DIARY

26.10.2012 - Hamburg / Marx RECORD-RELEASE-GIG von DEVIL'S DAY OFF

29.10.2012 von Philipp

'OVER THE YEARS... UNDER THE RADAR'

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Releasegigs sind generell eine feine Sache – die oft jahrelange Arbeit einer Band manifestiert sich in einem Tonträger, der in einem rauschenden Fest von den Urheber_innen und ihren Sympathisant_innen freigelassen wird. Und in diesem Fall hat die verantwortliche Band DEVIL’S DAY OFF besonders viel Liebe in den Tonträger gesteckt: Vinyl only, 180 g, Klappcover, feister Pappeinleger, Downloadcode und verschiedene Vinylfarben (schwarz, orange und orange mit "mist", also rauchigen Schlieren). Das Ganze streng limitiert auf 100 Stück! Deswegen ist der Einzelpreis auf den ersten Blick mit 20,- Euro hoch, aber eben auch gerechtfertigt. Die besondere Liebe der Band zur Platte zeigt sich auch darin, dass Drummer Moritz einfach aus Bock nach Karlsruhe ins Green-Hell-Presswerk gefahren ist, um der Pressung beizuwohnen. Er erzählt uns viele Details vom Presshergang, aber es wäre wohl sogar hier an dieser Stelle ZU nerdig, das wiederzugeben...

 

Geil, dass die Jungs also endlich ihren langersehnten Longplayer raushauen. Und dass sie dafür die Instrumental-Doomer SHAKHTYOR einladen. Und uns! Eine krasse Mischung voller Stilbrüche? Scheißegal, sagen DEVIL’S DAY OFF: „Mag sein, das manch eine/r das für eine krude Mischung hält, aber es geht nicht darum, Genreklischees zu erfüllen, sondern einen guten Abend lang mit tollen Bands zu feiern.“

 

Ein weiteres Kuriosum: Nebenan in der großen Markthalle spielen FIELDS OF THE NEPHILIM. Die sind wohl seit zwanzig Jahren nicht mehr hier gewesen und das Ding ist glatt ausverkauft. Wir sind echt mal baff, als sich über den Abend mehrere Leute bei uns zu Wort melden, dass sie eigentlich nur zu FOTN wollten, zufällig gesehen haben, dass wir im Marx spielen und sich mal eben ein zusätzliches Ticket geholt haben, um Clubhopping zu betreiben.

 

Da Kai (v bei DDO) in der Markthalle arbeitet, dürfen wir den Kunstraum (die ehemalige „kleine Markthalle") als Backstageraum nutzen. Der Chef weist uns allerdings darauf hin, dass AUF KEINEN FALL Gäste mit in diesen Bereich genommen werden. Eine schlimmere Todsünde sei höchstens noch das Bekleben der Toiletten mit Bandaufklebern. Kaum ist der Kerl aus dem Raum, stürmt ein alter Lübecker Bekannter zielsicher die Treppen hoch, begrüßt mich stürmisch (wenn auch falsch) mit einem bierseligen „RALF!“ und macht es sich bei uns gemütlich. Und er soll nicht der einzige bleiben…

 

Das Marx ist erfreulich voll, als wir loslegen. Das hat man als erste Band in Hamburg um 21.15 Uhr nun wirklich nicht immer. Eine ganze Menge Bekannte_r werden gesichtet – ich zähle bei flüchtigem Blick EMILS-Sven, Vaddern Wyrembek, Sohn Wyrembek, Rahel, Doom-Metal-Front-Wiebke, Battermann, Fred, Joni (und die ganze Truppe – auf EUCH ist echt Verlass!), Dierk Prochnow, Daniela, Stefan Bieg, Dirk Osterwald, Suzii, Bürgermeister Flücki… Schöne Mischung, zumal einige dieser Leute uns bereits dreißig Mal oder so gesehen haben, andere uns dagegen noch nie. Naja, was soll man sagen, heute stimmt irgendwie alles. Sound auf und vor der Bühne, Atmosphäre, Bock (ich bin fast sicher, dass ich Nils hüpfen sehen hab)… Wir zocken so zur Hälfte neue Biester, zur Hälfte alte Viecher. Da wir theoretisch 45 Minuten Zeit haben, wir für das Programm neulich aber ca. eine Stunde gebraucht haben, sabbele ich einfach etwas weniger – und das haut dann offenbar auch hin. Vor Begeisterung fällt Eric am Ende glatt vom Drumhocker.

 

Danach luschere ich mal kurz bei FIELDS OF THE NEPHILIM rein. Doch was ist das? Als ich mich erfolgreich am Türmenschen vorbeigemogelt habe, hört die Band auch schon auf und verlässt die Bühne. Hä? Kann doch erst kurz nach 22.00 Uhr sein. Tatsächlich gibt es dann nur noch zwei Zugaben und das war’s. Die beiden Songs kommen typisch – massiver Doubebassteppich, Carl McCoys abartige Stimme. Allerdings auch irgendwie etwas einschläfernd und klanglich suboptimal.

 

Also zurück ins Marx, wo SHAKHTYOR ihren DOOM zelebrieren. Wie nur wenige Bands schaffen es die Hamburger (z.T. Ex-DEVIL’S DAY OFF), dass die Stücke auch ohne Gesang interessant bleiben. Ein Mördersound, der den von FIELDS OF THE NEPHILIM locker in den Boden stampft. Der Mob bleibt fett bei Stimmung und genießt offenbar die stilistische Vielfalt des Abends. Die Bergmänner haben irgendwann ihre Stollen bis zum Anschlag getrieben und geben die Stafette an die Gastgeber weiter.

 

Wer Liebe sät, wird Liebe ernten. Hat bestimmt mal irgendwer gesagt. DEVIL‘S DAY OFF ernten reichlich. Ich bin begeistert, wie sich DDO über die Jahre gesteigert haben. Ich kann mich noch gut an frühe Auftritte erinnern, bei denen Kai „sich allerdings jeglicher Bühnenshow verweigerte und es schaffte, den berühmten Bierdeckel-Radius noch zu unterschreiten“ (aus einem 2003er Review von mir bei Dremu, haha). Heute sprühen die Rock’n’Roll-Funken nur so und der hin- und herwogende Mob skandiert mit. „That’s why they call me a roller, that’s why they call me a rocker“, „I Hate Nicke Andersson“, herrlich! Es ist schwer auszumachen, wer mehr Spaß hat – Bandmitglieder oder Publikum…

 

Leider muss auch dieser Abend irgendwann ein Ende haben und so springen die einen in ihre Autos, die anderen ins Bett und wieder andere in die nächste Kneipe.

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