DIARY

Lübeck, Treibsand – 06.10.2017

18.10.2017 von Philipp

Ich kann die Elbe nicht mehr sehen, Digger!

Was für eine herrliche Vladi-Woche! Am Montag erst mitRUINAS inner Lobusch und nun gleich zwei Dinger mit SLIME. Und das in zweiunserer absoluten Lieblingsläden – dem Treibsand in Lübeck und dem Speicher inHusum.

 

Leider gestaltet sich die Anfahrt etwas schwerfällig. Nachfast zwei Stunden sind wir immer noch …in Rendsburg. Die Straßen sind einfachscheiße voll. SLIME ergeht es selbst nicht anders und als wir ankommen, istSchlagzeuger Alex Schwers immer noch im Verkehr. Obwohl alle emsig am Aufbauarbeiten, verzögert sich dadurch der gesamte Ablauf. Erst müssen schließlich SLIMESoundcheck machen, umgekehrt hätte es wenig Sinn ergeben. Aus Platzgründenstellen wir uns NOMEANSNO-mäßig auf und stehen somit in einer Reihe – Eric trommeltalso ungewohnterweise an der rechten Bühnenseite neben uns statt hinter uns.

 

VRHN 

 

Die Backstagestimmung ist trotz des etwas hektischen Aufbausentspannt. Das liegt nicht zuletzt bestimmt an den ganzen leckeren Fressalien,welche die Kochcrew auftischt. Oliven, Gemüse & Dips, gefüllte Teigtaschen,Stullen… Zum Glück wissen wir, dass man sich hier nicht zu früh den Wanstvollschlagen darf, denn der eigentliche Hauptgang kommt erst noch! In der Tatserviert man später Sellerieschnitzel oder wahlweise Fleisch mit Kroketten.

 

ZarcEric 

 

Wir lernen SLIME peu a peu kennen und kommen besonders intensiv mitDirk „Dicken“ Jora ins Gespräch, der uns bald tatsächlich alle mit „Digger!“anspricht. Am zweiten Tach soll das übrigens gar zu „Diggi!“ werden – das kannnur für totale Zuneigung stehen. Über Slime wird ja gerade viel Quatsch geschrieben,meiner Meinung nach hat vieles davon eine missgünstige Note. Ich kann das nichtbestätigen, was man da so an absurden Vorwürfen hört. Die Band hat Bock undzieht an beiden Tagen jeweils über zweieinhalbstündige Auftritte durch!

 

Aber erst mal sind ja wir dran. Der Sound ist auf (undoffenbar vor) der Bühne 1A. Das Treibsand ist pickepackevoll, beide Konzertesind ausverkauft. Nun ist es theoretisch ja spanend, wie man als Supportaufgenommen wird, wenn man mit so einer Legende zockt. Aber gerade in Lübeckund Husum habe ich keine Bedenken. Tatsächlich füllt es sich im Laufe unseresAuftritts immer mehr und die Stimmung steigt mit jedem Stück. Ein auf der Bühnemit dem Rücken zur Band sitzender Punker wird natürlich gleich integriert unddazu aufgefordert, bitte noch etwas gelangweilter und arroganter zu gucken,damit das noch geiler nach 80er Punkkonzert aussehe. BUTTOCKS‘ „Nein, Nein,Nein“ flutscht so richtig schön schnell durch die Boxen – wir haben das Ding aus Bock mit reingenommen und weil wir „Schweineherbst“ nicht in dieserSituation covern wollten. 40 Minuten Vladiismus sind immerhin drin und dasreicht, um komplett durchgeschwitzt von der Bühne zu gehen. Danach freuen wiruns über viel positives Feedback aus grinsenden Gesichtern. Ausnahme: Eine Fraumit wütendem Gesichtsausdruck, die mich anbellt: „Du bist so scheiße! DeineMusik ist geil, aber wenn du das Maul aufmachst, laberst du nur Scheiße! Und dukannst dir nicht mal ein Bier selbst aufmachen!“ (Die letzte Bemerkung beziehtsich darauf, dass ich mein letztes Bühnenbier einem Besucher zum Aufmachenhingehalten habe.) Was soll man dazu sagen…

 

VRHN 

 

SLIME spielen ungelogen gleich zwölf neue Songs. Das istverglichen mit anderen Bands überdurchschnittlich viel. Sowas sieht man selten,denn es ist ja bekannt, dass die Leute möglichst alte Klassiker hören wollen.Aber irgendwie schaffen die Hamburger*innen es, trotzdem noch fast keinen ihrerHits ungespielt zu lassen! „Alle gegen alle“, „Schweineherbst“, „Linke Spießer“,„Deutschland“…. Im Grunde ist fast alles dabei, ich vermisse spontan lediglich „Mensch“und „Goldene Türme“. Zwischendurch gibt es einen Akustikteil mit u.a. „Zu kalt“und „Gewalt“, der mir am ersten Tag irgendwie ein wenig den Fluss aus demAuftritt zu nehmen scheint. Dirk ist genervt, weil sein Monitor immer wiederausfällt. Auch schon wieder authentisch und ehrlich, wie er sich seineVerärgerung darüber anmerken lässt. Vor der Bühne ist der Sound aber super undschließlich singt Dicken einfach mit durch Elfs Mikro. Von den neuen Songsgefallen mir vor allem „Banalität des Bösen“ (inspiriert von Hannah Arendt) unddas herrlich swingende „Ich kann die Elbe nicht mehr sehen“.

 

AndiEric 

 

Das hat Bock gemacht, aber ich verrate schon mal, dass amTag danach alles noch etwas geiler werden wird!

Vielen Dank an Jens, Axel und die Treibsand-Crew – wir kommenwieder, da gibt’s nix!

Zurück