DIARY

Hamburg, Bambi Galore – 21.03.2014

25.03.2014 von Philipp

Dubstep sucks

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Wenn ich mich recht entsinne, war es TYSONs Kochi, der die schöne Idee hatte, mal gemeinsam im Bambi Galore die Rüben kreisen zu lassen. Veranstalter Flo fand das auch gut und packte gleich seine eigene Band RESTMENSCH (Ex-NEUE KATASTROPHEN) mit ins Programm. Doch damit nicht genug! Die Israelis von BLACK SACHBAK sind gerade hier auf Tour und natürlich packte Flo diese Gelegenheit beim Arsch und machte aus drei Bands vier.


Nur ist Flo bei unserer Ankunft noch gar nicht sicher, ob dieses feine Programm auch gewürdigt werden würde. Man kennt ja das typische Hamburger Problem: „Boah, ganz nach Billstedt? Das ist mir jetzt echt zu anstrengend…“ Dabei fährt man von Sankt Pauli aus mit der U-/S-Bahn nicht mal 20 min zum Bambi, vom Hbf sind es nur 13 Minuten oder so! Aber die Sorgen sind unbegründet, es füllt sich doch recht angenehm und diverse Überraschungsgäste trudeln ein – Samson ist extra aus Essen angereist (!), Freak Florian aus Marburg An Der Lahn. Unsere schockierende Erkenntnis: Dann müssen wir ja heute mal GUT sein!


Das leckere Essen (für alle was dabei) ist noch nicht verdaut, das legen RESTMENSCH schon los. Ich hab die Punker neulich grad in Berlin gesehen, wo sie im Rahmen der jetzt schon legendären „HAMBURG INZEST FUCKS THE HAUPTSTADT“-Aktion zockten. Das war super und heute isses ebenso toll. Gnadenlos nach vorne preschender Punkrock mit den typischen KATASTROPHEN-Vibes. Viele der Songs gehen direkt in Hirn und Beine und so beginnen die ersten zu pogen.


TYSON metern wieder gut los. Mit den neuen Songs finde ich die Band ja noch deutlich besser als früher. Auch Flo horcht überrascht auf, als wir grad backstage saufen und der erste Song losknüppelt: „Was ist denn bei TYSON passiert? Das muss ich mir ansehen!“ Mit Recht. Jeder der drei TYSONs ist einen Blick wert – Pierre schreddert die Riffs locker runter, Tom groovt, ballert UND singt noch dazu Backings, Kochi wechselt von Aggro-Shouting zu Power Metal-Gesang. Leider bleibt fast den ganzen Auftritt über so’n Graben zwischen Bühne und Mob – ist aber wohl nur Respekt vor den Musikern, denn man sieht überall begeisterte Gesichter.


Offenbar gibt’s bei uns keinen Respekt, denn nun schließt der Mob zur Bühne auf, bespritzt uns mit Rocksaft und schüttelt wütend die Fäuste. Das soll Protest ausdrücken und uns zum Aufhören bewegen? Aber nix da, wir zücken die akustische Keule und schlagen zurück. Außerdem bespucken wir die Arschgeigen mit Bier und hauen jeden Erreichbaren mit Mikros auf den Kopp! Sowas kommt von sowas! Aber ohne Scheiß: Bringt mächtig Laune! Der Sound ist tippitoppi, wir sind ganz gut eingespielt, alles flutscht. Na gut, irgendwie wird Zarc einmal mitten im Song das Gitarrenkabel rausgerissen und „Tangle Foot“ muss neu gestartet werden. Wir schließen mit „Bonded By Blood“, haben für „Party Of The Damned“ dann nämlich keine Zeit mehr. Das dürfte der erste Vladi-Auftritt ohne letzteren Song gewesen sein!


BLACK SACHBAK sind so richtig geil wilder Thrash/Hardcore, der nicht selten an MUNICIPAL WASTE erinnert. Alle vier Bandmitglieder tragen Old-School-Shirts von ONSLAUGHT bis SODOM. Und sie haben ihre Hausaufgaben gemacht – es gibt ‘ne geil hysterische gesungene Version von ANGEL WITCHs „Angel Witch“ und noch eine von AGNOSTIC FRONTs „Victim In Pain“. Hell yeah – allein mit dieser Kombination haben die vier Vollzeitfreaks bei mir gewonnen! Aber auch die eigenen Stücke mit Titeln wie „Marx Was Right“, „Capitalist Zombies“ oder „Dubstep Sucks“ haben es in sich. Musikalisch schön rabiat und ungehobelt, textlich volle Kanne gegen Kapitalismus und anderen abschaffungswerten Ronz.


Also, ich würd mit diesen vier Bands glatt auf Tour gehen. Wer kommt mit?

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