DIARY

Weißenmoor, ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP – 06.09.2014

09.09.2014 von Philipp

Hast du etwa mit den Augen gerollt?

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Drei Stunden Schlaf können auch mal reichen. Vor allem wenn man ein derart leckeres Frühstück kredenzt bekommt wie wir jetzt grad von Gastgeber Kai Nenschimmer. Uns fällt ein, dass Düsseldorf mit „Hitsville“ mindestens einen guten Plattenladen hat. Und da unsere Terminvorgabe „irgendwann abends“ lautet, heißt es: Hin da!

 

In der Düsseldorfer Altstadt sieht es aus wie bei uns zur Kieler Woche. Also alles voller Mutanten. Laut Kai sei das Schlimme daran aber, dass dieser Zustand nicht eine, sondern 52 Wochen im Jahr anhalte. Weia. Zum Glück kennt unser Guide aber die versteckten netten Ecken. Wir kommen während der Stadtführung übrigens am Haus längs, in dem Heinrich Heine 1797 geboren wurde. „Deutschland, wir weben dein Leichentuch, / Wir weben hinein den dreifachen Fluch.“

 

Bei Hitsville betreiben wir dann erbauliche Plattenernte – u.a. wandern Sachen von EXTREME NOISE TERROR, JERRY'S KIDS, MERCYFUL FATE, SHEER TERROR und IRON REAGAN in unsere Sammlungen. Nach ein paar Bierchen in der Altstadt müssen wir dann aber auch langsam mal los. Zurück am AK 47 gibt man uns netterweise noch einen Kasten Bier als Wegzehrung mit.

 

Das ANARCHSTISCHE SOMMERCAMP findet auf einem Resthof nahe Weißenmoor bei Rotenburg statt. Wir finden es eigentlich recht schnell und sind sofort verliebt. Total schön hier. Erinnert uns sehr an einen französischen Squat in Bovel (bei Rennes), wo das auch so gemütlich und liebevoll zusammengezimmert ist. Unsere Pennplätze sind wie in Bovel ebenfalls über eine schmale Holztreppe zu erreichen. Das Sommercamp läuft eine ganze Woche von Mittwoch bis Mittwoch und hat diverse interessante Themen zur Diskussion, z.B. „Anarchie und Alter“ oder „Ökonomie und Utopie“. Alles erscheint recht fit durchorganisiert und wir begeistern uns für die aufgehängten Verhaltensregeln – so verbannt man männliche Machtgebärden oder Augenrollen bei Gesprächen. Wird sofort fürs Streckermobil adaptiert – wer ab jetzt genervt mit den Augen rollt, wird hart bestraft, rausgeworfen und ohne Bier im Nirgendwo zurückgelassen. Es sind extra zum Konz auch diverse Leute eingetrudelt, diverse angenehme Wiedersehen können gefeiert werden.

 

Da wir heut die einzige Band sind, können wir nach einem kurzen Soundcheck auch schon gegen 23.00 Uhr oder wat beginnen. Der Klang ist richtig gut – wie so häufig unter ähnlichen Umständen, also einfach mit Backline und 'ner kleinen PA plus Gesangsanlage. Und ebenfalls so 'ne Art Rock'n'Roll-Gesetz: Der zweite Auftritt ist IMMER besser als der erste! Heute flutscht das aber auch alles. Kann natürlich auch am Rotwein liegen, sagt ihr? Aber nein, alle sind einfach voll in Fahrt und motiviert bis in die letzte vladiistische Körperzelle. Heute springt Tobi bei „Black Metal Duckface“ mal an die Gitarre und Zarc schnappt sich sein Mikro und hüpft gemeinsam mit mir herum. Warum Tobi sowas tut? Weil er's kann, schätze ich. Die Folge sind „Tobi“-Rufe aus dem Mob, welche den Guten derart anspornen, dass er zu „Bonded By Vlad“ Andis Bass übernimmt (und gleich den ersten Ton verkackt). Ein Auftritt, der einfach unfassbar viel Spaß macht.

 

Gefeiert, gesabbelt und tolle Musik gehört steht dann bis tief in die Nacht auf der Agenda. Irgendwann krabbeln wir die erwähnte Treppe hinauf ins Penn-Stockwerk. Dort liegt Tobi bereits seit mehreren Stunden, leidet aber irgendwie unter massivem Magengrummeln. Ob es nun unsere vereinten Ausdünstungen sind oder einfach Zufall: Jedenfalls muss sich der gute Tobi plötzlich und in unfassbar starken Strahlen seines Mageninhalts entledigen. Zum Glück schließt das Dach nicht direkt an den Boden an und Tobi hat eine ausreichend große Lücke zum Rauskotzen. Wir befürchten schon, dass die minutenlang andauernden Auswürfe das unten stehende Küchenzelt erwischen, sehen morgens aber, dass er lediglich den Boden bekleckert hat…

 

Tscha, nach einer erneut sehr kurzen Nacht geht es dann auch wieder los mit dem Streckermobil. Danke, Ole, Danke ANARCHISTISCHES SOMMERCAMP & alle Besucher_innen!

 

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