DIARY

13.04.2012 / Schweinfurt, Stattbahnhof

07.05.2012 von Philipp

"ein HCPunktrash-Gewitter, das ich in dieser Form noch nie gesehen habe."

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„Punx save the Riots Weekend“ 13. & 14. April 2012

Da mein Namensvetter Hammerheadphil (kursiv) seine Frage: „Kann man überhaupt einen Konzertbericht über sein eigenes Konzert schreiben?“ ohnehin bereits selbst mit der Feststellung „Ich schon...!“ beantwortet hatte, dachte ich mir, dass wir daraus gleich eine Art Doppeltourtagebuch machen:

Donnerstagabend, alles in den Bus gepackt und mental auf das heiße Wochenende vorbereitet.

Wir befanden uns bereits am Abend des Vortages in Aufbruchsstimmung. Die Proben verliefen gut, die Setlist war fest einstudiert und trotzdem passierte das Gezappel auf der Bühne nicht routiniert, doch dazu später.

Freitag geplante Abfahrtszeit 10 Uhr – tatsächliche Abfahrtszeit 11:30. Bereits nach der Grenze von Kiefersfelden (D) gab es den gewohnten „Stop and Go – Verkehr“, den jeder Fahrer so innig liebkost. So verhielt es sich auch bei uns und der Fahrer begann wüste Beschimpfungen von sich zu geben, da kam mir auch schon die Idee, ich könnte ja auch einfach die Musik laut aufdrehen und das Gebrabbel verschwindet ganz einfach.

Emu (Yacøpsåe) rief mich an und erklärte, dass sie krankheitsbedingt ausfallen würden.

Eine OP wurde für den Dienstag der darauffolgenden Woche angesetzt und somit war klar, dass das bitterer Ernst war.

Weiter im Text....

Es gab die eine oder andere Raucherpause, bis wir schließlich an den Pforten der „heiligen Stätte“ - Stattbahnhof SW aufliefen.

Gernot, der Veranstalter, war schon auf den Beinen und begrüßte uns in alter Frankenmanier mit Bier und führte uns rum.

Es gab leckeres Essen, schöne Frauen, die es zubereiteten, angenehme Schlafplätze und sogar eine Dusche!

Der sporadische Aufbau hatte bereits begonnen, da traf auch schon das Flaggschiff aus Kiel ein. Kurzes Begrüßungsgeplänkel mit Herrn Wolter und seinen Mannen und wieder Bier.

Das ganze hatte etwas von einem Klassentreffen, ohne dass man sich kannte.

Etwas später kamen auch Cyness im Stattbahnhof an. Begrüßung und Smalltalk.

Nach dem Rumführen und einer Einweisung wurde auch schon der Soundcheck propagiert.

Auf dieses Wochenende hatte ich mich schon lange gefreut, denn im Stattbahnhof hatte ich zuletzt mit BONEHOUSE gezockt, durften uns zudem in beiden Städten auf diverse Bekannte freuen, die wir lange nicht gesehen haben. Und ein weiterer Grund versüßte mir die Anreise: Hammerheadphil hatte mir seit Wochen eine heiße Scheibe nach der anderen feilgeboten, sodass ich mit ganz gierigen Vinylgriffeln im Streckermobil saß und der Scheibenernte harrte.

Da reist man schon so lange von Ort zu Ort und lernt doch nie aus. Unsere heutige Lektion: THERAPY und MESHUGGAH mögen gute Bands sein, die Stimmung heizen sie jedoch nicht gerade an, zumindest nicht deren jeweils neueste Platten.

Bei der Ankunft trafen wir gleich Gernot alias Zünder von RAWSIDE und ANTI-CONTROL, die es (zumindest momentan) beide leider nicht mehr gibt. Und damit nicht genug: Auch ollen Henne von RAWSIDE war mit Frau, Kind und Kegel vor Ort. Indirekt lernte ich sogar Muttern Henne kennen, zumindest deren Kochkünste, hatte sie mir doch glatt eine leckere Geburtstagstorte gebacken. Mit Likör drinne, geil! Und der Hennebergers Sohn Justin rannte mit Drumsticks durch die Gegend – ich musste mir wirklich die „Mensch, was bist du groß geworden“-Sprüche verkneifen…

Für heute hieß es noch eine Nummer mit Justin (11) einzuüben, verrückt genug war er ja, mit uns (Hategasm) einen Song zu performen und nach gerade einmal fünfmaligen Runterrotzen war der Song im Kasten.

