DIARY

Kiel, Schaubude – 31.01.2014

05.02.2014 von Philipp

THE POWER OF VLAD

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Huch! Plötzlich ist sie da, die BLAUE GALA. Als echte Deadline-Junkies erhalten wir noch am Tag des Konzerts Merch: Die „Power Of Vlad“-Shirts (LARD-Rip-Off) kommen mittags an, Johannes von Cardiophonic bringt die BLAUE KASSETTEn gar direkt zur Schaubude und bastelt an den Biestern noch während des Auftritts von POWER herum. Nur für das BLAUE VINYL hat die Zeit nicht gereicht. Aber wir gönnen uns einfach einen dritten Release-Gig, und zwar einen Instore-Gig bei Blitz-Records (08.03., 17.00 Uhr, Eintritt frei).

 

Eine ungewohnte Situation ist es für uns, dass ein Auftritt von uns mit Karten-VVK verbunden ist. Dicki nutzt das seit kurzem für die Schaubude. Wir wissen daher: Es gibt noch exakt 14 Karten an der Abendkasse. Wir hatten ja mit der Planung von zwei aufeinanderfolgenden Release-Gigs gehofft, dass sich der Mob etwas auf beide Tage verteilt. Leider kommen aber diverse Leute am Freitag nicht mehr rein, während am Samstag durchaus noch Platz gewesen wär. Nächstes Mal also vielleicht doch geballt an einem Tag und in der Alten Meierei?

 

Für uns ist der Doppel-Release 'ne grandiose Sache. Denn noch während man den Freitag genießt, kann man sich im Hinterkopp auf den morgigen Tag freuen! Und zu genießen gibt es einiges! So trudeln natürlich derart viele Bekannte ein, dass man aus dem Sabbeln gar nicht mehr rauskommt und den/die Einzelne_n gar nicht zeitlich ausreichend würdigen kann. Beste Genesungswünsche hingegen an Helge Schreiber und Andreas Gennrich, die heute beide aus gesundheitlichen nicht dabei sein können. Andreas' WG-Kumpel Törtchen springt am Merch ein und das nahezu den gesamten Abend über. Vielen Dank! Ballos Distrokisten bergen so viel akustischen Sprengstoff, dass unsere Mercheinnahmen auch flugs wieder ausgegeben sind…

 

KILLBITE beginnen den Reigen. Die Schaubude ist schon knackvoll und da ich mitten zwischen den Leuten stehe, bekomme ich mit, wie begeistert die meisten sind. Latex schreit alles in Grund und Boden, erzählt, dass Utopien wat für Träumer seien und sie daher nur von „Dystopien“ sängen oder kündigt den ersten deutschen Song „Wutbürger“ an. Ballo knüppelt wie ein Berserker, wobei der entfesselte Crust der Bremer immer auch so'n gewissen Groove hat. Herrlich auch Micks fiese Jammersoli und Ullis stoische Bassfresse. Saugeil!

 

Das Adrenalin steigt, die Vorfreude auch. Abregen kann ich mich gut beim Auftritt von POWER, die ein richtig knackiges Set spielen. 40 – 50 Minuten voll auf die Mütze. Die Gitarren schmatzen so richtig, der Sound in der Bude ist heute überdurchschnittlich gut. Auch wenn Moe auf der Bühne „nur das Keyboard“ hört. „Bible Grind“ ist heute mein Favorit, wobei es nicht einen langweiligen Moment gibt. Selbst El Tofu springt da in den Mob und wetzt im Kreis! Die Band wird mir einfach nie langweilig!

 

Boah, ist das eng! An einen Bodenroller ist heute nicht zu denken, von vorne drängt der Mob, von links und rechts malträtieren mich Andi bzw. Zarc (die das wahrscheinlich eher umgekehrt sehen). Bleibt mir im Grunde nur, auf der Stelle auf- und ab zu hüpfen. Macht aber nichts, das ist schließlich der ursprüngliche Pogo! Mischer JP (heute im Duo mit Micha Möller am Start) zaubert einen klasse Bühnensound und so können wir unser brandneues Set mit Feuer in die Bude rammen. Es ist einfach grandios, wie viele Leute bereits die neuen Songs mitschmettern! Da kriecht mir doch selbst die eine oder andere Gänsehaut den Rücken hoch! Ist eben doch sinnvoll, den Scheiß komplett im Netz zum Anhören zur Verfügung zu stellen. Schwer zu sagen, was mir am Konzert selbst am besten gefällt, bzw. ob es im Nachhinein einen besonderen Moment gibt. Der Gig geht wie im Rausch an mir vorüber, ich sehe viele grinsende, lachende oder vom Brüllen verzerrrte Gesichter. Wir spielen aufgrund der recht engen Zeitplanung in der Bude heute kompakt, ohne viel Ansagen (für unsere Verhältnisse), ganz anders als am Tag danach. Zum Schluss kommen LARDs „The Power Of Lard“ (welches ich zunächst verkacke) und EXODUS' „Bonded By Blood“, bei uns heißen die aber na logisch „The Power Of VLAD“ und „Bonded By VLAD“. Hier fallen doch viele textsichere Freaks auf, die mit einem manischen Funkeln in den Augen mitbrüllen! DANKE, es war eine reine Freude!

 

Playlist:

 

REIGN IN VLAD

ROADKILL BBQ

 

DEATH FOR PROFIT

TANGLE FOOT

BODY IN THE TRUNK

 

FRONTEX FUCKERS

NOT EVEN CLOSE

 

SCHLANK UND KNACKIG IN ZWEI WOCHEN

DIVORCE DIVINE

DREADNOUGHT FEVER

 

THIS AIN’T A LOVESONG

BLUE HELL

 

IRUKANDJI

PERFECT STORM

 

PARTY OF THE DAMNED

 

THE POWER OF VLAD

 

BONDED BY VLAD

 

 

Der Abend endet natürlich gegenüber bei Murat, wo KILLBITE endgültig Kiel von der besten Seite kennenlernen, hehe…

BALLERNACHT: Rendsburg, Bullentempel – 26.10.2013

29.10.2013 von Philipp

Bonded By Motörbreath

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Hier schließt sich ein Kreis und es ist schon ein witziger Zufall, dass dieser Tagebucheintrag der letzte ist, den ich für das VLADI-Tagebuch schreibe, welches wir in gedruckter Form der „Into Dreadnought Fever“-Vinyl-LP beilegen. Denn auf der BALLERNACHT 2006 hatten wir tatsächlich unseren allerersten Auftritt (bitte zurückblättern – und von vorne wieder anfangen), damals noch ohne Andi am Bass und auf dem Plakat lediglich mit … angekündigt. Wir hatten uns halt noch auf keinen Bandnamen geeinigt, als die Dinger in den Druck gingen. Umso plausibler erschien es Andi, dass wir uns angeblich VLADIMIR HARDCOCK nennen wollten (er schwört noch heute, dass Nils ihm diesen Namen am Fon genannt habe)...

 

Nun, sieben Jahre später, also zum zweiten Mal die Einladung, auf dieser Veranstaltung zu spielen. Zum zehnten Mal organisieren die Rendsburger Thrasher von MUMMLOX die BALLERNACHT – vielen Dank für die erneute Einladung!

 

Wir sitzen entspannt bei Landlord Fischi Harkonnen, genießen ein erstes Bier, als sein Sohn mit Kumpels über irgendwelche Fußballdinge in Streit gerät. Ich merke an, dass die Leute sich ständig wegen Sport in die Haare kriegen. Fischi gibt mir Recht: „Ja, deshalb hasse ich es, selbst Scheißsport zu treiben! Immer diese Diskussionen! Ich geh deswegen nicht mal mehr Joggen!“

 

Friedlicher geht es im Bullentempel zu. Wir halten Klönschnack mit den anderen Bands und checken auf 'nem Laptop letzte Artworkänderungen für unser Cover ab. Ruckzuck ist auch schon die Zeit rum und die erste Band beginnt.

 

Der Schuppen ist schon ganz gut gefüllt, die Stimmung erwartungsvoll, als OBSKURA loslegen. Das böllert und kracht ganz ordentlich. Death Metal mit Old School-Vibes und erbaulich brutalen Growls. Ali Orhan (NOISE FOREST) sitzt am Mischpult und zaubert einen brachialen Klang. Allerdings auch brachial LAUT, was aber Ali zufolge aufgrund der räumlichen Strukturen nicht anders zu lösen ist. Nu, zu laut ist besser als zu leise, sagt Omma immer und die weiß Bescheid. Zum Abschluss zocken OBSKURA noch einen geilen Song einer Schleswiger Hardcore/Punk-Band. Leider bekomme ich den Namen nicht mit und vergesse zu fragen.

 

SLOWLY ROTTEN treten ohne Bassist auf, was man natürlich hört, aber woran man sich auch mit der Zeit etwas gewöhnt. Find ich gut, dass man auch mal eine Grindband mit am Start hat! Mir gefällt das Billing somit heute richtig gut. Wer nicht auf fiesen Death/Grind mit Mülleimer-Vocals steht, wird mit SLOWLY ROTTEN möglicherweise nicht so warm. Ich kann mir sowas bei Stimmung tagelang am Stück anhören, wenn's kein Porngrind-Bullshit ist. Der Sänger stapft manisch über die Bühne und kotzt alles raus, was nicht verdaut ist. Yeah, grind on, baby!

 

Optimale Bedingungen für einen vladiistischen Auftritt: Sound gut und laut, Platz auf der Bühne (obwohl ich es auch mag, wenn die Band allein kaum in den Laden passt) und (vor allem) eine Treppe direkt neben der Bühne, welche zwar eigentlich nur zu den Scheißhäusern führen soll, von uns aber gleich als Rockstar-Bühnenelement wahrgenommen wird. Endlich mal wie Doro fühlen, hoch aufs Treppchen steigen, ganz oben angekommen sein und so. Ach, nee – noch cooler isses, dass Eric und Zarcs Eltern da sind und die Vladis unterstützen! Der Mob nimmt keine Rücksicht auf eigene oder fremde Gesundheit und slammt enthemmt. Da kannste übern Boden rollen (macht man ja schließlich mal, oder) und die latschen und fallen einfach auf dich drauf. Aber so wollen wir das, so ist das gut! Flutscht heute astrein, von den neuen Biestern kommt besonders „Perfect Storm“ mit biestiger Wucht. Ein großer Spaß auch das extra für den heutigen Anlass gewählte EXODUS-Cover „Bonded By Blood“. Wenn's nach mir geht, nicht zum letzten Mal. Eric kloppt bei „Irukandji“ glatt die Fußmaschine auseinander (Klöppel fliegt plötzlich weg), was Zarc aber geschickt nutzt, um einen Stadion-Chor zu dirigieren: o-ho-ho-o-ho-ho-ho. Das kommt so spontan, dass sogar Strecker als gut eingeweihter Vladi-Kenner denkt, dass es eingeplant sei, haha!

