DIARY

Frankreich, Squat in Bovel bei Rennes – 20.04.2014

23.04.2014 von Philipp

On Fire!

pic

Unfasslich: Die Zölcks pennen bis fast 14.30 Uhr, obwohl zumindest Zarc recht früh zu Bett gegangen ist. Wir haben natürlich bereits vor Stunden gefrühstückt und geduscht und fragen uns langsam, ob die beiden nicht gar ENTschlafen sind. Jannick präsentiert selbst gefangene Fische und ein Kartoffelgratin für später. Die letzten Gäste verlassen den Ort der Party, als die Zölcks schließlich doch noch auftauchen…

Zunächst geht’s zum Proberaum von SUPPOSE IT’S WAR. Der liegt in einem schönen Komplex, in welchem auch ihr Video entstanden ist. Neben Proberäumen gibt es hier sogar eine Auftrittsmöglichkeit. Leider liegt Gitarrist Julien total in sauer und muss unter verbalen Ohrfeigen der anderen absagen.

Das MASS PROD-Office ist umgezogen, liegt zwar immer noch in Rennes, aber nun innerhalb eines riesigen modernen Gebäudekomplexes. Nach neun Jahren gibt es für mich ein Wiedersehen mit Vollzeitfreak Vince, der neben der zweiten VLADIMIR HARKONNEN-CD/LP früher bereits Platten von BONEHOUSE veröffentlicht hat (Vinyl-Version von „Onward To Mayhem“ und die franz. Version der „The Fuse Is Lit“-CD). Hals und Stirn sind mittlerweile restlos zutätowiert, die Haare richtig lang geworden und im Gesicht trägt er immer noch dasselbe strahlende Grinsen mit dem Funken Wahnsinn drinne. Das Büro von MASS PROD ist wie gesagt nur ein Teil des Komplexes. Es gibt dort Proberäume stundenweise zu mieten. 300 Bands nehmen das zur Zeit monatlich wahr! Ich denke zunächst, dass ich mich verhört habe, aber das Angebot ist gut: 40 Stunden kosten nur 20,- Euro, Schlagzeug und Gesangsanlage sind vorhanden, nach Bedarf auch mehr, am Tresen kannste Instrumente, Zubehör etc. kaufen oder leihen. Es gibt sogar einen richtigen Klub innerhalb des Gebäudes (so Treibsand-Größe). Das Ding ist nicht mal zu steril, da könnte man theoretisch echt mal zocken. Nur hat gerade der Klub eine lange Anmeldefrist. Vince und ein Mass-Prod-Mitarbeiter servieren selbst gemachte Pizza und Drinks, welche ordentlich ballern. Wir sabbeln endlos und planen fürs nächste Jahr mehr Frankreich-Dates.

Dann geht es ab zum Squat in Bovel, welches mitten im Nirgendwo liegt – und dann noch ein wenig nach Süden. Ich fahr bei Vince mit und wir plaudern noch weiter. Die urspünglich anvisierte Show ist der Wut der Bullen und des Bürgermeisters zum Opfer gefallen, daher heute das illegale Geheimkonzi im Wald.

Der Squat ist wahrlich mitten in der Natur gelegen. Bauwagen, Wohnwagen, mehrere selbst gezimmerte Gebäude umgeben eine alte Mansion (Herrenhaus), die besetzt ist. Zwei der Häuser gehören der ca. 30-köpfigen Association an, die dafür zusammengeschmissen haben. Viele Details sind liebevoll selbst konstruiert worden. Die Toilette befindet sich z.B. in einer Art Hochsitz, in dessen Plattform sich halt das Loch zum Durchscheißen befindet. Dazu Klopapier und Sägemehl zum Drüberschütten… Den Soundmenschen kenne ich tatsächlich von einem gemeinsamen Auftritt auf einem Boot (Seine, Paris). Vor Jahren ist er weggezogen, um hier zu leben. Die Association besteht seit 5, 6 Jahren. Er hat auch z.B. auf der Fusion an Installationen gearbeitet und erzählt mir interessante Details, so war er ca. einen Monat vor Beginn des eigentlichen Festivals dort, wobei Material und Reisekosten von der Fusion-Orga bezahlt werden.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN entpuppen sich als Duo, dessen Schlagzeugerin aus Göttingen stammt und dessen Gitarrist gleichzeitig die One-Man-Disco BRÖTCHEN DES TODES verkörpert.

Ein Wohnwagen wird vor das Zockhäuschen geschoben, aus dem Snacks verkauft werden (vegane Flöten), alles wird mit Lichterketten dekoriert. Magnifique! In der Residenz, in der auch unsere Pennplätze liegen (eine Schwindel erregend steile Treppe ohne Geländer hinauf) wird aber erst mal ‘ne massive Fressorgie eingelegt. Die Fische werden von fast allen gelobt und der Wein fließt in Strömen.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN sind echt ma interessant. Der Typ setzt irgendwie Bass-Fundament und Gitarren-Melodien zugleich, während sie singt und konzentriert trommelt. Ein botanisch blümeranter Stil.

Nun bin ich ja gespannt, schließlich bezeichnen SUPPOSE IT’S WAR die BONEHOUSE-LP „Onward To Mayhem“ als ihren Haupteinfluss und covern auf der Debut-Scheibe gar „This Means Nothing“. Trotz nur einer Gitarre ist der Auftritt ein Burner!  Schnell, geile Gitarre, fieser Gesang – das peitscht und peinigt. Und am Ende kommt natürlich „This Means Nothing“, welches ich als Gastsänger schmettern soll. Ich bin nervös, ob das nach acht Jahren noch sitzt, da ich es auch lange nicht mehr gehört habe. Klappt aber super und macht mega Bock. Merci!

Jetzt erkunde ich auch mal den Hochsitz. Nur ist es mittlerweile stockdunkel und das Ding ist nicht beleuchtet. Ganz schön aufregend, seinen Arsch im Dunkeln über den gähnenden Schlund zu schieben...

Das BRÖTCHEN DES TODES erweist sich als anstrengender Brumm-Kram. Der Kerl bedient ‘nen Keyboard und stöhnt ab und zu ins Mikro. Erinnert irgendwie an die Sounds aus dem Film „2001“ in der Szene, in der die Primaten diese Monolithen anglotzen. Hm, Andi sieht in diesem Moment irgendwie genauso aus wie einer dieser Primaten…

Endlich Vladi-time, ist ja auch schon 02.00 Uhr oder so. Aber hier steht die Zeit eh still. Viele Freaks von gestern sind da. Wir toben durchs Set, das fluffig sitzt. Bodenroller, Kopfnüsse, sinnlose Ansagen auf (Pseudo-)Französisch, Bierfontänen – eine riesige Freude ist das hier. Immer wieder seh ich Vince im Pit breit grinsen. Heute gibt es ‘ne längere Playlist, die wieder unsere Cover „Bonded By Vlad“ und „The Power Of Vlad“ umfasst. Sehr beliebt sind wieder „Irukandji“, „Roadkill BBQ“, „Reign In Vlad“, „Perfect Storm“ und „Frontex Fuckers“. Ein Crowdsurfer lässt Deckenbelag auf uns rieseln, die SUPPOSE-IT’S-WAR-Bande ist eh konstant in vordersten Bereichen dabei. Uuh, c’est bon, c’est bon!

Danach wirft das BRÖTCHEN DES TODES zu unserem Entsetzen nochmal seine Orgel an und brummt alles in Grund und Boden. Das klingt jetzt eher wie kämpfende Wale oder der Sound sterbender Galaxien. Ohrenbetäubend laut, dass es mir echt das Hirn verschmort.

Irgendwann sitzen wir aber glücklich, durchgeschwitzt und betrunken in der Residence und feiern mit den Französ_innen. Aber nicht zu doll, schließlich wollen morgen 1400 km zurückgelegt werden, was übrigens überraschend reibungslos verlaufen soll.

France, wir kommen wieder! Als besser französisch sprechende Vladis!

