DIARY

Hamburg, Markthalle – 05.06.2014

09.06.2014 von Philipp

Auf Kaffee und Kuchen mit SACRED REICH

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Tscha, alle paar Jahre ergibt sich die schöne Möglichkeit, mit einer Band zu spielen, die man quasi seit Jahrzehnten gern zu Hause hört. Wir hatten das Vergnügen bisher zum Beispiel mit GWAR, TANKARD oder PRONG. Und nun kommt über Kredo von ICS dat Angebot rein, mit den ollen Haudegen von SACRED REICH zu zocken. Mit dabei auch der sympathische Haufen von Leif und DEW-SCENTED. Schöne Sache. Und ab.

 

Leider können wir nicht zusammen anreisen, da ich es nach der Schule gar nicht mehr geschafft hätte, noch nach Kiel oder Rendsburg zu kommen. Zusätzlich trennen wir uns in Hamburg später gar in drei Grüppchen – diejenigen, welche zum ROCK HARD FESTIVAL weiterdonnern, dann die Workaholics, welche unseren Kram zurück in den Proberaum nach Rendsburg schaffen und schließlich eine Kieler Reisegruppe, welche ‘nen Regionalzug einsauen wird…

 

Beim letzten Mal in der großen Markthalle war alles hektisch. Ich hatte Zeugniskonferenzen und konnte es nur deshalb überhaupt zum Gig schaffen, weil ich einen in Hamburg wohnenden Kollegen hatte, der mich direkt bis zur Markthalle fahren konnte, wo ich dann noch zehn Minuten Zeit hatte. Heute dagegen sind wir alle ca. gegen 16.00 Uhr vor Ort, hängen mit DEW-SCENTED, SACRED REICH und Mitgliedern der Markthallen-Crew ab. Von letzteren kennen wir einige im Grunde schon genau so lange wie die Platten von SACED REICH… Louis, Chris und Kai machen hier jedenfalls schon gefühlt seit den frühen Achtzigern Stagehand. SACRED REICH haben z.T. Ehefrauen und Kinder dabei, was die ohnehin familiäre Stimmung noch verstärkt. Die genießen den Trip und freuen sich schon auf Festivals. Es gibt ausreichend Getränke und warmes Essen für alle, was bei derartigen Supportshows ja nicht immer der Fall ist. Der Soundcheck verläuft entspannt, und da wir uns fast alles mit DEW-SCENTED teilen, gibt es nicht mal viel Umbaustress. So haben wir richtig Zeit, mit den ersten eintrudelnden Besucher_innen zu schnacken.

 

SACRED REICH, übrigens weiterhin in Oroginalbesetzung unterwegs, wollen keine Studioplatten mehr machen, sie genießen es, einfach ab und zu zu touren und ihre Klassiker zu spielen. Vorteil: Nur gute Songs in der Playlist. Nachteil: Es kommen wenig neue Hörer_innen dazu, das ist auch dem heutigen Publikum deutlich anzumerken. Nachdem gestern METALLICA, SLAYER etc. in HH waren, heute parallel CROWBAR spielen und am kommenden Wochenende überall kleine und große Festivals stattfinden, kann man heute nicht wahnsinnig viel erwarten. Es füllt sich aber doch ganz angenehm, wir hätten jedenfalls so früh zur Kaffee-und-Kuchen noch nicht so viele Hackfressen erwartet.

 

30 Minuten VLADIMIR HARKONNEN. Zu kurz? Ich mag sowas ja. Da kannst du wirklich ohne Rücksicht auf Verluste alles geben. Und eigentlich ist doch nach ‘ner halben Stunde klar, ob man ‘ne Band mag oder nicht. OFF spielen z.B. NIE länger… Wir toben über die Bühne, die trotz zwei Schlagzeugsets voreinander ordentlich Platz bietet. Hin- und rennen wie Doro auffer True Metal Stage in Wacken. Natürlich auf die Stufen der Markthalle krabbeln und den Leuten direkt ins Antlitz brüllen. Bodenroller. Anti-Frontex-Gepöbel. Ich würd mal sagen, dass wir heut so gut sind, wie wir sein können. Natürlich wird der Sound im Laufe des Abends noch fetter und lauter, so ist das halt. Aber wir werden schon fair behandelt, da kennt man Schlimmeres aus kommerziellen Läden. Immerhin fönt es doch schon ganz ordentlich aus der PA und einige Lämpchen blinken auch schon über unseren Köppen. Die Playlist zu erstellen, war ‘ne harte Nuss – vom Debut sind momentan nur noch „Roadkill BBQ“ und „Party Of The Damned“ drin, ansonsten alles Titel vonner blauen Platte. Joah, hat total Spaß gemacht und danach kann man schön mit den diversen Bekannten feiern, sabbeln und die anderen Bands beglotzen.

 

DEW-SCENTED sind wie immer ein Genuss. Dieses Mal kennt man außer Leif sogar einen der Gitarristen. Der Rest ist aber auch schon ein paar Tage in der Band, hoffen wir also, dass dieses Line-Up stabiler bleibt. Unter dem Banner von DEW-SCENTED sind mittlerweile auch schon neun Longplayer erschienen – alter Schwede! Das möchte ich auch irgendwann auf der Bühne sagen können: „Nun ein Song von unserem neunten Album!“. Nach bisherigem  vladiistischen Arbeitstempo wäre das ungefähr in 28 Jahren der Fall. Ist also machbar, denn vor dem Erreichen des 75. Lebensjahrs will ich bestimmt nicht den Bühnenspaß aufgeben. Jo, aber DEW-SCENTED: Voll die Abrissbirne, besserer und intensiverer Thrash als von so manchen alten Legenden.

 

SACRED REICH haben es voll drauf. Ihre Songs haben keine überflüssigen Parts und reißen durchgehend mit. Phil Rind singt wirklich exakt so wie 1989 auf der ersten Tour. Macht das einen Spaß, dieser Band zuzuschauen! Auch die Ansagen muss man mal mitbekommen haben, der Typ ist echt tiefenentspannt und hat ‘nen geilen Humor. So habe er kein Problem damit, dass die meisten Leute nur herumstehen würden – schließlich merke er, dass sie das Zuhören genießen würden. Das ist nur zum Teil Ironie und das mag ich. Wobei zu „Surf Nicaragua“ schließlich doch ein ordentlicher Pit entsteht. Auffer Playlist stehen „Independent“, „One Nation“, „Love… Hate“, „Ignorance“, „State Of Emergency“, “Death Squad”, “Crimes Against Humanity”, “Who’s To Blame”, “R.I.P.”, “Draining You Of Life”, “Free”, “War Pigs”, “The American Way” und eben “Surf Dingenskirchen”. Also alles, was man von der Band hören will.

 

Es trudeln nach dem Konz noch Bekannte ein, die bei CROWBAR waren (soll natürlich super gewesen sein). Die Party ist noch nett, aber zu kurz, denn der letzte Zug will geschnappt werden. Dass der erst ca. 50 Minuten später als geplant abfährt, kann ja keiner ahnen. Wenigstens können wir uns mit ausreichend Bier eindecken…

BREAK THE SILENCE-Festival / Oldenburg, Alhambra – 23.05.2014

25.05.2014 von Philipp

NEVER SAY DIE

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Wie KANN das eigentlich sein, dass wir noch nie in Oldenburg gespielt haben? Und dass ich noch nie in diesem wunderbaren Alhambra war? Von der Größe her ist das Alhambra im Bereich der autonomen Zentren weit oben, spontan würde mir zumindest in Deutschland eigentlich nur die Köpi einfallen, welche größer ist. Und megagemütlich ist das Alhambra noch dazu! Überall kann man sich hinpflanzen und schnacken, pennen oder saufen, es gibt ein separates Gebäude, in welchem Bands und z.T. Besucher_innen schlafen können, draußen gibt’s antifaschistische Soli-Fritten, drinnen Bier, Platten und Cocktails, dazu vegane Döner zum Selberbasteln.