 

Aber eine Sache mal ohne Scheiße: Aus anonymer Quelle wurden wir im Vorfeld informiert, dass heute eine Handvoll Fascho-Metaller kommen wolle. Ich kann auch im Nachhinein nicht sagen, ob das stimmt. Grund genug für eine klare Ansage ist das langhin! Denn in letzter Zeit stoße ich in Metal- (aber auch Punk-) Kreisen häufiger auf Aussagen der Art, dass eine rechte, rechtsoffene oder rechtspopulistische Einstellung doch auch nur eine Meinung sei, die es zu tolerieren gelte. Wer sich dagegen positioniere, sei ein intoleranter „Gutmensch“ und „PC-Polizist“, überhaupt drohe eine Links-Diktatur!  WAS FÜR EIN BULLSHIT. Als ob es intolerant ist, wenn ich NEIN zu einer Ideologie sage, die andere diskriminiert! Ich versuche das heute auf der Bühne so kurz und so deutlich wie möglich zu verbalisieren – NAZI METALHEADS FUCK OFF! Und alle anderen auch... Schön, dass ein Großteil der Besucher_innen auch der Meinung ist und den etwaig anwesenden Faschos den Stinkefinger zeigt. Noch schöner vielleicht, dass sich einige Mienen verfinstern und wir diesen Fuckern möglicherweise den Abend verdorben haben!

 

Zeit für MUMMLOX mit der ganz opulenten Rock-in-Rio-Sause. Hier wird kein eigener Bandklassiker ausgelassen („Pit Of Death“!), noch vergisst man den Griff in den Riesensack voller Metal-Hits (mein Fave: METALLICAs „Motörbreath“, welches dann auch jede_r mitgrölt). Geil find ich ja auch, dass Schlagzeuger Martin beim Auftritt immer derart die Zähne fletscht, dass er mittlerweile vorher ‘ne fucking Bissschiene einsetzt! Dat hab ich auch noch nicht gehört… Die Loite geben nochmal alles und du siehst überall fliegendes Haupthaar und hochgereckte Becher. Nee, nee, wat ist das schön, du!

 

Wir sagen Dankeschön! Und natürlich: ONWARD TO BALLERNACHT 2014!

 

DAT WAR ERST VOLUME ONE…

FUCK EVERY ISM – EXCEPT VLADIISM!

Schleswig, Block 35 – 12.10.2013

18.10.2013 von Philipp

Das wächst doch alles nach?

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Auf diesen Abend hatten wir schon lange richtig viel Bock! Auch wenn der Anlass ein trauriger ist, schließlich gilt es, dem früheren FILIBUSTERS-Gitarristen Svennek Tribut zu zollen, der leider dieses Jahr verstorben ist. R.I.P.! Das ist übrigens bereits das zweite Mal, dass wir zu einem derartigen Anlass nach Schleswig fahren – remember Vadder! Es fehlen mir hierzu die richtigen Worte. Das Unfassbare kann eben nicht wirklich in Worte gefasst werden. Daher zählen Taten umso mehr! Tolle Aktion von allen Mitwirkenden, denn mit den Eintrittsgeldern sollen die Hinterbliebenen bei den Kosten der Beerdigung unterstützt werden!

 

Einfach der Hammer ist es aber natürlich, all die ganzen Spackos zu treffen. Mit GAARDEN BABIES, FILIBUSTERS, CUT MY SKIN und uns treffen ja schon viele Bekannte aufeinander, dazu kennt man viele von der Crew des Block 35, Dicki & Arnika organisieren mit und natürlich sind die ganzen Besucher_innen nicht zu vergessen, von denen manche aus Kiel, Flensburg, Rendsburg, Hamburg etc. kommen. Ich darf vorwegnehmen, dass diese gute Resonanz es ermöglicht, dass über 400,- Euro für die Hinterbliebenen gesammelt werden.

 

Da vergeht die Zeit wie im Flug mit Sabbeln, dem ständigen Begrüßen neuer Gesichter, Soundcheck, Essenfassen (lecker Zeuch!) und Trinken. Ein gutes Omen: Schon beim Soundcheck ist bereits alles mit Bier vollgesaut! CUT MY SKIN sind extra mit dem Zug angereist, um die Kosten möglichst gering zu halten. Top Aktion! Nun hängen sie allerdings nach 9 Stunden Regionalaction und x Umsteigattacken etwas durch…

 

Los geht es mit den pünktlichen Fuckern der GAARDEN BABIES. Hölle, was ist das geil! Old School Punk, vorgetragen von Leuten, die diese Stücke sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen haben. Ulf Nagel hatte ja meines Wissens eine der ersten Punkbands überhaupt in Kiel, Anfang der Achtziger! In den Proberaum kamen damals die Straßenpunker zum Zuhören, denn Konzerte gab es noch gar nicht (in Kiel zumindest). Und die anderen Schergen – Moe, Axel, Oli und Manu – ticken genau wie Ulf. PUNK! BLITZ, EXPLOITED, DEAD BOYS, FEAR, COCKNEY REJECTS und was da nicht alles bei ist! Richtig rotzig und voll auf den Punkt gezockt. Sehr geil die Stimme von Manu, der genau das passende Organ dafür hat, mit so richtig Speck auf den Stimmbändern. Und wenn alle mitgrölen, wackeln die Wände: „And the kids on the street / And the kids everywhere / And all I gotta say is the kids don't care” Geil!

 

Und schon sind CUT MY SKIN an der Reihe, die plötzlich gar nicht mehr müde wirken. Der Laden füllt sich jetzt enorm und die eh schon gute Stimmung heizt sich weiter auf. Ich hatte CUT MY SKIN mal vor Jahren auf dem Force Attack gesehen und fand sie da gar nicht soo geil. Aber heute klingt das alles viel besser. Schön melodisch und flott, so dass vorne ein guter Pit pogender Leute abgeht. Der Boden vor der Bühne ist endgültig schmonkig und glitschig vom verschütteten Bier.

 

Backstage wird ein Kasten nach dem anderen geleert, sodass man sich fast Sorgen um den guten Zweck machen muss. Es wird am Tresen nicht einmal ein Wunsch verweigert und ständig neues Bier rausgehauen. Was lädt man denn auch derart durstige Bands ein? Aber Entwarnung: Allein die Getränkerechnung von Andi, der ja ohne spezielle Getränke nicht auskommt, pegelt das alles wieder ein…

 

Hoppla, ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, was für geile Smasher die FILIBUSTERS auf der Kette hatten! Und haben! Denn erfreulicherweise hat sich die Band dazu entschieden, weiterzumachen. Find ich gut. Ricky von REZET ist eher für Thrash Metal bekannt, doch er hat auch ein Herz für deftigen Punk. Also ist er in die Rolle des Svennek geschlüpft und ich muss sagen, dass er diesen würdig vertritt. Und Manu hat gleich seinen zweiten Auftritt an einem Abend – Respekt. Der Gute ist völlig euphorisiert und wirkt gleichzeitig total angepisst. Immer wieder hüpft er von der Bühne, rennt brüllend durch den Mob und spuckt wie ein Lama seine Rotze auf den Boden. Noch sportlicher ist höchstens Moe, der plötzlich Lust auf einen Trockenflachköpper hat und gezielt in einer Pause dorthin divt, wo niemand steht. Rumms, einmal langhin aufgeschlagen, dass der Boden bebt!

 

Wir genießen den Abend so sehr, dass wir ganz vergessen hatten, dass wir ja auch noch spielen sollen. Aber gerne doch! Mussten wir gestern noch etwas den Rost abklopfen, läuft die Sache heute schon wieder wesentlich runder. Die Playlist wurde gekürzt, bei vier Bands will man es ja nicht übertreiben. Hatte ich gestern beim Herumrollen höchstens ein wenig den Boden noch blanker polieren können, so saugen meine Klamotten heute verschiedenste Flüssigkeiten auf. Moe wagt auch während unseres Sets noch einen Trockendive – abermals WUMMS. Ohne Schwund geht es auch bei uns nicht: Als ich alle Bands würdige und Manus Auf-den-Boden-Gerotze erwähne, kommt der Kerl urplötzlich aus der Menge geschossen, um erregt „So muss das auch sein!“ in mein Mikro zu brüllen. Dabei rammt er mir beim Ergreifen des Mikros selbiges allerdings so in die Fresse, dass meine Oberlippe platzt und auf Schlauchbootgröße anschwillt. Vom Zahnmehl in meinem Maul gar nicht zu reden… Das wächst doch alles nach? Auch heute böllert „Death For Profit“ gut rein, ich freu mich jetzt schon, mehr Songs von der kommenden Platte zu zocken! Ein Riesenspaß, es war uns eine Freude und Ehre. Danke an alle. Svennek R.I.P.!

 

Hier noch die Grußworte der Filibusters, denen wir uns vollständg anschließen:

 

Filibusters bedanken sich:
Für die gelungene Veranstaltung "Night to Remember / a tribute to Svennek"
Danke an die Gäste und die alte Garde!
Danke an die "old school" Gaarden Babies!
Danke an die "Stimmungsmaschine" Cut My Skin!
Danke an "the mighty, mighty" Vladimir Harkonnen!
Danke an Dicki, die ganze Organisation und alle die mitgewirkt haben!
Einen Gruß an Mona, Krachti, Hendrik, Lisa. Nice, Horst Spider & die Flensburger.
Olli, Murai (Kamikaze-Radio), Raffi (Pics) & das Pack aus Süder!
Ed & REZET !
Die Voigt-Gang!
Die Crew vom Block35 !
...und alle, die wir vergessen haben!
R.I.P. Svennek, Deine Filibusters machen weiter!
D.I.Y. & NEVER SURRENDER!!

Schwarzenbek, Korona – 11.10.2013

15.10.2013 von Philipp

Gitarrist mit Extrahänden

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Puh, das war eine lange Zeit ohne Auftritt. In der Zwischenzeit haben wir bestimmt zugenommen. Und das Streckermobil hat das Zeitliche gesegnet. R.I.P.! Aber es nützt ja nichts: Wenn man ein Album aufnimmt, kann man nun mal nicht ständig dazwischen live spielen. Doch nun sind die Aufnahmen im Kasten und nächsten Monat wird uns Ulf Nagel den Mix vor den Latz knallen. Zum Glück ist das Streckermobil II rechtzeitig startklar und Strecker himself hat Bock!

 

Eingeladen wurden wir von Markus, der sich seit einiger Zeit den Arsch aufreißt, um in Schwarzenbek ein Juz mit Leben zu füllen. Schwarzenbek? Da war ich tatsächlich noch nie in meinem Leben, obwohl die Stadt (!) im Südosten Schleswig-Holsteins liegt, also gar nicht so weit weg und in der Nähe von Hamburg. Dann wird es also höchste Zeit!