Belgien, Mans & Fougères, FELGER ROCK FESTIVAL in Centre culturel Juliette Drouet – 18.04./19.04.2014

22.04.2014 von Philipp

Yec'hed mad!

pic
Im Lande der Blinden ist der Einäugige König. Trotzdem irgendwie ein ungünstiger Zeitpunkt, ‘ne Kontaktlinse zu verlieren – nämlich in der Nacht vor einem Feiertag, bevor man dann auch noch ein paar Tage auf Tour fährt. Einäugig zocken oder mit Brille? Ich seh mich schon durchs Equipment stolpern oder bei der zweiten Möglichkeit auch noch meine Brille schrotten. Nun gut, vielleicht findet man unterwegs ja auch einen Optiker mit diesen Tageslinsen...

 

Um 10.00 Uhr brechen wir bereits auf. Die zehn Stündchen Fahrt bis Belgien vergehen bei guter Musik, einigen Getränken und der Lektüre neuer Fanzines und Bücher recht schnell. Um ca. 20.00 Uhr gucken wir mal nach ‘nem Hotel in der Stadt Mons, um auch mal gemeinsam was trinken zu können und so. Doch zunächst scheinen alle Hotels ausgebucht zu sein. Die nette Rezeptionistin eines von uns angesteuerten Hotels telefoniert fünf bis sechs Hotels ab. Schließlich hat sie Erfolg beim „Metropole“ oder so ähnlich. Wir fahren ein paar Mal sinnlos im Kreis herum, bis wir meinen, die richtige Ecke gefunden zu haben. Erst laufen wir jedoch in den falschen Laden.  Ebenso spontan wie geschäftstüchtig meint der dortige Besitzer: „I got two free rooms. Three beds, 60,- Euro each room. So 140,- Euro all in all“. Umme Ecke rennen wir dann fast am echten “Metropole” vorbei, obwohl Strecker den Namen samt Logo auf dem Boden sieht. Er sagt aber geilerweise nichts, weil der Rest so vehement überzeugt ist, dass dies noch nicht das „Metropole“ sein könne. Nu, nach dem Einchecken gönnen wir uns ein paar Getränke in ‘ner Pizzeria. Zufälligerweise trudelt kurz nach uns eine weitere Band aus Deutschland ein, die hier in der Nähe auf einem Festival spielt und danach erst nach Russland und dann nach China will.

Im „Metropole“ gibt’s noch ein paar sündhaft teure Absacker, dann muss aber echt mal gepennt werden. Das bleibt in meinen Fall eher Theorie – Strecker schnarcht, Andi furzt, ein „Hellboy“-Hörspiel läuft viel zu laut und durchs offene Fenster tönen immer wieder grölende Stimmen.

Auf das Wolter’sche Glück ist Verlass: Direkt neben dem Streckermobil ist ein Optiker und der Typ ist auch noch so cool, mir Tageslinsen mit der ungefähr richtigen Dioptrienzahl für lau mitzugeben. Volle Klarsicht wiederhergestellt.

Bis Fougères ist es aber noch weit. Obwohl wir um 09.00 Uhr losfahren, schaffen wir es nicht, die anvisierte Soundcheck-Zeit von 15.00 Uhr einzuhalten. Wir hätten es theoretisch gut packen können, aber drei Stunden Stop and Go halten uns auf. Die ständigen Maut-Stellen nerven auch.

Aber alles ist egal, als wir eintreffen und meganett empfangen werden. Wir treffen Leute von BURN AT ALL, Nico und Yannick von SUPPOSE IT’S WAR, Betty und Fabian von MASS PROD. Die Orga-Crew 8eme Avenue zählt ca. 20 Köpfe und hat das Festival vorbildlich organisiert. Ursprünglich hätte es in einer noch größeren Halle stattfinden sollen, deren Dach aber entweder einsturzgefährdet war oder tatsächlich eingestürzt ist (die Kommunikation ist nicht ganz einfach, da keiner von uns Französisch sprechen kann).  Ziemlich geil, dass die Crew dann so einen guten „Ersatz“ gefunden hat, von dem sie auch dermaßen begeistert sind, dass sie das Festival im nächsten Jahr wieder dort stattfinden lassen wollen. Die Halle bietet Platz für ca. 500 Leute, schätz ich mal. Es gibt aber noch viele zusätzliche Räume, ‘ne feiste Küche, in der wir lecker speisen (mehrere Gänge, alles da von vegan bis Fleisch, Auflauf, Nachtisch und hastenichgesehen), Backstageräume samt Schminkspiegel für jede Band… Extra für Andi holt die Crew sogar noch Schnaps aus ‘nem Supermarkt, während wir Soundcheck machen. Wir lernen, dass man in der Bretagne für „Prost“ das leicht klingonisch anmutende „Yec'hed mad!“ sagt.

LES VIEILLES MARGARITES fabrizieren sehr charismatisch gesungenen Chanson mit Punk-Attitüde und –Einschlag. Akustikklampfe, Quetsche und rauher Gesang treffen auf offenbar politische Texte. Die Halle füllt sich, wird gut voll und die Band kommt sehr gut an. Die Ansagen scheinen witzig zu sein – schade, dass ich von denen nichts verstehe.  

Draußen ist es jetzt auch nett, vor der Halle, aber im Festivalbereich steht ein Bierpilz samt Frittenschmied und überall flanieren nun Punkergrüppchen.

THE KONBINIS gefallen mir auch gut. Alle Bands sind heute stilistisch sehr unterschiedlich. Hier gibt’s flotten Punk mit Kontrabass (der Bassist spielt auch bei BANANE METALIK). Die Leute sind gut am Feiern.

Der Soundcheck versprach bereits beste klangliche Verhältnisse. Spannend ist es aber immer, wenn man 1300 km von zu Hause entfernt ist, wie die Leute auf einen reagieren. Ganz schnell füllt sich die Halle und meine positiven Erfahrungen aus BONEHOUSE-Zeiten wiederholen sich. „Irukandji“ wurde noch sie so abgefeiert und wird von einem Gänsehaut-mäßigen O-ho-ho-ho-Chor aus den Kehlen der Meute begleitet. Alter! Yec'hed mad! Stagediver hüpfen, Dinge fliegen, Bier spritzt, der Bodenroller fehlt nicht… Herrlich.

Die letzte Band, STYLNOX, verpasse ich, da ich mich komplett dem Merch widme. Gespräche werden mit Hand und Fuß geführt, wobei ich es dieses Mal einfacher finde als beim letzten Frankreich-Abstecher mit Bonehouse.

Danach geht es irgendwann zu SUPPOSE IT’S WAR-Schlagzeuger Yannick, in dessen Hütte wir nächtigen. Aber erst werden noch nächtliche Snacks serviert sowie literweise Bier, Wein und selbstgebrannter Schnaps kredenzt. Die Bude ist auch mal irre. Die Grundstruktur stammt von 1924, aber der Rest ist Eigenbau, zum Teil noch Baustelle. In zwei Wände hat ein Kumpel den BONEHOUSE-Schädel reingeflext, Yannick bastelt gerade an einem riesigen Tresen. Die Musikauswahl ist der Hammer, es laufen VALIENT THORR, TOXIC HOLOCAUST, ABATTOIR,,, Je später es wird, desto mehr Leute kommen irgendwie. Ein Typ kotzt unter den Tisch, andere pennen schon im Stehen ein…

Potsdam, U24 – 28.03.2014

02.04.2014 von Philipp

No funny stuff!

pic
Endlich kommen wir mal wieder in den Genuss, mit SHUDDER AND SPIT zu spielen! Das war viel zu lange nicht der Fall. Und dann auch im bezaubernden Potsdamer Wohnprojekt U 24, wo wir vor nicht ganz einem Jahr zuletzt gastiert hatten! Der einzige Wermutstropfen: CHIPKO können heute leider nicht bei sein. Zumindest nicht körperlich, ich bin sicher, dass die Hamburger in Gedanken bei uns sind und alle anfeuern sowie mitfeiern.

