DIARY

Schwerin, Doktor K. – 01.12.2017

21.12.2017 von Philipp

Unter der Arschlochgrenze

Unsere beiden letzten Konzerte in diesem Jahr spielen wir zusammen mit den Kollegen von TYSON, was ein unbedingter Garant für ein gelungenes Wochenende ist. Leider ist Strecker jedoch an diesem Wochenende verhindert (er hat auch einen guten Grund), und wir müssen überlegen, wie wir den ganzen Kram transportieren. Es ist einer der Momente, der die positiven Seiten sozialer Netzwerke hervortreten lässt: Auf einen Facebook-Post hin wird uns schnell Otto vermittelt, der bei REZET nicht nur Bass spielt, sondern halt zudem seinen Bus und seine Fahrkünste einsetzt. Otto kennen wir schon von gemeinsamen Auftritten mit REZET, aber nun verbringen wir intensiver Zeit mit ihm und können klar sagen, dass er ein entspannter Mensch ist. Wir hören unterschiedlichste Mucke im Ottomobil, u.a. 3 INCHES OF BLOOD, BLUE ÖYSTER CULT, WOLF, OBITUARY oder MISFITS und verquasseln fix die Zeit.

 

Andiland

 

Angesichts der Wetterbedingungen kommen wir eigentlich gut durch und erreichen das Dr. K rechtzeitig. Geilerweise haben TYSON bereits ihre neue Scheibe, Longplayer Nr. 3 mit dem Titel „Unbreakable“, pressfrisch dabei und wir schreiten als erste Käufer zur Aberntung.

Es kommen ein paar mehr Nasen als erwartet. Voll geht zwar anders, aber das hier ist schließlich Schwerin und nicht irgendeine Rock’n’Roll-Metropole. Ist uns ja auch eher wumpe – drei, dreißig oder dreiunddreißig, Hauptsache die respektieren den Rock! Über 300 kommen die Arschlöcher, hat mal ein schlauer Mensch gesagt. Deutlich unter der Arschlochgrenze wird also heute der Abriss zelebriert. Heute eröffnen wir, morgen TYSON. Der Auftritt verläuft in völlig stabil-vladiistischen Bahnen; Es gibt Schläge und Tritte auf der Bühne, Rocksaft fliegt herum, Köppe werden an Monitore gehauen, ein Bodenroller ist auch dabei. Nichts Spektakuläres also. Doch, Moment, eine Sache ist mir zumindest neu: Ein Typ springt während eines Songs auf die Bühne, stellt sich quasi neben mich und richtet sein Smartfon auf unsere Hackfressen. Und das fast den ganzen Song lang. Ob sich das etabliert? Quasi die Live-Erinnerung nicht nur aus der ersten Reihe, sondern direkt aus dem Geschehen heraus? Egal, hat Spaß gemacht, auch wenn der Sound am Anfang eher suboptimal war.  

 

TYSON hämmern dann gut einen raus und zeigen sich gerade beiden neuen Stücken deutlich gereift. Das peitscht thrashig rein, hat durchweg Power, ist super gespielt und enthält diverse Hooks in den Gesangslinien. „Moshpit Alliance“, „From The Ashes“ und „Higher“ sind neue TYSON-Faves von mir, die insgesamt melodiöser und thrashiger als das bisherige Schaffen wirken. Leider fehlt der zweite Gitarrist Zed Doomhammer heute und der Sound ist immer wieder von so einem tieffrequenten Brummen durchsetzt. Aber das tut dem Spaß keinen Abbruch und ich sehe, dass wirklich alle Anwesenden bangen und das höchstens mal für einen Gang zum Tresen oder zur Toilette unterbrechen. Am Ende steigt Kochi von der Bühne und fordert die Leute zu „Knockout“ dazu auf, ihn umzuwämsen. Mutige Sache, denn im Publikum befinden sich durchaus einige Kanten.

 

TYSON müssen heute noch nach Hause fahren, was Andi offenbar zum Anlass nimmt, ihren Anteil mitzutrinken. Wenn man selber spielt, bezahlt man ja in der Regel nicht viel - Bier ist meist unbegrenzt, Schnaps kostet manchmal (wie heute) die Hälfte. Joah, und Andi schafft es tatsächlich trotz dieser Voraussetzungen 80,- Euro auf den Kopf zu hauen. Auch nicht schlecht! Allerdings geht jede schöne Feier mal zu Ende und alle legen sich schlafen. Doch diese Nacht ist von diversen Unterbrechungen gekennzeichnet: Immer wieder ertönen unmenschliche Würgeräusche, der Verursacher fährt ruckartig hoch und lässt seinen Schädel nach erfolgreichem Zurückwürgen krachend auf den Bodensausen. Irgendwann ist eine befreiende Brecherei aber offenbar nicht zuvermeiden und der Erzeuger dieser netten Geräusche geht geschätzte zehn Mal zur Toilette, um sich zu erleichtern. Als ich gegen Morgen zum Wasserlassen dieselbe Route beschreite, treffe ich auf eine Lache aus Galle, in der sich ein nackter Fußabdruck abzeichnet. Ich datiere diese Spuren auf Kotzgang Nr. 7 und Nr. 8 – offenbar stammen Galle und Fußabdruck von derselben Person, hehe. Wird Andi am nächsten Tag in Bremen spielen können? Fortsetzung folgt…

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