 

Kurz nach einer netten Begrüßung gibt es sofort lecker vegane Käselauchsuppe in den Schlund. Hammer, der Abend ist im Grunde schon jetzt im Sack. Und dann taucht auch noch Pape auf, der so ziemlich jeden unserer Auftritte besucht hatte, bevor es ihn für über ein Jahr nach Irland verschlagen hat. Und nun wohnt er umme Ecke in Ratzeburg und sieht zufällig ein Plakat vom Auftritt! Die zweite Überraschung: Am Schlagzeug von SMALL HEAP MISERY sitzt ein alter Bekannter, Alex, den noch aus Zeiten meines Referendariats kenne. Ein totaler GWAR-Addict, in seiner Slave-Pit-Leidenschaft höchstens noch übertroffen von seinem Bruder Roman. Außer der Suppe kann man sich hier die Zeit mit Kickern, Billardtisch und Internetanschluss vertreiben. Da die Mühle auch noch an feiste Boxen angeschlossen ist, nutzt Andi natürlich die Chance, allen Anwesenden Death Metal in ohrenbetäubender Lautstärke um die Ohren zu blasen. Uh! Ih! Ah!

 

Die Jungs von FORTUNE’S FAIL haben eh schon durch T-Shirts wie „Kein Mensch ist illegal“ und „Refugees welcome“ gewonnen. Letztendlich gerade jetzt die wichtigste Message überhaupt. Mit Streetpunk kündigt sie der Flyer an. Klingt vielleicht etwas energischer, als die Band sich livehaftig präsentiert, aber so’n Straßenpunker fällt ja auch nicht einfach vom Himmel. Der nötige Rotz dazu muss erst noch aus einigen Gossen aufgesogen werden. Bis dahin gibt es eben Punk mit… Blockflöte! Schluck, das hab ich auch länger nicht gesehen. Irgendwie auch schon wieder mehr Punk als Punk, wenn ihr mir folgen könnt. Die Leute grinsen und fangen an zu pogen und zu skanken, am Ende gibt es „Zugabe“-Rufe, denen man aber nicht folgt, weil bereits alles Material gespielt worden ist. Sehr sympathisch!

 

SMALL HEAP MISERY thrashen los Das Album „Injected Overdose“ hatte Dremu-Chef Matt unlängst mit der Umschreibung 80er Thrash Metal gefeiert. Mittlerweile hat sich die Band offenbar bereits weiterentwickelt und hat einerseits etwas modernere Einflüsse zugelassen, gleichzeitig klassische Metal-Melodik einfließen lassen. Auf jeden Fall gibt es ordentlich auf die Omme und wird so professionell präsentiert, als stünden Nuclear-Blast-Vertreter vor der Bühne, hehe. Witzigerweise ist noch ein Typ im Publikum, den ich aus meiner Zeit an der Jürgen-Fuhlendorf-Schule kenne – der gute Jan ist ein Riesen-SHM-Fan und hat heute Geburtstag, wird auch gleich von der Band auf die Bühne geholt und bölkt zwei Songs im Duett mit.

 

Da FORTUNE’S FAIL genau wie wir ein Tagebuch schreiben, zitier ich sie hier einfach mal: „Zum Abschluss spielten dann VLADIMIR HARKONNEN. Sänger Phillipp leitete elegant durch das Programm. Ansagen, Sprüche, Showeinlagen mit Körpereinsatz... und das oben mit Stern gekennzeichnete Zitat ist auch von ihm (‘Ihr seid echt höfliche Fucker!‘). Die müsst ihr euch bei Gelegenheit unbedingt mal live reinziehen, also natürlich nur, wenn ihr auf irgendwas steht, was ein bisschen härter als unsere Musik klingt und nicht vor Neid erblasst, wenn der Gitarrist spielt, als ob er ein paar Extrahände hätte. Leider gab es auch vor Ort Berichte, dass am frühen Abend irgendwelche Faschos ‘singend‘ durch Schwarzenbek gezogen sind. Zum Juz haben sie den Weg ‘leider‘ nicht gefunden, wir haben es trotzdem zum Anlass genommen, einmal mehr deutlich zu machen, wo wir stehen und dass für uns der Spaß nicht erst bei Kameradschaften und der NPD aufhört. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch nicht geahnt, wie passend wir zu Vladimir Harkonnens neuem Song ‘Frontex Fuckers‘ übergeleitet haben, aber so konnten wir eben gemeinsam mehrmals am Abend deutlich machen, dass eben nicht nur DIE NAZIS scheiße sind, sondern eben auch Rassismus aus der bürgerlichen Mitte und die europäische Abschottungs- und Abschiebepolitik.“

 

Ganz rund läuft der Harkonnen-Motor des Todes heute allerdings noch nicht. Drei Monate ohne Zockung – da muss erst mal der Rost abgeklopft werden. Der beste Fehler passiert wohl, als ich mich in der Playlist vergucke und wir original zwei Songs gleichzeitig spielen. Zumindest ein paar Takte lang… Muss man auch erst mal schaffen! Normalerweise würde man es als Sänger ja sofort merken, wenn ein anderes Riff losdonnert als erwartet, aber es handelt sich natürlich ausgerechnet um die einzigen beiden Stücke, bei denen der Gesang sofort nach einem kurzen Anzähler einsetzt, hehe. Das kümmert uns natürlich ‘nen Scheiß und es wird munter weitergehobelt. Von den neuen Stücken funktioniert besonders „Death For Profit“ gut, der rollt bereits und wird vom Mob auf Anhieb mitgeschmettert. Ansonsten kann ich sagen, dass dat Korona den wohl saubersten Fußboden vorweisen kann, den ich je berollt habe. Da kannste glatt druff essen. Das soll am nächsten Abend in Schleswig anders sein, dat verrate ich schon mal…

 

Yeah, noch ein Süppchen hier, noch ein Küsschen da und ab geht es mit dem Streckermobil II – hinein in die Nacht, voller Vorfreude auf den nächsten Tag! Danke Markus, SMALL HEAP MISERY, FORTUNE’S FAIL und JUZ KORONA!

Potsdam, U24 – 29.06.2013

28.07.2013 von Philipp

Orks und Absperrband, Edding und dunkle Magie...

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Johannes: Hui! Was für eine Nacht! Wir sind irgendwann aus der Tommy-Haus-Kneipe gewackelt und haben komplett betrunken Bananen gegessen und gegen schnieke Bankhäuser geworfen... Hatten wir alle vergessen, aber Tobias hatte es gefilmt. Es gibt also Beweise für unsere unglaublich gute Laune! Morgens kann ich gar nichts mehr. Ein paar Stunden Schlaf reichten nicht aus. Die anderen hatten den Schlüssel, ich melde mich kurz ab, weil einfach nichts geht. Jan, Amier & Tobi haben bei ‘nem Freund geschlafen. Die müssen das machen! :D Haben sie auch. Coool!

 

Philipp: Nach einem Schläfchen im Tommyhaus wachen wir erholt auf – es hat tatsächlich keiner geschnarcht und es sind zur Abwechslung auch keine betrunkenen Pärchen in den Schlafraum eingedrungen, um dort ihr Liebesspiel zu vollziehen. Die Duschen sind top, so kann der Tag beginnen. Beim Veranstalter Roy shoppen wir noch Vinyl, denn der hat ein Label namens Trümmer-Pogo und dort gute Krachsachen von LOS REZIOS, BRINK OF DESPAIR oder PROFIT AND MURDER veröffentlicht. Besten Dank für alles, Roy!

 

Philipp: Der Landlord und die Zölcks waren als Frühaufsteher inzwischen auf Sightseeing-Tour inklusive Ausflug zum Brandenburger Tor und all dem Scheiß. Nachdem dat Grüppchen ein paar Haken geschlagen hat und sich dem berühmten Wahrzeichen mit der Quadriga von hinten nähert, habe der Landlord ganz trocken „Und was dat jetzt für’n Gelöt?“ gefragt, kolportieren die Zölcks später.

 

Philipp: Nach Potsdam Beach ist es zwar nicht so weit, aber da Zarc sich zum Glück mehrfach verfährt, schaffe ich es, während der Fahrt meine Hose zu nähen (Danke an Julian von SHUDDER AND SPIT für das Nähzeug!). Das U24 entpuppt sich als obergemütliches Wohnprojekt, in dem 17 Menschen wohnen. Richtig mit Garten im Innenbereich und hinten ‘nem schnuckeligen Zockraum. In der Küche kochen bereits mindestens fünf Leute, was auf ein opulentes Mahl hoffen lässt.

 

Philipp: Da wir noch Zeit haben, legen wir eine kleine Stippvisite auf Schloss Sanssouci ein. Schon imposant das olle Biest von Friedrich II., wobei man sich immer wieder bewusst wird, dass diese Prunkscheiße genau repräsentativ für die monarchistische Staatsidee der Hohenzollern ist. Angemessene Kulisse jedenfalls für ein paar Gruppenfotos von SHUDDER AND SPIT und VLADIMIR HARKONNEN (CHIPKO sind leider noch unterwegs). Und es inspiriert mich zu einer Anti-Hohenzollern-Ansage für den späteren Auftritt…

 

Johannes: Nach ein paar Reanimationsmaßnahmen treffen wir uns dann am Nachmittag und düsen nach Babelsberg. Alle sind etwas durch, aber sehr guter Dinge. Wir sind schnell in Babelsberg vor der U-24. Keine Reaktion nach dem Klingeln. "Sight-seeing!". "Hier ist irgendwo so ein Schloss! Da sind die anderen auch. Das machen wir!" - -Eine absurde Auto-Situation: auf dem Weg zum Schloss warten wir vor einer roten Ampel, Amier drückt plötzlich auf die Hupe, dann knackt es böse an der hinteren Seitentür. FAK! Eine etwas betagtere Dame ist beim Ausparken gegen unseren Mietwagen gejuckelt. Oha! Situationen, die die Welt nicht braucht! Naja, Papierkram erledigt, alles okay. Für uns! Leider wohl nicht für sie. Ooooh! Sie tat uns derbe leid... Wird bestimmt ätzend mit der Versicherung usw. Naja... Scheiße passiert! Es geht weiter... Das Schloss... Wahnsinn! Wir schlendern im Nieselregen über die Schlossanlagen. Mein inneres Auge ballert mit größenwahnsinnigen Phantasien nur so um sich. Am Horizont des zentralen Ausblicks, von der Parkmitte aus, ist z. B. eine künstliche Ruine errichtet worden. Es muss also irgendwann jemand mit ultradoller Macht jemandem gesagt haben: "Ey! Ich bin der Überkaiser! Baut mir mal ne künstliche Ruine dahinten hin! Und macht schnell, am Wochenende ist ‘ne Kriegsführungs-Party! Da muss das fertig sein!" Naja, ist sonst alles voller Gold usw. Auf jeden Fall ist das schon abgefahren da...

 

 

Philipp: Zurück in der Uhlandstraße gibt es das erwartete Festmahl. Richtig geil mit mehreren Gängen bester veganer Küche (sogar ‘ne Hammer Blätterteig-Sauerkraut-Tarte gibt’s)! Die Leute sind hier richtig entspannt drauf und feiern später noch bis spät in die Nacht mit uns – das feiste Frühstück-Buffet am nächsten Morgen nicht zu vergessen!