 

Man kommt aus dem Begrüßen gar nicht mehr raus, während EARTH CRUST DISPLACEMENT aus Berlin bereits losmörteln. Aber was heißt „bereits“ – im Grunde sind wir zwei Stunden später als ursprünglich erhofft vor Ort. Zum Glück hat sich auch der gesamte Ablauf bereits um mehrere Stunden verzögert, sodass wir alle Bands genießen können. Um es vorwegzunehmen: Insgesamt beenden CHAOS UK ihren Auftritt gegen 5.00 Uhr morgens statt gegen 0:15 Uhr, haha! Macht aber nichts, der wilde Mob zieht eh durch, bis der Morgen graut. Die Berliner spielen infernalisches Grindgebölze, was mir gut gefällt. Gegen Ende vielleicht etwas eintönig, aber Abwechslung ist ganz sicher auch nicht deren oberstes Ziel…

 

Auf KILLBITE hatte ich schon sehr gefreut, waren sie doch bei der BLAUEN GALA in Kiel und der BLAUEREN GALA in Rendsburg dabei. Außerdem trommelt hier bekanntlich Ballo, der die BLAUE PLATTE mit rausgehauen hat. Nach zehn Jahren Konzerten für und mit BREAK THE SILENCE will er nun sowohl mit Konzertveranstaltungen und Plattenveröffentlichungen aufhören. Hoffentlich hält er das nicht durch, haha! KILLBITE sind wieder herrlich derbe, geile Ansagen von Latex gegen Wutbürger-Spießer und ähnlich hassenswerte Dinge. Immer wieder gern!

 

Ich genieße zwischendurch u.a. mal die Klo-Bowle, welche direkt aus ‘ner Toilettenschüssel serviert wird. Eigentlich lecker, bis mir jemand zuflüstert, dass die doch sehr nach Klobonscher schmecke.

 

Mit EXILENT bleibt es heftig. Schön D-Beat/Crust aus Hannover. Irgendwie schon häufig von denen gelesen, die Band aber bisher noch nie zu sehen bekommen. Und sie werden eins meiner heutigen Highlights. Das knattert so herrlich nach vorne, die Texte scheinen auch gut zu sein. Erst später sehe ich, dass Sängerin Ini einen BONEHOUSE-Backpatch trägt, selbst gemacht aus ‘nem ollen T-Shirt. So was freut mich immer. Ihr derber Kreischgesang wird von Growls der Gitarrist_innen Lisa und Nico unterstützt, kommt extrem erbaulich rüber. Mittendrin treff ich Schmied von RED WITH ANGER, den ich ewig nicht gesehen habe. Große Freude!

 

Daher werden DISCO//OSLO auch eher nebenbei geguckt und hauptsächlich gesabbelt. Die Oldenburger gefallen mir aber dennoch und erinnern angenehm an PASCOW. Sie sind jedenfalls auch sehr treibend und haben ähnlich melodiösen Gesang und trotzdem noch Rotz drinne. Ordentlich voll ist es mittlerweile.

 

Warum ist es im vorderen Bereich eigentlich so dermaßen warm? Ich denke zunächst, dass dat wohl an den Lämpgen liegt. Doch irgendwie ist es schon unnormal heiß und das sind hier ja keine Scheinwerfer wie in ‘nem Rockstarklub. Später erfahre ich, dass wohl so eine Megaheizung nicht ausgeschaltet werden konnte, haha! Brüllt das Ding schön den Raum voll, obwohl es eh schon ein warmer Tag ist und die Hütte voll von schwitzenden, pogenden Menschen! Wir toben dennoch wie gewohnt durch unser Set und sind jetzt bestimmt durch den Flüssigkeitsverlust deutlich schlanker als vorher. Zum ersten Mal in der Playlist: „Black Metal Duckface“, womit wir jetzt jeden Song des neuen Albums live gespielt haben. Leider bekomme ich Folgendes nicht während des Auftritts mit: Ein Typ springt plötzlich Strecker original an die Gurgel und beginnt ihn zu würgen! Was ist passiert? Hat Strecker zu rabiat gepogt? Mitnichten, er hat lediglich auf Bitte von Zarc seine Kamera gezückt und ein paar Fotos von uns gemacht. Und der Typ denkt, dass Strecker ein Zivi-Bulle sei und fordert, dass Strecker ihm die Kamera aushändigen solle. Zum Glück gehen Leute dazwischen. Später attackiert offenbar derselbe Typ auch noch Svea mit ähnlichen Vorwürfen – und die hat nicht mal eine Kamera dabei… Doch es gibt im Mob auch nette Leute: Als ich verkünde, dass wir aufhören müssten, weil meine Frisur jetzt ruiniert sei, wird mir glatt eine Bürste raufgeworfen. Daher geht es weiter und wir hängen spontan „The Power Of Vlad“ ran. Geiles Ding, auch wenn ich nass bis auf die Zehen bin und Andi danach erst mal Sterne sieht. Die Leute sind insgesamt auch echt super drauf - mir fällt bei vielen Bands auf, dass der Pit erst zuguckt und dann immer mehr abgeht.

 

BAMBIX hab ich neulich gerade in Kiel gesehen. Die neue Besetzung gefällt mir richtig gut und auch heute tritt die Band mächtig Arsch. Das Trio hat aber auch ein paar eingängige Punksmasher am Start. Gitarristin/Sängerin Wick wirkt auf mich motivierter als noch vor ein paar Jahren. Ich kann nicht den ganzen Auftritt sehen, denn direkt nach dem eigenen Auftritt liegt der Schwerpunkt doch hart auf Feiern.

 

Jo, da isses dann auch schon amtlich spät, als CHAOS UK loslegen. Die Band bewegt sich selbst zwar jetzt nicht soo viel, was aber dafür das Publikum übernimmt. Stagediver, Knochenpogo, mittendrin ein Typ im Rolli = Spektakel. „Four Minute Warning“, „Cider“, „No Security“, „Wall Street Crash“ und „Police Story“ sind unter anderen Klassikern im Set, glaub ich, kann in Sachen Playlist aber auch nichts Verlässliches sagen. Auf jeden Fall knüppeln die Briten herrlich stumpf nach vorn, der Beat hat diesen typischen Groove und der Gesang klingt so, wie er klingen soll. Am Ende stürmt eine ganze Meute die Bühne und tanzt die Musiker um, die aber irgendwie weiterspielen.

 

Danach lässt ein DJ mit Punk-Classix die Plattenteller glühen und wir feiern, bis die Sonne bereits die Bodennebel vertreibt. Ich kann mich an folgenden Dialog erinnern: Schmied – „Wusstet ihr schon, dass der Kramer jetzt in der Kramerstraße wohnt?“ – Eric: „Der hat’s geschafft…“

 

Hart sind allerdings die Pennbedingungen. Ich mein, ist viel gemütlich und so. Aber da die Räumlichkeiten so viel Platz bieten, nehmen diesen eben auch viele Leute wahr. Und zwar zeitlich versetzt. Ein ständiges Kommen und Gehen, dazu der übliche Hintergrundlärm von Furzen, Schnarchen, Kotzen und Koitus. Naja, ich ramme mir irgendwann Ohrenstöpsel so tief in die Lauscher, wie es nur geht und finde ein wenig Schlaf.

 

Morgens bietet sich ein Bild der Verwüstung. Im Alhambra liegen wirklich ÜBERALL Punker – auf Bänken, Stühlen, im Laden, draußen vor dem Laden… Gleichzeitig fegt die BTS-Crew aber auch schon tapfer die Trümmer zusammen. Ein Nachbar ergänzt das idyllische Bild, in dem er mal eben die Hecke stutzt. Der erste Kassettenrekorder beginnt zu plärren, die ersten Kannen werden geöffnet, als ein Punk auf uns in der Sonne Lümmelnde zukommt und engagiert verkündet: „Da hinten ist ein AfD-Stand! Wollen wir hingehen und den zerstören?“ Er erhält allerdings lediglich ein gestöhntes: „Ächz. Vielleicht später?“ zur Antwort…

 

Jo, geile Sache. 10 Jahre BREAK THE SILENCE. Man kann Ballo ja verstehen, wenn ihm die Scheiße zu stressig wird. Aber hoffentlich revidiert der Gute seine Meinung in ein paar Jahren wieder… NEVER SAY DIE!

Frankreich, Squat in Bovel bei Rennes – 20.04.2014

23.04.2014 von Philipp

On Fire!

