DIARY

München, Café Marat - 24.10.2014

28.10.2014 von Philipp

Rollkoffer sind kein Rock'n'Roll.

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Von Kiel/Rendsburg aus nach München und Innsbruck, und dann noch mit einem Leihbus? Das klingt schon etwas beknackt, das müssen wir zugeben. Aber das Streckermobil steht an diesem Wochenende nicht zur Verfügung, der gute Strecker hat schließlich auch noch andere Hobbys. Bei den Menschen von ROCK-TO-BUS (Hafermarkt/Flensburg-Umfeld) finden wir zum Glück ein mehr als korrektes Angebot. Der Bus ist außerdem ganz schön gemütlich und bietet viel Stauraum fürs Equipment. Eine tolle Idee ist auch das „Gästebuch“, welches im Wagen rumliegt und in dem bereits diverse befreundete Bands ihre Duftmarke hinterlassen haben, z.B. SHUDDER AND SPIT, REZET, UPPER CRUST oder DARK HANSEN.

 

VRHN

 

Mit dem Geschepper und Gerülpse von AUTOPSY vergeht die Fahrt auf die denkbar erbaulichste Weise. Andi, Zarc und Eric wechseln sich mit dem Fahren ab (Philipp ist passionierter Beifahrer. Das kann er gut, solange ihr ihm keine Karte oder so in die Hand drückt und erwartet, dass er euch zum Zielort dirigiert). Bei einer ca. zehnstündigen Fahrt ist die Gefahr ja groß, dass eine Band komplett betrunken ankommt. Das gilt natürlich nicht, wenn die Band VLADIMIR HARKONNEN heißt. Die Weltrevolution kann schließlich nur nüchtern errungen werden!

Da wir brutal früh losgefahren sind und richtig gut durchkommen, sind wir entsprechend zeitig beim Café Marat. Also, in Städten wie Neumünster oder Flensburg sind wir schon deutlich später eingetrudelt...

Ja, leck mich doch am Arsch. In einer derart unsympathischen Stadt wie München würde man eigentlich nicht so eine Oase wie das Café Marat erwarten. Total gemütlich, alles voller Grafitti, politischer Sprüche und innen drin sind mehr Sitzmöglichkeiten, als wir zählen können. Hier laufen offenbar auch diverse politische Aktivitäten, organisieren sich die verschiedensten politischen Gruppen. Super! Vermittelt hat uns den Trip Hammerhead Phil, der aber heute nicht selbst vor Ort sein kann. Dafür werden wir herzlich vom örtlichen Veranstalter Mike begrüßt, der heute auch zusammen mit seiner Band OFF DEAF den Abend musikalisch eröffnen wird.

Aber erst mal bisschen abhängen, Leute kennen lernen, den Laden genießen, ein paar Getränke zischen und lecker essen. Es gibt ein leckeres Gericht mit wat Reis, Tofu und Zwiebeln. Geschmackvoll zusammengestellt und pfiffig gewürzt.

OFF DEAF erinnern mich so'n bisschen an frühe KURHAUS. Es wird emotional geschrien, aber das mit ausreichend Punk-Dreck auf den Stimmbändern. Die Band hat heute erst ihren dritten Auftritt, was man natürlich hört. Aber man spürt auch ihre Liebe und was will man mehr?

Aus Tirol stammen ENDLESS PATH und sie haben (zusätzlich zu ihrem regulären Drumset) so eine Art e-Drum-pad dabei, mit welchem sie so einen mächtigen Rumms-Klang auf bestimmte Schlagzeugparts legen. So wie bei FEAR FACTORY oder so. Musikalisch ist das eher Metalcore, wie ich ihn mir zu Hause nicht anhöre. Sind aber nette Typen, die alle Wert auf eine sorgfältig gestylte Rasur legen. Wie ich erfahre, lassen sie ihre Bärte extra bei einem türkischen Barbier stutzen, der`s voll drauf hat.

 

VRHN

 

Trotz den auch heute in München spielenden TOXOPLASMA ist doch 'ne Handvoll interessierter Menschen gekommen. Einen Freak lerne ich endlich mal persönlich kennen, nachdem wir uns bisher ausschließlich via Netz über Musik und Literatur ausgetauscht hatten. Cheers Henry! Wir testen vorsichtig, ob die Münchener ihre eigene Stadt auch so furchtbar finden wie wir. Tun sie! Wies'n sucks, Kieler Woche aber auch. Wir erörtern also so relevante Fragen, auf welchem dieser Volksfeste sich mehr Mutanten herumtreiben. Dazu wird fleißig auf dem Boden gerollt. Einmal will ich Andi mit dem Mikro die obligatorische Kopfnuss geben, auf die er so steht. Doch da dreht sich der Fucker gerade in meine Richtung und bekommt das Ding direkt unters linke Auge. Berufsrisiko. Herrliche Sache! So schön, dass wir glatt noch spontan „Blue Hell“ und „Bonded By Vlad“ ranhängen. Nur wie diese doch verdächtig nach Zugabe (= Rockstarscheiße) riechende Aktion rechtfertigen? Einfach: Wir behaupten, wir hätten glatt zwei Titel auf der Playlist übersehen...

Danach wird schön noch Rock'n'Roll aus der Konserve gespielt, und wer es kann, der legt dazu einen kleenen Vladi-Shuffle aufs Parkett.

Mike wohnt angebliche „15 Minuten Fußmarsch“ entfernt. Warum überrascht es uns nicht, dass wir locker 45 min latschen? Und das OHNE Strecker. Alle ächzen unter dem Gewicht ihrer Schlafsäcke, Isomatten und Getränketüten (das mit der Weltrevolution muss kurz warten). Nur Andi nicht, der zieht einen Rollkoffer durch München. Was dafür total Unpunk ist und von allen mit Verachtung gedisst wird.

Gute Nacht und: TBA!

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