 

Johannes: Nach dem Schlossbesuch geht es also wieder nach Babelsberg. Wir kommen an und die anderen essen schon. Der erste Eindruck der U-24 ist äußerst famos! Ich liebe es einfach, wenn nicht alles gleich gebaut ist, sondern umgebaut, improvisiert oder noch im Bau ist. Die Küche ist groß und voller Leute, Essen und Hunden. Wir sind alle von letzter Nacht noch etwas fertig. Umso mehr feiern wir die Gastfreundlichkeit der BewohnerInnen. Wahnsinn, was uns da aufgetischt wurde. Veganes Gulasch, Sauerkraut auf gebackenem Blätterteig (Oberkracher!) und Apfelkuchen mit Vanille-Pudding. Alle essen zu viel und hängen ab. Nach etwa zwei Stunden holen wir unseren Kram und bauen auf. Der Konzertraum ist angenehm klein, bzw. groß. Das Schlagzeug von Eric ist auf einem Podest im hintersten Teil des Raumes und Ich mache mir sofort Tontechnik-Gedanken: "Kein Drumfill! Hm... Zweite Gitarrenbox an Jans Amp anschließen und zum Schlagzeug drehen, dann hat Tobi die Gitarre als Monitor, das müsste locker hinhauen." Yo! Das ist dufte! Wir stellen alles ein und nach kurzer Pause geht es dann auch schon los. Mensch, mensch, mensch! Was macht das wieder Spaß! Der Raum ist angenehm voll. Und der Sound rockt mich an. Komplett natürlich. Nix abgenommen, alles auf die Bassdrum abgestimmt. Nicht zu leise, nicht zu laut. Gute Laune! Nach zwei Liedern habe Ich dann erstaunlicherweise wieder richtig doll Energie. Ich schwitze wie ein Wasserfall. Manchmal hüpfe Ich rüber zu Tobis Set und es ist total angenehm, weil die Gitarre da echt gut zu hören ist. Ich hüpfe also überall mal umher. Macht mir alles auf jeden Fall richtig doll Spaß. Der Kater vom Vortag ist wie weggewischt. Geil! Die anderen feiern uns und wir sie. Wunderbar! Ab und zu fühlt es sich an als wären wir Teil unserer eigenen Dokumentation. Also, nicht im Sinne von "wir sind die Geilsten!", sondern im Sinne von "Dieser kleine Raum und ein paar Leute, die anderen Bands, dieses Selbstmachen, dieses Wohnprojekt, zusammen mit den anderen, komplett im Eimer, und trotzdem alles geben!" Als würden wir ‘ne kleine Geschichte schreiben, während wir da drin sind. Das Gefühl habe ich äußerst selten. Im "hier & jetzt" angekommen! Wir sind fertig mit dem Set und auch im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt erstmal kurz durchatmen und ne Turbomate! Dann die anderen Bands reinziehen und feiern.

 

Philipp: Heute ist tatsächlich alles nochmal einen Tucken besser als am Tag zuvor. Ist ja häufig so: Kleiner Raum, nur Gesangsanlage, keine P.A. = Topsound! Man hört alles sehr komprimiert und differenziert. So können CHIPKO mich heute noch mehr begeistern. Der verwirrte Johannes hatte in Berlin doch glatt seinen prall gefüllten Rucksack stehen lassen (laut bösartigen Gerüchten samt einzigem Exemplar der fertig geschrieben Dissertation…), den wir aber bei einer letzten Begehung des Backstageraumes gefunden haben und ihm später am Abend grinsend überreichen. Ich freu mich jetzt schon auf den CHIPKO-Auftritt in Kiel am 14. Juli!

 

Johannes: Als nächstes spielen Vladimir Harkonnen. Es ist abgefahren. Da spielt man einen Abend vorher mit so ‘ner dicken PA unter den Füßen, aber alles bleibt etwas zu dünn, der Bass war irgendwie nicht da. Heute ist alles wunderbar kompakt. Alles hat Platz und drückt und sägt da, wo es sein soll. Der Sound von Vladimir Harkonnen ist dementsprechend noch geiler als gestern. Philipp geht wieder sofort ab, erzählt vom Schloss und hebt den Mittelfinger gegen die Preußen. Gut so! Ich hole mir kurz noch ‘ne Turbomate und muss mich irgendwann über den Boden purzeln lassen, weil ich es noch etwas zu verhalten finde. Dann liege Ich auf dem Boden und lache mega doll. Auf einmal sehe ich in Philipps grinsendes, growlendes Gesicht. Wildes Getümmel auf engem Raum! Die Band gibt wieder alles. Von Anfang bis Ende rollt sich eine irre Attacke aus Spaß und Energie, mit voller Wucht, durch den Raum! Heute kann ich Andys Bass auch gut hören. Geilo! Bass ist immer wieder unterbewertet, obwohl ein knarziger drückender Bass soooo unglaublich wichtig für den gewissen „PUNCH“ ist. Hahahahaha… mehr Bass, mehr Spaß! Auch das Schreien und singen von Andy und Zarc sind heute deutlich besser zu hören. Andy zerhackt wieder alles hinter seinem Drumset in liebgewonnener Stadion-Manier in dieser kleinen Party-Hütte. Burner!

Das Set ist zu Ende, der Merch-Stand wird bestaunt, Leute holen sich Harkonnen-Platten und Beutel und Shirts… es kam also sehr gut an! Die Betrunkenheit der BesucherInnen ist während des Konzerts gefühlt gestiegen, der erste beginnt schon auf ‘nem Sofa neben der Bar einzuschlafen. Ich frage mich kurz, was er jetzt wohl träumt, während Shudder and Spit beginnen aufzubauen.

 

Philipp: Und wieder isses VLADI-Zeit – laut Svea seien wir übrigens eine äußerst wohlriechende Bands. Zumindest während der ersten Stücke rolle jedes Mal eine Duftwolke aus Shampoo über die Besucher_innen hinweg, haha! Zum Glück schaffen wir es aber offenbar im Laufe der Konzerte diese Wolke wegzustinken… Besonders gefallen mir heute die psychedelischen Lichter, welche in Form von roten und grünen Würmchen durch den Raum schießen. Aus Bandperspektive hat die jeder im Gesicht, da die Lichtanlage hinter uns hängt. Was mir ebenfalls zusagt: Dass wir einen meiner Faves von den neuen Songs, „Reign In Vlad“, mit ins Repertoire genommen haben! Ein schnelles Biest mit melodischem Refrain und Anti-Fracking-Message. Als ich mich gerade zum Bodenroller hinwerfen will, rollt dort bereits Johannes zuckend vor sich hin. Herrlicher Auftritt, den ich wie am Vortag auch deshalb genießen kann, weil ich alles supi höre.

 

Johannes: SHUDDER AND SPIT haben ja zwei Gitarren, also wird das nix mit dem Drum-Monitor, aber das scheint für Max kein Problem zu sein. Wir drehen zusammen am Sound, passt, kurz was trinken und schon rollen Shudder and Spit los. Ich muss gestehen, dass ich kurz erst mal an der Bar etwas chillen muss. Ist auch mal schön, die anderen abgehen zu sehen während ich nichts mehr machen kann. Der Typ, der schon pennt, bewegt sich ab und zu mal im Schlaf. Ich stelle mir vor, wie er im Traum irgendwas erlebt und Shudder And Spit den Soundtrack dazu beisteuern. Es gibt bei denen ja auch immer mal so ruhigere Momente zwischen den Blast-Attacken, da hat er Glück gehabt. Wenn Svea so richtig singt und so schön klingt und so, dann träumt er vielleicht, dass er fliegen kann oder so… und dann irgendwann steigert sich die Musik und dann kommen Orks und verfolgen ihn, oder wollen ihn mit Trollen zusammen kochen, oder sie fesseln ihn und wollen ihn an finstere Gestalten verkaufen, dazu wird er dann mit dem Shudder And Spit- Crust- Gesang durchgeschüttelt. Muhahahaaargh! Heute habe ich den Eindruck, dass die Band mehr ältere Songs spielt als gestern, aber ich bin mir nicht sicher. Ist auch egal. Es rockt und die Band geht ab, so wie es sein soll. Auch hier klingt alles sehr frisch und ich stelle fest: „Es klingt genau wie auf der neuen Platte!“. Ist ja auch ne Live-Aufnahme. Abgefahren! Ich bin total gespannt wie deren Tour wird. Habe ja mit der Band aufgenommen und jetzt schon ein paar Konzerte gespielt und ich freue mich so doll für die, weil das erst mal spitzen Leute sind und außerdem, weil touren einfach so mega Spaß macht, und die auch so mega Lust haben das zu machen, was sie machen!

 

Philipp: Für SHUDDER AND SPIT gilt im Grunde dasselbe wie am Vortag. Die böllern wieder los, als sei der Fiskus hinter ihnen her. Sveas Gesang ist mittlerweile auch einzigartig. Krasses Gebölke, aber immer mit so ‘ner krassen melodischen Kante. Mal voll aggro, mal verzweifelt-emotional. Es ist zwar saulaut, aber irgendwie will ich das Spektakel in seiner ganzen Pracht genießen und verzichte auf Ohrstöpsel. Hach, süßer Schmerz. Viel zu schnell ist alles vorbei.

Doch zum Glück gibt es noch für Stunden Musik aus der Tube mit anschließender Küchenparty – besten Dank an die U24-Crew, die allen Bands einen unvergesslichen Tach bereitet!

 

Johannes: Nachdem alle Shudder And Spit gebührend feiern und genießen wird gesabbelt und getrunken, und uuuuuups… ich muss derbe einen fahren lassen. Das Ding war einfach echt mies und ich melde mich gleich als Verursacher des teuflischen Gestanks, weil das echt nicht mehr harmlos ist. Andy verzieht gleich sein Gesicht und sagt: „Was geht hier ab! Wer hat einen fahren lassen! Das ist ja die Hölle!“. Erik kommt zu mir und feiert meinen Furz: „Das ist ja megakrass Alter! Dafür brauchst Du ‘nen Waffenschein!“. Mehr gefällt diese Lockerheit bezüglich unangenehmer Dinge und erzählen uns die bösesten und skurrillsten Geschichten bei Bier, Mate, Vodka und Musik aus den letzten 20 Jahren Metal-Geschichte. Irgendwann geht es in die Küche, nebenan pennen schon viele, überhaupt schlafen schon fast alle. Ich denke auch, dass ich schlafen sollte. Vernünftig wäre das sicherlich, aber… Nein! Hahaha… es wird eine Flasche Korn in der Küche gefunden und die wird unter dubiosen Umständen geleert. Andy hatte Svea mit Absperrband die Augen verbunden, dann hat sie irgendwie einen Edding in die Hand bekommen und wild damit rumgefuchtelt, dann fiel der Edding durch die Luft und direkt in die Falsche mit Korn. Ein Ding der Unmöglichkeit, alles staunt. Wie konnte das passieren?! Da muss dunkle Magie am Werke sein. Ein Getränk des Teufels?!? Höchst wahrscheinlich! Wir filtern das Gebräu durch ein Sieb in einen Hundenapf und nehmen den Edding aus der Flasche, dann mischen wir es mit allen möglichen Säften und Limonaden. Es geht lange so weiter und alle die auf Toilette gehen oder einfach so wach werden trinken vom verwirrenden Getränk. Es ist wunderbar! Ich schnacke bis ins Morgengrauen mit Julian über alles Mögliche und es ist echt dufte, dann gehen wir irgendwann pennen. Ich falle in einen traumlosen Schlaf und es fühlt sich an als hätte ich nur kurz die Augen geschlossen um gleich wieder aufzustehen. Naja, da hilft ur Kaffee und ein gutes Frühstück. Ich muss ja noch nach Hause fahren und dann an meiner bekloppten Bachelor-Arbeit weiter schreiben. UND WAS IST DAS FÜR EIN FRÜHSTÜCK! Liebe Leute in der U-24, ich will euch alle heiraten! Ein Frühstück kann Leben retten! Das ist auf jeden Fall seit diesem Tage besiegelt! Es ist zu viel von allem da und alles ist formidabelst! Die Gestaltung der Brotbelege könnte in diesem Fall schon Brot- Architektur genannt werden, weil die Kombination der einzelnen Aufstriche immer wieder eine Herausforderung darstellt. Langsam teilen wir uns alle auf und es trennen sich die Wege. Es wird umarmt und verabschiedet und Glück gewünscht und Platten getauscht. Ich kann einfach nicht mehr schreiben. Worte sind auch nicht ausreichend für dieses Wochenende! Es schreit einfach nach einer Wiederholung!

