DIARY

Kiel, Alte Meierei – 17.03.2018

27.03.2018 von Philipp

Hellmade Wool

Was macht ‘ne Band, wenn der Sänger heiser ist, nur ein Drittel der zu erwartenden Leute gekommen ist und es draußen mit jeder Minute kälter und stürmischer wird? Wissen wir nicht. Aber ein vladiistischer Trieb sagt uns, dass gerade jetzt eine Erweiterung der Setlist genau das Richtige sein könnte. 24 Songs lang wird unsere Rock-in-Rio-Setlist dann schließlich….

 

Was war das? Wieso, weshalb, warum?

 

Nun, irgendwie waren wir spät aus dem Quark gekommen, obwohl der Termin für dieses Konzert schon sehr lange feststand. Aber erst zwei Wochen vorher war klar, wer noch so mitspielt, nämlich – Freude! – BLAST BOMB undSARKAST. Im Nachhinein ist uns mal wieder deutlich geworden, dass es schlicht nicht reicht, sich hauptsächlich auf Internet-Werbung zu verlassen, zumal derart kurzfristig. Nun, selbst Schuld, nächstes Mal gibt’s wieder schicke Plakate wild auf graue Stromkästen geklebt. Darüber freut sich doch jede*r!

 

Die Laune lässt sich aber auch bei diesem Wetter keiner verderben. Herb hat den Ofen angeschmissen und leckeres Essen gekocht, Ass hat den Sound schick und in der Halle wird Fußball gespielt. Leider mussten SARKAST kurzfristig wegen Krankheit absagen (Gute Besserung!), aber erbaulicherweise kommen zwei Mitglieder der erweiterten SARKAST-Family trotzdem rum, die sich für Kiel schon vorher ein Hotel genommen hatten und jetzt trotz des abgesagten eigenen Gigs hier ein bisschen abhängen wollen und dann na klar auch in die Meierei kommen. Da haben die beiden alles richtig gemacht – wer in Kiel Sightseeing betreiben will, sollte vor allem in die Alte Meierei kommen!

 

BLAST BOMB rocken dann hemmungslos und erfreuen mit Punk’n’Roll, der schmissig reinläuft. Positiv fällt sofort die Stimme des ursprünglich aus Birmingham stammenden Sängers Johnny auf, der röhrt, singt und schreit. Reibeisen meets Nudelholz sozusagen. Den verhinderten SARKAST wird der „closest-to-SARKAST“-Song gewidmet, also der schnellste und punkigste.

 

VRHN

 

Unser Auftritt ist definitiv kein „normaler“ Vladi-Gig, wenn es diesen denn gibt. Irgendwie hat das heute etwas Besonderes. Ich bin erst mal etwas schockiert, dass meine Stimme vor allem in den tiefen, aber eigentlich auch mittleren Tönen derbe angeschlagen ist. Beim Soundcheck klang das noch anders, haha! Und ich bin nicht erkältet oder so – nein, ich hab mich am letzten Wochenende auf dem Hell Over Hammaburg in Kombination mit der darauffolgenden SAVAGE-MASTER-Show schlicht selbst heiser geschrien und wundgesabbelt. Aber wär ja auch langweilig, wenn immer alles glattläuft. Ist die Stimme weg – singste trotzdem! Ist der Strom weg – spielste trotzdem! Nur das ist Hardcore. Über dieses Trotzdem-Spielen steigt in uns eine ganz eigenartige Laune auf. Es handelt sich um sowas wie Spieltollwut. Jetzt erst recht! Mit der Zeit kommt da sogar zumindest ansatzweise die Stimme wieder. Auch der Mob scheint sich zu amüsieren und den Abend zu genießen, so deute ich jedenfalls Zwischenrufe und Tanzmoves. Wir feiern Herb, der dabei beobachtet wurde, wie ermit Hass und unter Black-Metal Gekreisch die Kartoffeln zerstampft hat, spielen mit „Frontex Fuckers“ auch unseren „Closest-to-SARKAST“-Song und mit „The  Chips Are Down“ kommt ein neues Stück von der nächsten Vladi-Veröffentlichung. Das wird eine EP mit acht Songs, die 13 Minuten dauern (oder neun, die elf dauern? Ich weiß es doch auch nicht). Noch existieren dazu erst drei Texte, aber nach dem regulär als letzten geplanten Song der Setlist „Roadkill BBQ“ haben Zarc und Andi die spontane Idee, das ganze Ding instrumental zu zocken. Ich find’s super, will mich erst neben das Schlagzeug hocken, wo mir von Erics Becken aber fast die Ohren wegfliegen und so springe ich vor die Bühne. Die ungewöhnliche und völlig spontane Instrumental-Einlage macht Laune. Ich bin jetzt noch überzeugter von den Songs, die etwas anders sind als bisher von uns gewohnt… Ist danach Schluss? Nein, wir hängen noch „Rink O‘ Fear“ ran. Und als wir  schon im Cafè sind, fällt uns auf, dass es mittlerweile nach Zwölf ist und unser Kumpel Stefan (Harkonnen) Geburtstag hat. Also nochmal auf die Bühne und in Form von EXODUS‘ „Bonded By Blood“ ein kleines Geburtstagsständchen dargeboten. Da schmettert sogar der Infernal Crust Commander himself mit.

 

Ein herrlicher Abend!

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