Wieder Bier und quatschen – sehr entspannt, der geneigte Pöpel trudelte langsam ein.

Um 22 Uhr war der kleine Saal bis zur Hälfte gefüllt.

Yeah, erwähnen muss man das leckere Essen von Julia (und Kochcrew?), über das sich alle Bands hermachten – vegan, vegetarisch, Salat, Snacks – ganz weit vorne!

Aus Sonneberg/Rauenstein trudelten ebenfalls ein oder zwei Wagenladungen höflicher Fucker ein – welch eine Freude!

HATEGASM eröffneten den Abend auf erbauliche Weise. Ich musste beim Anblick von Hammerheadphil wirklich an Henne denken – ähnliche Statur, Frisur, Körperhaltung, vergleichbar heftiger Brüllomat-Faktor und dann blätterte er auch so charmant in seinen Texten, die er genau wie eben Henne weiland bei RAWSIDE hinter die Monitorbox gelegt hatte. Nicht auszudenken, wenn der Gute das eine oder andere Wort verschluckt oder gar vergessen hätte! Dann hätte man vielleicht gar nicht alles verstanden… Musikalisch rumpelte es noch hier und da im Karton, aber HATEGASM haben massiv Potenzial und böllerten fiesen Hardcore/Punk, dem es entgegen vieler anderer Bands nicht an Räudigkeit, Brutalität und politischen Texten mangelt. DER Knaller natürlich der Gastauftritt von Justin, der wie ein Gestörter losknüppelte und einen verdienten Riesenapplaus erntete. Hab ich da etwa jemandem mit stolzgeschwellter Brust im Mob stehen sehen?

VLADIMIR HARKONNEN aus Kiel fackelten nicht lang rum, eine unbeugsame positive Energie durchströmte den kleinen Saal des Stattbahnhofs und auf den Gesichtern der Besucher machte sich ein Grinsen breit.

Mir persönlich ging es da nicht anders. Philipp the Wolter machte es sich vor der Bühne gemütlich, rollte am Boden entlang und animierte die Bersucher_innen zum Mitwirken.

Doch der Mob vor der Bühne umklammerte mit eisernem Griff die Bierhälse.

Unbeeindruckt von so viel bayrischer(fränkischer) Standhaftigkeit zelebrierte die Band ein HCPunktrash-Gewitter, das ich in dieser Form noch nie gesehen habe.

Auch wenn ich schon von der Platte angetan war, so ist die Livepräsenz dieser Band noch einmal eine ganz andere Liga!

Die wolter‘schen Ansagen rundeten das Bandbukett vollends ab und so bewegte sich der Ein oder Andere dann doch noch zu den lieblichen Klängen der Kieler Punker.

Am VH – Stand wurden daraufhin ordentlich LPs und Cds verkauft.

Yeah, hat mal richtig fett Spaß gemacht. Danke!

Ich war nun sehr gespannt auf CYNESS, die ich tatsächlich noch nie gesehen hatte. Erzählungen und Konzertreviews bestätigten sich – die Potsdamer_innen zelebrierten einen gut abgewogenen Mix aus Grindcore und Death Metal. Gerade an den Gitarren wurde ordentlich geschraubt, was aber nicht zu Lasten einer zerstörerischen Eingängigkeit ging. Schreigräte Loffie ist zudem ein Bühnentier, welches Schneisen durch den Mob zog…

Nach einer kurzen Umbauphase betraten auch schon Cyness die Bühne und wie es zu erwarten war, zerstörte die Band in kürzester Zeit alles und jeden, der sich diesem Monster in den Weg stellte.

Loffie war so gut wie nie auf der Bühne und rempelte die Zuhörerschaft in alter Pogomanier an, die postive Energie verflüchtigte sich und übrig blieb nach knapp 30 Minuten Tod, Leid und Zerstörung.

Im Backstagebereich wurde ordentlich gesoffen und geschnackt.

An dieser Stelle ein megagroßes Dankeschön nochmals an die tolle Küche des Stattbahnhofes, Gernot und der Destruct & Broken Crew!!!

Schön wieder einmal so viele bekannte Gesichter gesehen zu haben.

Da schließe mich mal an und gehe lieber nicht näher ins Detail. Frankenmob regelt!

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