DIARY

Rendsburg, Kulturfabrik auf dem Rendsburger Herbst - 27.08.2016

05.09.2016 von Philipp

FCK AFD!

Kurios. Paradox! Da spielt mensch an einem warmen Sommertag auf einer Veranstaltung, die sich Rendsburger Herbst nennt. Noch seltsamer scheint auf den ersten Blick das Oxymoron Punkbands auffem Volksfest. Denn der Rendsburger Herbst ist so eine Mischung aus Rummel, Mutantenstadl und Bierzeltfummlertreffen. „Das ist kleiner als die Kieler Woche, aber asozialer und die Leute saufen mehr. Rendsburg halt.“, erklärt Bocky. Aber die Sache relativiert sich, wenn mensch erfährt, dass die Crew der T-Stube eine alternative Bühne im Stadtpark organisiert hat, die Kulturfabrik. Da spielen wir dann doch gerne.

 

 

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Ohne Stresspotenzial ist die ganze Sache natürlich nicht. Letztes Jahr hat wohl am Rande des Stadtparks eine Gruppe Nazihools rumgelungert, wahrscheinlich um Besucher_innen der Kulturfabrik abzufangen. Eine größere Gruppe wird heute nicht gesichtet, aber vereinzelt T-Shirts von Thor Steinar, Frei.Wild etc.

 

Zunächst genießen wir die leckeren veganen Burger, die direkt am Grill vor der T-Stube klargemacht werden. Gerade spielt eine polnische Ska/Raggae-Band. Noch ist das Publikum derart bunt gemischt (Kinder tanzen vor der Bühne und es gibt viele Leute, die sicherlich noch nie in ihrem Leben auf einem Punkkonzert waren), dass ich mich frage, wie das wohl werden wird, wenn wir spielen.



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Aber bei RICH KIDS DRESS UP wandelt sich das Bild so langsam. Es erscheinen immer mehr übliche T-Stuben-Gänger*innen. Die RICH KIDS haben heute wat Melancholisches an sich. Denn leider ist es der letzte Auftritt mit Julian, der die Band aus privaten Gründen verlässt. Sehr schade, denn so gut wie heute waren sie noch nie. Herrliche Bassläufe von Julian, grandioses Gesinge von Svea, abwechslungsreiches Gitarrengezocke von Ulf und tief hängender Schlüpper von Tim. Erst im Nachhinein wird mir von einer Entwicklung mitten im Publikum erzählt: Ein Typ kommt mit Svea nicht klar, guckt entsetzt zur Bühne, murmelt erst „widerlich“ und brüllt dann „Schwuchtel!“ Was zur Hölle? Offenbar hat dieser Hinterwäldler ein derart retardiertes Frauenbild, dass er Svea mit ihren Plugs und teilrasiertem Schädel nicht als Frau wahrnimmt, sondern wohl denkt, es singe ein Typ in blauem Rock. Was ja für einen halbwegs weltoffenen Menschen nu auch nix Erwähnenswertes wäre.... Vollidiot halt, der nach entsprechender Ansage einer Freundin von Svea maulend abzieht – nicht ohne vorher noch mal zur Bühne zu rennen und der Sängerin den Stinkefinger zu zeigen. Svea hat natürlich gar nichts mitbekommen, hält die Geste für eine Beifallsbekundung und winkt lächelnd zurück. Beste Reaktion auf Hater, hihi!

 

Schnell noch Vaddern Zölck Ohrstöpsel geliehen (ich verschweige, dass die Dinger benutzt sind) und ab! Doch was ist das vor der Bühne? Ein richtiger Vladi-Mob aus Schüttelrüben und Punkern. Oder sollte man besser TOBI-Mob sagen? Denn dessen Name wird die ganze Zeit skandiert… TOBI! TOOOBIII! Warum nicht? Er spielt ja auch gut. Heute gibt es zwei Neuerungen bei uns: Zarc hat sich so’n Dingsie gekauft, mit welchem er Samples über die PA jagen kann und so ertönen an zwei, drei Stellen die Samples, die wir auch auf den Platten haben („Death For Profit“, „My First Rifle“, „Roadkill BBQ“). Und wir haben mit Tobi einen weiteren Song von der roten Platte einstudiert, nämlich „Divorce Divine“. Gern verbreiten wir die Ankündigung eines antifaschistischen Aktionstages gegen den Landesparteitag der AfD. Geilerweise reagiert der Mob mit „Ganz Rendsburg hasst die AfD!“-Chören! Ich zitiere mal einen Kollegen von PHANTOM WINTER, denn besser kann ich dat auch nicht sagen: „Ich fänds übrigens mal gut, wenn mehr Bands zu so ner AFD Kacke Stellung beziehen würden. Das ändert zwar nichts, man nimmt aber dadurch den Nazis immer mehr Bands, die sie hören können.“ Right on!

 

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Insgesamt würde ich die Aktion als klaren Erfolg für die T-Stuben- bzw. Kulturbühnen-Orga sehen. Klar sind auch ein paar komische Gestalten angetanzt, aber so wurde mal etwas Gegenkultur gezeigt. Und außerdem hat es verdammt viel Spaß gemacht! Danke für die Einladung.  


 

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