DIARY

Hamburg, MS Hedi – 05.09.2019

27.09.2019 von Philipp

(Doch nicht) das letzte Gefecht!

Dieser Auftritt scheint unter einem unglücklichen Stern zu stehen: Eigentlich sollte es das Abschiedskonzert von RESTMENSCH werden, deren Drummer Philipp hier zum letzten Mal gespielt hätte. Doch genau der wird kurz vorher krank (Zitat: „der Arm lahmt“) und so müssen T.R., Flo und Alex leider absagen. Mit G31 wird eine Punkband aus Hamburg aufgetrieben, von denen ich vorher noch nichts gehört hatte. Deren Gitarrist Christian (Captain) bringt zusammen mit Gierfisch seit 20 Jahren aber das MIND THE GAP-Zine raus, von dem ich wie jedes punkinteressierte Nordlicht mehrere Ausgaben habe.

 

Vorm Auftritt steht natürlich eine hektische Anreise an, findet die Chose doch an einem Donnerstag statt und wir können uns erst spät durch den Verkehr quälen. DreMu-Knipser & Plattenbonze Jan ML begleitet uns heute. Andi hat besonders gute Laune, denn ihm wurden zum x-ten Mal der Firmenwagen aufgebrochen und alle Geräte rausgeklaut. Auch wenn der Schaden natürlich von seiner Firma bzw. deren Versicherung bezahlt wird, ist das wohl kein geiler Start in den Tag. So erklärt sich vielleicht das „Kompliment“, das er später Jan macht: „Du siehst aus wie einer, der stinkt, aber in Wirklichkeit riechst du doch gut!“


VRHN

 

Irgendwie schaffen wir es noch rechtzeitig und wuchten unser Zeug aufs Boot, bei dem es sich streng genommen um das Schwesterschiff MS Claudia Glitscher handelt. Das Boot scheint schmaler gebaut als die Hedi, auf der wir 2017 gespielt hatten. So wird es eine Herausforderung, alles so aufzubauen, dass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen. Wenn man sich das beim Soundcheck so anguckt, fragt man sich, wo zur Hölle eigentlich noch die Besucher*innen hinpassen sollen.

 

Und schon heißt es „Leinen los“ und die MS Claudia schippert durch den Hafen, während G31 loslegen. Flotter Punkrock, den Sängerin Inge mit melodischem Gesang versieht. Erinnert mich an 80er Jahre Deutschpunk, als der noch frisch klang. Politische deutsche Texte, die mit viel Radau rausgehauen werden, geil. Während des Auftritts freue ich mich, zahlreiche Bekannte zu treffen, mit denen ich zum Teil gar nicht gerechnet hatte. Schön voll isses geworden, sodass ich manche Nasen erst nach unserem Gig treffe: „Wat, du warst auch schon die ganze Zeit hier?“



VRHN

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp (machen die irgendwie immer. Warum eigentlich?) legt dat Boot wieder ab und hoppla sind auch bereits wir dran. Ich weiß nicht warum, aber ich hatte irgendwie gar nicht mit SO einem großen Spaß gerechnet! Eigentlich hätte ich es vom letzten Mal wissen müssen! Das Boot schaukelt hin und her, die Leute gehen herrlich mit, ich falle gleich beim ersten Song fast ins Schlagzeug (haarscharfe Sache!) – ja, so macht das doch Laune. Der Sound ist verrückterweise sogar ganz geil. Plötzlich wandert ein Crowdsurfer direkt vor meinem Gesicht vorbei, es handelt sich um den guten Jan Laursen, der sich wie ein Aal zwischen Claudiadecke und hilfreichen Händen durchwuselt. Die Jungs von THEM HORNY SNAKES singen nicht nur laut, sondern richtig gut mit. Wo man hinblickt, grinsende Fratzen. Aber wat soll ich labern, wenn Gunnar vonne Pumpguns es so schön zusammenfasst: „Crowdsurfen auf der Hedi? Möglich! Ganzes Boot ein Moshpit? Möglich! Was für ein Abriss. Vladimir Harkonnen fetzen hart und beweisen mal wieder, dass sie es drauf haben.“ (Danke, ey.)

                                              

Danach möchte man am liebsten durchfeiern, was aber nur Teilen der Band vergönnt ist….Ach ja, zwischendurch kam noch die Nachricht, dass RESTMENSCH weitermachen, sogar unter dem jetzigen Namen und ‘nen Drummer gibt’s wohl auch schon. Hurra!



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