 

Während SHUDDER AND SPIT am Sonntag (ja, richtig gelesen: Sonntag, denn am Samstag gönnen die sich feudalerweise ‘nen Day-Off) einen zweiten Termin zocken, verzichten wir sogar darauf, am Samstag in Lübeck zu spielen. Denn da feiert schließlich unser Landlord Fischi Geburtstag.

 

Während unsere Hinfahrt zwar gut gelaunt, aber im positiven Sinne unspektakulär verläuft, bleiben die Shuddies 30 km (oder so) vor Potsdam liegen. Irgendwas ist wohl mit der Ölwanne. Fragt mich doch nicht, ich hab von Autos noch weniger Ahnung als von Fußball. Jedenfalls sind alle ganz aufgeregt, ob und wie sie es denn jetzt hinbekommen. Zur Beruhigung der nervösen Nerven machen wir uns über das opulente Mahl her. Heute gibbet INDISCH inner U24. Paneer sonswie, jedenfalls oberlecker und vegan! Irgendwann irgendwie trudeln unsere Froind_innen dann doch noch ein und es gibt ein großes Hallo!

 

Zum ersten Mal sehe ich nu auch die neue SUS-Besetzung mit Tim am Schlagzeug. Der hat sich schon gut eingelebt und pfeffert los wie ein Gestörter. Insgesamt merkt man unseren Kieler Homies eine erneute Weiterentwicklung an. Ja, glaubt es oder leckt mich am Arsch – SHUDDER AND SPIT sind noch einen Tucken besser geworden! Das dengelt, geht brachial nach vorne, ist gespickt mit vielen klasse Ideen und dann ist da noch der markante Gesang von Svea. Die kann im Grunde alles – von fiesen Kreischern über Stahlgurgler bis hin zu einschmeichelndem Klargesang (letzterer wird zum Glück nur wohldosiert eingesetzt). Neue Stücke gibt es auch und ich freu mich jetzt schon auf ein neues Album.

 

Eric fordert vom Mob eine Zahl zwischen 19 und 35. Hä? Na, mit eben so vielen Anzählern leitet Eric uns in den ersten Song – „REIGN IN VLAD“! Wir haben in letzter Zeit recht regelmäßig live gespielt und geprobt, sodass eigentlich alles ganz gut flutscht. Das macht Spaß, dass man sich bei den ganzen neuen Stücken langsam nicht mehr so konzentrieren muss. Selbst ein von Zarc wirklich hintertückisch komponierter Song wie „Blue Hell“ kann so auch im Liegen, Rollen oder auf dem Kopp – äh – performt werden. Vom Debut gibt’s heute nur „Roadkill BBQ“, „Not Even Close“ und „Party Of The Damned“, ansonsten fast die gesamte BLAUE PLATTE und die Coversongs „The Power Of Vlad“ sowie „Bonded By Vlad“. Auf die Shudderettes können wir uns backvocaltechnisch einwandfrei verlassen. Top Sache.

 

Der musikalische Teil dürfte damit ja beendet sein? Nein, mein Herr! Irgendjemand von den Uhlies hatte die verrückte Idee, dass nach dem Konz VOR dem Konz ist und stellt erst Andi Harkonnen und dann Svea Akustik-Klampfe sowie Mikro hin. Zunächst also volle Pulle rausgegurgelter Johnny-Cash-im-Uranus-Style, dann Liedermacherkram bis Chartattacken. Und EISENPIMMEL dürfen natürlich auch nicht fehlen. Unbeschreibliche Szenen spielen sich da ab, z.B. wenn Andi und Avea einen abgefuckten Country-Song im Duett schmettern.

 

Danach feiern wir, bis es wieder hell wird – besten Dank an die Uhlies für die grandiose Bewirtung, nicht zu vergessen das leckere Frühstück, welches komplett vegan Rührei ohne Ei oder Mozzarella ohne Mozzarella auf den Tisch zaubert.

 

Wenn wir dürfen, kommen wir wieder…

Hamburg, Bambi Galore – 21.03.2014

25.03.2014 von Philipp

Dubstep sucks

pic
Wenn ich mich recht entsinne, war es TYSONs Kochi, der die schöne Idee hatte, mal gemeinsam im Bambi Galore die Rüben kreisen zu lassen. Veranstalter Flo fand das auch gut und packte gleich seine eigene Band RESTMENSCH (Ex-NEUE KATASTROPHEN) mit ins Programm. Doch damit nicht genug! Die Israelis von BLACK SACHBAK sind gerade hier auf Tour und natürlich packte Flo diese Gelegenheit beim Arsch und machte aus drei Bands vier.


Nur ist Flo bei unserer Ankunft noch gar nicht sicher, ob dieses feine Programm auch gewürdigt werden würde. Man kennt ja das typische Hamburger Problem: „Boah, ganz nach Billstedt? Das ist mir jetzt echt zu anstrengend…“ Dabei fährt man von Sankt Pauli aus mit der U-/S-Bahn nicht mal 20 min zum Bambi, vom Hbf sind es nur 13 Minuten oder so! Aber die Sorgen sind unbegründet, es füllt sich doch recht angenehm und diverse Überraschungsgäste trudeln ein – Samson ist extra aus Essen angereist (!), Freak Florian aus Marburg An Der Lahn. Unsere schockierende Erkenntnis: Dann müssen wir ja heute mal GUT sein!


Das leckere Essen (für alle was dabei) ist noch nicht verdaut, das legen RESTMENSCH schon los. Ich hab die Punker neulich grad in Berlin gesehen, wo sie im Rahmen der jetzt schon legendären „HAMBURG INZEST FUCKS THE HAUPTSTADT“-Aktion zockten. Das war super und heute isses ebenso toll. Gnadenlos nach vorne preschender Punkrock mit den typischen KATASTROPHEN-Vibes. Viele der Songs gehen direkt in Hirn und Beine und so beginnen die ersten zu pogen.


TYSON metern wieder gut los. Mit den neuen Songs finde ich die Band ja noch deutlich besser als früher. Auch Flo horcht überrascht auf, als wir grad backstage saufen und der erste Song losknüppelt: „Was ist denn bei TYSON passiert? Das muss ich mir ansehen!“ Mit Recht. Jeder der drei TYSONs ist einen Blick wert – Pierre schreddert die Riffs locker runter, Tom groovt, ballert UND singt noch dazu Backings, Kochi wechselt von Aggro-Shouting zu Power Metal-Gesang. Leider bleibt fast den ganzen Auftritt über so’n Graben zwischen Bühne und Mob – ist aber wohl nur Respekt vor den Musikern, denn man sieht überall begeisterte Gesichter.


Offenbar gibt’s bei uns keinen Respekt, denn nun schließt der Mob zur Bühne auf, bespritzt uns mit Rocksaft und schüttelt wütend die Fäuste. Das soll Protest ausdrücken und uns zum Aufhören bewegen? Aber nix da, wir zücken die akustische Keule und schlagen zurück. Außerdem bespucken wir die Arschgeigen mit Bier und hauen jeden Erreichbaren mit Mikros auf den Kopp! Sowas kommt von sowas! Aber ohne Scheiß: Bringt mächtig Laune! Der Sound ist tippitoppi, wir sind ganz gut eingespielt, alles flutscht. Na gut, irgendwie wird Zarc einmal mitten im Song das Gitarrenkabel rausgerissen und „Tangle Foot“ muss neu gestartet werden. Wir schließen mit „Bonded By Blood“, haben für „Party Of The Damned“ dann nämlich keine Zeit mehr. Das dürfte der erste Vladi-Auftritt ohne letzteren Song gewesen sein!


