DIARY

Düsseldorf, AK47 - 05.09.2014

08.09.2014 von Philipp

This is Flingern not L.A.!

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Gerade mal drei Tage vor diesem seit langer Zeit geplanten Wochenende erfahren wir, dass der Auftritt am Samstag in Göttingen nicht stattfinden kann. Ballo hatte schlicht eine Mail übersehen, dass es in Göttingen terminliche Überschneidungen gab – das Konz war im Grunde bereits seit zwei Monaten abgesagt… Wird natürlich nachgeholt.

Unfasslicherweise erreicht uns am selben Tag rein zufällig eine Anfrage, ob wir nicht auf dem ANARCHISTISCHEN SOMMERCAMP in Weißenmoor spielen wollen. Wollen wir! Gefragt hat Ole aus der Villa Rotenburg – besten Dank dafür.

Somit geht es bester Dinge ab nach Düsseldorf. Ich muss zunächst direkt von meiner Schule in Timmendorfer Strand nach Hamburg donnern, weil wir ansonsten viel zu spät gekommen wären. Strecker hat sein Streckermobil bereits am Vortag Eric geliehen, der meinen ganzen Kram dann schon abgeholt hatte. Ich treffe mich also in HH mit Strecki und wir schaffen auch nur ein Bier in einem Asi-Biergarten, als die vladiistische Horde eintrudelt. Mit an Bord: Tobiarsch Doomhammer.

Sechs Stündchen Fahrt vergehen in derart angenehmer Gesellschaft natürlich wie im Flug. Irgendwie isses schon dunkel, als wir in Düsseldorf ankommen. Wir treffen Meyer 77, der uns eingeladen hat und das Flingern-Festival seit Jahren (mit)organisiert. Außerdem vor Ort: die weltbeste Anja, unser Coverkünstler Fritte (so ein geiler Typ!), mein Bruder Motitz, Samson und Kollege, Ex-GAINSAY-Bassist Nico (also ein früherer Bandkollege von Eric und Zarc).und weitere alte und neue Bekannte. Noch vorm Auftritt gibbet lecker veganes Gulasch mit Nudeln. Dadurch verpassen wir leider fast gänzlich KACKSCHLACHT, aber ich hab so’n Hunger, dass ich echt erst mal fressen muss. Ein paar Songs sind natürlich trotzdem noch drin und machen schon Laune – das rumpelt, das knattert, das röhrt und krächzt. Dazu noch super Texte, wie man bereits an Titeln wie „Das ist kein Punk!“ oder „Arbeiten/Saufen“ erkennen kann.

Von FRONT bekomme ich ebenfalls wenig mit, da es einfach zu schön ist, mit den erwähnten Leuten abzuhängen und zu sabbeln. Ein kurzer Eindruck lässt mich erkennen: Ganz geiler 80er Punk, der mich etwas an MALE erinnert. Auch hier deutsche Texte, die mich wiederum an TREND denken lassen. Muss ich mir unbedingt mal in Ruhe ansehen!

Irgendwie hab ich heute Bock. Die anderen meinen später, dass ihnen die Fahrt noch in den Knochen in den gesteckt habe. Aber anzuhören oder anzusehen ist das meiner Meinung nach keinem meiner Mitvladis. Gut, ich kann aber auch nicht auf derartige Feinheiten achten, bin ich doch zu sehr damit beschäftigt, mir und anderen das Mikro auf den Kopp zu hauen. Hach, eigentlich gibt es doch nichts Schöneres, als zur eigenen Mucke durchzudrehen und in strahlende Gesichter zu blicken. Der Mob ist guter Dinge, das Flingern-Festival ist (wie immer wohl) gut besucht, auch bei uns ist es gut voll, obwohl wir heute sicher nicht jeden Geschmack treffen. Wir fangen mal mit „Dreadnought Fever“ an, kloppen „Roadkill BBQ“ hintenran und haben so einen schönen Start. Von der ersten Platte gibt es mittlerweile nicht mehr viel in der Setlist, aber „Divorce Divine“, „Not Even Close“ und natürlich „Party Of The Damned“ sind heute immerhin dabei. Mir machen heute „This Ain’t A Lovesong“ und „Frontex Fuckers“ am meisten Spaß. Zu „Frontex“-Komplex gibt es ja gerade derart widerliche Neuigkeiten (noch mehr Kohle für die „Verteidigung der EU-Außengrenzen“…), dass man gar nicht genug Gift und Galle spucken kann.

Die Party danach findet für uns vor allem an unserem flugs aufgebauten Merchstand statt. Fritte kommt längs und wir planen schon mal locker die nächsten Coverideen. Mit Fritte kann man immer aufs Herrlichste brainstormen. Übrigens haben Paläontologen gerade einen Saurier rekonstruiert, den sie dann „Dreadnoughtus“ genannt haben, wie Fritte erzählt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/forscher-rekonstruieren-gigantischen-sauropoden-a-989796.html

STRONGBOW verpass ich nahezu komplett, da ich an unserem Stand weile. Von draußen klingt das gar nicht schlecht, die Typen sind sehr nett, wir sabbeln und tauschen noch Platten.

Zu I KNOW zieht es mich in den Schuppen. Boah, da kommt aber ‘ne WUT von der Bühne! Die Weißrussen sind auch sauer, das ist mal klar. Die Sängerin klingt sowas von angepisst, dass man fast erleichtert ist, wenn sie zwischendurch ihren Gitarristen angrinst. Der andere Gitarrist erklärt zu fast jedem Stück, worum es geht, was mich sehr fesselt und berührt. Die Kolleg_innen haben sehr ähnliche Themen wir. Es geht um soziale Kälte, Faschismus, den Kampf für autonome Strukturen oder die Entfremdung durch Arbeit. Hammerauftritt!

http://iknow.bandcamp.com/

Irgendwann geht es zu Kai, der angeblich 10 Minuten Fußweg entfernt wohne. Wer immer für diesen Weg zehn Minuten gebraucht hat, ist ihn jedoch nicht mit Strecker gegangen… Und nach ca. einer Stunde Fußmarsch passiert es: Strecker stürzt über eine Verkehrsinsel, segelt mit ausgestrecktem Bier-Arm locker einen Meter durch die Luft und knutscht unsanft mit einem Tom-Warrior-„Ugh“ den Asphalt. Das anfängliche Gelächter verstummt schnell, als Strecker sich gar nicht mehr rührt und sich langsam eine große Blutlache um sein Gesicht bildet. Aber Fehlalarm! Es handelt sich lediglich um eine Pfütze. Zum Glück! Irgendwann ist der Gute mit vereinten Kräften wieder aufrecht gestellt und wir finden nur ein paar Schrammen. Respekt: Das Bier ist unversehrt und kaum ein Tropfen verkleckert!

Danach wird bis ca. 7.00 Uhr noch gefiert und diskutiert. Unser Gastgeber ist der Hammer und kann zum Wodka sogar Rhabarbersaft anbieten.

Bis morgen!

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