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Unfasslich: Die Zölcks pennen bis fast 14.30 Uhr, obwohl zumindest Zarc recht früh zu Bett gegangen ist. Wir haben natürlich bereits vor Stunden gefrühstückt und geduscht und fragen uns langsam, ob die beiden nicht gar ENTschlafen sind. Jannick präsentiert selbst gefangene Fische und ein Kartoffelgratin für später. Die letzten Gäste verlassen den Ort der Party, als die Zölcks schließlich doch noch auftauchen…

Zunächst geht’s zum Proberaum von SUPPOSE IT’S WAR. Der liegt in einem schönen Komplex, in welchem auch ihr Video entstanden ist. Neben Proberäumen gibt es hier sogar eine Auftrittsmöglichkeit. Leider liegt Gitarrist Julien total in sauer und muss unter verbalen Ohrfeigen der anderen absagen.

Das MASS PROD-Office ist umgezogen, liegt zwar immer noch in Rennes, aber nun innerhalb eines riesigen modernen Gebäudekomplexes. Nach neun Jahren gibt es für mich ein Wiedersehen mit Vollzeitfreak Vince, der neben der zweiten VLADIMIR HARKONNEN-CD/LP früher bereits Platten von BONEHOUSE veröffentlicht hat (Vinyl-Version von „Onward To Mayhem“ und die franz. Version der „The Fuse Is Lit“-CD). Hals und Stirn sind mittlerweile restlos zutätowiert, die Haare richtig lang geworden und im Gesicht trägt er immer noch dasselbe strahlende Grinsen mit dem Funken Wahnsinn drinne. Das Büro von MASS PROD ist wie gesagt nur ein Teil des Komplexes. Es gibt dort Proberäume stundenweise zu mieten. 300 Bands nehmen das zur Zeit monatlich wahr! Ich denke zunächst, dass ich mich verhört habe, aber das Angebot ist gut: 40 Stunden kosten nur 20,- Euro, Schlagzeug und Gesangsanlage sind vorhanden, nach Bedarf auch mehr, am Tresen kannste Instrumente, Zubehör etc. kaufen oder leihen. Es gibt sogar einen richtigen Klub innerhalb des Gebäudes (so Treibsand-Größe). Das Ding ist nicht mal zu steril, da könnte man theoretisch echt mal zocken. Nur hat gerade der Klub eine lange Anmeldefrist. Vince und ein Mass-Prod-Mitarbeiter servieren selbst gemachte Pizza und Drinks, welche ordentlich ballern. Wir sabbeln endlos und planen fürs nächste Jahr mehr Frankreich-Dates.

Dann geht es ab zum Squat in Bovel, welches mitten im Nirgendwo liegt – und dann noch ein wenig nach Süden. Ich fahr bei Vince mit und wir plaudern noch weiter. Die urspünglich anvisierte Show ist der Wut der Bullen und des Bürgermeisters zum Opfer gefallen, daher heute das illegale Geheimkonzi im Wald.

Der Squat ist wahrlich mitten in der Natur gelegen. Bauwagen, Wohnwagen, mehrere selbst gezimmerte Gebäude umgeben eine alte Mansion (Herrenhaus), die besetzt ist. Zwei der Häuser gehören der ca. 30-köpfigen Association an, die dafür zusammengeschmissen haben. Viele Details sind liebevoll selbst konstruiert worden. Die Toilette befindet sich z.B. in einer Art Hochsitz, in dessen Plattform sich halt das Loch zum Durchscheißen befindet. Dazu Klopapier und Sägemehl zum Drüberschütten… Den Soundmenschen kenne ich tatsächlich von einem gemeinsamen Auftritt auf einem Boot (Seine, Paris). Vor Jahren ist er weggezogen, um hier zu leben. Die Association besteht seit 5, 6 Jahren. Er hat auch z.B. auf der Fusion an Installationen gearbeitet und erzählt mir interessante Details, so war er ca. einen Monat vor Beginn des eigentlichen Festivals dort, wobei Material und Reisekosten von der Fusion-Orga bezahlt werden.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN entpuppen sich als Duo, dessen Schlagzeugerin aus Göttingen stammt und dessen Gitarrist gleichzeitig die One-Man-Disco BRÖTCHEN DES TODES verkörpert.

Ein Wohnwagen wird vor das Zockhäuschen geschoben, aus dem Snacks verkauft werden (vegane Flöten), alles wird mit Lichterketten dekoriert. Magnifique! In der Residenz, in der auch unsere Pennplätze liegen (eine Schwindel erregend steile Treppe ohne Geländer hinauf) wird aber erst mal ‘ne massive Fressorgie eingelegt. Die Fische werden von fast allen gelobt und der Wein fließt in Strömen.

GUNS’N’GÄNSEBLÜMCHEN sind echt ma interessant. Der Typ setzt irgendwie Bass-Fundament und Gitarren-Melodien zugleich, während sie singt und konzentriert trommelt. Ein botanisch blümeranter Stil.

Nun bin ich ja gespannt, schließlich bezeichnen SUPPOSE IT’S WAR die BONEHOUSE-LP „Onward To Mayhem“ als ihren Haupteinfluss und covern auf der Debut-Scheibe gar „This Means Nothing“. Trotz nur einer Gitarre ist der Auftritt ein Burner!  Schnell, geile Gitarre, fieser Gesang – das peitscht und peinigt. Und am Ende kommt natürlich „This Means Nothing“, welches ich als Gastsänger schmettern soll. Ich bin nervös, ob das nach acht Jahren noch sitzt, da ich es auch lange nicht mehr gehört habe. Klappt aber super und macht mega Bock. Merci!

Jetzt erkunde ich auch mal den Hochsitz. Nur ist es mittlerweile stockdunkel und das Ding ist nicht beleuchtet. Ganz schön aufregend, seinen Arsch im Dunkeln über den gähnenden Schlund zu schieben...

Das BRÖTCHEN DES TODES erweist sich als anstrengender Brumm-Kram. Der Kerl bedient ‘nen Keyboard und stöhnt ab und zu ins Mikro. Erinnert irgendwie an die Sounds aus dem Film „2001“ in der Szene, in der die Primaten diese Monolithen anglotzen. Hm, Andi sieht in diesem Moment irgendwie genauso aus wie einer dieser Primaten…

Endlich Vladi-time, ist ja auch schon 02.00 Uhr oder so. Aber hier steht die Zeit eh still. Viele Freaks von gestern sind da. Wir toben durchs Set, das fluffig sitzt. Bodenroller, Kopfnüsse, sinnlose Ansagen auf (Pseudo-)Französisch, Bierfontänen – eine riesige Freude ist das hier. Immer wieder seh ich Vince im Pit breit grinsen. Heute gibt es ‘ne längere Playlist, die wieder unsere Cover „Bonded By Vlad“ und „The Power Of Vlad“ umfasst. Sehr beliebt sind wieder „Irukandji“, „Roadkill BBQ“, „Reign In Vlad“, „Perfect Storm“ und „Frontex Fuckers“. Ein Crowdsurfer lässt Deckenbelag auf uns rieseln, die SUPPOSE-IT’S-WAR-Bande ist eh konstant in vordersten Bereichen dabei. Uuh, c’est bon, c’est bon!

Danach wirft das BRÖTCHEN DES TODES zu unserem Entsetzen nochmal seine Orgel an und brummt alles in Grund und Boden. Das klingt jetzt eher wie kämpfende Wale oder der Sound sterbender Galaxien. Ohrenbetäubend laut, dass es mir echt das Hirn verschmort.

Irgendwann sitzen wir aber glücklich, durchgeschwitzt und betrunken in der Residence und feiern mit den Französ_innen. Aber nicht zu doll, schließlich wollen morgen 1400 km zurückgelegt werden, was übrigens überraschend reibungslos verlaufen soll.

France, wir kommen wieder! Als besser französisch sprechende Vladis!

Belgien, Mans & Fougères, FELGER ROCK FESTIVAL in Centre culturel Juliette Drouet – 18.04./19.04.2014

22.04.2014 von Philipp

Yec'hed mad!

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Im Lande der Blinden ist der Einäugige König. Trotzdem irgendwie ein ungünstiger Zeitpunkt, ‘ne Kontaktlinse zu verlieren – nämlich in der Nacht vor einem Feiertag, bevor man dann auch noch ein paar Tage auf Tour fährt. Einäugig zocken oder mit Brille? Ich seh mich schon durchs Equipment stolpern oder bei der zweiten Möglichkeit auch noch meine Brille schrotten. Nun gut, vielleicht findet man unterwegs ja auch einen Optiker mit diesen Tageslinsen...

