DIARY

Flensburg, Hafermarkt – 25.11.2016

09.12.2016 von Philipp

Endlich 45!

Dieser Auftritt scheint zunächst unter einem schlechten Stern zu stehen. Denn Tobi wird auf einem Wochenendseminar („So kommunizieren Sie zielgerichtet“, habe nichts mit der Band zu tun, sagt er) geknechtet. Und ich stelle irgendwann fest, dass just an diesem Tag der traditionelle Weihnachtsbasar an unserer Schule stattfindet. Aber Horstgeburtstag ist nun mal Horstgeburtstag – da darf es keine Hindernisse geben! Es wird halt die reduzierte Vladi-Viererkeule geboten und ich bummele mit der Bahn hinterher – mein Geröchel beim Soundcheck wird ja wohl irgendwer imitieren können.

 

Knapp wird die Kiste aber schon, zumindest wenn mensch wie ich auch alle anderen Bands sehen will. So kann ich gerade von meinen Lehrerverkleidungsklamotten in eine Kluft steigen, die normale Menschen tragen, da beginnen auch bereits SCHÖNER STERBEN MIT HEROIN UND KORN.



VRHN

 

Ich drängele mich vor die Bühne und gebe mich dem Genuss hin. Die Lübecker*innen zocken Deutschpunk, der direkt ins Hirn schießt. Das rumpelt schön stumpf und „klingt wie ein asozialer Faustkampf“, wie Ullah in der aktuellen Bombe schreibt. Besonders gefallen mir die spackigen Moves des Sängers. Aber auch die Ansagen sind super, denn die Band hat mit Yuppies, Klerikern, Bleigießspießern und Nestlé-Ausbeutern klare Feindbilder. Auf ihrer Homepage bieten sie sogar ein Brettspiel an („Das Spiel des Sterbens - handgemacht und alkoholgeprüft. Traut Euch!“). Ob man bei den Ereigniskarten abwechselnd Heroin und Korn konsumieren muss?

 

DAS GERHARD HANSEN QUINTETT betritt die Bühne und ich kann mir nicht helfen: Die Typen kommen mir doch irgendwie bekannt vor? Aber die Klamotten bewirken einen gewissen Verfremdungseffekt. Denn es gibt Hemden, Anzüge, Krawatten und watnoch. Und die Dinger sitzen sogar, da wurde nicht einfach der jeweils ältere Bruder rausgekloppt. Hier dreht der Mob jetzt frei: Das Quintett flirtet mit Schlagern, die in pogotauglicher Manier gecovert werden. Und zwar richtig fiese Biester wie „Tränen lügen nicht“, „Verliebt in den Lehrer“ oder „Liebeskummer“. Als Freund ausführlicher Ansagen punktet der Sänger bei mir massiv: „Wenn ich euch so anseh – ihr kennt euch mit Liebeskummer auch aus.“, „Der nächste Song geht um Strand und wir wissen alle: Sex am Strand, das taugt nix! Heißer Sand, Alter!“ Der Schuppen ist optimal gefüllt, die Stimmung am Siedepunkt und Gebukind Horst Spider lächelt glücklich debil. Geil!

 

 

VRHN

 

 

Für die nächste Band verbannt mich Eric an den Merchtresen. Angeblich weil er irgendwas aufbauen müsse. Alter Trick, ich fall drauf rein. So kann ich KEVIN PASCAL nur von hinten sehen. Aber sogar von hinten sind sie schön. Und toll ist ja auch, dass man überall stolpernde Leute sieht, denn diese Stufen im Hafermarkt sind echt höllisch, zumal die Kombi zwielichtige Beleuchtung und Ölaugenmodus die Unfallgefahr deutlich erhöht. Seit dem letzten Gig, den ich von den Flensburgern gesehen habe, haben die ein Album mit dem cleveren Titel „Bunkerschelle“ rausgehauen (ich Idiot vergesse, das Ding heute abzuernten). PESFTFEST-Schlagzeuger Malte keift sich geil wütend durch den flotten Hardcore/Punk. Das geht ab wie Sau, da hat Horst Spider bei der Zusammenstellung mal wieder einen hervorragenden Geschmack bewiesen.

 

Ich schätze es ja sehr, dass in Läden wie dem Hafermarkt ein Konzert so richtig schön lange geht. Dat ist noch Punk, da wird nicht um 23.00 Uhr Schluss gemacht (mir ist gleichzeitig auch klar, dass es Läden wie die Schaubude gibt, in denen es nicht anders geht). Einfach die ganze Nacht durchziehen, gefällt mir. Wir feuern daher auch die Setlistvariante in „Rock-In-Rio“-Länge. Am Ende werden gar einige Stücke nochmal gezockt, weil irgendwie alle noch Bock haben und wir in der Viererbesetzung auch nicht alle Vladisongs spielen können. Dazwischen gibt es Faustkämpfe auf der Bühne, abgebrochene Songs wegen Gitarrenverstimmung durch Bühnenkollision, Bodenroller, Mikrogedresche auf wehrlose Bassistenköpfe… - ein reines Fest also. Nur eins enttäuscht: Als ich mir eine Topfpflanze zum Bespielen von der Wand reißen will, muss ich feststellen, dass diese eisenhart mit Draht an der Wand befestigt ist. Skandal. Die letzten zwei Songs sind dann unser Geburtstagsgeschenk an Horst Spider (das ganze Konzert zu verschenken wäre schließlich übertrieben). Wie schön, dass Horst geboren ist, wir hätten ihn sonst sehr vermisst!

https://www.youtube.com/watch?v=gm33t1loMs0


VRHN

 

Danach gibt’s noch DJ-Action, aber irgendwann hab ich auch 26 wache Stunden am Stück auf der Uhr und wir trollen uns. Wenn Horst uns echt WIEDER einlädt, kommen wir glatt nochma zurück! Danke für alles!

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