DIARY

12.10.2012 - Bonn / Klangstation

17.10.2012 von Philipp

"Halt die Fresse und sing!"

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Auch schon wieder ein paar Jahre her – aber im März 2005 begab es sich, dass BONEHOUSE mit den HC/Punks von MOFABANDE im SJZ Siegburg gezockt hatten. Im April 2012 trafen Daniel Mofa und Philipp anlässlich des CYNESS/HATEGASM/VLADIMIR HARKONNEN-Gastspiels im Bonner Bla wieder aufeinander. Und dort entstand der Plan, ein gemeinsames Konz im SJZ Siegburg steigen zu lassen.

Wenig später Daniels Mail: POST-WAR PERDITION sind auf Tour, also werden MOFABANDE, BLANK und die Vladis dazugepackt sowie ein lokaler Reißer, den er flugs in SERPENT EATER ausmacht.

Tja, erstens kommt es anders, zweitens als zu denkst… Als nämlich schon alles planungstechnisch weit gediehen ist, Flyer am Start sind usw., bricht dem Daniel dat SJZ Siegburg weg, da der Laden Probleme mit der Stadt hat und aufgrund von Schallschutzumbauten bis zum Konzerttermin noch ‘ne Baustelle sein wird. Nach längerem Hin und Her findet Daniel die Klangstation als neuen Ort, die allerdings leider ein Laden ist, den man mieten muss. Dennoch bleiben alle guter Dinge, dass die Sache problemlos wuppbar sei. Kurzfristig sagen dann allerdings POST-WAR PERDITION und SERPENT EATER ab… In YAK findet Daniel ‘ne engagierte Band, die kurzfristig einspringt.

Was für eine chaotische Vorgeschichte also, zumal unser Konzert am Folgetag ursprünglich in Verden stattfinden sollte, das AZ Verden aber alle Veranstaltungen abgesagt hat und wir ganz kurzfristig eine Show mit NIHILDUM auf dem Bauwagenplatz Rondenbarg bekommen konnten!

Dazu kommt, dass der 6. Vladi unpässlich ist (ein Euphemismus – der Arsch geht lieber zu TENACIOUS D!). Doch auf Strecker kann man sich verlassen – er tauscht mit Eric die Karre und überlässt uns fürs gesamte Wochenende das Streckermobil.

Wir trudeln gut gelaunt mit dem mittlerweile vollgemüllten und eingesauten Streckermobil in Bonn ein, treffen gleich Daniel Mofa, Bobec Kabumsky und Marc Gärtner. Bei BLANK zockt Carsten, der früher bei FORCED TO DECAY war und ein alter Briefkontakt von mir ist (Prä-Internet-Zeiten, Tape-Trading und so, nech). Backstage gibbet vegane Mett-Brötchen (lecker, nur mit derart viel Zwiebeln belegt, dass ich noch beim Auftritt so einen zwiebligen Odem verströme) sowie Nudelsalat.

Alles geil? Naja, eigentlich schon. Nur dass für Daniel, der den Laden schließlich gemietet hat, einiges auf dem Spiel steht und er leider von den Bonner Freaks weitestgehend im Stich gelassen wird – die 30 Zahlenden können die Kosten jedenfalls nicht decken. An dieser Stelle riesigen Respekt an Daniel, der uns dennoch Spritgeld aus eigener Tasche zahlt!

YAK beginnen und spielen ‘ne Mische aus Crust, Metal und Hardcore. Außerdem fallen auf: Ein höllisch verzerrter Bass und ein hoher Brillenfaktor (alle vier Bandmitglieder tragen Nasenfahrräder). Noch ist Luft nach oben, aber Songs wie „Friendly Fire“ hauen schon gut rein.

MOFABANDE up next! Nach acht Jahren Bandexistenz haben Einzylinder Joe, Lackschaden Lilly, DJ Zündapp und Power Lauer übrigens eine 7“ rausgehauen. Die müsst ihr kaufen! Denn die ist gut! Richtig schön schneller HC/Punk. Kurze Songs, nicht ohne Melodie, geile Texte. „Hitlerkids“, „Abgeschmiert“ oder „Kleine Stadt“ animieren diverse Punker jedenfalls zu rücksichtslosem Gerempel. Beeindruckend, wie ein größerer Punk einen kleineren Kollegen durch die Gegend schleudert, bis dieser mit allen Extremitäten vom Boden abhebt und schließlich durch die Luft segelt.

Hups, schon ist Vladi-Time. Und die ist bekanntlich quality time. Wird also konsequent zum Beleidigen des Mobs, Einsauen der Bühne und dem Zocken möglichst vieler Songs in möglichst kurzer Zeit genutzt. Bobec Kabumsky und Marc Gärtner machen hervorragende Bilder von allen Bands – Danke! Der oben erwähnte Schleuderer bringt angesichts einer meiner Ansagen das Oxymoron: „Halt die Fresse und sing!“ Außerdem klaut er Andi das Bier und sudelt ihn dann auch noch mit selbigem ein, aber psst: Das geschieht im Grunde auf meine Weisung hin…

Düster, crustig und metallisch: BLANK. Die bieten eine liebevoll aufgemachte weiße Vinylscheibe (Artwork von Hassan Haider) an, der ich Suchti natürlich nicht widerstehen kann. Mit Recht, denn BLANK sind druckvoll und intensiv. Sie setzten sich durch Strahler auf der Bühne gekonnt in Szene, die restlichen Lämpgen bleiben aus. Erinnert mich in seiner Brachialität und Dunkelheit etwas an ALPINIST oder PATSY O’HARA.

Ein wirklich abwechslungsreicher und spannender Abend also, der noch auf dem Bauernhof, auf welchem sich Daniel, „Lilly“ und weitere Menschen eine WG teilen, ausklingt. Eine gut sortierte Hausbar versüßt uns den Restabend…

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