Berlin, Tommyhaus – 28.06.2013

10.07.2013 von Philipp

Doppel-Diary: Johannes von CHIPKO & Philipp von VRHN

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Johannes: Wochenende… Shuddimir and Chipkonnen … großes Kino! Spitzen Tennis… quasi eine Weltmacht aus Bierfontänen! Sammeln wir uns erst mal kurz nach diesem Wochenende mutantenhafter Phantasterei! Erst mal freie Assoziationen, bitte! Okay! Lange Haare, viele lange Haare, auch Bärte! Durchaus, auch Barthaar ward gesehen! Insgesamt äußerst angenehm, am Boden wälzen, Bier, Bier, Bier, Metal, Mosh, Heiserkeit, DAS FRÜHSTÜCK der Gerechtigkeit! … Metal, Punk, Crust, Mosh, Geballer! GEIL! Klassenfahrt… schlafen ist nicht sooo wichtig. Lieber wach bleiben, mehr Musik, mehr saufen, mehr reden und abfeieren und abgehen. Autofahren… einmal lang, einmal kurz, einmal lang… HH - B -> Postdam -> HH

 

Philipp: Gutes Omen in Rendsburg: Als wir im Supermarkt noch Getränke kaufen, treffen wir zufällig (unseren Ex-Gitarristen) Nils. Und der will auch gerade nach Berlin fahren – allerdings auf eine Hochzeit! Ob später noch die gesamte Hochzeitsgesellschaft aufschlagen wird?

 

Johannes: Die Orga! Über Facebook! Wir sind total modern! Hahahaha… Ich hole ein Mietauto ab… bei mir geht es ständig hin und her… ich bin seit Wochen in einem Zustand totaler Resignation und innerer Revolte und Auflehnung, weil ich an ‘ner Studie schreibe, die mir ganz schön egal ist. Wo ist mein Existenzialismus? War es das schon? Habe ich aufgegeben? NEIN! Hahaha… Ich bin da irgendwie reingerutscht, tja, jetzt sitze da an so ‘ner Bachelor-Arbeit, die dir eh nichts bringt, weil du damit auch nicht unbedingt weiter machen kannst…, dieses abgefuckte Shice-System!!! Was wird denn da gerade in der Uni gelernt? PANIK!!! Alle haben ne scheiß Angst, weil sie nicht wissen, ob sie GUT GENUG sind, um ihren MASTER zu machen! Seit der Bildungsreform ist der Konsum von Amphetaminen als „Lerndroge“ unter Studierenden angeblich fast verdoppelt. Nicht dass ich hier jetzt was gegen Drogen schreiben will. Macht doch was ihr wollt! Aber sich mit irgendwas zudröhnen, damit Du besser funktionierst?! FUCK IT! „Leistungsoptimierung“ ist das WORT! Hass! Die totale Selbst-Verarsche… ABER (!) es gibt ja noch die gute gute guuuute Musik! Wenn ich so angepisst in irgendsoeinem Seminar sitze und mir einbilde, ich lerne da gerade echt was richtig Interessantes, und dann kommen da manchmal Gestalten zu Wort, da verdrehste die Augen nach innen! Das coole ist, dass ich dann meistens denken kann: „Egal! Ich habe geile Leute am Start! Eure Freunde will ich gar nicht kennenlernen! Ihr redet über die letzte Sendung von Harald Schmitt oder wo es irgendso unwichtiges Zeug zu kaufen gibt, sowas… das ist mir einfach zu LANGWEILIG und LEER!!! Es gibt dann ja auch so Leute mit denen Du einfach auch mal so abgehen kannst. In diesem Fall mit Shudder and Spit und Vladimir Harkonnen und unglaublich netten Veranstaltern! Viiiiiiiiel besser!

 

Philipp: Das Streckermobil ist heute ohne Strecker unterwegs, der leider keine Zeit hat. Wie geil, dass er uns dennoch sein Vehikel leiht! Danke, Ollen! Den freien fünften Platz (eine Sitzbank fehlt teilweise) bekommt Fischi, in dessen Garage wir seit einiger Zeit proben. Er ist somit unser „Landlord“ und wird dementsprechend fürstlich von uns behandelt! Heißt: Wir trinken gern sein Bier, er darf den Merch-Stand verwalten, das Equipment schleppen usw…

 

Johannes: SHUDDER AND SPIT machen ne kleine Europareise und wir sind mit CHIPKO an diesem Wochenende dabei. Und wer kommt noch mit? VLADIMIR HARKONNEN! Monstergut! Kann ja nur ein Garant feinster Lebenskunst werden! Frisches Punkerblut und ein Urgestein in Sachen intelligentem Mosh! Und wir Pupsis dazwischen! Ich musste mich da leider etwas aus der Orga rausnehmen, da besagte selbst auferlegte Leistungsdruckartige Gewalt immer wieder meinen Körper vor meinem Schreibtisch festnagelte. 1000 kleine hyperaktive innere Lebensgeister mussten da immer wieder gezügelt werden. Ist nicht fair! IST NICHT FAIR!!! So, Ruhe jetzt! Weiterschreiben! Also, erst war die Idee mit Shudder and Spit nen Bus zu mieten, dann irgendwie doch nicht, dann war ich irgendwie von der Leitung, dann -> EGAL! Wir holen uns jetzt nen Mietwagen. Passt! Backline haben die ehrenwerten Vladis mit an Bord. 1000Dank! Anders wäre es kacke geworden! Hüte ab!

 

Philipp: CHIPKO speisen bereits, als wir beim Tommyhaus ankommen. Ich wusste es gar nicht, aber den Sänger Johannes kenne ich bereits. Die Welt ist klein und so. Später stelle ich fest, dass ich auch die CHIPKO-CD „Privileg Voliere“ bereits habe – Johannes hatte sie mir zusammen mit YRA (bei denen er Bass spielt) mal zugeschickt und leider sind die Dinger erst mal im Stapel noch zu rezensierender Platten verschwunden… Sehr nette Typen, die uns im Laufe des Wochenendes immer sympathischer werden.

 

Johannes: Die letzten Nächte bin ich immer bis 7 Uhr morgens wach, weil ich mit diesem wissenschaftlichen Humbug endlich fertig sein will, um zu feiern… wird aber irgendwie nix… es geht los! Ich fahre… Schlafzeit 5 Stunden, okay! Also, auf nach Berlin ins Tommyhaus! Wir stehen erstmal ‘ne Stunde im Stau. Egal… wir hören BREACH, BETA SATAN und ENTOMBED… alles geht! So, Tommyhaus… Roy empfängt uns, wir haben eh nicht so viel Kram dabei… ist schnell im Haus, parken, Essen und BIER!

Johannes: Cooooooooooool! Vladimir Harkonnen reitet wenig später auf Shai Hulud, dem Megalo-Sandwurm, in die Einfahrt. Hammer! Philipp kommt gleich grinsend an und sagt: „Moin! Ich habe richtig Bock auf die Konzerte!“ – Das denke ich auch schon seit Tagen! Schwer sympathisch! Meine Mutter sagte immer: „Der erste Eindruck zählt!“ Hahahaha…  

Philipp: Das Tommyhaus bringt Flashbacks der angenehmen Sorte zurück. Hier war ich nämlich mal mit BONEHOUSE (2004 mit RAWSIDE und SPITE). Gut in Erinnerung ist mir u.a. die gegenüberliegende Kneipe geblieben, die zu dem Komplex gehört und in der sich original gar nichts verändert hat. Gut! Das Tommy-Weisbecker-Haus steht seit fast 40 Jahren für selbstverwaltetes Wohnen und Leben, Genaueres könnt ihr hier nachlesen:  http://www.tommyhaus.org/archiv/geschischte.php

 

Philipp: SHUDDER AND SPIT haben sich schön innerhalb Berlins verfahren und sind einer anderen Wilhelmstraße gelandet, hehe. Eine hervorragende Steilvorlage, gemeine Diss-Sprüche beim Wiedersehen mit unseren Froind_innen aus Kiel abzulassen! Geilerweise haben sie schon ihre neue LP „Lunatic“ dabei, die ich euch nur ans Herz legen kann. Auch neu im Merch sind Ear-Plugs – natürlich mit SHUDDER-AND-SPIT-Logo…

 

Philipp: CHIPKO fangen an. Wa? Der Hammer, wieso hab ich mir deren Scheibe bitte noch nicht angehört? Wird am Sonntag SOFORT geändert. Eine Mischung aus PROPAGANDHI und EINMAL EIN GOTT SEIN könnte man sagen. Johannes geht hyperaktiv ab, die Band hat vertrackte Sachen drauf, die gleichzeitig auch irgendwie eingängig sind. Am besten gefällt mir an beiden Tagen so ein Anfangspart mit einem langen Schrei, der an Tom Araya erinnert. CHIPKOOOOOOOOOOO!