 

Um 10.00 Uhr brechen wir bereits auf. Die zehn Stündchen Fahrt bis Belgien vergehen bei guter Musik, einigen Getränken und der Lektüre neuer Fanzines und Bücher recht schnell. Um ca. 20.00 Uhr gucken wir mal nach ‘nem Hotel in der Stadt Mons, um auch mal gemeinsam was trinken zu können und so. Doch zunächst scheinen alle Hotels ausgebucht zu sein. Die nette Rezeptionistin eines von uns angesteuerten Hotels telefoniert fünf bis sechs Hotels ab. Schließlich hat sie Erfolg beim „Metropole“ oder so ähnlich. Wir fahren ein paar Mal sinnlos im Kreis herum, bis wir meinen, die richtige Ecke gefunden zu haben. Erst laufen wir jedoch in den falschen Laden.  Ebenso spontan wie geschäftstüchtig meint der dortige Besitzer: „I got two free rooms. Three beds, 60,- Euro each room. So 140,- Euro all in all“. Umme Ecke rennen wir dann fast am echten “Metropole” vorbei, obwohl Strecker den Namen samt Logo auf dem Boden sieht. Er sagt aber geilerweise nichts, weil der Rest so vehement überzeugt ist, dass dies noch nicht das „Metropole“ sein könne. Nu, nach dem Einchecken gönnen wir uns ein paar Getränke in ‘ner Pizzeria. Zufälligerweise trudelt kurz nach uns eine weitere Band aus Deutschland ein, die hier in der Nähe auf einem Festival spielt und danach erst nach Russland und dann nach China will.

Im „Metropole“ gibt’s noch ein paar sündhaft teure Absacker, dann muss aber echt mal gepennt werden. Das bleibt in meinen Fall eher Theorie – Strecker schnarcht, Andi furzt, ein „Hellboy“-Hörspiel läuft viel zu laut und durchs offene Fenster tönen immer wieder grölende Stimmen.

Auf das Wolter’sche Glück ist Verlass: Direkt neben dem Streckermobil ist ein Optiker und der Typ ist auch noch so cool, mir Tageslinsen mit der ungefähr richtigen Dioptrienzahl für lau mitzugeben. Volle Klarsicht wiederhergestellt.

Bis Fougères ist es aber noch weit. Obwohl wir um 09.00 Uhr losfahren, schaffen wir es nicht, die anvisierte Soundcheck-Zeit von 15.00 Uhr einzuhalten. Wir hätten es theoretisch gut packen können, aber drei Stunden Stop and Go halten uns auf. Die ständigen Maut-Stellen nerven auch.

Aber alles ist egal, als wir eintreffen und meganett empfangen werden. Wir treffen Leute von BURN AT ALL, Nico und Yannick von SUPPOSE IT’S WAR, Betty und Fabian von MASS PROD. Die Orga-Crew 8eme Avenue zählt ca. 20 Köpfe und hat das Festival vorbildlich organisiert. Ursprünglich hätte es in einer noch größeren Halle stattfinden sollen, deren Dach aber entweder einsturzgefährdet war oder tatsächlich eingestürzt ist (die Kommunikation ist nicht ganz einfach, da keiner von uns Französisch sprechen kann).  Ziemlich geil, dass die Crew dann so einen guten „Ersatz“ gefunden hat, von dem sie auch dermaßen begeistert sind, dass sie das Festival im nächsten Jahr wieder dort stattfinden lassen wollen. Die Halle bietet Platz für ca. 500 Leute, schätz ich mal. Es gibt aber noch viele zusätzliche Räume, ‘ne feiste Küche, in der wir lecker speisen (mehrere Gänge, alles da von vegan bis Fleisch, Auflauf, Nachtisch und hastenichgesehen), Backstageräume samt Schminkspiegel für jede Band… Extra für Andi holt die Crew sogar noch Schnaps aus ‘nem Supermarkt, während wir Soundcheck machen. Wir lernen, dass man in der Bretagne für „Prost“ das leicht klingonisch anmutende „Yec'hed mad!“ sagt.

LES VIEILLES MARGARITES fabrizieren sehr charismatisch gesungenen Chanson mit Punk-Attitüde und –Einschlag. Akustikklampfe, Quetsche und rauher Gesang treffen auf offenbar politische Texte. Die Halle füllt sich, wird gut voll und die Band kommt sehr gut an. Die Ansagen scheinen witzig zu sein – schade, dass ich von denen nichts verstehe.  

Draußen ist es jetzt auch nett, vor der Halle, aber im Festivalbereich steht ein Bierpilz samt Frittenschmied und überall flanieren nun Punkergrüppchen.

THE KONBINIS gefallen mir auch gut. Alle Bands sind heute stilistisch sehr unterschiedlich. Hier gibt’s flotten Punk mit Kontrabass (der Bassist spielt auch bei BANANE METALIK). Die Leute sind gut am Feiern.

Der Soundcheck versprach bereits beste klangliche Verhältnisse. Spannend ist es aber immer, wenn man 1300 km von zu Hause entfernt ist, wie die Leute auf einen reagieren. Ganz schnell füllt sich die Halle und meine positiven Erfahrungen aus BONEHOUSE-Zeiten wiederholen sich. „Irukandji“ wurde noch sie so abgefeiert und wird von einem Gänsehaut-mäßigen O-ho-ho-ho-Chor aus den Kehlen der Meute begleitet. Alter! Yec'hed mad! Stagediver hüpfen, Dinge fliegen, Bier spritzt, der Bodenroller fehlt nicht… Herrlich.

Die letzte Band, STYLNOX, verpasse ich, da ich mich komplett dem Merch widme. Gespräche werden mit Hand und Fuß geführt, wobei ich es dieses Mal einfacher finde als beim letzten Frankreich-Abstecher mit Bonehouse.

Danach geht es irgendwann zu SUPPOSE IT’S WAR-Schlagzeuger Yannick, in dessen Hütte wir nächtigen. Aber erst werden noch nächtliche Snacks serviert sowie literweise Bier, Wein und selbstgebrannter Schnaps kredenzt. Die Bude ist auch mal irre. Die Grundstruktur stammt von 1924, aber der Rest ist Eigenbau, zum Teil noch Baustelle. In zwei Wände hat ein Kumpel den BONEHOUSE-Schädel reingeflext, Yannick bastelt gerade an einem riesigen Tresen. Die Musikauswahl ist der Hammer, es laufen VALIENT THORR, TOXIC HOLOCAUST, ABATTOIR,,, Je später es wird, desto mehr Leute kommen irgendwie. Ein Typ kotzt unter den Tisch, andere pennen schon im Stehen ein…

Potsdam, U24 – 28.03.2014

02.04.2014 von Philipp

No funny stuff!

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Endlich kommen wir mal wieder in den Genuss, mit SHUDDER AND SPIT zu spielen! Das war viel zu lange nicht der Fall. Und dann auch im bezaubernden Potsdamer Wohnprojekt U 24, wo wir vor nicht ganz einem Jahr zuletzt gastiert hatten! Der einzige Wermutstropfen: CHIPKO können heute leider nicht bei sein. Zumindest nicht körperlich, ich bin sicher, dass die Hamburger in Gedanken bei uns sind und alle anfeuern sowie mitfeiern.

 

Während SHUDDER AND SPIT am Sonntag (ja, richtig gelesen: Sonntag, denn am Samstag gönnen die sich feudalerweise ‘nen Day-Off) einen zweiten Termin zocken, verzichten wir sogar darauf, am Samstag in Lübeck zu spielen. Denn da feiert schließlich unser Landlord Fischi Geburtstag.

 

Während unsere Hinfahrt zwar gut gelaunt, aber im positiven Sinne unspektakulär verläuft, bleiben die Shuddies 30 km (oder so) vor Potsdam liegen. Irgendwas ist wohl mit der Ölwanne. Fragt mich doch nicht, ich hab von Autos noch weniger Ahnung als von Fußball. Jedenfalls sind alle ganz aufgeregt, ob und wie sie es denn jetzt hinbekommen. Zur Beruhigung der nervösen Nerven machen wir uns über das opulente Mahl her. Heute gibbet INDISCH inner U24. Paneer sonswie, jedenfalls oberlecker und vegan! Irgendwann irgendwie trudeln unsere Froind_innen dann doch noch ein und es gibt ein großes Hallo!

