DIARY

Innsbruck, PMK - 25.10.2014

29.10.2014 von Philipp

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Schockierende Erkenntnis: Zarc kennt CURLY WURLY nicht. Dies stellt sich heraus, als ich irgendwann einen CW-Riegel nach vorn durchreichen will: „Curly Wurly gefällig?“ Zarc: „Was ist dat denn?“ Ungläubige Stille senkt sich übers ROCKTOBUS-Mobil. Das von unserem Bandgourmet?


VRHN

Vorher gibt’s aber noch lecker Frühstück und ebenso schmackhaften Punkrock bei unserem Gastgeber Mike. Dessen Plattensammlung lässt keine Wünsche offen – unzählige Klassiker aus Punk, Hardcore und Hardcore/Punk schmiegen sich aneinander. Es laufen alsbald die neue NERVÖUS, DISFEAR und zum Nachtisch VENOM. Doch irgendwann heißt es: Abschied ist ein scharfes Schwert.

Und wenige Stunden später sind wir auch schon in Österreich, genauer gesagt in Innsbruck, genauer gesagt beim Organisator dieses feinen Wochenendes HammerheadPhil. Der begrüßt uns gleich mit gekühlten Getränken (eigentlich isses kalt genug, aber der Fucker läuft in kurzen Hosen herum), einer malerischen Aussicht auf schneebedeckte Berge und der unvermeidlichen Plattenkiste. Clever, der Typ. Phil erweist sich zudem als Weinkenner und patenter Koch. Es gibt Zucchini-Schafskäse-Auflauf mit Brot und frischem Knoblauch.

 

VRHN


Bestens gelaunt schlagen wir beim PMK auf und beschnuppern Schuppen, Bands und Crew. Der Laden ist für unseren Geschmack fast ein wenig zu schick und zu heil. Aber sehr schön ist die Lokusdeko, denn dort sind reihenweise Kassetten an die Wände geklebt worden, die durch indirekte Beleuchtung erstrahlen. Man entdeckt bei näherem Hinsehen alte Hörspielklassiker, fiese Schlagerhits und watweißich. Manche der Tapes müssen sehr kultig gewesen sein, denn irgendwelche Banausen haben Löcher in die Deko gerissen.

Neben den Jungs von ENDLESS PATH begrüßen wir auch TRIPSITTER, ebenfalls direkt aus Innsbruck und ebenso gut rasiert und frisiert. Die üblichen Rituale wie Soundcheck, Merchaufbau und Biertrinken werden in angenehmer Langsamkeit zelebriert.

Irgendwie sollen wir als letztes spielen, was etwas merkwürdig ist, da uns doch im Gegensatz zu den beiden anderen Bands hier kaum jemand kennen dürfte. Aber wir diskutieren da keine Sekunde drüber. Gemäß der HIGHSCORE-Hardcore-Ethik liebe ich es nämlich generell, die schlechteste Spielzeit zu bekommen. Denn Eitelkeiten (“bei wem sind die meisten Zuschauer, wer verkauft die meisten Platten?“) sind armselig, einer Band, die für ihre Musik brennt, muss es EGAL sein, ob die potentiellen Zuschauer noch nicht da oder schon weg sind. Und warum soll man auch um Besucher_innen „trauern“, die eh nur eine bestimmte Band sehen wollen?

TRIPSITTER finde ich ganz geil. Bei denen ist es heute am vollsten. Der moderne Melodic Hardcore würde gut mit DEATH HOAX oder MODERN LIFE IS WAR harmonieren, gleichzeitig düster und melancholisch.  

ENDLESS PATH gefallen mir heute besser als am Vortag. Liegt vielleicht daran, dass die Band hier zu Hause ist und damit eine ganz andere Stimmung herrscht. Da wir aber gleich spielen und ja immer direkt vor einer Show geheime vladiistische Rituale vollziehen, bekomme ich auch nicht alles mit.

Yeah, zum ersten Mal in Innsbruck. Der Soundmensch besorgt zumindest auf der Bühne einen guten Klang. Davor auch, denke und spüre ich, schließlich werden auch heute Bodenroller und diverse Kletteraktionen vollzogen. Es sind in der Tat weniger Leute da als am Anfang, aber ich habe den Eindruck, die Anwesenden haben alle recht viel Spaß. Na gut, bis auf den Typen, der an der Seite liegt und ein Schläfchen hält. Zarc spielt zum voraussichtlich letzten Mal für zwei Gitarre, denn beim nächsten Auftritt werden wir das neue Gitarrenwesen präsentieren… HammerheadPhil steht grinsend im Mob und knipst fleißig Fotos – Danke! Es ist wahnsinnig heiß auf der Bühne, wie immer, wenn direkt über unseren hässlichen Rüben so fette Strahler hängen. Durchgeölt, mit ruinierten Frisuren, aber glücklich beenden wir irgendwann das Konz und beschließen: Wir kommen zurück.

Über die Gastgeberqualitäten in Innsbruck können wir nur schwärmen. Hoffentlich werden wir das alles bald wiederholen. Dann gleich zehn Tage lang oder so.

Danke für die wunderschöne Zeit!

P.S./Nachtrag: Als ich Zarc auf der Rückfahrt einen weiteren Curly Wurly anbiete, winkt dieser empört ab: "Geh weg! Dein letzter Curly Wurly ist auseinandergeplatzt und ich hatte ÜBERALL Flecken auf den Klamotten!" 

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