DIARY

Elmshorn, Punkerhaus - 15.02.2014

23.02.2014 von Philipp

Stinking Up The Night

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Netterweise hat uns Kat ihre Bude zur Verfügung gestellt. Im Nachhinein hätten wir auch bei Menschen aus der Veddel-Orga pennen können, was aber irgendwie im Vorfeld in unserer Kommunikation untergegangen war. Gut daran war aber auch, dass Kat so trotz Einlassstopp noch reingekommen ist – „Ich hab aber die Schlüssel zur Wohnung mit, in der eine der Bands schläft!“ Kat ist schlau und lässt uns ihre Bude vollstinken, während sie selbst bei ihrem Freund nächtigt.

Morgens ist sie dann mit feistem Frühstück am Start. Wir können uns immerhin damit revanchieren, ihre Kaffeemaschine repariert zu haben, die eigentlich als kaputt eingestuft war. Nachdem wir gefrühstückt haben und Strecker irgendwann sogar eine Hose anhat, rollen wir noch zum Fischkopp Plattenshop. Dort haben wir Glück – eigentlich wollte ein Mitglied des Fischkopp-Kollektivs nur was aus dem Laden holen, aber als er unsere gierigen Augen (kreisrunde schwarze Scheiben statt Pupillen) sieht, lässt er den Schuppen na klar kurz geöffnet.

Warme Begrüßung im Punkerhaus! Unser Besuch heute ist eh ‘ne Herzensangelegenheit, schließlich wohnt Flupp hier, der mit FRONTCORE eines der Labels verkörpert, welche DIE BLAUE PLATTE raushauen. Danke, Flupp!

Dank gebührt auch KOLLMARLIBRE, welche heute große Teile der Backline stellen und mit uns zocken.Und Steini, der Flupp zufolge mit am meisten für diesen Abend organisiert hat.

Wie beim letzten Mal ist auch das Essen exquisit. Wir hatten schon gehofft, dass Chilli wieder kocht. Es gibt vegane Bolognese und Fleisch-bolo. Ist ja auch wirklich selten, dass die vegane und die Fleischvariante angeboten werden. Dazu wird frisches Basilikum gereicht, x Gewürze und schmackofatzige Pesto. Wir drehen durch und fressen, was dat Zeug hält.

KOLLMARLIBRE zocken Skapunk, was zwar nicht ganz meine Richtung ist, aber hier hält sich der Skafaktor eigentlich so in Grenzen, dass man es auch einfach deutschsprachigen Punk nennen könnte. Außerdem sind die Typen alle sehr sympathisch. Positiv fallen mir die Texte auf, die durchweg kämpferisch und engagiert sind. Zum Beispiel ist ein Stück von Heines „Webern“ beeinflusst. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch – wir weben hinein den dreifachen Fluch!“. Gänsehaut. Und Humor hamse AUCH noch: „Distemper hat Hunde, Ska-p hat Katzen, Kollmarlibre hat Pinguine“. Geil ist der Mercher, der eigentlich den ganzen Abend hinterm Merchtisch nur schläft. Ob der mit Strecker verwandt ist?

Bis wir spielen, haben wir so ziemlich jede_n Bewohner_in/Besucher_in des PUNKERHAUSES kennengelernt. In Erinnerung bleiben wird mir ein Typ, der „früher Ayatollah Rock’n’Roller“ genannt worden sei, 25000 Schallplatten besessen, aber „aus Gründen“ verschenkt habe. Und der Typ, der auf der einen Seite seines rasierten Schädels die Worte „Born to kill“ tätowiert hat – und auf der anderen „Meat is murder“. Hagi von INSIDE JOB und vom SCHEISZE Fanzine ist auch da und begleitet den Abend wie gewohnt investigativ, drückt mir auch die neueste Ausgabe in die Hand, welche ein großartiges Cover mit Uschi Obermaier druff sowie viele großartige Geschichten/Intis etc. besitzt.  

Ja, es geht endlich looooos! Wir beginnen mit „Reign In Vlad“, ich nutze die Chance und mache schnell einen Bodenroller, bevor der Mob mir kerinen Platz mehr dazu lässt. Ich spüre, wie mehrere feuchte Substanzen und auch spitze Gegenstände durch Kutte und Shirt drängen. Weiter geht es mit „Roadkill BBQ“ – wir sind gerade im Mittelteil, als plötzlich alles ganz dunkel wird. Und auch ganz leise. Bis aufs Schlagzeug. Also bin ich nicht tot oder so. Es ist lediglich ein Stromausfall. Oder ein vom Krach genervter Bewohner hat die Sicherung rausgekloppt. Ob der Strom zurückkehren wird? Wenn ich ehrlich bin, seh ich bereits aus wie NACH einem ca. 90-minütigen Auftritt. Mehrere Rutschen Bier sind über mich ergangen, durchgeschwitzt bin ich auch schon. Man hätte also bereits positiv bilanzieren können… Eric gibt aber nicht auf und fräst uns eine Art Schlagzeugsolo um die Ohren, von dem mir selbige jetzt noch bimmeln. Aber da geht das Licht auch schon wieder an! Irgendwie hat das den Mob nur noch mehr angestachelt, ab jetzt herrscht durchgehend Pogo-Alarm und es ist kein Bodenroller mehr möglich. Die Leute brüllen amtlich mit, allen voran Flupp, der offenbar heimlich vorher geübt hat. Deshalb spielen wir heute sogar beide Coverversionen – EXODUS und LARD.

 

Wunderbarer Auftritt, da hat heute alles gestimmt. Wir können uns gar nicht lösen, trinken noch etliche Humpen, aber irgendwann muss das Streckermobil ja zurück durch die Nacht donnern. Möge das Punkerhaus bestehen bleiben (es gibt wohl finstere Kräfte, welches seine Existenz bedrohen)! Danke Flupp, Chilli & alle Bewohner_innen, Besucher_innen, Kollmarlibre etc.!

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