 

Zum ersten Mal sehe ich nu auch die neue SUS-Besetzung mit Tim am Schlagzeug. Der hat sich schon gut eingelebt und pfeffert los wie ein Gestörter. Insgesamt merkt man unseren Kieler Homies eine erneute Weiterentwicklung an. Ja, glaubt es oder leckt mich am Arsch – SHUDDER AND SPIT sind noch einen Tucken besser geworden! Das dengelt, geht brachial nach vorne, ist gespickt mit vielen klasse Ideen und dann ist da noch der markante Gesang von Svea. Die kann im Grunde alles – von fiesen Kreischern über Stahlgurgler bis hin zu einschmeichelndem Klargesang (letzterer wird zum Glück nur wohldosiert eingesetzt). Neue Stücke gibt es auch und ich freu mich jetzt schon auf ein neues Album.

 

Eric fordert vom Mob eine Zahl zwischen 19 und 35. Hä? Na, mit eben so vielen Anzählern leitet Eric uns in den ersten Song – „REIGN IN VLAD“! Wir haben in letzter Zeit recht regelmäßig live gespielt und geprobt, sodass eigentlich alles ganz gut flutscht. Das macht Spaß, dass man sich bei den ganzen neuen Stücken langsam nicht mehr so konzentrieren muss. Selbst ein von Zarc wirklich hintertückisch komponierter Song wie „Blue Hell“ kann so auch im Liegen, Rollen oder auf dem Kopp – äh – performt werden. Vom Debut gibt’s heute nur „Roadkill BBQ“, „Not Even Close“ und „Party Of The Damned“, ansonsten fast die gesamte BLAUE PLATTE und die Coversongs „The Power Of Vlad“ sowie „Bonded By Vlad“. Auf die Shudderettes können wir uns backvocaltechnisch einwandfrei verlassen. Top Sache.

 

Der musikalische Teil dürfte damit ja beendet sein? Nein, mein Herr! Irgendjemand von den Uhlies hatte die verrückte Idee, dass nach dem Konz VOR dem Konz ist und stellt erst Andi Harkonnen und dann Svea Akustik-Klampfe sowie Mikro hin. Zunächst also volle Pulle rausgegurgelter Johnny-Cash-im-Uranus-Style, dann Liedermacherkram bis Chartattacken. Und EISENPIMMEL dürfen natürlich auch nicht fehlen. Unbeschreibliche Szenen spielen sich da ab, z.B. wenn Andi und Avea einen abgefuckten Country-Song im Duett schmettern.

 

Danach feiern wir, bis es wieder hell wird – besten Dank an die Uhlies für die grandiose Bewirtung, nicht zu vergessen das leckere Frühstück, welches komplett vegan Rührei ohne Ei oder Mozzarella ohne Mozzarella auf den Tisch zaubert.

 

Wenn wir dürfen, kommen wir wieder…

Hamburg, Bambi Galore – 21.03.2014

25.03.2014 von Philipp

Dubstep sucks

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Wenn ich mich recht entsinne, war es TYSONs Kochi, der die schöne Idee hatte, mal gemeinsam im Bambi Galore die Rüben kreisen zu lassen. Veranstalter Flo fand das auch gut und packte gleich seine eigene Band RESTMENSCH (Ex-NEUE KATASTROPHEN) mit ins Programm. Doch damit nicht genug! Die Israelis von BLACK SACHBAK sind gerade hier auf Tour und natürlich packte Flo diese Gelegenheit beim Arsch und machte aus drei Bands vier.


Nur ist Flo bei unserer Ankunft noch gar nicht sicher, ob dieses feine Programm auch gewürdigt werden würde. Man kennt ja das typische Hamburger Problem: „Boah, ganz nach Billstedt? Das ist mir jetzt echt zu anstrengend…“ Dabei fährt man von Sankt Pauli aus mit der U-/S-Bahn nicht mal 20 min zum Bambi, vom Hbf sind es nur 13 Minuten oder so! Aber die Sorgen sind unbegründet, es füllt sich doch recht angenehm und diverse Überraschungsgäste trudeln ein – Samson ist extra aus Essen angereist (!), Freak Florian aus Marburg An Der Lahn. Unsere schockierende Erkenntnis: Dann müssen wir ja heute mal GUT sein!


Das leckere Essen (für alle was dabei) ist noch nicht verdaut, das legen RESTMENSCH schon los. Ich hab die Punker neulich grad in Berlin gesehen, wo sie im Rahmen der jetzt schon legendären „HAMBURG INZEST FUCKS THE HAUPTSTADT“-Aktion zockten. Das war super und heute isses ebenso toll. Gnadenlos nach vorne preschender Punkrock mit den typischen KATASTROPHEN-Vibes. Viele der Songs gehen direkt in Hirn und Beine und so beginnen die ersten zu pogen.


TYSON metern wieder gut los. Mit den neuen Songs finde ich die Band ja noch deutlich besser als früher. Auch Flo horcht überrascht auf, als wir grad backstage saufen und der erste Song losknüppelt: „Was ist denn bei TYSON passiert? Das muss ich mir ansehen!“ Mit Recht. Jeder der drei TYSONs ist einen Blick wert – Pierre schreddert die Riffs locker runter, Tom groovt, ballert UND singt noch dazu Backings, Kochi wechselt von Aggro-Shouting zu Power Metal-Gesang. Leider bleibt fast den ganzen Auftritt über so’n Graben zwischen Bühne und Mob – ist aber wohl nur Respekt vor den Musikern, denn man sieht überall begeisterte Gesichter.


Offenbar gibt’s bei uns keinen Respekt, denn nun schließt der Mob zur Bühne auf, bespritzt uns mit Rocksaft und schüttelt wütend die Fäuste. Das soll Protest ausdrücken und uns zum Aufhören bewegen? Aber nix da, wir zücken die akustische Keule und schlagen zurück. Außerdem bespucken wir die Arschgeigen mit Bier und hauen jeden Erreichbaren mit Mikros auf den Kopp! Sowas kommt von sowas! Aber ohne Scheiß: Bringt mächtig Laune! Der Sound ist tippitoppi, wir sind ganz gut eingespielt, alles flutscht. Na gut, irgendwie wird Zarc einmal mitten im Song das Gitarrenkabel rausgerissen und „Tangle Foot“ muss neu gestartet werden. Wir schließen mit „Bonded By Blood“, haben für „Party Of The Damned“ dann nämlich keine Zeit mehr. Das dürfte der erste Vladi-Auftritt ohne letzteren Song gewesen sein!


BLACK SACHBAK sind so richtig geil wilder Thrash/Hardcore, der nicht selten an MUNICIPAL WASTE erinnert. Alle vier Bandmitglieder tragen Old-School-Shirts von ONSLAUGHT bis SODOM. Und sie haben ihre Hausaufgaben gemacht – es gibt ‘ne geil hysterische gesungene Version von ANGEL WITCHs „Angel Witch“ und noch eine von AGNOSTIC FRONTs „Victim In Pain“. Hell yeah – allein mit dieser Kombination haben die vier Vollzeitfreaks bei mir gewonnen! Aber auch die eigenen Stücke mit Titeln wie „Marx Was Right“, „Capitalist Zombies“ oder „Dubstep Sucks“ haben es in sich. Musikalisch schön rabiat und ungehobelt, textlich volle Kanne gegen Kapitalismus und anderen abschaffungswerten Ronz.


Also, ich würd mit diesen vier Bands glatt auf Tour gehen. Wer kommt mit?

Kiel, Blitz-Records – 08.03.2014

13.03.2014 von Philipp

Instore-Gig bei Blitz-Records

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Es ist in Kiels besten Plattenladen mittlerweile Tradition: Wenn eine (Kieler) Band ein neues Album veröffentlicht, gibt es einen knackigen Instore-Gig direkt im Geschäft. Ich, Philipp, hab da unter anderem bereits TYSON, KEINE ZÄHNE IM MAUL, ABER LA PALOMA PFEIFEN und SUSHI BOY gesehen. Von daher freuen wir uns sehr über die Einladung von Stefan und seiner Crew.