BLACK SACHBAK sind so richtig geil wilder Thrash/Hardcore, der nicht selten an MUNICIPAL WASTE erinnert. Alle vier Bandmitglieder tragen Old-School-Shirts von ONSLAUGHT bis SODOM. Und sie haben ihre Hausaufgaben gemacht – es gibt ‘ne geil hysterische gesungene Version von ANGEL WITCHs „Angel Witch“ und noch eine von AGNOSTIC FRONTs „Victim In Pain“. Hell yeah – allein mit dieser Kombination haben die vier Vollzeitfreaks bei mir gewonnen! Aber auch die eigenen Stücke mit Titeln wie „Marx Was Right“, „Capitalist Zombies“ oder „Dubstep Sucks“ haben es in sich. Musikalisch schön rabiat und ungehobelt, textlich volle Kanne gegen Kapitalismus und anderen abschaffungswerten Ronz.


Also, ich würd mit diesen vier Bands glatt auf Tour gehen. Wer kommt mit?

Kiel, Blitz-Records – 08.03.2014

13.03.2014 von Philipp

Instore-Gig bei Blitz-Records

pic
Es ist in Kiels besten Plattenladen mittlerweile Tradition: Wenn eine (Kieler) Band ein neues Album veröffentlicht, gibt es einen knackigen Instore-Gig direkt im Geschäft. Ich, Philipp, hab da unter anderem bereits TYSON, KEINE ZÄHNE IM MAUL, ABER LA PALOMA PFEIFEN und SUSHI BOY gesehen. Von daher freuen wir uns sehr über die Einladung von Stefan und seiner Crew.

 

Wir sind gespannt. Stehen VLADI-Hörer_innen überhaupt derart früh auf, um das pünktlich zu schaffen? 17.00 Uhr am Samstag! Und wie sehen die Leute bei Tageslicht überhaupt aus? Ist die Atmosphäre irgendwie verkrampft? Schließlich werfen Punker gern mit brennenden Mülltonnen, das ist bekannt, geht aber bei Blitz nicht ganz so gut.

Wir räumen also unseren Kram bei bestem Wetter in die blitzsauberen Katakomben. Bereits diese Routinehandlungen sind heute ungewohnt, denn währenddessen shoppen natürlich diverse audiophile Menschen. Mit einem mir noch unbekannten Metalhead komme ich gleich ins Gespräch, weil er geschmackssicher die neue FÄULNIS aberntet.

Der Sound ist schnell gecheckt, die ersten Freibiere munden. Zarc hat heute zwei Boxen dabei, um mal zu gucken, wie das so kommt. Ich find’s geil, halt irgendwie als wenn da zwei Zarcs spielten…

So, gleich 5. Ob Leute kommen? Oh, ja. Ruckzuck ist die Hütte voll. Zunächst gedämpfte Gespräche, geflüsterte Vinyl-Nerd-Talks… Doch dann rollt eine Woge Punks & Skins & Schüttelrüben hinein, die gerade vom Fußball kommen (Holstein gegen weißichdochnich). Die Lautstärke erhöht sich umgehend, das richtige Team hat wohl gewonnen. Es kommen neben vielen Bekannten auch Plattenkäufer_innen, die sonst nicht so auf Konzerten zu sehen sind. Und Familie! Die Eltern Zölck sind da, zudem Streckers Eltis, Zarcs Tochter Nia Mara und – Überraschung! – auch mein Vadder. Somit ist das heute wohl die größte Altersspanne überhaupt auf einem unserer Konzerte. Und da macht die Blitzcrew auch schon die Tür zu: Klappe zu, Vladi lebt! Wer jetzt noch angetrödelt kommt, darf sich seinen Zinken am Schaufenster plattdrücken.

Wir spielen – noch ein Superlativ – unser bisher längstes Set. Denn heute gibt es zwischen zwei Sets von uns eine strategisch geschickt gesetzte Pause. Erst bölzen wir zehn Songs in die Hütte, später noch mal acht oder so. Kommt mir allerdings gar nicht lange vor. Es ist auch nichts von gehemmter Stimmung zu spüren. Natürlich gucken die Leute eher zu und klatschen artig nach jedem Stück. Aber diverse Pogotänzer gibt es durchaus. Die schaffen es aber, fast gar nichts umzuwerfen. Schließlich will man hier auch in Zukunft noch Scheibenernte betreiben können. Ungewohnt ist es allerdings für mich, nicht mit Bier herumspucken zu können. Dafür gehen diverse gepflegte Bodenroller. Extra für Zarcs Tochter packen wir „Irukandji“ ganz früh inne Playlist, denn das ist ihr Lieblingssong von VRHN („Itschikatschi“ nennt sie ihn).

In der Pause verlassen ein paar Leute mit neu erworbenen Tonträgern die Hütte, andere schwappen wiederum neu hinein, sodass es beim zweiten Teil gut gefüllt weitergeht. Zum ersten Mal überhaupt zocken wir „Do You Feel Safer Now?“, welcher zu meinen Faves der BLAUEn Platte gehört. Zu den zwölf Faves, höhö. Ach Mönsch, wieso ist denn schon wieder Schluss?

Aber noch ist Zeit für Könschnack, grausiges Fotogeknipse, weitere Tonträgerfachgespräche, noch ‘nen kleinen Rundgang durch die Vinyl-Regale. Ich denke und hoffe doch, dass sich dieser Nachmittag für alle gelohnt hat und allen Spaß bereitet hat! Vielen Dank an alle Besucher_innen und die Blitz-Crew! Und an Dirk für die Gesangsanlage!

Uns zieht es dann in verschiedene Richtungen, Strecker, Andi, diverse Nasen und mich verschlägt es in die Palenke, in welcher Chef Burkhard Sawallisch gleich unser Vinyl auflegt. Später drückt er Andi noch eine Akustikgitarre in die Pranken, die vorher jahrelang an der Decke gehangen hatte und letzterer zeigt seine schönste Whiskey-Goldkehlchenstimme.

Elmshorn, Punkerhaus - 15.02.2014

23.02.2014 von Philipp

Stinking Up The Night

pic
Netterweise hat uns Kat ihre Bude zur Verfügung gestellt. Im Nachhinein hätten wir auch bei Menschen aus der Veddel-Orga pennen können, was aber irgendwie im Vorfeld in unserer Kommunikation untergegangen war. Gut daran war aber auch, dass Kat so trotz Einlassstopp noch reingekommen ist – „Ich hab aber die Schlüssel zur Wohnung mit, in der eine der Bands schläft!“ Kat ist schlau und lässt uns ihre Bude vollstinken, während sie selbst bei ihrem Freund nächtigt.

Morgens ist sie dann mit feistem Frühstück am Start. Wir können uns immerhin damit revanchieren, ihre Kaffeemaschine repariert zu haben, die eigentlich als kaputt eingestuft war. Nachdem wir gefrühstückt haben und Strecker irgendwann sogar eine Hose anhat, rollen wir noch zum Fischkopp Plattenshop. Dort haben wir Glück – eigentlich wollte ein Mitglied des Fischkopp-Kollektivs nur was aus dem Laden holen, aber als er unsere gierigen Augen (kreisrunde schwarze Scheiben statt Pupillen) sieht, lässt er den Schuppen na klar kurz geöffnet.

Warme Begrüßung im Punkerhaus! Unser Besuch heute ist eh ‘ne Herzensangelegenheit, schließlich wohnt Flupp hier, der mit FRONTCORE eines der Labels verkörpert, welche DIE BLAUE PLATTE raushauen. Danke, Flupp!

Dank gebührt auch KOLLMARLIBRE, welche heute große Teile der Backline stellen und mit uns zocken.Und Steini, der Flupp zufolge mit am meisten für diesen Abend organisiert hat.

Wie beim letzten Mal ist auch das Essen exquisit. Wir hatten schon gehofft, dass Chilli wieder kocht. Es gibt vegane Bolognese und Fleisch-bolo. Ist ja auch wirklich selten, dass die vegane und die Fleischvariante angeboten werden. Dazu wird frisches Basilikum gereicht, x Gewürze und schmackofatzige Pesto. Wir drehen durch und fressen, was dat Zeug hält.

