DIARY

Potsdam, U-24 – 09.09.2016

22.10.2016 von Philipp

In den Katakomben der Uhlies

In der Regel ist es am besten, ein Konzert mit langem Vorlauf zu planen. Entspannt Werbung machen und so… Manchmal vergeht aber auch so viel Zeit, dass die ursprüngliche Planung von der Realität überholt wird. So isses an diesem Wochenende: Eigentlich wollen wir schön mit drei Bands in Potsdam und Berlin zocken, neben STUMBLING PINS und uns Vladis auch unsere Froind*innen von RICH KIDS DRESS UP. Doch letztere müssen aufgrund von Krankheit beide Konzerte absagen. Gute Besserung! Dann ist der Mensch, der uns ins herrliche Wohnprojekt U-24 eingeladen hat, selbst gar nicht da, weil er einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt am Wickel hat. Und in Berlin ist aufgrund einer Kommunikationspanne gar keine Werbung erfolgt, obwohl der betreffende Flyer fast ein Jahr vorher fertig war – es hat den nur keiner dem Veranstalter geschickt… Gerade jetzt steht uns natürlich das Streckermobil nicht zur Verfügung und wir leihen uns den ROCK-TO-BUS aus Flensburg.

 

U-24

 

 

Das steht natürlich einem vladiistischen Wochenende nullinger im Wege. Bei den Uhlies spielen wir eh für die Bewohner*innen (und für das leckere Frühstück). Das Ding ist so schnuckelig, klein und gemütlich, dass mehr als zehn Menschen außer den Bands dort eh nur stören würden.

 

Trotzdem muss der Sound natürlich stimmen und so widmen wir uns nach dem exquisiten Essen einer ausgedehnten Klangcheckung. Die Gesangsanlage fiepst und windet sich, muss sich aber schließlich fügen. Die STUMBLING PINS bitten zum Tanz!

 

Ich bin der erste Käufer ihres pressfrischen Albums „Common Angst“, welches die PINS illegalerweise an diesem Wochenende noch vor dem offiziellen Release dabeihaben. JoyBoy hat das Ding bei Dremu als eine der Platten des Jahres und als seinen „persönlichen Olymp der besten Kiel-basierten Platten“ bezeichnet. Recht hat er! Live sind die neuen Songs ein unfassbarer Quantensprung zum bisherigen Material der Band, was sich u.a. in den Hooks von „Ode To Joy“, „Gentrifucks“ oder „Empty Pockets“ manifestiert. Willers Stimme droht zunächst etwas unterzugehen, aber Zarc schraubt immer wieder an den Knöppen, sodass sie sich schließlich ausreichend durchsetzt. „Shiver Alone“ besitzt ein unwiderstehliches Riff und „Off The Beaten Track“ eine melancholische Stimmung, von der ich nicht genug bekommen kann.


 

U-24

 

 

Wir sind bereits zum dritten Mal bei den Uhlies zu Gast und genießen auch diesen Auftritt. Der Zockraum hat immer noch dieses Flair aus zerrockter Punkkneipe und Baustelle. Ich bin überrascht, wie gut ich mich höre und so kann ausgelassen losgemetert werden. Da wir uns danach fühlen, gibt es heute unser Rock-in-Rio-Set, also die ausgedehnte Version inklusive Mitsingteilen, Garderobenwechsel (mehrfach), Drumsolo und Zugabenblock. Na gut, das mit der Soloeinlage ist gelogen.

 

Da heute in der Nähe eine Neunziger-Jahre-Party stattfindet, verschwinden fast alle Anwesenden, also echt die Besucher*innen, die Veranstalter*innen und sogar die PINS – zunächst bleiben nur wir und ein Tresengenosse. Letzterer geht dann auch. Somit werden Andi, Tobi und ich mit Unmengen von Bier, Schnaps UND einer Anlage alleingelassen, von der aus Andi auf seine Cloud mit ca. zehn Millionen Songs zugreifen kann. Au weia. Irgendwann  nachts stehen die PINS wieder im Raum und fragen uns fassungslos, was zur Hölle wir hier veranstaltet haben. Als ich das erste Mal aus dem komplett dunklen Raum stolpere, bin ich doch überrascht, dass mir grelles Tageslicht entgegenballert. Na dann mal gute Nacht, schließlich war Tobi noch nie (!) in Berlin und will noch das volle Touriprogramm. Ob uns das gelingen wird? TBC…

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