 

Wir sind gespannt. Stehen VLADI-Hörer_innen überhaupt derart früh auf, um das pünktlich zu schaffen? 17.00 Uhr am Samstag! Und wie sehen die Leute bei Tageslicht überhaupt aus? Ist die Atmosphäre irgendwie verkrampft? Schließlich werfen Punker gern mit brennenden Mülltonnen, das ist bekannt, geht aber bei Blitz nicht ganz so gut.

Wir räumen also unseren Kram bei bestem Wetter in die blitzsauberen Katakomben. Bereits diese Routinehandlungen sind heute ungewohnt, denn währenddessen shoppen natürlich diverse audiophile Menschen. Mit einem mir noch unbekannten Metalhead komme ich gleich ins Gespräch, weil er geschmackssicher die neue FÄULNIS aberntet.

Der Sound ist schnell gecheckt, die ersten Freibiere munden. Zarc hat heute zwei Boxen dabei, um mal zu gucken, wie das so kommt. Ich find’s geil, halt irgendwie als wenn da zwei Zarcs spielten…

So, gleich 5. Ob Leute kommen? Oh, ja. Ruckzuck ist die Hütte voll. Zunächst gedämpfte Gespräche, geflüsterte Vinyl-Nerd-Talks… Doch dann rollt eine Woge Punks & Skins & Schüttelrüben hinein, die gerade vom Fußball kommen (Holstein gegen weißichdochnich). Die Lautstärke erhöht sich umgehend, das richtige Team hat wohl gewonnen. Es kommen neben vielen Bekannten auch Plattenkäufer_innen, die sonst nicht so auf Konzerten zu sehen sind. Und Familie! Die Eltern Zölck sind da, zudem Streckers Eltis, Zarcs Tochter Nia Mara und – Überraschung! – auch mein Vadder. Somit ist das heute wohl die größte Altersspanne überhaupt auf einem unserer Konzerte. Und da macht die Blitzcrew auch schon die Tür zu: Klappe zu, Vladi lebt! Wer jetzt noch angetrödelt kommt, darf sich seinen Zinken am Schaufenster plattdrücken.

Wir spielen – noch ein Superlativ – unser bisher längstes Set. Denn heute gibt es zwischen zwei Sets von uns eine strategisch geschickt gesetzte Pause. Erst bölzen wir zehn Songs in die Hütte, später noch mal acht oder so. Kommt mir allerdings gar nicht lange vor. Es ist auch nichts von gehemmter Stimmung zu spüren. Natürlich gucken die Leute eher zu und klatschen artig nach jedem Stück. Aber diverse Pogotänzer gibt es durchaus. Die schaffen es aber, fast gar nichts umzuwerfen. Schließlich will man hier auch in Zukunft noch Scheibenernte betreiben können. Ungewohnt ist es allerdings für mich, nicht mit Bier herumspucken zu können. Dafür gehen diverse gepflegte Bodenroller. Extra für Zarcs Tochter packen wir „Irukandji“ ganz früh inne Playlist, denn das ist ihr Lieblingssong von VRHN („Itschikatschi“ nennt sie ihn).

In der Pause verlassen ein paar Leute mit neu erworbenen Tonträgern die Hütte, andere schwappen wiederum neu hinein, sodass es beim zweiten Teil gut gefüllt weitergeht. Zum ersten Mal überhaupt zocken wir „Do You Feel Safer Now?“, welcher zu meinen Faves der BLAUEn Platte gehört. Zu den zwölf Faves, höhö. Ach Mönsch, wieso ist denn schon wieder Schluss?

Aber noch ist Zeit für Könschnack, grausiges Fotogeknipse, weitere Tonträgerfachgespräche, noch ‘nen kleinen Rundgang durch die Vinyl-Regale. Ich denke und hoffe doch, dass sich dieser Nachmittag für alle gelohnt hat und allen Spaß bereitet hat! Vielen Dank an alle Besucher_innen und die Blitz-Crew! Und an Dirk für die Gesangsanlage!

Uns zieht es dann in verschiedene Richtungen, Strecker, Andi, diverse Nasen und mich verschlägt es in die Palenke, in welcher Chef Burkhard Sawallisch gleich unser Vinyl auflegt. Später drückt er Andi noch eine Akustikgitarre in die Pranken, die vorher jahrelang an der Decke gehangen hatte und letzterer zeigt seine schönste Whiskey-Goldkehlchenstimme.

Elmshorn, Punkerhaus - 15.02.2014

23.02.2014 von Philipp

Stinking Up The Night

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Netterweise hat uns Kat ihre Bude zur Verfügung gestellt. Im Nachhinein hätten wir auch bei Menschen aus der Veddel-Orga pennen können, was aber irgendwie im Vorfeld in unserer Kommunikation untergegangen war. Gut daran war aber auch, dass Kat so trotz Einlassstopp noch reingekommen ist – „Ich hab aber die Schlüssel zur Wohnung mit, in der eine der Bands schläft!“ Kat ist schlau und lässt uns ihre Bude vollstinken, während sie selbst bei ihrem Freund nächtigt.

Morgens ist sie dann mit feistem Frühstück am Start. Wir können uns immerhin damit revanchieren, ihre Kaffeemaschine repariert zu haben, die eigentlich als kaputt eingestuft war. Nachdem wir gefrühstückt haben und Strecker irgendwann sogar eine Hose anhat, rollen wir noch zum Fischkopp Plattenshop. Dort haben wir Glück – eigentlich wollte ein Mitglied des Fischkopp-Kollektivs nur was aus dem Laden holen, aber als er unsere gierigen Augen (kreisrunde schwarze Scheiben statt Pupillen) sieht, lässt er den Schuppen na klar kurz geöffnet.

Warme Begrüßung im Punkerhaus! Unser Besuch heute ist eh ‘ne Herzensangelegenheit, schließlich wohnt Flupp hier, der mit FRONTCORE eines der Labels verkörpert, welche DIE BLAUE PLATTE raushauen. Danke, Flupp!

Dank gebührt auch KOLLMARLIBRE, welche heute große Teile der Backline stellen und mit uns zocken.Und Steini, der Flupp zufolge mit am meisten für diesen Abend organisiert hat.

Wie beim letzten Mal ist auch das Essen exquisit. Wir hatten schon gehofft, dass Chilli wieder kocht. Es gibt vegane Bolognese und Fleisch-bolo. Ist ja auch wirklich selten, dass die vegane und die Fleischvariante angeboten werden. Dazu wird frisches Basilikum gereicht, x Gewürze und schmackofatzige Pesto. Wir drehen durch und fressen, was dat Zeug hält.

KOLLMARLIBRE zocken Skapunk, was zwar nicht ganz meine Richtung ist, aber hier hält sich der Skafaktor eigentlich so in Grenzen, dass man es auch einfach deutschsprachigen Punk nennen könnte. Außerdem sind die Typen alle sehr sympathisch. Positiv fallen mir die Texte auf, die durchweg kämpferisch und engagiert sind. Zum Beispiel ist ein Stück von Heines „Webern“ beeinflusst. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch – wir weben hinein den dreifachen Fluch!“. Gänsehaut. Und Humor hamse AUCH noch: „Distemper hat Hunde, Ska-p hat Katzen, Kollmarlibre hat Pinguine“. Geil ist der Mercher, der eigentlich den ganzen Abend hinterm Merchtisch nur schläft. Ob der mit Strecker verwandt ist?

Bis wir spielen, haben wir so ziemlich jede_n Bewohner_in/Besucher_in des PUNKERHAUSES kennengelernt. In Erinnerung bleiben wird mir ein Typ, der „früher Ayatollah Rock’n’Roller“ genannt worden sei, 25000 Schallplatten besessen, aber „aus Gründen“ verschenkt habe. Und der Typ, der auf der einen Seite seines rasierten Schädels die Worte „Born to kill“ tätowiert hat – und auf der anderen „Meat is murder“. Hagi von INSIDE JOB und vom SCHEISZE Fanzine ist auch da und begleitet den Abend wie gewohnt investigativ, drückt mir auch die neueste Ausgabe in die Hand, welche ein großartiges Cover mit Uschi Obermaier druff sowie viele großartige Geschichten/Intis etc. besitzt.  