KOLLMARLIBRE zocken Skapunk, was zwar nicht ganz meine Richtung ist, aber hier hält sich der Skafaktor eigentlich so in Grenzen, dass man es auch einfach deutschsprachigen Punk nennen könnte. Außerdem sind die Typen alle sehr sympathisch. Positiv fallen mir die Texte auf, die durchweg kämpferisch und engagiert sind. Zum Beispiel ist ein Stück von Heines „Webern“ beeinflusst. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch – wir weben hinein den dreifachen Fluch!“. Gänsehaut. Und Humor hamse AUCH noch: „Distemper hat Hunde, Ska-p hat Katzen, Kollmarlibre hat Pinguine“. Geil ist der Mercher, der eigentlich den ganzen Abend hinterm Merchtisch nur schläft. Ob der mit Strecker verwandt ist?

Bis wir spielen, haben wir so ziemlich jede_n Bewohner_in/Besucher_in des PUNKERHAUSES kennengelernt. In Erinnerung bleiben wird mir ein Typ, der „früher Ayatollah Rock’n’Roller“ genannt worden sei, 25000 Schallplatten besessen, aber „aus Gründen“ verschenkt habe. Und der Typ, der auf der einen Seite seines rasierten Schädels die Worte „Born to kill“ tätowiert hat – und auf der anderen „Meat is murder“. Hagi von INSIDE JOB und vom SCHEISZE Fanzine ist auch da und begleitet den Abend wie gewohnt investigativ, drückt mir auch die neueste Ausgabe in die Hand, welche ein großartiges Cover mit Uschi Obermaier druff sowie viele großartige Geschichten/Intis etc. besitzt.  

Ja, es geht endlich looooos! Wir beginnen mit „Reign In Vlad“, ich nutze die Chance und mache schnell einen Bodenroller, bevor der Mob mir kerinen Platz mehr dazu lässt. Ich spüre, wie mehrere feuchte Substanzen und auch spitze Gegenstände durch Kutte und Shirt drängen. Weiter geht es mit „Roadkill BBQ“ – wir sind gerade im Mittelteil, als plötzlich alles ganz dunkel wird. Und auch ganz leise. Bis aufs Schlagzeug. Also bin ich nicht tot oder so. Es ist lediglich ein Stromausfall. Oder ein vom Krach genervter Bewohner hat die Sicherung rausgekloppt. Ob der Strom zurückkehren wird? Wenn ich ehrlich bin, seh ich bereits aus wie NACH einem ca. 90-minütigen Auftritt. Mehrere Rutschen Bier sind über mich ergangen, durchgeschwitzt bin ich auch schon. Man hätte also bereits positiv bilanzieren können… Eric gibt aber nicht auf und fräst uns eine Art Schlagzeugsolo um die Ohren, von dem mir selbige jetzt noch bimmeln. Aber da geht das Licht auch schon wieder an! Irgendwie hat das den Mob nur noch mehr angestachelt, ab jetzt herrscht durchgehend Pogo-Alarm und es ist kein Bodenroller mehr möglich. Die Leute brüllen amtlich mit, allen voran Flupp, der offenbar heimlich vorher geübt hat. Deshalb spielen wir heute sogar beide Coverversionen – EXODUS und LARD.

 

Wunderbarer Auftritt, da hat heute alles gestimmt. Wir können uns gar nicht lösen, trinken noch etliche Humpen, aber irgendwann muss das Streckermobil ja zurück durch die Nacht donnern. Möge das Punkerhaus bestehen bleiben (es gibt wohl finstere Kräfte, welches seine Existenz bedrohen)! Danke Flupp, Chilli & alle Bewohner_innen, Besucher_innen, Kollmarlibre etc.!

Hamburg, Veddel – 14.02.2014

19.02.2014 von Philipp

LAMPEDUSA-SOLI-FESTIVAL

pic

Der Aufruf zu dieser Soli-Veranstaltung lautete wie folgt: „Solidarität mit der Gruppe Lampedusa in Hamburg.


Ein neues Jahr ist angebrochen und die Mitglieder der Gruppe 'Lampedusa in Hamburg' schlafen mittlerweile an über 30 unterschiedlichen Standorten über die gesamte Stadt verteilt. Ihre aufenthaltsrechtliche Situation ist nach wie vor ungeklärt. Um weiterhin an gemeinsamen politischen Aktivitäten teilzuhaben und die Essensausgabe erreichen zu können, ist die Gruppe dringend auf HVV-Tickets angewiesen.

Der gesamte Erlös dieser Veranstaltung wird für Fahrkarten wie auch für Lebensmittel, Kleidung und alle anderen notwendigen Dinge an die Gruppe gespendet!

Weitere Infos zum Thema:
http://lampedusa-hamburg.info/

Spendenaufruf als Video:
http://vimeo.com/80537323

 

Keine Frage, dass wir auf die Einladung von Golle sofort zusagten. Der Bock war außerdem groß, da wir noch nie auf der Veddel gespielt hatten und vieles Gute gehört hatten. Außerdem locken UPPER CRUST (und deren neue Pladde), ROBINSON KRAUSE, HEIMATGLÜCK, die mir noch unbekannten BRAINDEAD sowie 'ne Überraschungsband.

 

Wie konnte es sein, dass ich trotz infernalischen Flyerbombardements (Elb-Tsunami, Heavy Metal auffer Veddel etc.) noch nie den Weg zu diesem abartig geilen Ort gefunden hatte? Ein Rätsel, welches ich wohl nie lösen werde. Jedenfalls isses auf der Veddel saugemütlich, man fühlt sich mitten in Hamburg wie auf dem Dorf, überall um die Halle herum, in welcher die Bands zocken sollen, befinden sich Sitzgelegenheiten. Das Biest ist verdammt groß, 500 Leute würden locker reinpassen, wird mir gesagt.

 

Und ich nehm es vorweg: Die kommen auch! Sogar noch mehr. Immer wieder versetzen die Veranstalter_innen die Zäune weiter nach außen, um mehr Platz zu schaffen, aber irgendwann droht es zu drängelig zu werden, also werden die Tore geschlossen. Der Eintritt basiert auf Spendenbasis, hoffentlich ist gut was reingekommen!

 

Am Merchstand wird es etwas eng, da auch noch ein DJ dort Platz finden muss. Aber irgendwie schaffen wir es, in einer Ecke den Kram von sechs Bands, zwei Plattenspieler, diverse Plattenkisten, politische Literatur und Nieten, Buttons etc. ohne Ende unterzubringen.

 

Es strömen Bekannte in Scharen herein, der Abend wäre auch ohne eigene Zockung ein Gewinn. Die Überraschungsband legt los, ich bekomme leider den Namen nicht mit. Manche sagen, es seien Berliner, andere Franzosen und wieder andere sind überzeugt, dass es sich um Russen handele. Vielleicht ja alles zusammen? Ist doch auch völlig egal. Die Musik erinnert sehr an DEAD KENNEDYS, sowohl vom Gesang her als auch gitarrentechnisch. Sehr rumpelige DK, charmant vorgetragen außerdem.

 

Von HEIMATGLÜCK hatte ich länger nichts gehört, ich mag den Mix aus Pop, Punk und Schraddel Disco ja ganz gerne. Die Hütte ist auch erwartetermaßen knüppelvoll. Die Stimmung hätte noch ein bisschen geiler sein können, da die Band doch etwas introvertiert wirkt und zwischen den Stücken längere Pausen gemacht werden, in denen keine_r was erzählt. Andererseits drauf geschissen, das ist Punk hier und wer keinen Bock darauf hat, zu animieren, der soll et sein lassen und einfach die Musik sprechen lassen.

