DIARY

Schwerin, Dr. K – 12.12.2015

17.12.2015 von Philipp

Jesus kommt nämlich aus Bützow

Zunächst: Gute Besserung an Tom Banx! Der TYSON-Drummer musste ins Krankenhaus und da Schlagzeugspielen mit frischer OP-Narbe nicht soo geil ist, mussten TYSON auch kurzfristig ihre Teilnahme am Gig in Schwerin absagen. Nun hatten die drei schlagkräftigen Kieler das Ding aber organisiert. Als wir uns gerade noch fragen, ob das Konzert dann nicht besser ganz verlegt werden sollte, hat Veranstalter Wito den Vorschlag, uns mit den Schwerinern JESUS KOMMT AUS BÜTZOW auf die Bretter zu schicken. Wir so: „Geht.“

Heute heißt es ROCK-TO-BUS statt Streckermobil, denn letzteres ist immer noch nicht heile. DIY-rental aus Flense olé! Wir sind original mit demselben Bus schon einmal unterwegs gewesen und genießen somit uns wohlvertraute Gerüche. Leider vergesse ich es, uns in das dort rumfliegende Gästebuch einzutragen. Aber ihr könnt euch ja diesen Tagebucheintrag ausdrucken und dort reinkleben, liebe ROCK-TO-BUS-Nasen. Da die Gebrüder Zölck und ich immer noch im Rausch der vorgestrigen GHOST-Show dahinschweben, dudeln wir eine von Zarc erstellte Best-Of-Compilation der Band rauf und runter.

 

Flyer

 

Im Dr. K war ich mit BONEHOUSE schon mal zu Gast, und ich freue mich darüber, dass die betreffenden Plakate noch hängen. Gemütlicher und recht professioneller Schuppen, der angenehmerweise die Schlafplätze gleich im Gebäude hat. (Ist immer so ein Abfukk, wenn man nachts noch mit Sack und Pack durch die halbe Stadt latschen muss.) Auch wenn zumindest ich diese Schlafplätze nur für einen sehr kurzen Zeitraum nutzen werde. Wir werden nett begrüßt von Veranstalter Wito und den JESUS-Boys. Effizient: Der Typ, der gerade kocht, wird uns später auch mischen. JESUS KOMMT AUS BÜTZOW-Sänger Henri kommt als letzter an – der war noch mit Omma auffem Weihnachtsmarkt und muss nach dem Soundcheck konsequenterweise erst mal ein Backstage-Schläfchen einlegen.


Irgendwann beginnen die Schweriner Kollegen. Geiles Grindcore-Gedengel mit infernalischem Gebrüll! Der Sänger Henri macht 'ne Floorshow und wirkt gleich viel wacher. Leider dröhnt der Bass alles derart zu, dass mensch kaum etwas von den anderen Instrumenten hört. Nun, vielleicht soll das ja so sein?

 

Es sind beim ersten VRHN-Gig in Schwerin nicht übertriebene Menschenmassen erschienen. Aber wir locken alle Anwesenden vor die Bühne. Ich spüre noch beim zweiten Song, dass ich in eine Art Bühnenrausch rutsche (ohne Drogen wohlgemerkt). Dann weiß ich immer nicht so richtig, was ich tue. Im Nachhinein erscheint alles wie ein verschwommener Traum. Habe ich wirklich meinen Kopf gegen Tische und Boxen gehauen? War das tatsächlich ich, der eine Box, auf der noch kurz zuvor Andi und Zarc Harkonnen nebeneinander Platz zum Gitarrenschwenken gefunden hatten, auf sich gewälzt hat? Und intoniert Zarc wirklich „He Is“ von GHOST? Es muss auf jeden Fall einiges davon wahr sein, denn noch am nächsten Morgen sehe ich an der Stirn aus wie ein Klingone oder wie jemand, der sich einem Schädelplatten-Bodymorphing unterzogen hat. Hat man mal. Definitiv Realität: Nach dem letzten Kurzauftritt in Kiel können wir eine ausgedehnte Setlist zocken, an die wir neben „Schweineherbst“ noch das eigentlich ad acta gelegte „Bonded By Blood“ hängen.

 

Danach wird hin und herdiskutiert, wo und ob wir noch hin-/weggehen. Gerade hat sich der Rest schlafen gelegt, als mir der Kochmischer von einer anarchistischen Tanzveranstaltung erzählt. So schlumbumbern wir zu zweit durchs verregnete Schwerin und erreichen die Katakomben eines restlos geilen Zeckenladens. Boah, hier fühl ich mich wohl! Drei Djs bzw. Djanes bringen unzählige Besucher*innen zum Tanzen. Wir machen gleich mit. Als ich gegen 8.00 Uhr morgens zurück im Dr. K in den Schlafsack schlüpfe, ahne ich noch nicht, dass mich Zarc eine halbe Stunde später bereits wecken wird. No rest for the wicked...

 

Schwerin, wir kommen wieder. Wenn wir dürfen. Wito, diese Sauerei im Backstage, das waren nicht wir!

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