Ja, es geht endlich looooos! Wir beginnen mit „Reign In Vlad“, ich nutze die Chance und mache schnell einen Bodenroller, bevor der Mob mir kerinen Platz mehr dazu lässt. Ich spüre, wie mehrere feuchte Substanzen und auch spitze Gegenstände durch Kutte und Shirt drängen. Weiter geht es mit „Roadkill BBQ“ – wir sind gerade im Mittelteil, als plötzlich alles ganz dunkel wird. Und auch ganz leise. Bis aufs Schlagzeug. Also bin ich nicht tot oder so. Es ist lediglich ein Stromausfall. Oder ein vom Krach genervter Bewohner hat die Sicherung rausgekloppt. Ob der Strom zurückkehren wird? Wenn ich ehrlich bin, seh ich bereits aus wie NACH einem ca. 90-minütigen Auftritt. Mehrere Rutschen Bier sind über mich ergangen, durchgeschwitzt bin ich auch schon. Man hätte also bereits positiv bilanzieren können… Eric gibt aber nicht auf und fräst uns eine Art Schlagzeugsolo um die Ohren, von dem mir selbige jetzt noch bimmeln. Aber da geht das Licht auch schon wieder an! Irgendwie hat das den Mob nur noch mehr angestachelt, ab jetzt herrscht durchgehend Pogo-Alarm und es ist kein Bodenroller mehr möglich. Die Leute brüllen amtlich mit, allen voran Flupp, der offenbar heimlich vorher geübt hat. Deshalb spielen wir heute sogar beide Coverversionen – EXODUS und LARD.

 

Wunderbarer Auftritt, da hat heute alles gestimmt. Wir können uns gar nicht lösen, trinken noch etliche Humpen, aber irgendwann muss das Streckermobil ja zurück durch die Nacht donnern. Möge das Punkerhaus bestehen bleiben (es gibt wohl finstere Kräfte, welches seine Existenz bedrohen)! Danke Flupp, Chilli & alle Bewohner_innen, Besucher_innen, Kollmarlibre etc.!

Hamburg, Veddel – 14.02.2014

19.02.2014 von Philipp

LAMPEDUSA-SOLI-FESTIVAL

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Der Aufruf zu dieser Soli-Veranstaltung lautete wie folgt: „Solidarität mit der Gruppe Lampedusa in Hamburg.


Ein neues Jahr ist angebrochen und die Mitglieder der Gruppe 'Lampedusa in Hamburg' schlafen mittlerweile an über 30 unterschiedlichen Standorten über die gesamte Stadt verteilt. Ihre aufenthaltsrechtliche Situation ist nach wie vor ungeklärt. Um weiterhin an gemeinsamen politischen Aktivitäten teilzuhaben und die Essensausgabe erreichen zu können, ist die Gruppe dringend auf HVV-Tickets angewiesen.

Der gesamte Erlös dieser Veranstaltung wird für Fahrkarten wie auch für Lebensmittel, Kleidung und alle anderen notwendigen Dinge an die Gruppe gespendet!

Weitere Infos zum Thema:
http://lampedusa-hamburg.info/

Spendenaufruf als Video:
http://vimeo.com/80537323

 

Keine Frage, dass wir auf die Einladung von Golle sofort zusagten. Der Bock war außerdem groß, da wir noch nie auf der Veddel gespielt hatten und vieles Gute gehört hatten. Außerdem locken UPPER CRUST (und deren neue Pladde), ROBINSON KRAUSE, HEIMATGLÜCK, die mir noch unbekannten BRAINDEAD sowie 'ne Überraschungsband.

 

Wie konnte es sein, dass ich trotz infernalischen Flyerbombardements (Elb-Tsunami, Heavy Metal auffer Veddel etc.) noch nie den Weg zu diesem abartig geilen Ort gefunden hatte? Ein Rätsel, welches ich wohl nie lösen werde. Jedenfalls isses auf der Veddel saugemütlich, man fühlt sich mitten in Hamburg wie auf dem Dorf, überall um die Halle herum, in welcher die Bands zocken sollen, befinden sich Sitzgelegenheiten. Das Biest ist verdammt groß, 500 Leute würden locker reinpassen, wird mir gesagt.

 

Und ich nehm es vorweg: Die kommen auch! Sogar noch mehr. Immer wieder versetzen die Veranstalter_innen die Zäune weiter nach außen, um mehr Platz zu schaffen, aber irgendwann droht es zu drängelig zu werden, also werden die Tore geschlossen. Der Eintritt basiert auf Spendenbasis, hoffentlich ist gut was reingekommen!

 

Am Merchstand wird es etwas eng, da auch noch ein DJ dort Platz finden muss. Aber irgendwie schaffen wir es, in einer Ecke den Kram von sechs Bands, zwei Plattenspieler, diverse Plattenkisten, politische Literatur und Nieten, Buttons etc. ohne Ende unterzubringen.

 

Es strömen Bekannte in Scharen herein, der Abend wäre auch ohne eigene Zockung ein Gewinn. Die Überraschungsband legt los, ich bekomme leider den Namen nicht mit. Manche sagen, es seien Berliner, andere Franzosen und wieder andere sind überzeugt, dass es sich um Russen handele. Vielleicht ja alles zusammen? Ist doch auch völlig egal. Die Musik erinnert sehr an DEAD KENNEDYS, sowohl vom Gesang her als auch gitarrentechnisch. Sehr rumpelige DK, charmant vorgetragen außerdem.

 

Von HEIMATGLÜCK hatte ich länger nichts gehört, ich mag den Mix aus Pop, Punk und Schraddel Disco ja ganz gerne. Die Hütte ist auch erwartetermaßen knüppelvoll. Die Stimmung hätte noch ein bisschen geiler sein können, da die Band doch etwas introvertiert wirkt und zwischen den Stücken längere Pausen gemacht werden, in denen keine_r was erzählt. Andererseits drauf geschissen, das ist Punk hier und wer keinen Bock darauf hat, zu animieren, der soll et sein lassen und einfach die Musik sprechen lassen.

 

UPPER CRUST! Was hab ich Bock auf die Hackfressen und ihre neue Platte. Zum Release-Gig auffem Gaussplatz konnte ich neulich leider nicht kommen. Dafür ernte ich den „Virus“ noch vorm Auftritt ab und ein T-Shirt muss ebenfalls sein, denn das Motiv – ein abgefuckter Punk-Yoda mit Stinkefinger – ist zu und zu geil. Es gibt dazu passend sogar einen Song mit dem Titel „Mosh The Yedi!“. Der Text ist so herrlich infantil: „Mosh The Yedi, schlag ihn tot / Tritt ihm in den Arsch, bei Yoda seh ich rot / Kommt Obi Wan Kenobi mit seinem Kumpel Gerd / Klau ihm die Batterien von seinem Laserschwert. / Packt dich Chewbacca mit seiner Riesenhand / Schnapp dir deinen Rasierer, mach ihm die Eier blank!“ Ja, was ist das geil! PUNK BLEIBEN DU MUSST! Die drei Flegel watschen dann auch allen gehörig eine rein und hinterlassen glühende Trommelfelle. HC/Punk, D-Beat/Crust und Thrash in herrlichster Amalgamierung.

 

Eigentlich sollten wir später spielen, aber da Zarcs Tochter und Frau krank darniederliegen, es bereits 24.00 Uhr ist und Zarc nicht so megaspät nach Hause brettern will, tauschen BRAINDEAD netterweise. Und aaaab! Vor der Bühne ein einziger Pit aus geballten Fäusten und aufgerissenen Mäulern. Haben die alle Hunger? Wollen die gefüttert werden? Könnense haben – mit unserem Rock! Die Bühne, ja die ganze Halle (so kommt es mir vor) wird allerdings mit Nebel zugepustet, bis der Arzt kommt (und sich verläuft). Dazu flackert ein Stroboskop, dass mir ganz wackelig in den Knien wird. Auch wüste Drohungen an den Menschen, der hier den Finger derart nachlässig am Abzug hat, bringen nichts und so trotzen wir halt dem Gewitter. Unser Set ähnelt dem der Releasegigs, ist aber angesichts der Menge an Bands natürlich gekürzt und schön knackig. Da gibt es von „Reign In Vlad“ bis „The Power Of Vlad“ keine Verschnaufpause und so verlassen wir durchgeschwitzt bis auf die Socken und glücklich die Bühne. Derbe geil!