 

UPPER CRUST! Was hab ich Bock auf die Hackfressen und ihre neue Platte. Zum Release-Gig auffem Gaussplatz konnte ich neulich leider nicht kommen. Dafür ernte ich den „Virus“ noch vorm Auftritt ab und ein T-Shirt muss ebenfalls sein, denn das Motiv – ein abgefuckter Punk-Yoda mit Stinkefinger – ist zu und zu geil. Es gibt dazu passend sogar einen Song mit dem Titel „Mosh The Yedi!“. Der Text ist so herrlich infantil: „Mosh The Yedi, schlag ihn tot / Tritt ihm in den Arsch, bei Yoda seh ich rot / Kommt Obi Wan Kenobi mit seinem Kumpel Gerd / Klau ihm die Batterien von seinem Laserschwert. / Packt dich Chewbacca mit seiner Riesenhand / Schnapp dir deinen Rasierer, mach ihm die Eier blank!“ Ja, was ist das geil! PUNK BLEIBEN DU MUSST! Die drei Flegel watschen dann auch allen gehörig eine rein und hinterlassen glühende Trommelfelle. HC/Punk, D-Beat/Crust und Thrash in herrlichster Amalgamierung.

 

Eigentlich sollten wir später spielen, aber da Zarcs Tochter und Frau krank darniederliegen, es bereits 24.00 Uhr ist und Zarc nicht so megaspät nach Hause brettern will, tauschen BRAINDEAD netterweise. Und aaaab! Vor der Bühne ein einziger Pit aus geballten Fäusten und aufgerissenen Mäulern. Haben die alle Hunger? Wollen die gefüttert werden? Könnense haben – mit unserem Rock! Die Bühne, ja die ganze Halle (so kommt es mir vor) wird allerdings mit Nebel zugepustet, bis der Arzt kommt (und sich verläuft). Dazu flackert ein Stroboskop, dass mir ganz wackelig in den Knien wird. Auch wüste Drohungen an den Menschen, der hier den Finger derart nachlässig am Abzug hat, bringen nichts und so trotzen wir halt dem Gewitter. Unser Set ähnelt dem der Releasegigs, ist aber angesichts der Menge an Bands natürlich gekürzt und schön knackig. Da gibt es von „Reign In Vlad“ bis „The Power Of Vlad“ keine Verschnaufpause und so verlassen wir durchgeschwitzt bis auf die Socken und glücklich die Bühne. Derbe geil!

 

BRAINDEAD hatte ich aufgrund ihrer Plattenartworks und ihres Namens in eine derbere Ecke gestopft. Tatsächlich ist ihr Stil aber eher entspannter Reaggae/Skapunk. Eignet sich für mich aber gut zum Runterfahren und Ausdünsten. Nette Leute sind das allemal, bei einem der Bandmitglieder (aufgrund des immer noch herrschenden Nebels kann ich nicht ausmachen, welches Instrument er bedient…) hab ich heute in der Distro endlich die zweite SCHEISSE MINELLI als Vinyl gefunden, nach der ich lange gesucht hatte.

 

Die KRAUSEs darf man echt nicht als letzte Band spielen lassen… Außer man will genau das evozieren, was nun passiert… Eigentlich fängt alles ganz harmlos an, aber dann ordert Robin Schnaps zur Bühne. Gereicht werden gleich ganze Wodkaflaschen und so nimmt ein pogoanarchistisches Chaos seinen Lauf. Ich geh nur kurz raus zum Pissen – und als ich wiederkomme, stürmt der Pöbel gerade die Bühne. Robin hatte kurz vorher wohl darum gebeten, dass man hochkommen und ihn ohrfeigen solle. Auch zur aktuellen Tagespolitik hat er aufmunternde Worte parat: „Was soll ich denn machen, ey? Ich kann auch nur bei Edeka einkaufen.“ Irgendwann ist die Bühne mit Bierflaschen und herumliegenden Punkern übersät, die musikalische Darbietung wird zusehends abenteuerlicher. Finger und Extremitäten versagen langsam ihren Dienst. Grinsend quittiert Aron irgendwann den Dienst – „Ichkannnichmehr“. Nun wären die Krauses fast erlöst gewesen, doch da springt Andi Harkonnen auf die Bühne, übernimmt den Bass und es gibt noch eine barbarische Jam-Session, bis alle Instrumente durchgetauscht und alle im Koma sind.

 

Was für’n Abend. Zarc ist schon lange weg, Strecker pennt im Streckermobil, bis wir gegen 04.00 Uhr den Weg zu unseren Pennplätzen antreten. Dazu später mehr im Tagebucheintrag zum PUNKERHAUS-Auftritt…

Rendsburg, T-Stube – 01.02.2014

06.02.2014 von Philipp

Bonded By Vlad

pic

Irgendwie geht die Zeit verflixt schnell rum – kommt mir vor, als hätte ich grad meinen Morgenkaffee getrunken und schon sitze ich neben Strecker im Auto. Das Streckermobil ist bereits in Rendsburg, da Eric und Strecker zwecks Equipmenttransfer ihre Karren getauscht haben.

 

Wir sind sogar die ersten vor Ort, lediglich die T-Stuben-Crew ist bereits da und kostet bereits den Mexikaner vor. Und gekocht wird auch, dat duftet schon lecker (Nudeln mit Schmodder).

 

Taufrisch trudeln DEVIL’S DAY-OFF ein, völlig zerstört und derangiert kurz danach KILLBITE, hähä. Die Minze kreist, Geschichten von gestern kursieren (so’n Konzert ist ja schon ein Mini-Universum mit unfasslich viel Anekdoten), und natürlich will der lästige Soundcheck überstanden sein (ich brauch irgendwann mal so einen Brüll-Roadie, der in exakt meiner Stimmlautstärke ins Mikro rülpst). Es ist immer unfair, einzelne Besucher_innen hervorzuheben, aber ich freu mich besonders über dat Erscheinen von Background-Engelsstimme Kochi und von meinem Ex-Bonehouse-Buddy Kalle (gestern war übrigens Pete da und hat mir einen echten Stoeckicht in Öl überreicht – den Baron Harkonnen, wie er gerade von einem Sandwurm verschlungen wird)!

 

Und schon beginnen DEVIL’S DAY-OFF. Irgendwie haben wir an beiden Tagen einen Top-Sound. Das drückt und schiebt. Die Hamburger sind aber auch geil geworden über die Jahre und dazu cremig eingespielt, waren sie doch just mit PETER AND THE TEST TUBE BABIES auf Tour (sehr lesenswert ist by the way das dazugehörige Tourtagebuch von Sänger Kai auf Dremu). Macht richtig Spaß und zaubert vielen ein breites Grinsen auf die Backen. Die erdigen AC/DC-Schieber der Band laufen halt Punks, Metalheads und sonstigen Krachfetischisten gleichermaßen rein. Am Gepöbel in den Pausen merkt man auch, dass wir in Rendsburg sind. Es ist zwar nicht so voll wie gestern, dafür aber deutlich wahrnehmbar asozialer. Und dann sagt Kai: „Die Band, die wir jetzt covern, hat zig Jahre auf die Scheiße geschissen. Kennt ihr alle. GO BASTARDS GO!“ Hach, was ‘ne Freude, super Version, von Moritz sogar fast original im typischen Stietzel-Beat gezockt. Wir grölen selbstverständlich ordentlich mit. Doch damit nicht genug: Ich erkenne es schon am ersten Gitarrenjaulen – „Electric Eye“ von JUDAS PRIEST ist einer meiner All-Time-Faves (das Cover der „Screaming For Vengeance“-LP ist nicht zufällig der Backpatch meiner Kutte) – und auch der wird souverän gezockt. Geil, damit habt ihr mir ‘ne Riesenfreude gemacht, DANKE!

 

Ballo sieht heute zwar etwas angeschlagen aus, prügelt aber dennoch die Scheiße aus dem Schlagzeug, als hätte er das seit zwei Wochen nicht gedurft. Ich kann nur jedem die 10“ „Brilliant Hell“ empfehlen. Das dengelt dir die Ohren frei, da kannst du Q-Tips vergessen. Latex heißt alle zur „BLAUEREN GALA“ willkommen und fühlt sich in der T-Stube offenbar sauwohl. „Permanent Pressue“ rollt geradezu über einen hinweg, „Wutbürger“ saust wie ein Skalpell durch die zuckenden Nerven und „Dystopia“ lässt keine Fragen offen: „Dystopia, the future is doomed, Dystopia / Suicide of planet earth / on the point of no return“. Fäuste in die Luft!

