DIARY

Gießen, AK44 – 06.10.2018

09.11.2018 von Philipp

UNLEASHED IN GIESSEN

Von Göttingen nach Gießen ist es nicht so weit, sodass selbst nach einem Vladi-Wellness-Schläfchen noch Luft und die Frage bleiben, was wir vorher unternehmen wollen. Plattenladenbummel? Museum? Am Kopf kratzen? KRATZER wollen baden gehen, was auch sehr verlockend erscheint. Doch wir entscheiden uns für ein wenig Sightseeing: Ab nach Kassel und mal rauf auf die olle Wilhelmshöhe! Das Biest ist immerhin vor ein paar Jahren als Weltkulturerbe anerkannt worden. Von Bekannten wissen wir, dass der Aufstieg recht schweißtreibend sein solle. Das stimmt in der Tat! Als wir schließlich vor der Herkules-Statue stehen, geht allen die Pumpe, zumal es heute recht warm ist. Aber es hat sich gelohnt, herrlicher Anblick, schicke Ruinen und immer wieder die Chance auf ein albernes Bandfoto.

 

 

WilhelmshöheWilhelmshöhe

 

 

Yeah, im AK44 haben BONEHOUSE auch mal mit RAWSIDE gespielt, 2003 war das. Witzigerweise hatte Dennis, der das heutige Konzert veranstaltet, auch vor 15 Jahren die Finger mit im Spiel. Die heutige Veranstaltung findet im Rahmen der „Merciless Metal Massacre“-Reihe statt, es ist die neunte Edition. Leider kommen nur so 20 zahlende Gäste. Aber ich bin sicher, dass von denen alle Spaß haben. Mindestens der Typ, der schon nach der ersten Band (heute KRATZER) auf einer Bank liegt und pennt!

 

 

In der Küche wird geschnippelt und kleingehackt – es gibt Wraps zum Selberbelegen. Auch geil: Pennplätze befinden sich direkt im AK44, also kein endloses Stolpern durch die Innenstadt, beladen mit Schlafsack, Isomatte, Wegbier, Tasche etc., zu einer Punker-WG, die „nur 20 Minuten entfernt“ sei. Allerdings haben wir lediglich einen Raum zur Verfügung, der später bis auf den letzten Zentimeter belegt wird.



Kratzer

 

 

KRATZER demolieren wieder alles und knüppeln jede Visage ein. Henning scheint heute noch einen draufzusetzen und malträtiert sein Kit mit Vehemenz. Die wenigen Besucher drehen durch und schnappen sich mehrfach Schreigräte Marco, um ihn in die Luft zu werfen und crowdsurfen zu lassen. Dengel!

 

 

Mittlerweile verstehe ich immer mehr Texte bei SARKAST, zumal Dan stets interessante Ansagen dazu macht. Bei einigen Songs fällt Andi und mir auf, dass er wie ein ganzer Schweinestall klingt: Grunzen, Quieken, Oinken – alles da!




Wilhelmshöhe

 

 

Wir versichern allerdings danach während unseres Auftritt, dass dies ein ausdrückliches Lob darstelle. Außerdem präzisiere ich: Es handele sich natürlich um glückliche, gerade frisch in die Freiheit entlassene Schweine. Auf der SARKAST/KRATZER/VLADI-Tour ist dies heute der beste Auftritt, finde ich persönlich. Alles läuft wie geschmiert und der Wohlfühlfaktor ist extrem hoch. Außerdem entspinnen sich heute die besten Dialoge zwischen Publikum, Andi und mir. So beschwert sich Andi, dass ich heute mehrfach erst NACH einem Stück etwas zu dessen Inhalt sage. Ja, aber warum nicht? Scheiß auf Regeln! Mir fällt allerdings selbst auf, dass der Abstand von Song und nachträglicher Ansage im Verlauf des Gigs immer größer wird. Und nach dem Ende fällt mir ein, dass ich ja gebeten wurde, anzusagen, dass man bitte draußen rauchen möge wegen rauchempfindlicher Person. Das sage ich dann pflichtbewusst auch nach dem letzten Song an, als eigentlich schon alle weg sind: „Ach ja, vergessen: Heute bitte nicht drinnen rauchen, ey!“ Aber auch zwischendrin spielen sich erinnerungsträchtige Szenen ab: ein KRATZER-SARKAST-VLADI-Grouphug; der Inhalt eines verschütteten Bieres wird von der Bühne aufgeschleckt (weil wegen Verschwendung) und … am Mischpult wird die ganze Scheiße aufgenommen. Wir beschließen: Das Ding wird als Kassette veröffentlicht! Arbeitstitel: UNLEASHED IN GIESSEN!

 

 

Danach herrlich Aftershowparty, deren Geräusche bei jedem Öffnen der Schlafgemachtür infernalisch hereinschallen. Und morgens gilt es, voneinander Abschied zu nehmen, schnüff. Aber nach dem Konzi ist vor dem Konzi, wir sehen uns wieder, keine Frage. Danke an alle!  

Zurück