 

Johannes: So, wir machen Soundcheck, alles dufte, dann geht es auch bald los. Erwähnenswert ist eigentlich auch nur noch, dass ShudderAndSpit sich mit Navi verirrt haben und 20 Km weiter in ner Straße stehen die den gleichen Namen hat wie die vom Tommyhaus. Egal, wir spielen als erstes. Erst denke ich, hm… nicht soooo viele Leute da, und der Laden ist ganz schön groß, aber alle, die da sind, kommen vor die Bühne und alles macht total Laune. Ich schreibe nix über unser Konzert, außer dass wir verdammt viel Spaß hatten. Das ist sonst schräge. Vladimir Harkonnen spielen als nächstes. JA! Ich habe die noch nie gesehen. Das geht ab wie ne Rakete. Phillip geht ab Takt 1 gleich ab und ich denke: „Uuuuh! Soviel spontane Selbstbefreiung will ich auch!“ Eric spielt wie das Drumkit from Hell- Plug- In programmiert werden kann, nur gibt es keine Humanize- Taste, weil sie natürlich komplett unnötig wäre! Ich bin beeindruckt davon! Auch davon, dass er am Ende vom ersten Song so swirlige Beckensachen macht und dabei aufsteht, außerdem hat er Handschuhe beim Spielen an! ;) Es ist irgendwie alles so angenehm authentisch und wild. Die Ansagen kommen gut. Irgendwo zwischen „Sich losreißenden Fliegen, die vom Fliegenfänger wegwollen, aber „immer wieder festkleben“, über Politisches wie in Frontex Fuckers ist alle da. Der Song wird auch sofort mein Favorit, das Gitarrenriff am Anfang ist Killer, und inhaltlich wichtig. Cool! Philipp spielt immer mal wieder mit einer Bierkiste, wobei sich auch gerne mal am Boden gewälzt wird. Insgesamt ein wunderbares wildes, druckvolles Treiben und ur-sympathische Leute. Ach ja, ich habe dann erfahren, dass eine Gitarre weniger in der Kombo geschwungen wird als zuvor. Dazu kann ich nur sagen: „Ich habe nichts vermisst!“ Ein schönes, solides & ehrliches Brett von einer Kombo mit äußerster Spielfreude :D

 

Philipp: Es sind diverse bekannte und geliebte Menschen da. Andere weilen auffer Fusion und auf dem With Full Force. Auch gut. Unser zweiter Auftritt zu viert! Es klappt immer besser – Zarc und Andi haben in den letzten Wochen im Proberaum ein wenig an ihren Sounds gefeilt. Mir fällt nach dem Konzert auf, dass mehrere Leute Zarc auf Gitarren-Details ansprechen, die er gespielt hat. Am nächsten Tag auch wieder – ich glaub schon, dass das vorher häufiger gern mal im Gesamtgebrate untergegangen ist. Ansonsten haben wir – wie immer – einen Riesenhaufen Spaß und spielen viele neue Songs. Schließlich steht bereits eine Woche später der Studiotermin im Kieler Demolition Room bei Ulf Nagel und Greif Hellhammer an. Sveas Gürtel mit den ganzen Taschen dran erinnert mich irgendwie an den gelben Multifunktionsgürtel aus den ollen Batman-Comics, was natürlich auf der Bühne verkündet wird. Alle Besucher_innen können heute Nacht also beruhigt schlafen – ihr werdet beschützt vor Faschos und anderen Schwachmaten…Mir hingegen platzt ganz unsuperheldenmäßig die Buxe, und zwar wirklich der gesamte Hosenboden. Passiert halt auch mal. Dafür höre ich mich endlich mal wieder selbst! War bei einer ganzen Serie von Konzerten nicht der Fall und das ist immer etwas anstrengend. Heute aber: Alles fließt.

 

Philipp: SHUDDER AND SPIT dengeln danach gnadenlos drauflos! Ich find das so grandios, eine Band von ihren ersten Auftritten an zu sehen und dann mitzuerleben, wie sie immer besser wird. Das Songwriting und das Zusammenspiel sind deutlich flüssiger und sowohl live als auch auf der Platte rotzen SAS dir effektiv ihre Songbroschen ins Gesicht. Man höre nur mal „Disemboweled Mermaid“, „Fog Cities“, „Chase Us To Shower“ oder „Lunatic“. Räudig krustig und volle Kanne Punk, aber auch mit metallischen Einflüssen, dazu der rabiate UND melodische Gesang von Svea – haut richtig rein. Wir knüppeln uns natürlich das gesamte Konzert rein und hopsen vor der Bühne herum.

 

Johannes: Danach sind SHUDDER AND SPIT an der Reihe. Ich nehme etwas dünne Luft war. Nach dem Wüstenplanet ist es natürlich auch nicht soooo ne ganz leichte Angelegenheit, ein ordentliches Brikett in den Ofen der Wüstenei zu werfen. Ist aber kein Ding für die Band. Alle gehen ab und feiern das Konzert. Irgendwann war dann das Bier und der Schall und die Band so wild, dass ich gegen die Wand springen musste, woraufhin irgendwer mich huckepack nahm und herumwirbelte und eine kleine Kettenreaktion wirrer Tanzarten entstand. WUNDERBAR!!! Shudder and Spit mit neuer Platte am Start. Ja, die machen auch einfach derben Spaß! Der Abend wollte auch nicht so schnell enden. Es floss einiges an verdummenden und enthemmenden Liquiden in unsere Kehlen der Freude, und ich habe dann irgendwann die 1000 vom Schreibtisch unterdrückten Lebensgeister rausgelassen und irgendwie relativ doll alle zugeschwallert. Das passiert manchmal nach zu langer Zeit ohne gute Festlichkeiten. Naja, umso besser! Die Nacht ist Nacht und auch irgendwie egal. Es wurde gefeiert bis zum Morgen… Nächster Tag… alle sind hart verkatert, die Harkonnen-Liga ist aber wohl trainierter oder kennt geheime okkulte Praktiken, um die körperlichen Leiden zu überwinden. Jedenfalls waren die wohl ziemlich früh schon unterwegs. Da lag ich noch im Bett und konnte nicht aufstehen. Ich war doch recht doll zerrockt. Es sollte sowieso alles noch böser kommen… nicht unweit von Berlin finden wir uns alle wieder… im wilden Babelsberg…

 

Philipp: Danach heißt die Devise, früh ins Bett zu gehen, um morgen auch ja fit zu sein! Glaubt mir keiner? Okay, stimmt auch kein bisschen. Es wird brutal gefeiert, bis es verdammt hell ist, ich geb’s ja zu. Ich hab das Spritgeld für alle Bands in einem Briefumschlag in meiner Hose, der aber plötzlich irgendwie weg ist. Nach hektischer Suche in der ganzen Kneipe flutscht das Biest plötzlich aus meiner Hose raus – Loch inner Tasche, gut gegangen…

 

Kiel, Schabude – 03.05.2013

07.05.2013 von Philipp

Darum ist KEIN HASS DA

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Was ich an der HC/Punk und auch an der Metal-„Szene“ u.a. mag, ist die Tatsache, dass doch recht viele Menschen es nicht dabei belassen, Musik zu konsumieren oder zu produzieren – oft trifft man vielmehr auf dieses „give the scene something back“-Ethos. Wie viele Freaks schreiben nicht bei Zines, schreiben Bücher oder organisieren die weltweite Revolution? Besonders krass treibt es Karl Nagel, der als Mitinitiator der Chaostage, APPD-Kanzlerkandidat, Schundliterat, Comic-Autor und –Herausgeber, Sänger von Bands/Projekten  wie MORBID OUTBURST, MILITANT MOTHERS, dem IDIOTENKLAVIER und KEIN HASS DA sowie x weiteren Aktionen immer noch nicht die Schnauze voll hat. Nein, seit ein paar Jahren tingelt er durch die Gegend, untern Arm Scanner und Laptop, um Fotoarchive von Punkern einzuscannen und sie auf seine Seite PUNKFOTO (http://www.punkfoto.de/p/start.php) zu packen, mittlerweile laut Karl selbst „das weltweit größte Archiv historischer Punkfotos“.

 

Macht Spaß, mit dem Kerl endlich mal in Ruhe sabbeln zu können, nachdem ich bisher nur kurze Mail-Kontakte und Smalltalk auf Konzerten halten konnte. Nicht weniger natürlich mit Olli (siehe auch: EMILS), Rotter (den ich mit Bart fast nicht erkannt hätte) und dem Bassisten Toshi.

 

Klownhouse-Benny kocht sich in dem hellsten Backstageraum der Milchstraße ‘nen Wolf. Ich komme eigentlich pappsatt an der Bude an, kann aber die extra für Andi und mich geköchelte vegetarische Variante natürlich nicht einfach verschmähen. So’n Veggiesteak, dazu Salat mit lecker Dressing und herrlich schmonkige Fritten. Viel zu lecker, Benny, du Arsch!

 

Ob heute viele Leute kommen? Schließlich spielen in der Räucherei FINDUS, ROBINSON KRAUSE etc., in der Meierei FRAMES und GOLGI COMPLEX, auf dem MOSH IM MAI gar Paul Speckmann und MASTER und was weiß ich nicht noch alles. Ein echt gefragter Termin also heute, was keiner ahnen konnte. Irgendwie ist für uns Vladis diese Frage nebensächlich: Wir sind viel zu sehr gespannt darauf, wie es sich für uns anfühlen wird, nun zu viert zu zocken. Zu den Hintergründen zu Nils‘ Ausstieg bleiben wir bei Toffis Worten: „"Er wird sicher irgendeinen Grund haben. Viel wichtiger als Gründe (die vielleicht auch einfach persönlicher Natur sind) ist doch, dass er n freundlicher Freak ist, sein Austritt bedauernswert ist aber die Band glücklicherweise trotzdem weitermacht. Von daher freu ich mich auf Vladis mit vermutlich schrammeligerem Sound und hoffentlich neue Projekte von/mit Nils an der Klampfe."

 

Aber Benny kann sich peu a peu entspannen – mit schwindendem Tageslicht kommen Kiels Unholde aus ihren Katakomben gekrochen und freuen sich, BAD BRAINS auf Deutsch um die Lauscher geflankt zu bekommen. Dass es sich bei den Titeln ausschließlich um Kracher der D.C-Legende handelt, rafft eine Bekannte übrigens erst am Ende des Sets. Die Hamburger machen das sehr authentisch, finde ich. Von kleineren Gitarrenlicks über das treibende Drumming und den typischen Bassläufen bis zum H.R.-Kiekser stimmt jedes Detail. Ich war schon beim ersten KEIN HASS DA-Auftritt inner Lobusch 2009 begeistert und mittlerweile kommt die Chose dem Original gar noch näher. Karl tigert auf der Bühne herum, springt immer wieder urplötzlich in den Mob hinein, schreit, singt, flüstert und erzählt von der pma. Sehr geil auch die Idee, uns die Evolution der BAD BRAINS kurz zu veranschaulichen: „Erst klangen sie so“: Band stimmt gemächlich ein paar chillige Beats an. „Ein paar Jahre später dann schon so“: Waah, als hätte man plötzlich von 33 auf 45 geschaltet knattern die plötzlich los.

