DIARY

Hamburg, Hafenklang (Goldener Salon) – 03.02.2017

22.02.2017 von Philipp

Eimer or die!

Obwohl wir lediglich in Hamburg spielen, die Entfernung also überschaubar ist, hätte ich es nicht geschafft, nach der Schule noch nach Kiel zu rollen und dann wiederum rechtzeitig an unserem Rendsburger Proberaum zu erscheinen. Somit reisen wir heute getrennt an – während der Rest der Vladis ins Streckermobil hüpft, nehme ich die Bahn und den direkten Weg nach Hamburch. Nun bin ich natürlich wiederum früher als alle anderen da und nutze die Zeit, um einen alten Schulkumpel zu besuchen. Boche, so heißt der, wohnt nur ein paar Meter vom Hafenklang entfernt und legt dort auch regelmäßig als DJ auf. Aus den geplanten zwei Bierchen werden dann doch ein paar mehr…


VRHN
Foto von Luke Stevens

 

Gut gelaunt trudele ich im Goldenen Salon ein, wo es gerade was zu futtern gibt. Es ist ‘ne Freude, die Nasen von TERRITION, SARKAST, Fab, Niels, den Rest der Klängcrew und meine Mitvladis zu begrüßen sowie das extrem schmackhafte vegane Gulasch zu genießen. Die Gönnung müssen wir nicht mal durch einen Soundcheck trüben, da diesen TERRITION übernehmen. Bald trudeln auch schon Besucher*innen ein und wir freuen uns über diverse bekannte Gesichter, darunter auch Leute, die uns irgendwie immer verpasst haben und heute zum ersten Mal sehen.

 

TERRITION haben immer noch keinen Bassisten im Line-Up, klingen aber heute trotzdem schon deutlich feister als im November auf ihrem Gig mit AGE OF WOE inner Alten Meierei. Damals konnte nicht die gesamte Haus-P.A. genutzt werden, zudem war Sänger Stefan sick und leicht heiser. Heute hat der Glatzkopf deutlich mehr Speck auf den Stimmbändern und wälzt sich growlend durch das Überschallgemeter wie ein Schwein durch einen Eimer Trüffeln. Eimer or die! Der Schlagzeuger ist ja eh ein Gestörter, was ich schon bei IMPLORE-Shows feststellen konnte. Da wird geblastet und gegrindet, dass sich angenehme Schwindelgefühle einstellen. Die fiesen Riffs verleihen TERRITION eine gewisse Nachhaltigkeit – guck ich mir wieder an.

 

 

Hafenklang

 

 

Das geschieht eher selten: SARKAST schaffen es, alle vier Vladis (Tobi ist verhindert) zu begeistern. Die Bremer bewegen sich im Bermuda-Dreieck von Crust, Powerviolence und Hardcore. Das ballert nicht nur gut, sondern bringt mit Titeln wie „Alptag“, „Komakollektiv“ oder „Lebensabführmittel“ auch inhaltlich was auf die Waage. Ich stehe ja auch darauf, wenn eine Band etwas zu den Songs erzählt und das tut der Sänger. Da wird der Finger ohne Umwege in die Wunde gesteckt, teilweise in wenigen Zeilen mehr ausgesagt als in ganzen Booklets anderer Bands. Beispiel: „Überall nur Gift / das Leben versifft / Hauptsache bunt, Hauptsache groß / Die Nahrung aus dem Chemieschoß / Du bist was du isst / Ein riesen Haufen Mist / Fauliges Fleisch wird angepriesen / vor Bildern von grünen Wiesen / Ihr habt anstatt Samen, / Pestizide in den Händen / Genfood sprengt den Rahmen / Wo soll das alles Enden?“. Nur passend, dass SARKAST Shirts mit Fairtrade-Zertifikat am Start haben, und das auch noch für 8,- Euro! Geiler Gig, Begeisterung.

 

Wie schön isses eigentlich im Goldenen Salon! Das darf mensch mal hervorheben, wenn der Blick nach links aus den Fenstern schweift und direkt Wasser, Hafen und das damit verbundene Gelöt wahrnimmt. Erinnert mich an die Konzerte im Musico-Gebäude an der Kieler Hörn. Ich war echt ein bisschen gespannt, wie wir heute abliefern würden. Denn eine gemeinsame Probe ist uns durch widrige Umstände mehrere Wochen hintereinander verwehrt worden. Doch Entwarnung – offenbar sitzt uns der Vladiismus so tief in der DNA, dass wir gar nicht mehr zu proben bräuchten, hehe! Zumindest flutscht das alles doch aufs Erbaulichste und kommt ziemlich tight aus den Monitoren gedonnert, wenn ich das Beteiligter überhaupt beurteilen kann. Das liegt natürlich auch am guten Bühnensound, also Danke an den Mischer! Wat ist ansonsten zu sagen? Zarc geht pissen, während das Intro bereits läuft. Irgendwer sifft die Bühne so mit Bier ein, dass alles rutschig ist. Wir huldigen Nadel, Faden und Punkrock, denn was ist schöner, als seine Klamotten wieder zusammenzuflicken, statt sie nur wegen eines zerfetzten Hosenbodens gleich wegzuwerfen? Und es gibt einen neuen Song namens „Anomie“ zu hören, aus einem Pool von verdammt vielen neuen Vladi-Songs übrigens… Der Auftritt macht richtig, richtig viel Spaß und geht tatsächlich als ein Vladi-Highlight in die Diary-Annalen ein.

 

Nächster Hamburghappen: FLOTS TILL DEATH!   

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