 

BRAINDEAD hatte ich aufgrund ihrer Plattenartworks und ihres Namens in eine derbere Ecke gestopft. Tatsächlich ist ihr Stil aber eher entspannter Reaggae/Skapunk. Eignet sich für mich aber gut zum Runterfahren und Ausdünsten. Nette Leute sind das allemal, bei einem der Bandmitglieder (aufgrund des immer noch herrschenden Nebels kann ich nicht ausmachen, welches Instrument er bedient…) hab ich heute in der Distro endlich die zweite SCHEISSE MINELLI als Vinyl gefunden, nach der ich lange gesucht hatte.

 

Die KRAUSEs darf man echt nicht als letzte Band spielen lassen… Außer man will genau das evozieren, was nun passiert… Eigentlich fängt alles ganz harmlos an, aber dann ordert Robin Schnaps zur Bühne. Gereicht werden gleich ganze Wodkaflaschen und so nimmt ein pogoanarchistisches Chaos seinen Lauf. Ich geh nur kurz raus zum Pissen – und als ich wiederkomme, stürmt der Pöbel gerade die Bühne. Robin hatte kurz vorher wohl darum gebeten, dass man hochkommen und ihn ohrfeigen solle. Auch zur aktuellen Tagespolitik hat er aufmunternde Worte parat: „Was soll ich denn machen, ey? Ich kann auch nur bei Edeka einkaufen.“ Irgendwann ist die Bühne mit Bierflaschen und herumliegenden Punkern übersät, die musikalische Darbietung wird zusehends abenteuerlicher. Finger und Extremitäten versagen langsam ihren Dienst. Grinsend quittiert Aron irgendwann den Dienst – „Ichkannnichmehr“. Nun wären die Krauses fast erlöst gewesen, doch da springt Andi Harkonnen auf die Bühne, übernimmt den Bass und es gibt noch eine barbarische Jam-Session, bis alle Instrumente durchgetauscht und alle im Koma sind.

 

Was für’n Abend. Zarc ist schon lange weg, Strecker pennt im Streckermobil, bis wir gegen 04.00 Uhr den Weg zu unseren Pennplätzen antreten. Dazu später mehr im Tagebucheintrag zum PUNKERHAUS-Auftritt…

Rendsburg, T-Stube – 01.02.2014

06.02.2014 von Philipp

Bonded By Vlad

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Irgendwie geht die Zeit verflixt schnell rum – kommt mir vor, als hätte ich grad meinen Morgenkaffee getrunken und schon sitze ich neben Strecker im Auto. Das Streckermobil ist bereits in Rendsburg, da Eric und Strecker zwecks Equipmenttransfer ihre Karren getauscht haben.

 

Wir sind sogar die ersten vor Ort, lediglich die T-Stuben-Crew ist bereits da und kostet bereits den Mexikaner vor. Und gekocht wird auch, dat duftet schon lecker (Nudeln mit Schmodder).

 

Taufrisch trudeln DEVIL’S DAY-OFF ein, völlig zerstört und derangiert kurz danach KILLBITE, hähä. Die Minze kreist, Geschichten von gestern kursieren (so’n Konzert ist ja schon ein Mini-Universum mit unfasslich viel Anekdoten), und natürlich will der lästige Soundcheck überstanden sein (ich brauch irgendwann mal so einen Brüll-Roadie, der in exakt meiner Stimmlautstärke ins Mikro rülpst). Es ist immer unfair, einzelne Besucher_innen hervorzuheben, aber ich freu mich besonders über dat Erscheinen von Background-Engelsstimme Kochi und von meinem Ex-Bonehouse-Buddy Kalle (gestern war übrigens Pete da und hat mir einen echten Stoeckicht in Öl überreicht – den Baron Harkonnen, wie er gerade von einem Sandwurm verschlungen wird)!

 

Und schon beginnen DEVIL’S DAY-OFF. Irgendwie haben wir an beiden Tagen einen Top-Sound. Das drückt und schiebt. Die Hamburger sind aber auch geil geworden über die Jahre und dazu cremig eingespielt, waren sie doch just mit PETER AND THE TEST TUBE BABIES auf Tour (sehr lesenswert ist by the way das dazugehörige Tourtagebuch von Sänger Kai auf Dremu). Macht richtig Spaß und zaubert vielen ein breites Grinsen auf die Backen. Die erdigen AC/DC-Schieber der Band laufen halt Punks, Metalheads und sonstigen Krachfetischisten gleichermaßen rein. Am Gepöbel in den Pausen merkt man auch, dass wir in Rendsburg sind. Es ist zwar nicht so voll wie gestern, dafür aber deutlich wahrnehmbar asozialer. Und dann sagt Kai: „Die Band, die wir jetzt covern, hat zig Jahre auf die Scheiße geschissen. Kennt ihr alle. GO BASTARDS GO!“ Hach, was ‘ne Freude, super Version, von Moritz sogar fast original im typischen Stietzel-Beat gezockt. Wir grölen selbstverständlich ordentlich mit. Doch damit nicht genug: Ich erkenne es schon am ersten Gitarrenjaulen – „Electric Eye“ von JUDAS PRIEST ist einer meiner All-Time-Faves (das Cover der „Screaming For Vengeance“-LP ist nicht zufällig der Backpatch meiner Kutte) – und auch der wird souverän gezockt. Geil, damit habt ihr mir ‘ne Riesenfreude gemacht, DANKE!

 

Ballo sieht heute zwar etwas angeschlagen aus, prügelt aber dennoch die Scheiße aus dem Schlagzeug, als hätte er das seit zwei Wochen nicht gedurft. Ich kann nur jedem die 10“ „Brilliant Hell“ empfehlen. Das dengelt dir die Ohren frei, da kannst du Q-Tips vergessen. Latex heißt alle zur „BLAUEREN GALA“ willkommen und fühlt sich in der T-Stube offenbar sauwohl. „Permanent Pressue“ rollt geradezu über einen hinweg, „Wutbürger“ saust wie ein Skalpell durch die zuckenden Nerven und „Dystopia“ lässt keine Fragen offen: „Dystopia, the future is doomed, Dystopia / Suicide of planet earth / on the point of no return“. Fäuste in die Luft!

 

Bock! Wer in ‘ner Band spielt, kennt das: Der zweite Gig an zwei aufeinanderfolgenden Tagen flutscht einfach besser. Nicht, dass es gestern irgendwie komisch war, aber viele Stücke standen halt zum ersten Mal auffer Playlist und man musste sich doch etwas konzentrieren. Außerdem ist heute etwas mehr Platz und auch mehr Zeit. Während wir gestern recht zackig Song an Song gereiht haben, können wir heute schön viel Unsinn erzählen. Der Bodenroller ist wieder drin, gegen diese überteuerten Rockstar-Weine wird gewettert und gleichzeitig der Prototyp des Vladi-Tütenweins in den Mob gefeuert (den dieser gierig aussaugt). Zwei Typen fallen mir schon den ganzen Abend über auf: Beide ca. 2 Meter groß, identische Statur und vom ersten DDO-Ton an am Abgehen. Offenbar Zwillinge. Getoppt werden sie aber noch von Kalle, der v.a. bei „Perfect Storm“ wie ein Flummi von einer Bühnenseite zur anderen pingpongt. Ein Kerl wird von seinem eigenen Schwung über den Merchtisch getragen, begräbt den dort sitzenden Strecker unter sich, Wein, Bier und Mexikaner fliegen hinterher… (wir finden noch am nächsten Tag Unmengen von Kleingeld an der Stelle auf dem Boden). Herrliches Konzert, Rendsburg ist einfach immer geil. Wir beenden das Ding wieder mit „The Power Of Vlad“ und „Bonded By Vlad“.

 

KILLBITE wollten eigentlich in Rendsburg pennen, fahren aber doch lieber nach Hause. Ich muss es hiermit als Gerücht dementieren, dass diese Entscheidung getroffen wurde, nachdem sie ihren Gastgeber Pimmel-Malte gesehen haben! (Im Ernst hat Ulli kurzfristig seine Tochter bekommen, wenn ich das richtig verstanden hab.)

 

Wir feiern noch in kleinerem Kreise weiter und können uns nur bei allen bedanken, welche die BLAUE GALA und die BLAUERE GALA zu einem wörtlich und ohne Übertreibung unvergesslichen Wochenende gemacht haben.