 

Was soll ich sagen: Wir hatten bereits auf den letzten Proben ein gutes Gefühl. Das klingt jetzt auch wieder komisch und soll auf gar keinen Fall bedeuten, dass Nils entbehrlich gewesen sei. Aber was soll man lamentieren? Zarc hat sich Gedanken gemacht, an seinen Einstellungen geschraubt und einiges umgestellt und Andi modifiziert auch gerade etwas seinen Sound. Es ist bestimmt nicht perfekt und lässt gewisse Lücken im Gesamtbild entstehen, schafft aber auch Raum für Dynamik. Davon ab reitet Eric sein Set mal wieder wie ein Berserker – allein das Schlagzeug-Inferno erzeugt genug Druck, dass wir uns um fehlende Power keine Sorgen machen müssen. Der Mob saut dann auch gut rum und wärmt unsere schmierigen Hardcore-Herzen mit Bierfontänen und Zerstörungspogo. Zu Jeff Hannemanns Tod (R.I.P.) rufen wir zu einer Gedenk-Schrei-Minute an. Alter! Wie laut gerät die denn bitte? Völliges Ausufern dann bei meiner Frage am Rande, warum sich Leute sinnlos in die schon 100 m lange Schlange bei Eis-Paradies stellen, obwohl um die Ecke überall andere Eis-Buden sind: Ein Typ greift sich das Mikro und hasst über die winzigen Plastikbecher ab, das ganze In-die-Schlange-Stellen wird als typisch scheißdeutscher Herdentrieb herausgestellt und der Mob erkennt: Eis-Meyer (oder Paradies? Auch egal) muss sterben, damit wir leben können! Was war noch? Viele neue Stücke, die wir noch nicht live gespielt haben und der eklige Geschmack von Radieschen-Rülpsern. Ach ja – und als ich mich gerade auf den Boden werfe, stranguliert mich jemand von hinten halbwegs snuffmäßig mit meinen Mikrokabel. Ein Eis-Meyer-Fan? Hrchz Archz!

 

Juhu, die VRHN-Vierer-Feuertaufe ist bestanden und knapp überlebt. Mit Dicki, Bocky, Seifert, Julius und dem ganzen Schaubuden-Team geht es weiter in den Hardcore-Ballroom und eine zerstörerische Nacht. Karl will allerdings schon um acht Uhr morgens einen Zug nach Bremen nehmen, um dort einen Punker zu besuchen. Scanner? Dabei!

 

Küsse an alle.

19.01.2013 / Bremen, Friese

21.01.2013 von Philipp

IT IS CRAZY

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„VLADIMIR HARKONNEN represents“? Diese Maxime gehört offenbar der Vergangenheit an, denk ich mir, als ich Nils Harkonnen vorm Proberaum aus dem Auto klettern sehe. In Schnellficker-Jogginghose. Die er auch das gesamte Wochenende über anbehält. Na ja, fuck lookism und so. Doch am Sonntagmorgen gesteht er uns etwas kleinlaut: „Also, ich hab ja etwas zugenommen... Nun passt mir zur Zeit nur eine meiner Jeanshosen. Die hab ich dann gewaschen und über die Heizung gehängt. Nur hatte ich mich um eine Stunde in der Zeit vertan und plötzlich stand Andi vor der Tür, um mich abzuholen"... 

 

In allerbester Laune verläuft die Hinfahrt. Mit an Bord heute neben den fünf Vladis natürlich der sechste Vladi Strecker sowie Hannes (AFFENMESSERRKAMPF, Ex-TACKLEBERRY). Wir streiten uns tatsächlich mal NICHT über die Musik, Zarc gelingt mit u.a. ZEKEs „Death Alley“ und MISFITS' „American Psycho“ 'ne gute Auswahl, die jeder durch lautes Mitsingen abnickt. Ist auch in dieser Personenkonstellation 'ne gute Sabbelrunde, in der zum Geschmack der Minze alberne und hart ernste Themen im Wechsel diskutiert werden.

Es ist ja kaum zu glauben: Nicht nur haben VLADIMIR HARKONNEN noch nie in Bremen gespielt, nein, ich persönlich hab dort tatsächlich bisher mit keiner meiner Bands gezockt! Zarc und Eric sind sich diesbezüglich nicht sicher, entdecken aber kurz nach unserer maurerpünktlichen Ankunft ein Plakat direkt an der Bühnenrückwand, welches bezeugt: KURORT, OPERATION MINDFUCK und eben GAINSAY! rockten vor 40 Jahren oder so bereits die Friese.

Die Friese! Wat gemütlich! Wat nette Menschen! Tati (aktuell INSONNIA, früher LOST WORLD, APOCALIPSTIX, TOURETTE SYNDROM, HIS IRO IS GONE...), Tina Trümmer und der gesamten Friesencrew kann ich hier nur bescheinigen, ein in allen Belangen perfektes Rundum-Wohlfühl-Paket abzuliefern: Fast das gesamte Equipment wird direkt aus Friese-Proberäumen gestellt, Pennplätze sind gleich oben im zweiten Stock, extrem leckeres Essen (veganer Auflauf de luxe, Salat inklusive) nach dem Soundcheck, am nächsten Morgen feistes Frühstück mit diversen veganen Brotaufstrichen (veganes Mett, veganes Rührei...). Die SHUDDER AND SPIT-Meute trudelt kurz nach uns ein, ein wildes Hallo, 'ne feudale Fressorgie und einen ausgedehnten Soundcheck später sind alle glücklich. 

SHUDDER AND SPIT legen los. Die Friese ist bereits gut voll. Auch nicht selbstverständlich bei zwei Kieler Bands. Diverse bekannte und geliebte Gestalten tummeln sich im Mob – ich sach nur IN IRATUS, Fred, Joni, Pape, Swantje, Ralf, Ballo, Ville... Hannes hat 'ne gemütliche Merchecke gebastelt und mercht wie ein Verrückter. Außerdem stellt er fest, dass er Sveas Onkel ist. It is crazy! SHUDDER AND SPIT sind seit dem letzten Mal, als ich sie genossen habe, deutlich geiler geworden. Und da sie damals schon geil waren, sind sie jetzt geiler als geil. Svea schreit nicht mehr ausschließlich, sie singt nu auch ab und zu mit klarer Stimme. Dass sie das draufhat, wusste bisher nur Hannes, da er vor zwei Jahren oder so mal die „Junge Bühne“ der Kieler Woche betreut hat und Svea dort als Singerin/Songwriterin 'nen Auftritt hatte. Da die Band, die nach ihr spielen sollte, aus unergründlichen Ursachen nicht auftauchte, bat er sie, den Gig zu verlängern. Klein-Svea damals: „Gern, ich kann aber nur noch EISENPIMMEL.“ Hannes: „Das... das ist ja GROSSARTIG. Spiel das UNBEDINGT!“ Jo, aber zurück ins Jetzt: Voll geil, wie schon gesagt. Räudig, schnell, punkig, aber auch ab und zu thrashig/metallisch. Da erwartet uns noch einiges!

Juhu, und schon ist VLADI-time. Im Bühnenbild hat eine Revolution stattgefunden. Andi steht jetzt nämlich... Trommelwirbel... nicht mehr auf der linken... erneuter Trommelwirbel... sondern auf der rechten Seite! Jaha! Also wirbelt er seine speckige Matte jetzt Zarc ins Gesicht statt Nils, und wir merken, dass ersterer dies mit ungleich höherem Gleichmut erduldet. Beim ersten Song fehlen komplett die Gesänge. Aber zum Glück grölen einige Gestalten auch so mit. Danach bekommt der Mischer es hin, obwohl der Gesang dennoch irgendwie etwas komisch klingt. Bisschen dumpf. Liegt vielleicht auch an mir, denn vor zwei, drei Wochen war ich erkältet und so derbe heiser, dass ich am ersten Januar gar nicht reden konnte. Aber irgendwie scheint das keinen zu stören. Wenn ich besonders kacke singe und mich danach jemand lobt, weiß ich ja immer nicht, ob ich mich darüber freuen soll, weil es keiner gemerkt hat oder ob ich mir lieber Gedanken über meine sonstige Leistung machen sollte... Den anderen hab ich nix vorzuwerfen, dat rüpelt alles herrlich aus den Boxen, wie es rüpeln soll. Eric Harkonnen scheinen unsere Schwärmereien von POWER-Kellings gestriger Knüppelei herausgefordert zu haben – der Hund scheint sein Set heute regelrecht zu bekämpfen. Am besten ist wohl das Ende des Konzis, als man uns nötigt, noch ein paar Stücke dranzuhängen und zu „Dreadnaught Fever“ und „Roadkill BBQ“ eine Bühneninvasion samt Bierfontänen und herumrempelnden Figuren über uns hereinbricht. Fred hat allerdings heute Pech: Während unseres Auftritts kloppt ihm jemand seinen Hinterkopf vor die Augenbraue, später segelt er noch arschwärts die Treppen herunter. Ansonsten tolle Stimmung. It IS crazy. Ach ja, Ansagen-Hass wird heute u.a. auf Menschen gerichtet, die in irgendwelchen Internet-Foren sonderbare Behauptungen aufstellen wie, wenn sie erst mal nicht mehr "Neger" sagen dürfen, sie dann den Mond wohl auch bald "die Mondin" nennen müssen. Herrenmenschenscheiße.

Zack und gut. Nach kurzer Pause geht es in ein tolles autonomes Zentrum umme Ecke namens Sielwallhaus, wo heute eine Cocktailbarsause steigt. Total lecker. Hannes holt Überraschungscocktails ran. Heißt: Jeder ist mal mit ‘ner Runde dran, Hannes geht zum Tresen und verlangt: „Sieben Überraschungscocktails bitte!“ Und kurz darauf bestaunt und beschmeckt man Drinks in tollen Überraschungsfarben. Svea und Max verblüffen alle mit ‘ner 1A-A-Capella-Version von QUEENs „Bohemian Rhapsody“. Textsicherheit und Timing verraten lange Übung.

Der Rückweg gestaltet sich trotz kurzer Strecke verdammt lang. Denn hier gibt es verdammt viele leckere Snackbuden und verdammt viele Leute in unserer Gruppe, die den zweiten oder dritten Hunger verspüren. Leider nicht gleichzeitig…

Jeder, der häufiger mit zehn Punkern in einem Raum geschlafen hat, weiß: Raubtierkäfige können sich nur wohliger anhören. Und wer schnarcht heute am lautesten? Svea! Wofür sie allerdings auch von der eigenen Band mit Flüchen bedacht und den eigenen Boots beworfen wird. Sie meint ja, es sei eine Reaktion ihrer Nase auf unseren Geruch gewesen. Auch plausibel.

Der Abschied am nächsten Tach fällt schwer, aber wir sind sicher: Wir kommen wieder, wenn wir dürfen! Perfekte Geschichte!

23.11.12 - Flensburg / Hafermarkt

26.11.2012 von Philipp

HORST SPIDER IHM SEIN GEBURTSTAG

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Wann hat man das schon, dass auf einem Konzert zwischen, nach und vor den Bands direkt weitergetanzt wird? Vielleicht liegt es an dem „Schnupftabak“, den Horst Spider offenbar europalettenweise zum Geburtstag geschenkt bekommt hat und den jeder Gast in die Nase gestopft bekommt?

Ja, ihr habt richtig gehört. Horst Spider hat Geburtstag und wir lassen uns natürlich nicht lange bitten. Da der Gute aber nicht so gern erwähnt wird, werd ich seinen Namen in diesem Tagebucheintrag höchstens nur noch einmal nennen!

