DIARY

Hamburg, MS Hedi - 27.05.2016

14.06.2016 von Philipp

Get on the boat!

Aus einer Mail der Veranstalterin: „Zwei Herausforderungen birgt die Sache:
Seegang: Ihr müsst seefest sein und bei Wellengang spielen können.
Platz: Auf eher sehr kleinem Raum baut ihr euer Set auf. Aber die Nähe zum Publikum ist euch garantiert!“


Hedi

 

Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, wie sehr ich Konzerte auf Booten liebe? Als Besucher erinnere ich mich diesbezüglich gerne an HAMMERHEAD auffer MS Stubnitz, verschiedene Konzis von NO MORE ART, KRANK oder EMPOWERMENT auf der MS Hedi und THOSE TWENTYTWO COLTSUCKERS auf der Wappen von Schleswig. Mit BONEHOUSE sind wir 2005 sogar mal auf einem Boot mitten auf der Seine aufgetreten und nu gibbet auch für VLADIMIR HARKONNEN die Chance, eine Bootstour mit der MS Hedi durch den Hamburger Hafen zu machen. Wochenlange Vorfreude!

 

Ich komme als erster bei den Landungsbrücken an, da ich direkt aus Lübeck mit dem Zug anreise und chille ein wenig in der Sonne. Ja, richtig, Sonne, wie geil! Denn morgens war das Wetter noch nicht so der Hammer, aber mit meiner Ankunft in Hamburg klart plötzlich der Himmel auf und von nun an wird es stetig wärmer und sonniger. Als erstes lerne ich den Kapitän kennen, der sich mit den Worten „Ich bin Lanzelot. Du darfst mich Lanz nennen.“ vorstellt. Läuft. Sympathischer Kollege, der sich später an Erics Drumset setzt, um darauf herumzujammen.



Hedi

 

Nach und nach trudeln die Leute von „Frau Hedis Tanzkaffee“, meine Mitvladis und diverse Bekannte ein. Wir bauen auf, freuen uns über die gut bestückte Bordbar und genießen einen entspannten Soundcheck. Was das wohl für ein seltsam klickendes Geräusch sein möge, welches zwischen den Songs zu vernehmen ist, frage ich mich. Die Antwort kommt bei einem Blick nach oben: Dort am Kai stehen zahlreiche Tourist_innen und knipsen begeistert eine ungeahnte Zusatzattraktion: 'ne Krachband mitten im Hamburger Hafen.

 

Auf der winzigen Hedi dürfen bei Konzerten 75 Leute mitfahren und wenn ich es richtig mitbekomme, haben 71 Nasen gezahlt, als wir ablegen. Doch halt! Normalerweise ballert die Hedi durch die Elbgewässer. Doch uns versperrt gerade ein riesiger Fucker den Weg: Es handelt sich um die QUEEN MARY, welche tatsächlich unzählige Schaulustige anlockt. Krankes Hobby irgendwie: Sich so Riesenschiffe anzugucken und bei deren Abfahrt/Ankunft zu klatschen. Ich muss ja nicht alles verstehen, aber Menschen sind schon seltsam. Aber anyway, warten wir halt noch, während DJ MetalMull die Gemeinde geil mit Punk, Hardcore und Metal beschallt.

 

Hedi

 

Endlich bekommen wir, was wir verdienen: Blumen! Ja, die Hedi ist wirklich schön gestylt und hat außen überall Blumenpötte hängen. Das feiern wir natürlich als erstes, als wir endlich losknattern können. Ein herrlicher, unvergleichlicher Moment ist das. Die Hedi verlässt die Landungsbrücken, die Sonne brennt auf unsere Köppe und wir ballern zeitgleich los. Es ist wirklich wie ein Film und man muss später danach Bilder sehen, um zu raffen, was man da gerade erlebt hat. Alle Anwesenden scheinen die Fahrt zu genießen – wohin man guckt, blickt man in grinsende und strahlende Gesichter. Nur den Hackfressen auf der QUEEN MARY, die plötzlich unheilvoll vor uns in den Himmel ragt, zeigen wir die Stinkefinger. Der spontan gefasste Plan, das Biest zu entern und das Buffet zu stehlen, stößt auf Wohlgefallen bei den Hedi-Tanzgästen, scheitert aber daran, dass alle ihre Enterhaken zu Hause gelassen haben. Was soll man zur musikalischen Seite sagen? Es ist eine zusätzliche Herausforderung, bei Wellengang zu zocken. Dat schaukelt so herrlich! Als Sänger hab ich da sicher noch die geringsten Schwierigkeiten. Aber die anderen meistern das super und auch der Sound kommt mir ziemlich gut vor. Ab und zu reicht man uns vom Tresen frische Getränke und auch ein Tablett Schnaps findet den Weg zu uns. Letzteres wird leider umgestoßen und die meisten Schnäpse sind futsch. Insgesamt muss ich sagen, dass sich so eine Bootsfahrt mit Konzert schwer in Worte fassen lässt. Ich kann das jedem nur empfehlen. Es ist wie ein Rausch und ein Gefühl von Freiheit, vermischt mit Hafengerüchen und Möwenkacke auf der Schulter.


Hedi

 

Gut gefällt mir auch, dass der Spaß nach unserem Auftritt noch lange nicht vorbei ist: DJ MULL legt kompetent auf, es wird getanzt, gesabbelt, Cocktails & Bier (mit Cocktailfähnchen drinne) fließen. Beim finalen Anlegen verabschieden sich alle beschwingt und wir hoffen, dass wir dat irgendwann nochmal machen dürfen! Danke, Hedi, Andrea, Crew, Mull, Lanz und alle Seeratten!

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