DIARY

15.10.2011 / Elmshorn, Punkerhaus

25.10.2011 von Philipp

ALLES IST SCHEISSE! NICHTS WIRD GUT!

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Wer hätte gedacht, dass der zweite Tag der „HH-Randbezirke-Blitztour“ gar NOCH orgiastischer ausfällt als der erste?

Dabei hätte man es morgens durchaus erahnen können, dass heute alles stimmt: Uns wird ein liebevolles Frühstück samt Ei, Lachs und Gedöns ans Bett gebracht. Dabei hätte Eric sich bereits mit einem „Hamburger Nuttenfrühstück“ (=Zippe & Kaffee) zufrieden gegeben. Danke, Kat!

Die Zeit bis 17.00 Uhr geht irgendwie schnell rum – naja, wenn man den halben Tag verpennt, ist das auch kein Wunder. Es gelingt mir aber, Strecker schnell genug anzutreiben, um noch einen Abstecher zum Fischkopp Plattenshop zu machen. Der hat zwar zu, aber nebenan stehen drei Kartons mit ausreichend Vinylitäten, um das eh bald wertlose Geld in sinnvolle Sachwerte einzutauschen…

Sachen aus dem Bambi holen… Da baut schon eine Mittelalterband in miefigen Fellkostümen auf. Die Weltreise nach Elmshorn bewältigt das Streckermobil dann auch mühelos.

Und was für ein prächtiger Anblick uns dort erwartet! Das Punkerhaus macht seinem Namen alle Ehre. Ranzfaktor ist so auf Höhe vom Hannoveraner Kopernikus. Total klein, Löcher inne Wände, keine Bühne, sondern Floorshow in einer Art Küche mit Tresen, alles mit geilen Plakaten & Comics beklebt. Wir wissen jetzt schon: Das kann nur geil werden, denn in solchen Umgebungen entfaltet die hässliche Raupe Harkonnen ihre ganze Pracht, wird zum Schmetterling (oder besser Knüppelling, höhö).

Für Flo und Flupp war der Tag allerdings stressiger, denn irgendwas war mit der Technik und die beiden mussten Kabel und/oder irgendwelche Ersatzteile aus Hamburg holen und statt Schlaf hin- und herfahren.

Es ist ein Naturgesetz, ich hab es schon mal gesagt: Je kleiner der Schuppen, desto liebevoller und aufwändiger dat Essen. Heute tischt die Köchin einen „Gang“ nach dem anderen auf, sodass ein regelrechtes Buffet auf dem Tisch steht: Salate, vegane & vegetarische Dinge, Fleisch, ‘ne Art Pizza und alles hammerlecker, soweit ich probiere.

Auch Fred, Joni und die ganze Punkerbande aus HH sind begeistert: „Ist das geil hier! Die Hütte so richtig klein und voller Abschaum!“

Heute wird die Reihenfolge umgedreht: THRASHING PUMPGUNS beginnen also. Allerdings mal so richtig früh um 21.00 Uhr. Sind noch gar nicht alle da, aber voll genug ist es trotzdem. Sofort schnellt der Stimmungspegel auf 100%. Ein riesiger Punker reißt sich begeistert sein Shirt vom Wanst, greift sich einen kleinen, ganz alten Punk, drückt ihn sich vor die Brust und legt ‘ne sehenswerte Tanzeinlage aufs Parkett. Die PUMPGUNS schreddern wie die Gestörten und hinterlassen grinsende Gesichter.

Zweiter! Irgendwie optimal, denn so kann man enthemmt Gas geben, die Leute sind alle schon da bzw. noch fit und danach kann man noch entspannt zwei Bands genießen. Direkt vor unseren Nasen geht ein kapitabler Pit – im Gegensatz zu gestern hat man so eine Art Heimspielfeeling. Und man kann nicht behaupten, dass wir den Laden dreckiger verlassen, als wir ihn vorgefunden haben. Nein, mein Herr! Denn während unseres Auftritts verschlägt es mich auf die Spüle, jemand drückt mir ‘nen Schwamm in die Hand und ich alter Putzteufel kann nicht anders als mal ordentlich die Oberseite der Küchenschränke zu schrubben. Ein Auftritt nach meinem Geschmack!

Bei ORÄNG ÄTTÄNG kommt es mir vor, als werde heute deutlich direkter und aggressiver gezockt. Ich glaub, die gefallen mir sogar besser als gestern. Obwohl ich den verfremdenden Effekt der Verkleidungen auch mochte. Aber ORÄNG ÄTTÄNG sind ihre eigenen Comic-Figuren, da braucht es gar keinen zusätzlichen Mummenschanz. Die würd ich ja gern mal auf dem Rd-Rock sehen, oder so… Die HC-Primaten begeistern mich wie immer mit ihrer oldschooligen und doch neu aufregenden Musik und ihrem ganzen Auftreten. Total affig!

Aaah – und jetzt der letzte NEUE-KATASTROPHEN-Auftritt in, um und bei Hamburg. Schon mal hart cool, dass der hier stattfindet! Flo konnte leider nicht mehr schlafen und wirkt etwas angeschlagen. Kann da etwa Alkohol im Spiel sein? Der Rest schert sich nicht weiter drum und hämmert los. „Die Leude wollen lieber was von SLIME hören“? Von wegen! Genau DAS ist jetzt das Richtige! Der Mob kommt voll in Wallung und es herrscht Pogo-Anarchie in der Punker-Küche. Ein Klitschko-Papp-Aufsteller in Lebensgröße fliegt durch die Luft, einer der Klitschkos wird geköpft, der Rest wird zerfetzt, zerstampft… Flo spielt sich im Lauf des Auftritts halbwegs nüchtern, es schimmelt und bimmelt durch die Boxen, dass einem Hören und Sehen vergehen. „Es ist wie die Hölle des Brahamanismus, wie im schrecklichsten der siebzehn Abgründe, den der Weda den Wald der Schwerter nennt!“, sagt Victor Hugo. Ja, genau, denk ich auch immer, wenn ich die KATASTROPHEN höre.

Hach, irgendwann ist alles vorbei. Die Orängs dazu:

„Et war herrlich.

Aber auch traurig.

Aber auch geil.

Aber auch hässlich.

Aber auch schön.“

Hä? Was? Quatsch! Ich hab nich geheult!  

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