Wir kommen spät, aber noch rechtzeitig für ein paar Getränke, vegane Spagetti Bolognese und ein paar Vinylaberntungen. Schließlich haben noch nicht alle Vladis alle MR-BURNS-Tonträger – ein Umstand, den es abzuschaffen gilt. Und schön auch, dass ich jetzt zur lebendigen Tauschbörse geworden bin: Ohne Vorwarnung drückt mir ein Punker eine SKID-MARKS-LP („Live It Out“ – geil!) in die Hand und verlangt fünf Euro: „Kalle sagt, du legst das aus und er holt sie irgendwann bei dir ab!“

THE DOCKYARD springen für die mächtigen OI!TERCREME ein. Gut, aber kacke. Also, natürlich ist es nur kacke, dass Kolja sich wohl zwei Rippen gebrochen hat und wir deswegen nicht in den Genuss einer Oi!tercreme-Show kommen. THE DOCKYARD sind aber geil! Am Mikro Jan Kamradek, den man z.B. von DISABLED kennt. Ich denk noch, dass Jan einen ähnlichen Klamotten-Style wie sein verstorbener Bruder Max „Vadder“ (R.I.P.!) habe, aber es stellt sich heraus, dass dat tatsächlich DIE legendäre Joggingbuxe ist, die Vadder zum Beispiel beim legendären Tresenkonz von THOSE TWENTYTWO COLTSUCKERS im Lehmitz getragen hat (http://www.vladimirharkonnen.de/index.php/diary_eintrag/items/hamburg-lehmitz-.html)  - DAS nenn ich mal Tribut zollen. THE DOCKYARD rüpeln rabiat aus den Boxen, ernnert mich bisweilen an RAISED FIST, wobei Jan insgesamt tiefer singt. Schön evil, und trotzdem mit einem strahlenden Lächeln vorgetragen. Super!

MR. BURNS hab ich viel zu lange nicht mehr live gesehen, das letzte Mal muss auf Bockys dreißigstem Geburtstag gewesen sein und wenn ich den Kerl so vor mir sehe, müssen das EWIGKEITEN sein. MR. BURNS pumpen eine Wolke Punkrock-Euphorie in die Hütte. Vorne wird es eng und der Mob tanzt. Selbst der Plattenverkäuferpunk, der auf die Bühne springt und Knott den Lappen in den Rachen steckt, kann die Band nicht aus der Fasson bringen. Wie auch. Es ist Liebe! Gunnar am Schlagzeug zu ersetzen, ist bestimmt auch nicht leicht, aber der neue Typ, Malte, bekommt das top auf die Kette. Mit jedem Song wogt der Mob ekstatischer hin und her, die Vladis mittendrin, so dass wir danach verwundert gucken, als man uns bittet, aufzubauen. Da war doch was? Ach ja, wir sollen ja auch noch zocken!

Ich bin zum Glück kaum vom Umbaustress betroffen und tanze einfach zwischen tollen Leuten vor der Bühne weiter, im Anschluss zu MR. BURNS kommt ein Hammer nach dem anderen aus der Dose (DEAD KENNEDYS, SLAYER, MUNICIPAL WASTE…). DJ Äh Nö und DJ Bert ham es drauf.

Beim letzten Hafermarktauftritt habe ich gemerkt, dass dieses AZ einer der gefährlichsten Orte der Welt ist. Nur aus reiner Liebe zu Ich-darf-den-Namen-ja-nicht-so-oft-sagen wagen wir uns überhaupt wieder hierher. Denn: Die fiese Stufe vor der Bühne IST gar keine Stufe, sondern eine Stufenattrappe, die beim Draufhüpfen umknickt. Die Folge war: Ein Flachköpper und ein grünblau geschwollener Schädel. Heute geht aber alles ohne größere Blessuren über die Bühne. Nur meine Frisur ist irgendwann runiert, traditionell das Zeichen, dass wir aufhören müssen (deshalb auch die Drei-Song-Regel für Fotografen bei unseren Konzerten). Okay, ich soll nicht so viel Unsinn schreiben: Herrliche Geschichte, Leute fallen auf mich drauf, Zarcs Effektgeräte werden von einem Bier-Tsunami und nackten Punkern überschwemmt – Alltag im Hafenklang?

Nein, nicht ganz – alle schwärmen noch im Verlauf des Abends, wat ‘ne herrliche Feier hier über uns hereinbricht. Der Beweis: Noch Tage später schwirren Anfragen wie "Pullover gefunden!", "Handy verloren!" etc. durchs Zwischennetz.

Immer wieder gern! Auch ohne Schnupftabak. Danke HERR SPIDER und alle Hafermarktmenschen, Danke Besucher_innen, Danke THE DOCKYARD & MR. BURNS!

26.10.2012 - Hamburg / Marx RECORD-RELEASE-GIG von DEVIL'S DAY OFF

29.10.2012 von Philipp

'OVER THE YEARS... UNDER THE RADAR'

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Releasegigs sind generell eine feine Sache – die oft jahrelange Arbeit einer Band manifestiert sich in einem Tonträger, der in einem rauschenden Fest von den Urheber_innen und ihren Sympathisant_innen freigelassen wird. Und in diesem Fall hat die verantwortliche Band DEVIL’S DAY OFF besonders viel Liebe in den Tonträger gesteckt: Vinyl only, 180 g, Klappcover, feister Pappeinleger, Downloadcode und verschiedene Vinylfarben (schwarz, orange und orange mit "mist", also rauchigen Schlieren). Das Ganze streng limitiert auf 100 Stück! Deswegen ist der Einzelpreis auf den ersten Blick mit 20,- Euro hoch, aber eben auch gerechtfertigt. Die besondere Liebe der Band zur Platte zeigt sich auch darin, dass Drummer Moritz einfach aus Bock nach Karlsruhe ins Green-Hell-Presswerk gefahren ist, um der Pressung beizuwohnen. Er erzählt uns viele Details vom Presshergang, aber es wäre wohl sogar hier an dieser Stelle ZU nerdig, das wiederzugeben...

 

Geil, dass die Jungs also endlich ihren langersehnten Longplayer raushauen. Und dass sie dafür die Instrumental-Doomer SHAKHTYOR einladen. Und uns! Eine krasse Mischung voller Stilbrüche? Scheißegal, sagen DEVIL’S DAY OFF: „Mag sein, das manch eine/r das für eine krude Mischung hält, aber es geht nicht darum, Genreklischees zu erfüllen, sondern einen guten Abend lang mit tollen Bands zu feiern.“

 

Ein weiteres Kuriosum: Nebenan in der großen Markthalle spielen FIELDS OF THE NEPHILIM. Die sind wohl seit zwanzig Jahren nicht mehr hier gewesen und das Ding ist glatt ausverkauft. Wir sind echt mal baff, als sich über den Abend mehrere Leute bei uns zu Wort melden, dass sie eigentlich nur zu FOTN wollten, zufällig gesehen haben, dass wir im Marx spielen und sich mal eben ein zusätzliches Ticket geholt haben, um Clubhopping zu betreiben.

 

Da Kai (v bei DDO) in der Markthalle arbeitet, dürfen wir den Kunstraum (die ehemalige „kleine Markthalle") als Backstageraum nutzen. Der Chef weist uns allerdings darauf hin, dass AUF KEINEN FALL Gäste mit in diesen Bereich genommen werden. Eine schlimmere Todsünde sei höchstens noch das Bekleben der Toiletten mit Bandaufklebern. Kaum ist der Kerl aus dem Raum, stürmt ein alter Lübecker Bekannter zielsicher die Treppen hoch, begrüßt mich stürmisch (wenn auch falsch) mit einem bierseligen „RALF!“ und macht es sich bei uns gemütlich. Und er soll nicht der einzige bleiben…

 

Das Marx ist erfreulich voll, als wir loslegen. Das hat man als erste Band in Hamburg um 21.15 Uhr nun wirklich nicht immer. Eine ganze Menge Bekannte_r werden gesichtet – ich zähle bei flüchtigem Blick EMILS-Sven, Vaddern Wyrembek, Sohn Wyrembek, Rahel, Doom-Metal-Front-Wiebke, Battermann, Fred, Joni (und die ganze Truppe – auf EUCH ist echt Verlass!), Dierk Prochnow, Daniela, Stefan Bieg, Dirk Osterwald, Suzii, Bürgermeister Flücki… Schöne Mischung, zumal einige dieser Leute uns bereits dreißig Mal oder so gesehen haben, andere uns dagegen noch nie. Naja, was soll man sagen, heute stimmt irgendwie alles. Sound auf und vor der Bühne, Atmosphäre, Bock (ich bin fast sicher, dass ich Nils hüpfen sehen hab)… Wir zocken so zur Hälfte neue Biester, zur Hälfte alte Viecher. Da wir theoretisch 45 Minuten Zeit haben, wir für das Programm neulich aber ca. eine Stunde gebraucht haben, sabbele ich einfach etwas weniger – und das haut dann offenbar auch hin. Vor Begeisterung fällt Eric am Ende glatt vom Drumhocker.

 

Danach luschere ich mal kurz bei FIELDS OF THE NEPHILIM rein. Doch was ist das? Als ich mich erfolgreich am Türmenschen vorbeigemogelt habe, hört die Band auch schon auf und verlässt die Bühne. Hä? Kann doch erst kurz nach 22.00 Uhr sein. Tatsächlich gibt es dann nur noch zwei Zugaben und das war’s. Die beiden Songs kommen typisch – massiver Doubebassteppich, Carl McCoys abartige Stimme. Allerdings auch irgendwie etwas einschläfernd und klanglich suboptimal.

 

Also zurück ins Marx, wo SHAKHTYOR ihren DOOM zelebrieren. Wie nur wenige Bands schaffen es die Hamburger (z.T. Ex-DEVIL’S DAY OFF), dass die Stücke auch ohne Gesang interessant bleiben. Ein Mördersound, der den von FIELDS OF THE NEPHILIM locker in den Boden stampft. Der Mob bleibt fett bei Stimmung und genießt offenbar die stilistische Vielfalt des Abends. Die Bergmänner haben irgendwann ihre Stollen bis zum Anschlag getrieben und geben die Stafette an die Gastgeber weiter.

 

Wer Liebe sät, wird Liebe ernten. Hat bestimmt mal irgendwer gesagt. DEVIL‘S DAY OFF ernten reichlich. Ich bin begeistert, wie sich DDO über die Jahre gesteigert haben. Ich kann mich noch gut an frühe Auftritte erinnern, bei denen Kai „sich allerdings jeglicher Bühnenshow verweigerte und es schaffte, den berühmten Bierdeckel-Radius noch zu unterschreiten“ (aus einem 2003er Review von mir bei Dremu, haha). Heute sprühen die Rock’n’Roll-Funken nur so und der hin- und herwogende Mob skandiert mit. „That’s why they call me a roller, that’s why they call me a rocker“, „I Hate Nicke Andersson“, herrlich! Es ist schwer auszumachen, wer mehr Spaß hat – Bandmitglieder oder Publikum…

 

Leider muss auch dieser Abend irgendwann ein Ende haben und so springen die einen in ihre Autos, die anderen ins Bett und wieder andere in die nächste Kneipe.