DIARY

Hamburg, Markthalle – 05.06.2014

09.06.2014 von Philipp

Auf Kaffee und Kuchen mit SACRED REICH

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Tscha, alle paar Jahre ergibt sich die schöne Möglichkeit, mit einer Band zu spielen, die man quasi seit Jahrzehnten gern zu Hause hört. Wir hatten das Vergnügen bisher zum Beispiel mit GWAR, TANKARD oder PRONG. Und nun kommt über Kredo von ICS dat Angebot rein, mit den ollen Haudegen von SACRED REICH zu zocken. Mit dabei auch der sympathische Haufen von Leif und DEW-SCENTED. Schöne Sache. Und ab.

 

Leider können wir nicht zusammen anreisen, da ich es nach der Schule gar nicht mehr geschafft hätte, noch nach Kiel oder Rendsburg zu kommen. Zusätzlich trennen wir uns in Hamburg später gar in drei Grüppchen – diejenigen, welche zum ROCK HARD FESTIVAL weiterdonnern, dann die Workaholics, welche unseren Kram zurück in den Proberaum nach Rendsburg schaffen und schließlich eine Kieler Reisegruppe, welche ‘nen Regionalzug einsauen wird…

 

Beim letzten Mal in der großen Markthalle war alles hektisch. Ich hatte Zeugniskonferenzen und konnte es nur deshalb überhaupt zum Gig schaffen, weil ich einen in Hamburg wohnenden Kollegen hatte, der mich direkt bis zur Markthalle fahren konnte, wo ich dann noch zehn Minuten Zeit hatte. Heute dagegen sind wir alle ca. gegen 16.00 Uhr vor Ort, hängen mit DEW-SCENTED, SACRED REICH und Mitgliedern der Markthallen-Crew ab. Von letzteren kennen wir einige im Grunde schon genau so lange wie die Platten von SACED REICH… Louis, Chris und Kai machen hier jedenfalls schon gefühlt seit den frühen Achtzigern Stagehand. SACRED REICH haben z.T. Ehefrauen und Kinder dabei, was die ohnehin familiäre Stimmung noch verstärkt. Die genießen den Trip und freuen sich schon auf Festivals. Es gibt ausreichend Getränke und warmes Essen für alle, was bei derartigen Supportshows ja nicht immer der Fall ist. Der Soundcheck verläuft entspannt, und da wir uns fast alles mit DEW-SCENTED teilen, gibt es nicht mal viel Umbaustress. So haben wir richtig Zeit, mit den ersten eintrudelnden Besucher_innen zu schnacken.

 

SACRED REICH, übrigens weiterhin in Oroginalbesetzung unterwegs, wollen keine Studioplatten mehr machen, sie genießen es, einfach ab und zu zu touren und ihre Klassiker zu spielen. Vorteil: Nur gute Songs in der Playlist. Nachteil: Es kommen wenig neue Hörer_innen dazu, das ist auch dem heutigen Publikum deutlich anzumerken. Nachdem gestern METALLICA, SLAYER etc. in HH waren, heute parallel CROWBAR spielen und am kommenden Wochenende überall kleine und große Festivals stattfinden, kann man heute nicht wahnsinnig viel erwarten. Es füllt sich aber doch ganz angenehm, wir hätten jedenfalls so früh zur Kaffee-und-Kuchen noch nicht so viele Hackfressen erwartet.

 

30 Minuten VLADIMIR HARKONNEN. Zu kurz? Ich mag sowas ja. Da kannst du wirklich ohne Rücksicht auf Verluste alles geben. Und eigentlich ist doch nach ‘ner halben Stunde klar, ob man ‘ne Band mag oder nicht. OFF spielen z.B. NIE länger… Wir toben über die Bühne, die trotz zwei Schlagzeugsets voreinander ordentlich Platz bietet. Hin- und rennen wie Doro auffer True Metal Stage in Wacken. Natürlich auf die Stufen der Markthalle krabbeln und den Leuten direkt ins Antlitz brüllen. Bodenroller. Anti-Frontex-Gepöbel. Ich würd mal sagen, dass wir heut so gut sind, wie wir sein können. Natürlich wird der Sound im Laufe des Abends noch fetter und lauter, so ist das halt. Aber wir werden schon fair behandelt, da kennt man Schlimmeres aus kommerziellen Läden. Immerhin fönt es doch schon ganz ordentlich aus der PA und einige Lämpchen blinken auch schon über unseren Köppen. Die Playlist zu erstellen, war ‘ne harte Nuss – vom Debut sind momentan nur noch „Roadkill BBQ“ und „Party Of The Damned“ drin, ansonsten alles Titel vonner blauen Platte. Joah, hat total Spaß gemacht und danach kann man schön mit den diversen Bekannten feiern, sabbeln und die anderen Bands beglotzen.

 

DEW-SCENTED sind wie immer ein Genuss. Dieses Mal kennt man außer Leif sogar einen der Gitarristen. Der Rest ist aber auch schon ein paar Tage in der Band, hoffen wir also, dass dieses Line-Up stabiler bleibt. Unter dem Banner von DEW-SCENTED sind mittlerweile auch schon neun Longplayer erschienen – alter Schwede! Das möchte ich auch irgendwann auf der Bühne sagen können: „Nun ein Song von unserem neunten Album!“. Nach bisherigem  vladiistischen Arbeitstempo wäre das ungefähr in 28 Jahren der Fall. Ist also machbar, denn vor dem Erreichen des 75. Lebensjahrs will ich bestimmt nicht den Bühnenspaß aufgeben. Jo, aber DEW-SCENTED: Voll die Abrissbirne, besserer und intensiverer Thrash als von so manchen alten Legenden.

 

SACRED REICH haben es voll drauf. Ihre Songs haben keine überflüssigen Parts und reißen durchgehend mit. Phil Rind singt wirklich exakt so wie 1989 auf der ersten Tour. Macht das einen Spaß, dieser Band zuzuschauen! Auch die Ansagen muss man mal mitbekommen haben, der Typ ist echt tiefenentspannt und hat ‘nen geilen Humor. So habe er kein Problem damit, dass die meisten Leute nur herumstehen würden – schließlich merke er, dass sie das Zuhören genießen würden. Das ist nur zum Teil Ironie und das mag ich. Wobei zu „Surf Nicaragua“ schließlich doch ein ordentlicher Pit entsteht. Auffer Playlist stehen „Independent“, „One Nation“, „Love… Hate“, „Ignorance“, „State Of Emergency“, “Death Squad”, “Crimes Against Humanity”, “Who’s To Blame”, “R.I.P.”, “Draining You Of Life”, “Free”, “War Pigs”, “The American Way” und eben “Surf Dingenskirchen”. Also alles, was man von der Band hören will.

 

Es trudeln nach dem Konz noch Bekannte ein, die bei CROWBAR waren (soll natürlich super gewesen sein). Die Party ist noch nett, aber zu kurz, denn der letzte Zug will geschnappt werden. Dass der erst ca. 50 Minuten später als geplant abfährt, kann ja keiner ahnen. Wenigstens können wir uns mit ausreichend Bier eindecken…

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