DIARY

Hamburg, Bambi Galore – 11.11.2017

27.11.2017 von Philipp

Bambi Birthday Bash

Wenn man einem Menschen einen „grandiosen Musikgeschmack“ attestiert, macht man das meist, weil dieser denselben wie man selbst hat… Dieser Definition folgend verkünde ich: Der Holger Andre hat ‘nen richtig geilen Musikgeschmack, haha! Fand ich mich doch bereits in den Achtzigern und Neunzigern häufig beim Bangen in der ersten Reihe zu so unterschiedlichen Bands wie EROSION oder PSYCHOTIC WALTZ neben Holger in der ersten Reihe wieder. Und nu nullt der Gute, lädt sich tolle Bands zur Feier ein – und zählt uns Vladis glatt dazu!

Ein nettes Abhängen ist im Bambi immer garantiert, und so vergeht die Zeit bis zur ersten Band mit Soundcheck, Mampfung und Gelaber wie im Fluge. Ein Typ aus dem Tross der Brasilianer ALEKTA hat seine Stimme schon derart zerrockt, dass er sich dezent nach Kehlkopfkatarrh und zwanzig Whiskey obendrauf anhört, dazu hat der Freak schon gut Schlagseite. Andi schlussfolgert: „I guess you’re the singer?" Tatsächlich entpuppt der Kerl sich als Manager und Driver…

ALEKTA schocken dann mal richtig. Schön flotter Death/Thrash Metal mit brutalen Growls und einer sympathischen Ausstrahlung. In Brasilien sind die Nasen offenbar schon ziemlich bekannt. Leider kommen heute nicht gerade Heerscharen von Besucher*innen und zur ersten Band ist es natürlich noch etwas leerer als später. Aber die Band hat Spaß und alle Anwesenden auch.

 

Vladi


Wir haben Slot Nr. 2 und bekommen vom Mischer laut Ohrenzeugen einen guten Sound verpasst. Auf der Bühne selbst klingt es allerdings nicht so fett, eigentlich hören wir fast nur Schlagzeug und die Gesänge. Egal, reicht! Die Resonanz ist super – für die geringe Anzahl von Gästen kommt mehr zurück, als physikalisch eigentlich möglich ist. Wir freuen uns über das Erscheinen einer alten Brieffreundin (Tapetrading times!), deren Tochter länger ernsthaft erkrankt war. Oder über Heavy Metal-Globetrotter Klocki, der in der ersten Reihe gute Laune versprüht. Netterweise bekommen wir von den SEPTAGON-Haudegen später ordentlich Lob, die uns als „eine geile Mischung aus Geballer, Tightness und Hooks“ beschreiben.

LOST WORLD ORDER waren mir noch gar kein Begriff. Holger sagt in der Ankündigung: „Wer eine abwechslungsreiche Mischung aus allen erdenklichen Thrashsubkulturen hören möchte, kommt an LOST WORLD ORDER nicht vorbei.“ Und das stimmt! Sehr abwechslungsreich, was da auf der Bühne passiert. Die Bielefelder knüppeln mal straight nach vorne, dann bauen sie schräge Parts ein und auch der Gesang variiert geschickt zwischen Aggro-Gebrüll, Shouten und clean vocals. Mag ich und ernte gleich mal eine LP ab.

SEPTAGON haben 2016 mit ihrem Debutalbum ordentlich Staub aufgewirbelt – zu Recht, denn so eine flutschig gespielte Antwort auf US-Thrash with class a la early HEATHEN oder TOXIK gab es aus Deutschland schon lange nicht mehr (oder noch nie?). Mir gefällt bereits das Erscheinungsbild, denn eine derart geballte Ansammlung an exquisiten Shirt-Motiven (siehe oben…) findet man selten in einer einzigen Band: Gitarrist links: FATES WARNING – „Inside Out“, Sänger. VENOM – „Welcome To Hell“, Bassist: THE DOOMSDAY KINGDOM, Gitarrist rechts: DEATH – „Human“ und Schlagzeuger: SACRAL RAGE. Hammergut, wäre ich Linienrichter, gäbe es hier extra Bonus-Haltungsnoten. Der erste SEPTAGON-Gig auf dem Metal Assault zeigte die Bandmitglieder noch nicht so perfekt aufeinander eingespielt, heute wirkt das schon viel harmonischer. Die pfeilschnellen Songs haben unfassbar geile Hooks, Brecher wie „Unwanted Company“ oder „Secret Silver Panorama Machine“ beißen sich – einmal gehört - für immer in den Gehörgängen fest. Das gilt auch für einen neuen Song, der irgendwas mit „Fire“ im Titel hat. Markus Beckers Stimme mag zwar etwas besser zum epischen Stoff von ATLANTEAN KODEX passen, kommt aber auch hier superb rüber. Man dankt Holger dafür, dass er „die erste Headlinershow“ SEPTAGONS ermöglicht habe. Und ballert mit HEATHENs „Goblin’s Blade“ eine geniale Coverversion.

Das Geburtstagskind feiert rein und da es mitten während des SEPTAGON-Auftritts 24:00 Uhr schlägt, gibt es zahlreiche Umarmungen, einen Kuchen samt Knochenhand aus Zuckerguss und von Holger Becher mit fiesem Schnaps für alle. Er sagt später, er habe Tequila geordert, aber ich suche nach dem ersten Schluck erst mal das Logo der verantwortlichen Tankstelle…    

Herzlichen Glückwunsch, Holger! Es war ein herrlicher Abend! Wir wollen sowas wieder!

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