITCHs „Angel Witch“ und noch eine von AGNOSTIC FRONTs „Victim In Pain“. Hell yeah – allein mit dieser Kombination haben die vier Vollzeitfreaks bei mir gewonnen! Aber auch die eigenen Stücke mit Titeln wie „Marx Was Right“, „Capitalist Zombies“ oder „Dubstep Sucks“ haben es in sich. Musikalisch schön rabiat und ungehobelt, textlich volle Kanne gegen Kapitalismus und anderen abschaffungswerten Ronz.


Also, ich würd mit diesen vier Bands glatt auf Tour gehen. Wer kommt mit?

Kiel, Blitz-Records – 08.03.2014

13.03.2014 von Philipp

Instore-Gig bei Blitz-Records

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Es ist in Kiels besten Plattenladen mittlerweile Tradition: Wenn eine (Kieler) Band ein neues Album veröffentlicht, gibt es einen knackigen Instore-Gig direkt im Geschäft. Ich, Philipp, hab da unter anderem bereits TYSON, KEINE ZÄHNE IM MAUL, ABER LA PALOMA PFEIFEN und SUSHI BOY gesehen. Von daher freuen wir uns sehr über die Einladung von Stefan und seiner Crew.

 

Wir sind gespannt. Stehen VLADI-Hörer_innen überhaupt derart früh auf, um das pünktlich zu schaffen? 17.00 Uhr am Samstag! Und wie sehen die Leute bei Tageslicht überhaupt aus? Ist die Atmosphäre irgendwie verkrampft? Schließlich werfen Punker gern mit brennenden Mülltonnen, das ist bekannt, geht aber bei Blitz nicht ganz so gut.

Wir räumen also unseren Kram bei bestem Wetter in die blitzsauberen Katakomben. Bereits diese Routinehandlungen sind heute ungewohnt, denn währenddessen shoppen natürlich diverse audiophile Menschen. Mit einem mir noch unbekannten Metalhead komme ich gleich ins Gespräch, weil er geschmackssicher die neue FÄULNIS aberntet.

Der Sound ist schnell gecheckt, die ersten Freibiere munden. Zarc hat heute zwei Boxen dabei, um mal zu gucken, wie das so kommt. Ich find’s geil, halt irgendwie als wenn da zwei Zarcs spielten…

So, gleich 5. Ob Leute kommen? Oh, ja. Ruckzuck ist die Hütte voll. Zunächst gedämpfte Gespräche, geflüsterte Vinyl-Nerd-Talks… Doch dann rollt eine Woge Punks & Skins & Schüttelrüben hinein, die gerade vom Fußball kommen (Holstein gegen weißichdochnich). Die Lautstärke erhöht sich umgehend, das richtige Team hat wohl gewonnen. Es kommen neben vielen Bekannten auch Plattenkäufer_innen, die sonst nicht so auf Konzerten zu sehen sind. Und Familie! Die Eltern Zölck sind da, zudem Streckers Eltis, Zarcs Tochter Nia Mara und – Überraschung! – auch mein Vadder. Somit ist das heute wohl die größte Altersspanne überhaupt auf einem unserer Konzerte. Und da macht die Blitzcrew auch schon die Tür zu: Klappe zu, Vladi lebt! Wer jetzt noch angetrödelt kommt, darf sich seinen Zinken am Schaufenster plattdrücken.

Wir spielen – noch ein Superlativ – unser bisher längstes Set. Denn heute gibt es zwischen zwei Sets von uns eine strategisch geschickt gesetzte Pause. Erst bölzen wir zehn Songs in die Hütte, später noch mal acht oder so. Kommt mir allerdings gar nicht lange vor. Es ist auch nichts von gehemmter Stimmung zu spüren. Natürlich gucken die Leute eher zu und klatschen artig nach jedem Stück. Aber diverse Pogotänzer gibt es durchaus. Die schaffen es aber, fast gar nichts umzuwerfen. Schließlich will man hier auch in Zukunft noch Scheibenernte betreiben können. Ungewohnt ist es allerdings für mich, nicht mit Bier herumspucken zu können. Dafür gehen diverse gepflegte Bodenroller. Extra für Zarcs Tochter packen wir „Irukandji“ ganz früh inne Playlist, denn das ist ihr Lieblingssong von VRHN („Itschikatschi“ nennt sie ihn).

In der Pause verlassen ein paar Leute mit neu erworbenen Tonträgern die Hütte, andere schwappen wiederum neu hinein, sodass es beim zweiten Teil gut gefüllt weitergeht. Zum ersten Mal überhaupt zocken wir „Do You Feel Safer Now?“, welcher zu meinen Faves der BLAUEn Platte gehört. Zu den zwölf Faves, höhö. Ach Mönsch, wieso ist denn schon wieder Schluss?

Aber noch ist Zeit für Könschnack, grausiges Fotogeknipse, weitere Tonträgerfachgespräche, noch ‘nen kleinen Rundgang durch die Vinyl-Regale. Ich denke und hoffe doch, dass sich dieser Nachmittag für alle gelohnt hat und allen Spaß bereitet hat! Vielen Dank an alle Besucher_innen und die Blitz-Crew! Und an Dirk für die Gesangsanlage!

Uns zieht es dann in verschiedene Richtungen, Strecker, Andi, diverse Nasen und mich verschlägt es in die Palenke, in welcher Chef Burkhard Sawallisch gleich unser Vinyl auflegt. Später drückt er Andi noch eine Akustikgitarre in die Pranken, die vorher jahrelang an der Decke gehangen hatte und letzterer zeigt seine schönste Whiskey-Goldkehlchenstimme.