 

Bock! Wer in ‘ner Band spielt, kennt das: Der zweite Gig an zwei aufeinanderfolgenden Tagen flutscht einfach besser. Nicht, dass es gestern irgendwie komisch war, aber viele Stücke standen halt zum ersten Mal auffer Playlist und man musste sich doch etwas konzentrieren. Außerdem ist heute etwas mehr Platz und auch mehr Zeit. Während wir gestern recht zackig Song an Song gereiht haben, können wir heute schön viel Unsinn erzählen. Der Bodenroller ist wieder drin, gegen diese überteuerten Rockstar-Weine wird gewettert und gleichzeitig der Prototyp des Vladi-Tütenweins in den Mob gefeuert (den dieser gierig aussaugt). Zwei Typen fallen mir schon den ganzen Abend über auf: Beide ca. 2 Meter groß, identische Statur und vom ersten DDO-Ton an am Abgehen. Offenbar Zwillinge. Getoppt werden sie aber noch von Kalle, der v.a. bei „Perfect Storm“ wie ein Flummi von einer Bühnenseite zur anderen pingpongt. Ein Kerl wird von seinem eigenen Schwung über den Merchtisch getragen, begräbt den dort sitzenden Strecker unter sich, Wein, Bier und Mexikaner fliegen hinterher… (wir finden noch am nächsten Tag Unmengen von Kleingeld an der Stelle auf dem Boden). Herrliches Konzert, Rendsburg ist einfach immer geil. Wir beenden das Ding wieder mit „The Power Of Vlad“ und „Bonded By Vlad“.

 

KILLBITE wollten eigentlich in Rendsburg pennen, fahren aber doch lieber nach Hause. Ich muss es hiermit als Gerücht dementieren, dass diese Entscheidung getroffen wurde, nachdem sie ihren Gastgeber Pimmel-Malte gesehen haben! (Im Ernst hat Ulli kurzfristig seine Tochter bekommen, wenn ich das richtig verstanden hab.)

 

Wir feiern noch in kleinerem Kreise weiter und können uns nur bei allen bedanken, welche die BLAUE GALA und die BLAUERE GALA zu einem wörtlich und ohne Übertreibung unvergesslichen Wochenende gemacht haben.

Kiel, Schaubude – 31.01.2014

05.02.2014 von Philipp

THE POWER OF VLAD

pic
Huch! Plötzlich ist sie da, die BLAUE GALA. Als echte Deadline-Junkies erhalten wir noch am Tag des Konzerts Merch: Die „Power Of Vlad“-Shirts (LARD-Rip-Off) kommen mittags an, Johannes von Cardiophonic bringt die BLAUE KASSETTEn gar direkt zur Schaubude und bastelt an den Biestern noch während des Auftritts von POWER herum. Nur für das BLAUE VINYL hat die Zeit nicht gereicht. Aber wir gönnen uns einfach einen dritten Release-Gig, und zwar einen Instore-Gig bei Blitz-Records (08.03., 17.00 Uhr, Eintritt frei).

 

Eine ungewohnte Situation ist es für uns, dass ein Auftritt von uns mit Karten-VVK verbunden ist. Dicki nutzt das seit kurzem für die Schaubude. Wir wissen daher: Es gibt noch exakt 14 Karten an der Abendkasse. Wir hatten ja mit der Planung von zwei aufeinanderfolgenden Release-Gigs gehofft, dass sich der Mob etwas auf beide Tage verteilt. Leider kommen aber diverse Leute am Freitag nicht mehr rein, während am Samstag durchaus noch Platz gewesen wär. Nächstes Mal also vielleicht doch geballt an einem Tag und in der Alten Meierei?

 

Für uns ist der Doppel-Release 'ne grandiose Sache. Denn noch während man den Freitag genießt, kann man sich im Hinterkopp auf den morgigen Tag freuen! Und zu genießen gibt es einiges! So trudeln natürlich derart viele Bekannte ein, dass man aus dem Sabbeln gar nicht mehr rauskommt und den/die Einzelne_n gar nicht zeitlich ausreichend würdigen kann. Beste Genesungswünsche hingegen an Helge Schreiber und Andreas Gennrich, die heute beide aus gesundheitlichen nicht dabei sein können. Andreas' WG-Kumpel Törtchen springt am Merch ein und das nahezu den gesamten Abend über. Vielen Dank! Ballos Distrokisten bergen so viel akustischen Sprengstoff, dass unsere Mercheinnahmen auch flugs wieder ausgegeben sind…

 

KILLBITE beginnen den Reigen. Die Schaubude ist schon knackvoll und da ich mitten zwischen den Leuten stehe, bekomme ich mit, wie begeistert die meisten sind. Latex schreit alles in Grund und Boden, erzählt, dass Utopien wat für Träumer seien und sie daher nur von „Dystopien“ sängen oder kündigt den ersten deutschen Song „Wutbürger“ an. Ballo knüppelt wie ein Berserker, wobei der entfesselte Crust der Bremer immer auch so'n gewissen Groove hat. Herrlich auch Micks fiese Jammersoli und Ullis stoische Bassfresse. Saugeil!

 

Das Adrenalin steigt, die Vorfreude auch. Abregen kann ich mich gut beim Auftritt von POWER, die ein richtig knackiges Set spielen. 40 – 50 Minuten voll auf die Mütze. Die Gitarren schmatzen so richtig, der Sound in der Bude ist heute überdurchschnittlich gut. Auch wenn Moe auf der Bühne „nur das Keyboard“ hört. „Bible Grind“ ist heute mein Favorit, wobei es nicht einen langweiligen Moment gibt. Selbst El Tofu springt da in den Mob und wetzt im Kreis! Die Band wird mir einfach nie langweilig!

 

Boah, ist das eng! An einen Bodenroller ist heute nicht zu denken, von vorne drängt der Mob, von links und rechts malträtieren mich Andi bzw. Zarc (die das wahrscheinlich eher umgekehrt sehen). Bleibt mir im Grunde nur, auf der Stelle auf- und ab zu hüpfen. Macht aber nichts, das ist schließlich der ursprüngliche Pogo! Mischer JP (heute im Duo mit Micha Möller am Start) zaubert einen klasse Bühnensound und so können wir unser brandneues Set mit Feuer in die Bude rammen. Es ist einfach grandios, wie viele Leute bereits die neuen Songs mitschmettern! Da kriecht mir doch selbst die eine oder andere Gänsehaut den Rücken hoch! Ist eben doch sinnvoll, den Scheiß komplett im Netz zum Anhören zur Verfügung zu stellen. Schwer zu sagen, was mir am Konzert selbst am besten gefällt, bzw. ob es im Nachhinein einen besonderen Moment gibt. Der Gig geht wie im Rausch an mir vorüber, ich sehe viele grinsende, lachende oder vom Brüllen verzerrrte Gesichter. Wir spielen aufgrund der recht engen Zeitplanung in der Bude heute kompakt, ohne viel Ansagen (für unsere Verhältnisse), ganz anders als am Tag danach. Zum Schluss kommen LARDs „The Power Of Lard“ (welches ich zunächst verkacke) und EXODUS' „Bonded By Blood“, bei uns heißen die aber na logisch „The Power Of VLAD“ und „Bonded By VLAD“. Hier fallen doch viele textsichere Freaks auf, die mit einem manischen Funkeln in den Augen mitbrüllen! DANKE, es war eine reine Freude!

