DIARY

ILLUSION OF PROGRESS Fest V, Osnabrück, SubstAnZ – 14.07.2018

19.07.2018 von Philipp

Clap like Ozzy!

Manchmal ist es verrückt, da macht man seit Jahrzehnten Musik und entdeckt eines der zwingendsten autonomen Zentren erst jetzt. Dabei waren wir mit Vladi 2010 sogar schon auf einem geilen Sampler namens „SubstAnZ Solidarität – Musik fürs AZ Osnabrück“ (sehr schön aufgemacht in pinkem Pizzakarton mit Aufkleber, Patch, Button und Beiheft und außer uns mit u.a. INNER CONFLICT, PROFIT AND MURDER, FUßPILZ, AUTONOMADS, PARADOX, IN IRATUS, SEXTO SOL oder MURUROA ÄTTÄCK). Den dort vertretenen Song „Rink o‘ Fear“ bauen wir dann auch mal spontan und ungeprobt in de Setlist ein, befinden wir auf der Hinfahrt. Geil, dass es endlich mit einem Auftritt im SubstAnZ klappt, freuen wir uns und öffnen die ersten Kannen, während draußen die Sonne brüllt. Zarc und Ass fahren auf der Hinfahrt nicht im Streckermobil mit, dafür ist die neue MÖRDER-Gitarristin Feli mit an Bord. Diese erzählt uns, dass sie in der kurzen Zeit, in der sie bei MÖRDER zocke, bereits zugenommen habe, weil Andi ihr pausenlos Bier in die Pranken drücke.

 

VRHN on the road

 

Ist das schön hier! Das SubsTanZ ist ein Bilderbuch-AZ, da stinkt selbst Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt ab. Es gibt einen sonnenbeschienen Innenhof, in welchem sich bereits biertrinkende Punkerhorden und ein Hund lümmeln. Komplett mit Bierwagen und Snackhütte, aus der heraus später vegane Burger, Pommes mit veganer Majo und veganes Gyros gereicht werden. Das Gebäude selbst beherbergt einen Zockraum in idealer Größe und erstreckt sich über mehrere Etagen, oben kann man chillen und es existieren mehrere hammergemütliche Schlafräume. Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein! Im SubsTanZ sind Awareness-Teams eingerichtet worden, die mensch ansprechen kann, wenn es zu blöder Anmache o.ä. kommt. Das sind auch nicht nur Lippenbekenntnisse – ein Typ wird später am Abend tatsächlich rausfliegen.

 

Wir freuen uns, bekannte Gesichter wiederzutreffen, z.B. Kevin & MORIBUND SCUM und die Vögel von ORÄNGÄTTÄNG, andere kennenzulernen, vor allem die nette Veranstaltercrew um Olli und die verrückten Hunde von GLOOMSTER. Kevin tauscht gleich Platten mit uns und sorgt dabei so gut vor, dass er dieselbe Scheibe nun gleich zwei Mal in seinem Besitz hat. Es kommt ja auch immer mal was weg, insofern schlauer Move.

 

Mit PERKIE gibt’s ‘ne One-Woman-Show von einem AUTONOMADS-Mitglied. Keyboard, Gesang, Rülpser und „uärg, fuck!“Verspiel-Ausrufer von einer Person, cool. Danach brennen ORÄNGÄTTÄNG ein manisches Feuerwerk ab, das mich mal wieder nachhaltig flasht. Der Hamburgdreier hat es einfach drauf, Victor zertrümmert sein Set, Krischan Stinkel und Dirty Harry brüllkreischen im Wechsel und schreddern sich ins Nirwana. Voll geil, und eine neue Platte gibt’s auch noch (totaler Killer!), da brechen so einige Besucher*innen in hemmungslose Ausdruckstänze aus.

 

Ich habe einen schweren Fehler gemacht: Das Essen ist viel zu lecker und ich habe über meinen Hunger hinaus gefuttert und merke jetzt erst, dass vor uns nur noch eine Band spielt. Die Hitze und der volle Magen setzen mir hart zu und mir ist so kurz vor’m Auftritt eher nach einem Schläfchen als nach Rumgehüpfe auf der Bühne zumute. Zu den INSOLVENT INSOMNIACS versuche ich ein wenig Verdauungsgeskanke.

 

Zehn Minuten vor Vlad fühle ich eine Hulk-ähnliche Energie in mir aufsteigen. Ist es das Adrenalin oder das Bier? Oder das Pfeffi-Spray, welches mir jemand ins Maul sprüht? Jedenfalls kann es losgehen und ein herrlicher Auftritt entspinnt seine Flügel, so wie aus einer Larve ein wunderschöner Schmetterling wird. Ass hat die Knöppe im Griff, der Bühnensound ist super. Der Mob genießt es offenbar ebenfalls, was rotierende Körper und textsichere Erste-Reihe-Mitgröler verifizieren. Das „Fotos verboten“-Schild an der PA hätten natürlich WIR aufgehängt und versprechen, dass die von einem SubsTanZ-Mitglied geschossenen Fotos einer strengen Zensur unterzogen würden: Natürlich würden ausschließlich Fotos veröffentlicht, auf denen unsere Frisuren sitzen und keiner doof guckt. Blacky-Lawles-Style. Ja, nee, geil! Während des Auftritts bekommen wir (wie auch alle anderen auftretenden Bands) ein Tablett mit Schnäpsen gereicht. Und danach wird uns sogar „Schlacke“ kredenzt, eine regionale Erfindung, deren Zusammensetzung wir natürlich hier nicht preisgeben.

 

VRHN mit Gesicht

 

Das Programm ist wirklich abwechslungsreich, denn es folgen LENA STÖRFAKTOR mit Hip Hop, GLOOMSTER mit einer brutalen Hardcore/Punk-Attacke (zwei Sänger, deutsche Texte, volle Dröhnung) und THE AUTONOMADS mit einer Dub/Reggae/Ska/Punk/Folk-Packung. Das unermüdliche Publikum tanzt eigentlich bei allen Bands, die Stimmung ist herrlich entspannt und positiv.

 

Danach Party auf allen Ebenen. Als Eric uns nach kurzer Nacht weckt, finden wir folgende Situation vor: Drei Gestalten bevölkern noch das SubsTanZ – eine spielt laut YouTube-Mucke, eine trinkt Bier und eine schläft mit der Birne auffem Tresen. Dennoch steht die Crew mit den AUTONOMADS und uns auf und es wird ein ergiebiges Frühstück im Innenhof serviert, auf den schon wieder die Sonne lacht.

 

VLADI SACHT DANKE! PUNK IS LOVE! SubsTanZ – you give Gastfreundschaft a good name!

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