DIARY

Kiel, Pumpe – 29.11.2015

06.12.2015 von Philipp

Less Talk, less Rock...

Warum spielt man AM SONNTAG ein Konzert in der eigenen Stadt? Nun, ein alter Freund von uns, Kredo, ist Tourbooker und er macht unter anderem gerade die STEAK NUMBER EIGHT-Tour. Da die Belgier heute in Kiel Station machen, hatte Kredo halt uns angehauen. Unser Auftritt am Abend zuvor (Lobusch) war der Burner, die Party danach zerstörerisch. Dennoch sind wir motiviert, denn was gibt’s Schöneres als live zu zocken? Den Tatort glotzen? Sicherlich nicht.

 

Angenehmerweise ist Henrik aus der T-Stube heute wieder als Vladi-Mischer mit am Start. Ich glaub, wir gönnen uns heute den längsten Soundcheck der VRHN-Bandhistorie. Als endlich alles steht, gibt es seltsame Probleme in Erics Monitor. Aber auch das wird in gemeinsamer Anstrengung mit dem Hausmischer der Pumpe überwunden. Erbaulich auch, dass Törtchen von Toanol-Records unseren Merch übernimmt. El Tofu ist auch am Start und stellt sich gleich dazu.

 

Pöster

 

Mit den Belgiern ist gut abhängen. Sie freuen sich besonders über die Backstage-Räumlichkeiten, welche neben gut sortierter Getränkeauswahl, Snacks und warmen Essen (wahlweise vegan oder Fleisch) auch eine feiste DJ-Anlage beherbergen. Einer der Steakers besitzt zu Hause nämlich einen Klub und ist wohl recht professioneller DJ. Auf Tour verfügt er die Möglichkeit, mobil auf die Anlage in seinem Klub zugreifen zu können, diese also quasi fernzusteuern. Und das hat er in der Nacht zuvor weidlich genutzt und den dort gerade auflegenden und unwissenden DJ mit vermeintlich aus dem Nichts abgespielten Songs in den Wahnsinn getrieben…

 

Trotz des Sauwetters, dem sonntäglichen Kater und der Tatsache, dass der Tatort heute in Kiel spielt, trudeln einige Bekannte ein. Im Nachhinein ist es allerdings ärgerlich, dass einige extra für uns weitere Anfahrten auf sich genommen haben, dann immerhin 11,- Euro löhnen – und schließlich gerade mal ‘ne halbe Stunde VLADIMIR HARONNEN kredenzt bekommen sollen. Das wird uns selbst erst quasi auf dem Weg zur Bühne mitgeteilt. Die Spielzeit für „Vorgruppen“ betrage in der Pumpe generell nur eine halbe Stunde. Weder Kredo noch STEAK NUMER EIGHT wissen von dieser Regelung, im Vorfeld wurde davon auch nichts kommuniziert. Was soll das? Ich mag solche Bedingungen nicht und finde das schon sehr fragwürdig. Der Pumpencrew ist ansonsten nichts vorzuwerfen, es gibt kein Getränkelimit und alle sonstigen Umstände sind korrekt, aber diese zeitliche Limitierung ist schon arg ungeil.

 

Pumpe

 

Trotzdem lassen wir uns die Laune nicht verderben. Da keiner von uns ‘ne Uhr umhat, spielen wir einfach mal unsere Playlist und gucken, was passiert… Unterschiedlicher könnten zwei aufeinanderfolgende Konzerte kaum sein. Gestern der Vollabriss in der Punkerhölle, Chaos, Bier, Blut und Pogo. Heute alles so sauber und ein höflich zurückhaltendes Publikum. Aber man hört uns aufmerksam zu. Wir sind ganz gut eingespielt, glaub ich. Peitscht für meine Ohren akkurat aus den Boxen, was meine Mitvladis da fabrizieren. Angesichts der Umstände versuche ich mal, etwas weniger zu sabbeln. Less Talk, more Rock? Ein Aufruf zum Wegkloppen der Discokugel ist natürlich dennoch drin, ebenso fiebert man gemeinsam mit den Hochrechnungen der Olympia-Stimmen mit. Nein heißt Nein… Und ein Bodenroller ist na logisch immer Pflicht. Ungewöhnlich trockener Boden in der Pumpe. Joah, es sind dann wohl doch 40 Minuten, als man uns zum dritten Mal auf unsere abgelaufene Spielzeit hinweist. Schade, hatten wir doch u.a. noch „Schweineherbst“ und extra für El Tofu „Electric Sheep“ geplant.  

 

Danach chillen wir wahlweise mit Freund*innen im Backstage oder gucken uns STEAK NUMBER EIGHT an. Die sind sehr groovig und tanzbar. Ich musste an eine Mischung aus NEUROSIS, OPETH und DEVIN TOWNSEND denken. Sehr fit auf jeden Fall, das Songwriting weist interessante Schlenker auf und der Schlagzeuger überrascht ab und zu mit peitschenden Ausbrüchen. Zum Teil würden ihnen noch ein paar eingängigere Gesangslinien gut stehen.

 

Früh ist der Abend zu Ende. Ein tolles Wochenende liegt hinter uns, wenig Schlaf vor uns…

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