 

Playlist:

 

REIGN IN VLAD

ROADKILL BBQ

 

DEATH FOR PROFIT

TANGLE FOOT

BODY IN THE TRUNK

 

FRONTEX FUCKERS

NOT EVEN CLOSE

 

SCHLANK UND KNACKIG IN ZWEI WOCHEN

DIVORCE DIVINE

DREADNOUGHT FEVER

 

THIS AIN’T A LOVESONG

BLUE HELL

 

IRUKANDJI

PERFECT STORM

 

PARTY OF THE DAMNED

 

THE POWER OF VLAD

 

BONDED BY VLAD

 

 

Der Abend endet natürlich gegenüber bei Murat, wo KILLBITE endgültig Kiel von der besten Seite kennenlernen, hehe…

BALLERNACHT: Rendsburg, Bullentempel – 26.10.2013

29.10.2013 von Philipp

Bonded By Motörbreath

pic
Hier schließt sich ein Kreis und es ist schon ein witziger Zufall, dass dieser Tagebucheintrag der letzte ist, den ich für das VLADI-Tagebuch schreibe, welches wir in gedruckter Form der „Into Dreadnought Fever“-Vinyl-LP beilegen. Denn auf der BALLERNACHT 2006 hatten wir tatsächlich unseren allerersten Auftritt (bitte zurückblättern – und von vorne wieder anfangen), damals noch ohne Andi am Bass und auf dem Plakat lediglich mit … angekündigt. Wir hatten uns halt noch auf keinen Bandnamen geeinigt, als die Dinger in den Druck gingen. Umso plausibler erschien es Andi, dass wir uns angeblich VLADIMIR HARDCOCK nennen wollten (er schwört noch heute, dass Nils ihm diesen Namen am Fon genannt habe)...

 

Nun, sieben Jahre später, also zum zweiten Mal die Einladung, auf dieser Veranstaltung zu spielen. Zum zehnten Mal organisieren die Rendsburger Thrasher von MUMMLOX die BALLERNACHT – vielen Dank für die erneute Einladung!

 

Wir sitzen entspannt bei Landlord Fischi Harkonnen, genießen ein erstes Bier, als sein Sohn mit Kumpels über irgendwelche Fußballdinge in Streit gerät. Ich merke an, dass die Leute sich ständig wegen Sport in die Haare kriegen. Fischi gibt mir Recht: „Ja, deshalb hasse ich es, selbst Scheißsport zu treiben! Immer diese Diskussionen! Ich geh deswegen nicht mal mehr Joggen!“

 

Friedlicher geht es im Bullentempel zu. Wir halten Klönschnack mit den anderen Bands und checken auf 'nem Laptop letzte Artworkänderungen für unser Cover ab. Ruckzuck ist auch schon die Zeit rum und die erste Band beginnt.

 

Der Schuppen ist schon ganz gut gefüllt, die Stimmung erwartungsvoll, als OBSKURA loslegen. Das böllert und kracht ganz ordentlich. Death Metal mit Old School-Vibes und erbaulich brutalen Growls. Ali Orhan (NOISE FOREST) sitzt am Mischpult und zaubert einen brachialen Klang. Allerdings auch brachial LAUT, was aber Ali zufolge aufgrund der räumlichen Strukturen nicht anders zu lösen ist. Nu, zu laut ist besser als zu leise, sagt Omma immer und die weiß Bescheid. Zum Abschluss zocken OBSKURA noch einen geilen Song einer Schleswiger Hardcore/Punk-Band. Leider bekomme ich den Namen nicht mit und vergesse zu fragen.

 

SLOWLY ROTTEN treten ohne Bassist auf, was man natürlich hört, aber woran man sich auch mit der Zeit etwas gewöhnt. Find ich gut, dass man auch mal eine Grindband mit am Start hat! Mir gefällt das Billing somit heute richtig gut. Wer nicht auf fiesen Death/Grind mit Mülleimer-Vocals steht, wird mit SLOWLY ROTTEN möglicherweise nicht so warm. Ich kann mir sowas bei Stimmung tagelang am Stück anhören, wenn's kein Porngrind-Bullshit ist. Der Sänger stapft manisch über die Bühne und kotzt alles raus, was nicht verdaut ist. Yeah, grind on, baby!

 

Optimale Bedingungen für einen vladiistischen Auftritt: Sound gut und laut, Platz auf der Bühne (obwohl ich es auch mag, wenn die Band allein kaum in den Laden passt) und (vor allem) eine Treppe direkt neben der Bühne, welche zwar eigentlich nur zu den Scheißhäusern führen soll, von uns aber gleich als Rockstar-Bühnenelement wahrgenommen wird. Endlich mal wie Doro fühlen, hoch aufs Treppchen steigen, ganz oben angekommen sein und so. Ach, nee – noch cooler isses, dass Eric und Zarcs Eltern da sind und die Vladis unterstützen! Der Mob nimmt keine Rücksicht auf eigene oder fremde Gesundheit und slammt enthemmt. Da kannste übern Boden rollen (macht man ja schließlich mal, oder) und die latschen und fallen einfach auf dich drauf. Aber so wollen wir das, so ist das gut! Flutscht heute astrein, von den neuen Biestern kommt besonders „Perfect Storm“ mit biestiger Wucht. Ein großer Spaß auch das extra für den heutigen Anlass gewählte EXODUS-Cover „Bonded By Blood“. Wenn's nach mir geht, nicht zum letzten Mal. Eric kloppt bei „Irukandji“ glatt die Fußmaschine auseinander (Klöppel fliegt plötzlich weg), was Zarc aber geschickt nutzt, um einen Stadion-Chor zu dirigieren: o-ho-ho-o-ho-ho-ho. Das kommt so spontan, dass sogar Strecker als gut eingeweihter Vladi-Kenner denkt, dass es eingeplant sei, haha!

 

Aber eine Sache mal ohne Scheiße: Aus anonymer Quelle wurden wir im Vorfeld informiert, dass heute eine Handvoll Fascho-Metaller kommen wolle. Ich kann auch im Nachhinein nicht sagen, ob das stimmt. Grund genug für eine klare Ansage ist das langhin! Denn in letzter Zeit stoße ich in Metal- (aber auch Punk-) Kreisen häufiger auf Aussagen der Art, dass eine rechte, rechtsoffene oder rechtspopulistische Einstellung doch auch nur eine Meinung sei, die es zu tolerieren gelte. Wer sich dagegen positioniere, sei ein intoleranter „Gutmensch“ und „PC-Polizist“, überhaupt drohe eine Links-Diktatur!  WAS FÜR EIN BULLSHIT. Als ob es intolerant ist, wenn ich NEIN zu einer Ideologie sage, die andere diskriminiert! Ich versuche das heute auf der Bühne so kurz und so deutlich wie möglich zu verbalisieren – NAZI METALHEADS FUCK OFF! Und alle anderen auch... Schön, dass ein Großteil der Besucher_innen auch der Meinung ist und den etwaig anwesenden Faschos den Stinkefinger zeigt. Noch schöner vielleicht, dass sich einige Mienen verfinstern und wir diesen Fuckern möglicherweise den Abend verdorben haben!

 

Zeit für MUMMLOX mit der ganz opulenten Rock-in-Rio-Sause. Hier wird kein eigener Bandklassiker ausgelassen („Pit Of Death“!), noch vergisst man den Griff in den Riesensack voller Metal-Hits (mein Fave: METALLICAs „Motörbreath“, welches dann auch jede_r mitgrölt). Geil find ich ja auch, dass Schlagzeuger Martin beim Auftritt immer derart die Zähne fletscht, dass er mittlerweile vorher ‘ne fucking Bissschiene einsetzt! Dat hab ich auch noch nicht gehört… Die Loite geben nochmal alles und du siehst überall fliegendes Haupthaar und hochgereckte Becher. Nee, nee, wat ist das schön, du!

 

Wir sagen Dankeschön! Und natürlich: ONWARD TO BALLERNACHT 2014!

 

DAT WAR ERST VOLUME ONE…

FUCK EVERY ISM – EXCEPT VLADIISM!